Sammlung Timestheus

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Timestheus
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mi 05.01.22 19:55

silber_denar_lucius_flaminius_chilo.jpg



Münze:
Lucius Flaminius Chilo 109 v.Chr.
Denar der Römischen Republik
Material: Silber
Durchmesser: 18mm
Gewicht: 3,89g
Münzstätte: Rom
Erhaltung: EF-
Rare: –
Provenienz: Jesus Vico, Madrid, 14.12.2021 (Ex Vico Sammlung)
Referenz: Crawford RRC 302/1

Avers:
Zu sehen ist der behelmte Kopf der Roma nach rechts, davor eine Wertmarke X. Die Inschrift lautet: ROMA.

Im römischen Reich war Roma eine Gottheit, die als Personifikation den römischen Staat oder die Stadt Rom symbolisierte. Ihr waren einige Tempel und heilige Plätze geweiht. Roma wird 269 v.Chr. erstmals auf As-Münzen aus Rom erwähnt sowie 204 v.Chr. auf römischen Münzen aus Locri in Kalabrien, woraus geschlossen wird, dass die nichtrömische Bevölkerung Roma ebenfalls religiös verehrt haben könnte. Tatsächlich sind die ersten sicher belegten Kulte für Roma in der griechischen Welt zu finden. In diesen Zusammenhang passt, dass ihr in Smyrna 195 v.Chr. ein Tempel errichtet wurde. Ferner wird von Roma-Kulten auf Ephesos, Sardes und Delos berichtet.

Dies Ausschmückung eines Helmes findet sich oft in antiken Darstellungen von Göttern und Göttinnen. So wird der griechische Gott Hermes (lateinisch Mercurius) regelmäßig mit einem Flügelhelm dargestellt. Im Bezug auf die Darstellung des Flügelhelmes der Roma auf römischen Münzen besteht der Schmuck immer aus dem gleichen Motiv – dem Greifen oder besser Teilen von ihm. Man erkennt den geschnäbelten Kopf mit langen, spitzen Ohren, den Stachelkamm, der sich der Helmkontur entlang zieht, sowie dem Greifenflügel. Die Stacheln verschwinden dabei allmählich im Laufe des 1. Jahrhunderts v.Chr. Geht man vom Ursprung dey Typus nach, lässt sich der Greif nicht ableugnen. Er stammt von einer anderen Helmform , mit der Roma in früheren Bronzeprägungen abgebildet wurde, dem sogenannten phrygischen Helm. Diese Form kam wahrscheinlich aus Tarent nach Rom.

Dieser haubenförmige Helm, oft mit Greifenschmuck, war nach Hans Peter Laubscher für die tarentinische Athena schon seit dem 5. Jahrhundert v.Chr. charakteristisch. In der römischen Münzprägung wurde die Greifenhaube zwar schon im ausgehenden 3. Jahrhundert v.Chr. durch den Legionshelm abgelöst, ohne jedoch ganz zu verschwinden und ohne den Greifen zu verlieren. Diese Greifenteile waren, wie es scheint, für Roma so unverzichtbar, dass man Protome, Kamm und Flügel so gut es ging mit der hellenistisch-römischen Helmform verband (Quelle: Erika Simon, Schriften zur etruskischen und italischen Kunst und Religion, Seite 205).

Bei dem abgebildeten X oder Stern handelt es sich um eine sogenannte Wertmarke. Ein X stand dabei für die Zahl 10 und bedeutete, dass dieser Silberdenar das zehnfache eines As wert war. Um das Jahr 130 v.Chr. wurde der Denar auf 16 Asse abgewertet, erkenntlich ab diesem Zeitraum dann mit einem Stern als Beizeichen und Wertmarke (statt dem vorher verwendeten X).

Revers:
Zu sehen ist Victoria mit Kranz in einer Biga nach rechts fahrend. Die Inschrift lautet: L FLAMINI CILO.

Die Ursprünge des häufigsten Rückseitenmotivs der republikanischen Münzprägung finden sich nicht in Rom, sondern in den griechischen Städten Siziliens. In Qualität und Ästhetik waren die dort ausgegebenen Münzen den römischen weit überlegen, weshalb die für die Prägungen zuständigen Beamten in Rom gerne griechische Bildmotive entlehnten, auch wenn diese dabei ihre konkrete Bedeutung verloren. Die geflügelte Siegesgöttin verkündet als griechische Nike in der Münzprägung von Städten wie Syrakus und Selinunt den Sieg im Wagenrennen bei einem der großen griechischen Wettkämpfe, als römische Victoria auf dem eilenden Zweigespann verbildlicht sie auf allgemeine Weise den schnellen militärischen Sieg des Heeres (Quelle: Sonja Kitzberger).

Lorbeer Kranz und Palmenzweig sind die typischen Attribute der Victoria, welche die ursprünglichen Siegestrophäen bei der griechischen Palästra und den panhellenischen Spielen waren. Beides wurde im römischen Sinne assimiliert und ausgeweitet. Kranz und Palmenzweig konnte jemand auch für sich reklamieren, welcher viele ehrenvolle Taten und Siege im militärischen Sinne vollbracht hatte. Zudem ist Victoria ein geflügeltes Wesen, welches die Flüchtigkeit und Nähe von Sieg und Niederlage symbolisiert. In der römischen Siegessymbolik war es Victoria, welche die Früchte des Erfolges überreichte.

Zeitgleich mit dem ersten Venustempel, wurde im 3 Jahrhundert v.Chr. auf dem Palatin der erste Victoriatempel errichtet. Die Einweihung des ersten Tempels erfolgte am 01. August 294 v.Chr. durch den Konsul Lucius Posumius Megellus, ein zweiter Tempel wurde am 01. August 193 v.Chr. durch Marcus Porcius Cato eingeweiht. Archäologische Grabungen konnten den ersten Tempel „aedes Victoriae“ (Victoriatempel) schräg der Magna Mater lokalisieren. Während dem zweiten Punischen Krieg wurde der Meteor von Pessinus im Victoriatempel aufbewahrt.

Da Victoria keine eigentliche Göttin darstellt – sondern eine römische Personifikation des Sieges und günstigen Erfolges – konnte sie den traditionellen Gottheiten beigegeben werden und erhielt dadurch eine zusätzliche Aufwertung. Victoria besaß dabei von Anbeginn eine militärische Komponente. Abgebildet wird Victoria immer geflügelt, oft mit Kugel, Kranz, Palmzweig, Schiffsbug, Schild, Siegestrophäe.

Die Inschrift L FLAMINI CILO identifiziert den Münzmeister Lucius Flaminius Chilo.

Hintergrund:
Flaminius war ein römisches Gentilnomen. Die gens Flaminia war plebejisch und vor allem aus den letzten drei Jahrhunderten der römischen Republik bekannt. Bekanntester Namensträger war Gaius Flaminius, Konsul 223 und 217 v.Chr. der in der Schlacht am Trasimenischen See gegen Hannibal fiel.

