Sammlung Timestheus

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Timestheus
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Do 11.11.21 15:08

publius-clodius-turrinus.jpg

Münze:
Publius Clodius M.f. Turrinus
Denar der Römischen Republik 42 v.Chr.
Silber, Durchmesser 17.5mm, Gewicht 3,59g
Avers: Kopf des Sol nach rechts mit Strahlenkrone, dahinter ein Köcher
Inschrift: –
Revers: Halbmond, überragt von einem Halbkreis aus fünf Sternen
Inschrift: P CLODIVS M F
Ort: Rom
Erhaltung: SS+
Rare: –
Provenienz: Germania Inferior Numismatics, Delft, Niederlande 04.11.2021
Referenz: Crawford 494/21

Hintergrund:
Historisch wissen wir nicht sehr viel über Publis Clodius M. f. Turrinus. Er war einer der Münzmeister im Jahr 42 v.Chr. unter den Triumvirat Gaius Octavius, Marcus Antonius und Aemillius Lepidus. Wie bei den anderen Mitgliedern des monetären Quatuorvirats von 42 v.Chr. gibt es keine gesicherten Kenntnisse über die Identität unseres Publius Clodius Turrinus. Der historische Hintergrund von ihm und seinem Vater zu ermitteln ist schwierig, da zwei mögliche Kandidaten gleichen Namens und Alters in den späten 40er Jahren lebten.

Borghesi und Babelon schreiben die Münze dem Publius Clodius Turrinus zu, welcher bei Seneca dem Älteren Erwähnung findet. Dessen Sohn wiederum (der berühmte Seneca der Jüngere) soll ein guter Freund von Turrinus Sohn gewesen sein. In seinen Controversiae (x. 14-16) erzählt Seneca, dass Turrinus Vater (Marcus) ein Anhänger Julius Caesars in Spanien war. Dennoch ruinierte der Bürgerkrieg ihn – sein Sohn Publius jedoch erlangte wieder zurück zu gewissem Reichtum. Hier könnte möglicherweise ein Bezug zwischen Octavian und dem Sohn Publius bestanden haben – indem er als Münzmeister eingesetzt wurde. Als Entschädigung für das Engagement und die Treue zugunsten Julius Caesars. Diese Ansicht wird von Crawford nicht unterstützt. Es gibt noch eine weitere spekulative Theorie, dass Publius Clodius der Sohn von Publius Clodius Pulcher war. Dem berühmt berüchtigten Tribun und Erzfeind des Marcus Tullius Cicero. All diese Theorien sollen jedoch nicht die wunderschöne Darstellung auf dem Denar schmälern.

Der Sonnengott erscheint nicht sehr häufig auf frühen römischen Münzen. In der republikanischen Münzprägung taucht er 217-215 v.Chr. das erste Mal in einer Dreiviertelansicht auf einer Bronzemünze auf (RRC 39/4). Erst circa 80 Jahre später ist der Sonnengott erneut auf einer Silbermünze zu sehen, dem Denar des Marcus Aburius M. f. Geminus. Sol fährt in einer Quadriga nach rechts mit einer Peitsche in der Hand (RRC 250/1). Eine Interpretation der Münzen wird dahingehend erschwert, dass einerseits die Unze anonym, Marcus Aburius seinerseits sonst nicht bekannt ist.

Die nächsten Sol Prägungen lassen sich aber zum Teil besser interpretieren. Ein gewisser Aulus Manlius Q. f. Sergianus prägte um das Jahr 118 v.Chr. einen Denar mit Sol auf einer Quadriga fahrend (RRC 309/1). Um das Jahr 108 v.Chr. ließ der Konsul Manius Aquilius erstmals auf einer Denar Vorderseite den strahlenbekränzten Sonnengott prägen (RRC 303/1). Es liegt auf der Hand, dass beide Prägungen an die Väter erinnern sollten, beide Prokonsuln in Asia, beide durften triumphieren. Die Vorderseite des Quinars von Manius Cordius Rufus aus dem Jahr 46 v.Chr. zeigt Sol mit Strahlenkrone und dürfte somit auf Julius Caesars Erfolge im Osten Bezug nehmen (RRC 463/4).

Es hat zu den Münzen mit abgebildetem Sonnengott auch nichtmilitärische Deutungsversuche gegeben, allerdings kann man schon ein Muster für eine geographische und militärische Interpretation heraus deuten. Nie zuvor war die Sol Thematik so beliebt wie im Jahr 42 v.Chr. aus dem auch dieser vorgestellte Denar stammt. Die Münztypen dieses Jahres sind, so Woytek, als Bildverweis auf den Osten zu verstehen.

Eines kann als gesichert gelten, das Jahr 42 v.Chr. war ein bewegendes und auch wegweisendes Jahr. Sextus Pompeius brachte Sizilien unter seine Kontrolle und löste damit in Rom eine Hungersnot aus. Die entscheidende Schlacht zwischen Anhängern der republikanischen Freiheit in Personalunion von Brutus und Cassius gegen die Caesar treuen Anhänger Gaius Octavius und Marcus Antonius stand an. Gaius Julius Caesar wurde „Divus Julius“ und damit zum Gott erhoben. Die politische Lage war angespannt und unberechenbar, sowohl Octavian als auch Antonius mussten ihre Positionen dringend festigen.

Aus meiner Sicht ist ein religiöser Hintergrund für die Prägung dieses Denars eher unwahrscheinlich. Allein schon, da der Sol und Luna Kult in republikanischer Zeit doch eher ein Nischendasein gegenüber den anderen Religionen und Göttern dieser Epoche fristete. Gerade Octavian war ein Meister der Propaganda und sehr achtsam, wenn es um politische Symbolik ging. Das Jahr 42 v.Chr. war viel zu wichtig und ereignisreich, als das man allein für einen bisher wenig beachteten religiösen Kult eine Münze prägt und so die Chance auf eine weitere politische Propaganda und Aussage verzichten würde.

Welche genaue Intention sich hinter der Prägung mit dem Sonnengott verbirgt, lässt sich vielleicht niemals ganz sicher klären. Nimmt man die Deutung der vergangenen Münzen mit abgebildetem Sol, so ist ein Bezug auf den geographischen Osten am wahrscheinlichsten. Versprach die Propaganda einen Sieg gegen die republikanischen Armeen unter Brutus und Cassius? Frank Ryan bezieht sich hier vor allem auf den dargestellten Köcher auf der Vorderseite des Denars.
Der ungeschulterte Köcher kommt in der republikanischen Münzprägung noch ein einziges Mal als Nebenmünzbild vor, nämlich auf den hier in Rede stehenden Münztypen des Publius Clodius, also in demselben Jahr wie der Denartyp des Brutus 49 v.Chr. Dies kann kein Zufall sein. Vielleicht wusste man in Rom, dass das Haupt des lykischen Apollo Patroos manchmal strahlenumrahmt dargestellt ist. Wenn ja, dann bezeugt das Münzbild nicht eine Identifikation von Sol mit Apollo, wie vermutet worden ist, sondern die Gleichsetzung des rhodischen Halios mit dem lykischen Apollo Patroos. In Rom wird man auf jeden Fall gewusst haben, dass Brutus Xanthos belagert und eingenommen, in Patara und in Myra alles Gold und Silber der Stadt und der Bewohner beschlagnahmt hatte, also offenbar auch die Schätze im Tempel des Apollo Patroos in Patara. Kurzum, der ungeschulterte und darum als lykisch erkennbare Köcher antwortet auf die Propaganda des Brutus mit Gegenpropaganda. Der lykische Köcher dehnt die Kritik an Cassius auf Brutus aus: Das Aversbild verspricht zwar, die Insel Rhodos zu befreien, aber darüber hinaus auch ganz Lykien. Die triumvirale Seite werde die Verbrechen von Cassius und Brutus wieder gut, deren Siege ungeschehen machen.

