Sammlung Timestheus

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mi 29.12.21 19:21

Und dann für heute die letzte Münze von Aureo & Calico - ein Silberdenar des Lucius Farsuleius Mensor aus dem Jahr 76/75 v.Chr. - über die Rückseite wurde hier ja bereits viel spekuliert - interessant wie viele Experten zu wie vielen verschiedenen Interpretationen kommen. Klären lassen wird sich wohl die Rückseite bis dato nie wirklich ganz.

Hier wieder zur Webseite: https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... sor-m0045/

Und nachfolgend wieder der Forenbeitrag zur Münze.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mi 29.12.21 19:22

silber_denar_lucius_farsuleius_mensor.jpg


Münze:
Lucius Farsuleius Mensor 76/75 v.Chr.
Denar der Römischen Republik
Material: Silber
Durchmesser: 18mm
Gewicht: 3,87g
Münzstätte: Rom
Erhaltung: VF+
Rare: –
Provenienz: Aureo & Calico, Barcelona, 14.12.2021
Referenz: Crawford RRC 392/1b

Avers:
Zu sehen ist der Kopf der Libertas nach rechts, dahinter ein Pileus (randlose Filzkappe) und der Vermerk S C. Die Inschrift lautet: MENSOR.

Libertas stellt in der römischen Welt den personifizierten Begriff der Freiheit dar. Ursprünglich war sie neben Civitas (Bürgerrecht) und Familia (Familienstand) Voraussetzung für die persönliche Rechtsfähigkeit des römischen Bürgers. Verlor der Bürger die „Freiheit“, etwa durch Kriegsgefangenschaft oder durch Todesurteil, erlitt er damit eine capitis deminutio maxima (größte Personenstandsänderung). Er wurde zum Sklaven erniedrigt und fortan als Sache betrachtet. Libertas ist ein Sinnbild für die republikanische Staatsform und damit gegen jegliches Streben nach Alleinherrschaft und tyrannischer Diktatur – gegen regnus, dictatura, tyrannis und dominatio. So steht Libertas auf der hier geprägten Münze als Personifikation der Freiheit, als Verkörperung der persönlichen Freiheit des römischen Bürgers.

Der Pileus ist eine römische Filzmütze, welche traditionell von Fischern, Handwerkern (Schmieden) und Reisenden getragen wurde. Das Aufsetzen der runden, eng am Kopf anliegenden Mütze (pileus libertatis) gehörte zur Zeremonie bei der Freilassung von Sklaven und ist darum auch als Attribut der Libertas (Personifikation der Freiheit) auf römischen Münzen zu finden.

Die Vermerk S C (senatus consulto) weist hier eine durch Sonderdekret vom Senat autorisierte Münzsonderausgabe hin. Dies bedeutet nicht, dass der Senat sie prägen ließ, sondern dass ihre Prägung die senatus consultum oder senatorische Sanktion (Zustimmung, Billigung) hatte, als sie geprägt wurde.

Eine Hypothese zur Deutung der Libertas auf der Vorderseite der Münze – ist die anfängliche Wiederherstellung der tribunizianischen Autorität zur Prägezeit des Denars.

Im Jahr 81 v.Chr. beraubte der ‎‎Diktator‎‎ ‎‎Sulla,‎‎ der das Tribunat als Bedrohung für seine Macht ansah, die Tribunen ihrer Befugnisse, Gesetze zu initiieren und ein Veto gegen Gesetze des Senats einzulegen. Er verbot ehemaligen Tribunen auch, ein anderes Amt zu bekleiden, was die Verwendung des Tribunats als Sprungbrett in höhere Ämter effektiv verhinderte. Obwohl die Tribunen die Macht behielten, für einzelne Bürger zu intervenieren, ging der größte Teil ihrer Autorität unter Sullas Reformen verloren. Ehemalige Tribunen wurden ab 75 v.Chr. wieder in ‎‎die jährlichen Magistraturen aufgenommen,‎‎ und die tribunizianische Autorität wurde 70 v.Chr. von den Konsuln ‎‎Gnaeus Pompeius Magnus‎‎ und ‎‎Marcus Licinius Crassus‎‎ vollständig wiederhergestellt.

