Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Perinawa
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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Perinawa » Fr 26.11.21 11:57

Lucius Aelius hat geschrieben:
Fr 26.11.21 11:27
Auf der Münze dann wohl ein Steckamboss?
Ich weiss, worauf du hinaus willst... :wink:

Nein, auf der Münze ist kein Steckamboss dargestellt, sondern einer wie auf dem vorgestellten Relief abgebildet ist.

Ich komme aber nochmals auf die von mir eingangs eingestellte Frage zurück: Wie stellt der Münzmeister einen Gegenstand dar, damit er von allen erkannt wird? Wie du ja selbst angemerkt hast, war evtl. verschiedenes Equipment, und damit auch verschiedene Ambosse für verschiedene Münzen in Gebrauch. Danach würden sich auch auf der Münze verschiedene Darstellungen anbieten. Ich sehe trotzdem den Hauptgrund in der einfachen Erkennbarkeit und in der damit verbundenen "Botschaft": Mit Hammer, Zange und Amboss konnten Münzen (mit der Hilfe Volkanus) hergestellt werden.
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Lucius Aelius
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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Lucius Aelius » Fr 26.11.21 13:08

Perinawa hat geschrieben:
Fr 26.11.21 11:57
Ich sehe trotzdem den Hauptgrund in der einfachen Erkennbarkeit und in der damit verbundenen "Botschaft": Mit Hammer, Zange und Amboss konnten Münzen (mit der Hilfe Volkanus) hergestellt werden.
Das klingt plausibel :)
Gruss
Lucius Aelius

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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Lucius Aelius » Di 30.11.21 21:36

Die Sache hat mich immer noch nicht losgelassen.

Dass hier ein Amboss dargestellt wird, da bin auch ich jetzt überzeugt. ANTONINUS PIUS hat bspw. 151 ein Medaillon auf Vulcanos prägen lassen. Dieser trägt die Kappe und sein Amboss, auf dem er gerade schmiedet, hat auch diese Füsschen.
Mittag deutet es so, dass militärische Aufrüstung gegen die Reichsfeinde den Anlass zu dieser Ausgabe lieferten.

Ich werfe das nur mal so ein, denn ich frage mich, wozu der LORBBERKRANZ rückseitig? Ganz gewiss nicht verwendet, dass das ganze hübscher aussieht.
Interessanterweise schreibt einer vom anderen ab: Münzprägewerkzeuge. Und warum nicht Schmiedewerkzeuge, so wie sie auch dem dankenswerterweise von Perinawa verlinkten Relief zu sehen sind?
Gruss
Lucius Aelius

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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Zwerg » Di 30.11.21 22:30

Danke!
Hier der Link zu einer Auktion mit diesem Medaillon und ein Foto (Peus wir nichts dagegen haben!)
https://tinyurl.com/2p83eaap
1.jpg
Die Werkzeuge für Schmieden und Prägen sind ja prinzipiell identisch: Hammer und Zange.
Allein die Juno Moneta auf der Vorderseite spricht für die Münzprägung.
Der pileus des Vulcan wurde öfters mit Lorbeerkranz dargestellt.
Auf Münzen z.B. der Denar Cr. 314/1b des L.Aurelius Cotta

Grüße
Klaus
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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Lucius Aelius » Mi 01.12.21 03:21

Danke.
Der Cotta geht genau in die Richtung, wo ich hin will:
Vulcanos im Lorbeerkranz / Adler im Lorbeerkranz.
Ist die Cotta- Münze schon bzgl. ihrer Bilder entschlüsselt?
Was, wenn nun der Carisius auf ein ähnliches Ereignis hinweisen will wie Cotta?
Stellen wir uns doch mal das Szenario vor: Ein junger Mann am Anfang seiner politischen Karriere, von dem JEDER weiss, dass er MÜNZMEISTER ist ( denn sein Name steht ja auf dem Geldstück) nutzt in einer brisanten Zeit das wichtigste Propagandamittel, um den Mitmenschen mitzuteilen: Das hier ist meine neue Chefin für 1 Jahr (Juno Moneta) und das sind meine Werkzeuge bei der Arbeit. Also da hab ich so meine Zweifel.

PS:
https://www.academia.edu/41285211/Zu_ei ... ninus_Pius
Gruss
Lucius Aelius

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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Perinawa » Mi 01.12.21 16:19

Lucius Aelius hat geschrieben:
Di 30.11.21 21:36
Ich werfe das nur mal so ein, denn ich frage mich, wozu der LORBBERKRANZ rückseitig? Ganz gewiss nicht verwendet, dass das ganze hübscher aussieht.
Ich meine weiterhin, dass er klar und deutlich auf die Erfolge Caesars abzielt. Die Münzprägung war ja eine konsequente Folge: Viel Feind, viel Ehr = viele teuere Prunkzüge, Festbankette und Geldgeschenke. Caesar hat ja gerade in diesem Jahr reiche Beute mit nach Rom gebracht, wovon ein Teil auch sicherlich für die Prägung neuer Münzen gedient hat.

