Sammlung Timestheus

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » So 21.11.21 23:19

Danke schon mal für Eure Kommentare und Anregungen. Der Experte der das in den Raum gestellt hat - muss mal schauen morgen wer das war - meinte damit nicht das Caesar erschienen ist in Trauer, sondern dass seine Münzabbilder auch diese Wandlung durchgemacht haben - also als Caesar noch lebte und nach seinem Tod. Und das Cassius das übernommen haben könnte.

Werde das morgen nochmals gegen prüfen.

Ich habe heute Abend noch weitere Literatur zu den Münzprägungen des Cassius und Brutus bekommen - muss die morgen aber nochmals in Ruhe durch lesen. Dann mal nochmals alles sichten was die zwei unterschiedlichen Darstellungen angeht.

Aber was ich mich schon frage - wieso hat man das Abbild der Libertas geändert? Man hätte doch die 500/3 weiter prägen können. Wieso der Wechsel zu 500/5 ...?


PS: Ah hatte den Einwand von Perinawa überlesen. Als gutes Vorzeichen! Ein guter Einwand wie ich finde. Ich werde morgen nochmals den Experten sichten und seine Begründung mit dem Trauerschleier genauer Beleuchten. Vielleicht findet sich noch woanders dazu etwas wegen dem Wechsel. Vielleicht sogar etwas was das gute Vorzeichen untermauern würde.

Aber einfach so wurde sicher nicht auf einmal unnötig die Darstellung der Libertas geändert. Nicht bei einer Vorderseite, nicht bei so einer wichtigen Libertas.

Als gutes Vorzeichen. Guter Tipp perinawa... Da kann man mal ansetzen.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von jschmit » So 21.11.21 23:23

Und denk bitte daran, dass JC 44 v.Chr. gestorben ist. Der war also 42 v.Chr. eher etwas ruhiger unterwegs.

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » So 21.11.21 23:27

jschmit hat geschrieben:
So 21.11.21 23:23
Und denk bitte daran, dass JC 44 v.Chr. gestorben ist. Der war also 42 v.Chr. eher etwas ruhiger unterwegs.
Wo steht denn im Text, das Caesar 42 noch unterwegs war? Ich kenne das Todesdatum Caesars seit 40 Jahren... bereits als Kind. Wenn also was von 42 steht ist es ein Schreibfehler. Also wäre es nützlich mir zu sagen wo der ist - da man als Verfasser immer das liest was man denkt lesen zu wollen - also eigene Fehler oft nicht entdeckt.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von jschmit » So 21.11.21 23:29

42 v.Chr (...) Zuerst Cassius und anschließend Brutus verloren die Schlacht und nahmen sich das Leben. Lentulus Spinther wird kurz darauf von Caesar gefangen genommen und getötet.

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » So 21.11.21 23:37

jschmit hat geschrieben:
So 21.11.21 23:29
42 v.Chr (...) Zuerst Cassius und anschließend Brutus verloren die Schlacht und nahmen sich das Leben. Lentulus Spinther wird kurz darauf von Caesar gefangen genommen und getötet.
So macht das Sinn und kann ich auch nach kontrollieren :)

Ah super Danke. Das kommt davon, wenn man zu viele Quellen offen hat und nur noch hin und her zwischen den offenen Fenstern switcht. Dann merkt man nicht, ob das Fenster vom Vater (den hatte Caesar über den Jordan geschickt) oder das Fenster vom Sohnemann offen hat. Und da beide exakt gleich hießen nimmt man dummerweise die Biographie des Vaters in die des Sohnes rein. Ärgerlich. Muss ich gleich morgen ändern.

Danke fürs aufmerksame Lesen und anmerken!
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Perinawa » Mo 22.11.21 00:20

Timestheus hat geschrieben:
So 21.11.21 23:19
Als gutes Vorzeichen. Guter Tipp perinawa... Da kann man mal ansetzen.
Auf jeden Fall, aber da gibt es noch mehr Aspekte. Die "Schleierfrage" ist nicht so einfach zu beantworten, aber wie ich meine, sollte man vom Trauerschleier Abstand nehmen.

Ein paar Gedankenanstösse...

Der Schleier war (für die römische Frau) in erster Linie ein Symbol der Tugendhaftigkeit und des Anstandes.

Wenn die Kaiser opferten, taten sie das (meistens) auch verschleiert. Das ist auf vielen Reversdarstellungen der Münzen belegt. Zum Opferritus für die Fides am Tempel auf dem Kapitol fuhren die Priester sogar mit einem gewölbten Dach versehenen Wagen und brachten die Opfer mit verhüllter Hand dar. Die Göttin selbst trug ein weisses Gewand und einen weissen Schleier - Sinnbild für Licht und lautere Treue.

Ein Attribut der Iuno war der Schleier, aber auch die Blüte; letztere ein deutliches Symbol der Hoffnung.

Wenn man auf die republikanischen Münzen blickt, findet man viele, auf denen die Göttinnen verschleiert dargestellt sind. Ich denke, man kann hier nicht von einer tieferen Bedeutung ausgehen, sondern muss die Antwort in solchen Begriffen wie Anstand, Treue, Reinheit und Hoffnung suchen...

Grüsse
Rainer


PS.: Aber wenn man sich mal aus dem Fenster lehnen möchte...

Der Schleier war unstrittig ein nicht unwichtiger Bestandteil der rituellen Opferungen. Die Götter galten als hochanständig und "rein", und da war es selbstverständlich, dass man sich ihnen respektvoll im selben Zustand näherte. (Übertragen auf die heutige Zeit erinnert das sogar ein wenig an die Pflicht, beim Betreten einer Moschee die Schuhe auszuziehen).

Opfer an die Götter waren bei den Römern schwer in Mode, und da muss man nicht mal an die Grossveranstaltungen mit langwierigen und umständlichen Ritualen denken... ebenso populär war auch das schnelle Opfer zwischendurch, zum Beispiel am Hausaltar. Es sei mal dahingestellt, ob dabei nicht auch mal eben der Umhang über den Kopf gezogen wurde - denkbar ist es aber. Was spricht also dagegen, nicht auch in der Münzdarstellung in Form einer verschleierten Göttin eine "Opfergabe" an dieselbe zu sehen?
Unanfechtbare Wahrheiten gibt es überhaupt nicht, und wenn es welche gibt, so sind sie langweilig

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Lucius Aelius » Mo 22.11.21 07:17

Es gibt Fragen, die lassen sich nur schwer auflösen und es gibt Fragen, auf die wir nie eine zutreffende Antwort finden werden.
Gerade das macht aber den Reiz aus - so werden Münzen nie langweilig, weil man sich immer mehr oder weniger damit beschäftigt. (Etwa: Warum sitzen manche Götter auf den Rückseiten, andere wiederum stehen? Warum blicken manche Köfe der Kaiser/Götter nicht nach rechts, sondern nach links?)
Gruss
Lucius Aelius

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mo 22.11.21 12:14

So Danke nochmals für die Hinweise - ich habe mal den Text zu Lentulus Spinther und vor allem zu der Libertas korrigiert. Danke nochmals fürs Mitlesen und die Hinweise. Soll ja auch kein Mist in der Beschreibung stehen.
Zuletzt geändert von Timestheus am Mo 22.11.21 18:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Numis-Student » Mo 22.11.21 18:31

Timestheus hat geschrieben:
Mo 22.11.21 12:14
Text zu Lentulus Spinner
:wink: :lol:

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mo 22.11.21 18:33

Boah diese Auto Korrektur... aber ich korrigiere das nicht nach - zu witzig. Und er war ja auch ein kleiner Spinner, der Lentulus...
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Numis-Student » Mo 22.11.21 18:35

Du kannst es ruhig korrigieren, in meinem Zitat bleibt es ja erhalten.

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Di 23.11.21 14:15

Heute möchte ich Euch eine neue Münze in meiner Sammlung vorstellen - den Silberdenar des Titus Cloelius aus 128 v.Chr. Leider ist die Quellenlage sehr dürftig - wenn jemanden noch eine schöne Geschichte drumherum oder zur Münze einfällt - wäre ich sehr dankbar.

Hier geht es wieder zur original Webseite. Den Text und Bildmaterial kopiere ich gleich auch wieder hier rein.
https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... ius-m0016/
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Di 23.11.21 14:16

denar_titus_cloelius_m0016.jpg



Münze:
Titus Cloelius 128 v.Chr.
Denar der Römischen Republik
Material: Silber
Durchmesser: 18,4mm
Gewicht: 3,81g
Münzstätte: Rom
Erhaltung: VF
Rare: –
Provenienz: Emporium, Hamburg, 08.11.2021
Referenz: Crawford RRC 260/1

Avers:
Zu sehen ist der Kopf der Roma mit geflügeltem Helm nach rechts blicken. Dahinter befindet sich ein Kranz. Die Inschrift lautet ROMA.

