Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Kaiser, Dynastien und Münzstätten

Moderator: Homer J. Simpson

Chippi
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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Chippi » Sa 14.03.26 13:52

Dieses Stück ist wieder ein neuer Typ in meiner Sammlung, einen solchen GLORIA EXERCITVS hatte ich bisher noch nicht gesehen. Er stammt ebenfalls aus einer Wühlkiste von der WMF in Berlin. Wie ihr seht, war die Börse sehr reichhaltig für mich, was Spätrömer anbetrifft.

Follis, Konstantinopel, 3.Offizin, 327-328, Constantin I. (307-337)

AV: CONSTANTI-NVS MAX AVG - Büste mit Rosettendiadem n.r.
RV: GLORIA - EXERCITVS - Kaiser in Militärtracht frontal stehend, Kopf n.r., hält Speer und Hand auf Schild, links im Feld Γ
Ex: CONS
RIC VII 22; 19,1-19,5mm; 3,00g

Ich mag die detailreiche Reversdarstellung.

Gruß Chippi
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Wurzel hat geschrieben:@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)
Münz-Goofy hat geschrieben: Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.

Chippi
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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Chippi » Sa 14.03.26 14:02

Und gleich das nächste Stück und schon wieder ein komplett neuer Typ für meine Sammlung, auch diese Darstellung war mir vorher völlig unbekannt!
Sicherlich landete das Stück wegen des Ausbruches in der Wühlkiste ohne es vorher genauer eines Blickes zu würdigen.

1/4-Follis, Rom, 3.Offizin, 313, Constantin I. (307-337)

AV: IMP CONSTANTINVS PF AVG - bloße Büste n.r.
RV: SAPIENTIA PRINCIPIS - Eule n.l. auf Altar stehend, darum Schild, Speer und Helm stehend
Ex: RQ
RIC VII 16; 13,3-15,3mm; 0,94g

Diese Reversdarstellung auf diesen Winzling! Kennt ihr diesen Typ?

Gruß Chippi
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Wurzel hat geschrieben:@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)
Münz-Goofy hat geschrieben: Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.

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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Numis-Student » Sa 14.03.26 18:45

Chippi hat geschrieben:
Sa 14.03.26 14:02

Diese Reversdarstellung auf diesen Winzling! Kennt ihr diesen Typ?
Nein !
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Immerhin ist es vorstellbar, dass wir vielleicht genug Verstand besitzen, um,
wenn nicht ganz vom Kriegführen abzulassen, uns wenigstens so vernünftig zu benehmen wie unsere Vorfahren im achtzehnten Jahrhundert. (A.H. 1949)

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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Numis-Student » Sa 14.03.26 18:48

Chippi hat geschrieben:
Sa 14.03.26 13:52
Er stammt ebenfalls aus einer Wühlkiste von der WMF in Berlin. Wie ihr seht, war die Börse sehr reichhaltig für mich, was Spätrömer anbetrifft.
Du bist halt ein interessierter, langjähriger Sammler mit viel Erfahrung, gehst mit offenen Augen durch die Börse und hast auch kein Problem damit, eine Münze unterhalb von vz anzusehen.
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Immerhin ist es vorstellbar, dass wir vielleicht genug Verstand besitzen, um,
wenn nicht ganz vom Kriegführen abzulassen, uns wenigstens so vernünftig zu benehmen wie unsere Vorfahren im achtzehnten Jahrhundert. (A.H. 1949)

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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von mike h » Sa 14.03.26 19:08

Ich bin beeindruckt!
Und auch ich hab den Typ noch nie gesehen.
131 Köppe /201 (Kampmann)
1.) Ziel erreicht!

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Laurentius
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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Laurentius » So 15.03.26 00:23

Natürlich kenne ich diese Darstellung! :D

Eine dieser berüchtigten Auswurfmünzen. Anlass
der Prägung waren die Siegesfeiern nach der erfolgreichen Schlacht an der Milvischen Brücke.
Habe das passende Gegenstück aus Trier. Und ja,
logischerweise wurden diese Exemplare als Zeichen des Sieges auch in Rom ausgeworfen. Zu sehen die ruhenden Attribute der Kriegsgöttin Minerva. Denn der Krieg war ja jetzt vorbei.
Schön wenn eins und eins zusammen paßt...
Schicker Fund, Chippi!
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https://www.forumancientcoins.com/galle ... album=7436

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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von richard55-47 » So 15.03.26 08:49

Mich verwundert am meisten, dass dieser Auswurfmünzentyp so gut wie unbekannt ist. Man sollte annehmen, dass eine Auswurfmünze in Massen produziert wurde, um möglichst viele Leute von sich zu begeistern, nachdem Maxentius im wahrsten Sinne des Wortes untergegangen war. Bei einer Massenproduktion müssten an sich viele Exemplare der Nachwelt erhalten geblieben sein. Das scheint nicht der Fall zu sein. Wie gesagt, verwunderlich.
do ut des.

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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von antoninus1 » So 15.03.26 09:12

Ich denke, diese Münzen sind so selten, weil sie nicht wie gewöhnliche Umlaufmünzen über einen längeren Zeitraum in wirklichen Massen (Millionen?) geprägt wurden, sondern nur zu einem Anlass. Da wurden dann einige Tausend geprägt, von denen aber vielleicht noch einige Dutzend oder Hundert überlebt haben.
Gruß,
antoninus1

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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Laurentius » So 15.03.26 09:18

Genau darin liegt der Unterschied, zu den regulären Prägungen. Die Ausgabe, bzw. der Auswurf erfolgte
einmalig, zu einem besonderen Anlass.