Grüsse & besten Dank für deine/euere weiteren Nachforschungen
Rainer

PS. Dass der Münzmeister die Erfolge Caesars bewirbt (in der Hoffnung, auf's richtige Pferd zu setzen), ergibt sich mMn schon aus den Victoria/Biga-Denaren Cr. 464/4, 5.
Zuletzt geändert von Perinawa am Mi 01.12.21 17:51, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Zwerg » Mi 01.12.21 16:59

Lucius Aelius hat geschrieben:
Mi 01.12.21 03:21
Ist die Cotta- Münze schon bzgl. ihrer Bilder entschlüsselt?
Nach Crawford: Vulcan in Anlehnung an Münzen aus Lipara, eingenommen von C.Aurelius Cotta (Consul 252). Adler = Symbol des daraus resultierenden Triumphes
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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Lucius Aelius » Do 02.12.21 05:34

Danke für eure Anmerkungen 👍
Gruss
Lucius Aelius

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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Perinawa » Mo 06.12.21 13:41

Der Triumphbogen des Nero


Leider sucht man heute auch die Reste jenes Ehrenmonuments vergeblich, das dem Kaiser Nero anlässlich seiner armenischen Feldzüge bewilligt worden war. Vermutlich wurde es an einer Stelle auf dem Kapitol unweit des Asylums errichtet; eine exakte Lokalisierung ist jedoch nicht möglich, da keinerlei Fundamentreste gefunden wurden. Sozusagen stellvertretend steht hier eine Büste des Kaisers Nero, die auf dem Kapitol unweit des Jupitertempels geborgen werden konnte und heute im Museo Palatino ausgestellt ist.

Nero_Portrait.jpg


Von den historischen Hintergründen des Ehrenbogens wissen wir nur aus den Annalen des Tacitus. Dieser berichtet, daß der Senat nach der Eroberung der armenischen Hauptstadt Artaxata durch Cn. Domitius Corbulo im Jahr 58 n. Chr. beschloß, für Nero einen Triumphbogen zu errichten. Der Bogen wurde dann vier Jahre später zusammen mit weiteren Siegesdenkmälern auf dem Kapitol erbaut.

Das spätere Schicksal des Bogens ist unbekannt. Wahrscheinlich wurde er nach dem Tod des Kaisers 68 n.Chr. anlässlich seiner damnatio memoriae zerstört, spätestens fiel er jedoch den Flammen zum Opfer, die im folgenden Jahr und später auch 80 n.Chr. auf dem Kapitol wüteten.


Trotzdem können wir uns ein recht genaues Bild von seinem Aussehen machen. Der Bau ist nämlich auf Münzen abgebildet, die zwischen 62 und 68 n. Chr. von den Prägestätten Rom und Lugdunum herausgegeben wurden. Man sieht hier einen eintorigen Bogen in annähernder Dreiviertelansicht. Auffällig ist die reichhaltige Verzierung und die üppige Besetzung mit verschiedenen Figuren. Die Attika wird von einer Statuengruppe bekrönt, die Nero mit Zepter und Zweig in einer Triumphatorenquadriga wiedergibt. Die einzelnen Details werden von Christina Drees (Ein Mars gibt Rätsel auf - Überlegungen zu den Prägungen Neros mit Ehrenbogen) im einzelnen beschrieben, würden aber hier den Rahmen sprengen. Besonders interessant ist jedoch die Statue in der Aedikula, die als Darstellung des Gottes Mars identifiziert wird. Dargestellt ist jedoch nicht der rachesinnende Mars Ultor, sondern ein "jugendlicher Sieger und Imperator" - ein Hinweis darauf, dass der Imperator selbst hier in die Götternähe erhoben wird. Zusammen mit der räumlichen Nähe zum Jupitertempel entsteht zudem eine inhaltliche Verbindung zum sakralen Bereich, was eine grundsätzliche göttliche Hilfe bei den Unternehmungen des Kaisers impliziert. Nach M. Roehmer (Der Bogen als Staatsmonumen) vermitteln Standort und Schmuckprogramm des Bauwerks somit letztlich die Vorstellung von einer ans Göttliche grenzenden Macht und Kraft des Kaisers. Dadurch sollten der Senat und das Volk von Rom angesichts des aktuellen Armenienkonflikts von der Unüberwindlichkeit des Reiches gegenüber Parthien überzeugt werden.

