Es geht los! Teil 1 und 2: Berlin, 25.09.16

Kulturgutschutzgesetz

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Chandragupta
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Es geht los! Teil 1 und 2: Berlin, 25.09.16

Beitrag von Chandragupta » So 25.09.16 16:39

Liebe Sammler-Zielgruppe,

soeben erreichte mich aus sehr zuverlässiger Quelle die Info, daß heute früh in Berlin, "Hauptstadt der BRD", bei zwei Flohmarkthändlern "archäologische Kulturgüter" beschlagnahmt (in Juristen-"Deutsch": "sichergestellt") wurden. :evil:

Bei dem einen Händler sind sie frühmorgens fünf Mann hoch aufgekreuzt und haben archäologischen "Krempel" (anders kann/sollte man das Zeug nicht nennen - teils in meinen Augen auch noch von zweifelhafter Echtheit...) "sichergestellt". Gesamt-Marktwert vielleicht so 150,- €. Darunter auch ein Ethnologicum (Afrika, 20. Jahrhundert, also auf jeden Fall unter 100 Jahre alt, aber aus Laiensicht älter wirkend...). :evilbat:

Bei einem anderen Händler wurde vorhin direkt auf dem Flohmarkt am Berliner Ostbahnhof "zugegriffen": Beute der Staatsdiener der BRD: ein paar Bruchstücke römischer Tonlampen, Marktwert je vielleicht 5...10,- €.

Der erste Händler macht primär in Münzen - und zwar so eher "Kleinkram aus allen Ländern und Zeiten" - Schwerpunkt jedoch neuzeitliche Münzen (sowie halt auch ein par antike Kleinmünzen) - diese wurden bei der "Aktion" in Ruhe gelassen. Wohl aber nur, weil die Schergen gar nicht erkannten, daß einzelne Stücke durchaus sehr alt sind. Möglicherweise waren sie auch instruiert, sich explizit nicht um Münzen zu kümmern...
Numismatische Grüße,

Euer Chandra

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KarlAntonMartini
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Re: Es geht los! Teil 1 und 2: Berlin, 25.09.16

Beitrag von KarlAntonMartini » So 25.09.16 20:45

Welche Behörde ist da tätig geworden? Die beschlagnahmten Münzen müßten jetzt sehr kurzfristig bei der für Berlin zuständigen Behörde auftauchen. Bitte weiter informieren, Aktenzeichen wären schön. Grüße, KarlAntonMartini
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Chandragupta
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Re: Es geht los! Teil 1 und 2: Berlin, 25.09.16

Beitrag von Chandragupta » So 25.09.16 21:23

Erstmal sorry, aber ich habe oben insofern Unsinn erzählt, als daß die Typen nicht in der Wohnung des erstgenannten Händlers vorbeigekommen waren - sondern die "Sicherstellung" fand heute morgen direkt auf dem Flohmarkt statt, wie auch bei dem anderen Händler (Bruchstücke römischer Öllampen). Obwohl ich den Durchschlag des Beschlagnahmeprotokolls vorhin selber gesehen habe, wollte und sollte ich es nicht abschreiben oder gar fix mit dem Smartphone abknipsen. Fakt ist aber, daß der Anlaß des "Tätigwerdens der Staatsorgane" war, daß ein "besorgter Bürger" (der möglicherweise zu viele "Berichte" der Lückenpresse über "Raubgräber", "Deutschland als Drehscheibe im internationalen Milliardengeschäft zur Terrorismusfinanzierung" etc.pp. gelesen/gesehen hat?!) eine konkrete Anzeige erstattet hatte, wonach bei den betroffenen Händlern, die regelmäßig sonntags auf diesem Flohmarkt mit einem Stand vertreten sind, "was illegal Ausgegrabenes" zu holen sei. Das wurde auch prompt heute früh so gemacht. :roll:

Der gute Mann hat sich bei der "Aktion" leider völlig falsch verhalten (und darauf vertrauen "die" auch, daß die Betroffenen das "Kleingedruckte" nicht lesen und ihre Rechte nicht kennen...): Er hat auf dem Protokoll unterschrieben, daß er der Maßnahme nicht widerspricht. Das senkt die Chancen erheblich, das Zeug später jemals wieder zu sehen, denn das interpretieren "die" gleich als ultimatives Schuldeingeständnis.