Gaius Flaminius war ein römischer Staatsmann aus der plebejischen gens Flaminia und führender Vorkämpfer der Plebejer gegen die herrschende patrizische Nobilität. In diesem Sinn wirkte er bereits 232 v.Chr. als Volkstribun. Im Jahr 227 v.Chr. war er als Prätor der erste römische Statthalter der Provinz Sicilia. In seinem ersten Konsulat 223 v.Chr. besiegte er die keltischen Insubrer. Nach seiner Zensur 220 v.Chr. fiel er 217 v.Chr. in der Anfangsphase des Zweiten Punischen Krieges in der Schlacht am Trasimenischen See. Die senatorische römische Geschichtsschreibung stellte seine Gestalt verzerrt äußerst ungünstig dar. Er sei ein volksfreundlicher Demagoge gewesen, der häufig gegen den Willen des Senats gehandelt und aufgrund persönlicher Charakterfehler wie übermäßigem Ehrgeiz sowie wegen Götterfrevels Schlacht und Leben gegen Hannibal verloren habe. So erscheint er als Antiheld und negatives Gegenstück zum nach seinem Tod zum Diktator ernannten frommen und senatstreuen Quintus Fabius Maximus Verrucosus.

Die katastrophale Niederlage von Flaminius gegen die Karthager hat sein Bild in der Überlieferung stark verzerrt. Tatsächlich war er in der Zeit vor dem Zweiten Punischen Krieg nicht nur militärisch und politisch erfolgreich, er konnte sich offenbar auf breite Unterstützung nicht nur von Seiten des Volks, sondern auch von Teilen der Senatsaristokratie verlassen – anders wäre seine steile Karriere, die ihn zu höchsten Ämtern wie der Zensur und einem zweiten Konsulat führte, nicht erklärbar. Erst der Misserfolg seines offensiven Vorgehens gegen Hannibal führte dazu, ihn bequem zum Sündenbock abzustempeln. Die Motivation dafür lag nicht nur im Hass vor allem der patrizischen Nobilität auf Flaminius, sondern auch in deren allgemeinem anfänglichen Versagen, Hannibal effektiv bekämpfen zu können, was das Vertrauen in ihre Führungsqualitäten erschütterte. Indem man Flaminius die Hauptschuld an der für Rom existenzbedrohenden Kriegsentwicklung anlastete und seine Niederlage neben Charakterschwächen insbesondere mit seiner angeblichen Verachtung der Götter begründete, konnten die Senatoren die Verantwortung auf ihn abwälzen. Alle wesentlichen negativen Züge des Geschichtsbilds von Flaminius gehen wahrscheinlich auf Fabius Pictor zurück. Da der Senat jahrhundertelang die historische Überlieferung dominierte, erhielt sich diese Sichtweise auch für die Nachwelt.

Im Jahr 220 v.Chr. übte Flaminius gemeinsam mit dem Konsul von 225 v.Chr. Lucius Aemilius Papus, die einflussreiche Funktion eines Zensors aus. Allerdings ist über diese wohl sehr bedeutende Amtstätigkeit des Flaminius aufgrund der äußerst unzulänglichen Überlieferung wenig bekannt. Die Zensoren entfalteten über die Vergabe öffentlicher Aufträge eine rege Bautätigkeit. Flaminius ließ dabei zwei wichtige, seinen Namen tragende Bauwerke errichten. Erstens den Circus Flaminius auf dem Marsfeld in Rom und zweitens die Rom mit Ariminum verbindende Via Flaminia. Durch den Bau dieser Straße eröffnete Flaminius den römischen Truppen eine Vormarschroute nach Norditalien.

Der Münzmeister Lucius Flaminius Chilo ist nur durch diesen Münzentyp historisch greifbar.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Altamura2 » Mi 05.01.22 21:38

Timestheus hat geschrieben:
Mi 05.01.22 19:55
... So wird der griechische Gott Hermes (lateinisch Mercurius) regelmäßig mit einem Flügelhelm dargestellt. ...
Nachdem das jetzt wieder da steht, kannst Du mal ein paar von diesen regelmäßigen antiken Hermesdarstellungen mit Flügelhelm zeigen?

Gruß

Altamura

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mi 05.01.22 21:56

Altamura2 hat geschrieben:
Mi 05.01.22 21:38
Nachdem das jetzt wieder da steht, kannst Du mal ein paar von diesen regelmäßigen antiken Hermesdarstellungen mit Flügelhelm zeigen?


Beschwere Dich bei Wikipedia - oder korrigiere es dort. Kann man ja einreichen: https://de.wikipedia.org/wiki/Flügelhelm
Diese Ausschmückung eines Helmes findet sich oft in antiken und antikisierenden Darstellungen von Göttern und Göttinnen. So wird der griechische Gott Hermes (lateinisch Mercurius) regelmäßig mit einem Flügelhelm dargestellt. Auch Roma, die Stadtgöttin Roms, trägt auf Münzen einen Flügelhelm.


Und hier bitte dann auch gleich ändern lassen: https://de.wikipedia.org/wiki/Hermes
Darstellung. Bei den Griechen wurde Hermes meist jugendlich und bartlos, mit einem breitkrempigen Hut (πέτασος pétasos), später einem geflügelten Helm, geflügelten Schuhen oder geflügelten Schultern und dem zaubermächtigen goldenen Hermesstab (κηρύκειον kērýkeion, lateinisch caduceus) dargestellt.


Und dann könnte man noch die Bildersuche anwerfen, aber da habe ich dann jetzt irgendwie keine Lust mehr dazu Dir alle Arbeit abzunehmen. Übrigens steht da bei mir auch nicht, dass dies sich nur auf Münzen bezieht - es geht um die allgemeine Darstellung.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von shanxi » Mi 05.01.22 22:51

Bei wiki hätten die das "später" genauer definieren sollen, sprich "viel später". Auf modernen Darstellungen ab der Renaissance findet man tatsächlich oft einen Helm. Da war den Bildhauern der Petasos d.h. ein Stroh- bzw. Filzhut wohl etwas suspekt.

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Altamura2 » Do 06.01.22 10:38

Timestheus hat geschrieben:
Mi 05.01.22 21:56
... Beschwere Dich bei Wikipedia ...
Warum ich? Du hast das dort abgeschrieben :D .

Da sich Wikipedia auf die Verwendung "in antiken und antikisierenden Darstellungen" bezieht, ist das ja nicht ganz falsch, in antikisierenden, sprich neuzeitlichen, Darstellungen gibt es das ja. In echt antiken aber eben auf keinen Fall regelmäßig.

Wikipedia hat eben die Weisheit auch nicht immer mit Löffeln gefressen (das weiß man aber :? ), und nachdem Du hier darauf aufmerksam gemacht wurdest, hättest Du das nicht einfach platt wiederholen müssen.

Gruß

Altamura

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Do 06.01.22 19:43

Heute war wieder bei ROMA Auktion angesagt, eines meiner "Lieblingshäuser" inzwischen, weil einfach immer wieder feine Stücke angeboten werden. Zudem finde ich dort die Betreuung und Service 1a - so dass ich dort gerne Exemplare mit- und ersteigere. Zum Jahresstart hat es das eine oder andere Exemplar zu mir über die virtuelle Ladentheke geschafft.
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marcus porcius cato.jpg

Marcus Porcius Cato AR Quinarius. Rome, 89 BC. Ivy-wreathed head of Liber to right; M•CATO (ligate) behind, anvil below / Victory seated to right, holding patera and palm branch; VI]CTRIX (ligate) in exergue. Crawford 343/2b; RSC Porcia 7; King 46. 2.09g, 14mm, 9h.

