ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

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Albert von Pietengau
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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von Albert von Pietengau » Mi 25.06.14 13:48

Und hier noch ein reiner Schrift-Dirham von Kay Khosraw II. aus Sivas (635 AH):

Möglicherweise hat Hetoum I. mit seinem bilingualen Tram Kay Khosraw II. zu einer (seit Längerem wieder einmal) bildhaften Darstellung inspiriert. Eine solche Inspiration mag auch dem Reiter-Dirham von Kilitsch Arslan IV. (646-647 AH; Mitte 13. Jh.) zugrunde gelegen haben - quasi als Rückbesinnung auf alte Werte. http://www.numismatikforum.de/viewtopic ... 15#p421349


Gruß
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klaupo
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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von klaupo » Mi 25.06.14 20:18

Albert von Pietengau hat geschrieben:Zuerst der berühmte Sonne-Löwe-Typ von Kay Khosraw II. in seinen zwei am leichtesten zu unterscheidenden Ausführungen, von denen es wiederum einige Varianten gibt ...
Eine sehr seltene Variante dieser schönen Münze sollte hier nicht unerwähnt bleiben - sie zeigt unter der Sonne zwei Löwen!

http://www.zeno.ru/showphoto.php?photo=40851

Gruß klaupo

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Albert von Pietengau
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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von Albert von Pietengau » Mi 25.06.14 21:29

8O Never seen before! BTW: Ertekin aus Trumau ist einer meiner Lieblingshändler. Die meisten der hier gezeigten RS sind von ihm. Aber dieses wunderbare Stück gibt er ganz bestimmt nicht her. Ich tröste mich damit, dass er es an meinem Geburtstag eingestellt hat - oder sollte das etwa eine tiefere Bedeutung haben. :angel: Nein, ich will erst gar nicht fragen, sonst nage ich noch am Hungertuch. :mad:


Soll's nun mit Kay Kawus II. weitergehen?



Gruß
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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von ischbierra » Mi 25.06.14 23:08

Noch nicht gleich; ich schiebe noch mal einen Kay Kawus II. ein.
Dirhem, 646 Konya, 2,98 gr.
geändert nach Korrektur durch AvP
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1236-1245 Kay Khusru II., Dirhem, 643 Konya, Alb 1216,2 (1).JPG
1236-1245 Kay Khusru II., Dirhem, 643 Konya, Alb 1216,2 (2).JPG
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Albert von Pietengau
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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von Albert von Pietengau » Fr 27.06.14 00:49

Zunächst ein Fals von Kay Kawus II. (644-647 AH; 1246-1249 AD) o. Mst., o. J.,
danach ein Dirhem aus Konya (646 AD).


Kreis und Quadrat symbolisieren die Welt und die 4 Elemente aus denen diese aufgebaut ist. Feuer, Luft, Wasser und Erde sind in ihrer Gesamtheit ausgewogen und werden den 4 Himmelsrichtungen und den 4 Jahreszeiten zugeordnet. Auch Morgen, Tag, Abend und Nacht können zur Zuordnung herangezogen werden. Die Farben der Spielkarten zeugen ebenfalls von den 4 Elementen, in denen man in früheren Zeiten mehr als nur Aggregatzustände (plasmaförmig, gasförmig, flüssig, fest) sah: sie standen für jeweils zwei entgegengesetzte Prinzipien, die aufgrund ihrer Gleichrangigkeit im griechischen Kreuz Ausdruck fanden (z. B. O=Feuer, W=Wasser, N=Luft, S=Erde). Der Kreuzungspunkt der beiden Achsen stand für die Quintessenz "Ether". Ganz ähnlich aufgebaut ist das Medizinrad der Indianer. Im antiken Griechenland war diese uralte Lehre lediglich wiederbelebt worden und gelangte dann über die Araber zu uns, wo sie im Lauf der Jahrtausende(!) in Vergessenheit geraten war. Und es ist haargenau dieses Kreuz (im Kreis), das uns auf nahezu allen Münzen des Mittelalters begegnet. Nur den Wenigsten dürfte seine ursprüngliche Bedeutung bekannt gewesen sein: wie heidnische Feiertage und Bräuche hat die r.k. Kirche auch dieses archaische Symbol in Beschlag genommen und in ein christliches Symbol umgemünzt.


