Schaukasten Weltmünzen

Europa (ohne Euros) und Afrika - ab etwa 1500.
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Atalaya
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Re: Schaukasten Weltmünzen

Beitrag von Atalaya » Fr 19.03.21 09:46

Schön, was hier los war :) Hatte leider gestern Abend viel zu tun.
sigistenz hat geschrieben:
Do 18.03.21 17:34
die jeweiligen Hintergründe und Zusammenhänge wusste ich so gut wie nichts. Ich folge diesem thread mit grossem Vergnügen und Respekt. Besten Dank!
Das freut mich sehr! Münzen sind eben Geschichte zum Anfassen und das kann man auch umdrehen und von der Geschichte auf die Münzen schauen.
Numis-Student hat geschrieben:
Do 18.03.21 20:39
Altena hat mit Basse & Selve sowie der VDM mindestens bis in die 1970er so ziemlich jeden beliefert, der bereit war, Schrötlinge zu kaufen. Im dortigen Heimatmuseum liegen Beispiele vieler Münzen, die aus Schrötlingen aus dem Ort hergestellt wurden (leider nicht öffentlich ausgestellt).
Und heute ist es die Stadt mit dem größten Leerstand in NRW. Ist schon beeindruckend, mal so ein altes Hammerwerk schlagen zu hören in den engen Tälern des Sauerlandes.
Geht das wohl bis auf die Grafen von der Mark zurück?
Basti aus Berlin hat geschrieben:
Do 18.03.21 20:47
Du hast in vielem Recht. Nur muss man sich aber vor Augen halten, dass die Balkanländer über 500 türkisch waren. Man war zwar 1900 unabhängig, aber das einzige Bindeglied, was 500 Jahre überdauert hat, war der griechische Einschlag Glaube und Schrift. Es gab kein Bürgertum, keine Elite, keine Akademiker ... man war unabhängig aber musste sich 'das oben rum' alles neu schaffen. Und so Sachen, wie Münzen, Land, Religion usw. waren eine Anknüpfung an Werte von vor 500 Jahren. Der Gedanke ist doch richtig, oder? :?:
Teilweise sicher ja, aber inbesondere Griechenland hat eben ein einmaliges - und damit auch schweres - Erbe an der Antike, das den armen Nachgeborenen immer wieder um die Ohren gehauen wurde und wird. Ist so wie bei den Kindern irgendwelcher berühmter Musiker oder Künstler, die immer wieder mit ihren Eltern verglichen werden.

Es gab schon Bürgertum und Eliten, nur eben hauptsächlich in Konstantinopel, Alexandria, Smyrna, Odessa, auf den Inseln usw. Nur, diese Leute, die den Freiheitskampf Anfang des 19. Jh. dann letztendlich organisierten und durchfochten, waren eben nicht so, wie sich die europäischen Schutzmächte ordentliche Hellenen vorstellten.

Atalaya
PS: Dank neuer Beleuchtung kann ich jetzt endlich weiter Münzen fotografieren.
"...und noch heute ist es in Neapel höchst ergötzlich, die Münzen mit dem Kopfe Murats friedlich neben denen mit dem Kopfe Ferdinands im Gebrauch zu sehen."
Ferdinand Gregorovius, 1853

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Basti aus Berlin
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Re: Schaukasten Weltmünzen

Beitrag von Basti aus Berlin » So 21.03.21 00:38

Basti aus Berlin hat geschrieben:
Do 11.03.21 13:33
Hallo Freunde =)

Das Thema ist so schön und darf nicht einschlafen ... freu mich, dass Atalaya hier Schwung reinbringt. Mit beruflichem Neustart läuft alles gut. Um mich Glücklich zu machen, hat mir ein Freund Münzen geschenkt. Hat sie aus einem Lot raussortiert, weil er weiß, dass ich das Thema Skandinavien toll finde. Noch mehr Steigerung von Überraschung und Freundschaft gibt es nicht. Kurze Angabe:

Christina (1632–1654)
1/4 Øre | Cu | 1641 | Säter
KM 160 | T 149 A | D 261 II

Gustav IV. Adolf (1792–1809)
1/4 Skilling | Cu | 1806 | Avesta
S 5 | KM 564 | T 203 E3 | D – (SM 60)

Karl XIV. Johann (1818–1844)
1/2 Skilling | Cu | 1820 | Avesta
S 35 | KM 596 | T 214 B | D 97 I

Die zeitgenössischen Hintergründe sind unheimlich interessant. Wurde schon mal nach den Quellen gefragt. S = Schön ab 1801 und KM = Krause-Mishler ab 1601 sind für Weltmünzen wichtige Quellen. Für den Fokus Schweden und Nebengebiete sind die hier sehr wichtig: T = Tonkin und D = Delzanno. Quellen für Interessierte:

https://www.battenberg-gietl.de/sammeln ... o-delzanno

bzw ...

https://www.akademibokhandeln.se/bok/my ... 172441200/

Über ersteren noch ein tolles Video von seinem Channel. Tolle Sache :D

https://www.youtube.com/watch?v=B5TW-r1u2g4
Hallo Freunde :D

Muss wieder laut denken. Die tiefen Hintergründe der Münzen sind toll. Denkt ihr nicht auch so? :D

1641: Heute bin ich hier dran vorbeigekommen:

https://de.wikipedia.org/wiki/St._Nikol ... ahrhundert

Dort wurde Brandenburg 1539 Protestantisch. 100 Jahre später stand das auf der Kippe. Aber 1632 ist der König gefallen, dem wir zu verdanken haben, dass der Protestantismus überhaupt noch existiert. Eine Ausgrabung hat das wieder greifbar gemacht:

https://www.welt.de/geschichte/gallery1 ... etzen.html

Es ist schon Wahnsinn, wenn man alle möglichen Gebäude, Städte, Sprachen usw. durch den Numismatikblick betrachtet. Geht euch das nicht auch so? Softes WE euch allen :bday:
Zuletzt geändert von Basti aus Berlin am So 21.03.21 01:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Schaukasten Weltmünzen

Beitrag von Chippi » So 21.03.21 01:10

Ja, das Massengrab kenne ich, stand schon vor 2/3 Jahren davor, als es noch Freigelegt wurde, 47 zum Teil schon ältere Männer mit alten Wunden, komplett entblößt (keine Textilreste oder Knöpfe!), also gefleddert, von Bauern nur notdürftig verscharrt, lediglich die letzte Person wurde nach christlichen Sitten geordnet oben drauf gelegt. Muss kein schönes Bild gewesen sein.

Gruß Chippi
Wurzel hat geschrieben:@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)
Münz-Goofy hat geschrieben: Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.

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Re: Schaukasten Weltmünzen

Beitrag von Atalaya » So 21.03.21 14:28

Warum wirft sie nur die Saat gegen den Wind?

20210321_132653.jpg

Was man an dieser Streiftlichtaufnahme jedenfalls gut sieht, ist, das der Entwurf des Reliefs auf solchen Lichteinfall hin konzipiert wurde.  Natürlich ist meine Beleuchtung nicht perfekt, ich übe noch und das Foto ist eher ein Zufallsprodukt :). Licht und Schatten modellieren hier das Faltenspiel des Kleides und der Haare bewegt heraus, das Gesicht wird endlich mal deutlich und Lichtspitzen liegen auf den Sonnenstrahlen und der Hand. Das ist also klassischer Jugendstil oder Art nouveau, alles ist jung und voller Bewegung.
Aber - jetzt kompositorisch gesehen - wo soll denn eigentlich auf dem Frühlingsfeld die Lichtquelle herkommen, die Madame so in Szene setzt? Die Sonne ist es ja offensichtlich nicht, denn die ist ja in ihrem Rücken. Und so wäre ihre Ansichtsseite eigentlich tief verschattet. Dagegen ist das Werfen der Saat in den Wind ja eine Kleinigkeit.

Jetzt ist es so, dass das Relief eben trotzdem ganz unbestreitbar als Kunstwerk funktioniert und funktioniert hat. Wir haben es hier also mit einer Komposition zu tun, von der das selbe gilt, was Goethe zu Eckermann über die Werke Claude Lorrains bemerkte: "Die Bilder haben die höchste Wahrheit, aber keine Spur von Wirklichkeit." Kunst ist eben gerade nicht das genaue Abformen der Natur.

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Re: Schaukasten Weltmünzen

Beitrag von klaupo » So 21.03.21 20:21

Oscar Roty (1846-1911) hat neben der „Semeuse“, für die ihm eine elfjährige Italienerin Modell stand, u.a. ein weiteres weniger bekanntes, jedoch sehr langlebiges Motiv gestaltet – den chilenischen Kondor.
---
1874-1975_Chile_Condor.jpg
---
Seine Darstellung ersetzte den eher heraldischen Typ (Designer James Barton Longacre und Anthony C. Paquet, s. Abb. links) durch eine naturalistische Gestaltung. Zwar wurde die Signatur von Roty (s. Abb. Mitte) nach der ersten Emission entfernt. Das Münzbild dagegen hielt sich – auf einem ständig absteigenden Nominal – immerhin über 80 Jahre, ehe es aus dem Zahlungsverkehr verschwand.

Gruß klaupo

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Re: Schaukasten Weltmünzen

Beitrag von Numis-Student » So 21.03.21 20:27

klaupo hat geschrieben:
So 21.03.21 20:21
Oscar Roty (1846-1911) hat neben der „Semeuse“, für die ihm eine elfjährige Italienerin Modell stand, ...
DAS finde ich gut: eines DER französischen Nationalsymbole ist eine Italienerin :lol:

MR

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Re: Schaukasten Weltmünzen

Beitrag von KarlAntonMartini » So 21.03.21 21:17

Numis-Student hat geschrieben:
So 21.03.21 20:27
klaupo hat geschrieben:
So 21.03.21 20:21
Oscar Roty (1846-1911) hat neben der „Semeuse“, für die ihm eine elfjährige Italienerin Modell stand, ...
DAS finde ich gut: eines DER französischen Nationalsymbole ist eine Italienerin :lol:

MR
Ungewiß, in den Quellen wird auch ein älteres frz. Modell genannt. Und das Fräulein soll elf Jahre sein?: https://www.wikiwand.com/de/Oscar_Roty
(Um das Porträt zu finde, muß man vom Bild Rotys nach rechts klicken.) Grüße, KarlAntonMartini
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Re: Schaukasten Weltmünzen

Beitrag von Basti aus Berlin » So 21.03.21 21:24

Den Namen Roty hab ich immer wieder gehört. Cool mal den Hintergrund zu erfahren :D
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Re: Schaukasten Weltmünzen

Beitrag von klaupo » So 21.03.21 22:06

I
KarlAntonMartini hat geschrieben:
So 21.03.21 21:17
Numis-Student hat geschrieben:
So 21.03.21 20:27
klaupo hat geschrieben:
So 21.03.21 20:21
Oscar Roty (1846-1911) hat neben der „Semeuse“, für die ihm eine elfjährige Italienerin Modell stand, ...
DAS finde ich gut: eines DER französischen Nationalsymbole ist eine Italienerin :lol:

MR
Ungewiß, in den Quellen wird auch ein älteres frz. Modell genannt. Und das Fräulein soll elf Jahre sein?: https://www.wikiwand.com/de/Oscar_Roty
(Um das Porträt zu finde, muß man vom Bild Rotys nach rechts klicken.) Grüße, KarlAntonMartini
Ich habe mich an der Wikipedia orientiert, da ist sie unten rechts mit Namen abgebildet.

https://de.wikipedia.org/wiki/Oscar_Roty

Gruß klaupo

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Re: Schaukasten Weltmünzen

Beitrag von KarlAntonMartini » So 21.03.21 22:21

klaupo hat geschrieben:
So 21.03.21 22:06
I
KarlAntonMartini hat geschrieben:
So 21.03.21 21:17
Numis-Student hat geschrieben:
So 21.03.21 20:27


DAS finde ich gut: eines DER französischen Nationalsymbole ist eine Italienerin :lol:

MR
Ungewiß, in den Quellen wird auch ein älteres frz. Modell genannt. Und das Fräulein soll elf Jahre sein?: https://www.wikiwand.com/de/Oscar_Roty
(Um das Porträt zu finde, muß man vom Bild Rotys nach rechts klicken.) Grüße, KarlAntonMartini
Ich habe mich an der Wikipedia orientiert, da ist sie unten rechts mit Namen abgebildet.

https://de.wikipedia.org/wiki/Oscar_Roty

Gruß klaupo
Ja, das Porträt ist das gleiche, mal mit dem Namen einer Französin und dann der Italienerin. Das ist wohl ähnlich wie bei den Frankfurter Talern, daß Legenden über die porträtierte Dame kursieren. Daß die Künstler im kalten Atelier mit trübem Licht der Gaslampe von einem Kupferstich abmalten, dürfte eher der Realität entsprochen haben, aber entspricht nicht dem Klischee. Grüße, KarlAntonMartini
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Re: Schaukasten Weltmünzen

Beitrag von Basti aus Berlin » So 21.03.21 22:37

Atalaya hat geschrieben:
So 21.03.21 14:28
Warum wirft sie nur die Saat gegen den Wind?