Frank Ryan, 2005, Der Sonnengott auf den Münzen der Römischen Republi
Ich möchte dazu noch eigene nachfolgende lose Deutungen und Theorien erwähnen, welche auch eine Rolle in der Symbolik und damit Aussagekraft gespielt haben könnten. Welchen Hintergrund hat der Bezug zu Luna auf der Rückseite der Münze. Lunas Bruder ist Sol. Damit würde es sich aber wieder um einen reinen religiösen Bezug handeln. Luna steht aber auch für einen Zeitenwandel, eine Ankündigung auf einen Epochenwechsel. Eine Mondfinsternis wurde gerne als Zeichen eines bevorstehenden Ereignisses gedeutet. War hier ein Zeitenwechsel – zum Guten – mit Octavian und Antonius gemeint?

Sol Indiges war ein sehr alter Sonnenkult, welcher bis auf die Stadtgründung von Romulus zurück ging und wurde zusammen mit der Mondgottheit Luna verehrt. Romulus verschwand während einer Sonnenfinsternis und wurde zum Gott Quirinus erhoben. Der Tempel des Sol und Luna wiederum hatten auf dem Quirinal ihren eigenen Tempel.

Im Jahr 42 v.Chr. wurde Caesar zum Gott erhoben – im Prägejahr dieses Denars. Besteht ein Zusammenhang zwischen Sol (Indiges), der Vergöttlichung des Romulus und des Caesars? Immerhin war Julius Caesar nach Romulus der erste Herrscher, der nach Jahrhunderten zum Gott erhoben wurde. Und da Gaius Octavius sehr bedacht war, seine Abstammung zum göttlichen Caesar herauszustellen, könnte hier ein Bezug zueinander bestanden haben. Interessant auch in diesem Zusammenhang: seit 45 v.Chr. wurde im Tempel des Sol und Luna jedes Jahr der Sieg Caesars über Pompeius bei Pharsalos gefeiert.

Avers:
Zu sehen ist der Kopf des Sol nach rechts mit Strahlenkrone, dahinter ist ein Köcher abgebildet.

Sol ist ein sehr alter Sonnenkult, welcher sich anscheinend bis in die Zeit des Romulus zurückverfolgen lässt. Eingeführt wurde er anscheinend vom sagenhaften Sabinerkönig Titus Tatius. Der altrömische Sonnengott wurde Sol Indiges, einheimischer Gott, genannt. Zusammen wurde er mit der Mondgöttin Luna verehrt. Der Sage nach wurde während einer Sonnenfinsternis Romulus zu den Göttern erhoben. Als Gott erhielt er den Namen Quirinus. Sol und Luna hatten auf dem Quirinal ihren eigenen Tempel. Es ist anzunehmen, dass hier ein Bezug bestand zwischen Himmelfahrt des Romulus während einer Sonnenfinsternis, Sol dem Sonnengott und dem Tempel auf dem Quirinal, der nach Romulus göttlichen Namen benannt ist.

Laut Meinung verschiedener Experten ist die Darstellung des Sol auf Münzen der späten römischen Republik nicht unbedingt religiös motiviert. Dazu war vielleicht auch der Sol und Luna Kult in republikanischen Zeiten einfach nicht populär genug – sondern beziehen sich vielmehr auf Erfolge und Triumphe, welche geographisch östlich einzuordnen sind. Erst in der Endphase der römischen Republik nahm die Popularität des Sonnengottes zu – gerade bei Münzen des Marcus Antonius. Aber auch hier verwies Antonius wohl eher auch auf den von ihm beherrschten Osten.

Revers:
Zu sehen ist ein Halbmond, überragt von einem Halbkreis aus fünf Sternen.

Luna ist in der römischen Mythologie die Mondgöttin und wird eng mit dem Sonnengott Sol – ihrem Bruder – verbunden. In der griechischen Mythologie hieß die Mondgöttin Selene. Sie wird oft mit einer Mondsichel dargestellt. Berühmt ist der Altar der Mondgöttin Selene im Louvre – hier wird sie unter anderem mit Hesperos, dem Abendstern und Phosphoros, dem Morgenstern, dargestellt.

altar_selene_luna.jpg

Die Darstellung der Mondgöttin als Mondsichel umgeben mit den Sternen, könnte das künstlerische Vorbild des Denars von Poblius Clodius Turrinus sein.
Zuletzt geändert von Timestheus am Do 11.11.21 15:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Do 11.11.21 15:10

Den original Beitrag gibts wie immer auf meiner Homepage zu lesen:
https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... nus-m0004/

---
So langsam trudeln die ersteigerten Münzen hier ein. Heute ist der eben veröffentlichte Turrinus per FedEx angekommen - und DHL hat mir eben das Paket von Künker mit 4 weiteren Münzen gebracht. Da habe ich ja einiges zu tun die Tage :)

Aber viel Spaß erst mal bei Publius Clodius Turrinus und seinem Denar.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Do 11.11.21 15:34

Oh. Ups! Ich glaub ich mache bald nen Münzhandel auf. Ich habe zwei Lots erhalten, bei denen ich nur den Startpreis mit 1€ überboten hatte. Da hat jemand nicht drauf geboten - na ja - für einen kleinen zweistelligen Betrag sage ich da nicht nein und freue mich. Ob die Münzen in der Sammlung bleiben - mal schauen - vielleicht nehme ich sie aber aufgrund des niedrigen Schnappers eher zum Tauschen.


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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Perinawa » Do 11.11.21 15:43

Der Philippus ist gar nicht mal so übel. Die Darstellung zeigt übrigens ein Reiterstandbild, dass es tatsächlich gegeben hat. Schade, dass der Namenszug abgenudelt ist. Der Dossenus ist prima, weil Karre und Pferde vollumfänglich auf dem Münzbild erhalten sind. Der ist zwar häufig, ist aber sehr oft dezentriert.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Do 11.11.21 16:04

Perinawa hat geschrieben:
Do 11.11.21 15:43
Der Philippus ist gar nicht mal so übel. Die Darstellung zeigt übrigens ein Reiterstandbild, dass es tatsächlich gegeben hat. Schade, dass der Namenszug abgenudelt ist.
Deswegen hatte ich auf den geboten - also als "Merker" - weil ich den Denar gerne in VZ hätte. Aber so ist auch ok. Kommt ins Büchlein und den ersetze ich dann tatsächlich mal mit einem schöneren Exemplar.

Ah dann weiß ich ja wen ich wegen dem historischen Hintergrund (Reiterstandbild) anhauen kann, wenn es um die Dokumentation geht :)
Perinawa hat geschrieben:
Do 11.11.21 15:43
Der Dossenus ist prima, weil Karre und Pferde vollumfänglich auf dem Münzbild erhalten sind. Der ist zwar häufig, ist aber sehr oft dezentriert.
Gilt das Gleiche. Ja oft ist der Revers sehr degeneriert. Hier nicht. Wird vielleicht das gleiche Schicksal dann ereilen.

