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von richard55-47 » Di 02.10.12 21:08
Erst mal herzlich willkommen. Ich wünsche dir viel Spaß im Forum.
Ein Fachmann für die Beantwortung deiner Frage bin ich nicht. Ich versuche mal mein Glück.
Roms Münzen waren abhängig von einem gewissen Standard - Gold -. Hiervon wurden möglichst standardisiert Silbermünzen und kleinere Münzeinheiten abgeleitet.
Wegen der mangelhaften Technik im Vergleich zur heutigen war es aber oft nicht möglich, Schrötlinge identischer Beschaffenheit (Dicke und Durchmesser) herzustellen.
Ein Grund für abweichendes Gewicht.
Bei guter Versorgung mit Silber konnte man den Feingehalt beibehalten, stockte der Rohstoffnachschub oder wurde erhöhter Bedarf an Exemplaren erkannt, ohne dass dem genügend Rohmaterial gegenüber stand, wurde das Material gestreckt mit unedlen Metallen. Ob eine Streckung manchmal auch "inoffiziell" oder immer nur offiziell erfolgte, weiß ich nicht. Es gab verschiedene Male Münzgesetze, die eine Verschlechterung herbeiführten und dem Volke weismachten, dass eine Silbermünze mit einem Feingehalt unterhalb von 100% den gleichen Wert hat wie eine Silbermünze mit einem Feingehalt von 100%.
In der heutigen Zeit wird Papier zu dem Wert akzeptiert, der aufgedruckt ist, damals achtete man auf das Metall und dachte: nicht, was draufsteht, sondern das, was drin ist, ist wichtig. Und schon wurden die Preise erhöht.
Der nächste Faktor für abweichendes Gewicht einer Münze war also das spezifische Gewicht der jeweilig gemixten Metalle.
Ob die Stempel jeweils 23 mm im Durchmesser sein sollten, weiß ich nicht. Beispielsweise habe ich zwei Vespasiandenare mit 3,4 bzw. 3,33 gr. Gewicht mit einem Durchmesser von 16,64 mm bzw. 17,76 mm. Das Gewicht meiner Münzen entspricht somit dem von dir angegebenen Idealgewicht, der Durchmesser weicht aber doch erheblich nach unten von deiner Angabe 23 mm ab.
Es gibt sicherlich Tabellen im Internet, in denen man nachlesen kann, wie groß zu welcher Zeit das Standardgewicht von Münzen war oder sein sollte. Die Standardliteratur RIC (Roman Imperial Coinage) enthält solche Angaben.
Mehr kann ich zum Gewicht einer Münze nicht sagen.
Die Materialbeschaffenheit ist ein wichtiger Beleg für die Echtheit von Münzen. Einen Denar des AUGUSTUS aus Bronze wird man sicher nicht finden können. Wenn doch, handelt es sich um eine Fälschung.
Aber so einfach ist die Sache leider nicht. Gute Fälscher benutzen nicht nur das jeweils richtige Material, sondern auch aus Einschmelzungen antiker Münzen gewonnenes Material. Um an Hand des Materials allein eine Fälschung erkennen zu können, muss man schon Spektralanalysegeräte in seiner Römerecke stehen haben. Weiter werden teils saugute Stempel hergestellt. Wenn man da nicht genau auf den Stil achtet, ist die Gefahr reinzufallen, viel größer als wenn man nur auf Gewichtsunterschiede schielt. Das lernt sich aber alles, insbesondere hier im Forum, das einige Experten aufzuweisen hat.
do ut des.