Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Kaiser, Dynastien und Münzstätten

Moderator: Homer J. Simpson

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mike h
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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von mike h » Sa 16.05.20 23:37

@ Homer
Möglicherweise hat das auch mit der Wahrnehmung der verschiedenen Hirachiegruppen bezüglich des Verblichenen zu tun.
Vielleicht wollten Ihn die Nutzer der Solidi nicht mehr sehen.

@ Malte
Jetzt hab ich drei Typen... es gibt aber vier.
Die Suche geht weiter

Martin
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Laurentius
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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Laurentius » So 17.05.20 09:26

@ Martin

Von der Größe Deiner Divus Prägung her könnte man noch darauf schlussfolgern, dass es sich um eine
sehr späte Prägung gegen Ende der konstantinischen Dynastie handelt. Das hatte wohl eher einen
materialistischen Grund. Datiert wird diese Prägung von 337-340 n.Chr., also in die Regierungszeit
des Constantin II. Im Allgemeinen gab es gegen Ende dieser Epoche keine großen Folles.

@ Homer

Warum es keine Divus Prägungen des Constantin in Gold gab, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.
Wahrscheinlich eine propagandistische Geschichte. Der mächtigste und größte Herrscher war immer der
aktuell antierende Kaiser. Er stand über allem und hatte die Macht. Mit einer Divus-Prägung in Gold hätte
er wohlmöglich seinem eigenen Status geschadet.

vg Laurentius

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Lucius Aelius
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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Lucius Aelius » Mo 18.05.20 08:20

Laurentius hat geschrieben:
So 17.05.20 09:26
Mit einer Divus-Prägung in Gold hätte
er wohlmöglich seinem eigenen Status geschadet.

vg Laurentius
Ich denke, das Gegenteil war der Fall.
Gerade mit dem Zur-Schau-Stellen vergötterter kaiserlicher Vorgänger gab ein amtierender Kaiser seiner Herrschaft zusätzliche Legitimität und Noblesse.

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Laurentius
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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Laurentius » Mo 18.05.20 09:52

@ Lucius Aelius

Damit hast Du vollkommen Recht. Es gab ja auch von keinem anderen Kaiser soviele "Divus Prägungen" wie von Constantin.
Zu mal die Nachfolger auch direkte Familienangehörige waren.
Die Frage war, warum es keine Divus Prägungen in Gold von Ihm gab.
Im 1. und 2. Jahrhundert wurden in der Tat solche im edlen Metal geprägt, aber das war noch zu Zeiten des Prinzipats.
Ob die damalige Regierungsform eine Rolle dabei spielte oder nicht? Ich kann es nicht genau beurteilen!?

Ehren und Gedenken ja, aber warum nicht in Form eines schönen Solidus?

vg Laurentius

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Lucius Aelius
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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Lucius Aelius » Mo 18.05.20 14:19

Laurentius hat geschrieben:
Mo 18.05.20 09:52

Die Frage war, warum es keine Divus Prägungen in Gold von Ihm gab.

Ehren und Gedenken ja, aber warum nicht in Form eines schönen Solidus?
Die Frage ist vielleicht ganz salopp zu beantworten:
Weil es einfach nicht mehr relevant war, wertvolle Goldmünzen als Bildträger für das Thema Apotheose zu verwenden. Die Einzigartikeit von Konsekration, Vergötterung und Himmelsaufstieg, wie sie noch zu Beginn des 3. Jhdt. anzutreffen ist und somit von der Gesellschaft aufgefasst wurde, verlor in der Tetrarchie immer schneller ihre Außergewöhnlichkeit und Bedeutung. Dieser Wandel spiegelt sich demnach wohl auch in der Ausmünzung wider. Nur noch die kleinen Nominale sind es wert, dieses immer mehr verblassende Thema anzusprechen. Der divanisierte Constantin stellt den Abschluss der alten Religionspolitik dar, was auf seinen Münzen zu Lebzeiten bereits gut abzulesen ist: "Wie stark diese Zeit [der Tetrarchie] den Sinn der Apotheose verlernt hat, zeigen die Konsekrationsmünzen der Jahre 309 bis 314, ... die anstatt der bisher fortgeschleppten alten Formeln neue, zeitgemäßere bringen" (Bickermann, Die röm. Kaiserapotheose, 1929). Einen Grund nennt uns Eusebius, indem er von der Unsterblichkeit der Seele Constantins spricht, "der divus wird einem jeden tugendhaften Toten gleich" (Bickermann).
Insofern muss ich mein vorangegangenes posting natürlich präzisieren: Das Aufzeigen von divanisierter Ahnen zu Beginn des 4. Jhdt. ist nur noch der kümmerliche Rest von dem, was 200 Jahre zuvor einen wichtigen, ausschlaggebend sein könnender Aspekt darstellte.

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Laurentius
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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Laurentius » Mo 18.05.20 16:06

@ Lucius Aelius

Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Das hört sich sehr plausibel an!
Genau in dieser Zeit gab es diesen enormen Wandel. Sei es politisch, religiös wie auch gesellschaftlich.
Was sich folglich dann auch in Kultur und Traditionen wiederspiegelte.

vg Laurentius

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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Homer J. Simpson » Mo 18.05.20 18:10

Interessant ist an den kümmerlichen Bronzen auch, daß der Terminus "Consecratio" nicht mehr auftaucht, und daß der Titel "Divus" bzw. im Dativ Divo" nur noch auf ein paar seltenen Stücken der westlichen Münstätten ausgeschrieben wird, im Rest des Reiches schamhaft mit "DV" abgekürzt wird. Der Kaiser als Gott paßte nicht mehr so recht in die Religionspolitik. In der Tat erscheint die Legende "Consecratio" letztmals auf den Münzen für den Divus Numerianus.

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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Laurentius » Mo 18.05.20 18:51

@ Homer

Das ist auch eine bedeutsame Beobachtung. Das paßt alles sehr gut zusammen und ist schlüssig.
Ich werde da in Zukunft noch etwas mehr drauf achten.

vg Laurentius

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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Lucius Aelius » Mo 18.05.20 21:41

Homer J. Simpson hat geschrieben:
Mo 18.05.20 18:10
In der Tat erscheint die Legende "Consecratio" letztmals auf den Münzen für den Divus Numerianus.

Homer
Nicht ganz. CONSECRATIO erschien letztmalig bei Constantius Chlorus.

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Re: Schöne und seltene Stücke des Constantin I.

Beitrag von Homer J. Simpson » Di 19.05.20 00:35

Oh, tatsächlich. Also 22 Jahre später immerhin noch. Interessanterweise auch nur im Westen (Trier und Lugdunum), ebenso wie die Divus-Titulatur für Constantin. Wobei natürlich auch Constantius im Westen waltete.

Homer
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