Und nochmal: Es waren KEINE Münzen betroffen!! "Nur" sog. "archäologische Objekte"... darunter auch wie gesagt welche jünger als 100 Jahre, die nun sicherlich nie im Boden gewesen waren... aber derlei sinnvolle und wissenschaftlich valide Argumente stören die staatlichen Typen Marke BRD "in Aktion" i.d.R. nicht. Die ziehen eben einfach stur ihren Stiefel durch... Sie wollten auf jeden Fall zu jedem Stück einen "Herkunftsnachweis" sehen - und da den beide Händler (logischerweise...) vor Ort auf dem Flohmarkt nicht hatten, wurde das (wie gesagt teilweise nur scheinbar "antike") Material eben "sichergestellt". Im weiteren Verlauf wird sich dann zeigen, ob Rechnungen von Auktionshäusern als "Provenienznachweis" akzeptiert werden. Problematisch wird's auf jeden Fall, wenn die Objekte ohne Rechnung/Belege (z.B. von Privat gegen Barzahlung oder auf einer Börse) angekauft wurden. Und das ist gerade bei Flohmarkthändlern recht oft so...

Falls bei einem von Euch diese Leute mal unverhofft zuhause aufschlagen sollten: Leider muß ich es nach einem moderatoresquen Rüffel hierzuforum vermeiden, Links auf "nicht zur Sache gehörende und politisch tendenzielle" externe Dokumente zu setzen. Aber trotzdem empfehle ich jedem, mal bei Tante Google zu gucken, was es da so gibt zum Stichwort: "Verhalten bei Hausdurchsuchung". Besser wäre das. Und, wie die geschilderten Fälle zeigen, lieber heute als morgen...
Numismatische Grüße,

Euer Chandra

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stampsdealer
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Re: Es geht los! Teil 1 und 2: Berlin, 25.09.16

Beitrag von stampsdealer » Di 04.10.16 20:20

Über die Aktion am Ostbahnhof hat mich heute ein Kollege aus München per Email unterrichtet.

Es war von vier Beamten die Rede, die wohl Figürliches (ganz banale Sachen) sichergestellt hätten.

In der Vergangenheit, ich stand am Ostbahnhof bis Ende 2008, hatte ich einst eine Gewerbekontrolle erlebt. Ich ließ die Fahnder meine Umsatzsteueridentifikationsnummer notieren und versicherte Ihnen definitiv kein Geld bei Hartz IV abzugreifen.

Mir wurde auch schon von einer Berliner Aktion berichtet bei dem eine übereifrige Staatsanwältin angeblich Sammelbilderalben der Olympiade 1936 beschlagnahmen ließ.
Meine Privatsammlung und meine Warenbestände sind in Bankfächern bzw. außerhalb meiner Wohnung gelagert. My coins are in bank lockers and outside of my flat.

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Re: Es geht los! Teil 1 und 2: Berlin, 25.09.16

Beitrag von stampsdealer » Di 04.10.16 21:24

Jetzt fällt mir noch eine Sache von vor vielleicht 30 Jahren ein.

Ein mittlerweile verstorbener Freund, welcher auf dem Flohmarkt in Hannover auch alte Münzen offerierte, antwortete auf die Frage hinsichtlich der Herkunft der Ware spaßeshalber, diese seien im Museum August Kestner entwendet worden.

An seinem Flohmarktstand erschien die Polizei und man erkundigte sich auch beim Museum, ob diesem Münzen fehlen würden.
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