Beachtenswert ist aber auch eine numismatische Neuerung: Im Gegensatz zu den früheren Beispielen für Ehrenbögen in der römischen Münzprägung kommt derjenige Neros ausschließlich auf niederwertigen Münzen vor. Bisher war für solche Triumphalmotive – mit Ausnahme eines Bogens für den älteren Drusus auf Sesterzen des Claudius – immer ein höheres Nominal gewählt worden, sprich: Aurei und Denare. Die anspruchsvolle Darstellung der Architektur auf den Bronzen des Nero tritt erstmals um 62 n.Chr. in Erscheinung. Dies wird mit dem im gleichen Zeitraum anzusetzenden Wandel im Lebens- und Regierungsstil des Kaisers in Verbindung gebracht, als Nero insbesondere seine Vorlieben für den künstlerischen Bereich stärker in der Vordergrund stellt. Nach dem Urteil E. A. Sydenhams erreichte die römische Reichsprägung unter Nero jedenfalls einen Höhepunkt in der künstlerischen Ausführung.

Ein Sesterz aus dem Münzkabinett des Staatlichen Museums zu Berlin gibt den Ehrenbogen in seinen Details wieder:

Nero.jpg


Nero_II.jpg


Dagegen ist die Erhaltung des in meiner Sammlung liegenden Sesterzen, der zu einem Proto-Kontorniat umgearbeitet wurde, leider recht dürftig.

ProtoKontorniat.jpg

Nero
Sesterz / Proto-Kontorniat
ca. 62 - 68 n.Chr.
Lugdunum
Av.: Belorbeerte Büste mit kleinem Globus n.l. - IMP NERO CAESAR AVG PONT MAX TR POT P P
Rev.: Triumphbogen - S/C
23,33 Gr.
RIC 500



Proto-Kontorniate

Unter Kontorniate werden jene Medaillons verstanden, die in der späten Kaiserzeit (4./5. Jh. n.Chr.) geprägt wurden. Sie hatten in etwa die Grösse eines Sesterzen und sind an ihrem sich scharf abzeichnenden Rand, dem meist noch eine Rille eingeschliffen wurde, gut zu erkennen. Der Name leitet sich von contorno (=Rand) ab. Verwendung und Zweck dieser Stücke sind umstritten. So wird eine Verwendung als Spielsteine vermutet und denkbar ist ebenfalls eine Ausgabe zu Propagandazwecken. Eine glaubwürdige These besagt allerdings, dass sie als Neujahrsgeschenke die in früheren Jahren ausgegebenen Medaillone und Kupferasse ablösten. Als gesichert gilt, dass sie von offizieller Seite ausgegeben wurden.

Kontorniat.jpg
(Æ-Kontorniat, 355/423, Rom; 26,94 g. Alföldi 309.1, Tf. 127, 11)


Im Gegensatz dazu werden die Proto-Kontorniate einer privaten Fertigung zugeschrieben. Dabei wurde der Rand von Bronzemünzen - vorwiegend aus dem 1. - 3. Jh. n.Chr. durch Hammerschläge bearbeitet, und die Münzseiten anschliessend plangeschliffen. Nach den Vermutungen von Curtis Clay waren es Vorläufer der Kontorniaten, die vor allem im späten dritten und frühen vierten Jahrhundert gefertigt wurden, als die Münzstätten nur wenige Medaillons und Bronzeprägungen für den Geldumlauf produzierten. Weiterhin weist er darauf hin, dass eine nicht unbeträchtliche Anzahl der Kontorniate Motive mit Wagenrennen und anderen Zirkusspielen zeigt, und schliesst damit auf eine Ausgabe anlässlich der Spiele zu Ehren Sol, die jedes Jahr am 25. Dezember stattfanden. Es ist möglich, dass die Spiele auf Trajan zurückgehen, und er war es auch, der erstmalig Bronzemedaillons mit S/C ausgegeben hat.