Near Extremely Fine.

From the Andrew McCabe Collection, collector's tickets included;
Ex Nomisma S.p.a. (San Marino), E-Auction 16, 3 June 2020, lot 135.

# Da bin ich soweit zufrieden, etwa 20-30 GBP weniger hätten es auch sein dürfen. Aber leider zahlt man im Handel aktuell für solche Stücke auch um die 300-400 Euro. Kein Schnäppchen, aber noch ok. Aber wichtiger - der stand bei mir auf der "fehlt" Liste und ist damit abgehakt.
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septimus severus.jpg

Septimius Severus AR Denarius. Rome, AD 200-201. SEVERVS AVG PART MAX, laureate head to right / RESTITVTOR VRBIS, Emperor standing to left, sacrificing out of patera over tripod and holding spear. RIC IV 167a; BMCRE 203; RSC 599. 3.45g, 18mm, 12h.

Good Extremely Fine.

From a private English collection;
Acquired from Naville Numismatics Ltd.

# Ist das nicht ein schönes Porträt?! Hat mich auch fasziniert.
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julia maesa.jpg

Julia Maesa (grandmother of Elagabalus) AR Denarius. Rome, AD 218-222. IVLIA MAESA AVG, draped bust to right / PVDICITIA, Pudicitia seated to left, drawing veil over face and holding sceptre. RIC IV 268 (Elagabalus); BMCRE 76 (Elagabalus); RSC 36. 2.85g, 19mm, 12h.

Good Extremely Fine; beautiful old cabinet tone; wonderfully detailed reverse.

From a private English collection.

# Und wenn wir schon bei den Severern sind, die Großmutter der Elagabal darf nicht fehlen. Porträt hat mir gefallen und vor allem die feine Rv. Darstellung.
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constantius II.jpg

Constantius II BI Centenionalis Antioch, AD 350-355. D N CONSTANTIVS P F AVG, pearl-diademed, draped and cuirassed bust to right / FEL TEMP REPARATIO, soldier, shield on arm, spearing falling horseman turning to right, extending arm, shield on right; Γ in left field, ANΓ in exergue. RIC VIII 132. 5.95g, 26mm, 6h.

Good Extremely Fine.

# Da ist mir die Rv. Darstellung gleich ins Gesicht gesprungen, gefällt mir sehr gut und natürlich sehr interessant für mich.
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So das war es heute aus London.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Perinawa » Do 06.01.22 20:03

Die Maesa ist wirklich klasse. Man sieht sogar gut, dass die Pudicitia die Gesichtszüge des alten Kaisermädels trägt.
Unanfechtbare Wahrheiten gibt es überhaupt nicht, und wenn es welche gibt, so sind sie langweilig

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Do 06.01.22 20:17

Perinawa hat geschrieben:
Do 06.01.22 20:03
Die Maesa ist wirklich klasse. Man sieht sogar gut, dass die Pudicitia die Gesichtszüge des alten Kaisermädels trägt.
Danke - mich störte allerdings ein wenig, dass der Kopf so leicht "geschrubbt" oben ist. Das war eine enge Kiste wo ich fast dachte - hm. Aber 100% gibt es wohl eher selten bei 2000 Jahre alten Münzen. Danke für die Info mit der Pudicitia.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Perinawa » Do 06.01.22 20:30

Timestheus hat geschrieben:
Do 06.01.22 20:17
mich störte allerdings ein wenig, dass der Kopf so leicht "geschrubbt" oben ist
Seh' es so: eine antike "polierte Platte"...
Unanfechtbare Wahrheiten gibt es überhaupt nicht, und wenn es welche gibt, so sind sie langweilig

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Fr 07.01.22 17:16

Heute sind 2 Denar der römischen Republik eingetroffen mit nicht ganz alltäglicher Darstellung. Als erstes möchte ich Euch den Denar des Numerius Fabius Pictor aus dem Jahr 126 v.Chr. zustellen, welcher auf der Rückseite einen Flamen Quirinalis darstellt.

Das Original findet Ihr hier: https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... tor-m0032/

Und nachfolgenden die Dokumentation fürs Forum.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Fr 07.01.22 17:19

silber_denar_numerius_fabius_pictor.jpg


Münze:
Numerius Fabius Pictor 126 v.Chr.
Denar der Römischen Republik
Material: Silber
Durchmesser: 17,5mm
Gewicht: 3,88g
Münzstätte: Rom
Erhaltung: VF
Rare: –
Provenienz: Arcas Numismatic, London, 27.11.2021
Referenz: Crawford RRC 268/1b

Avers:
Zu sehen ist der behelmte Kopf der Roma nach rechts, dahinter ist ein Stern als Wertmarke abgebildet.

Im römischen Reich war Roma eine Gottheit, die als Personifikation den römischen Staat oder die Stadt Rom symbolisierte. Ihr waren einige Tempel und heilige Plätze geweiht. Roma wird 269 v.Chr. erstmals auf As-Münzen aus Rom erwähnt sowie 204 v.Chr. auf römischen Münzen aus Locri in Kalabrien, woraus geschlossen wird, dass die nichtrömische Bevölkerung Roma ebenfalls religiös verehrt haben könnte. Tatsächlich sind die ersten sicher belegten Kulte für Roma in der griechischen Welt zu finden. In diesen Zusammenhang passt, dass ihr in Smyrna 195 v.Chr. ein Tempel errichtet wurde. Ferner wird von Roma-Kulten auf Ephesos, Sardes und Delos berichtet.

Dies Ausschmückung eines Helmes findet sich oft in antiken Darstellungen von Göttern und Göttinnen. So wird der griechische Gott Hermes (lateinisch Mercurius) regelmäßig mit einem Flügelhelm dargestellt. Im Bezug auf die Darstellung des Flügelhelmes der Roma auf römischen Münzen besteht der Schmuck immer aus dem gleichen Motiv – dem Greifen oder besser Teilen von ihm. Man erkennt den geschnäbelten Kopf mit langen, spitzen Ohren, den Stachelkamm, der sich der Helmkontur entlang zieht, sowie dem Greifenflügel. Die Stacheln verschwinden dabei allmählich im Laufe des 1. Jahrhunderts v.Chr. Geht man vom Ursprung dey Typus nach, lässt sich der Greif nicht ableugnen. Er stammt von einer anderen Helmform , mit der Roma in früheren Bronzeprägungen abgebildet wurde, dem sogenannten phrygischen Helm. Diese Form kam wahrscheinlich aus Tarent nach Rom.

Dieser haubenförmige Helm, oft mit Greifenschmuck, war nach Hans Peter Laubscher für die tarentinische Athena schon seit dem 5. Jahrhundert v.Chr. charakteristisch. In der römischen Münzprägung wurde die Greifenhaube zwar schon im ausgehenden 3. Jahrhundert v.Chr. durch den Legionshelm abgelöst, ohne jedoch ganz zu verschwinden und ohne den Greifen zu verlieren. Diese Greifenteile waren, wie es scheint, für Roma so unverzichtbar, dass man Protome, Kamm und Flügel so gut es ging mit der hellenistisch-römischen Helmform verband (Quelle: Erika Simon, Schriften zur etruskischen und italischen Kunst und Religion, Seite 205).