Sowohl auf dem Fals als auch auf dem Dirham wird der Kalif al-Mustasim billah genannt. Der Dirhem weist (wie andere um 1250 von den RS geprägte Münzen) auch noch die Shahada auf.
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Kay Ka'us II.; o. Mst., o. J.
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Kay Ka'us II.; Konya; 646 AH
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Zuletzt geändert von Albert von Pietengau am Fr 27.06.14 21:44, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von klaupo » Fr 27.06.14 10:26

Kay Kawus II. regierte zweimal allein, unterbrochen durch eine gemeinsame Regentschaft mit seinen zwei Brüdern, die auch gemeinsam prägen ließen ("Three brothers"). Seine zweite Herrschaft (655-660 AH / 1257-1262) beschränkte sich auf die Westprovinzen. Mit dem folgenden Dirhem aus der 1. Regierungszeit möchte ich mich so langsam aus diesem Thread verabschieden, denn ich habe zwar einen umfangreichen Bestand an Dirhems von Kayqubad I. Die sind aber alle bereits in die Datenbank von ZENO eingepflegt, und den Niedergang der Rum-Seldschuken kann ich nur noch lückenhaft mit Einzelstücken belegen.

Gruß klaupo

Seljuqs of Rum, Izz al din Kay Kawus II ibn Kay Khusru, 1st reign (644 - 647 AH / 1246 - 1249 AD), AR dirhem, 644 AH (1246 AD), Sivas, 2,96 g, 23 mm, ME-611, Mitchiner WOI (vgl.) 986-988
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644_Kay_Ka-us_2_1st_Reign_Sivas_n.jpg

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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von Albert von Pietengau » Fr 27.06.14 22:40

... wobei zu hoffen bleibt, dass wir unsere Lücken gegenseitig auffüllen. Ich befürchte aber, dass diese Hoffnung auf wackeligen Beinen steht: schließlich betreffen Lücken i. d. Regel seltene Stücke, die man nur als spezialisierter Sammler hat.
Aber schau'n mer mal...

Unter Qilich Arslan IV. (646-647 AH (erste Regierungszeit um 1249)) wurde dem Reiter-Motiv neues Leben eingehaucht: es wurde verfeinert und erstmalig in Silber geschlagen. Erwähnt wird wieder al-Mustansim billah. Von diesem Stück ist meines Wissens nur eine Variante bekannt, bei der sich der Stern etwas höher - genau zwischen den Beinen des Pferdes - befindet. Zudem ist unterm Pferdekopf ein "Punkt" zu sehen. Vermutlich handelt es sich hierbei um die spätere Prägung (im selben Jahr), da sie stilistisch harmonischer wirkt.

Morgen geht's dann mit den "Drei Brüdern" weiter.



Gruß
AvP
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Sivas, 646 AH; Alb. 1226; 2,73 g
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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von Albert von Pietengau » Sa 28.06.14 20:23

Ehe ich mit den Münzen des 13. Jh. fortfahre, möchte ich noch Folgendes zum Sonne/Löwe-Motiv anmerken:

"In Khabis, der alten Hauptstadt im Ostiran wurde eine kleine Metallflagge gefunden, die aus dem Jahre 3000 v. Chr. stammt, was sie zur ältesten Flagge der Welt machen würde. Unter den Symbolen, die auf der Flagge eingeätzt waren, befanden sich auch Löwe und Sonne, die in der ganzen iranischen Geschichte immer wieder erscheinen. Beispiele für die gemeinsame Nutzung finden sich auch im 13. Jahrhundert, die erste bekannte Flagge aus Stoff mit Löwe und Sonne stammt aus dem 15. Jahrhundert."