Die Inschrift MENSOR identifiziert den Münzmeister Lucius Farsuleius Mensor.

Revers:
Zu sehen ist Mars in einer Biga nach rechts, mit Zügeln und Speer in der linken Hand, reicht er einem Bürger (cives) die rechte Hand und lädt ihn zum Einsteigen ein. Die Inschrift lautet: L FARSVLEI.

Es gibt viele verschiedene Experten Interpretationen und Deutungsversuche in Bezug auf die Rückseitendarstellung. Wenn eines als gesichert gilt, dass nichts gesichert ist. Jede der Theorien hat ihre Für- und Widerargumente. Dies beginnt bereits bei der Interpretation der abgebildeten Figuren, welche bis heute nicht zweifelsfrei bestimmt werden konnten.

Babelon hielt im Verbund mit Libertas auf der Vorderseite einen Bezug auf die lex Iulia des Jahres 90 v.Chr. – durch die die Italiker das römische Bürgerrecht erhielten – für möglich. Der Genius populi Romani helfe dem Genius Italiae in die Biga. Dem wäre entgegenzuhalten, dass dem Genius populi Romani das zu erwartende Füllhorn fehlt und das kriegerische Schema nicht passt. Grüber bemühte sich, dieser Interpretation auch noch einen familienbezogenen Hintergrund zu geben und hält auf unzulässige Weise eine Beteiligung eines Mitgliedes der Gens Farsuleia am Zustandekommen der lex Iulia für möglich.

Zehnacker sieht auf der Rückseite die Göttin Roma, die einem Togatus in eine Biga hilft und versucht einen Zusammenhang zwischen Libertas (Vorderseite), welche die Vergabe aller bürgerlichen Rechte an die Italiker kennzeichne und Civitas (Rückseite) herzustellen. Dem entgegnet Hollstein jedoch, dass Roma auf Republikanischen Münzen niemals in einer Biga oder Quadriga steht und dass die Biga, welche bei Zirkusrennen und Prozessionen Anwendung fand und damit Vorstellungen von Kampf und Sieg weckt, ein Symbol der Civitas sein soll.

In dieselbe Richtung wie Zehnacker zielt Crawford. Auch er verweist auf die in den siebziger Jahren vor Christus immer noch nicht vollständige Einbürgerung der ehemaligen Bundesgenossen in die civitas Romana. Doch passt dann seine Identifikation der Figur in der Biga als Krieger oder Kriegsgott Mars nicht. Dies entspräche dann der Interpretation eines Handschlags zwischen einem Gepanzerten (Soldaten) und einem Togatus als Wahrzeichen der Eintracht (concordia) zwischen militärischen und politischen Kräften. Die Rückseite, so Hollstein, zeige aber keine betonte concordia Symbolik, wie zum Beispiel auf anderen Münztypen (RRC 403/1), wo sich Roma und Italia auf gleicher Ebene die Hand reichen.

Alföldi erkannte in der Biga Roma oder Minerva, welche einem vornehmen Torgatus beim Besteigen der Biga behilflich ist. Er sah damit eine Verherrlichung der Aristokratie der späten Republik. An anderer Stelle ließ er einen Vorfahren des Lucius Farsuleius Mensor in die Biga der Minerva steigen.

Rossbach wiederum führte die Rückseiten Darstellung auf eine nicht überlieferte Familiensage der Gens Farsuleia zurück. So wollte er in dem togatus möglicherweise den Ahnenherrn der Familie erkennen, der von Mars aus großer Gefahr gerettet wurde. Doch kommt diese Deutung nicht über eine Spekulation hinaus. Dies steht auch für eine weitere These von Rossbach, in der Biga stehe Romulus und der togatus sei seine Gattin Hersilia, deren Namen an das nomen gentile Farsuleius erinnern solle.

