Die Schönheit der Münzen des Commodus

Kaiser, Dynastien und Münzstätten

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quinctilius
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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von quinctilius » So 01.03.15 14:17

noch einen Commodus habe ich mir gegönnt, EUR 71,- bei Ebay.
Er war unbestimmt, ich vermute den hier:

http://www.acsearch.info/search.html?id=905248

Commodus (177/180-192)
(D) Sestertius, Roma 183-184 n.Chr. Av.: M COMMODVS AN-TONINVS AVG PIVS, Büste mit Lorbeerkranz und Drapierung n.r. Rv.: P M TR P VIIII IMP VI COS IIII P P / S - C (in den Feldern), Securitas mit Szepter auf Thron n.l.

Ich hoffe auf eine schöne Wasserpatina. Für eine Entpatinierung sehe ich zumindest auf den Fotos keine Anzeichen.

VG
Quinctilius
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quinctilius
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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von quinctilius » So 01.03.15 16:39

..der hier ist auch toll, da würde ich selbst mitbieten, wenn mein Budget für diesen Monat nicht schon erschöpft wär :-)

http://www.ebay.de/itm/321677923245?_tr ... EBIDX%3AIT

VG
Q.
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Katja
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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von Katja » Do 19.03.15 00:10

Die Emissionen seiner letzetn Reg.jahre sind ausgesprochen reizvoll.
Hier die SERAPIDI CONSERVATORI AVGVSTI-Ausgabe 191/192
RIC 261
War gar nicht so leicht dieses Münzlein zu ergattern, 4 Preisvorschläge waren bei dem "hartnäckigen" Verkäufer notwendig
Serapis im Chiton, umhüllt mit Himation; in der Linken Zepter, die Rechte ausgestreckt im Gestus der gebietenden Macht; auf dem Kopf Modius.
In der Reichsprägung erschien er erstmals unter Commodus (Lichtenberger).
Serpais, der das Universum ordnet und ziert (Plutarch, Arisitidis) hatte schon in der Republik seinen festen Stammplatz.
Die Assoziation dieses Universalgottes mit anderen Göttern ist ausgesprochen vielschichtig (Zeus, Osiris, Aesculap, Pluto) und selbst der vespasianische "Serapis-Akt" in Alexandria anno 70 (Tacitus IV 81) scheint in Wechselbeziehung bis in unsere heutige Zeit durch das Lukas-Evangelium zu bestehen (die Heilungen durch Jesus).
Die Beliebtheit Serapis, aber auch anderer östlicher Götter wie der ägypt. Isis oder der kleinasiat. Kybele zog sich durch die gesamte Kaiserzeit, bis das Christentum dem ein Ende setzte.
Serapis wurde u.a. 175 (defectio d. Avid. Cassius) als Schutzgott für Marc Aurel, Faustina und Commodus (CIL XIV 20) aufgerufen. Unter nachfolgenden Kaisern (besonders etwa Antoninus III.) zeigt sich die Vorliebe für ihn ebenso.
Kaiser-Raiß zeigt die Verbindung dieser Comm.-ausgabe mit der defectio des Alexander 191 auf. Die geäußerte Vermutung, dass sich Serapis im Rahmen der Beschützerserie damit thematisch auch auf eine frühere Verschwörung beziehen könnte, ähnlich wie die Kybele-Beschützerausgabe http://www.numismatikforum.de/viewtopic ... 20#p432616 dürfte allerdings unzutreffend sein.
IMG_0898.JPG
IMG_0901.JPG
http://www.royalathena.com/media/Roman/ ... J1001C.jpg antike Bronze des Serapis --- Modellvorlage für die Signatori?
MfG

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mephistopheles_666
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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von mephistopheles_666 » Fr 20.03.15 18:05

... sieht passend aus.
Der Faltenwurf ist jedenfalls annähernd identisch.
auf der Münze scheint er allerdings nach rechts zu schauen.
Das kann allerdings künstlerische Freiheit sein, da evtl. aufgrund der geringen Größe Portraitabbildungen des Kopfes schwieriger zu realisieren sind, als Profildarstellungen.