Doch noch einmal zurück zur Spielsteintheorie: Die Römer waren als spielfreudig bekannt und sind es noch immer, und so gehört das entsprechende Equipment zum regelmässigen Fundinventar römischer Grabungen. Spielfelder kennt man u.a. von den Treppenstufen und Fussböden staatlicher Bauten - als Beispiel sei mal die Basilika Iulia in Rom erwähnt, wo sich solche Felder erhalten haben. Müssiggang, aber auch die Verhandlungspausen während der dort stattfindenden Prozesse liessen immer Raum und Zeit für ein spontanes Spielchen zwischendurch. Das dazu allerdings die hier angesprochenen Proto-Kontorniate gedient haben könnten, halte ich aus den folgenden Gründen für nicht sehr wahrscheinlich. Die meisten Gesllschaftsspiele erforderten eine gewisse Anzahl an Spielsteine - das beliebte Soldatenspiel (ludus latrunculorum) machte nicht weniger als 16 Steine pro Spieler notwendig. Es hätte also der ständigen Mitnahme eines nicht unerheblichen Anteils an gewichtigen und unhandlichen Sesterzen gebraucht, was im Hinblick auf viele andere Möglichkeiten nicht plausibel erscheint. Aus diversen Ausgrabungen sind Spielsteine aus Glas, Bein und Geweih bekannt, aber oft wurde auch nur das genommen, was gerade greifbar war, wie beispielsweise Kieselsteine. Letztlich macht aber der fehlende Fundkontext deutlich, dass die Spielsteinthese nicht haltbar ist, denn selbst bei Grossfunden wie der aus Vindonissa, bei dem über 800 Spielsteine geborgen werden konnten, wurde kein einziges Proto-Kontorniat entdeckt. Natürlich kann man nicht ausschliessen, dass Proto-Kontorniate nicht in Einzelfällen als Spielstein(ersatz) gedient haben können.

Wozu aber letztendlich Proto-Kontorniate gedient haben, darüber lässt sich nur spekulieren. Auch diie wenigen Funde lassen nach meiner Meinung nach den Schluss zu, dass sie ausschliesslich von privater Hand gefertigt wurden. Eine weitere, nicht uninteressante These besagt, dass die Bearbeitung für eine Verwendung der Münze in einem "Rahmen" bzw. einer Lünette geschah. Dies belegt der Münzfund eines in einem Rahmen gefassten, bearbeiteten Sesterz des Domitian. Dies würde aber ebenfalls die These stützen, dass die Proto-Kontorniate in erster Linie als Geschenk zu verstehen sind, wobei die nähere Eingrenzung zum Anlass offen bleiben muss. Darüber wissen wir leider noch zu wenig, aber vielleicht kann man bei jenen Bräuchen ansetzen, die wir heute teilweise noch praktizieren. Ich verschenke zum Einzug immer noch Brot und Salz...


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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von jschmit » Mo 06.12.21 17:07

Servus Rainer,

Vor allem die Explikationen zu dem Typ (natürlich auch der Triumphbogen) waren sehr interessant und es befriedigt endlich meine Neugier die sich in mir aufgebaut hat als du die erwähnt und gezeigt hast.

Ich bin ehrlich, ich hätte sie als Fälschung angesehen, weil ich nicht wusste dass es da noch was zwischen Münzen und Medaillons gab. In dem Fall kann ich dir nur gratulieren zu diesem Stück! Egal ob es jetzt irgendwo schönere gibt, alles andere als häufig.

Grüße,

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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Perinawa » Mo 06.12.21 17:30

jschmit hat geschrieben:
Mo 06.12.21 17:07
Ich bin ehrlich, ich hätte sie als Fälschung angesehen, weil ich nicht wusste dass es da noch was zwischen Münzen und Medaillons gab.
Das Auktionsfoto war aber auch nicht besonders gut, aber das Risiko kalkulierbar klein. Mittlerweile wird alles gefälscht. Vor Jahren habe ich vermehrt antike Fälschungen gesammelt, und die waren alle "echt antik falsch". Mittlerweile gibt es dafür auch grösseres Interesse, und - schwupps - tauchten die ersten "falschen Fälschungen" auf.

Grüsse
Rainer
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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von jschmit » Mo 06.12.21 17:39

Was mich richtig stört sind tatsächlich diese modernen Fälschungen die dann so verkauft werden. Es finanziert das Ganze letztendlich und hat bei Auktionen mit antiken Münzen mMn nichts verloren..aber gut - machste nix. In dem Fall hat sich das Risiko dann besonders gelohnt!
Grüße,

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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Perinawa » Mi 26.01.22 17:44

Der Tempel der Iuno Martialis

Der Tempel der Iuno Martialis war ein Bauwerk des alten Roms, von dem bis auf die Abbildungen auf den Münzen so gut wie gar nichts bekannt ist.

Obwohl der antike Geschichtsschreiber Rufus Festus den Sakralbau als zum Forum Romanum gehörig erwähnt, ist diese Lokalisierung umstritten. Als möglicher Standort wird aufgrund des Beinamens "martialis" ebenfalls das Marsfeld (campus martius) gehandelt, wo schon drei Junotempel standen, aber auch der campus martialis am Rande des Caelius kommt in Frage.

