Indische Fürstenstaaten

Alles vom Asiatischen Kontinent bis nach Australien
Benutzeravatar
KarlAntonMartini
Moderator
Beiträge: 7364
Registriert: Fr 26.04.02 15:13
Wohnort: Dresden
Hat sich bedankt: 116 Mal
Danksagung erhalten: 248 Mal

Indische Fürstenstaaten

Beitrag von KarlAntonMartini » So 09.01.22 19:05

Unter der British Raj behielten zahlreiche indische Fürstenstaaten das Münzregal. Teilweise wurden nach 1858 die englischen Herrscher auch namentlich benannt. Die East India Company hatte sich seit dem 17. Jahrhundert zunächst in einigen Küstenstandorten niedergelassen, um sich dann unter Ausnutzung der innerindischen Streitigkeiten und Kriege immer mehr Territorien zu sichern. Die anderen europäischen Mächte, insbesondere Frankreich wurden dabei verdrängt. Die Fürstenstaaten prägten Münzen nach eigenen Währungssystemen, die in einem stets schwankenden Verhältnis zu der ab 1835 einheitlich für ganz Indien von der EIC geprägten Rupie standen. Dieser Zustand hielt bis 1947 an. Die größeren Staaten schafften sich im Lauf des 19. Jahrhunderts moderne Prägemaschinen an, viele kleinere Münzstände prägten aber bis zur indischen Union nach der klassischen Hammerschlagsmethode. Die Ausführung der Stempel ist in der Regel von geringer Qualität und der Brauch, daß die Stempel meist größer waren als der Schrötling und so immer nur ein zufälliger Teil des Stempels auf der Münze zu finden ist, macht die Bestimmung nicht einfach. Dazu kommt eine große Vielfalt an Schriftarten und Zeitrechnungen. Aber das macht das Gebiet der indischen Münzen so spannend.

Ich werde eine Reihe der Münzstände in alphabetischer Reihenfolge vorstellen.

Diese beginnt mit Alwar, einem kleinen Staat (1900 ca. 700.000 Ew.) im heutigen Rajasthan. Eine Rupie von Bakhtawar Singh (1791-1815) im Namen Schah Alams II. (1759-1806), geprägt in Rajgarh, 11,4 g. Das Prägedatum ist AH 1146, die Zahl 46 ist auf dem unteren Bild rechts oben zu finden, in AD entspricht das 1804. Möglich ist auch, daß die 46 das Regierungsjahr von Schah Alam II. bezeichnen, dann kommt man auf 1805. (KM 10) -
P1090025.JPG
P1090023.jpeg
Bakhtawar Singh war erst der zweite Herrscher des 1770 aus dem sich auflösenden Mughal-Reich hervorgegangenen Fürstentums. 1803 schloß er sich eng an die EIC an. Nach seinem Tod ließ sich seine favorisierte Konkubine verbrennen.
Grüße, KarlAntonMartini
Tokens forever!

Benutzeravatar
KarlAntonMartini
Moderator
Beiträge: 7364
Registriert: Fr 26.04.02 15:13
Wohnort: Dresden
Hat sich bedankt: 116 Mal
Danksagung erhalten: 248 Mal

Re: Indische Fürstenstaaten

Beitrag von KarlAntonMartini » Sa 15.01.22 15:45

Awadh oder auch Oudh genannt, lag an der Grenze zu Nepal und war 1720 aus dem Moghul-Reich hervorgegangen. Es regierte eine aus dem Iran stammende schiitische Dynastie, die zwar rationalistisch aber prachtliebend und verschwenderisch war. Schon bald geriet das Land unter den Einfluß der EIC, 1816 wurde es offiziell britisches Protektorat. In der Folge wurden die Nabobs zu Gebietsabtretungen gezwungen, dafür mit dem Königstitel entschädigt. 1859 verleibten sich die Briten das Land vollständig ein, daraus wurde die Provinz Agra & Oudh, nach 1947 der Bundesstaat Uttar Pradesh. Hier eine Rupie des dritten Königs, eher eine britische Marionette, Muhammed Ali Shah (1837-1842), AH 1254 (1838), 10,5 g., KM 316. Prägetechnisch besonders ist daran, daß die Münze zwar traditionell mit dem Hammer, aber im Ring geschlagen wurde. Die Vorderseite zeigt das Staatswappen: zwei geflügelte Nixen tragen die Königskrone über einem Fisch. Dazwischen die Zahl 1 für das Regierungsjahr des Königs. Auf der Rückseite in der Mitte die Jahreszahl 1254. - Grüße, KarlAntonMartini
Dateianhänge
P1150062 (2).JPG
P1150061 (2).JPG
Tokens forever!