Schönen Gruß
Markus
Ich habe keine Ahnung von Numismatik. Mein karges Wissen habe ich aus anderen Foren. Ich rede hier nur schlau mit und versuche Frauen kennenzulernen.

emieg1
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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von emieg1 » Sa 21.03.15 08:12

Katja hat geschrieben: http://www.royalathena.com/media/Roman/ ... J1001C.jpg antike Bronze des Serapis --- Modellvorlage für die Signatori?
MfG
Nicht wirklich. Diese Bronzen waren Massenwaren und sicher damals in jedem besseren römischen Haushalt zu finden. Es hat bestimmt eine lebensgrosse Statue gegeben, die als Modellvorlage gedient hat, zum Bleistift so eine wie die aus Gortyn (heute im Museum von Heraklion): http://commons.wikimedia.org/wiki/File: ... erapis.jpg

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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von emieg1 » Mi 15.04.15 18:11

Ein neuer Commodus in meinen Reihen...

Commodus
Denarius
190/191 A.D.
Rome
Av.: M COMM ANT P FEL AVG BRIT P P / laureate bust right
Rev.: APOL PAL P M TR P XVI COS VI / Apollo standing left with plectrum and lyre set on column
2,65 Gr., 12 h die axis
RIC 218, Cohen 25
comm_apoll.jpg

Die rückseitige Darstellung zeigt den Apollo Palatinus mit Kithara, auch Apollo Citharoedes genannt. Die marmorne Statue stand im Tempel des Apollo auf dem Palatinus. Properz beschreibt den Tempel recht genau: Die Kultstatue stand im Inneren des Tempels zwischen zwei anderen: seiner Mutter Latona und seiner Schwester Diana. Der Gott trägt das feierlich lange Gewand, die Palla der Kitharöden; die Kithara steht auf einem Pfeiler bzw. einer Säule.

Octavianus sah sich als Schützling des Apolls. Als er 36 v.Chr. neben seinem eigenen Haus einige Grundstücke aufkaufte, griff wie so oft beim divi filius der Himmel selbst ein: Der Blitz schlug in das neuerworbene Terrain ein und die haruspices interpretierten den Götterwillen. An dieser Stelle wünsche Apollo seinen Tempel, so Sueton und Cassius Dio. Und Properz berichtet auch von einer weiteren Apollo-Statue, ebenfalls mit Kithara, die jedoch im Freien in der Porticus des Tempels stand. Dieses Kultbild, das manchmal als 'Apollo Palatinus Actium' bezeichnet wird, soll auf den Sieg des Kaisers bei Actium errichtet worden sein und ist auch dasjenige, das auf den Münzen des Augustus zu finden ist (und die ich demnächst auch vorstellen darf).

Die vorliegende Münze des Commodus kann im Kontext der Cleander-Affäre verstanden werden. Nach dem missglückten Attentat des Maternus war der Kaiser lange Zeit nicht in Rom gewesen; die Deutung der Revers-Darstellung wird allgemein mit der Rückkehr des Commodus in seinen kaiserlichen Palast auf dem Palatin in Zusammenhang gesehen. Betrachtet man aber die Bedeutung des Apolls für Augustus - sein Haus und der Tempel des Apolls kann man ohne weiteres als Einheit sehen - , stellt Commodus sich hier auch unter den Schutz des Gottes Apollo, so dass eine Verbindung mit der "Beschützerserie" nahe liegt.

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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von aquensis » Sa 16.05.15 15:53

Hallo,

Diesen Denar hab ich kürzlich erworben, obwohl den Münzen des Kaisers Commodus nicht mein Hauptinteresse gilt.
Aber das Stück ist gut zentriert, gut ausgeprägt, voll lesbar und war mir deshalb die 51€ wert.
Die Daten:
Commodus 180 – 193, Denar, Rom, gepr. 187 – 188, RIC 169 (S)
AV: M COMM ANT P FEL AVG BRIT; belorb. Büste n. rechts.
RV: P M TR P XIII IMP VIII COS V P P ; Salus a. Thron n. lks. füttert Schlange a. Altar.
Gew.: 2,598 gr.; Ø 17,5 mm; Achse 180° .

Grüsse Franz
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Comm_RIC_169_av.jpg
Comm_RIC_169_rv.jpg

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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von beachcomber » Sa 16.05.15 23:23

mit so einem tollen porträt ein echtes schnäppchen, glückwunsch! :)
grüsse
frank

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Katja
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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von Katja » Mo 18.05.15 16:45

Da ich heute Langeweile habe möchte ich mal kurz was zu diesen 4 Commodi schreiben, die ich mir in den letzten Wochen/Monaten von Sammlern/Händlern geleistet hab.
Sie stehen alle im selben Kontext.

vota soluta victoriam mit clipeus votivus
IMG_0911.JPG
vota soluta decennalia
IMG_0915.JPG
vota suscepta vicennalia mit corona votiva
IMG_1000.jpg
vota soluta pro salute populi romani
IMG_1072.JPG
Zwei Reverses zeigen den Kaiser während des Opferrituals.
Das eine gilt der decennalia. Die Regierungszeit eines Kaisers wurde in Zeitabschnitte von jeweils fünf Jahren (lustrum) unterteilt, die von Jubiläen abgeschlossen wurden; nach dem ersten Jahrzehnt der Herrschaft pflegte man zwei lustrae zusammenzufassen.
Die Jubiläen hießen: quinquennalia (5 Jahre), decennalia (10 Jahre), quindecennalia (15 Jahre), vicennalia (20 Jahre), tricennalia (30 Jahre) und quadragenalia (40 Jahre). Zu Beginn wurden Gelübde (VOTA) abgelegt, welche zum Schluss eines Zeitabschnittes bei ihrer Erfüllung gelöst und durch neue Gelübde ersetzt wurden (vgl. Delbrueck, Spätantike Kaiserporträts, S. 3).
Die Gelübde konnten vielfältig sein: auf die Gesundheit des Herrschers, eine glückliche Regentschaft, den siegreichen Ausgang eines Krieges oder die Geburt eines kaiserlichen Nachfolgers. Die Einlösung der Gelübde (vota soluta) wurde mit Opferzeremonien, Spielen und Spenden an das Volk gefeiert.
Interessant ist die sich langsam entwickelnde Thematik auf den Reichsmünzen.
„Für die frühe Kaiserzeit gibt es keine weiteren Hinweise auf vota decennalia, obwohl Claudius und Nero jeweils ihr zehntes Jahr erreicht haben. Gelübde zugunsten Domitians, von denen wir zufällig erfahren*, könnten vota decennalia gewesen sein, und ebenso könnten Spiele, die Trajan gab, mit der Einlösung solcher Gelübde zusammenhängen**. Ab Hadrian stehen wir auf sicherem Boden. In dokumentarischen Quellen ist bezeugt, daß bei Vollendung seines zehnten und zwanzigsten Regierungsjahres Feste gefeiert wurden***. Seit Antoninus Pius wird in der Münzprägung regelmäßig auf die Einlösung der zehnjährigen Gelübde und die Feiern hingewiesen. So läßt sich zeigen, daß die Feste auch unter allen seinen Nachfolgern begangen wurden.
* (81 n.Chr.): Die fratres arvales haben votorum commendandorum causa pro salute et incolumiate Caesaris divi f. Domitiani auf dem Kapitol geopfert, d.h. um mit ihrer Gabe die Gelübde zu unterstützen, die jemand anderer aussprach.
** In den fasti Ostienses werden zum Jahr 108 n.Chr. Gladiatorenspiele erwähnt, allerdings ist der Text stark beschädigt. Ähnliche Spiele des Jahres 107 n.Chr. scheinen aber mit dem Triumph über die Daker zusammenzuhängen.
*** Ob sich Münzen mit dem Hinweis auf vota publica ebenfalls auf die Vicennalien beziehen, ist nicht klar.
Seit Commodus findet man dann auch Prägungen anläßlich des Aussprechens der vota decennalia – ein Brauch, der von Pertinax weitergeführt wurde.