"The lion and sun motif is based largely on astronomical and astrological configurations, and the ancient zodiacal sign of the sun in the house of Leo. This symbol, which combines "ancient Iranian, Arab, Turkic, and Mongol traditions", first became a popular symbol in the 12th century. According to Afsaneh Najmabadi, the lion and sun motif has had "a unique success" among icons for signifying the modern Iranian identity, in that the symbol is influenced by all significant historical cultures of Iran and brings together Zoroastrian, Shi'a, Jewish, Turkic and Iranian symbolism."

[Wikipedia]

Womit der Ursprung dieses Motivs geklärt sein dürfte. Ich habe vergessen zu erwähnen, dass die Rum-Seldschuken nicht nur Persisch als Hofsprache übernommen hatten, sondern generell der persischen Kultur (mitsamt ihren vorislamischen Elementen) in höchstem Maße zugetan waren. Persische Literatur und Kunst etablierten sich unter den RS zur stilgebenden Kraft, wovon auch die Diwani-Schrift des osmanischen Reichs, die sehr stark an die "Leichtigkeit" der persischen Schrift erinnert, zeugt.

Dass sich Kay Khosrau II. über das islamische Bilderverbot z. Z. der Kreuzzüge hinweggesetzt hat, darf durchaus als Demonstration seiner Macht (dem Kalifen al-Mustasim billah gegenüber) angesehen werden. Nur die Mongolen (Ilkhane), die auch den realitätsfernen Kalifen hingerichtet hatten, konnten ihm Einhalt gebieten - und sie taten es auch.


Von den direkten Nachkommen Kay Khosrau's II. sind insbesondere die drei Halbbrüder Kay-Kawus II., Kilitsch Arslan IV. und Kay-Kubad II. (als Vasallen der Ilkhane) zu nennen, die sich nicht nur gegenseitig bekämpften, sondern auch gemeinsam (647-655 AH (1249-1257 AD)) regierten.

Die nachfolgend gezeigten Münzen wurden beide im Jahr 648 AH (1250 AD) in Konya (Av., letzte Zeile) geprägt: während sich beim Dirhem eines der "Jahreszahlzeichen (N)" (nach der Shahada und dem Namen des besagten Kalifen) noch in der vorletzten Zeile am Ende des Av. befindet, scheint es beim Denar erst am Anfang der letzten Zeile auf. Die Denare von 648 sind größtenteils stempelgleich!
Wie üblich trägt der Rv. den Namen des jeweiligen Sultans - in diesem Fall die Namen der drei Brüder - als Sohn/Söhne des Vorgängers (Kay Khusrau II.).
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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von Albert von Pietengau » So 29.06.14 11:49

Das Faszinierende an den islamischen Münzen liegt neben den schönen Schriftbildern, die vom statisch und geometrisch wirkenden Kufisch bis hin zum dynamischen, locker fließenden Diwani reichen, in der Nennung zahlreicher Details, wie Münzstätte und Prägejahr, wobei die einzelnen Schriftzeichen nicht immer nacheinander in der selben Zeile aufscheinen müssen, sondern durchaus auch einmal über dem vorhergehenden Schriftzeichen liegen können. Durch die Verwendung von Ligaturen, wie sie uns auch im Armenischen begegnen, kann ein und dasselbe Wort gänzlich unterschiedlich aussehen, was anhand des (auf islam. Münzen häufig aufscheinenden) Namens des Propheten gezeigt werden soll. Außerdem lässt sich durch die reine Konsonanten-Schreibweise sehr viel Text unterbringen (siehe die Münzen der drei Brüder).
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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von Albert von Pietengau » So 29.06.14 14:52

Nun folgt jeweils ein 6-Pass-Dirhem - auch davon gibt es rare Goldprägungen - von Kilitsch Arslan IV. (655-663 AH (1257-1265 AD); zweite Regierung in Sivas und Konya; ab 1259 allein) [UE-1172] und danach von Kay Khusrau III., seinem Sohn (663-682 AH (1265-1284 AD)). Münzstätte und Prägejahr bilden in beiden Fällen die Umschrift am Av. Diesen neuen Münztyp gab es ab 663 und beide Münzen scheinen aus diesem Jahr zu sein.

