Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

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Comthur
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Comthur » Di 18.06.24 11:58

O ja, mit den Hintergrundinformationen - welche ich ebenfalls für sehr wichtig halte - kommt echtes Leben in die Materie und die Argumentation zum Schlag wird ggf. nachvollziehbarer.
Du wirst weiter berichten - ich bin gespannt und freue mich schon drauf.

Bis dann
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Bertolt
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Bertolt » Mi 19.06.24 12:53

König Konrad unternahm noch den Versuch, das drohende Kriegsgeschehen abzuwenden und lud die Protagonisten Albrecht und Heinrich den Stolzen auf das freie Reichsstift Quedlinburg ein. Sie kamen auch, wenn jedoch der Welfe geahnt oder gewusst hätte, dass er nach wenigen Tagen unter mysteriösen Umständen in Quedlinburg zu Tode kommen würde (er wurde in Königslutter zu Grabe getragen), wäre er bestimmt nicht angereist. Die angeblichen Friedensbemühungen Konrads bekommen nun unter diesem Aspekt, einen faden Beigeschmack. Das nun tatsächlich nicht mehr abwendbare Kriegsgeschehen gestaltete sich für die Welfen etwas kompliziert, möchte ich mal sagen. Die Herzogwürde ging natürlich von Heinrich den Stolzen auf seinen Sohn Heinrich den Löwen über. Dieser war aber 1139, als sich dieses alles abspielte, gerade mal 10 Jahre alt und konnte das Heer der Welfen nicht selbst führen. So drang Albrecht der Bär tief in die Welfischen Lande ein, eroberte Braunschweig und Lüneburg, ehe er gestoppt werden konnte. Die Welfen hatten inzwischen einen adäquaten Heerführer gefunden, es war kein geringerer als der Pfalzgraf Friedrich II, der Sommerschenburger. Er, als exzellenter Kenner des gesamten Kriegsterritoriums, stoppte die Askanier, befreite die beiden Städte und führt seinerseits das welfische Heer weit in das Gebiet der Askanier hinein. Er zerstöre deren Stammburg, und unter anderem die beiden Städte Aschersleben und Ballenstedt. Damit war die Möglichkeit, dass die drei von Menadier in die Diskussion gebrachten Dünnpfennige mit dem Aschersleber Motiv an diese Münzstätte zu legen, wieder hinfällig. Übrig blieben nun nur noch wenige Möglichkeiten der Münzprägung in und um Halberstadt. Natürlich muss man in diesem Kontext die Münzstätte Osterwieck mit in das Kalkül ziehen. Osterwieck hatte noch vor Halberstadt über das Recht Münzen zu prägen verfügt, es war mit dem Jahr 974, das älteste noch durch Otto II verliehene. Doch die Halberstädter Bischöfe haben so um das Jahr 1000 herum alle möglichen Ämter direkt nach Halberstadt verlegt und die am weitesten zurückliegende urkundlichen Erwähnungen Osterwiecks in numismatischer Richtung, datieren aus dem 13./14. Jahrhundert. Osterwieck scheidet als auch aus. Nun bleibt nur noch eins, die kuriose Geschichte der Münzstätte Wegeleben, über dich in der nächsten Antwort berichten werde. Gruß Bertolt
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Bertolt » Di 25.06.24 14:42

Forumbild 9.jpg
Hallo, vom Kurzurlaub zurück. (war mal notwendig) Mir ist noch rechtzeitig eingefallen, dass ich über Wegeleben hier im Forum vor Jahren schon mal einen längeren Dialog mit unserem gemeinsamen Freund Salier geführt habe, sodass eine Wiederholung keinen Sinn machen würde. Wegeleben hat es als Münzstätte im 12. Jahrhundert nicht gegeben, auch gibt es keine Informationen darüber, dass Albrecht der Bär jemals dort gewesen ist. Wegeleben (Siehe mein Bild), scheidet also auch aus. Nachdem ich dann eine ganze Weile nicht so recht weiterkam, brachte ein Zufall mich wieder auf die richtige Spur. Gruß Bertolt
Zuletzt geändert von Bertolt am Do 25.06.26 21:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Bertolt » Fr 28.06.24 21:43