Bei der Interpretation der Figur in der Biga geht Hollstein von Mars aus. Auf dem Denartyp RRC 392/1a befindet sich ein Skorpion unter den Vorderhufen beider Pferde. Dies liefere einen Anhaltspunkt, dass der Kriegsgott in der Biga steht. Astrologisch gesehen, war das Sternbild Skorpion das Haus des Mars. Dieser bittet einen togatus, also einen civis, der (noch) nicht miles ist, in seine Biga. Misst man der Darstellung also keinen symbolischen, sondern einen konkreten Hintergrund bei, so könnte man an eine Aushebung von Soldaten denken.

Sallust überliefert eine Rede des Konsuls Gaius Aurelius Cotta 75 v.Chr. – in diesem Jahr befand sich Rom in einer äußerst schwierigen Lage. So war der Anlass dieser Rede eine nur mit Mühe gebändigte Hungerrevolte in der Hauptstadt. Cotta weist außerdem auf die äußeren Probleme Roms hin, wobei Sertorius und Mithradates an erster Stelle genannt werden. Das römische Volk musste sein Augenmerk auf Spanien und Asien, auf Sertorius und Mithradates, richten. Beide hatten sich zudem zu einem Bündnis gegen Rom zusammengeschlossen. Dies waren die Hauptgegner Roms, welches es zu besiegen galt.

Eine der Widrigkeiten und Anstrengungen, welche das Volk um des Staates Willen auf sich nehmen musste, war sicherlich die Aushebung neuer Truppen. Diese Thematik nahm wahrscheinlich der Farsuleius Denar auf. Der Kriegsgott Mars bittet einen Bürger in seine Biga, sprich zum Kriegsdienst. Es sollte damit ausgedrückt werden, dass zum Sieg über die beiden großen Gegner Roms die Bereitstellung neuer Soldaten unabdingbar waren. Der S C Vermerk auf der Vorderseite könnte darauf hinweisen, dass die Prägung des Denars auf Senatsbeschluss veranlasst wurde, um Sondermittel für stipendia bereitzustellen. (Quelle: Wilhelm Hollstein, Die Stadtrömische Münzprägung der Jahre 78-50 v.Chr.)

Wie bereits geschrieben, ist keine der Interpretationen gesichert. Sicher ist – die historischen Rahmenbedingungen um 75 v.Chr. lassen viele möglichen Interpretationen aus meiner Sicht zu. Der Bundesgenossenkrieg war noch nicht lange her, Sullas Militärdiktatur dürfte noch nachgewirkt haben, mit Sertorius und Mithradates bedrohten zwei mächtige Gegner das freie Rom. Aus meiner Sicht viele Gründe für einen Handschlag zwischen einem abgebildeten Militär und einem zivilen Bürger, welche hier in Frage kommen. Vielleicht war es auch eine allgemeine Symbolik – ein Zusammenhalt des Militärs und der Bürgerschaft in diesen unruhigen turbulenten Zeiten – für die Freiheit der römischen Republik.

Die Inschrift L FARSVLEI identifiziert den Münzmeister Lucius Farsuleius Mensor.

Hintergrund:
Die ‎‎gens Farsuleia‎‎ war eine obskure ‎‎plebejische‎‎ Familie im ‎‎antiken Rom,‎‎ welche hauptsächlich durch Münzen und Inschriften aus den letzten Jahrzehnten der ‎‎Republik‎‎ und der Kaiserzeit bekannt ‎‎war.‎‎ Keines ihrer Mitglieder hatte eine der höheren ‎‎Magistraturen‎‎ des römischen Staates inne.‎ Der Münzmeister Lucius Farsuleius Mensor ist lediglich aufgrund dieses Denartypes bekannt. Auf Landverteilung oder besser gesagt Landvermessung weist offensichtlich sein Cognomen Mensor hin. Crawford leitet daraus „popularis sympathies“ ab. Träfe dies zu, dann wäre die durch den Pileus gekennzeichnete Libertas auf der Vorderseite die libertas der Popularen.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mi 29.12.21 20:53

Eigentlich wollte ich mir einen Münzkasten von Alberto Zacchi bestellen, nachdem ich mit den Münzbüchlein sehr zufrieden war. Allerdings muss ich bei Bestellung die Größe der Fächer aussuchen und bekomme dann die Schubkästen so, wie bestellt. Sprich - sollte sich im Laufe der Monate was ändern - muss ich ggfs. mir neue Schubkästen mit anderen Größen nachbestellen. Und das ist dann bei einzelnen Schubkästen so eine Sache - da der Versand mindestens 19 Euro kostet - lohnt also erst, wenn man mehrere Sachen bestellt.

Dann war ich mir ja nicht sicher ob Münzkapseln oder Heftchen - habe beides ausprobiert - aber Münzen so isoliert - ich habe die Münzen gerne zwischen den Fingern - ist dann doch nicht so meines.

Lange Rede - kurzer Sinn - ich habe nach langem Überlegen und Hin- und Her mich für die Holzboxen von SAFE entschieden, welche heute auch angekommen sind. Pro Box und je nach Aktionsangebot liegt man bei 22-25 Euro. Man kann die Boxen super aufeinander stapeln und erhält so auch mit der Zeit eine Art "Kasten". Vor allem aber kann ich Versandkostenfrei oder zumindest mit niedrigen Versandkosten immer wieder auch einzelne Boxen mit neuen Größeneinheiten dazu kaufen und völlig frei mischen. Oder nach Corona auch einfach im örtlichen Fachhandel kaufen.

006840-nova-exquisite_saetze_1.jpg


Es sind diese SAFE Nova Exquisite Holzboxen: https://www.safe-album.de/nova-standard-4666

Sind heute angekommen und wie gesagt sehr zufrieden was Preis & Leistung angeht. Es umweht den Holzkasten kein Flair eines Alberto Zacchi - dafür liegen da aber auch preisliche Unterschiede. Aber für die rund 25 Euro bekommt man dafür auch keinen Plastikkasten. Von daher finde ich wie geschrieben das Preis/Leistungsverhältnis sehr gut. Jetzt kaufe ich mir immer wieder eine entsprechend große Kassette dazu, je nachdem wie benötigt.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Lucius Aelius » Do 30.12.21 05:28

Danke für diesen Beitrag 👍
Bei mir lagert alles in Lindner-Platikschubladen 🤮 ( so um die 11/14 € damals gekauft).
Manchmal, wenn ich die Münzen rausnehmen und beim Betrachten in der Hand drehe, schimmern rote oder blaue Pünktchen - das ist aber kein Farbenspiel der nachdunkelnden Silberpatina, sondern Fasern vom Unterlagen-Velour 😖
Gruss
Lucius Aelius

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Perinawa » Do 30.12.21 07:08

Gute Wahl!

Ich habe die Safe Nova Boxen ebenfalls, allerdings in der besonders edlen Ganz-Plaste-Ausführung mit integriertem Sichtfenster und praktischer Von-Aussen-Betrachtungsfunktion. 8) :P :wink:

Grüsse
Rainer
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Do 30.12.21 10:20

Ach jedem das Seine. Ich bin so ein Holz Fan. Überall. Selbst meine Handy Hülle ist im Holz Furnier... Plastik mag ich nicht. Aber das ist ja persönliche Geschmacksache und nicht das die Kunststoff Kasten qualitativ schlechter sind.

Das sollte nicht abwertend rüber kommen.

Innen sind die Böden Eurer Boxen exakt die Gleichen wie bei der Mahagoni Safe Box. Kunststoff Velour.