Aber das passt schon - für den Betrag wofür ich die bekommen habe. Teilweise bezahlen manche inzwischen 150-250 Euro für SS- oder S Denare. hast ja selber bei der letzten Naumann Auktion mitbekommen. Selbst beim MA-Shop sind da um die 150-250 Euro bei "so la la" Stücke keine Seltenheit. Lange Rede - ich bekomme die los, sollten sie mir nicht gefallen. Da habe ich aktuell keine Bedenken - der Verkauf der zwei Münzen wird alleine der Gewinn zu einer neuen Münze verhelfen.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Perinawa » Do 11.11.21 17:05

Leider habe ich die ibercoin-Auktion zu spät bemerkt... Den Flottendenar der LEG V hätte ich gerne gehabt. :(

Aber das du beide Stücke zum Ausrufpreis bekommen hast, zeigt, dass nicht alle durchaus sammelwürdige Römer preislich durch die Decke gehen.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Do 11.11.21 17:26

Perinawa hat geschrieben:
Do 11.11.21 17:05
Leider habe ich die ibercoin-Auktion zu spät bemerkt... Den Flottendenar der LEG V hätte ich gerne gehabt.
Ich erinnere Dich gerne bei den nächsten Auktionen :) ... wobei ich Ibercoin auch beinahe verpennt hätte.

Den? Zumindest stimmen aus meiner Sicht noch Preis und Leistung.
https://www.ibercoin.com/en/numismatic- ... CO-ANTONIO

Ich hätte für einen Freund bei den zwei zuschlagen sollen - habe total verpennt und mich nach den Republikanern raus geklickt. Bis ich es gemerkt habe war es zu spät und die Lots schon versteigert.

https://www.ibercoin.com/en/numismatic- ... -CLAUDIO-I
https://www.ibercoin.com/en/numismatic- ... -DOMICIANO
Perinawa hat geschrieben:
Do 11.11.21 17:05
Aber das du beide Stücke zum Ausrufpreis bekommen hast, zeigt, dass nicht alle durchaus sammelwürdige Römer preislich durch die Decke gehen.
Ja denke kommt halt auch auf die Auktion an. Also ich spreche da jetzt nur für mich - aber die Qualität der angebotenen Stücke war jetzt halt auch - na ja. Hast Du mal die Republikaner Denare angeschaut? Ich schätze mal 3/4 der Stücke waren / sind gerade mal mit viel Gusto SS. Dann waren auch kaum wirklich Römer dabei wo man gesagt hätte, da sind jetzt paar >2000 Euro Sammlerstücke dabei. Auch beim Kaiserreich war jetzt nicht viel berauschendes. Und ansonsten? Was ich an Griechen gesehen habe - auch keine super feinen Stücke in der Auktion. Und dann halt brutal viele Ibero Kelten.

Lange Rede - ich denke die Auktion haben einige nebenher geschaut - aber gezielt das die bei der Auktion jetzt viele angelockt haben - denke ich eher weniger.
Perinawa hat geschrieben:
Do 11.11.21 17:05
Aber das du beide Stücke zum Ausrufpreis bekommen hast, zeigt, dass nicht alle durchaus sammelwürdige Römer preislich durch die Decke gehen.
Pssst. Ich habe mir das jetzt angewöhnt so auf ziemlich alle Stücke die mich interessieren den Startpreis zu bieten. Ich glaub ich habe aktuell 30-40 aktuelle Gebote laufen. Aber nur wenn der Startpreis deutlich unter 100 Euro ist. Wenn ich dadurch eine Münze abbekomme, weil zufällig gerade kein Bieter online ist - freue ich mich über einen neuen Denar in der Sammlung - oder ein Stück zum fröhlichen tauschen.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Perinawa » Do 11.11.21 17:31

Timestheus hat geschrieben:
Do 11.11.21 17:26
Hast Du mal die Republikaner Denare angeschaut? Ich schätze mal 3/4 der Stücke waren / sind gerade mal mit viel Gusto SS.
Genau. Das ist genau meine Spielwiese. Wir sind da einfach nicht im gleichen Rudel...
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Do 11.11.21 21:14

lucius-titurius-sabinus-sabiner.jpg


Münze:
Lucius Titurius Sabinus
Denar der Römischen Republik 89 v.Chr.
Silber, Durchmesser 17.4mm, Gewicht 3,4g
Avers: Kopf des Königs Titus Tatius
Inschrift: SABIN / A.PV (nicht sichtbar)
Revers: Zwei Soldaten stehen einander mit je einer Sabinerin gegenüber
Inschrift: L TITVRI (nicht sichtbar)
Ort: Rom
Erhaltung: SS, Prägeschwäche am Rand, Revers leicht dezentriert
Rare: –
Provenienz: Künker Auktionen, Osnabrück, Deutschland 02.11.2021
Referenz: Crawford 344/1c, Sydenham 698b

Hintergrund:
Lucius Titurius Sabinus war Münzmeister in den Jahren 89-88 v.Chr. Im Jahr 79 v.Chr. wurde er als Legat des Prokonsuls Quintus Caecilius Metellus Pius nach Spanien berufen und nahm am Krieg gegen Quintus Sertorius und dessen Aufstand teil. Sertorius errichtete auf der iberischen Halbinsel für mehrere Jahre eine von Rom unabhängige Herrschaft, welche er auch gegen Caecilius Metellus Pius erfolgreich verteidigen konnte. Sertorius wurde 72 v.Chr. durch eine Verschwörung, an deren Spitze Marcus Perperna stand, bei einem Gastmahl erstochen. Sein Tod bedeutete den Untergang dieses Sonderreichs. Perperna als neuer Anführer wurde kurz darauf von Pompeius vernichtend geschlagen und hingerichtet.

Lucius Titurius Sabinus war laut antiken Quellen ein kultivierter Mensch und stolz auf die alten Traditionen der Republik, wie seine Vorder- und Rückseiten der kleinen Münzserie beweisen sollen. Er beruft sich dabei auf das Vermächtnis seiner Vorfahren dem Gens Tita – als einen der Nachfahren des Königs Titus Tatius und die Erinnerung an den Raub der Sabinerinnen, sowie auf einer weiteren Münze, dem Verrat der vestalischen Jungfrau Tarpeia.

Dieser Silber Denar scheint jedoch nicht nur eine Erinnerung an Urahnen und Traditionen zu sein, es steckt weitaus mehr in dieser Münze – als man auf den ersten Blick vermuten mag.

Zwischen den Jahren 91 bis 88 v.Chr. tobte der sogenannte Bundesgenossenkrieg (bellum sociale, auch bellum Marsicum „Marsischer Krieg“) zwischen italischer Stämme und dem römische Staatswesen. Der Hintergrund dieses Krieges war das Verhalten Roms gegenüber seinen italischen Bundesgenossen. Marcus Livius Drusus stellte den Antrag, dass die Italiker das römische Bürgerrecht erhalten sollten, was jedoch abgelehnt wurde. Als es dann auch noch Eingriffe in die ansonsten Autonomen inneren Verhältnisse durch römische Beamte gekommen war, erhoben sich 91 v.Chr. mehrere Bundesgenossen gegen Rom. Besonders die Marser und Samniten beteiligten sich am Aufstand, während die griechischen Städte Süditaliens nicht teilnahmen.

Als sich die Aufständischen zu einer Art Bundesstaat zusammenschlossen, die Stadt Corfinium in Italia umbenannt und ein eigener Senat eingerichtet wurde, schien die Situation gefährlich für Rom. Auch wurden Münzen geprägt mit dem italischen Stier, welcher die römische Wölfin besiegt. Da die Bundesgenossen militärisch von Rom geschult waren, konnte selbst der ehemals gefeierte Gaius Marius die aufständischen Truppen nicht zerschlagen.