Bei dem abgebildeten X oder Stern handelt es sich um eine sogenannte Wertmarke. Ein X stand dabei für die Zahl 10 und bedeutete, dass dieser Silberdenar das zehnfache eines As wert war. Um das Jahr 130 v.Chr. wurde der Denar auf 16 Asse abgewertet, erkenntlich ab diesem Zeitraum dann mit einem Stern als Beizeichen und Wertmarke (statt dem vorher verwendeten X).

Revers:
Zu sehen ist ein nach links sitzender Flamen Quirinalis (Quintus Fabius Pictor) mit Helm, Lanze und Apex (Priesterkappe). Daneben ist ein Schild mit der Legende QVIRIN abgebildet. Die Inschrift lautet: N FABI PICTOR ROMA.

In der alten römischen Religion war der Flamen Quirinalis der Flamen oder Hohepriester des Gottes Quirinus. Er war einer der drei flamines maiores, der dritten in der Reihenfolge ihrer Bedeutung nach dem Flamen Dialis und dem Flamen Martialis. Wie die beiden anderen Hohepriester unterlag er zahlreichen rituellen Tabus. So durfte er beispielsweise kein Metall berühren, nicht reiten und die Nacht nicht außerhalb Roms verbringen. Seine Frau fungierte als Hilfspriesterin mit dem Titel Flaminicia Quirinalis. Die Theologie des Quirinus ist komplex und schwer zu interpretieren. Schon früh wurde er mit dem vergöttlichten Romulus identifiziert, der ursprünglich einige gemeinsame theologische und mythologische Elemente mit Quirinus geteilt zu haben scheint.

Der Flamen Quirinalis leitete mindestens drei Feste, die Consualia Aestiva am 21. August, die Robigalia am 25. April und die Larentalia am 23. Dezember. Neben diesen Festen dürfte auch das Fest des Quirinus selbst, die Quirinalia, die Teilnahme des Flamen Quirinalis erfordern. Die Quirinalia fanden am 17. Februar statt und gehören wohl zu den ältesten römischen Jahresfesten. Diese Feste waren alle dem Kult von sehr alten Gottheiten gewidmet: Consus wurde als Gott der gelagerten Körner beschrieben (von condere, Körner in einer unterirdischen Scheune oder einem Silo lagern). Robigus war ein böser Geist, der Mehltau verursachen und so den wachsenden Weizen schädigen konnte. Larenta war eine Figur, die mit der legendären Urzeit Roms oder mit der Gründung der Stadt selbst verbunden war.

Während der Consualia Aestiva brachten der Flamen Quirinalis und die Vestalinnen ein Opfer auf dem unterirdischen Altar des Consus im Circus Maximus dar. Vier Tage später nahmen die Vestalinnen an den Riten des Festes der Ops, der Göttin des landwirtschaftlichen Überflusses, der Opiconsivia, teil. Auch dieses Fest stand im Zusammenhang mit Consus und wurde in der Regia des Forums abgehalten, wo Ops eine sehr heilige Kapelle hatte, die nur dem Pontifex maximus und den Vestalinnen offenstand.

Die Robigalia vom 25. April erforderten die Opferung von Blut und Eingeweiden eines Welpen und vielleicht auch die Eingeweide eines Schafes. Der Ritus fand in der Nähe des fünften Meilensteins der Via Claudia statt. Ovid spricht von einem lucus (Hain) an dieser Stelle und einem langen Gebet, das von dem Flamen Quirinalis gesprochen wurde.

Die Larentalia vom 23. Dezember waren eine parentatio, ein Totenkult zum Gedenken an Larunda oder Larentia. An der Stelle ihres angeblichen Grabes auf dem Velabrum wurde ein Opfer dargebracht. Sie war keine Göttin, sondern eine Art Heldin, um die sich zwei widersprüchliche Legenden ranken. In der ersten (und wahrscheinlich älteren) Geschichte ist Larentia eine Kurtisane, die nach einer Nacht im Heiligtum des Herakles märchenhaft reich geworden war. Später schenkte sie ihr Vermögen dem römischen Volk unter der Bedingung, dass jedes Jahr ein nach ihrem benannten Ritus abgehalten wird.

In der zweiten Geschichte ist sie die Amme von Romulus und Remus, die auch als Mutter der Fratres Arvales und als Wölfin gilt. Gellius nimmt in einem ausführlichen Abschnitt über Larentia ausdrücklich Bezug auf die Flamen Quirinalis. Macrobius verweist auf das Vorhandensein eines unbenannten Flamen „per flaminem“. Dieses Flamen konnte weder die Dialis noch die Martialis sein, geschweige denn die minores, wenn man die Art der parentatio (Begräbnisritus) des Festes bedenkt, so dass nur die Quirinalis als das von Macrobius erwähnte Flamen in Frage kommt.

Die Quirinalia fielen auf den 17. Februar des römischen Kalenders. Einige Gelehrte verbinden die Quirinalia mit dem Jahrestag der Ermordung des Romulus durch seine Untertanen auf der Grundlage des Kalenders von Polemius Silvius und von Ovid, wo die Geschichte von Romulus Apotheose erzählt wird, und interpretieren das Fest dementsprechend als eine funeräre parentatio.

Dumezil hingegen merkt an, dass in allen anderen Quellen der 7. Juli (Nonae Caprotinae) als Datum für dieses Ereignis angegeben wird. Auch in den antiken Quellen gibt es keine Aufzeichnungen über ein solches Ritual. Er schlägt eine andere Interpretation vor, die sich auf die Tatsache stützt, dass die einzigen religiösen Rituale, die für diesen Tag aufgezeichnet sind, die stultorum feriae sind, das heißt der letzte Tag der Fornacalia. Dieses Fest wurde früher von jeder der dreißig Kurien getrennt gefeiert. Daher hatten die Fornacalien kein festes Datum und wurden nicht in Kalendern erwähnt. Jedes Jahr legte die curio maximus die Tage für jede Kurie fest. Allerdings wurde denjenigen, die ihren Tag verpasst hatten, ein zusätzlicher freier Tag zugestanden, um ihn kollektiv nachzuholen. Festus und Plutarch behaupten, dass die stultorum feriae in Wirklichkeit die Quirinalia waren. Ihre Behauptung scheint für Dumezil aus zwei Gründen akzeptabel:

* Wenn dies nicht der Fall wäre, gäbe kein römischer Schriftsteller einen Hinweis auf ihren Inhalt. Dies ist höchst unwahrscheinlich, denn in Rom überlebten religiöse Rituale oft ihre theologische Begründung.

* Die stultorum feriae beenden das organisierte Wirken der curiae in den Fornacalia, und dies ist eine Garantie für ihr entsprechendes Alter.

