Severer-Special

Kaiser, Dynastien und Münzstätten

Moderator: Homer J. Simpson

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Lucius Aelius
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Re: Severer-Special

Beitrag von Lucius Aelius » Di 11.08.26 11:16

Perinawa hat geschrieben:
Di 11.08.26 10:02


Vielleicht wurde der endgültige Sieg über Niger auch erst mit der IMP VII gefeiert?!

Ein ganz klares Nein.
IMP V Ende 194, in Rom Jan 195 bekannt geworden (siehe Oxfordarbeit von Curtis Clay, 1972: nur 5% der IMPIIII-Münzen (Sieg über Osrhoener) mit TRPIII [ab 10.12.194]; IMP VI und VII (beide zeitnah oder zeitgleich) Sommer 195 (Siege über Adiabener und Araber, in Rom 3-4 Wochen später bekannt [55% der TRPIII- Münzen mit IMP V, 40% mit IMP VII lt. Clay 1972). Der Sieg über Niger und damit de facto das Ende dieses Bürgerkrieges fand seinen Niederschlag mit IMP IIII. Aufbruch des Septimius nach Westen wohl Anfang August 195, Übersetzen des Albinus von Britannia nach Gallia wohl im Okt. 195 (ab Nov. beginnen die gefährlichen Wintersürme im Ärmelkanal).
Gruss
Lucius Aelius

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Re: Severer-Special

Beitrag von Perinawa » Di 11.08.26 11:34

Lucius Aelius hat geschrieben:
Di 11.08.26 11:16
Aufbruch des Septimius nach Westen wohl Anfang August 195, Übersetzen des Albinus von Britannia nach Gallia wohl im Okt. 195 (ab Nov. beginnen die gefährlichen Wintersürme im Ärmelkanal)
Zumindest da sind wir uns ja einig. :wink:

Curtis Chronologie der Jahre 193 - 197 n.Chr. kenne ich, und diese zweifele ich auch nicht an, was den folgenden Passus angeht:

"IMP V Ende 194, in Rom Jan 195 bekannt geworden (siehe Oxfordarbeit von Curtis Clay, 1972: nur 5% der IMPIIII-Münzen (Sieg über Osrhoener) mit TRPIII [ab 10.12.194]; IMP VI und VII (beide zeitnah oder zeitgleich) Sommer 195 (Siege über Adiabener und Araber, in Rom 3-4 Wochen später bekannt [55% der TRPIII- Münzen mit IMP V, 40% mit IMP VII lt. Clay 1972)."
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Lackland
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Re: Severer-Special

Beitrag von Lackland » Di 11.08.26 15:59

An Lucius Aelius und Perinawa (Rainer):

Danke an Euch beide für Eure faire respektvolle Diskussion!
Ihr diskutiert hier über ein Thema, über das ich mir noch nie Gedanken gemacht habe und das meinen historischen Horizont erweitert.
Ehrlich gesagt habe ich mir persönlich noch kein abschließendes Urteil gefällt, wer von euch beiden denn nun abschließend Recht hat - und das mag sogar sekundär sein - aber ich denke darüber nach…

Viele Grüße
Lackland/Ulrich
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Sir Winston Churchill, am 11.11.1947

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Re: Severer-Special

Beitrag von Lucius Aelius » Mi 12.08.26 09:01

Perinawa hat geschrieben:
Di 11.08.26 10:02

Und selbst, wo Virtus draufsteht, muss kein Virtus drin sein:

https://www.acsearch.info/search.html?id=13976840

Die Münze (aus 209 n.Chr.) stammt aus der Sammlung von Curtis Clay. Laut der Beschreibung zeigt die Rückseite "Virtus or Roma".
Ich folgere daraus, dass selbst Curtis sich nicht sicher ist.
Zu deinem Beispiel:
Virtus wurde im Amazonenlook oder, wie bspw. bei Domitian, im langen Kleid dargestellt. Gleiches trifft auf dea Roma zu. Da kann theoretisch beides - Virtus oder Roma - zutreffen.
Bei deinem oben verlinkten Stück ist die Auflösung aber relativ einfach wie ich meine: es ist Roma, weil hier der nur bei ihr typische Rundschild abgebildet wurde. Interessant, wie die sitzende Roma mit Victoriastatuette und Rundschild bei anderen Kaisern dargestellt wurde: bei Nero mit parazonium und ROMA im Amazonenlook, bei Hadrian ohne Beschreibung mit cornucopia und Amazonenlook, bei Antoninus I. & Antoninus II. ohne Beschreibung mit Langzepter und langem Gewand, ebenso bei Commodus, da aber mit ROMAE AETERNAE.