Im römischen Reich war Roma eine Gottheit, die als Personifikation den römischen Staat oder die Stadt Rom symbolisierte. Ihr waren einige Tempel und heilige Plätze geweiht. Roma wird 269 v. Chr. erstmals auf As-Münzen aus Rom erwähnt sowie 204 v. Chr. auf römischen Münzen aus Locri in Kalabrien, woraus geschlossen wird, dass die nichtrömische Bevölkerung Roma ebenfalls religiös verehrt haben könnte. Tatsächlich sind die ersten sicher belegten Kulte für Roma in der griechischen Welt zu finden. In diesen Zusammenhang passt, dass ihr in Smyrna 195 v. Chr. ein Tempel errichtet wurde. Ferner wird von Roma-Kulten auf Ephesos, Sardes und Delos berichtet.

Dies Ausschmückung eines Helmes findet sich oft in antiken Darstellungen von Göttern und Göttinnen. So wird der griechische Gott Hermes (lateinisch Mercurius) regelmäßig mit einem Flügelhelm dargestellt. Auch Roma trägt auf Münzen oftmals einen Flügelhelm, wie auch hier auf unserem vorgestellten Denar des Titus Coelius.

Revers:
Zu sehen ist Victoria in einer nach rechts springenden Biga. Davor ist eine Ähre abgebildet. Die Inschrift lautet T CLOVLI.

Die Ursprünge des häufigsten Rückseitenmotivs der republikanischen Münzprägung finden sich nicht in Rom, sondern in den griechischen Städten Siziliens. In Qualität und Ästhetik waren die dort ausgegebenen Münzen den römischen weit überlegen, weshalb die für die Prägungen zuständigen Beamten in Rom gerne griechische Bildmotive entlehnten, auch wenn diese dabei ihre konkrete Bedeutung verloren. Die geflügelte Siegesgöttin verkündet als griechische Nike in der Münzprägung von Städten wie Syrakus und Selinunt den Sieg im Wagenrennen bei einem der großen griechischen Wettkämpfe, als römische Victoria auf dem eilenden Zweigespann verbildlicht sie auf allgemeine Weise den schnellen militärischen Sieg des Heeres (Quelle: Sonja Kitzberger). Auch auf dem Denar des Münzmeisters Publius Servilius Rullus ist diese damals beliebte und häufig auftretende Symbolik der Victoria abgebildet.

Lorbeer Kranz und Palmenzweig sind die typischen Attribute der Victoria, welche die ursprünglichen Siegestrophäen bei der griechischen Palästra und den panhellenischen Spielen waren. Beides wurde im römischen Sinne assimiliert und ausgeweitet. Kranz und Palmenzweig konnte jemand auch für sich reklamieren, welcher viele ehrenvolle Taten und Siege im militärischen Sinne vollbracht hatte. Zudem ist Victoria ein geflügeltes Wesen, welches die Flüchtigkeit und Nähe von Sieg und Niederlage symbolisiert. In der römischen Siegessymbolik war es Victoria, welche die Früchte des Erfolges überreichte.

Zeitgleich mit dem ersten Venustempel, wurde im 3 Jahrhundert v.Chr. auf dem Palatin der erste Victoriatempel errichtet. Die Einweihung des ersten Tempels erfolgte am 01. August 294 v.Chr. durch den Konsul Lucius Posumius Megellus, ein zweiter Tempel wurde am 01. August 193 v.Chr. durch Marcus Porcius Cato eingeweiht. Archäologische Grabungen konnten den ersten Tempel „aedes Victoriae“ (Victoriatempel) schräg der Magna Mater lokalisieren. Während dem zweiten Punischen Krieg wurde der Meteor von Pessinus im Victoriatempel aufbewahrt.

Da Victoria keine eigentliche Göttin darstellt – sondern eine römische Personifikation des Sieges und günstigen Erfolges – konnte sie den traditionellen Gottheiten beigegeben werden und erhielt dadurch eine zusätzliche Aufwertung. Victoria besaß dabei von Anbeginn eine militärische Komponente. Abgebildet wird Victoria immer geflügelt, oft mit Kugel, Kranz, Palmzweig, Schiffsbug, Schild, Siegestrophäe.