03103q00_klein.jpg

Münzen mit dem Tempel der Iuno Martialis auf der Rückseite wurden ausschliesslich unter Trebonianus Gallus und dessen Sohn Volusianus geprägt. Die Abbildung des Sakralbaus gibt ein ungefähres Bild seines Aussehens, wonach es sich einen mit Girlanden geschmückten Rundtempel mit eher bescheidenen Ausmassen gehandelt haben muss. Hier sollte man aber wiederum bedenken, dass es bei den Abbildungen der Bauten auf Münzen keinesfalls um das tatsächliche Aussehen ging, sondern nur um deren Charakterisierungen. Auf den Antoninianen und vielen Sesterzen wird er zweisäulig dargestellt; bei letzteren gibt es jedoch die "Variante", dass zwei weitere Säulen im Hintergrund zu sehen sind.


03103q00.jpg
Volusianus
Sesterz
251 - 253 n.Chr.
Rom
Av.: Belorbeerte, drapierte und kürassierte Büste n.r. - IMP CAE C VIB VOLVSIANO AVG
Rev.: Girlandengeschmückter Rundtempel, darin sitzende Juno mit Getreideähren(?) - IVNONI MARTIALI / S - C
18,77 Gr.
RIC 252a
Cohen 41


Nur auf einigen Medaillonen wird der Tempel in einem etwas grösseren Detailreichtum abgebildet.

711559.jpg
(Medaillon/Foto: CNG)

https://www.cngcoins.com/Article.aspx?ArticleID=187


Iuno Martialis - ein ungelöstes Rätsel

Die Bedeutung des Beinamens "Martialis" ist bisher nicht zufriedenstellend geklärt und seit Jahrzehnten Gegenstand wissenschaftlicher Debatten. Wörtlich genommen kann man ihn grundsätzlich mit "zu Mars gehörend" oder "kriegerisch" übersetzen, denn Mars ist ja nach Ovid der Sohn der Juno und nebenbei Kriegsgott.

Vermutet wird auch die Verbindung zu einem historischen Ereignis jener Zeit. Damals bedrohte eine Pest-Epidemie das römische Reich, wobei Iuno, die neben vielen anderen Funktionen auch als Göttin der Heilung verehrt wurde, angerufen wurde, um die schreckliche Krankheit zu bekämpfen. Sie wird manchmal mit Iuno Perusina gleichgesetzt, da Perugia die Heimatstadt von Trebonianus Gallus war, und als solche wird sie von modernen Gelehrten manchmal Iuno Martialis Perusina genannt. Iuno Perusina, oder Iuno von Perusia, ist eine Form der großen römischen Göttin Iuno, der Schutzgöttin der Stadt Perusia (dem heutigen Perugia). Perusia war eine der zwölf Städte des etruskischen Bundes und seit der Antike als reiche Stadt bekannt. Sie kam im 4. Jahrhundert v. Chr. unter römische Herrschaft und lag etwa 80 Meilen tiberaufwärts von Rom.
Um 40 v. Chr. belagerte Octavian, der spätere Kaiser Augustus, Perusia, um einen Aufstand niederzuschlagen, der von Lucius Antonius, dem Bruder von Marcus Antonius, angezettelt wurde. Octavian eroberte Perusia und die Legende besagt, dass er in seinem Zorn über die Rebellion 300 ihrer führenden Bürger als Menschenopfer für den neuen Gott Julius (Caesar) ergreifen und töten ließ, natürlich an den Iden des März. Wie dem auch sei, es heißt auch, dass Octavian einen Traum hatte, der ihm sagte, er solle die Iuno von Perusia mit nach Rom bringen, damit ihre Verehrung in diese Stadt verlegt werden könne. Einige Zeit später an einem 7. März - das genaue Jahr ist unbekannt - soll Octavian der Göttin dann einen Tempel auf dem Marsfeld geweiht haben. (Robert E. A. Palmer / Roman Religion and Roman Empire: Five Essays).

Eine weitaus banalere Theorie leitet ihren Namen einfach vom Monat März ab, weil Iuno zu Ehren jedes Jahr am 7. März ein Fest auf dem Marsfeld gefeiert wurde. (vgl. Joe Sermarini / NumisWiki)

Und selbst eine Verbindung der Iuno als Göttin der Fruchtbarkeit mit der Frau des Kaisers, Baebiana, die nicht zur Augusta erhoben worden war, damit Herennia Etruscilla ihren Titel behalten konnte, wurde angedacht.

Auch, wenn diese Frage nicht geklärt werden kann - jedenfalls nicht nach heutigem Forschungsstand, scheint Iuno Martialis auf jeden Fall für Trebonianus Gallus und seinen Sohn wichtig gewesen zu sein.


