Marc Aurel und seine Münzen

Kaiser, Dynastien und Münzstätten

Moderator: Homer J. Simpson

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friedberg
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Re: Marc Aurel und seine Münzen

Beitrag von friedberg » Mo 06.12.21 20:47

Gut mein Fehler. Ich habe mit / ohne Aegis, bisher immer auf den Avers bezogen.
So wie bei diesem Stück die "Halsbrosche" Avers.
http://numismatics.org/ocre/id/ric.2_1(2).dom.186

Da die Schlangen Teil der Aegis sind und Minerva von Schlangen als Attribut
begleitet wird kann man das dann auch auf die Minerva beziehen.

Mit freundlichen Grüßen

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Homer J. Simpson
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Re: Marc Aurel und seine Münzen

Beitrag von Homer J. Simpson » Mo 06.12.21 20:50

Perseus hat der Gorgo Medusa, der einzig sterblichen Gorgo, den Kopf abgeschlagen (polierter Schild als Spiegel etc.). Dann hat er das Gorgonenhaupt, dessen Anblick Menschen vor Schreck versteinern ließ, auf seinen Schild montiert. Das ist die Aegis. Hat er sich wahrscheinlich beim Rannageln ein paarmal auf den Finger gehauen, weil er durfte ja nicht hinschauen. Dann hat er wohl etwas die Lust daran verloren, wahrscheinlich nachdem ihm drei oder vier Schildknappen versteinert sind, und hat den Schild der Athena als Opfergabe gebracht. Seither trägt Athena die Aegis.

Wie sehr und in welcher Form die Aegis auf Bildnissen der Athena dargestellt ist, variiert von Künstler zu Künstler sehr stark. Hier ist sie eben recht betont. Die Aegis selbst ist auf der höchsten Stelle des Reliefs platt gewetzt oder schwach geprägt, aber die Schlangenhaare des Gorgonenhauptes stehen sichtbar ab. War wirklich nicht gerade Medusas Tag - erst hatte sie einen Bad Hair Day, und dann kommt auch noch Perseus und schlägt ihr den Kopf ab...

Homer
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friedberg
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Re: Marc Aurel und seine Münzen

Beitrag von friedberg » Mo 06.12.21 20:56

Hallo Homer,

vielen Dank für die Erklärung. Ich hatte mit / ohne Aegis wie oben geschildert verstanden.
Aber ich lerne gerne dazu und gelobe Besserung :D

Mit freundlichen Grüßen

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Re: Marc Aurel und seine Münzen

Beitrag von jschmit » Mo 06.12.21 20:56

Danke für deine Ausführung! Ich hab das mal dazu eingetragen :-)

Grüße, Joel

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Re: Marc Aurel und seine Münzen

Beitrag von jschmit » Mo 06.12.21 21:16

Ich hab gehört, dass ich etwas genervt rüber kam :-P das ist so eine Eigenart von mir, die selten böse oder eben - genervt gemeint ist. Ich hab mich nur etwas missverstanden gefühlt :-P ich kannte euren Link zu 1308a schon, nur hatte der auch keine Schlangen. Als d_k dann meinte es sei 1308 hab ich dann den Verus Link gepostet - also eben Ric 1308. Ich hab jetzt verstanden, dass 1308 komplett unterschiedlich zu 1308a ist (dachte immer solche a,b,c's seien Abwandlungen vom selbigen Typ). Ich hatte Zweifel an 1308a weil nirgends die Aegis erwähnt wird und nur selten überhaupt was davon zu sehen ist.

Nehmt's mir nicht übel, ich danke euch allen für eure Mühe und Hilfe! :-)

Grüße, Joel

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quisquam
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Re: Marc Aurel und seine Münzen

Beitrag von quisquam » Di 07.12.21 15:30

a ist nackte Büste, b drapiert.
Dein Sesterz ist unter Antonius Pius geprägt und daher RIC A. Pius 1308 mit Büste a.

Grüße Stefan
Eigentlich sammle ich nicht Münzen, sondern das Wissen darüber.

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Timestheus
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Re: Marc Aurel und seine Münzen

Beitrag von Timestheus » Do 16.12.21 19:37

ae_bronze_annia_aurelia_galeria_lucilla.jpg


Annia Aurelia Galeria Lucilla 164 v.Chr. Tochter des Kaisers Marc Aurel
Sesterz der römischen Kaiserzeit
Material: AE
Durchmesser: 30mm
Gewicht: 22,56g
Münzstätte: Rom
Erhaltung: VF
Provenienz: Roma Numismatic, London, 16.12.2021
Referenz: RIC III 1765

Avers: Kopf der Annia Aurelia Galeria Lucilla nach rechts. Inschrift: LVCILLA AVGVSTA.
Revers: Venus steht nach links, hält einen Apfel und Zepter. Inschrift: VENVS und mittig S C.


---
Keine Münze von Marc Aurel direkt, aber ich hoffe die Tochter ist auch ok. Durfte ich mir heute neben dem Augustus als kleines Weihnachtsgeschenk aussuchen. Die Rückseite geht so - aber der markante Kopf und die Nase haben es mir echt angetan. Aber auch historisch hat die Tochter des Marc Aurel einiges zu erzählen.

Lucilla wurde am 7. März 148 oder 149 als Tochter des Kaisers Mark Aurel und seiner Frau Faustina geboren. Sie war die ältere Schwester des späteren Kaisers Commodus. In jungen Jahren wurde sie mit dem Kaiser Lucius Verus verlobt. Der olle Schwerenöter hatte dann aber eine mehrjährige Affäre mit der schönen Pantheia aus Smyrna. Dennoch heirateten dann 164 n.Chr. die beiden Verlobten. Lucilla erhielt dabei den Titel Augusta.

