Medaillen, Schmuck und Propaganda von 1800 bis 1919

Diskussionen rund um Medaillen, Medailleure, Jetons, Rechenpfennige

Moderator: Lutz12

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Comthur
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Re: „Jeder Nagel ist ein toter Soldat mehr“ - Medaillen, Schmuck und Propaganda von 1813 bis 1919

Beitrag von Comthur » Fr 14.05.21 17:21

Du schwingst Deine Worte mit einer Wirkung wie die über in Uralt-Kavalleriehandbüchern zu lesende "Schock-Kavallerie" ... ! ;-)

Meine goldene(!) Carolamedaille habe ich vor vielen Jahren über Künker versteigern lassen. Eine ganz große Rarität.

Aber nun laß`ich Dich ersteinmal machen und hänge mich mal irgendwie mit ein, allerdings nur mit kleineren "ad hoc" zusammengeschrieben Beiträgen und vielleicht ein paar Sammlungsstücken, da ich neben Schichtdiensten und allerlei anderen Geschichten recht intensiv am nächsten Artikel für die Moneytrend schreibe, recherchiere, lese ... .

Das Wort Patriotismus lässt auch bei mir ein Licht am Ende unseres nationalen Tunnels erscheinen ... . Darüber habe ich schon in Frankreich mit Franzosen ein wirklich gutes Gespräch führen können, schlußendlich unter allgemeiner Zustimmung --- aber dazu sind ja Politiker nicht (mehr) fähig.

Höre soeben das Lied "Wir wollen unsern alten Kaiser Wilhelm wiederhaben" (--- aber den mit dem Bart, mit dem langen Bart !) via youtube (Dr.Ludwig). Passt gerade zum Thema hier :-) Und da wir schon bei China waren - "55 Tage in Peking" ist auch so ein Ohrwurm. So, nun haben wir auch die Kolonialgeschichte mit angepiekst, was auch verdammt interessant werden könnte.

Aber nun muß ich wieder etwas "arbeiten" (zum Wohle des Sozialismus) !
HONOR MAGRI JVDICIVM DILIGIT

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Re: „Jeder Nagel ist ein toter Soldat mehr“ - Medaillen, Schmuck und Propaganda von 1813 bis 1919

Beitrag von mimach » Fr 14.05.21 20:02

Comthur hat geschrieben:
Fr 14.05.21 17:21
Du schwingst Deine Worte mit einer Wirkung wie die über in Uralt-Kavalleriehandbüchern zu lesende "Schock-Kavallerie" ... ! ;-)

Ha Ha ... du bist gut.
Heißt doch da oben im Header „NUMISMATISCHE DISKUSSIONEN“.
Wenn man einmal Anfängt.

Aber bring dich bitte wirklich mit Inhalten ein. Das wäre ganz klasse.
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Berliner Eisen „Fer de Berlin“ und die Befreiungskriege/ Teil 2: Patriotische Medaillen & Schmuck

Beitrag von mimach » Sa 28.08.21 20:12

FORTSETZUNG von viewtopic.php?f=21&t=62596#p533530


Teil 2 - Patriotische Medaillen und Schmuck „Gold gab ich für Eisen 1813“

Medaillen und Medaillons


Die Produktion von Eisengussmedaillen und -medaillons begann, wie im vorhergehenden Kapitel erwähnt, um 1800. Auf den Medaillen und den Schmuckmedaillons wurden berühmte Persönlichkeiten oder Motive aus der Antike dargestellt. Die Schlichtheit des Materials und die klaren Konturen entsprachen den bürgerlichen Vorstellungen nach Beständigkeit, Bescheidenheit und Zurückhaltung. (*17)
Wie auch bei den Ringen, waren die Motive und Texte der Medaillen und Medaillons oft patriotischer Natur. 1814 wird im Journal für Luxus und Mode über eine Medaillenserie des königlichen Hofmedailleurs Daniel Friedrich Loos berichtet: „… einen niedlichen kleinen Halsschmuck, den wir dem Patriotismus unseres geschickten Hof-Medailleurs, des Herrn Loos verdanken. Er liefert nämlich eine Reihe kleiner Sieges-Münzen, wovon er den vierten Theil des Verkaufs-Preises zum Besten der Lazarethe bestimmt. Die Münzen zeigen auf der einen Seite die geflügelte Siegesgöttin (Victoria), die mit dem Flammenschwert in der Rechten, und dem Lorbeerkranz in der Linken einherschreitet. … Diese mit größter Sauberkeit geprägten kleinen Schau-Münzen haben bloß die Größe eines Silberpfennigs, und kosten daher das Stück in feinem Silber nur 8 Gr. Courant; in Dukaten = Gold 5 Thlr. – Sie bilden an silbernen und goldenen Nadeln hängend, an innerer Bedeutung gewiß die schönsten Tuchnadeln für unsere Frauen und Mädchen.“ (*18)

09 Brigitte Stamm - Siegesandenken Journal Luxus Mode 1814 -pic.jpg
Abbildung - Vorstellung von Siegesandenken aus dem „Journal für Luxus und Mode“ 1814, Kupferstich 17,4 x 10,6 cm. Oben Vorstellung der als Schmuckstück umgewandelten Medaillen von Loos. (Quelle: Brigitte Stamm, Blicke auf Berliner Eisen, 1979, Seite 15)


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Quellenangabe:
*17 - Bettina Tewes, Seite 28
*18 - Brigitte Stamm, Seite 17 und 18
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Berliner Eisen „Fer de Berlin“ und die Befreiungskriege - Teil 3: Katalog

Beitrag von mimach » Fr 03.09.21 21:01

Teil 3 - KATALOG“

Der nachfolgende Katalog basiert zum Großteil auf einer Zusammenstellung nachfolgender Sammlungen und Fachwerke.

- Die Sammlung von Dr. Paul Julius (kurz Slg. Julius 1932 b.Helbing) wurde 1932 unter dem Titel „Französische Revolution -Napoleon I. und seine Zeit“, Auktionskatalog 66 von Otto Helbing Nachf., München, versteigert. Sie stellt eine der bedeutendsten Sammlung vor dem 2. Weltkrieg dar. Insgesamt verzeichnet der Katalog 4344 Losnummern zu dem Thema, wovon 542 Medaillen auf Preußen fallen. Davon konnten 26 Eisengussmedaillen ermittelt werden.
- Die Münzen- und Medaillensammlung in der Marienburg (kurz Slg. Marienburg), bearbeitet von Emil Bahrfeldt, umfasst sechs Bände. Der zweite Band befasst sich mit den Münzen- und Medaillen der Könige von Preussen und wurde 1904 herausgegeben. Der Band beschreibt 2505 Exemplare, wovon 8 Stück explizit als Eisengussmedaillen vorgestellt werden.
- Bernd Kluge und Wolfgang Stugeweit veröffentlichten 2008 im Rahmen des Münzkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin ein Buch mit dem Titel „SUUM CUIQUE – Medaillenkunst und Münzprägung in Brandenburg-Preußen“. Es stellt die einzelnen Hohenzollernfürsten Brandenburg-Preußens von 1415 bis 1918 vor, gibt einen Überblick über die Medailleure, Perioden der Münzprägung und beleuchtet die Regenten „im Spiegel ihrer Medaillendenkmäler“. Von den insgesamt 180 Medaillen wird eine kleine Auswahl dieser einseitigen Bildnismedaillen von Leonhard Posch exemplarisch vorgestellt. Posch wusste, wie kein anderer Künstler seiner Zeit, den Berliner Eisenguss für seine Porträts zu nutzen. (Zu Leonhard Posch, siehe Fußnote).
- Das umfassende Katalogwerk von Gunter Mues und Manfred Olding über „Die Medaillen der preussischen Könige von 1786 bis 1870“ (kurz Olding) führt in seinem aktuellen 2. Band über Friedrich Wilhelm III. (1794-1840) eine in die Tiefe gehende Darbietung von 336 Medaillen. Mues und Olding liefern, anders als z.B. die Sammlungen Marienburg und Julius, eine äußerst genaue Beschreibung der vorgestellten Exemplare, inklusive Abbildung, Gewichte, Durchmesser, Ausprägung verschiedener Metallarten und Referenzen auf Sammlungen.
- Klaus Sommer nennt in seinem Werk über den Medailleur Friedrich Wilhelm Loos aus dem Jahr 1981 nicht explizit das Metall Eisen, dennoch sind die Nummern Sommer 162, 165, 171 auch als Eisengussmedaillen in der Zeit der Befreiungskriege geschaffen worden. Wie bereits eingangs zu diesem Kapitel erwähnt, wurden Medaillen von Loos zu dieser Zeit auch bewusst als Schmuckstücke geschaffen.
Soweit möglich, werden die Medaillen im Katalogteil mit Abbildungen ergänzt.

FUSSNOTE:
Auf die Vorstellung der zumeist einseitigen Bildnismedaillen von Leonhard Posch (1750-1831) wird hier nur repräsentativ eingegangen. Er schuf über 900 Bildnismedaillen, zumeist aus Eisen. Posch war hauptsächlich für die Königlich Preußische Eisengießerei und für die Berliner Münze tätig. Seine Bildnismedaillen aus Eisenguss wurden in Gleiwitz und Berlin gegossen und sind häufig ohne seine Signatur. Von Anne Forschler-Tarrasch erschien 2002 ein umfangreiches Werkssverzeichnis:
Anne Forschler-Tarrasch - Leonhard Posch- Porträtmodelleur und Bildhauer – 1750-1831- Mit einem Verzeichnis seiner Werke und deren Vervielfältigungen in Eisen- und Bronzeguß, Porzellan und Gips, Deutsche Gesellschaft für Medaillenkunst e.V., Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 2002.
Zuletzt geändert von mimach am Sa 04.09.21 21:20, insgesamt 4-mal geändert.
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Berliner Eisen „Fer de Berlin“ und die Befreiungskriege - Teil 3: Katalog

Beitrag von mimach » Fr 03.09.21 21:17

NR 1
1797 - Medaille auf den Regierungsantritt Friedrich Wilhelm III.

001 - Regierungsantritt .JPG

Referenz: Slg. Marienburg 3647; Sommer A 59

Medailleur: Daniel Friedrich Loos

Avers: Kopf des Königs mit antikem Helm nach links.
Umschrift: FRIEDRICH WILHELM III KOENIG VON PREUSSEN
Am unteren Rand die Signatur: LOOS

Revers: Der antik geharnischte König steht zwischen zwei Sockeln. Auf dem linken Sockel der Helm der Minerva, angelehnt sind die Zeichen des Handels, der Künste und Wissenschaften. Auf dem rechten Sockel der Helm des Mars, auf den der König zeigt, angelehnt sind Schild und Lanze. 

Die Umschrift: NUR EUCH ZU SCHÜTZEN WILL ICH MIT DIESEM MICH RÜSTEN
Im Abschnitt die Inschrift in drei Zeilen: DAS REICH ERHALTEN | DEN 16 NOVEMBER | 1797

Material und Abmessung: Eisenguss , Durchmesser 40 mm

Anmerkung: Die Abbildung zeigt die silberne Ausführung von 41 mm / 28 g

Bildquelle: Leipziger Münzhandlung Höhn, Auktion 82 (2015), Los 1770
Zuletzt geändert von mimach am Sa 04.09.21 21:20, insgesamt 2-mal geändert.
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Berliner Eisen „Fer de Berlin“ und die Befreiungskriege - Teil 3: Katalog

Beitrag von mimach » Fr 03.09.21 21:26

NR 2
1798 - Auf den Besuch des Königspaares F.W.III. und Luise in Schlesien, Tarnowitz

002 Loos - Auf den Besuch des Königspaares in Schlesien 1798 - AV.jpg
002 Loos - Auf den Besuch des Königspaares in Schlesien 1798 - RV.jpg

Referenz: Olding 177; Sommer A 64; Müseler 49.1/12a (*1)

Medailleur: Friedrich Wilhelm Loos

Avers: Brustbilder des Königspaares versetzt nach links auf einem mit Rosen und Eichenlaub geschmückten Podest. Auf dem Podest die Inschrift in zwei Zeilen: DEN 25 IUN. | 1 7 9 8
Die Umschrift bogig, links und rechts vom Brustbild: FR. WILH. III. LUISE | K. U. K. V. PREUSSEN

Revers: Genius mit Grubenlampe hebt den Schleier der sitzenden Silesia, die auf ihren Knien ein Erzstück hält. Zu ihren Füßen ruhen zwei Löwen.
Die Umschrift bogig: WAS KUNST UND FLEISS IN TARNOWITZ GEWANN
Zwei Zeilen Inschrift unten im Abschnitt bogig: BRINGT SCHLESIEN | DEM KŒNIGLICHEN PAARE
Die Signatur unten links über dem Abschnitt: LOOS

Material und Abmessungen: Eisenguss, Durchmesser 51 mm / Gewicht 36,7-49,19 g (Staatliches Museum Schwerin), 51 mm / 49,19 g (Tempelhofer Münzenhaus, Auktion 155, Los. 469)

Anmerkung: Die ursprüngliche Gedenkmedaille soll in Berlin aus schlesischem Silber geprägt worden sein. Die gusseiserne Version als Andenken wahrscheinlich in der Königlich Preußischen Eisengießerei Gleiwitz.
Heinrich Bolzenthal schreibt zu dieser Medaille:
"Als der Monarch mit Seiner Gemahlin zum ersten Mal Seine Staaten bereiste, wurde diese Denkmünze in Breslau im Namen der Provinz Schlesien überreicht.“ Die Rückseite der Medaille soll, so Bolzenthal, auf den unter Friedrich den Großen wieder aufgenommen Bergbau in Tarnowitz hinweisen. Das Datum auf der Vorderseite, 25. Juni 1798, ist der Tag der Überreichung dieser Denkmünze an das Königspaar. (*2)
Bildquelle: Tempelhofer Münzenhaus, Auktion 155, Los. 469 (*3)


Referenzen und Quellen
*1 - Karl Müseler: Bergbaugepräge II, Dargestellt auf Grund der Sammlung der Preussag Aktiengesellschaft, 1983
*2 - Heinrich Eduard Bolzenthal: Denkmünzen zur Geschichte S. M. des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm III. in Abbildungen mit Erläuterung und Urkunden, Berlin 1834, Seite 5, No. 16
*3 - https://www.tempelhofer-muenzenhaus.de/ ... 71x594.pdf
Zuletzt geändert von mimach am Sa 04.09.21 21:21, insgesamt 2-mal geändert.
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Berliner Eisen „Fer de Berlin“ und die Befreiungskriege - Teil 3: Katalog

Beitrag von mimach » Fr 03.09.21 22:33

NR 3
1801 - Hundert Jahre Königreich Preußen


003 - 1801_100 Jahre Preußen_AV.jpg
003 - 1801_100 Jahre Preußen_RV.jpg

Referenz: Olding 185; Sommer A 76

Medailleur: Friedrich Wilhelm Loos

Avers: Unter einem strahlenden Stern die Brustbilder der ersten fünf Könige von Preußen nebeneinander gestaffelt nach links. Umschrift oben bogig: FRIED. I. FR. WILH. I. FRIED. II. FR. WILH. II. FR. WILH. III

Unten am Rand die Signatur: F. LOOS

Revers: Der Sonnengott im Viergespann zeigt mit einer Fackel auf das Tierkreiszeichen Wassermann. Unter ihm Phosphorus, Eros und drei Horen, von denen die Vorderste der vor ihm rechts sitzenden Borussia einen Kranz aufsetzt.
Umschrift oben und unten, bogig: MIT NEUEM GLANZ | UND NEUEM GLÜCK
Im Abschnitt in zwei Zeilen das Datum: DEN 18 JANUAR | 1801
Material und Abmessungen: Eisenguss, Durchmesser 55 mm / Gewicht 49,03 g (dieses Stück); 55 mm / 49,09 g (Tempelhofer Münzenhaus, Auktion 146, Los 1116)
weitere Gewichte 38,43 g und 40,34 g (Olding)