Letztendlich möchte ich noch auf einen interessanten Münztyp des Trebonianus Gallus hinweisen, der mit den o.g. Prägungen im Zusammenhang steht. Antoniniane mit der Legende IVNO MARTIALIS zeigen auf ihrer Rückseite die sitzende Göttin Iuno mit Langszepter und Getreideähren(?). Diese letztgenannten Attribute haben in der Fachwelt zu langen Diskussionen geführt, deren genaue Wiedergabe den Rahmen dieses threads sprengen würde. Daher verweise ich auf den hervorragenden Beitrag im thread "Mythologisch interessante Münzen":

viewtopic.php?p=266523#p266523


Und wohin ernste numismatische Diskussionen zuweilen führen können, zeigt die folgende Karikatur aus "Franklin's World"...

36313_491cda2e.jpg

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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Perinawa » Fr 18.02.22 14:20

Die Villa Publica


Die meisten Rombesucher kennen sicherlich Berninis berühmten Elefantenobelisk auf der Piazza della Minerva inmitten des städtischen Zentrums.

beli.JPG

Hier befand sich einst das Zentrum eines der grössten und wichtigsten öffentlichen Gebäudes des republikanischen Roms, der Villa Publica. Obwohl heute keinerlei Reste mehr sichtbar sind, ist ihre Lage ziemlich genau bekannt. Cicero, Varro und Plutarch beschreiben sie angrenzend an die Saepta, den Circus Flaminius und den Bellona-Tempel. Darüber hinaus ist sie zumindest fragmentarisch auf jenem antiken Stadtplan erhalten, den man als Forma Urbis Severiana kennt. An ihrem südlichen Ende stiess sie annähernd an die vier republikanischen Tempel des Largo Argentina, besser bekannt als das „Katzenforum“.

platner_I.gif

platner_II.jpg

(Quelle: https://www.quondam.com/e30/3098.htm / Platner)


Die Villa Publica war das erste öffentliche Gebäude auf dem Marsfeld (Campus Martius) und das einzige, das vor dem Ende der Republik errichtet wurde. Nach Livius fand der erste Bau 435 v.Chr. statt. Zunächst befasste sich der Ort mit Menschen und Schafen, denn das primitive Leben in der frühen Republik war grösstenteils von der Landwirtschaft geprägt. So wird das Gebäude in Einheit mit der angrenzenden Saepta mit zwei antiken Vegetations- und Herdengöttinnen in Verbindung gebracht: Pales und Flora. Pales war eine antike bäuerliche Gottheit und Beschützerin der Bauern und des Viehs, Flora war die Göttin der (Getreide)blüte. Am 21. April wurde Pales zu Ehren das Fest der Reinigung der Herden, die Palilia oder Parilia, gefeiert und am 28. April das der Göttin Flora. Angrenzend an das Gebäude befand sich der eingezäunte Bereich, die Saepta, in dem sich die comitia centuriata zur Abstimmung versammelte. Die Unterteilung dieses Bereichs in kleinere Abschnitte für Stämme und Jahrhunderte führte dazu, dass er einem Schafstall ähnelte, und daher wurde er oft ovile (Pferch) genannt.

Zunächst fanden hier die Schätzungen der Besitztümer statt, wobei der Reichtum der Bürger durch die Anzahl der Schafe gemessen wurde. Als erstes wurde die Zählung durchgeführt und dann die lustratio, d.h. die Segnung und Reinigung der Herden, die am Fest der Pales stattfand. Livius berichtet, dass die Villa Publica auch von Anfang an für den census populi, die Volkszählung, verwandt wurde.

Überliefert ist, dass das Gebäude im Jahr 194 v.Chr. vergrössert wurde. Der Konsul Titus Didius ließ sie im Jahr 98 v.Chr. nochmals restaurieren. Im Zuge der Baumassnahmen wuchs sie zu stattlicher und imposanter Grösse heran. Auf einer Münze des Fonteius aus dem Jahre 55 v.Chr. ist die Villa Publica als ummauerte Anlage dargestellt, innerhalb derer sich ein Platz mit einem zweistöckigen Gebäude befand, von dem das untere mit einer Reihe von Bögen nach außen geöffnet war. Es war von großer Schönheit, wie Varro bezeugt, geschmückt mit Gemälden und Statuen.

Im Laufe der Jahrhunderte fielen dem repräsentativen Gebäude weitere Aufgaben zu. So diente es auch als Unterkunft für Offiziere, die zur Volkszählung oder zur Rekrutierung von Legionären angeheuert wurden, aber auch für ausländische Botschafter, wie 202 v.Chr. für die karthagischen Botschafter und 197 v.Chr. für die Makedonier.

Die Villa Publica war aber ebenfalls jener wichtige Ort, an dem sich die Generäle niederließen, während sie auf ihren Triumph warteten, da sie als Oberbefehlshaber eines Heeres das Pomerium der Stadt nicht überschreiten durften. Die Römer hatten dieses Gesetz geschaffen, um eine Wiederherstellung der Monarchie durch einen siegreichen und ehrgeizigen Feldherrn zu verhindern. So musste Caius Julius Caesar 60 v.Chr., als er mit einem Teil seines Heeres von der iberischen Halbinsel zurückkehrte auf die Feier seines Triumphes verzichten, um nach Rom zu gelangen und seine Kandidatur für das Konsulat persönlich vorzustellen.

Ferner befand sich in der Villa Publica der Sitz der Zensoren, und auch die Einberufungen fanden dort statt. Unter Caesar wurden die Gebäude für die Wahlen eingerichtet, sowohl die Saepta Iulia, die später von Augustus fertiggestellt wurde, als auch die Villa Publica.

Die Bedeutung der Villa Publica für die römische Gesellschaft bestand vor allem in den strategischen Vorteilen ihrer Lage. Außerhalb der Stadt und im Bereich der römischen Armee bot die ummauerte und hochsichere Villa Publica den perfekten Ort, um politische und militärische Persönlichkeiten zu beherbergen, ohne Gefahr zu laufen, dass diese mit den eigenen Streitkräften oder denen der Verbündeten, die sich möglicherweise außerhalb befanden, korrespondierten. Außerdem konnten sie von römischer Seite überwacht werden, während sie gleichzeitig in einer scheinbar prestigeträchtigen Villa untergebracht waren, was ihrer Eitelkeit schmeichelte.

Livius, Strabo und Dio schildern das wohl historisch berühmteste Ereignis der Villa Publica als Beispiel für Grausamkeit, begangen von dem im Bürgerkrieg siegreichen Diktator Sulla. Demnach sollen auf seinen Befehl hin im Jahre 82 v.Chr. nach der Schlacht an der Porta Collina mehrere tausend samnitische Soldaten in das Gebäude gebracht und dort abgeschlachtet worden sein.Es heißt, dass die Schreie noch im Tempel der Bellona zu hören waren, wo sich der Senat versammelt hatte, um einer Rede Sullas zu lauschen. Diese Schilderung überlieferte aber auch für die spätere Forschung wichtige Hinweise zur genauen Lokalisation.

Als Agrippa die Saepta Iulia im Jahre 26 v.Chr. fertigstellen liess, wurde die Villa Publica wahrscheinlich teilweise in die neue prächtige Säulenhalle integriert. Nach der schriftlichen Überlieferung waren es zuletzt Vespasian und Titus, die in der Villa Publica auf ihren Einzug in die Stadt anlässlich des Triumphes für den Sieg im Jüdischen Krieg warten mussten. Ende des 1. Jahrhunderts n.Chr. verliert sich dann die Spur des Gebäudes, und ein Fortbestehen bzw. die Weiternutzung als wichtiges öffentliches Gebäude kann nicht mehr angenommen werden. Auf den betreffenden Fragmenten der Forma Urbis Severiana ist ersichtlich, dass sich in ihrem Inneren lediglich noch ein kleiner Tempel befand, der der Göttin Flora gewidmet war, die vom 28. April bis zum 9. Mai mit der Floraria gefeiert wurde.


Trotz des Fehlens jeglicher archäologischer Spuren haben wir dank der antiken Geschichtsschreiber doch ein recht genaues Bild des ehemals so wichtigen Gebäudes. Und als plastische Überlieferung existiert immerhin der nachfolgende Denar von 55 v.Chr., die auf ihrem Revers zwar nicht die komplette Anlage der Villa mit ihren Details beschreibt, aber doch eine ungefähre Vorstellung über die wesentliche Struktur des Baus zulässt.


muenze.jpg

P. Fonteius P. f. Capito
Denar
55 v.Chr.
Rom
Av.: Verschleierte Concordiabüste mit Diadem n.r. - P FONTEIVS CAPITO III VIR CONCORDIA
Rev.: Frontalansicht der Villa Publica - links T DIDI, rechts VIL PVB, unten IMP
3,67 Gr.
Cr. 429/2


Zum Hintergrund dieser Münzprägung gibt es unterschiedliche Meinungen. Nach der Auffassung von Crawford könnte der Münzmeister der Adoptivvater von Publius Clodius Pulcher sein, unterstreicht aber, dass es dafür keinen Beweis gibt. Letzterer war mit Cicero verfeindet, aber andererseits galten die Fonteii als Freunde des grossen Redners. So deutet er die Darstellung der Concordia als „gutes Einvernehmen“ zwischen den novi homines und der nobiles in dem Fall, dass man eine Freundschaft mit Cicero unterstellt. Die rückseitige Münzdarstellung der Villa Publica soll nach Crawford auf eine Verbindung der Familie des Münzmeisters mit T. Didius, der das Gebäude im Jahr 98 v.Chr. restaurieren liess, hinweisen.