An dieser Stelle eine Berichtigung:
Das Reitermotiv gab es bereits unter Suleiman II. (Ende 12 Jh.) auf Silber, und nicht erst unter Kilitsch Arslan IV.: http://www.acsearch.info/search.html?id=1480001

"Kilitsch Arslan IV. war der Sohn des Kai Chosraus II., der die Schlacht vom Köse Dağ gegen die Mongolen unter Baiju verlor, woraufhin die Sultane zur Vasallen degradiert wurden. Die Niederlage führte auch zu einer Hungersnot in den verwüsteten Landstrichen Anatoliens. Kai Chosrau II. ernannte erst seinen anderen Sohn Kai Ka'us II. zum Sultan. Kiliç Arslan IV. selber wurde als Botschafter zur Krönung des Güyük Khan zum mongolischen Hof geschickt. Die Mongolen sahen in Kilidsch Arslan IV. einen besseren Vasallen und erkannten ihn als rechtmäßigen Sultan an. Mit deren Hilfe wurde Kilidsch Arslan IV. 1248 in Kayseri zum Sultan gekrönt. [1. Reg.]

Nun gab es mit ihm zwei Sultane, was unweigerlich zu Konflikten zwischen den Brüdern führte. Erschwerend kam hinzu, dass sich ein dritter Bruder Kai Kobad II. in die Rivalitäten einmischte. Kai Ka'us II. erneuerte daraufhin das Bündnis mit Nikäa, das sein Vater 1243 mit Johannes III. geschlossen hatte, und konnte Kilidsch Arslan IV. 1254 zunächst in Kayseri überrennen und gefangen nehmen. Aber 1256 unternahm der mongolische Feldherr Baiju einen Feldzug gegen Kai Ka'us II. In der Nähe von Aksaray traf er auf die Truppen von Kai Ka'us II. und besiegte diese. Kai Ka'us II. blieb nur die Flucht zu seinen griechischen Verbündeten nach Nikäa.

Kilidsch Arslan IV. wurde 1256 neuer Sultan in Kayseri. Doch als er die Tributzahlungen einstellte, intervenierten die Mongolen erneut, während zeitgleich Kai Ka'us II. wieder in Konya einzog. Am Vorabend ihres finalen Angriffs auf das Abbasiden-Kalifat in Bagdad setzte Möngke Khan 1257 nach Kai Kobads II. Tod, der 1257 das Opfer seiner Emire in Erzurum geworden war, die beiden noch lebenden Brüder als Teilherrscher ein, um die anatolische Flanke zu befrieden. So mussten beide Brüder sich 1260 mit Hilfstruppen am mongolischen Feldzug Hülegüs nach Syrien beteiligen. Nach der mongolischen Niederlage in der Schlacht von Ain Djalut gegen die Mameluken unter Baibars aber bekämpften sie sich erneut, und wieder musste Kai Ka'us II., der auf die Mameluken gesetzt hatte, vor einer erneuten mongolischen Invasion auf griechisches Gebiet fliehen, während Kilidsch Arslan IV. als alleiniger Sultan 1261 in Konya einzog. Kai Ka'us II. ging 1263/1264 ins Exil auf die Krim, wo er 1279 starb.