Anmerkung: Bei Kluge/Stugeweit Nr. 123 wird die Beschreibung des Hofmedailleurs Daniel Friedich Loos, Friedrich Wilhelm Loos war dessen Sohn, zur Rückseite der Medaille überliefert:
„Apoll, das Symbol der Sonne, von den Horen begleitet, steigt in seinem von 4 Pferden gezogenen Wagen aus dem Ocean heraus und zeigt mit der Fackel auf den Thierkreis, und nämentlich auf das Zeichen des Januars, des Wassermanns, als den Monat der Krönung. Vor ihm schwebt Aurora, welche Blumen streuet und Phosphorus, der Morgenstern, gehet unter. Eine von den Horen, die Göttin des Friedens Eirene, krönt Preußen mit dem Kranze des Friedens. Die Göttin Preußens an ihrem Wappenschild kenntlich, hält die rechte Hand dankbar zur Gottheit empor für die ihr geschenkten Gaben des Überflusses und den schönen Folgen eines friedfertigen Staates, deren Symbol sie in dem Füllhorn in der linken Hand hält ...“
Die Medaille wurde nicht als offizielle Staatsmedaille zur Hundertjahrfeier vom König abgesegnet. Das Rennen machte der Entwurf von Abraham Abramson (Hoffmann Nr. 100 (*1); Kluge/Stugeweit 122). Daniel Friedrich Loos durfte den Entwurf seines Sohnes jedoch kommerziell im eigenen Medaillengeschäft vermarkten. (*2)
Eine eingehende Beschreibung und Deutung, z.B. der Kleidung der Könige und die des Tierkreiszeichens, findet sich bei H. Bolzenthal (1834) Nr. 26. (*3)


Referenzen und Quellen:
*1 - Tassilo Hoffmann: Jacob Abraham und Abraham Abramson – 55 Jahre Berliner Medaillenkunst 1755-1810, Kauffmann Verlag, Frankfurt am Main, 1927
*2 - Stugeweit/Kluge, Seite 158 bis 160, Nr. 122 und Nr. 123
*3 - Heinrich Eduard Bolzenthal: Denkmünzen zur Geschichte S. M. des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm III. in Abbildungen mit Erläuterung und Urkunden, Berlin 1834, Seite 5, No. 16
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Berliner Eisen „Fer de Berlin“ und die Befreiungskriege - Teil 3: Katalog

Beitrag von mimach » So 05.09.21 22:22

NR 4
1805 - Friedrich Wilhelm III. - König von Preußen, Bildnismedaillon


004 - Posch - Friedrich Wilhelm III. - Forschler Tarrasch Nr. 60.jpg

Referenz: Kluge/Stugeweit - Suum cuique Nr. 125; Forschler-Tarrasch 2002, Nr. 60

Medailleur: Leonhard Posch

Avers: Das Portrait des Königs in Generalsuniform nach links.
Revers: -

Material und Abmessung: einseitiger Eisenguss, Durchmesser mit Henkel 93 mm, ohne Henkel 88 mm

Anmerkung: Der einseitige Guss der Königlichen Eisengießerei in Berlin zeigt den fast noch jugendhaft wirkenden König. Das Medaillon soll um das Jahr 1805 entstanden sein und ist somit eine der ersten Arbeiten von Posch in Berlin in Zusammenarbeit mit der gerade erst 1804 den Betrieb aufgenommen Königlichen Eisengießerei. Man beachte die Abbildung des Königs mit natürlichem Haar. Noch kurz zuvor ließ sich der Herrscher mit der Perücke Friedrich des Großen abbilden. Diese Moderne Darstellung ohne Zopf sollte erst ab 1809 für die Münzprägung in Preußen übernommen werden.

Bildquelle: Staatliche Museen zu Berlin, IKMK 18214501 (*)

Referenzen und Quellen
* - https://nat.museum-digital.de/index.php ... oaded=true
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Re: Medaillen, Schmuck und Propaganda von 1800 bis 1919

Beitrag von mimach » So 05.09.21 22:30

NR 5
um 1809 - Freikorpsführer Ferdinand von Schill, Bildnismedaillon


005 - Medaillon Ferdinand Baptista von Schill - Slg Julius 2167.jpg

Referenz: Slg. Julius 1932 b.Helbing Nr. 2167

Medailleur: wahrscheinlich Leonhard Posch

Avers: Die Büste Schills in Uniform nach links, darunter die Inschrift: SCHILL
Revers: -

Material und Abmessung: einseitiger Eisenguss, 71 mm

Anmerkung: Ferdinand Baptista von Schill (1776-1809) preußischer Offizier und Freikorpsführer; Führer des nach ihm benannten Freikorps „von Schill“.

Bildquelle: Stadtmuseum Berlin, Sammlung Online KH 2008/17 El (*)


Referenzen und Quellen
* - Bildquelle: Die Abbildung zeigt eine Blei-Zinn-Legierung, mit freundlicher Genehmigung der „© Stiftung Stadtmuseum Berlin, Inv.-Nr.: KH 2008/17 EI“
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