Aber die Münzen haben es 2000 Jahre geschafft so zu sein wie sie sind. Da werden sie meine letzten rund 20 Sammlerjahre in Holzboxen auf Kunststoff Velour auch unbeschadet überstehen.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Perinawa » Do 30.12.21 10:51

Timestheus hat geschrieben:
Do 30.12.21 10:20
Das sollte nicht abwertend rüber kommen.
Kam es auch nicht. :D

Für meine Münzlein reicht mir das. Ist halt schön kompakt.

Für meine "Bauten" hätte ich irgendwann schon mal gerne etwas anderes. Da gibt es allerdings nix von der Stange, weil ich verschieden grosse Fächer brauche. Dann werde ich sicherlich einen guten Freund aus der Zunft der begnadeten Schreinermeister bemühen. :wink:
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von shanxi » Do 30.12.21 12:22

Perinawa hat geschrieben:
Do 30.12.21 10:51
Da gibt es allerdings nix von der Stange, weil ich verschieden grosse Fächer brauche.
Man kann die Stege der Tabletts für einzelne größere Münzen genau passend entfernen. Kesezwerg hat das in einem anderen Thread gezeigt. IMHO eine einfache und günstige Lösung. Die Einsätze kann man ja wenn nötig einzeln nachkaufen.

viewtopic.php?f=30&t=64274&start=15#p546543

download/file.php?id=161861&mode=view

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Lucius Aelius » Do 30.12.21 18:05

Gruss
Lucius Aelius

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Fr 31.12.21 13:11

Heute zum Jahreswechsel möchte ich Euch den Silberdenar des Lucius Calpurnius Piso Frugi aus dem Jahr 90 v.Chr. welchen ich bei Jean Elsen erworben habe vorstellen. Es gibt ja fast keine Auktion, bei welcher dieser Denartyp nicht mindestens einmal angeboten wird. Man kann da schon fast auch von Massenware sprechen. Interessant wohl auch für manche Spezialsammler, das es gerade bei dem Denartyp massig Variationen der Kontrollmarken gibt.

Mein Exemplar hat einen Dreizack auf der Vorderseite und einen Hammer auf der Rückseite. Finde ich ganz nette Kontrollmarken und damit ist für mich auch der Denartyp abgehakt ;) ... mehr Exemplare muss ich dann auch nicht in der Sammlung haben.

Hier wie immer zur original Webseite: https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... ugi-m0042/

Und im nächsten Beitrag kommt die Vorstellung fürs Forum.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Fr 31.12.21 13:13

silber_denar_lucius_piso_frugi.jpg


Münze:
Lucius Calpurnius Piso Frugi 90 v.Chr.
Denar der Römischen Republik
Material: Silber
Durchmesser: 19mm
Gewicht: 3,74g
Münzstätte: Rom
Erhaltung: EF-
Rare: –
Provenienz: Jean Elsen, Brüssel, 10.12.2021
Referenz: Crawford RRC 340/1

Avers:
Zu sehen ist der Kopf des Apollo nach rechts. Dahinter ist ein Dreizack abgebildet. Unter dem Kinn befindet sich ein R.

Apollon (lateinisch Apollo) ist in der griechischen und römischen Mythologie der Gott des Lichts, der Heilung, des Frühlings, der sittlichen Reinheit und Mäßigung sowie der Weissagung und der Künste, insbesondere der Musik, der Dichtkunst und des Gesangs. Außerdem ist er ein Gott der Heilkunst und der Bogenschützen. Als im kleinasiatischen Didyma gezeugter Sohn des Göttervaters Zeus und der Göttin Leto (lateinisch Latona) gehörte er wie seine erstgeborene Zwillingsschwester Artemis (lateinisch Diana) zu den Olympischen Göttern, den zwölf Hauptgöttern des griechischen Pantheons. Das Heiligtum in Delphi, die bedeutendste Orakelstätte der Antike, war ihm geweiht.

Der Ursprung des Apollon-Kults wird in Kleinasien vermutet. Die Etymologie des Namens Apollon ist ungeklärt. Möglicherweise bedeutete er auf Griechisch Verkünder, Zerstörer bzw. Vernichter oder aber Unheilabwehrer. Homer nannte ihn in der Ilias auch Smintheus (Rattenvertilger) und der fernhin Treffende. Als Phoibos Apollon (der Leuchtende) wurde er auch mit dem Sonnengott Helios gleichgesetzt.

Als Beschützer der Künste und der Musik stand Apollon den neun Musen vor (Beiname Musagetes) und war zugleich ein Sühnegott. Auch wurde er als Apollon Epikurios, als Gott der Heilkunst angesehen und bewahrte als solcher die Bewohner von Phigaleia vor einer Pestepidemie, die ihm aus Dank den Apollontempel bei Bassae errichteten. Aber auch in anderen Bereichen des Lebens spielte er eine Rolle. Er brachte (wie der babylonische Gott Nergal) Krankheit, Tod und Vernichtung und schickte die Pest im Trojanischen Krieg ins Lager der Griechen. Gleichzeitig bewirkte er Rettung vor Gefahren, z. B. in der Funktion des Apollon Smintheus, des „Vernichters der Mäuse“, oder des Apollon Lykeios als Beschützer der Herden vor den Wölfen. Als Heilgott waren mit ihm die Weissagung und die Orakelstätten verbunden. Durch den Tod Pythons gelangte Apollon an dessen seherische Fähigkeiten und wurde auch Apollon Pythios genannt, zu seinen Ehren wurden die Pythischen Spiele gefeiert.

Er konnte die Gabe der Weissagung an Sterbliche, wie an Kassandra, die Tochter des Priamos, verleihen. Im Trojanischen Krieg stand er auf Seiten der Trojaner und griff durch gezielte Bogenschüsse in die Kämpfe ein. Als Rächer sandte er mit seinen Pfeilen die Pest in das Lager der Griechen, weil sie die Tochter eines Apollonpriesters gefangen genommen und versklavt hatten.

Abgesehen von für die Figur typischen Berichten wie dem musischen Wettkampf mit dem Hirtengott Pan tritt Apollon in auffällig vielen Geschichten, die von ihm erzählt werden, als Rächer oder Töter auf. So tötete er die Niobiden und den Riesen Tityos, der seine Mutter vergewaltigen wollte. Er tötete den Satyr Marsyas, weil der sich nachsagen ließ, schönere Musik zu machen als der Gott. Orestes befahl er, dessen eigene Mutter Klytaimnestra zu töten, um den Mord an dessen Vater Agamemnon zu rächen. Die Erinnyen, die das nicht duldeten, schlugen Orest darauf mit Wahnsinn, Apollon verteidigte ihn aber erfolgreich vor dem Areopag in Athen gegen sie und Klytaimnestras Geist.

Revers:
Zu sehen ist ein galoppierender Reiter (Desulutor?) nach recht, darüber ein abgebildeter Hammer. Darunter die Inschrift: L PISO FRVG. Darunter ein Wertzeichen E.

Die Abbildung der Rückseite könnte (in Verbindung zu den Ludi Apollinares) einen sogenannten Desulutor oder auch Apobates – einen Pferdespringer – zeigen. Diese Bezeichnung wird auf Personen angewendet, welche in der Lage sind von einem Pferd oder Wagen auf zum anderen zu springen. Schon in der homerischen Zeit findet sich die Beschreibung eines Mannes, welcher im vollen Galopp vier Pferde nebeneinanderhält und inmitten einer Menge bewundernder Zuschauer von einem zum anderen springt. Eustathius versichert (über Homers Illias Lib IV), dass Reiter bis zu sechs Pferde neben sich haben konnten.