So herrschte Kilidsch Arslan IV. von 1260 bis zu seinem Tod 1265 über das ganze Sultanat. Er eroberte Silifke von den Armeniern und nahm dem Kaiserreich Trapezunt die Stadt Sinop wieder ab. Allerdings wurde er 1265 bei einem Bankett mit den Mongolen unerwartet ermordet. Die Mongolen setzen seinen minderjährigen Sohn Kai Chosrau III. als Sultan ein."
[Wikipedia]
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Kilitsch Arslan IV. (655-663 AH) ; Konya 663 AH
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Kay Khusrau III. (663-682 AH); Konya 664 AH
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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von Albert von Pietengau » So 29.06.14 16:09

Nachdem die Ilkhane Kai Khosrau III. (wie zuvor schon seinen Vater Kilitsch Arslan IV.) hingerichtet hatten, wurde sein Cousin Mas'ud II., Sohn des Kai Ka'us II., als neuer Sultan eingesetzt. Er "regierte" mit mehreren Unterbrechungen zwischen 1282 und 1307.
Mas'ud II. überspringend, zeige ich abschließend noch ein Stück von Kay Kubad III., geprägt in Ladik im Jahr 700 AH (1300 AD).

Kay Kubad III. orientierte sich auch an Kay Khosrau II.: http://www.acsearch.info/search.html?id=1361898

Ich bedanke mich bei den Lesern, beim Orientspezialisten klaupo und beim Münzspezilisten ischbierra. Allen voran natürlich bei dem "bärtigen alten Mann", der mich durch die münzbestückte Hintertür irgendwann doch noch so weit bringt, dass ich Arabisch lerne. Als ob ich sonst nichts zu tun hätte... Immer wieder höre ich IHN aus den Münzen brüllen: "Lies!" Und wenn ich - wie Mohammed zu Gabriel - kleinlaut sage, dass ich nicht lesen könne, wird mir die harsche Antwort zuteil: "Dann lern' es doch, du Esel!" :?


Gruß
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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von klaupo » So 29.06.14 16:42

Meinen Dank gebe ich umgehend zurück an AvP für diesen ausführlichen Einblick in die (Münzen-) Welt der Rum-Seldschuken. Eine derart umfassende Zusammenstellung an Hintergrundmaterial - unterlegt mit schönen Münzen und Ausblicken, die zur weiteren Beschäftigung mit diesem spannenden Thema einladen - habe ich im Netz bisher vergeblich gesucht. Herzlichen Dank dafür!

Gruß klaupo

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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von ischbierra » So 29.06.14 18:06

Auch ich bedanke mich herzlich für Deine Initiative und klaupos hilfreiche Ergänzungen.
Ich springe noch mal kurz zurück und zeige einen Dirhem Kay Kawus III. aus Konya, 677. Leider bin ich auch des Arabischen nicht mächtig und vertraue oft den Händlerangaben oder suche mühsam bei zeno.
Zu meinem Glück würde mir noch fehlen, wenn die Kundigen unter Euch mal an Hand von Beispielen die Areale auf den Münzen bezeichnen könnten, auf denen man Herrschernamen , Daten und Münzstätte findet - dann hätte man wenigstens einen Anhaltspunkt. Wenn man weiß, wonach man suchen muß ist es eben einfacher. Ich habe mich kürzlich mit den judäischen Hasmonäermünzen befaßt, deren aramäische Inschriften alle gleich kryptisch aussehen; jetzt kann ich sie wenigstens unterscheiden.
Übrigens, die Seldschuken waren nicht die einzigen islamischen Herrscher zur Kreuzfahrerzeit. Es gibt also noch Erweiterungsmöglichkeiten.
Gruß ischbierra
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1265-1283 Kay Khusru III. AR-Dirhem Konya 677 (1).JPG
1265-1283 Kay Khusru III. AR-Dirhem Konya 677 (2).JPG

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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von Albert von Pietengau » So 29.06.14 19:04

klau :D bierra

@ischbierra:

Was Du ansprichst, interessiert mich klarerweise auch. Leider kann diese Frage nicht pauschal beantwortet werden - nicht einmal für eine Dynastie.