Die Ähre könnte ein Hinweis auf die Zugehörigkeit von Titus Cloelius zu den Popularen sein. Diese waren eine politische Fraktion in der späten römischen Republik, welche die Sache der Plebejer (der Bürgerlichen) begünstigten. Ähnliche Symbole (zBsp. Maiskolben) auf anderen Münzen konnten schon den Gracchen und deren Reformen ab 133 v.Chr. zugeordnet werden.

Hintergrund:
Die Gens Cloelia war während der ganzen Epoche der römischen Republik eine prominente honorable Patrizierfamilie. Ursprünglich wurden sie Cluilia, gelegentlich Clouilia oder gar Cloulia geschrieben. Der erste der Gens Cloelia, welcher das Konsulat innehatte, war Quintus Cloelius Siculus im Jahr 498 v.Chr.

Die Cluilii waren ursprünglich eine aus Alba Longa stammende Adelsfamilie. Hier lösten sie das Königshaus der Silvii ab. Der Legende nach wurde Numitor, der Großvater von Romulus und Remus, von seinem Bruder Amulius abgesetzt und seine Söhne getötet. Als die Prinzen erwachsen waren, töteten sie Amulius und setzten ihren Großvater auf den Thron zurück. Da er keine überlebenden Söhne hatte, kann es sein, dass der Thron nach Numitors Tod an die Cluilii überging. Der letzte König von Alba Longa und der einzige nach Numitor, dessen Name überliefert ist, war Gaius Cluilius.

Tullus Hostilius, der dritte König von Rom, äußerte während seiner Regierungszeit seine Absicht, Alba Longa zu zerstören und seine Bewohner nach Rom zu verlegen. Cluilius marschierte daraufhin mit einer Armee nach Rom, wo er der Legende nach die Fossa Cluilia, einen irdenen Graben, errichtete, um seine Position zu befestigen. Während seiner Belagerung starb Cluilius jedoch. An seiner Stelle wurde Mettius Fufetius zum Diktator ernannt. Trotz der Hilfe der Fidenaten (Fidenae war eine Siedlung im Latium, welche mit Rom konkurrierte) wurden Fufetius und die Albaner besiegt und ihre antike Stadt zerstört. Seine Einwohner wurden nach Rom verlegt, wo mehrere Adelsfamilien von Alba Longa, darunter die Cluilii, in den Senat aufgenommen und später zu den Patriziern gezählt wurden.

Als es später in der römischen Republik Mode wurde für die eigene Gens mythologische Ursprünge zu reklamieren, beruf sich die Gens von Clolius darauf von einem Gefährten des Aeneas abzustammen. Schon früh trugen die Cloelier den Beinamen Siculus, vielleicht in Anlehnung an die Legende, dass das Volk von Alba Longa eine Mischung aus zwei alten italischen Völkern, den Siculi und den Prisci, war. Gesichert ist jedoch, dass im ersten Jahrhundert der Republik zwei Anführer der Aequi, ein oskanisches Volk in Mittelitalien, den Namen Cloelius trugen.

Über unseren Münzmeister Titus Cloelius selbst ist nicht viel bekannt. Er war 128 v.Chr. triumvir monetalis und stammt wohl aus Tarracina. Er gehörte wahrscheinlich zu den Popularen, eine politische Fraktion in der späten römischen Republik, welche die Sache der Plebejer (der Bürgerlichen) begünstigten. Darauf könnte die abgebildete Ähre auf der Rückseite der Münze hinweisen.

Ein rühmliches Ende war Titus Cloelius nicht vergönnt, er wurde ermordet. In den frühen 90er Jahren wurden seine beiden Söhne am Mord des Vaters angeklagt, jedoch freigesprochen. Man hatte beide, so antike Quellen, am Morgen nach der Tat friedlich schlafend geweckt und ihnen daher nicht so eine ruchlose Tat zugetraut. Der bekanntere Sohn von beiden war Titus Cloelius T. f. – Quästor im Jahr 98 v.Chr. und dann im Jahr 83 v.Chr. Legat der Marine.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Di 23.11.21 17:11

Und dann möchte ich Euch einen wahren römischen Helden der römischen Republik vorstellen: Marcus Sergius Silus

Ihr findet Götz von Bereichen mit seiner eisernen Hand interessant - dann habt Ihr noch nichts von Marcus Sergius Silus gehört. Er war die erste überlieferte Person mit einer künstlichen Handprothese aus Eisen! Und was für Einer! Dreiundzwanzig Mal soll er verwundet worden sein, zweimal entkam er der karthagischen Gefangenschaft. Sieger über endlose Schlachten. Der Mann war ein Haudrauf vor den Göttern.