Schließlich sah sich 90 v.Chr. Rom gezwungen den am Aufstand Unbeteiligten das römische Bürgerrecht zu verleihen. Im Jahr 89 v.Chr. wurde dann das römische Bürgerrecht für alle Italiker mit der sogenannten Lex Plautia Papira verliehen. Zu Beginn des Jahres 88 v.Chr. war der Krieg dann beendet – mit Ausnahme der Samniten – welche als alte Rivalen Roms immer noch gegen Rom kämpften. Die politischen Entscheidungen wurden zwar weiterhin in Rom getroffen, allerdings bildete sich bald ein stärkeres italisches Gemeinschaftsgefühl aus, was langfristig das Imperium stärken sollte.

Der geprägte Denar ist daher, so meine Überlegung, nicht nur eine Erinnerung an die Ahnen und alte römische Traditionen, sondern auch im Hinblick auf den Bundesgenossenkrieg zu sehen. In den frühen Jahren Roms bekämpften sich die Sabiner und die Römer und aus Feinden wurde eine Zweckgemeinschaft, wurde ein gemeinsamer Staat – wobei die Sabiner unter Roms Herrschaft aufgingen. Vielleicht wurde bewusst dies mit der Prägung versucht zu propagandieren.

Ein weiteres sehr interessantes Detail ist die, bei meinem Denar leider fehlende, Inschrift A PV auf der Vorderseite des Denars.

Das durch die lex Plautia Papiria enorm angewachsene Gemeinwesen sorgte binnen kurzer Zeit für die endgültige Überforderung der der Römischen Republik. Nicht nur politisch, auch finanziell. Die finanzielle Lage war durch den langen Bundesgenossenkrieg eh schon angespannt genug (auch bezeugt durch die anonymen Bronzen RRC 339, die als Notserie gelten). Die Inschriften-Abkürzungen L.P.D.A.P. (Leges Papiriae de aere publico) und A PV (de argento publico) auf den Münzen weisen laut Barlow auf die Herkunft des Silbers aus dem Aerarium Sanctius in Zeiten großer finanzieller Schwierigkeiten hin.

Dazu muss man folgenden historischen Kontext beachten. Ptolemaios Alexander beschloss auf seinen letzten Tagen seine Besitztümer symbolisch an Rom zu vererben. Als der ägyptische König dann 88 v.Chr. starb, brachten später römische Gesandte aus Ägypten enorme Mengen an Reichtümer zurück. Über den genauen Zeitraum, in dem das aus Ägypten gebrachte Edelmetall geprägt wurde, ist man sich derzeit nicht einig. Nach Crawfords These wurde es zwischen 85-85 v.Chr. geprägt. Um die Herkunft des Edelmetalls hervorzuheben, wurde daher beschlossen das Akronym A.P. (Argentum Publicum) zu verwenden. Oder in Falle dieses Denars A PV (Argentum PVblicum). In diesem Fall stammte das Silber nämlich nicht aus Rom, sondern wurde vom ägyptischen Herrscher seinem Volk (deshalb heißt es Publicum) gespendet.

Es ist festzuhalten, dass dieser Entzug von Silber aus der Staatskasse offensichtlich auf die schwierige finanzielle Lage Roms während und insbesondere nach dem Bundesgenossenkrieg zurückzuführen war. Wie jeder Krieg hatte auch dieser die Schwächen der Staatskasse deutlich gemacht und die zahlreichen Ausgaben für die Aufstellung einer Armee verdeutlicht. Diese Geldverschwendung führte dazu, dass sich die Republik verschuldete und um dieses Problem zu lösen, beschlossen die Magistrate, das öffentliche Silber zu nutzen, das der ägyptische König dem römischen Volk vermacht hatte.

Dieses Vorgehen ist sehr selten und unterstreicht nicht nur die besondere Provenienz der Silbermünze, sondern erscheint nur achtmal bei römisch republikanischen Prägungen, insbesondere in den Ausgaben von: Gaius Fabius, Marcus Lucilius Rufus, Lucius Sentius, Publius Servilius Rullus, Lucius Titurius Sabinus, Marcus Fannius, Lucius Critonius, Manius Fonteius, Lucius Iulius Bursio.

Der Silber Denar sollte daher nicht nur als schnöde Erinnerung an Urahnen und alten Traditionen abgetan werden – sondern bietet weitaus mehr geschichtlichen Hintergrund und Umstände, als man auf den ersten Blick erahnen mag.

Avers:
Zu sehen ist der sagenhafte Kopf des Königs Titus Tatius, nicht erkennbar auf meiner Münze ist zu der Inschrift SABIN, die Inschrift A PV.

König Titus Tatius ist eine sagenhafte Gestalt der frühen römischen Geschichte. Wie bei fast allen Personen und Ereignissen dieser Zeit, lässt sich kaum noch feststellen, wie viel Wahrheit in den Überlieferungen steckt, oder gar rein erfundene Legenden sind. Laut späteren antiken Quellen war Titus Tatius König der Sabiner. Nach dem Raub der Sabinerinnen belagerte er das Kapitol, welches er durch den Verrat der Tarpeia einnehmen konnte. In der Folgezeit herrschte er gemeinsam mit Romulus über Rom. Titus Tatius wurde in Lavinium von den Laurentinern ermordet. Sein Grab wurde auf dem Aventin erichtet.

Dionysius erzählt, dass einige Freunde von Tatius einige Laurentii schikaniert hatten und als die Stadt Botschafter schickte, um Gerechtigkeit zu fordern, wollte Tatius Romulus nicht erlauben, die Täter auszuliefern. Nachdem die Botschafter nach Hause gegangen waren, überfiel sie eine Gruppe von Sabinern im Schlaf. Einige flohen und als die Nachricht nach Rom zurückkehrte, verhaftete Romulus sie umgehend und übergab die Verantwortlichen, darunter ein Mitglied der eigenen Familie von Tatius, einer neuen Gruppe von Botschaftern. Tatius folgte der Gruppe aus der Stadt und befreite die Angeklagten gewaltsam. Später, während beide Könige an einem Opfer in Lavinium teilnahmen, wurde er als Vergeltung getötet.

Dionysius erzählt auch den Bericht von Licinius Macer, in dem Tatius getötet wurde, als er alleine ging, um zu versuchen, die Bürger in Lavinium zu überzeugen, die begangenen Verbrechen zu vergeben. Als sie herausfanden, dass er die Verantwortlichen nicht mitgebracht hatte, wie der Senat und Romulus angeordnet hatten, steinigte ihn ein wütender Mob zu Tode. Laut Theodor Mommsen scheint die Geschichte von Tatius Tod eine Legende zu sein, die die Abschaffung der Blutrache erklärt, dargestellt als ob sie wirkliche Geschichte wäre.

Revers:
Zu sehen sind zwei Soldaten, sich gegenüber stehend, jeweils mit einer Sabinerin unter den Armen. Nicht sichtbar ist die Inschrift L TITVRI.

In den ersten Jahren nach Roms Gründung kamen viele Vertriebene, Flüchtlinge und Verbannte in die Stadt. Da die meisten Männer waren, mangelte es an Frauen. Romulus dachte sich eine List aus, um diesem Problem Herr zu werden. Die Römer luden die Bewohner der benachbarten Städte zu einem großen Wettkampfspiel zu Ehren des Neptuns ein. Die zahlreich erschienenen Gäste waren kaum bewaffnet und so stürzten sich die römischen Krieger auf die eingeladenen Gäste. Dabei ergriffen die Römer alle unverheirateten Mädchen, deren sie habhaft werden konnten. Die Mädchen, die meisten davon waren Sabinerinnen, willigten jedoch später überwiegend freiwillig in eine Heirat ein. Dennoch schworen die Väter und Brüder Rache an den Römern.