Ihr Gatte Lucius Verus erzielte in den darauffolgenden Jahren militärische Erfolge. Zuerst der Triumph über das Partherreich. Dann ging es 168 n.Chr. an die Nordgrenze des Reiches. Noch auf dem Weg dorthin erlitt Lucius Verus einen Schlaganfall. Er segnete mit 39 Jahren in Altinum (bei Venedig) das zeitliche. Geschuldet wohl an seinem bisherigen Lebenswandel. Lucilla war damit als 19-jährige bereits Witwe.

Bereits zu beginn gab es wildeste Gerüchte, das Lucilla Schuld am Tot ihres Gatten tragen würde. Was Experten jedoch für eher unwahrscheinlich halten, hätte sie damit doch ihre einflussreiche Stellung als Kaisergattin geschwächt. Ihr Vater Marc Aurel suchte recht schnell einen neuen vorteilhaften Gatten, welchen er in Tiberius Claudius Pompeianus dann auch gefunden hatte. Sehr zum Unwillen der Tochter, welche lieber Avidius Cassius ehelichen wollte, einen weitaus jüngeren potenziellen Ehemann, den sie in Syrien kennengelernt hatte.

Tiberius Claudius Pompeianus war schon deutlich älter, allerdings ein loyaler Anhänger des Kaisers Marc Aurel. Er wurde zum treuesten Mitarbeiter des Kaisers während der Markomannenkriege. Unter heftigsten Widerstand wurde dann doch geheiratet.

Unterdessen bereitete Lucillas männlicher Ex-Schwarm Avidius Cassius dem Reich große Sorgen.

Im Jahr 166 n.Chr. wurde dieser Statthalter von Syrien. In dieser Funktion lernte er Kaiser Lucius Verus und dessen Gattin Lucilla näher kennen. Im Jahr 175 n.Chr. wurde Cassius nach einer unzutreffenden Meldung über den Tod Kaiser Mark Aurels zum römischen Kaiser proklamiert. Als er nach der Information, dass Mark Aurel lebte, an der Proklamation festhielt, bereitete dieser den Krieg vor, hoffte aber, dass Cassius dabei nicht getötet werde oder Selbstmord begehe, denn er beabsichtigte ihn zu begnadigen. Obwohl Cassius die Kontrolle über einen der wesentlichen Teile des Römischen Reichs erlangte – Ägypten war einer der wichtigsten Getreidelieferanten für die Stadt Rom – gelang es ihm nicht, breite Unterstützung für seine Rebellion zu bekommen. Der Statthalter von Kappadokien, Martius Verus, blieb Mark Aurel treu. Nach drei Monaten wurde Cassius von einem Centurio ermordet.

Doch bereits 178 n.Chr. musste der kaiserliche Hof, darunter auch Lucilla und ihr Ehemann, wieder nach Norden aufbrechen. Mark Aurel starb nur gut ein Jahr später vermutlich in Vindobona. Commodus übernahm nun die Macht. Die Hoffnungen der Lucilla, dass ihr Mann Pompeianus an der Macht beteiligt werden würde, erfüllten sich jedoch nicht.

Über die Ereignisse der nächsten beiden Jahre gibt es unterschiedliche Berichte. Eine Version berichtet, dass Spannungen zwischen Lucilla und Bruttia Crispina, der Ehefrau des Commodus, die Atmosphäre am Hof schwer belasteten. Lucilla fühlte sich gegenüber ihrer Schwägerin zurückgesetzt. Aus diesen höfischen Auseinandersetzungen ist wohl der nicht unbegründete Vorwurf zu erklären, sie sei 181 n.Chr. an einer Verschwörung zum Sturz ihres Bruders beteiligt gewesen.

Nach Berichten des Herodian hatte Tiberius Claudius Pompeianus Quintianus – wohl ein Neffe des Pompeianus – zusammen mit Marcus Claudius Ummidius Quadratus einen fehlgeschlagenen Anschlag auf den Kaiser im Kolosseum organisiert. Lucilla wurde nun verdächtigt, Quintianus angestiftet zu haben. Zudem gab es den wohl ebenfalls nicht unbegründeten Vorwurf, sie habe mit ihrem Neffen ein Verhältnis gehabt. Lucilla wurde daraufhin verurteilt und auf die Insel Capri verbannt. Ob sie tatsächlich für das Attentat auf ihren Bruder mitverantwortlich war oder einer darauffolgenden Säuberungswelle zum Opfer fiel, bleibt ungewiss. Sie wurde schließlich 181 n.Chr. oder 182 n.Chr. hingerichtet.

Welch Leben mit tragischem Ende.
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Re: Marc Aurel und seine Münzen

Beitrag von jschmit » Mo 20.12.21 20:57

Diesmal wirklich die letzte für 2021 und wegen Immobilienkaufs auch die letzte für den einen oder anderen Monat. Aber eine letzte, schmerzhafte Lücke konnte ich noch stopfen. Diesen Verus Dupondius habe ich wegen dem Portrait und natürlich der RS mit Aurelius geholt. DIe Patina ist brüchig aber farblich sehr ansprechend wie ich finde. Damit ist mein numismatisches Jahr abgeschlossen, ich hoffe eures noch nicht. Wenigstens was sehen will ich :-)

26 mm, 9.83 g

Grüße, Joel
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Re: Marc Aurel und seine Münzen

Beitrag von Timestheus » Di 21.12.21 02:13

Ja ja kenne ich - immer das letzte Exemplar :) ... Ist das nicht der Verus aus der Leu Auktion?

Sehr schön.
Glückwunsch!
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