VG Laurentius
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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von richard55-47 » So 15.03.26 11:35

Die Begründung scheint plausibel zu sein. Andererseits dürfte ein besonderer Anlass Grund genug sein, ihn gebührend, also auch mengenmäßig ausgiebig, bekannt zu geben. Eine relativ geringe Anzahl von "Sondermünzen" kann dann nur eine begrenzte Anzahl von (durch Zuwurf zufällige) Empfängern erreicht haben. Das spricht nicht für eine nachhaltige Beeindruckung breiterer Bevölkerungskreise.
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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Laurentius » Mo 16.03.26 10:10

Carl-Friedrich Zschucke hat sich ja sehr intensiv mit dieser Spezies befaßt. Hab die 2. und ergänzte Ausgabe seiner numismatischen Arbeit dazu.
Zur "Auflage" habe ich noch folgendes gefunden. Ich fasse es kurz zusammen:

Die Teilstücke wurden offenbar nur in kleiner Auflage und mit außergewöhnlich hochwertigen Stempeln geprägt, was auf besonders erfahrene Stempelschneider der Münzstätten schließen lässt. Daher handelt es sich vermutlich weniger um reguläre Umlaufmünzen als vielmehr um kleine Schaustücke – gewissermaßen „Medaillons für das Volk“.

Diese Sonderprägungen mit geringer Auflage wurden folglich nur zu besonderen Anlässen ausgegeben, einmalig. Man könnte
sie auch als Erinnerungsstücke deuten. Nur wer auf die Party kam, hat eine abbekommen. :) Auch ein Mittel der Propaganda.
Darin war Constantinus ja ein Großmeister.

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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Lucius Aelius » Do 19.03.26 19:26

Chippi hat geschrieben:
Sa 14.03.26 13:52
... einen solchen GLORIA EXERCITVS hatte ich bisher noch nicht gesehen.
Dito.
Tolle Münze in schöner Erhaltung!
Neidvollen Glückwunsch.
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Gruss
Lucius Aelius

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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von richard55-47 » Sa 21.03.26 17:47

Wer Lust auf die SAPIENTIA PRINCIPIS hat, wird etwas tiefer in die Tasche greifen müssen:
https://www.ebay.fr/itm/387575837025?_s ... R8a-vpSiZw
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Sapientia 2.jpg
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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von richard55-47 » Do 02.04.26 15:52

@ Laurentius
Die Münze geht mir nicht aus dem Kopf.
Weit davon entfernt, die Kompetenz Zschuckes zu bezweifeln, frage ich mich, warum SAPIENTIA, die Weisheit, hier: des Fürsten, zur Feier des epochalen Sieges an der Milvischen Brücke herhalten musste. Gut, die angebliche Erscheinung "hoc signo vinces" lässt annehmen, dass Constantinus I mit dem Zeichen dieser göttlichen Belehrung/Eingebung seine Truppen anfeuern konnte. Einen Beweis für Weisheit sehe ich darin nur dann, wenn die Truppen weitgehend christianisiert waren und gerne dem Zeichen folgten, Constantin das wusste und klugerweise den Truppen nach dem Mund geredet hat.
Maxentius hat sich mit dem Einreißen der milvischen Brücke keinen Gefallen getan. Er hat seine unerfahrenen, in Panik geratenen Truppen quasi in die für Constantin aufgestellte Falle tappen lassen. Ich denke, jeder militärische Anfängerkommandant hätte diese Schlacht gewonnen. Von militärischer SAPIENTIA kann deshalb m. E. keine Rede sein.
Die Verwendung von SAPIENTIA muss also andere Gründe haben. Vielleicht ein Sinnbild für die Wendung des Reiches zum Christentum? Oder ein Anerkenntnis der bereits weiten Verbreitung des Christentums? Dann fehlt mir aber der Zusammenhang mit einer Siegesfeier.
Warum also SAPIENTIA?
Kannst du Zschuckes Ausführungen kurz wiedergeben?
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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Lucius Aelius » Do 02.04.26 17:59

Den legendären Satz hat der kirchliche Geschichtsschreiber Eusebius doch erst viele Jahre nach der Schlacht geschrieben. Durchaus denkbar, dass zur Zeit der Münzausgabe das alles noch gar nicht so eine große Rolle spielte wie du meinst. Und durchaus denkbar, dass es 312/13 diese Verklärung der Schlacht so noch gar nicht gab.
Die Legende von der "Weisheit des Fürsten" ist mit dem Reversbild zu sehen, dass sich mit allen Attributen ausschließlich auf Minerva bezieht. Die entspricht der griechischen Athene und verkörpert strategische Klugheit, die den Sieg bringt.
Mir kommt da das frühere Reversbild von Septimius und Caracalla in den Sinn: Aegis mit Medusenhaupt / PROVIDENTIA. Die Erklärung von Joseph Eckhel (siehe Haymann, Politische und andere Deutungsmöglichkeiten von Gorgoneia auf Münzen) war, dass das Gorgoneion aufs Engste mit Minerva verbunden. So diente die PROVIDENTIA-Münze nicht allein der Huldigung der Minerva, sondern die hier beschworene Providentia zeigte zugleich eine Eigenschaft der severischen Kaiser, nämlich die kaiserliche Voraussicht.
Ich denke, genauso verhält es sich hier bei Constantin. Die Weisheit der heidnischen (wie delikat!) Göttin ist dem Princeps selbstverständlich auch zu eigen und diese Weisheit hat zum Sieg über Maxentius geführt.
Zuletzt geändert von Lucius Aelius am Do 02.04.26 19:26, insgesamt 1-mal geändert.
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