Sehr verbreitet findet man in der Literatur, Schriftsätzen, Katalogen und sonstigen Angeboten von Münzen dieses Bischofs den Zusatz, „von Reinstein „. Im Klartext bedeutet dieses, dass es sich bei diesem Bischof um einen Edlen aus dem Geschlecht derer von Reinstein respektive Regenstein oder auch Blankenburg handeln müsste. Es war ein Grafengeschlecht. Bernd Kluge schreibt dazu: Ulrich wird in der numismatischen Literatur zumeist als von Regenstein (Reinstein) bezeichnet, was auf Grotes Stammtafeln 1877 zurückgeht, wo Ulrich als (Graf von Regenstein?) aufgeführt ist, Grote 1877, S. 512. Grote seinerseits hat die Angabe aus Mooyer 1854, S. 45 übernommen und seither wird sie meist kritiklos abgeschrieben, wobei die bei Mooyer und Grote durch Klammer und Fragezeichen ausgedrückten Zweifel an dieser Herkunftsbezeichnung nicht mehr zur Kenntnis genommen werden, vgl. dazu allgemein Hansen 1984. In der Tat, bringt E. Hansen in seiner Arbeit aus dem Jahre 1984 zumindest die Gewissheit, dass Ulrich kein Graf von Reinstein oder Regenstein gewesen sein kann. Er untersuchte im Rahmen der Genealogie der Reinstein - Regensteiner Grafen bzw. auch der Blankenburger Linie die Geburtenfolge dieses Geschlechts und kam zu dem verblüffendem Ergebnis, das es im gesamten Verlauf der zweiten Hälfte 11. und des gesamten 12. Jahrhunderts keinen einzigen Nachkommen gab, der den Namen Ulrich trug. Noch eine zweite Spur tut sich auf, im handschriftlichen Manuskript von O. Tornau versucht auch er sich einer Antwort dieser Frage zu nähern. Zuerst beschreibt er ihn ebenfalls als „von Reinstein“, streicht diese Bezeichnung aber und fügt „Herr von Gatersleben“ hinzu? In „Das Bistum Halberstadt im 12. Jahrhundert „(Dr. Bogumil) lesen wir, „Es werden aber mehrfach die Edlen von Gatersleben (S. 241) und Gatersleben als Sitz Bischöflicher Synoden (S. 245) erwähnt.“ Hieraus könnte man schließen, Bischof Ulrich sei ein Gatersleber Edler gewesen.“ (?) Zu Gatersleben wiederum existiert die Arbeit von Dr. Ernst Neubauer , „Die Herren von Gatersleben„ In dieser wird zwar ein Dienstmann Ulrich genannt, allerdings für das Jahr 1150? Bischof Ulrich hat aber zu dieser Zeit schon wichtige kirchliche Ämter in Halberstadt selbst angetreten und kann somit nicht identisch sein mit diesem. Für eine Zuweisung des Bischofs Ulrich an Gatersleben, fehlt also ebenso der Beweis!
Gruß Bertolt

.
Zuletzt geändert von Bertolt am Mi 01.07.26 09:59, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Bertolt » Di 02.07.24 12:31

Hallo, ein wenig verunsichert, keiner Antwortet mehr? Gruß Bertolt
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Lackland » Di 02.07.24 12:56

Bertolt hat geschrieben:
Di 02.07.24 12:31
Hallo, ein wenig verunsichert, keiner Antwortet mehr? Gruß Bertolt
Hallo Bertolt,

lass Dich nicht verunsichern! Ich lese voller Interesse und mit Demut mit! Dein Wissen und Deine Forschungen - dazu die ebenso fundierten Beiträge von Andechser, QVINTVS und Comthur - suchen ihresgleichen!
Ich kann hier nur lernen - aber gegenwärtig leider nichts substantielles beitragen.