Ferner möchte ich anmerken, dass mir gemeinsame Münzdarstellungen von Kaiser und dea Roma nur von den hadrianischen Adventusmünzen bekannt sind (und hier sitzt Roma, was ihre Erhabenheit gegenüber dem Kaiser unterstreicht). Ansonsten war das wohl nicht üblich, die beiden auf der Rückseite abzubilden. Falls ich da falsch liege - @all: bitte Beispiele, danke.

@Rainer
Natürlich könnte man bei Septimius auch Roma erblicken, aber im Kontext des Prägejahres 195 (Septimius war an der fernen Front, nicht in Rom) möchte ich nachwievor für Virtus plädieren:
● Roma war keine Schlachfeldgöttin, wohl aber Virtus oder Victoria (vgl. Sesterzen bspw. von Domitian oder Trajan - Victoria bekränzt den vor ihr stehenden Kaiser). Das Bild bezieht sich aber eindeutig auf den ersten Partherkrieg (Victoriastatuette, Siegeskranz, parazonium - Ersteres und Letzteres absolut untypisch für einen beendeten Bürgerkrieg). Warum man Roma für einen noch nicht mal beendeten Krieg heranziehen sollte erschließt sich mir nicht, da die Römer ja dauernd Kriege führten und der septimische Partherfeldzug nun nichts Außergewöhnliches war.
● Einen Bezug zum Bürgerkrieg schliesse ich kategorisch aus, da die Emission m.M. dann schon mit IMP IIII (Sieg über Niger) hätte beginnen müssen. Aber geradezu blasphemisch wäre es, wenn Roma jemanden bekränzt, der einen Bürgerkrieg geführt hat, in dem auch römische Bürger starben.
Gruss
Lucius Aelius

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Re: Severer-Special

Beitrag von Perinawa » Mi 12.08.26 14:45

Wie auch immer; diese "Frage" lässt sich nicht mit Sicherheit klären. Es gibt sowohl für Virtus als auch für Roma nachvollziehbare Gründe, und nicht zuletzt nach Lucius Aelius' guter Argumentation neigt sich meine Waagschale weder in die eine noch in die andere Richtung.

Aber trotzdem bin ich nach wie vor der Ansicht, dass man die Siege des Severus und die damit verbundenen imperatorischen Akklamationen überdenken sollte, was ihre Bedeutung betrifft. Insbesondere halte ich den Sieg über Niger von Issos (IMP IIII) für überbewertet. Die Befreiung von Byzanz (IMP VII) verdient dagegen eine weitaus höhere Beachtung, weil sie einen massgeblichen Schritt zur Beendigung der Machtkämpfe darstellten.

Byzanz hatte für Severus allerhöchste Priorität, und da war der Tod von Niger nur "Beiwerk". Dio berichtet, dass Severus Nigers Haupt auf einen Pfeil stecken liess und es zu dem Heere vor Byzanz schickte in der Erwartung, durch diesen Anblick endlich die Kapitulation dieser Stadt zu erreichen (Dio LXXIV 8,3. Herod. III 4.6). Als Byzanz im Sommer 195 endlich fiel, war Septimius Freude über dieses Ereignis maßlos (Dio LXXIV 14, 2).

Man sollte auch nicht auf diesem imho dehnbaren Begriff "Bürgerkrieg" herumreiten, bzw. darüber streiten, wann oder ob überhaupt er unterbrochen war. Fakt ist, dass mit dem Jahr 193 um den Kaiserthron gerungen wurde, und diese Machtkämpfe endgültig erst mit dem Sieg des Severus über Albinus im Februar 196 endeten. Die genaue Chronologie insbes. der Geschehnisse in Rom zw. Sommer 194 (IMP IIII) und Sommer/Herbst 195 (IMP VII) lässt sich nur schwierig bis unmöglich rekonstruktieren. Politisch ruhig war es aber auf keinen Fall: Nicht wenige Senatoren waren mit Severus alles andere als glücklich, so dass sie sogar Albinus aufforderten, nach Rom zu eilen, um die Macht zu übernehmen.

Grüsse
Rainer
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Re: Severer-Special

Beitrag von kiko217 » Mi 12.08.26 15:53

Bitte klärt mich auf, liebe Severer: Warum war diese Münze so teuer?

Kiko

https://www.numismatik-naumann.at/aukti ... 3&c=160366

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Re: Severer-Special

Beitrag von Perinawa » Mi 12.08.26 17:04

Keinen blassen Schimmer. Das ist der häufigste Legionsdenar des Septimius Severus, weder selten noch erhaltungstechnisch überdurchschnittlich. Naumann ist mir in letzter Zeit mehrmals durch überzogene Preise aufgefallen.

Grüsse
Rainer

PS. Das hier war ein fairer Preis für diesen Typ 8)

https://www.biddr.com/leu/auction?a=7198&l=8831354
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Re: Severer-Special

Beitrag von richard55-47 » Mi 12.08.26 17:50

kiko217 hat geschrieben:
Mi 12.08.26 15:53
Bitte klärt mich auf, liebe Severer: Warum war diese Münze so teuer?

Kiko

https://www.numismatik-naumann.at/aukti ... 3&c=160366
Weil die einer unbedingt haben wollte?
do ut des.

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Re: Severer-Special

Beitrag von Perinawa » Mi 12.08.26 18:01

Ab 220 Euro waren es nur noch zwei, die sich gegenseitig hochgepuscht haben:

https://www.biddr.com/numismatiknaumann ... &l=8306944
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Re: Severer-Special

Beitrag von Lucius Aelius » Do 13.08.26 05:43

Perinawa hat geschrieben:
Mi 12.08.26 14:45
Insbesondere halte ich den Sieg über Niger von Issos (IMP IIII) für überbewertet. Die Befreiung von Byzanz (IMP VII) verdient dagegen eine weitaus höhere Beachtung, weil sie einen massgeblichen Schritt zur Beendigung der Machtkämpfe darstellten.

Byzanz hatte für Severus allerhöchste Priorität, und da war der Tod von Niger nur "Beiwerk".
Geostrategisch kam Byzantium natürlich eine sehr hohe Bedeutung zu, keine Frage. Aber Septimius konnte sein Heer von Europa nach Kleinasien übersetzen lassen, auch ohne im Besitz der Stadt zu sein. Eine entscheidende Bedeutung im Machtkampf zwischen ihm und Niger kam der Stadt also nicht zu.
Zuletzt geändert von Lucius Aelius am Do 13.08.26 06:58, insgesamt 1-mal geändert.
Gruss
Lucius Aelius

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Re: Severer-Special

Beitrag von Perinawa » Do 13.08.26 06:53

Es war weniger die strategisch wichtige Lage der Stadt, sondern die Tatsache, dass in Byzanz noch immer feindliche Truppenteile lagen. Wie schon früher angemerkt meine ich, dass Severus diese immer noch als Bedrohung gesehen haben muss. Es ist doch nicht von der Hand zu weisen, dass diese ohne weiteres einen neuen Usurpator hätten ernennen können. Und wie die antike Geschichtsschreibung, aber auch die Münzen beweisen, mass Severus den Legionen höchste Bedeutung zu.

Man muss sich ja fragen, warum (nach Dio) die Stadt für Severus so wichtig war. Er konnte ja, wie du selbst anmerkst, problemlos "passieren", also können geostrategische Gründe nicht der Hauptgrund gewesen sein.
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Re: Severer-Special

Beitrag von Lucius Aelius » Do 13.08.26 09:14

Doch, Rainer, geostrategisch war sie auf Dauer schon sehr wichtig, weil sie a) den Zugang zwischen Schwarzen Meer und Mittelmeer kontrollierte und b) den kürzesten Verbindungsweg zwischen Europa und Kleinasien darstellte. Eine alternative Verschiffung von Soldaten von Petinth nach Kyzikos hat wohl annähernd 3mal solange gedauert - in Krisenzeiten ein wohl ein wichtiges Kriterium.

Zur Frage der Bedrohung:
Niger hatte eine starke Garnison in Byzantium zurückgelassen, also 3.000 bis max. 6.000 Soldaten. Die Stadt kontrollierte kein Hinterland, konnte also keine Ressourcen oder Menschen aktivieren. Lediglich die Versorgung über See war durch Blockadebrecher gewährleistet. Wer sich da zum Usurpator gegen Septimius hätte aufschwingen wollen wäre ein Narr gewesen, da die Aussicht auf Erfolg unter diesen Umständen gen Null lief.
Dass Septimius gegenüber Städten, die sich ihm widersetzen, recht nachtragend war belegt ja auch das Beispiel von Antiochia. Wenn Dio den Fall Byzantium hervorhob wollte er wohl auf diese nicht sehr schöne Seite des Charakters aufmerksam machen.
Gruss
Lucius Aelius

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