Bei anderen Völkern wurde diese reiterliche Kunst auch zu militärischen Zwecken angewendet. So berichtet Livius über eine Reiterabteilung in der numidischen Armee, in welcher jeder Soldat in der Schlacht mit ausreichend Pferden versorgt wurde. War im Kampf sein Pferd ermüdet oder verletzt, sprang der numidische Reiter in voller Ausrüstung und Montur vom erschöpften auf das noch ausgeruhte frische Pferd.

In den Spielen des römischen Zirkus war diese Darbietung sehr beliebt. Der römische Desulutor ritt in der Regel nur zwei Pferde gleichzeitig, saß ohne Sattel auf ihnen und sprang nach Belieben zwischen den zwei Pferden hin und her. Er trug dabei einen Hut oder eine Mütze aus Filz. Die Vorführung des Pferdespringens waren derart beliebt, dass sie im Zirkus ein fester Bestandteil neben den Darbietungen mit Pferde Biga und Quadriga waren.

Erstmals im Jahr 112/111 v.Chr. erscheint das Motiv eines Desulutors auf einem Denar der römischen Republik (RRC 297/1) des Titus Quinctius – bis es 90 v.Chr. durch diesen Denartyp des Piso Frugi erneut aufgenommen wird. Danach erscheinen noch weitere Prägungen unter Gaius Marcius Censorinus 88 v.Chr. (RRC 346/1), dem Sohn Piso L. f. Frugi 67 v.Chr. (RRC 408/1b) und dem sehr seltenen Denar des Publius Sepullius Macer 44 v.Chr. (RRC 480/20 und 481/21).

Die Inschrift L PISO FRVG identifiziert den Münzmeister Lucius Calpurnius Piso Frugi.

Hintergrund:
Die Denare des Münzmeisters Lucius Calpurnius Piso Frugi wurden im Jahr 90 v.Chr. massenhaft geprägt, um den immensen Ausgaben des sogenannten Bundesgenossenkrieges, den der römische Staat gegen seine italischen Verbündeten führte, gerecht zu werden. Um die Kontrolle über die zahlreichen Emissionen und die dabei verwendeten Münzstempel zu erhalten, wurde ein System von Beizeichen in Form von kleinen Bildern, Buchstaben oder Zahlen angewandt, das sich allerdings in seiner Komplexität und Beliebigkeit als unpraktisch erwies.

Die Bildmotive dieser riesigen Münzserie lassen sich mit den Ludi Apollinares, den Spielen zu Ehren des Apollon im Circus Maximus, in Verbindung bringen, die auf Initiative eines Vorfahren des Münzmeisters, Gaius Calpurnius Piso in den römischen Festkalender aufgenommen worden waren. Die Ludi Apollinares waren feierliche Spiele (ludi), welche jährlich von den alten Römern zu Ehren des Gottes Apollo abgehalten wurden. Die Tradition besagt, dass sie bei der ersten Feier plötzlich vom Feind überfallen wurden und gezwungen waren, zu ihren Waffen zu greifen. Eine Wolke von Pfeilen und Pfeilen fiel auf ihre Feinde, und die Römer kehrten bald siegreich zu ihren Sportarten zurück.

Der historische Hintergrund der Spiele ist der zweite Punische Krieg und die im Jahr 212 v.Chr. prekäre Lage der römischen Republik gegen Hannibal und Karthago. Wie zu anderen Zeiten auch wurden die Spiele verwendet, um die Ängste der Öffentlichkeit zu zerstreuen und sie von Hannibals Invasion abzulenken. Zu dieser Zeit, mitten in der Krise nach der Niederlage von Cannae, gab der Prätor Marcus Aemilius, um die Ausbreitung des Aberglaubens einzudämmen, den Befehl, alle vorhandenen prophetischen Texte zu inspizieren.