20210321_132653.jpg


Was man an dieser Streiftlichtaufnahme jedenfalls gut sieht, ist, das der Entwurf des Reliefs auf solchen Lichteinfall hin konzipiert wurde.  Natürlich ist meine Beleuchtung nicht perfekt, ich übe noch und das Foto ist eher ein Zufallsprodukt :). Licht und Schatten modellieren hier das Faltenspiel des Kleides und der Haare bewegt heraus, das Gesicht wird endlich mal deutlich und Lichtspitzen liegen auf den Sonnenstrahlen und der Hand. Das ist also klassischer Jugendstil oder Art nouveau, alles ist jung und voller Bewegung.
Aber - jetzt kompositorisch gesehen - wo soll denn eigentlich auf dem Frühlingsfeld die Lichtquelle herkommen, die Madame so in Szene setzt? Die Sonne ist es ja offensichtlich nicht, denn die ist ja in ihrem Rücken. Und so wäre ihre Ansichtsseite eigentlich tief verschattet. Dagegen ist das Werfen der Saat in den Wind ja eine Kleinigkeit.

Jetzt ist es so, dass das Relief eben trotzdem ganz unbestreitbar als Kunstwerk funktioniert und funktioniert hat. Wir haben es hier also mit einer Komposition zu tun, von der das selbe gilt, was Goethe zu Eckermann über die Werke Claude Lorrains bemerkte: "Die Bilder haben die höchste Wahrheit, aber keine Spur von Wirklichkeit." Kunst ist eben gerade nicht das genaue Abformen der Natur.

Atalaya
Auf jeden Fall ein tolles Stück. Habe mir die 50 Cent, 1 & 2 Francs geholt, wo ich angefangen habe. Nur eine Sache konnte ich mir nie beantworten. Die im Krieg geprägten Silbermünzen sind mit am günstigsten, bei Bulgarien sind die am teuersten. Woher kommt das? Der Jugendstil dieser französischen Serie ist wunderschön :D
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Re: Schaukasten Weltmünzen

Beitrag von Numis-Student » Mo 22.03.21 06:22

Das hängt wohl damit zusammen, dass die Deutschen, die Österreicher und wohl auch die Franzosen erstens große Mengen geprägt haben, zweitens die Bevölkerung dem Papiergeld nicht getraut hat und daher lieber Silber im Sparstrumpf zurückgehalten hat, und evtl. drittens die chronische Edelmetall-Armut in den kommunistischen Ländern noch zusätzlich dafür gesorgt hat, dass nur ein deutlich kleinerer Prozentsatz erhalten geblieben ist.

Schöne Grüße
MR

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Re: Schaukasten Weltmünzen

Beitrag von Basti aus Berlin » Mo 22.03.21 06:53

OK, du hast sicher Recht. Aber im zweiten Weltkrieg war 1 zu 1 das gleiche Szenario. Nickel und Bronze/Kupfer und Silber wurden eingezogen und nur noch Alu und Zink geprägt. Einzige Ausnahmen von Beteiligten sind Großbritannien, Rumänien und Slowakei. Portugal, Spanien, Schweden und Türkei waren nicht dabei.

OK, Großbritannien hatte Kolonien und keine Engpässe, hat aber trotzdem auf 400 runtergefahren. Und die Slowakei hat kurz vor Ende alles noch mal durch Prägung in die breiten Masse gestreut.

