Münze ?

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Lilienpfennigfuchser
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Münze ?

Beitrag von Lilienpfennigfuchser » Do 19.11.20 13:49

Hallo,

dieses brakteatenförmige Metallteil kann ich nicht einordnen. Es wiegt mit Dreck und Speck 0,37 g und hat einen Durchmesser von 21 mm. Die Bruchstelle ist messingfarben. Das runde Gebilde hat einen Perl- und einen Wulstrand. Die perlenbesetzte Fläche endet anscheinend zur Mitte hin.
"Wer kann sachdienliche Hinweise geben"? Diese sind gefragt.

Liebe Grüße

LPF
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QVINTVS
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Re: Münze ?

Beitrag von QVINTVS » Mo 23.11.20 20:38

Grüß Dich LPF,

spontan fällt mir dazu nur neutral "Zierblech" ein. Am Pferdezaumzeug, Gürtel, möglicherweise auch als Schauseite eines "Knopfs", auf einer Messer- oder Schwertscheide, ... Das Loch irritiert mich ein wenig, denn es sieht wie nachträglich gemacht aus, also nicht mehr dem ursprünglichen Verwendungszweck entsprechend. Auf mich wirkt es auch wie eine "Zeitverwendung".
Viele Grüße

QVINTVS

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Lilienpfennigfuchser
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Re: Münze ?

Beitrag von Lilienpfennigfuchser » Di 24.11.20 10:55

Hallo,
danke für deine Meinung.
Für die Verwendung als Zierblech erscheint mir der Herstellungsaufwand zu hoch und die Haltbarkeit zu gering. Was man sicher beurteilen kann, sind der Wulst-und der Perlrand. Beide sind gut herausgearbeitet. Das Loch entstand von der Rückseite aus. Sowohl oberhalb, als auch unterhalb des Loches glänzen kleinste Stellen silberfarben.
Ich habe die Beurteilung etwas leichter, denn ich kann das Teil drehen und wenden. Auf dem oberen Viertel ist zur Mitte hin eine nicht deutbare Erhebung zu sehen. Man bräuchte ein Vergleichsstück - egal ob Zierblech oder Münze.
Ich lehne mich mal aus dem Fenster: Zeitgenössische versilberte Fälschung eines bisher uns (noch) nicht bekannten MA Pfennigs, dessen Echtheit mittels kleinem Loch überprüft wurde. Nach der Überprüfung wurde das Ding weggeschmissen - vielleicht auf den Misthaufen, von dort kam es auf den Acker - , denn die Strafen beim Erwischtwerden waren zu hoch.

Eure Meinungen sind sehr erwünscht.

Viele Grüße und bleibt gesund!

LPF

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Numis-Student
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Re: Münze ?

Beitrag von Numis-Student » Di 24.11.20 15:06

Lilienpfennigfuchser hat geschrieben:
Di 24.11.20 10:55
, dessen Echtheit mittels kleinem Loch überprüft wurde.
Ein dermassen kleines, sauberes Loch ist nur zur Echtheitsprüfung sehr aufwendig; da würde ich eher einen Einschnitt erwarten.

Schöne Grüße,
MR

Andechser
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Re: Münze ?

Beitrag von Andechser » Di 24.11.20 15:19

Da kann ich mich nur QVINTVS und Numis-Student anschließen und noch etwas ergänzen.
Aus meiner Sicht ist das eine Applikation zum Anbringen auf Stoff oder anderen Trägermaterialien. Die Form und Ausarbeitung ist z.B. für frühe Pilgerzeichen und andere Applikationen belegt. Siehe hierzu beispielhaft: http://hdl.handle.net/428894.vzg/dfe0f8 ... 9380e964a5
Für eine Echtheitsprüfung standen auch im Mittelalter schon andere Methoden als die Lochung zur Verfügung und auch eine Entwertung fällt eigentlich aus, da solche Lochungen im Normalfall anders aussehen. Sie hatten eigentlich den Durchmesser eines Nagels, da die entwerteten Münzen oft öffentlich angenagelt wurden. Siehe hierzu beispielhaft zwei bayerische Pfennige die wohl entsprechend angenagelt wurden:
http://hdl.handle.net/428894.vzg/9d792f ... 3a2d45bd94
http://hdl.handle.net/428894.vzg/64eac5 ... 49b6dba61d

Beste Grüße
Andechser

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Re: Münze ?