Die von Dumezil angenommene Verbindung zwischen dem flamen Quirinalis und einer durch die curiae geregelten Tätigkeit ist wichtig, da sie die Interpretation von Quirinus als Gott der römischen Zivilgesellschaft unterstützt. Die curiae waren in der Tat die ursprünglich kleinste Gruppierung der römischen Gesellschaft. Die wahrscheinlichste Etymologie von curia wird von vielen Gelehrten als von co-viria und die von quirites von co-virites abgeleitet angesehen.

Die Virites waren Göttinnen, die zusammen mit Quirinus verehrt wurden. Gellius schreibt, in den pontificales libri gelesen zu haben, dass dea Hora und Virites in Gebeten in Verbindung mit dem Gott angerufen wurden. Die Virites, die weiblichen Paredrae des Quirinus, müssen der Ausdruck der Virtus des Gottes sein, im Falle des Quirinus also die Personifikation der Individuen, die die römische Gesellschaft als Bürger ausmachen, so wie z. Bsp. Nerio, die Paredra des Mars, die Personifikation der militärischen Tüchtigkeit sein muss.

Die Consualia, Robigalia, Larentalia und der letzte Akt der Fornacalia (die Quirinalia) sind die religiösen Rituale, die vom Flamen Quirinalis durchgeführt werden. Wenn die römischen Traditionen bewahrt und nicht neu angepasst wurden, sollten diese Rituale die uralte und ursprüngliche Natur des Gottes Quirinus widerspiegeln. Die Feste verbinden ihn mit dem Weizen in den drei wichtigen und potenziell riskanten Phasen seines Wachstums, seiner Lagerung und seiner Konservierung. Quirinus ist also mit einem Grundnahrungsmittel befasst. Er arbeitet mit dem Gott Consus zusammen, wie die Rolle seiner Flamen in den Consualia bezeugt, um die Ernährung des römischen Volkes zu gewährleisten.

Es besteht auch eine Verbindung zwischen der Funktion des Flamen Quirinalis in den Quirinalia und dem Funktionieren der organisierten römischen Gesellschaft, wie sie in der Rolle der curiae in den Fornacalia zum Ausdruck kommt. Die curiae waren in der Tat die kleinste Zelle der antiken römischen Gesellschaft. Die Rolle des Flamen Quirinalis in den Larentalia ist ebenfalls von Bedeutung. In den beiden Legenden über Larentia ist sie eine Figur, die mit Ernährung, landwirtschaftlichem Überfluss und Reichtum verbunden ist. Sie zieht die göttlichen Zwillinge auf, ist die Mutter der Fratres Arvales, die den landwirtschaftlichen Versöhnungsritus der Ambarvalia vollziehen, und beschert ihren Erben und figurativen Kindern Reichtum. Ihre Geschichte deutet auf die Verbindung von sexueller Lust und Reichtum hin. In der Interpretation von Dumezil hat dies mit dem indoeuropäischen Mythos der göttlichen Zwillinge zu tun, aber die Verbindung von Romulus mit Königtum und Krieg ist nicht unbedingt Teil der ursprünglichen Konzeption von Quirinus.

Nach Dumezil ist der theologische Charakter des Gottes, wie er sich in den Funktionen seines Flamen widerspiegelt, demnach zivil und sozial, da er mit Ernährung, Fruchtbarkeit, Überfluss, Reichtum und Vergnügen verbunden ist. Diese Eigenschaften machen ihn zum Oberhaupt aller Götter, die er als die dritte Funktion in den indoeuropäischen Religionen definiert. (Quelle: Georges Dumezil, La religion romaine archaique, Paris, 1974, part I, chap. 2)

Die Legende QVIRIN auf dem Schild identifiziert die abgebildete sitzende Person als Flamen Quirinalis. Die Inschrift N FABI PICTOR identifiziert den Münzmeister Numerius Fabius Pictor.

Hintergrund:
Die Gens Fabia (eingedeutscht als Pluralform Fabier) war eine der führenden Patrizierfamilien (gentes maiores) des antiken Rom. Das Nomen gentile der Familienangehörige war in der männlichen Form Fabius, in der weiblichen Fabia. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts v.Chr. hatten die Fabier (laut der stark legendär geformten Überlieferung) die führende Stellung in Rom inne. Als Begründer der Familie galt Kaeso Fabius Vibulanus, dessen drei Söhne Quintus, Kaeso und Marcus in den Jahren 485 bis 479 v.Chr. abwechselnd das Konsulat bekleidet haben sollen. Im Jahr 477 v.Chr. fielen im Krieg gegen die Veji der Sage nach über 300 Mitglieder der Familie, was zu einem zeitweiligen Bedeutungsverlust führte. Im 4. Jahrhundert v.Chr. jedoch stiegen sie erneut auf. Quintus Fabius Maximus Rullianus war zwischen 322 und 295 v.Chr. fünfmal Konsul und eine der herausragenden Personen in den Samnitenkriegen. Noch bedeutender war Quintus Fabius Maximus Verrucosus, der gegen Hannibal im Zweiten Punischen Krieg kämpfte.

Auf den ersten Blick erscheint die Rückseitendarstellung ein unbefangenes Portrait eines Flamen Quirinales abzubilden. In diesem Fall Quintus Fabius Pictor, Flamen Quirinalis und der Urgroßvater oder Großvater des Münzmeisters. Allerdings werden nicht nur religiöse Symbole, wie die Priesterkappe in der einen Hand, abgebildet. Sondern auch militärische Attribute, wie einen Speer in der anderen Hand, auf dem Kopf einen Helm und einem Brustpanzer. Wie passt das zusammen?

Die Prägung erinnert an einen politischen Konflikt, in dem der Vorfahre des Münzmeisters verwickelt war. Quintus Fabius Pictor wurde im Jahr 189 v.Chr. zum Prätor gewählt, musste aber auf die ausgeloste Prätur in Sardinien verzichten, weil er Rom aufgrund des Amtes des Flamen Quirinales nicht verlassen durfte. In Anbetracht der Überschneidung der Rollen griff der amtierende Pontifex maximus, Publius Licinius Crassus Dives, ein – der aufgrund seiner Machtfülle und seiner umstrittenen und fragwürdigen Strenge das Prätorium ad sacra verbot. Die mit dem Priesteramt verbundenen gottesdienstlichen Gründe wurden den juristischen vorgezogen, aber die Flamen akzeptierten diese Auferlegung nur ungern. Nach heftigen Debatten im Senat musste Pictor der Forderung des Pontifex Maximus Folge leisten.

Der darauffolgende Streit wird von Livius (Ad Urbe condita, XXXVII, 51) gut geschildert: „… et in senatu et ad populum magnis contentionibus certatum, et imperia inhibita ultro citroque, et pignera capta, et multae dictae, et tribuni appellati, et provocatum ad populum est. religio ad postremum vicit; ut dicto audiens esset flamen pontifici iussus; et multa iussu populi ei remissa…”.