Die Sabiner rückten unter ihrem König Titus Tatius mit einem starken Heer an und belagerten nach schweren Kämpfen das Kapitol. Durch einen Verrat der vestalischen Jungfrau Tarpeia erlangten die Sabiner jedoch Zugang. Es kam zu erbitterten Kämpfen zwischen Väter, Brüder und den nun Ehemännern. Daher drängten die Ehefrauen auf das Schlachtfeld und baten darum die geführten Kämpfe zu beenden, da auf der einen Seite ihre Väter und Brüder und auf der anderen Seite Ihre Männer und Kinder sterben würden. Ihr Flehen hatte Erfolg, der König der Sabiner Tatius und Romulus reichten sich die Hand. Die Kämpfer verbrüderten sich und Römer und Sabiner verschmolzen ihren Staat unter der Doppelherrschaft des Titus Tatius und Romulus.

Der Raub der Sabinerinnen ist sehr populär und findet sich sehr häufig in der Literatur, Theater, Film und Kunst wieder. Kaum ein anderes Thema wurde so oft über die Jahrhunderte künstlerisch aufgearbeitet.


---
Die original Dokumentation gibt es wieder auf der Webseite: https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... nus-m0005/
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Numis-Student » Do 11.11.21 22:08


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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Do 11.11.21 22:13

Wie mein Herr darf ich das jetzt verstehen :evil: :lol:
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Numis-Student » Do 11.11.21 22:21

Na ja, ich dachte, es könnte dich interessieren, was auf der Rückseite wirklich dargestellt ist... ;-)

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Do 11.11.21 22:34

Numis-Student hat geschrieben:
Do 11.11.21 22:21
Na ja, ich dachte, es könnte dich interessieren, was auf der Rückseite wirklich dargestellt ist... ;-)
Jetzt habe ich es gesehen... Mist... Schweineohren - habe Künker schon eine Mail geschrieben! :lol:
Und sowas mir verkaufen...
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Do 11.11.21 22:46

lucius-titurius-sabinus-tarpeia.jpg


Münze:
Lucius Titurius Sabinus
Denar der Römischen Republik 89 v.Chr.
Silber, Durchmesser 17.7mm, Gewicht 3,74g
Avers: Kopf des Königs Titus Tatius
Inschrift: SABIN / A PV (nicht sichtbar)
Revers: Vestalische Jungfrau Tarpeia wird von Kriegern mit Schilden zu Tode beworfen
Inschrift: L TITVRI
Ort: Rom
Erhaltung: SS-, minimal korrodiert
Rare: –
Provenienz: Künker Auktionen, Osnabrück, Deutschland 02.11.2021
Referenz: Crawford 344/2, Sydenham 699

Hintergrund:
Lucius Titurius Sabinus war Münzmeister in den Jahren 89-88 v.Chr. Im Jahr 79 v.Chr. wurde er als Legat des Prokonsuls Quintus Caecilius Metellus Pius nach Spanien berufen und nahm am Krieg gegen Quintus Sertorius und dessen Aufstand teil. Sertorius errichtete auf der iberischen Halbinsel für mehrere Jahre eine von Rom unabhängige Herrschaft, welche er auch gegen Caecilius Metellus Pius erfolgreich verteidigen konnte. Sertorius wurde 72 v.Chr. durch eine Verschwörung, an deren Spitze Marcus Perperna stand, bei einem Gastmahl erstochen. Sein Tod bedeutete den Untergang dieses Sonderreichs. Perperna als neuer Anführer wurde kurz darauf von Pompeius vernichtend geschlagen und hingerichtet.

Lucius Titurius Sabinus war laut antiken Quellen ein kultivierter Mensch und stolz auf die alten Traditionen der Republik, wie seine Vorder- und Rückseiten der kleinen Münzserie beweisen sollen. Er beruft sich dabei auf das Vermächtnis seiner Vorfahren dem Gens Tita – als einen der Nachfahren des Königs Titus Tatius und die Erinnerung an den Raub der Sabinerinnen, sowie auf einer weiteren Münze, dem Verrat der vestalischen Jungfrau Tarpeia.

Dieser Silber Denar scheint jedoch nicht nur eine Erinnerung an Urahnen und Traditionen zu sein, es steckt weitaus mehr in dieser Münze – als man auf den ersten Blick vermuten mag.

Zwischen den Jahren 91 bis 88 v.Chr. tobte der sogenannte Bundesgenossenkrieg (bellum sociale, auch bellum Marsicum „Marsischer Krieg“) zwischen italischer Stämme und dem römische Staatswesen. Der Hintergrund dieses Krieges war das Verhalten Roms gegenüber seinen italischen Bundesgenossen. Marcus Livius Drusus stellte den Antrag, dass die Italiker das römische Bürgerrecht erhalten sollten, was jedoch abgelehnt wurde. Als es dann auch noch Eingriffe in die ansonsten Autonomen inneren Verhältnisse durch römische Beamte gekommen war, erhoben sich 91 v.Chr. mehrere Bundesgenossen gegen Rom. Besonders die Marser und Samniten beteiligten sich am Aufstand, während die griechischen Städte Süditaliens nicht teilnahmen.

Als sich die Aufständischen zu einer Art Bundesstaat zusammenschlossen, die Stadt Corfinium in Italia umbenannt und ein eigener Senat eingerichtet wurde, schien die Situation gefährlich für Rom. Auch wurden Münzen geprägt mit dem italischen Stier, welcher die römische Wölfin besiegt. Da die Bundesgenossen militärisch von Rom geschult waren, konnte selbst der ehemals gefeierte Gaius Marius die aufständischen Truppen nicht zerschlagen.

Schließlich sah sich 90 v.Chr. Rom gezwungen den am Aufstand Unbeteiligten das römische Bürgerrecht zu verleihen. Im Jahr 89 v.Chr. wurde dann das römische Bürgerrecht für alle Italiker mit der sogenannten Lex Plautia Papira verliehen. Zu Beginn des Jahres 88 v.Chr. war der Krieg dann beendet – mit Ausnahme der Samniten – welche als alte Rivalen Roms immer noch gegen Rom kämpften. Die politischen Entscheidungen wurden zwar weiterhin in Rom getroffen, allerdings bildete sich bald ein stärkeres italisches Gemeinschaftsgefühl aus, was langfristig das Imperium stärken sollte.

Der geprägte Denar ist daher, so meine Überlegung, nicht nur eine Erinnerung an die Ahnen und alte römische Traditionen, sondern auch im Hinblick auf den Bundesgenossenkrieg zu sehen. In den frühen Jahren Roms bekämpften sich die Sabiner und die Römer und aus Feinden wurde eine Zweckgemeinschaft, wurde ein gemeinsamer Staat – wobei die Sabiner unter Roms Herrschaft aufgingen. Vielleicht wurde bewusst dies mit der Prägung versucht zu propagandieren.

Ein weiteres sehr interessantes Detail ist die, bei meinem Denar leider fehlende, Inschrift A PV auf der Vorderseite des Denars.

Das durch die lex Plautia Papiria enorm angewachsene Gemeinwesen sorgte binnen kurzer Zeit für die endgültige Überforderung der der Römischen Republik. Nicht nur politisch, auch finanziell. Die finanzielle Lage war durch den langen Bundesgenossenkrieg eh schon angespannt genug (auch bezeugt durch die anonymen Bronzen RRC 339, die als Notserie gelten). Die Inschriften-Abkürzungen L.P.D.A.P. (Leges Papiriae de aere publico) und A PV (de argento publico) auf den Münzen weisen laut Barlow auf die Herkunft des Silbers aus dem Aerarium Sanctius in Zeiten großer finanzieller Schwierigkeiten hin.

Dazu muss man folgenden historischen Kontext beachten. Ptolemaios Alexander beschloss auf seinen letzten Tagen seine Besitztümer symbolisch an Rom zu vererben. Als der ägyptische König dann 88 v.Chr. starb, brachten später römische Gesandte aus Ägypten enorme Mengen an Reichtümer zurück. Über den genauen Zeitraum, in dem das aus Ägypten gebrachte Edelmetall geprägt wurde, ist man sich derzeit nicht einig. Nach Crawfords These wurde es zwischen 85-85 v.Chr. geprägt. Um die Herkunft des Edelmetalls hervorzuheben, wurde daher beschlossen das Akronym A.P. (Argentum Publicum) zu verwenden. Oder in Falle dieses Denars A PV (Argentum PVblicum). In diesem Fall stammte das Silber nämlich nicht aus Rom, sondern wurde vom ägyptischen Herrscher seinem Volk (deshalb heißt es Publicum) gespendet.

Es ist festzuhalten, dass dieser Entzug von Silber aus der Staatskasse offensichtlich auf die schwierige finanzielle Lage Roms während und insbesondere nach dem Bundesgenossenkrieg zurückzuführen war. Wie jeder Krieg hatte auch dieser die Schwächen der Staatskasse deutlich gemacht und die zahlreichen Ausgaben für die Aufstellung einer Armee verdeutlicht. Diese Geldverschwendung führte dazu, dass sich die Republik verschuldete und um dieses Problem zu lösen, beschlossen die Magistrate, das öffentliche Silber zu nutzen, das der ägyptische König dem römischen Volk vermacht hatte.

Dieses Vorgehen ist sehr selten und unterstreicht nicht nur die besondere Provenienz der Silbermünze, sondern erscheint nur achtmal bei römisch republikanischen Prägungen, insbesondere in den Ausgaben von: Gaius Fabius, Marcus Lucilius Rufus, Lucius Sentius, Publius Servilius Rullus, Lucius Titurius Sabinus, Marcus Fannius, Lucius Critonius, Manius Fonteius, Lucius Iulius Bursio.

Der Silber Denar sollte daher nicht nur als schnöde Erinnerung an Urahnen und alten Traditionen abgetan werden – sondern bietet weitaus mehr geschichtlichen Hintergrund und Umstände, als man auf den ersten Blick erahnen mag.

Avers:
Zu sehen ist der sagenhafte Kopf des Königs Titus Tatius, nicht erkennbar auf meiner Münze ist zu der Inschrift SABIN, die Inschrift A PV.

König Titus Tatius ist eine sagenhafte Gestalt der frühen römischen Geschichte. Wie bei fast allen Personen und Ereignissen dieser Zeit, lässt sich kaum noch feststellen, wie viel Wahrheit in den Überlieferungen steckt, oder gar rein erfundene Legenden sind. Laut späteren antiken Quellen war Titus Tatius König der Sabiner. Nach dem Raub der Sabinerinnen belagerte er das Kapitol, welches er durch den Verrat der Tarpeia einnehmen konnte. In der Folgezeit herrschte er gemeinsam mit Romulus über Rom. Titus Tatius wurde in Lavinium von den Laurentinern ermordet. Sein Grab wurde auf dem Aventin erichtet.

Dionysius erzählt, dass einige Freunde von Tatius einige Laurentii schikaniert hatten und als die Stadt Botschafter schickte, um Gerechtigkeit zu fordern, wollte Tatius Romulus nicht erlauben, die Täter auszuliefern. Nachdem die Botschafter nach Hause gegangen waren, überfiel sie eine Gruppe von Sabinern im Schlaf. Einige flohen und als die Nachricht nach Rom zurückkehrte, verhaftete Romulus sie umgehend und übergab die Verantwortlichen, darunter ein Mitglied der eigenen Familie von Tatius, einer neuen Gruppe von Botschaftern. Tatius folgte der Gruppe aus der Stadt und befreite die Angeklagten gewaltsam. Später, während beide Könige an einem Opfer in Lavinium teilnahmen, wurde er als Vergeltung getötet.

Dionysius erzählt auch den Bericht von Licinius Macer, in dem Tatius getötet wurde, als er alleine ging, um zu versuchen, die Bürger in Lavinium zu überzeugen, die begangenen Verbrechen zu vergeben. Als sie herausfanden, dass er die Verantwortlichen nicht mitgebracht hatte, wie der Senat und Romulus angeordnet hatten, steinigte ihn ein wütender Mob zu Tode. Laut Theodor Mommsen scheint die Geschichte von Tatius Tod eine Legende zu sein, die die Abschaffung der Blutrache erklärt, dargestellt als ob sie wirkliche Geschichte wäre.

Revers:
Zu sehen ist die vestalische Jungfrau Tarpeia wie sie von Kriegern mit Schilden zu Tode beworfen wird. Darunter sichtbar ist die Inschrift L TITVRI.

In den ersten Jahren nach Roms Gründung kamen viele Vertriebene, Flüchtlinge und Verbannte in die Stadt. Da die meisten Männer waren, mangelte es an Frauen. Romulus dachte sich eine List aus, um diesem Problem Herr zu werden. Die Römer luden die Bewohner der benachbarten Städte zu einem großen Wettkampfspiel zu Ehren des Neptuns ein. Die zahlreich erschienenen Gäste waren kaum bewaffnet und so stürzten sich die römischen Krieger auf die eingeladenen Gäste. Dabei ergriffen die Römer alle unverheirateten Mädchen, deren sie habhaft werden konnten. Die Mädchen, die meisten davon waren Sabinerinnen, willigten jedoch später überwiegend freiwillig in eine Heirat ein. Dennoch schworen die Väter und Brüder Rache an den Römern.

Die Sabiner rückten unter ihrem König Titus Tatius mit einem starken Heer an und belagerten nach schweren Kämpfen das Kapitol. Durch einen Verrat der vestalischen Jungfrau Tarpeia erlangten die Sabiner jedoch Zugang. Es kam zu erbitterten Kämpfen zwischen Väter, Brüder und den nun Ehemännern. Daher drängten die Ehefrauen auf das Schlachtfeld und baten darum die geführten Kämpfe zu beenden, da auf der einen Seite ihre Väter und Brüder und auf der anderen Seite Ihre Männer und Kinder sterben würden. Ihr Flehen hatte Erfolg, der König der Sabiner Tatius und Romulus reichten sich die Hand. Die Kämpfer verbrüderten sich und Römer und Sabiner verschmolzen ihren Staat unter der Doppelherrschaft des Titus Tatius und Romulus.

Es gibt verschiedene Versionen über den Verrat der Tarpeia. Ihr Vater, Spurius Tarpeius, kommandierte das Kapitol. Während seine Tochter Tarpeia hinausgegangen war, um Wasser für eine religiöse Zeremonie zu holen, bestach Tatius sie, seine Truppen in die Burg zu lassen. Einmal eingelassen, erschlugen sie sie mit ihren Schilden – sei es, um den Anschein zu erwecken, dass die Burg im Sturm genommen worden sei, oder um als Warnung zu dienen, dass man Verrätern nicht trauen könne. Eine zweite Version erzählt, die Sabiner pflegten goldene Ringe an ihren linken Armen zu tragen und edelsteinbesetzte Ringe, und dass das Mädchen ihnen das Versprechen abnahm, ihr das zu geben, was sie am linken Arm trügen. Dementsprechend begruben sie sie unter ihren Schilden, anstatt ihr goldene Geschenke zu geben. Eine weitere Version berichtet davon, dass sich Tarpeia unsterblich in König Tatius verliebte und versprach ihm aus lauter Liebe, die Tore des Kapitols zu öffnen. Dadurch errangen die Sabiner zwischenzeitlich den Sieg in der Schlacht gegen die Römer. Da Tarpeia aber Hochverrat begangen hatte, verurteilten sie die Sabiner, obwohl sie ihnen geholfen hatte, zum Tode.