Beitrag von Lilienpfennigfuchser » Fr 27.11.20 11:05

Hallo,
danke für die interessanten Meinungen.
Die Verwendung als Zierblech kann ich mir auch gut vorstellen. Aber so ganzüberzeugt habt ihr mich noch nicht.
Zur Prüfung auf die Echtheit war in diesem Fall doch nur festzustellen, ob das Teil nur versilbert war oder aus einer für Münzen verwendeten hochwertigen Silberlegierung bestand. Dazu benötigt man kein großes Loch und keine aufwändige Untersuchung. Ein Blick auf den Rand der durch das kleine Loch entstandenen Ausstülpung genügt, um die benötigte Metallunterscheidung vorzunehmen.
Die Frage, ob das Teil überhaupt versilbert war, könnte mittels einer Röntgenfloureszensanalyse zweifelsfrei geklärt werden (wenn es wichtig genug ist).
Übrigens, hätte nicht auch ein dünner Nagel genügt, um das Stück an die Wand zu nageln?
Was gegen die Vermutung, dass es sich um eine Münze handelt, spricht, sind die vielen ovalen Perlen, die fast die Hälfte der Innenfläche einnehmen. Bei einer Münze hätte man vermutlich die gestaltbare Fläche mehr mit Figuren ausgefüllt.
Ich bin auch mal gespannt, was die Archäologen dazu sagen.

Grüße

LPF

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Re: Münze ?

Beitrag von Andechser » Fr 27.11.20 20:38

Aber warum sollte jemand eine Münze zum Testen auf Versilberung lochen, wodurch möglicherweise der Eindruck entstanden wäre, dass sie für unglültig erklärt worden wäre? Dem Testenden standen mit einem Abrieb oder der Halbierung eines Brakteaten oder Dünnpfennig andere Möglichkeiten zur Verfügung, die die Umlauffähigkeit der Münze nicht beeinträchtigt hätten. Halbierte Brakteaten oder Dünnpfennige waren ja keine Seltenheit und oft als Ersatz für nicht ausgeprägte Hälblinge verwendet worden.

Beste Grüße
Andechser

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Re: Münze ?

Beitrag von Andechser » Mo 28.12.20 18:49

Als Nachtrag noch ein Literaturhinweis zum Thema Silberverarbeitung im Mittelalter:
https://www.academia.edu/38259851/Silve ... ll_Version_
Die Frage der Testung von Münzen auf ihren Feingehalt wird auf den Seiten 28-31 behandelt.

Beste Grüße
Andechser

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Re: Münze ?

Beitrag von Lilienpfennigfuchser » Di 29.12.20 12:01

Hallo Andechser,

herzlichen Dank für deinen Hinweis. Leider habe ich nie englisch gelernt, so dass ich für die Übersetzung mich einer Person oder eines Programmes bedienen muss.
Dass das Teil höchstens versilbert war, ist an der Bruchstelle leicht zu erkennen. Und für diesen Fall reicht das ja. Ich hänge mal ein Bild an, bei dem man den Kupferkern auch leicht erkennen kann.

Aber die Frage war nicht in erster Linie nach dem Silbergehalt, sondern ob es sich um eine Münze handeln könnte.

Einen guten Rutsch und viel Gesundheit wünscht euch allen

LPF
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Andechser
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Re: Münze ?

Beitrag von Andechser » Di 29.12.20 12:33

Hallo Lilienpfennigfuchser,
das zweite Stück, was du hier beigefügt hast, dürfte eine zeitgenössische Fälschung eines Dünnpfennigs sein. Kannst du da auch noch die andere Seite zeigen und das Gewicht angeben?
Beim ersten Stück ist es aber meiner Meinung nach auszuschließen, dass es sich um eine Münze gehandelt haben könnte.
Meine Ergänzung bezog sich auch hauptsächlich darauf, welche Methoden zur Bestimmung des Feingehalts und zum Schutz vor gefütterten Münzen bereits im Mittelalter genutzt wurden.

Beste Grüße
Andechser

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Re: Münze ?

Beitrag von Lilienpfennigfuchser » Di 29.12.20 17:00

Hallo,
was die beiden Teile mal waren, Münze oder ? , bleibt für mich offen.
Auf die zeitgenössische Fälschung werde ich unter "Zeitgenössische Fälschungen" antworten.
Grüße
LPF

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