Seine Geschichte hat mir so gut gefallen, da konnte ich nicht nein sagen und habe mir das Stück Geschichte nach hause bestellt.

Sein Sohn (oder Enkel) widmete ihm eine Münzprägung - hier das Original - ich kopiere aber den Text und Bilder gleich wieder hier rein ins Forum: https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... lus-m0017/
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Di 23.11.21 17:13

denar_marcus_sergius_silus_m0017.jpg



Münze:
Marcus Sergius Silus 116 v.Chr.
Denar der Römischen Republik
Material: Silber
Durchmesser: 18,1mm
Gewicht: 3,85g
Münzstätte: Rom
Erhaltung: VF
Rare: –
Provenienz: Emporium, Hamburg, 08.11.2021
Referenz: Crawford RRC 286/1

Avers:
Zu sehen ist der Kopf der Roma mit geflügeltem Helm nach rechts blickend. Dahinter befindet sich ein Stern als Wertmarke. Die Inschriften Legende links lautet ROMA und rechts EX S C.

Im römischen Reich war Roma eine Gottheit, die als Personifikation den römischen Staat oder die Stadt Rom symbolisierte. Ihr waren einige Tempel und heilige Plätze geweiht. Roma wird 269 v. Chr. erstmals auf As-Münzen aus Rom erwähnt sowie 204 v. Chr. auf römischen Münzen aus Locri in Kalabrien, woraus geschlossen wird, dass die nichtrömische Bevölkerung Roma ebenfalls religiös verehrt haben könnte. Tatsächlich sind die ersten sicher belegten Kulte für Roma in der griechischen Welt zu finden. In diesen Zusammenhang passt, dass ihr in Smyrna 195 v. Chr. ein Tempel errichtet wurde. Ferner wird von Roma-Kulten auf Ephesos, Sardes und Delos berichtet.

Dies Ausschmückung eines Helmes findet sich oft in antiken Darstellungen von Göttern und Göttinnen. So wird der griechische Gott Hermes (lateinisch Mercurius) regelmäßig mit einem Flügelhelm dargestellt. Auch Roma trägt auf Münzen oftmals einen Flügelhelm, wie auch hier auf unserem vorgestellten Denar des Marcus Sergius Silus.

Die Inschrift EX S C (ex senatus consulto) weist hier eine durch Sonderdekret vom Senat autorisierte Münzsonderausgabe hin. Dies bedeutet nicht, dass der Senat sie prägen ließ, sondern dass ihre Prägung die senatus consultum oder senatorische Sanktion (Zustimmung, Billigung) hatte, wenn sie geprägt wurde. Sie bezeichnete auch bestimmte Auszahlungen aus der Staatskasse zur Bestreitung der Ausgaben öffentlicher Spiele.

Revers:
Zu sehen ist ein nach links galoppierender Reiter mit Schild, welcher in der linken Hand ein Schwert und einen abgeschlagenen Barbarenkopf hält. Darunter befindet sich ein Q. Die Inschrift lautet M SERGI SILVS.

Der Münzmeister Marcus Sergius Silus ehrt mit dieser Prägung seinen gleichnamigen Vater oder Onkel. Dieser wird durch die Inschrift M SERGI SILVS identifiziert. Der abgebildete Reiter stellt Silus auf seinem Pferd dar, wie er mit der noch vorhandenen natürlichen linken Hand sowohl das Schwert, als auch den Barbarenkopf hält. Er glorifiziert dessen erreichten militärischen Erfolge und Heldentaten, gleichwohl er durch seine fehlende rechte Hand und der Prothese in seinen kämpferischen Auseinandersetzungen gegen den Feind stark eingeschränkt war. Mit Leichtigkeit galoppiert der Held Silus auf seinem Pferd, während er das Schwert schwingt und er die Trophäen einsammelt.

Hintergrund:
Über den verantwortlichen Münzmeister dieses Silberdenars ist wenig bekannt. Marcus Sergius Silus ließ während seiner Amtszeit als Quästor Münzen schlagen. Robert S. Broughton datiert beides in die Zeit zwischen 99 v.Chr. und 94 v.Chr. während andere Datierungen 116/155 v.Chr. in Betracht ziehen. Sehr populär war allerdings sein gleichnamiger Vater oder Onkel.

Marcus Sergius Silus, der Vater oder Onkel unseres Münzmeisters, war ein römischer Politiker und Offizier aus dem 3. Jahrhundert v.Chr. aus der Familie der Sergier. Die Gens Sergia war eine Familie von hohem Patrizierrang, die laut Virgil seinen Ursprung auf Sergestus, den Begleiter des trojanischen Helden Aeneas, bezog. Er war Urgroßvater des Lucius Sergius Catilina (die Catilinarische Verschwörung). Berühmt ist er aber vor allem als wahrscheinlich erster überlieferter Träger einer Handprothese.

Marcus Sergius Silus kämpfte im Keltenkrieg, dem zweiten Punischen Krieg und im Epirotenkrieg, in dem er die Aeaziden von Epirus besiegte und so das Epirotische Reich dem römischen Reich einverleiben konnte. Als die Epiroten 216 v.Chr. Rom den Krieg erklärten, um Karthago zu unterstützen und auf römische Garnisonen in Illyrien zu marschieren, wurde Silus ausgewählt, um die Entsatz Truppen zu führen.

Nachdem Silus die Epiroten und ihre illyrischen Verbündeten in der Schlacht von Lissus im Jahr 214 v.Chr. besiegt hatte, begann er seinen langen Marsch durch das epirotische Land und begann ihre Städte zu belagern. Epidamnus fiel 211 v.Chr. und zwei Jahre später fiel auch Apollonia. Silus eroberte das heilige Orakel von Dodona und besiegte den letzten Widerstand der Epiroten in der Schlacht von Phylace Ende 208 v.Chr. Er soll sich durch besondere Tapferkeit ausgezeichnet haben. Er wurde laut Überlieferung 23-mal verwundet und konnte zweimal aus karthagischer Gefangenschaft entkommen.

Bei einem seiner Feldzüge verlor er seine rechte Hand. Er ließ sich eine eiserne Kunsthand (dextra ferrea) anfertigen. Mit ihr konnte er sogar ein Schild halten. Karl Sudhoff stellte daher die Theorie auf, die Prothese könnte über einen beweglichen Fingerblock verfügt haben, ähnlich den Eisernen Händen aus der Zeit der Renaissance. Da über die genaue Konstruktion nichts bekannt ist, muss ein Versuch der Rekonstruktion spekulativ bleiben. Andere Hinweise auf weitere Hand- bzw. Armprothesen sind in der griechisch-römischen Antike nicht überliefert.

Marcus Sergius Silus hatte im Jahr 197 v.Chr. das Amt des Praetor urbanus (nach dem Konsul der höchste Stadtbeamte) inne. Als seine Kollegen ihn als körperlich Versehrten von den öffentlichen Opfern (die in seine Zuständigkeit als Stadtpraetor fielen) ausschließen wollten, wehrte Silus sich und hielt eine von Plinius in seiner Naturalis historia fragmentarisch überlieferte Rede, in der er auf seine Kriegstaten verwies.

Plinius siebtes Buch der Naturalis historia:

Niemand kann, zumindest meiner Meinung nach, einen Mann zu Recht über Marcus Sergius stellen, obwohl sein Urenkel Catiline seinen Namen beschämt. In seinem zweiten Feldzug verlor Sergius seine rechte Hand. In zwei Feldzügen wurde er dreiundzwanzigmal verwundet, mit dem Ergebnis, dass er weder in der Hand noch in dem Fuß zu gebrauchen hatte. Nur sein Geist blieb intakt.

Obwohl Sergius behindert war, diente er in vielen folgenden Feldzügen. Er wurde zweimal von Hannibal gefangen genommen, kein gewöhnlicher Feind, dem er zweimal entkam, obwohl er zwanzig Monate lang jeden Tag in Ketten und Fesseln gehalten wurde. Er kämpfte viermal mit nur der linken Hand, während zwei Pferde, die er ritt, unter ihm erstochen wurden. Er hatte eine rechte Hand aus Eisen für sich und zog mit dieser an seinen Arm gebundenen Schlacht in den Kampf, erhob die Belagerung von Cremona, rettete Placentia und eroberte zwölf feindliche Lager in Gallien.

All diese Heldentaten wurden durch seine Rede bestätigt, die er als Prätor hielt. Seine Kollegen versuchten, ihn als gebrechlich von den Opfern abzuhalten. Was für Kränze er angesichts eines anderen Feindes angehäuft hätte!
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