So wurde er auf zwei Orakel aufmerksam, welche von einem Seher (Vates) Marcius gemacht wurden, den Carmina Marciana. Das erste Orakel deutete die katastrophale Niederlage der Römer gegen Hannibal bei Cannae an. Das Zweite empfahl, Apollo durch Spiele zu ehren, was dann im Jahr 212 v.Chr. auch erstmalig geschah. Allerdings gab es anfangs ein Gelübde, die Spiele nur einmal zu halten.

Es gibt einige Theorien darüber, wer nun genau die Ludi Apollinares zu jährlichen Spielen gemacht hat. Eine Version schlägt Lucius Varus vor, den damaligen praetor urbanus, welcher dieses Gelübde erneuert haben soll und die Spiele 210 v.Chr. erneut feierte. Sie wurden dann 208 v.Chr. durch Varus als kurulischer Ädil per Gesetz zu einem jährlichen Fest gemacht. Die Spiele wurden am 13. Juli gefeiert und dauerten vermutlich 8 oder 9 Tage. In diesem Jahr wütete in Rom auch eine schwere Pest, was den Bezug zu Apollo und den Spielen erklären könnte.

Livius (26.23.3) vermutet jedoch, dass es Gaius Calpurnius Piso und nicht Lucius Varus war, welcher die Spiele ab 211 v.Chr. als Prätor dauerhaft einführte. Livius: „Die Apollo Spiele waren im Jahr (212 v.Chr.) ausgestellt worden und als der Prätor Calpurnius die Frage ihrer Wiederholung im nächsten Jahr gestellt hatte, erließ der Senat ein Dekret, dass sie für alle Zeiten eingehalten werden sollen“. Und er fährt fort: „Dies ist der Ursprung der Apollinarianischen Spiele, die zum Zwecke des Sieges und nicht, wie allgemein angenommen, im Interesse der öffentlichen Gesundheit ins Leben gerufen wurden“.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von cmetzner » So 02.01.22 01:08

Timestheus hat geschrieben:
Fr 31.12.21 13:13
silber_denar_lucius_piso_frugi.jpg


Avers:
Zu sehen ist der Kopf des Apollo nach rechts. Dahinter ist ein Dreizack abgebildet. Unter dem Kinn befindet sich ein R.
Steht das Monogramm "R" etwa für R(OMA)?

Gruß
Christiane

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Altamura2 » So 02.01.22 08:07

cmetzner hat geschrieben:
So 02.01.22 01:08
... Steht das Monogramm "R" etwa für R(OMA)? ...
Nein, eher nicht :? . Das ist ein Beizeichen, wie man sie auf vielen republikanischen Denaren findet, mit denen man wohl den Überblick über die Emissionen behalten wollte. Es gibt auf den Denaren des C. Piso Frugi ja noch jede Menge andere: https://www.acsearch.info/search.html?t ... sd&order=0

Zu diesen Beizeichen allgemein gibt es einen schönen Überblicksartikel von Richard Witschonke, "The use of die marks on Roman Republican coinage", RBN CLVIII, 2012, S. 65-86: https://brooklynsabbatical.files.wordpr ... ks-rbn.pdf
dort findet man auch viele Verweise zu weiteren Artikeln zu diesem Thema.
Insbesondere wäre das C.A. Hersh, "A Study of the Coinage of the Moneyer C. Calpurnius Piso L.f. Frugi", NC XVI, xvi, 1976, S. 7-63 (hab' ich aber online frei verfügbar nicht gefunden :? , über JSTOR kommt man aber ran).

Gruß

Altamura

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von kiko217 » So 02.01.22 10:34

Danke für den Hinweis auf Witschonke!

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mi 05.01.22 19:54

Heute möchte ich Euch meinen Denar des Lucius Flaminius Chilo aus dem Jahr 109 v.Chr. vorstellen - welchen ich bei Jesus Vico ersteigert habe. Hier geht es wieder zur original Webseite: https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... ilo-m0049/

Und nachfolgenden wieder die Zusammenfassung für das Forum.
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