Der Konflikt hatte recht weit reichende politische Auswirkungen gehabt. Sie reichte von beiderseitigen Verboten der imperia bis zu gegenseitigen Geldstrafen, vom Appell an die Tribunen bis zur provocatio ad populum, bis zur Vollstreckung der Verhängung, die jedoch durch den Erlass der verhängten Geldstrafe und die Übertragung des Amtes eines praetor peregrinus (der in der Urbe tätig war) gemildert wurde. Offiziell wurde daher die religio über jeden anderen Aspekt gestellt, und ein Flamen, der fern von Rom seinen priesterlichen Pflichten nicht nachkam, wurde zu einer sehr gefährlichen und realen Bedrohung für die Erhaltung der pax deorum.

Doch waren die Motive des Publius Licinius Crassus Dives wirklich nur religiös motiviert? Er entstammte dem plebejischen Geschlecht der Licinier und seine guten Beziehungen zum Kreis der Scipionen ermöglichten ihm den Aufstieg zu einer bedeutenden Persönlichkeit des damaligen politischen und religiösen Lebens von Rom. Auf seine Vorfahren gehen die Gesetze des Licinius und Sextius zurück. Die Leges Liciniae Sextiae sind die bei Livius überlieferten, auf die Volkstribunen des Jahres 367 v.Chr. Gaius Licinius Stolo und Lucius Sextius Lateranus, zurückgehenden Gesetze (leges), die, neben einem Ackergesetz, die entscheidenden Bestimmungen für die Entwicklung der Staatsverfassung der römischen Republik enthielten. An der Spitze des Staates standen fortan zwei Konsuln, von denen nun ein Plebejer sein konnte oder, so Livius, sein musste, unter ihnen für die Rechtsprechung zuständig ein Prätor, dazu zwei kurulische Ädilen, die abwechselnd von Plebejern und Patriziern gestellt wurden.

Quinctus Fabius Pictor hingegen war ein Vertreter einer der ursprünglichen hundert Gentes, einer der höchsten Ausprägungen der konservativen Aristokratie. Licinius gehörte also der „scipionischen“ Partei an, Fabius der „anti-scipionischen“ Fraktion. Gerade im Jahr 189 v.Chr. soll sich die anti-scipionische Partei erfolgreich bei der Vergabe von Ämtern durchgesetzt haben, wobei die Konsuln und mindestens drei von sechs Prätoren dieser Fraktion angehörten – darunter auch Quintus Fabius Pictor.

Bereits Jahre zuvor hatte Publius Licinius Crassus Dives auf diese Weise einen politischen Gegner kaltgestellt. Nachdem Crassus 211 v.Chr. den Flamen Dialis aus geringfügigen Gründen entlassen hatte, fand sich nicht so rasch ein Nachfolger, da dieses geistliche Amt wegen seiner starken Beschränkungen für eine politische Laufbahn nicht erstrebenswert erschien. Im Jahr 209 v.Chr. musste der junge und ehrgeizige Patrizier Gaius Valerius Flaccus gegen seinen Willen auf Druck des Crassus neuer Flamen Dialis werden, womit er – wie von Crassus gewünscht – weitgehend aus dem politischen Betätigungsfeld ausgeschaltet war. Der tendenziöse Bericht des römischen Geschichtsschreibers Titus Livius begründet die Handlungsweise des Pontifex Maximus dagegen mit dessen angeblichem Bestreben, Flaccus zu einem sittsameren Leben zu zwingen.

Aber worin besteht nun der Bezug zum Prägejahr dieses Denartypes?

Wir befinden uns 126 v.Chr. mitten im aufgewühlten Zeitalter der Gracchen. Im selben Jahr trat Gaius Sempronius Gracchus sein Amt als Quästor an und wurde unter dem Konsul Lucius Aurelius Orestes nach Sardinien geschickt, um einen Aufstand der dortigen Bevölkerung niederzuschlagen. Gaius Mutter war eine Tochter des Scipio Africanus und seine Schwester Sempronia war die Frau des Scipio Aemilianus, des Eroberers von Karthago. Ebenso war er wie sein Bruder eine Ikone der Popularen Volkspartei.

Zu diesem Zeitpunkt wurde dieser Denar herausgegeben, mit dem Numerius Fabius Pictor seinen illustren Vorfahren mit den Attributen der ihm entzogenen Macht (des imperium militiae) feierte und sich nicht nur zum Sprecher der erlittenen Kränkung, sondern auch der Optimatenfraktion im weiteren Sinne machte.

Numerius Fabius Pictor selbst, ist historisch nur als Münzmeister bekannt.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Numis-Student » Fr 07.01.22 20:25

Der Septimius und die Maesa - tolle Münzen !

Beide habe ich glaube ich auch in der Sammlung, aber beide nicht so schön. Die Maesa habe ich schon "ewig", leider mit einem fetten Kratzer quer über die gesamte Rückseite. Ich kann jetzt nicht nachsehen, wie lange ich die schon habe, zumindest meiner Erinnerung nach eine meiner ganz frühen Römer, noch aus Schülerzeiten.

MR

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Fr 07.01.22 20:39

Numis-Student hat geschrieben:
Fr 07.01.22 20:25
Der Septimius und die Maesa - tolle Münzen !
Und der Constantius nicht - oder was? :evil: :P :lol: :lol:
Numis-Student hat geschrieben:
Fr 07.01.22 20:25
Beide habe ich glaube ich auch in der Sammlung, aber beide nicht so schön.
Danke. ich habe mir Deinen Rat zu Herzen genommen - und sammle einfach in Zukunft alles was mich interessiert. Es werden da auch einige Griechen, Karthager, Ptolemäer und solche aus Judeä dazukommen - Hauptsache es hat mit Rom zu tun, sie interessieren mich geschichtlich und sie gefallen mir wieso auch immer.

;)


---
So und nun nachfolgende meine letzte Münze von Arcas heute - der Tempelbau von Babel, ähm nein der Tempel des Jupiter Optimus Maximus und dem Münzmeister Marcus Volteius der eine ganze Münzserie von fünf Denaren aufgelegt hat.

Laut Mommsen angelehnt an den Audi Publicity - was Hollstein jedoch stark bezweifelt und eher an eine Serie von Tempelrestaurierungen in der Münzreihe sieht. Er begründet das auch gut in seinem Buch - da hatte ich aber keine Lust das komplett ab zu tippen - ein Kauf des Buches lohnt sich aber, wer mit Münzen der Zeit zu tun hat, das kann ich versprechen.

Hier geht es zum Original: https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... ius-m0033/

Und die Dokumentation fürs Forum folgt zugleich.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Fr 07.01.22 20:42

silber_denar_marcus_volteius_m_f.jpg



Münze:
Marcus Volteius M. f. 78 v.Chr.
Denar der Römischen Republik
Material: Silber
Durchmesser: 17mm
Gewicht: 3,70g
Münzstätte: Rom
Erhaltung: EF-
Rare: –
Provenienz: Arcas Numismatic, London, 27.11.2021
Referenz: Crawford RRC 385/1

Avers:
Zu sehen ist der Kopf des Iuppiter nach rechts.

Einer der wohl wichtigsten Götter in der römischen Mythologie und Religion war Iuppiter (dtsch. Jupiter). Über den Ursprung des Namens gibt es viele Theorien. Im Uritalienischen steckt die Vorsilbe „di“ als Bezeichnung für den lichten Himmel in allen Dialekten. In Rom wurden zudem viele männliche Götter mit Vater, weibliche Gottheiten mit Mutter angerufen. Dieu-Pater bedeutet also „leuchtender göttlich verehrter Himmel und leuchtender Tag“. Es gibt allerdings auch noch eine andere Deutung. So soll der Name aus Iuovo (ich helfe) und Pater (Vater) zusammengesetzt sein und so viel wie „helfender Vater“ bedeuten.