Vier Fälle wurden ja schon vorgestellt:

1.) Dirhems der Ayyubiden (Damakus-Typ) unter "Kreuzfahrer-Imitationen":
Münzstätte und Jahreszahl (in Worten) verlaufen zwischen Kreis und Quadrat.
Beim Aleppo-Typ nehme ich an, dass diese Angaben zwischen Kreis und Stern zu finden sind. Um dies zu erfahren habe ich mir aus den USA extra ein dickes Buch über Ayyubidische Münzen bestellt: Fehlanzeige!!!
2.) Die arabische Seite der bilingualen Trams: Mst. und Jahresz. bilden die Umschrift, die nur schwer als solche zu erkennen ist, da sie nicht abgegrenzt ist.
3.) Die beiden Münzen der Drei Brüder: Die Angaben von Mst. und Jahresz. befinden sich in den letzten beiden Zeilen am Av.
4.) Die beiden Münzen nach den Drei Brüdern: Die Angaben verlaufen zwischen Kreis und Sechspass.

Prinzipiell ist am Av. die Shahada und gegebenenfalls der Name des Kalifen zu finden. Erst danach wird der Herrscher genannt. In der Regel am Rv.

Je nachdem, wie die Münze aufgebaut ist, ist es immer anders. Um wirklich Sicherheit zu erlangen, sind zumindest Grundkenntnisse des Arabischen unumgänglich. Und dann muss man sich noch in die unterschiedlichen Schriftbilder einlesen...


Gruß
AvP



PS:
Zu den Erweiterungsmöglichkeiten: Ayyubiden, Ilkhane und Mamluken stehen in der Warteschlange. Du darfst gerne beginnen! :D
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Re: ISLAMISCHE MÜNZEN zur Zeit der Kreuzfahrer

Beitrag von Albert von Pietengau » Mi 02.07.14 01:23

Nachtrag:

Das erwähnte Buch aus den USA, das ich mir gerade etwas näher angesehen habe, trägt den Titel "The Coinage of the Ayyubids", stammt von Paul Balog und wurde von der Royal Numismatic Society herausgegeben.
Inzwischen ist mir auch klar, wieso ich das, wonach ich suchte, nicht fand. Der Autor geht schlicht und einfach davon aus, dass der Leser seines Buches Arabisch kann. :?

Folgendes schreibt er zu Av. und Rv., indem er sich auf den Artikel "Obverse and Reverse in Islamic Numismatic" von J. L. Bacharach und H. A. Award bezieht:

"This authors observe that neither medieval historians nor modern numismatists provide a consistent definition. It is widely accepted, however, by modern scholars that the side with the date and mint was struck from the upper or trussel die; whereas, the lower, pile or anvil die served for the side with the Kalima. The name of the caliph, or that of the local ruler, is not necessarily linked with the Kalima, but may appear on either of the two sides - a rather confusing fact."

Während Sammler und Numismatiker (wie auch der Autor), die Münzen "lokalen Herrschern" zuordnen und infolgedessen die Herrscherseite als Avers bezeichnen, ziehe ich es vor, die Kalima und andere Koran-Zitate als Avers zu betrachten - in Anlehnung an die Kreuzfahrermünzen, bei denen sich ja auch die Kreuzseite als solcher entpuppt hat.

Des Weiteren gibt der Autor zu verstehen, dass die beiden vorherrschenden Schriftarten "Kufisch" und "Naksh" in keinerlei zeitlichem Zusammenhang stehen und oftmals auf ein und derselben Münz(seit)e zu finden sind.

Das ist genau das, was ich bereits gesagt habe. Eine einfache Anleitung für Analphabeten ist wohl illusorisch. Aber wer weiß - vielleicht das hier: http://home.comcast.net/~ssemans1/bPlantArabV.jpg http://home.comcast.net/~ssemans1/bPlantArabS.jpg Leider vergriffen! :mad:


Gruß
AvP
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