Viele Grüße
Lackland
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Andechser » Di 02.07.24 17:02

Hallo Bertolt,
da musst du dir keine Gedanken machen. Ich hätte mich schon gemeldet, wenn mir etwas aufgefallen wäre oder ich gemeint hätte, noch etwas beitragen zu können.
Du musst bloß bei deinen Ausführungen aufpassen, dass die Argumentationslinien klar und nachvollziehbar sind und es sollte auch klar werden, an welcher Stelle du dann auf welcher Quellen- oder Literaturbasis zu deinem Urteil kommst. Aber das muss nicht hier im Forum erfolgen, sondern dann, wenn du deine Arbeit zu Papier bringst.

Beste Grüße
Andechser

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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von QVINTVS » Di 02.07.24 19:47

Lieber Bertolt,

nachdem ich gerade etwas ruhiger bin, will ich dich doch moralisch unterstützen. Dein Thema ist sehr speziell und dort im Detail mitzureden äußerst schwierig. Wer sich nicht auch so eingearbeitet hat wie du, kann nur methodische Empfehlungen geben und am Rande Ideen und mögliche neue Denkansätze einbringen. Lass dich also nicht beirren und mach frohgemut weiter. Historischen Zuordnungen gegenüber kritisch zu sein ist wichtig und der Sache nur dienlich. Allerdings bedeutet das auch, sich über bestimmte Sachverhalte nochmals Gedanken zu machen und der Zeitaufwand wird größer. Es lohnt sich für einen selbst und auch für die Numismatik. Ich drück dir die Daumen.
Viele Grüße

QVINTVS

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und wer sie aufzuheben versteht,
hat ein Vermögen.

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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Bertolt » Di 02.07.24 21:40

. Auch zu diesem Namen muss etwas richtiggestellt werden. Sehr oft wird er Gero (lat. Gerome) von Schermbke genannt. Schermbke, ein kleiner Ort in Sachsen-Anhalt, in der Nähe der Stadt Wanzleben. Bischof Gerome hatte von 1160 bis 1177 das Bischofsamt in Halberstadt inne. Das Geschlecht derer von Schermbke, ist aber erst nach 1180 entstanden? Er kann also kein Edler von Schermbke gewesen sein. Vielmehr ist es Wahrscheinlich, dass er aus dem Geschlecht derer von Schochwitz stammt, Schochwitz wiederum ist eine Ortschaft im Landkreis Halle. Zum Sachverhalt haben Fritsch 1913, S. 84 und Meier 1967, S. 89, 327 f., 329 deutlich herausgestellt, dass Gero zur Familie der Edelherren von Schochwitz gehört. Das Geschlecht ist nach Meier 1967 zuletzt 1185 erwähnt und nicht mit den seit 1184 auftretenden Edelherren von Schermcke identisch, ... . Gruß Bertolt.
Zuletzt geändert von Bertolt am Mi 01.07.26 10:03, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Comthur » Mi 03.07.24 10:29

Hallo Bertolt,

ein paar Zeilen habe ich Dir schon per PN zukommen lassen. Ich muß mir erst einen freien Kopf "schaffen" und dann nehme ich mir bei nötiger Ruhe die Zeit für Deine vielen Details. :-)
Ich finde es schön auf einen echten Numismatiker getroffen zu sein, leider etliche Jahre zu spät, welcher nicht nur anhand der Münzen argumentiert sondern auch das historische Umfeld mit zu erfassen versucht. Jedes kleine Detail kann die ganze bisherige Theorie über den Haufen werfen. Aber, man muß eben nur mal drüber reden / schreiben ...

Deine Ehrlichkeit mit den Fragezeichen im Text finde ich super ! So kann jeder Deine Aussagen nachvollziehen, hat die Inspiration punktuell selbst nachzurecherchieren und schlußendlich Deiner Argumentation zu folgen oder auch eigenständig zu vertiefen.
Wie Du ja bemerkt hast - viele vor Dir schieben Fragezeichen einfach beiseite und setzen dafür den (unbelegten!) Fakt, spielen sich als einäugige Könige unter den (in der Sache) Blinden auf ... und die Blinden jubeln (...). Am Ende gehen die Aussagen von Kritikern als "Meinungen" unter und der vermeintliche "Fakt" stellt gleichzeitig eine Sackgasse dar.

Bis dann,

Daniel
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Bertolt » Do 04.07.24 21:02

Ihr habt ja schon erkannt, dass ich immer versuche die geschichtlichen Ereignisse in meine Numismatische Arbeit einzubinden. Wenn dann in einem solchen Fall, die Geschichte auf mich so zurückkommt, wie ich es im Kopf hatte, dann löst das in einem, natürlichen Freude aus. Hätte nun Julius Menadier, von 1898 bis 1921 Direktor des königlichen Münzkabinetts in Berlin, und somit direkter Nachfolger von Alfred von Sallet (1842 -1197), von der Existenz dieser Münze gewusst, dann hätte sein Beitrag zur Halberstädter Münzgeschichte mit Sicherheit einen anderen Verlauf genommen. Gruß Bertolt
Zuletzt geändert von Bertolt am Mi 01.07.26 10:07, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Bertolt » Sa 06.07.24 13:01

Gevatter von Sallet war natürlich bis 1897 Direktor. Die Erklärung über das Vorhandensein der Kaiserbilder auf Halberstädter Münzen, lieferte ein bis dato unbekannter Vertreter des Landadels aus Niesky im heutigem Freistaat Sachsen. Gottfried von Bülow (Inaugural-Dissertation, über Bischof Gero, welche mit Erlaubnis der hohen philosophischen Fakultät der Universität Greifswald zur Erlangung der philosophischen Doctorwürde am 13.April 1871 samt den hinzugefügten Thesen öffentlich vertheidigen wird, Gottfried von Bülow aus Niesky. Opponenten: Georg Schömann, Candidat der Philologie, joh. Luchs und Joh. Rudolph, ordentliche Mitglieder des Königlichen philosophischen Seminars. Berlin. Seite 12 – 13. Aus seiner Arbeit geht in Kurzform hervor, dass sich der Kaiser 1160 auf einem Feldzug in Italien befand. Dort ließ er überprüfen, ob alle seine Reichsfürsten die sogenannte Heeresfolge geleistet hatten. Dabei wurde festgestellt, dass der Bischof Ulrich von Halberstadt und der Erzbischof von Bremen nicht anwesend waren. Die Folge war deren Absetzung. In Halberstadt wurde mithilfe des Welfenherzogs Heinrich der Löwe, Gero auf den Halberstädter Bischofsstuhl gewählt. Gero begab sich unmittelbar danach nach Italien und war nachweislich die ersten beiden Jahre seines Pontifikats nicht in Halberstadt. Die Würde des Palliums empfing er von Papst Victor im Jahre 1161 in Italien. In diese „frühe“ Zeit ist wohl auch die Zusicherung des Münzrechts durch den Kaiser für seine Diözese zu setzen. Ursache für diese Entscheidung des Kaisers ist wohl darin zu suchen, dass Bischof Gero mit denselben Rechten ausgestattet werden musste, über die der abgesetzte Bischof Ulrich verfügte. Dann, nach seiner Rückkehr aus Italien, ist davon auszugehen, dass Gero den Kaiser aus Dankbarkeit auf seinen Münzen verewig hat. Es ist aber auch möglich, dass der Kaiser persönlich in Halberstadt war, so wie 1134 Kaiser Lothar II von Sublingenburg und aus diesem Anlass diese Münzen entstanden sind. Gruß Bertolt
Zuletzt geändert von Bertolt am Mi 01.07.26 10:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Bertolt » Di 09.07.24 20:00

Schon die Erwähnung des Werkes von Leuckfeld über die Halberstädter-Quedlinburger und Magdeburger Münzen ist sehr interessant, dass ich sie euch nicht vorenthalten möchte. Im Jahre 1713 wurde bei Gröningen in der Nähe von Halberstadt beim Pflügen ein Behältnis mit über 1000 Münzen durch einen Bauern geborgen. Da man damals noch alles, was man fand, behalten konnte, veräußerte der Finder einige besonders gute Stück bei verschiedenen Goldschmieden in der Umgebung. Ein Glück, dadurch bekam der Kustos der damaligen Herzoglichen Münzsammlung der Welfen in Braunschweig, Paul Jonas Meier Kenntnis und hat sich unverzüglich nach Gröningen begeben. Er stellte fest, dass es sich überwiegend um Halberstädter Dünnpfennige bei der Fundmasse handelt, und es gelang ihm, noch weit über 1000 Stücke aufzukaufen und in das Welfische Kabinett zu bringen. Der Fund ging mit der Bezeichnung „Der Münzfund von 1713 bei Halberstadt“ in die Geschichte ein. Paul Jonas Meier hat die Münzen aus diesem Fund Johan Georg Leuckfeld für sein Werk zur Verfügung gestellt und damit sichergestellt, dass wir heute noch Kenntnis von diesem Fund haben. Wesentliche Teile dieses Fundes befinden sich neben Braunschweig auch in der Sammlung der Deutschen Bank in Hannover. Gru Bertolt
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Bertolt » Sa 13.07.24 12:21

Ja, ich denke mal, dass dieses Beispiel doch sehr den Übergang von der Dünnpfennigprägung zu den Brakteaten deutlich macht. Nach der Zeit Bischof Geros, taucht nur noch einmal ein Dünnpfennig auf, den kein geringerer als Otto Tornau in die Zeit Bischof Ulrichs aus seiner zweiten Amtsperiode 1177 – 1180 legt, bei dem ich aber erhebliche Zweifel an seiner korrekten Bestimmung habe. Gruß Bertolt
Zuletzt geändert von Bertolt am Mi 01.07.26 10:16, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Bertolt » Fr 19.07.24 17:48

Forumbild 14.jpg
Hallo, nun wieder zurück zum eigentlichen Thema. Mein kleiner Versuch mich der Frage zu nähern, wo die Halberstädter Bischöfe ab der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre des 12. Jahrhunderts geprägt haben, was mich ja zu dem kleinen Kroppenstedt geführt hat, ist möglich. Diese kleine Münzstätte hatte aller Wahrscheinlichkeit doch eine höhere Produktivität, als es der Gevatter Menadier damals angenommen hat. Aber nun den Zusammenhang zwischen der Münzprägung und dem Stempelschnitt auf Kroppenstedt zuschneiden, ist wohl unrealistisch. Da glaube ich dich schon eher, dass sich der Komplex um die vielen von mir bisher festgestellten Stempelschneider-Eisengraber-Signaturen doch eher in der größeren Stadt Halberstadt selbst befunden hat. Man könnte den Faden noch etwas weiter spannen, in der älteren Literatur geistert ja auch der Begriff, über die Existenz einer möglichen Stempelschule (Was immer auch damit gemeint sein sollte) in Halberstadt und man vermutet, dass dort die Münzstempel nicht nur für Halberstadt, sondern für alle umliegenden Münzstätten geschnitten wurden. Ja, das wäre noch eine Aufgabe festzustellen, ob die von mir auf meinen Münzen festgestellten Signaturen auch so auf Münzen der angeführten umliegenden Münzstätten festzustellen sind. In der Arbeit der beiden Autoren Detlef Büttner und Hans-Ulrich Matthaei über den möglichen Halberstädter Meister Erth Verlhar ist das ja schon so der Fall. Die nächste von mir festgestellte Signatur mit der Nr. 4, tritt in fünf Varianten auf, ist aber insgesamt nur auf 10 Münzen vertreten. Diese fünf Signaturen des Buchstaben „S“ stammen aller Wahrscheinlichkeit aus der Hand eines Stempelschneiders-Eisengraber. Ohne Mitteldorne, Kehlungen, nur mit spitzen Ausläufen versehen und sehr abstrakt gestaltet, kommen diese fünf insgesamt betrachtet nicht oft vor. Vermutlich ist die Form 4c als seine Endform anzusehen. Gruß Bertolt
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