Und zu guter Letzt gibt es noch eine Überlieferung wonach Spurius Tarpeius das erste Opfer des Tarpejischen Felsensturzes gewesen sein soll. Dieser habe den Sabinern das Kapitol ausliefern wollen und sei deswegen durch die Tochter des Romulus zum Tode verurteilt worden. So oder so – seit jener Zeit wird die Felsspitze an der Tarpeia zu Tode gekommen ist der Tarpejische Felsen genannt.

Im historischen Rom diente der Tarpejische Fels zur Vollstreckung von Todesurteilen wegen Meineid, Inzest, Verrat und Überlauf, aber auch wegen Flucht oder Verrat am Herrn durch Sklaven. Die letzte bezeugte Exekution dieser Art fand unter Kaiser Claudius im Jahre 43 n. Chr. statt (Cassius Dio 60,18,4), zu einem ungewissen späteren Zeitpunkt wurden solche Hinrichtungen ausdrücklich verboten (Digesten 48,19,25,1).


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Die original Dokumentation gibt es wie immer auf meiner Webseite: https://roma-aeterna.de/uncategorized/d ... nus-m0006/


So und jetzt bin ich so angefixt von der Geschichte, dass ich die zwei Münzen auch mit sichtbarer A PV Inschrift haben möchte ^^... dann müssen die zwei dann eben weichen. Ich mache mich mal auf die Suche, bedanke mich fürs Lesen. Morgen kommen dann die Brutus und Caesar Denare dran. Ich wünsche einen angenehmen Abend ;)
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Fr 12.11.21 19:25

denar-marcus-junius-brutus.jpg



Münze:
Marcus Iunius Brutus
Denar der Römischen Republik 54 v.Chr.
Silber, Durchmesser 19.5mm, Gewicht 3,89g
Avers: Büste der Libertas nach rechts
Inschrift: LIBERTAS
Revers: Der Konsul Lucius Iunius Brutus geht zwischen zwei Linktoren nach links, davor ein Accensus
Inschrift: BRVTVS
Ort: Rom
Erhaltung: SS+
Rare: –
Provenienz: Künker Auktionen, Osnabrück, Deutschland 02.11.2021
Referenz: Crawford 433/1, Sydenham 906

Hintergrund:
Quintus Caepius Brutus, seit seiner Adoption Marcus Iunius Brutus, war einer der späteren Caesarmörder und dürfte neben anderen historischen Personen zu der Riege der weltweit bekanntesten Persönlichkeiten zählen. Wer kennt ihn nicht, den Ausspruch des sterbenden Julius Caesars „auch Du mein Sohn?“ (καὶ σὺ τέκνον) – auch wenn diese antike Überlieferung von Sueton eher bezweifelt werden darf.

Brutus Biografie könnte mehrere Buchbände füllen, es ist daher hier nicht möglich auf alle Ereignisse seines Lebens einzugehen. Auf Lateinisch bedeutet der Name Brutus eigentlich „Stumpfsinniger“, bezieht sich hier aber ehrenvoll auf den Namen und die Ahnen der Gens Iunia. Der Stammvater der Iunier – Lucius Iunius Brutus – soll sich durch vorgetäuschte Stumpfsinnigkeit in seiner Jugend vor Verfolgung gerettet und später Rom von der Tyrannei der Königsherrschaft befreit haben.

Brutus Vater kämpfte in Mutia gegen Pompeius, ergab sich dessen und wurde dennoch am darauf folgenden Tag von Geminius, einem Gefolgsmann des Pompeius, getötet. Seit dieser Zeit bestand eine tiefe Abneigung und Feindschaft zwischen Brutus und Pompeius. Auch dieser Brutus Denar ist in diesem Zusammenhang zu sehen, dazu jedoch später mehr.

Servilia Caepionis, Brutus Mutter und eine Halbschwester von Cato dem Jüngeren, heiratete nach dem Tod ihres Mannes Decimus Iunius Silanus. Sie war eine Geliebte des Julius Caesar und so gab es später Gerüchte, wonach Brutus ein leiblicher Sohn des Caesar sein sollte. Dies ist jedoch eher unwahrscheinlich, da Caesar bei Brutus Geburt erst fünfzehn Jahre alt war.

Brutus selber heiratete in erster Ehe Claudia Pulchra, der Tochter des Appius Claudius Pulcher, mit der er eine Tochter und drei Söhne hatte. Nach Catos Tod ließ er sich 45 v.Chr. von ihr scheiden und heiratet wiederum seine Cousine, Catos Tochter Porcia. Brutus wurde von seinem Onkel Cato erzogen und stand in engen Kontakt zu Marcus Tullius Cicero. Er war gebildet und hatte eine erstklassige rhetorische und philosophische Ausbildung genossen.

Brutus politische Karriere begann 58 v.Chr. als Assistent Catos, als dieser Statthalter auf Zypern war. Während dieser Zeit, nicht unüblich für Angehörige des römischen Adels, kam er zu gewissem monitären Reichtum. Als Münzmeister lies Brutus 54 v.Chr. die ersten Münzen prägen, zu denen auch diesen Denar gehört.

Wie sein Vater und späterer Schwiegervater Cato, war Brutus überzeugter Republikaner und damit entschiedener Gegner der Tyrannei und Diktatur. Im Senat unterstützte er die Opposition gegen die Bestrebungen des ersten Triumvirats mit Pompeius, Crassus und Caesar. Vor allem gegenüber Pompeius pflegte Brutus seine Abneigung, hatte der doch den Tod des Vaters zu verantworten. Brutus genoss ein großes Ansehen bei den Anhängern, welche die freie res publica bedroht fürchteten. Sie sahen in Brutus einen Nachfahren des legendären Tyrannenfeindes Lucius Brutus.

Erst gegen 49 v.Chr. – und auf Drängen vieler Senatoren – söhnte sich Brutus öffentlich mit seinem Todfeind Pompeius aus. Als es zum Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius kam, kämpfte Brutus bei der Schlacht von Pharsalos auf der Seite des Pompeius. Nach der Niederlage des Pompeius bat Brutus Caesar um Gnade, welcher diese sofort gewährte. Als sich Caesar 44 v.Chr. die lebenslange Diktatur übertragen lies und damit deutlich machte, dass er nicht an die Wiederherstellung der Republik dachte – machte Brutus erneut eine politische Kehrtwende.

Unter der Führung des Marcus Iunius Brutus und seinem Freund Gaius Cassius Longinus fanden sich etwa 80 Mitverschwörer, welche an den Iden des März (15. März) 44 v.Chr. Caesar in seiner letzten Senatssitzung vor der Abreise zum geplanten Partherkrieg ermordeten. Die Verschwörer waren entweder zu naiv oder hatten die weitere Vorgehensweise nach der Ermordung des Tyrannen nicht richtig durchplant. In Rom herrschte keine feierliche Stimmung, im Gegenteil, nach Marcus Antonius berühmter Leichenrede kippte die Stimmung gegen die Caesarmörder vollends um. Manch Verschwörer mussten direkt aus Rom fliehen, manche zogen sich später in ihre Provinzen zurück.