Man kann also geradezu mitverfolgen, wie aus den eher nebensächlichen zehnjährigen Gelübden in der hohen Kaiserzeit ein veritables Herrscherfest wurde. Seit ungefähr der Zeit Hadrians kann man im eigentlichen Sinn von Jubilarfeiern sprechen.“ (Beck/Wiemer, Feiern und Erinnern, S. 173f.).
Der Ursprung der Gelübde geht auf Augustus zurück, der die Titel Prokonsul und Imperator einst für zehn Jahre erhalten hatte. Er hatte gehofft, dass schon vor Ablauf der Frist die Wunden der bürgerlichen Zwietracht vollständig geheilt werden und der Staat wieder seine ursprüngliche Kraft und Gesundheit erlangen würde.
Die Erinnerung an diese Komödie wurde in der späteren Zeit des Reiches wieder aufgegriffen, als die Kaiser mit eigenwilligem Pomp ihre zehnjährigen Jubiläen feierten (nach Gibbon).
Für die bildliche Darstellung der Decennalien „sind zwei häufige Typen zu nennen; erstens der am Altar opfernde Kaiser, der … entweder den Göttern für die Gewährung eines künftigen Zeitraums glücklicher Regierung ein Gelübde darbringt und ihren Schutz erfleht oder für einen glücklich vollendeten Zeitraum seines Waltens das Angelobte leistend seinen Dank abstattet … Der zweite Typus bedient sich der Vermittlung von Victoria, der eigentlichen kaiserlichen Göttin (Victoria Augusta)“ (Schwabe, Die kaiserlichen Deccenalien und die alexandrinischen Münzen, S. 28).
„Sieg war den krieggewohnten, welterobernden Römern von jeher das Wort der glücklichsten Vorbedeutung, und die ihn personificirende Siegesgöttin das allgemeinste, willkommenste Symbol“ (C. A. Böttigers Kleine Schriften, Bd. 1-3, S. 316).
Viktoria als Schutzgöttin von Kaiser und Reich wurde erstmals auf den Münzen des Commodus anlässlich der feierlichen Gelübde für eine Verlängerung der Regierungszeit instrumentalisiert. Schlüsseldatum der Zählung war nach Mattingly der dies imperii.
Bei Commodus wäre dies wohl der 27. Nov. 176 n.Chr. gewesen, dem Tag seiner Akklamation als Augustus (vgl. Kienast, Kaisertabelle).
„Es geschah häufig, dass man ein bedeutsames Fest oder Ereignis nicht bloß im Jahr seines Eintretens, sondern auch in den folgenden Jahren zum Gegenstand von Münzbildern machte, um es längere Zeit hindurch in der Erinnerung des Volkes festzuhalten, wie denn ein Denar vom Jahre 186 (Cohen 338, VOT-SOL-DEC) dies ausdrücklich bezeugt; übrigens scheint in unserem Falle eine specielle Veranlassung für die verspätete Hinweisung auf die Decennalien vorhanden gewesen zu sein“ (F. Kenner, Römische Medaillons).
Beyeler hat am Beispiel der späten Kaiserzeit aber auch darauf hingewiesen, „dass vota-Angaben nicht zwingend mit den eigentlich genannten Regierungsjubiläen verknüpft sein müssen“ (Geschenke des Kaisers, S. 73).
Dies scheint sich bei Commodus ebenfalls zu bestätigen, denn auf seinen Münzen fand die Einlösung der Gelübde (vota soluta decennalium) 2 ½ Jahre lang ihren Niederschlag: „Diese Feier ist auch in verschiedener Weise auf römischen Münzen des Commodus verherrlicht: so auf solchen, welche die Inschriften PRIMI DECENN P M TR P X IMP VII COS IIII tragen (Cohen III 311, 600), also aus dem J. 185 stammen, während andere mit der Aufschrift VOT SOL DEC P M TR P XI (oder XII) IMP VIII COS V auf J. 186 und 187 (Cohen III 358, 1000, 1001) hinweisen“ (Schwabe, ebd., S. 20).
Wie etwa aus der commodianischen Reverslegende SAECVLI FELIICITAS zu entnehmen ist, sah Commodus mit dem glücklichen Abschluss seiner zehnjährigen Regentschaft den Beginn der Glückseligkeit eines neuen Goldenen Zeitalters (saeculi Felicitas) angebrochen. Dass hierbei Viktoria ihren Fuss auf einen am Boden liegenden Helm setzt dürfte eine unmissverständliche Anspielung auf die kaiserliche virtus (Tapferkeit) sein, die zur Erringung des durch die Gelübde erflehten Sieges über die Feinde beigetragen hat; auf einem Medaillon des Alexander Severus wird der mit VOT X beschriebene clipeus votivus sogar von Virtus selbst auf eine Säule gestellt.
Das zehnjährige Jubiläum (Primi Decennales) seines dies imperii am 27. Nov. (?) 186 n.Chr. war ein wichtiges Ereignis in der Regierungszeit des Commodus (Mattingly denkt an Spiele aus disem Anlass). Entsprechend groß ist die Zahl der Kurantmünzen, die darauf Bezug nehmen. Den Gelübden (vota) für die Fortdauer der Regierung kam umso größere Bedeutung zu, je unsicherer die Lage für das Imperium und damit für den Kaiser selbst wurde. Eine für das Gemeinwohl (res publica) dienliche Kaiserherrschaft war von jeher mit Siegen verknüpft und so wurden „Regierungsjubiläen wie Siege von der Viktoria auf den Schild geschrieben und verkündet“ (Alföldi, Bild und Bildersprache der römischen Kaiser, S. 107). Fester Bestandteil der vota decennalia war der Votivkranz (corona votiva). Wenn sich die Götter der zehnjährigen Herrschaft wohlgesonnen gezeigt hatten, so löste der Kaiser seine vormals abgelegten Gelübde ein und brachte die ausgelobten Dankesopfer dar. Bei dieser Zeremonie fiel der corona votiva vielleicht die gleiche Funktion zu wie dem goldenen Lorbeerkranz, den siegreiche Feldherren im Tempel des Jupiter niederzulegen pflegten.
Konrad Kraft hat in seiner Abhandlung „S(enatus) C(onsulto)“ festgestellt, dass ab der Zeit Trajans die corona civica aus Eichenlaub aufgrund des verloren gegangenen Wissens um die richtigenn Zusammenhänge „in den Votakranz hinüberzugleiten beginnt, wobei sogar die Eichenblätter in Lorbeer verwandelt werden“. Vordem waren die coronae civicae auf den Münzen immer noch mit dem Zusatz OB CIVES SER-VATOS gekennzeichnet. „Durch die Wandlung zum Vota-Kranz beginnt der Eichenkranz die für die Bürgerkrone allein zulässige Beziehung auf den Princeps schon zu lockern“. Dieser Übergang verdeutlichen neue Kranzinschriften: VOTA SVSCEPTA (Hadrian), PRIMI DECEN COS IIII (Antoninus Pius) oder IVVENTVS (Aurelius Cesar). Bei VOTA PVBLICA von Lucilla verlieren die Blätter ihre klare Kennzeichnung als Eichenlaub, das Gebinde ähnelt einem Lorbeerkranz. PRIMI DECENNALES COS III bei Marcus Aurelius greift jedoch wieder auf die Eichenblätter zurück.
„Unter M. Aurel tritt ein weiteres neues Moment auf. Der Eichenkranz wird mit Kriegserfolgen verbunden: VICT. GERMA. IMP. VI COS. III. Sehr bezeichnend ist nun, daß dieses Stück, obwohl die Eichenblätter unverkennbar sind, beschrieben wird: ,five lines in laurel-wreath‘. Ganz offensichtlich konnte sich der Bearbeiter nicht vorstellen, wieso ein Eichenkranz mit einem Germanensieg verbunden sein könnte. In der Tat ist es aber so, daß die corona civica im Laufe des 2. Jh. in die Topik der Vota und der Sieghaftigkeit des Kaisers hinübergleitet. In Verkennung dieser Entwicklung wird in BMC IV S. 801 Nr. 565 der evidente Eichenkranz auf einer Münze des Commodus (BMC IV Taf. 107, 11) mit PRIMI DECENN, vorsichtig nur als ,wreath‘ angesprochen, und der Eichenkranz von BMC IV Taf. 107, 13 auf S. 815 Nr. 614 schon als ,laurel-wreath‘ deklariert“ (Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte, Bd. XII, S. 34 ff.)
Vielleicht kann noch jemand was ergänzen?
MfG

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chinamul
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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von chinamul » So 21.06.15 12:51

Der folgende Sesterz des Commodus ist im Forum offenbar noch nie gezeigt worden, weshalb ich ihn hier vorstellen möchte. Er könnte noch ein wenig besser erhalten sein, aber das wird zum Teil durch die Tatsache wieder wettgemacht, daß er recht selten zu sein scheint (RIC: "S").
comm sest libert.jpg
COMMODUS 180 – 192
Æ Sesterz Rom 192
Av.: L AEL AVREL CO - MM AVG P FEL - Belorbeerter Kopf rechts
Rv.: LIB AVG P M TR P XVII COS VII P P S C - Libertas nach links stehend; in der Rechten Pileus, in der Linken Langzepter
Rechts im Feld achtstrahliger Stern
RIC 619; C. 289
Ø 27 - 29 mm / 19,76 g ; Stempelachse 11 h

Gruß

chinamul
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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von Peter43 » Mo 06.07.15 20:06

Hier möchte ich euch eine Münze vorstellen, die ich glücklicherweise vor kurzem meiner Sammlung hinzufügen konnte:

Moesia inferior, Nikopolis ad Istrum, Commodus, 177-192
AE 21, 6.05g
Av.: AVT KAI M AVR - H KOMODOC
Belorberter Kopf n.r.
Rv.: NEIKOPOLE - IT - wN PROC ICTRON
Nike in langem Doppelchiton, auf Globus n.l. stehend, in der erhobenen Rechten
Kranz haltend; im li. Feld langer Palmzweig
Ref.: a) nicht in AMNG
b) nicht in Varbanov
c) Hristova/Hoeft/Jekov (2015) No. 8.10.9.1 corr. (stempelgleich, aber Globus
und Palmzweig im li. Feld nicht erwähnt, weil die abgebildete Münze zu
schlecht erhalten ist)
nicht häufig, fast SS, schwarzgrüne Patina

Der Kranz, den Nike hält, ist nicht zu sehen. Aber die Lücke E - IT ist klar. HrHJ (2015) schreibt zur Häufigkeit R5. Aber ich habe diesen Typ seit 10 Jahren erst 1x gesehen, und bei dem war die Beschreibung ebenfalls falsch (CNG), weil der Palmzweig im li. Feld nicht zu sehen war. Das gilt auch für Varbanov 2177. Bei acsearch.info ist sie gar nicht gelistet.

Hier aber ist der Palmzweig klar zu sehen. An dieser ungewöhnlichen Darstellung -- der Palmzweig steht da, wo sonst die Keule des Herakles zu finden ist - sieht man wieder einmal, daß es in Nikopolis unter Commodus phantasievolle Stempelschneider gab. Und dies ist das schönste bisher bekannte Ex. So etwas hat natürlich seinen Preis. :(

Eine Frage habe ich noch zum Schluß: Weiß jemand von euch, wo die li. Hand der Nike geblieben ist?

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
#026_nikopolis_commodus_HrHJ(2015)8.10.9.1corr.jpg
Omnes vulnerant, ultima necat.

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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von mike h » Sa 12.09.15 19:05

Und noch der letzte aus dem Lot

Ein As des Commodus als Caesar (Filius Augustus)
IMG_6246AR01.JPG
Der hat sich allerdings ziemlich widerspenstig gegen seine Freilegung gesträubt... und hat mich einen ganzen Tag beschäftigt

Martin
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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von chinamul » Fr 18.12.15 19:56

Gerade eingetroffen: Ein weiterer interessanter Hercules-Sesterz des Commodus, den ich für € 153 brutto ersteigern konnte. Das Stück ist absolut "unverlanzt", d. h. ohne die geringsten Bearbeitungsspuren. Im RIC ist es als "R" bezeichnet.
comm sest herc tropaion.jpg
COMMODUS 180 – 192
Æ Sesterz Rom undatiert
Av.: L AEL AVREL CO - MM AVG P FEL - Belorbeerter Kopf rechts
Rv.: HERCVLI ROMANO AVG S C - Hercules nach links stehend; die Rechte auf links stehendes Tropaion gelegt, in der Linken Keule und Löwenfell haltend
RIC 640; C. 203
28 - 29 mm / 21,67 g ; Stempelachse 11 h

Gruß

chinamul
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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von mike h » Fr 18.12.15 20:01

Schön, das DU ihn bekommen hast.

Mir hätte er auch gefallen.

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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von Pscipio » Fr 18.12.15 20:23

Eine sehr nette Münze, mit guten Details!

Lars
Nata vimpi curmi da.

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