Technik der römischen Münzprägung

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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richard55-47
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Technik der römischen Münzprägung

Beitrag von richard55-47 » Mo 24.05.21 10:12

Ich habe mich immer mal gefragt, wie die Römer ihre Münzen hergestellt haben.
Haben sie tatsächlich mit einem Hammer gearbeitet wie hier

http://www.archaeologie-krefeld.de/leis ... muenze.htm

vorgestellt wird, oder haben sie eine Art Maschine benutzt, bei der über eine Lenkrolle ein an einem Seil befestigtes schweres Eisenteil mit dem Rückseitenstempel hochgezogen worden ist, das dann bei einer bestimmten Fallhöhe losgelassen wurde und auf einen "Amboss" mit dem Vorseitenstempel fiel. Der Schrötling lag dazwischen und ergab so die fertige Münze. So eine Vorrichtung habe ich mal auf einem Mittelaltermarkt in Nideggen gesehen. Man konnte die so geprägten Münzen kaufen. Der Erlös kam - glaube ich - der dortigen Hauptschule zugute. Die Holzkonstruktion war denkbar einfach und gut zu transportieren.
do ut des.

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Re: Technik der römischen Münzprägung

Beitrag von Andechser » Mo 24.05.21 17:56

Nach allem was man aus schriftlichen und von archäologischen Quellen weiß, wurde, wie auch über die meiste Zeit des Mittelalters, ausschließlich mit Hammer und Oberstempel und einem fixierten Unterstempel geprägt. Eine Prägemaschine, wie du sie beschreibst, wäre für die Massenprägung wohl ungeeignet gewesen, da der Prägeausstoß durch die Verzögerungen, welche durch das Hochziehen des Gewichts bedingt sind, zu stark gesunken wäre.

Beste Grüße
Andechser

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richard55-47
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Re: Technik der römischen Münzprägung

Beitrag von richard55-47 » Mo 24.05.21 18:44

Ja, die Schnelligkeit ist ein Argument. Ich weiß nicht mehr genau, wie die Prägemaschine bedient wurde. Wird das Seil per Hand angezogen, ist der Vorgang naürlich sehr langsam. Ist allerdings das Seil an einem Hebel befestigt, der beim Herunterfallen des Eisenteils nach oben schnellt,muss man ihn nur nach unten drücken und bei Erreichen der Fallhöhe einfach loslassen. Je nach Länge des Hebels geht das mit wenig Kraftaufwand und obendrein schnell. Allerdings kann diese Methode mit der von den Krefeldern dargestellten Methode nicht konkurrieren. Der Nachteil der Hammermethode sind die blauen Finger desjenigen, der die Schrötlinge einlegt und die fertige Münze entfernt. Das muss Ruckzuck gegangen sein. Na ja, gewisse Verluste muss man in Kauf nehmen.
do ut des.

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Re: Technik der römischen Münzprägung

Beitrag von Andechser » Mo 24.05.21 19:05

So ist es, aber man muss auch bedenken, dass es in der Antike keinen Druck gab, die menschliche Arbeitskraft durch Maschinen zu ersetzen, wenn die menschliche Arbeitskraft für das gewünschte Ergebnis ausreichend war. So wurden ja z.B. auch diverse Maschinen konstruiert die dann "Wunder" in Tempeln vollbracht haben und auch die Grundlagen für die Entwicklung einer Dampfmaschine waren vorhanden, aber nichts davon wurde genutzt um menschliche Arbeit im großen Stil zu ersetzen. Bei dem Tempeln dienten die Maschinen dazu die Besucher zu größeren Spenden zu bewegen.
Grundsätzlich gilt für die Antike, dass menschliche Arbeitskraft stets in ausreichender Menge zur Verfügung stand, während die Materialien oft teuer waren. Dies drehte sich dann im Mittelalter und der Frühen Neuzeit duch die großen Epidemien, durch die die menschliche Arbeitskraft zur Mangelware wurde und versucht werden musste diese durch Maschinen zu ersetzen. Wirklich in Schwung kam diese Entwicklung dann im 17. Jahrhundert.

Beste Grüße
Andechser

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Re: Technik der römischen Münzprägung

Beitrag von Georg5 » Mi 26.05.21 16:37

Guten Tag!

Vielleicht wurde die Maschine für schwere Bronzemünzen verwendet ... Es braucht viel Durchschlagskraft ... :)

https://www.acsearch.info/search.html?id=3321098

Übrigens... Die zentrale Delle könnte den Aufprall irgendwie gelenkt haben...

Mit freundlichen Grüßen, Georg
Mollit viros otium

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Re: Technik der römischen Münzprägung

Beitrag von richard55-47 » Mi 26.05.21 17:30

Die Zentrierlöcher wurden früher schon lebhaft (und abschließend) diskutiert
viewtopic.php?f=6&t=47393&p=394763&hili ... ch#p394763
do ut des.

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