Egal ... manche Sachen kann ich mir nicht erklären. Aber noch mehr Paradebeispiel geht nicht, dass die Hintergründe interessanter und tiefgründiger sind als das steife Abhaken einer must have-Liste :D

Guten Start in die Woche Freunde :angel:
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Re: Schaukasten Weltmünzen

Beitrag von KarlAntonMartini » Mo 22.03.21 10:25

Infolge des Kriegs stieg der Silberpreis, die britischen Sterlingsilbermünzen hatten dann einen höheren Edelmetallwert als den Nennwert. Deshalb mußten die Briten für eine Reihe von Jahren den Silbergehalt auf 500/1000elreduzieren. In wohlhabenderen Ländern wurde viel gehörtet, in armen Ländern wie BG vermutlich viel eingeschmolzen. - Eine ähnliche Erscheinung beim Silber gab es Anfang der 1970er Jahre, ausgelöst von spekulativen Käufen, das führte zur endgültigen Aufgabe der silbernen Kurantmünzen weltweit. Grüße, KarlAntonMartini
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Re: Schaukasten Weltmünzen

Beitrag von Atalaya » Mo 22.03.21 10:38

Guten Morgen in die Runde,

war ja klar, da wirft man ernsthafte kompositorische Fragen auf und alle schauen nur auf die Frau ;).

Im Ernst, die Komposition der Semeuse von Oscar Roty funktioniert auf der Münze nur, weil es ein farbloses Relief ist. Einem Maler wären diese Lichtverhältnisse zurecht um die Ohren gehauen worden.
Semeuse_autographe_O.Roty_klein.jpg
Quelle: Roi.dagobert, Wikimedia <https://commons.wikimedia.org/wiki/File ... O.Roty.JPG, 22.03.21>, Lizenz: CC BY-SA 3.0, <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en>.

Der Schöpfer dieser Postkarte 'nach Roty' setzt die Lichtverältnisse daher auch regelgerecht - entgegengesetzt zur Münze - um. Während Eugène Mouchon, der Graveur der folgenden Briefmarke, den Lichteinfall der Münzdarstellung 1:1 reproduziert.
Semeuse_1921_-_50_centimes_Bleu_klein.jpg

Quelle: Louis-Oscar Roty - Louis-Eugéne Mouchon, Foto von Peyot, Wikimedia <https://de.wikipedia.org/wiki/Oscar_Rot ... s_Bleu.JPG, 22.03.21>, Lizenz: gemeinfrei.
Dadurch ist die Gesamtkomposition aber nicht mehr so glaubwürdig und die Sonne wird zu einem bloßen Ornament, das überhaupt nicht auf die Figur im Vordergrund bezogen ist.

Im Allgemeinen scheint man aber derartige Sonnendarstellungen auf Münzen selten verwendet zu haben, eben weil dann schnell ein komischer Widerspruch in den Lichtverhältnissen für den Betrachter entsteht.

Natürlich gibt es reichlich rein ornamentale Sonnen oder auch Landschaften, etwa in Lateinamerika, aber für die Kombination von Figuren im Vordergrund und Sonne fallen mir eigentlich sonst hauptsächlich nur die russischen Rubel von 1924 (https://en.numista.com/catalogue/pieces7401.html) und der Tscherwonetz ein. Das sind aber nunmal hoch programmatische Darstellungen, bei denen die symbolische Botschaft einfach verstanden werden sollte (Aufgehende Sonne --> neues Zeitalter bricht an.). Gerade bei der russischen Goldmünze könnte man fragen, ob die Semeuse nicht eine direkte Inspiration für den säenden Bauern gewesen ist (https://en.numista.com/catalogue/pieces26865.html). Kennt jemand noch andere derartige Darstellungen und wie sind dort die Lösungen?

Bei windbewegtem Gewand und Schrittstellung der Semeuse scheint Roty übrigens die Nike von Samothrake zu zitieren, die, prominent im Louvre aufgestellt, nicht nur jedem Franzosen ein Begriff ist. Diese motivische Verwandtschaft dürfte daher auch die Attraktivität des Münzbildes in den Augen der Zeitgenossen gesteigert haben.
Nike_samothrake_seite.jpg
Quelle: Louis-Oscar Roty - Louis-Eugéne Mouchon, Foto von Peyot, Wikimedia <https://de.wikipedia.org/wiki/Oscar_Rot ... s_Bleu.JPG, 22.03.21>, Lizenz: gemeinfrei.

Das vordere Bein der Semeuse ist lediglich gebeugter und ihr Oberkörper ist durch die Aktion der Arme schräg gestellt, während die Nike den ihren gerade gegen den Wind stemmt.

Schönen Wochenstart,
Atalaya
"...und noch heute ist es in Neapel höchst ergötzlich, die Münzen mit dem Kopfe Murats friedlich neben denen mit dem Kopfe Ferdinands im Gebrauch zu sehen."
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