Die Iuppiter Kulte sind im alten Rom vielzählig. Für die Landarbeiter ist Iuppiter der Wettergott, jedoch sind die einzelnen Funktionen des Wetters wieder abgespaltet. Iuppiter Veiovis ist zum Beispiel der Gott des Wetters, das man sich erhofft, sich aber nicht erfüllt hat. Iuppiter Fulgur ist für Blitze verantwortlich, während Iuppiter Pluvalis der Gott ist, welcher es regnen lässt. Iuppiter Serenus war der Gott, welcher den Himmel auflichtete und Sonnenschein schickte. Eine besondere Stellung nahm jedoch Iuppiter Optimus Maximus ein, denn dieser war der Haupt- und Staatsgott. Optimus Maximus bedeutete „der Beste und Größte“. Er wurde so genannt, weil er unter etruskischem Einfluss Mars als obersten Gott der Römer abgelöst hatte.

Unter den Eigenschaften, welche man in Rom mit Iuppiter verband, muss man auch an die kriegerischen denken. Iuppiter wurde im ganzen Imperium neben Mars als eigentlicher Entscheider der Schlachten und Gott des Sieges verehrt. Die wichtigsten Kulte kriegerischer Iuppiter sind die des Iuppiter Stator, Iuppiter Feretrius und des Iuppiter Victo. Im Kult um den Gott Iuppiter war der Lorbeerkranz ein Zeichen des Siegers. Er war bei der Rückkehr von Feldherren nach Rom Zeichen des militärischen Siegers (Corona triumphalis), während die Führer von Heeren, die einen weniger bedeutenden Erfolg erlangt hatten, sich bei einer ovatio mit einem Myrtenkranz begnügen mussten.

Revers:
Zu sehen ist der Tempel des Iuppiter Optimus Maximus Capitolinus mit geschlossenen Türen und Blitzbündel im Giebel. Die Inschrift lautet: M VOLTEI M F.

Der Tempel des Iuppiter Optimus Maximus Capitolinus (dtsch. Jupiter Optimus Maximus Kapitolinus) war der wichtigste Tempel des römischen Staatskults. Das 63 mal 53 Meter große Gebäude befand sich auf der südlichen Hügelkuppe des Capitols und war der römischen Göttertrias aus Iuppiter, Iuno Regina und Minerva geweiht. Hier wurde Iuppiter nach Triumphzügen, bei Amtsantritt der Consuln und zu verschiedenen anderen wichtigen Anlässen geopfert. Ebenso wurden hier die Verträge mit anderen Staaten aufbewahrt. Das Umfeld des Tempels wurde als area capitolina bezeichnet. Vor dem Tempel stand ein großer Alter, auf dem Iuppiter am Neujahrstag, sowie bei Triumphen und weiteren großen Feiertagen Opfer dargebracht wurden. Darüber hinaus stifteten zahlreiche Feldherren Weihegeschenke wie Statuen und Ehrenschilde, sodass der Platz sogar „entrümpelt“ werden musste.

Der Tempel wurde bereits in der Königszeit begonnen. Der Legende nach gelobte Tarquinius Priscus diesen Tempel während einer Schlacht gegen die Sabiner, der später auch die Fundamente des Baus legte. Doch auch noch Tarquinius Superbus, der letzte römische König baute weite Teile des Gebäudes, ehe es schließlich im ersten Jahr der Republik durch den Consul Marcus Horatius im Jahr 509 v.Chr. eingeweiht werden konnte. Diese Ehre sei ihm durch Los zuteilgeworden. Dieser erste Tempel bestand vermutlich aus dem Tuffstein des Capitols.

Der Tempel war in drei Cellae aufgeteilt. In der mittleren thronte ein lebensgroßes Terrakotta-Kultbild des Iuppiter mit einem Blitz in der Rechten. Es war bekleidet wie die späteren Triumphatoren, also mit einer Purpurtunica mit Palmenmuster und einer purpurnen Toga. An Feiertagen wurde das Gesicht der Figur rot gefärbt. In der rechten Kammer wurde Minerva verehrt, in der linken hingegen Iuno. Vermutlich fanden sich auch hier Kultbilder der jeweiligen Gottheit, sowie eigene Altäre vor dem Tempel. Auf dem First des Tempels thronte eine weitere Terrakotta-Statue Iuppiters in eine Quadriga, welche vom berühmten Tonbildner Vulca aus Veji geschaffen worden sein soll und die 296 v.Chr. ersetzt wurde (möglicherweise diesmal in Bronze). Ebenso war der Giebel reich mit Figuren verziert und wurde 193 v.Chr. sogar noch mit goldenen Schilden geschmückt. Später wurde der gesamte Tempel neu verputzt, eine Dachverkleidung eingezogen und ein Mosaikboden verlegt.

Der Tempel brannte im Jahre 86 v.Chr. zum ersten Mal nieder, wobei die Sibyllinischen Bücher und die Statue des Iuppiter verbrannten, während der Tempelschatz gerettet werden konnte. Der Wiederaufbau wurde schließlich von Sulla begonnen und 69 v.Chr. wieder eingeweiht. Obwohl er nach den alten Plänen errichtet wurde, war das neue Bauwerk höher, teurer und vermutlich auch repräsentativer als das alte Gebäude. So wurden etwa die Ecken des nun vergoldeten Bronze-Daches mit Adlerfiguren versehen. Die neue Kultstatue des Iuppiter wurde aus Gold und Elfenbein in sitzender Pose gefertigt, seither ist außerdem eine Statue der Minerva belegt. Weitere Schäden durch Blitzeinschläge wurden 26 v.Chr. durch Augustus repariert.

Im Jahr 69 n.Chr. wurde der Tempel erneut niedergebrannt, als die Anhänger des Vitellius das Capitol stürmten. Vespasian kümmerte sich jedoch sofort um den Wiederaufbau, diesmal erneut mit einer größeren Höhe und korinthischen Säulen. Münzfunde zeigen Statuen aller drei Götter in seinem Inneren, während der Giebel nun von verschiedenen Figuren (Quadrigae, Adler, Pferdeköpfe) verziert wurde. 80 n.Chr. brannte der Tempel erneut nieder und musste von Vespasians Sohn Domitian abermals aufgebaut werden. Auch diesmal wurde versucht, das Vorgänger-Bauwerk an Prunk zu übertreffen: Nicht nur das Dach wurde golden gedeckt, auch die Türen des Tempels erstrahlten nun in Gold.