Es gibt jedoch auch anderweitige Deutungen, die unbedingt Beachtung finden sollten. So spielt Giuseppe Zecchini (Die öffentlichen Räume des Dictators Caesar) auf das umfangreiche Städtebauprogramm an, das Pompeius und Caesar seit Beginn der 50er Jahre verfolgten. Beide investierten grosse Summen, die sie bei ihren Feldzügen einbringen konnten, in die Erneuerung vieler öffentlicher Gebäude bzw. in ihren Neubau. Einer der Höhepunkte war, als im Herbst 55 v.Chr. das neue Theater des Pompeius eingeweiht wurde, dem ferner noch ein Tempel und eine neue Kurie angeschlossen war. Dieser „Inbesitznahme“ des Marsfeldes durch Pompeius wollte Caesar natürlich etwas entgegensetzen, so dass dieser u.a. die Baumassnahmen an der Villa Publica und den Bau der neuen Saepta Iulia übernahm.

Nach Zecchini ist die Deutung der Concordia dementsprechend auszulegen, dass sie die Eintracht der Triumvirn verdeutlichen soll. Und hier sollte man tatsächlich tief in die Geschichte eintauchen, und das Jahr 55 v.Chr. durchleuchten. Schon ein Jahr zuvor trafen sich die Triumvirn am „runden Tisch“, der von Plutarch und Appian als „Konferenz von Luca“ und mit der Anwesenheit von mindestens 200 Senatoren umschrieben wird. Die Forschung ist sich allerdings einig, dass das Zusammentreffen der Triumvirn höchstwahrscheinlich etappenweise abgelaufen ist. Viel wichtiger als der äussere Ablauf war jedoch der Inhalt; man war sich einig über das Konsulat für 55 v.Chr. und die gemeinsame Politik der nächsten Jahre. Dabei sollten die nächsten Konsulatswahlen so lange hinausgezögert werden, bis auch Caesar seine Anhänger aus dem Heer, deren Stimmen dann auf der Wahlversammlung den Ausschlag geben sollten, beisammen hatte. So fand die Veranstaltung erst im Januar statt, ging aber nicht so reibunslos über die Bühne, wie sich die Triumvirn das gewünscht hatten. Nur mit roher Gewalt konnte man den Gegenkandidaten L. D. Ahenobarbus ausschalten, und Pompeius verhinderte letztendlich noch die Wahl Catos zum Prätor. Doch dann verlief es nach Wunsch: Pompeius erhielt die beiden Spanien, Crassus Syrien, und gleichzeitig wurde auch – wie vorgesehen – das Imperium Caesars um fünf Jahre verlängert. Nach einem stürmischen Beginn verlief dann nicht nur das zweite gemeinsame Konsulat des Pompeius und Crassus ruhig, sondern das Jahr stand auch unter einer harmonischen Eintracht der Triumvirn. So könnte man also die Darstellung der Concordia auf der Münze ebenfalls passend deuten.


Letztendlich ist aber noch eine Darstellung der Villa Publica aus dem Jahr 1627 von Lauro Laurus interessant. Der Rekonstruktionsversuch zeigt den Bau mit einer großen und verzierten Treppe, die zur Dachterrasse hinaufführt, mit einem rotundenähnlichen Dach auf einem Vorsprung des Gebäudes ganz links und mit Statuen (3 abgebildet; vermutlich insgesamt 4; eine für jede Ecke), die die oberste Ebene schmücken. An der Seite der Treppe befindet sich außerdem ein ziemlich aufwändiges Relief, das möglicherweise Mars darstellt, dem der Campus Martius geweiht war.

stich.jpg

Roma bella mi appare...
Zuletzt geändert von Perinawa am Fr 18.02.22 21:07, insgesamt 3-mal geändert.
Unanfechtbare Wahrheiten gibt es überhaupt nicht, und wenn es welche gibt, so sind sie langweilig

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alex789
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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von alex789 » Fr 18.02.22 15:19

Wie immer richtig klasse!!! Vielen Dank!

Beste Grüße
Alex

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