Benutzeravatar
Erdnussbier
Beiträge: 1641
Registriert: So 23.09.12 16:10
Wohnort: Leverkusen
Hat sich bedankt: 222 Mal
Danksagung erhalten: 199 Mal

Re: Indische Fürstenstaaten

Beitrag von Erdnussbier » Sa 15.01.22 19:26

Nur Info: Indien finde ich sehr spannend für mich ist es aber schwierig einen guten Bezug zu dem Thema zu bekommen.
Von daher sind deine Beiträge sehr Willkommen, ich freue mich schon auf weitere.

Grüß Erdnussbier
Suche Münzen & Medaillen aus Braunschweig-Wolfenbüttel 1685-1704

Benutzeravatar
KarlAntonMartini
Moderator
Beiträge: 7364
Registriert: Fr 26.04.02 15:13
Wohnort: Dresden
Hat sich bedankt: 116 Mal
Danksagung erhalten: 248 Mal

Re: Indische Fürstenstaaten

Beitrag von KarlAntonMartini » Sa 15.01.22 22:14

Bahawalpur war ein muslimisches Land, das von einer abbasidischen Dynastie regiert wurde. Es lag im heute pakistanischen Teil des Punjab (Fünfstromland, im Namen scheint der alte indogermanische Wortstamm "pan", penta, fünf auf). Es lag im Gebiet widerstreitender Interessen zwischen dem Moghul-Teich und den afghanischen Durranis. Eine kurze Zeit war es von den hinduistischen Marathen besetzt, schließlich erkannten die Durranis 1802 seine Selbständigkeit an. Diese war aber von den expandierenden Sikhs bedroht. So schloß Bahawalpur 1833 einen Schutzvertrag mit der EIC ab. Hier eine Kupfermünze des 6. Nabobs Muhammad Bahadur Khan III. Abbasi (1826-1852), die zwischen 1834 und 1843 geprägt wurde. In Katalogen wird das Nominal als "Fals" angegeben. Diese Bezeichnung ist vom römischen "Follis" über die Byzantiner und Abbasiden zum arabischen Wort "Falus" geworden und bezeichnet generell eine Kupfermünze. Von Hans Herrli in seinem Buch über die Münzen der Sikhs stammt der Versuch einer Bestimmung von Nominalen nordindischer Kupfermünzen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Münzen über 30 g Gewicht seien Annas, 16 - 24 g Takas (2 Paisa), 8,5 -12 g Paisas und 4,5 - 6 g Halbe Paisas. Der Fals hier hat 5,5 g, ist also 1/2 Paisa; Y 1; Valentine II --. Von der Jahreszahl ist nur 125x lesbar. Grüße, KarlAntonMartini
Dateianhänge
P1150036 (3).JPG
P1150034 (2).JPG
Tokens forever!

Benutzeravatar
KarlAntonMartini
Moderator
Beiträge: 7364
Registriert: Fr 26.04.02 15:13
Wohnort: Dresden
Hat sich bedankt: 116 Mal
Danksagung erhalten: 248 Mal

Re: Indische Fürstenstaaten

Beitrag von KarlAntonMartini » So 16.01.22 12:35

Im Süden des heutigen Unionsstaates Rajasthan lag das kleine Fürstentum Banswara, dessen Name etwa Bambuswaldland bedeutet. Es war 1538 aus einer Erbteilung entstanden und wurde von einer Rajputen-Dynastie beherrscht. Rajputen waren eine Gruppe hinduistischer adeliger Familien, die sehr kriegerisch eingestellt waren. Nachdem das Land in den Marathen-Kriegen unter starken Druck geraten war, schloß es 1818 eine Allianz mit der EIC gegen die Marathen. Der Kleinstaat, der 1901 nur 165.000 Einwohner zählte, gab lange keine eigenen Münzen heraus. Erst der Maharawal Lakshman Singh (1844-1905) ließ entgegen einer britischen Anordnung um 1870 Kupfer- und Silbermünzen prägen. Die Silbermünzen waren wohl nicht für den Umlauf bestimmt und dienten als Donative. Das Kuriose daran ist die verwendete Schrift. Die hatte der regierende Fürst als Geheimschrift selbst entworfen. Offenbar war ihm trotz seiner zwölf Frauen etwas langweilig geworden. Die hier gezeigte Silbermünze mit 2,0 g und 12,5 mm wird allgemein als Viertelrupie bezeichnet; eigentlich wäre sie im Verhältnis zur üblichen Rupie nur ein Sechstel gewesen. Die auf beiden Seiten der Münze gleiche Inschrift wird mit "Samsatraba" übersetzt, ein Name der Göttin Shiva. - KM 21. Grüße, KarlAntonMartini
Dateianhänge
P1150040 (2).JPG
P1150040 (2).JPG (65.89 KiB) 74 mal betrachtet
P1150038 (2).JPG
P1150038 (2).JPG (65 KiB) 74 mal betrachtet
Tokens forever!