Was folgte war die Ächtung der Caesarmörder und die militärische Konfrontation zwischen Marcus Antonius, Gaius Octavius auf der einen Seite und den Anhängern der römischen Republik auf der anderen Seite. Die Entscheidung fiel 42 v.Chr. in zwei Schlachten bei Philippi, als zuerst Cassius, dann Brutus den Tod fanden. Octavius ließ den Kopf des Brutus abschlagen. Diesen wollte er in Rom zu Füßen der Statue seines Adoptivonkel Caesars legen. Bei der Überfahrt jedoch kam das Schiff in einen Sturm und der Kopf des Brutus ging über Bord. Marcus Antonius ließ jedoch den Rest der Leiche einäschern und Servilia, Brutus Mutter, zukommen.

Gerade der letzte historische Teil hat jedoch nichts mit dem abgebildeten Denar und seiner symbolischen Aussage zu tun.

Wenn der Name Brutus fällt, fällt er unweigerlich gedanklich mit Julius Caesar und dem Mord an dem vermeintlichen Tyrannen. Dieser Denar wurde jedoch 54 v.Chr. geprägt – weit vor dem Bruch gegenüber Julius Caesar. der hier genannte und abgebildete Denar zielt zu dieser Zeit eher gegen Pompeius.

Pompeius und Brutus hatten ein schwer belastetes ober besser gesagt gar kein vorhandenes Verhältnis zueinander. Die Vorgeschichte mit dem Vater ist bekannt, welcher Pompeius wohl auf verräterische Weise hat umbringen lassen. Auch die undurchsichtige Vettiusaffäre im Jahr 59 v.Chr. belastete das Verhältnis stark. Zwar konnte nicht einwandfrei geklärt werden ob Brutus in die angeblichen Attentatspläne auf Pompeius eingeweiht war – machte aber die Sache nicht besser. Im Jahre 52 v.Chr. verfasste Brutus gar eine Schrift „de dictatura Cn. Pompei“.

Crawford bezieht daher die Münzdarstellung auf die Gerüchte, die Pompeius Bestrebungen eine diktatorische Stellung zu übernehmen, zu dieser Zeit im Umlauf waren. Ob diese Gerüchte den tatsächlichen Intentionen des Pompeius entsprachen, darf bezweifelt werden. An einem Staatsstreich, wie ihn wohl seine Gegner zutrauten, dachte er wohl nicht. Sein Ziel blieb jedoch nach wie vor eine Stellung über den Parteien. Gegen Caesar konnte er sich nur behaupten, wenn er die Optimaten hinter sich hatte und diese kontrollierte.

Vordergründig kann der Denar des Brutus also als familiengeschichtlich interpretiert werden. Hintergründig muss er eingepasst werden in die damalige politische Situation des Jahres 54 v.Chr. – Brutus war für jeden Römer nicht nur eine bekannte Person, sondern mit ihm wurde auch der Kampf gegen Alleinherrschaft, Tyrannei und die Sicherung der republikanischen Staatsform verbunden. Die Bilder des Denars stellen eine Opposition gegen Pompeius dar. Brutus wollte mit der Symbolik der Darstellungen zum Ausdruck bringen, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt die libera res publica gefährdet und Männer wie er nötig sind, um die Diktaturbestrebungen des Pompeius zu unterbinden und die republikanische Freiheit zu erhalten.

Avers:
Zu sehen ist die Büste der Libertas nach rechts blickend. Die Legende lautet LIBERTAS.

Libertas stellt in der römischen Welt den personifizierten Begriff der Freiheit dar. Ursprünglich war sie neben Civitas (Bürgerrecht) und Familia (Familienstand) Voraussetzung für die persönliche Rechtsfähigkeit des römischen Bürgers. Verlor der Bürger die „Freiheit“, etwa durch Kriegsgefangenschaft oder durch Todesurteil, erlitt er damit eine capitis deminutio maxima (größte Personenstandsänderung). Er wurde zum Sklaven erniedrigt und fortan als Sache betrachtet.

Die Vorderseite mit der Abbildung der Libertas, ist das Resultat der Rückseite – die Vertreibung des letzten etruskischen Königs und Tyrannen Lucius Tarquinius Superbus durch Lucius Iunius Brutus. Libertas steht für die republikanische Staatsform und damit gegen jegliches Streben nach Alleinherrschaft und tyrannischer Diktatur – gegen regnus, dictatura, tyrannis und dominatio. Brutus als Münzmeister, steht durch seinen Stammbaum als Garant für diese republikanische Freiheit – Libertas.

Libertatem et consulatum L. Brutus instituit.
L. Brutus führte die Freiheit und das Konsulat ein.
Tacitus (ann. 1,1)

Revers:
Zu sehen ist wie der Konsul Lucius Iunius Brutus zwischen zwei Linktoren nach links geht. Ein Accensus schreitet voran. Die Inschrift darunter lautet BRVTVS.

Der Sage nach war Lucius Tarquinius Superbus der siebte und letzte König von Rom. Er regierte seit 534 v.Chr. Sein tyrannisches Regime führte zu einer immer stärker werdenden Opposition. Er wurde der Überlieferung nach 509 v.Chr. aus Rom verbannt.

Brutus beruft sich mit der Darstellung der Rückseite auf seinen Urahnen Lucius Iunius Brutus. Er soll der erste Konsul der römischen Republik nach dem Sturz des letzten Königs gewesen sein. Gemäß der Überlieferung war Brutus der Sohn Tarquinias, der Schwester des Königs. Nachdem der König angefangen hatte vornehme Bürger umzubringen, stellte sich Brutus blödsinnig, um dem König keinen Anlass zu geben, ihn fürchten und deshalb töten lassen zu müssen. Brutus bedeutet im lateinischen eigentlich „Stumpfsinniger“.

Nach Jahren der Tyrannei mit Vergewaltigung, Morde und Intrigen erwirkte Brutus einen Beschluss, mit dem der König die Herrschaft verlor und zusammen mit seiner Familie verbannt wurde. Gemäß der Sage bildete Brutus im Jahr 509 v. Chr. zusammen mit Collatinus das erste römische Konsulpaar. Die Königsherrschaft wurde dabei durch die römische Republik (libera res publica) abgelöst.

Auf der Rückseite sehen wir Lucius Iunius Brutus in seiner Eigenschaft als erster Konsul der römischen Republik, der durch die Legende BRVTVS – auch hier zugleich Münstmeistername – und aufgrund seiner gegenüber dem Accensus und den beiden mit Rutenbündel ausgerüsteten Liktoren herausgehobene Größe identifiziert und bestimmt werden kann.

Accensi waren, wie auch die Liktoren, in der Regel Berufsbeamte, die den gewählten Magistraten während ihrer Amtszeit zur Seite standen. Sie halfen auch beim Schreiben von Edikten und Gesetzen. Vor Gericht luden sie Zeugen, hielten die Zeit fest und halfen, die Ordnung aufrechtzuerhalten. Außerhalb der Gerichte eskortierten sie den Magistrat und fungierten als Herolde.

In der Anfangszeit der römischen Republik stellte der Accensus, der vor drei Personen ging, einen gewöhnlichen Fußsoldat von niedrigem Rang dar, während die Liktoren höherrangige Soldaten waren, die Waffen trugen und so zusammen drei Soldaten-Leibwächter für den Konsul zwischen ihnen waren. Diese Art der Prozession war lange vor 54 v.Chr. außer Mode gekommen, als Marcus Iunius Brutus seine Denare schlagen ließ. Statt eines Accensus schritt nun ein Herold, welcher verkündete, dass sich ein Konsul nähere.



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Das ganze gibt es auch immer wieder als Original auf meiner Webseite:
https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... tus-m0007/
Zuletzt geändert von Timestheus am Sa 13.11.21 13:00, insgesamt 1-mal geändert.
Veritas? Quid est veritas?
Sammlung: https://roma-aeterna.de/

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