Erst im fünften Jahrhundert begann die stufenweise Abtragung des Tempels, als Stilicho die Goldplatten von den Türen entfernte. Geiserich entfernte später die Hälfte der Goldschindeln, dennoch scheint er noch im 6. Jahrhundert sehr beeindruckend gewirkt zu haben. Narses entfernte schließlich einige Statuen, ehe der Tempel langsam verfiel, bis im 16. Jahrhundert eine römische Familie ihren Palast auf seine Ruinen setzte. (Quelle: imperium-romanum.info)

Hintergrund:
Der Anlass für diese Ausgabe ist nicht endgültig geklärt und kann daher nur vermutet werden. Mommsen hat bereits erkannt, dass sie zu einer Münzserie des Monetalen gehört, welche auf die alten Spiele (ludi puplici) Bezug nimmt. So bezieht er die Darstellung des Iuppiters auf die ludi romani, die zu Ehren des obersten Gottes in der römischen Religion jährlich abgehalten wurden.

Wilhelm Hollstein (Die stadtrömische Münzprägung der Jahre 78-50 v.Chr. zwischen politischer Aktualität und Familienthematik) widerspricht jedoch Mommsens These, die Münzreihe des Marcus Volteius beziehe sich auf die Spiele. Nach Mommsen ließ Volteius fünf Denartypen prägen: für die ludi romani (RRC 385/1), für die ludi plebei (RRC 385/2), für die ludi ceriales (RRC 385/3), für die ludi megalenses (RRC 385/4) und den ludi apollinares (RRC 385/5). Allerdings fehle in der Reihe dann ein Denar für die ludi florales. Dass ein Münzmeister fünf Denartypen prägen ließ, war in dieser Zeit schon ungewöhnlich, ein sechster, auf die Floralia Bezug nehmend hätte die Serie komplettiert. Und wenn schon fünf Denartypen in Bezug auf die ludi pulici, wieso sollte auf den sechsten Typen verzichtet worden sein? Hollstein hält daher eine Verbindung zu den Spielen für äußerst zweifelhaft.

Die Darstellung des Bauwerkes hingegen wird u.a. auch von Hollstein mit Sulla in Verbindung gebracht. Nach den antiken Quellen soll er bereits die Wiederherstellung des Iuppitertempels, der im Jahr 83 v.Chr. durch einen Brand zerstört wurde, gelobt haben. Dazu hatte er bereits nach seinem Sieg über Athen 86 v.Chr. halbfertige Säulen des dortigen Zeustempels nach Rom bringen lassen, die zum Neuaufbau des Iuppiter Tempels bestimmt waren.

Wie sehr Sulla die Wiederaufrichtung des Iuppiter Tempels am Herzen gelegen hat, belegt eine Begebenheit, die ihn letztendlich, schenkt man der antiken Überlieferung Glauben, das Leben kostete. Als der princeps Granius von Puteoli zögerte, die von seiner Gemeinde für den Tempelbau versprochenen Geldmittel zu entrichten, und lieber den Tod Sullas abwarten wollte, empörte sich dieser so sehr, dass er Granius zu sich holen und schließlich erdrosseln ließ. Sulla soll an den Folgen seiner Erregung am nächsten Tag gestorben sein (Plutarch).

P. V. Hill hält es für möglich, dass die Rückseiten Darstellung den ersten, also den abgebrannten Tempel zeigt. Sollte der erste, etruskische Tempel ursprünglich nicht vier- sondern sechssäulig gewesen sein, könnten deshalb nur vier Säulen graviert worden sein, um durch sie die drei cellae für Iuppiter, Iuno und Minerva zu verdeutlichen.

Hollstein sieht in der Vorder- und Rückseite zusammenfassend einen aktuellen Hintergrund auf Sullas begonnenen Restaurationstätigkeiten am Tempel des Iuppiter Capitolinus. Er sieht auch bei den anderen vier Münztypen des Marcus Volteius einen Bezug auf Sulla. So sieht er auch im Denar RRC 385/2 mit Hercules keinen Bezug auf die ludi plebei, wie Mommsen das tut – sondern einen Bezug auf den Tempel des Hercules Magnus Custos. Zum 4. Juni, dem Gründungstag des Tempels, schreibt Ovid (fast. 6,209-212) die folgenden Verse:
Altera pars Circi Custode sub Hereule mta est,
quod deus Euboieo earmine munus habet.
muneris est tempus qui Nonas Lucifer ante est;
si timlum quaeris, Sulla probavit opus.

Daraus wird geschlossen, dass Sulla den Tempel des Hercules Magnus Custos restaurieren ließ. Damit ist wie bei RRC 385/1 ein Zusammenhang zwischen einer Tempelrestaurierung bzw. Tempelwiedererrichtung und Sulla hergestellt.

Auch die letzten drei Denartypen sieht Hollstein nicht in Bezug auf die ludi publici. Die Denartypen RRC 385/3, 385/4 und 385/5 zeigen Ceres, Liber und Libera und könnte sich auch hier auf den Tempel beziehen, welcher zwischen dem Circus Maximus und dem Aventin stand. Eine Tempelrestaurierung unter Sulla ist allerdings nicht schriftlich überliefert.

Zum Jahr 84 v.Chr. berichtet jedoch Appian (civ. 1,78), dass im Tempel der aventinischen Trias ein Blitz eingeschlagen habe, was sicherlich eine mehr oder minder starke Beschädigung zur Folge hatte, die bis zur Übernahme der Diktatur durch Sulla wegen der Wirren der Zeit nicht behoben werden konnte. Sulla selbst könnte die Restaurierung der aedes Cereris Liberi Liberaeque in Angriff genommen und auch vollendet haben.

So könnte es sich bei der Münzreihe des Marcus Volteius nicht um einen Bezug auf die ludi publici handeln, wie von Mommsen vermutet, sondern erinnern vielleicht an eine Reihe seit langer Zeit anstehender und wichtiger Tempelrestaurierungen, welche unter Sulla begonnen bzw. abgeschlossen wurden.

Über den Münzmeister Marcus Volteius ist historisch sonst nichts weiter bekannt.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Numis-Student » Fr 07.01.22 21:08

Timestheus hat geschrieben:
Fr 07.01.22 20:39
Numis-Student hat geschrieben:
Fr 07.01.22 20:25
Der Septimius und die Maesa - tolle Münzen !
Und der Constantius nicht - oder was? :evil: :P :lol: :lol:

Danke. ich habe mir Deinen Rat zu Herzen genommen - und sammle einfach in Zukunft alles was mich interessiert. Es werden da auch einige Griechen, Karthager, Ptolemäer und solche aus Judeä dazukommen - Hauptsache es hat mit Rom zu tun, sie interessieren mich geschichtlich und sie gefallen mir wieso auch immer.
:oops:

Die Maiorina finde ich mit dem starken Doppelschlag und den Druckstellen tatsächlich nicht so schön. Die wäre bei mir in einem Lot versenkt worden.

Ich denke, das ist eher der "natürliche" Einstieg. Es passt auch zu deinem Koson :wink: Schwerpunkte kannst Du ja immer noch je nach aktuellem Interesse setzen und im Laufe der Zeit verändern.
Bei mir war es auch so: auf der Uni eine Vorlesung über Ephesos... Also eine Münze aus Ephesos gekauft.
Vorlesung über Byzanz: ein paar byzantinische Folles.
Vorlesung über Kelten: dann sollte es ein paar Kelten mehr geben.
Axum: na, einen Axumiten brauche ich mindestens.

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