Benutzeravatar
KarlAntonMartini
Moderator
Beiträge: 7364
Registriert: Fr 26.04.02 15:13
Wohnort: Dresden
Hat sich bedankt: 116 Mal
Danksagung erhalten: 248 Mal

Re: Indische Fürstenstaaten

Beitrag von KarlAntonMartini » Mo 17.01.22 22:18

Die oben schon erwähnten Marathen waren eine hinduistische Kriegerkaste, die aus kleinen Anfängen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Indien zu einer Großmacht wurden und das Moghul-Reich bis auf kleinste Reste zerstörten und eroberten. Die ursprüngliche Herrscherdynastie war durch eine Familie von Hausmeiern, die Peshwas ersetzt worden. Nach empfindlichen Verlusten im Kampf gegen die Afghanen teilte der Peshwa nach 1770 das Land auf, es entstand die Marathen-Konföderation. Der Hauptgegner war jetzt die EIC mit der drei Kriege geführt wurden, zunächst waren die Marathen erfolgreich, im dritten Krieg (vor 1818) unterlagen sie. Das Marathenreich wurde mit Unterstützung der Briten in mehrere Länder geteilt, die wichtigsten waren Indore, Malwa, Gwalior, Nagpur, Dhar, Dewas und Jhansi, die als Fürstenstaaten unter dem Protektorat der EIC existierten. Schon nach 1772 de facto und 1805 per Vertrag wurde der Marathenstaat Baroda an die EIC gebunden. Das Land lag im Süden des heutigen Unionsstaates Gujarat und hatte um 1900 ca. zwei Millionen Einwohner. Die regierende Dynastie, die Gaekwars (Schafhirten) nannten sich nach dem Beruf des Großvaters des Staatsgründers. Ich zeige hier eine Rupie des Maharaja Anand Rao (1800-1819), die noch im Namen des Moghuls Muhammed Akbar II. geprägt wurde. Auf der Vorderseite ist vom Namen Muhammed Akbars nur der Titel Shah zu lesen, auch das Prägejahr 1226 (1811) ist nicht vollständig erkennbar, läßt sich aber aus dem Regierungsjahr auf der Rückseite erschließen. Das für Münzen Barodas typische Krummschwert ist hier als Münzzeichen in den Buchstaben S von Julus gerutscht. Rechts über der Zahl 6 ein Buchstabe A in der Nagari-Schrift, der steht für Anand Rao und wurde von der Münzstätte in Baroda für Prägungen dieses Herrsches im Namen Muhammed Akbars II. benutzt. Die Rupie wiegt 11,4 g und wird im KM unter C 27 geführt. - Grüße, KarlAntonMartini
Dateianhänge
P1150044 (2).JPG
P1150042 (2).JPG
Tokens forever!

  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag
  • Indische Imitation ?
    von Mynter » Fr 12.02.21 07:09 » in Römer
    5 Antworten
    453 Zugriffe
    Letzter Beitrag von Mynter
    Sa 13.02.21 10:47
  • Indische 5 Rupees mit EXP im Prägestempel
    von mefeu#münzen » So 07.03.21 09:11 » in Asien / Ozeanien
    3 Antworten
    298 Zugriffe
    Letzter Beitrag von mefeu#münzen
    So 07.03.21 11:00
  • unbekannte indische Münze
    von transkriptor » So 18.07.21 18:54 » in Asien / Ozeanien
    0 Antworten
    322 Zugriffe
    Letzter Beitrag von transkriptor
    So 18.07.21 18:54
  • Bestimmungshilfe arabisch/indische Münze
    von mefeu#münzen » Do 23.04.20 10:58 » in Asien / Ozeanien
    0 Antworten
    592 Zugriffe
    Letzter Beitrag von mefeu#münzen
    Do 23.04.20 10:58
  • Bestimmungshilfe arabisch/indische Münze
    von mefeu#münzen » Do 23.04.20 11:11 » in Asien / Ozeanien
    0 Antworten
    753 Zugriffe
    Letzter Beitrag von mefeu#münzen
    Do 23.04.20 11:11

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste