Historisch interessante Münzen
Moderator: Homer J. Simpson
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Re: Historisch interessante Münzen
….auf dieser Münze ist sie auch zu sehen. Die Frisuren scheinen mir identisch zu sein - vermutlich eine idealisierte Darstellung, so wie das Kaiserpaar eben gesehen werden wollte.
VG
Quinctilius
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Münzen sind Zeitzeugen, nicht nur Objekte.
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Re: Historisch interessante Münzen
Aus Tavium gibt es eine Münze mit Poppaea, bei der ihre Schönheit noch durchschimmert. Auffallend, daß ihr Portrait sich dem von Nero angenähert hat.
Jochen
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- quinctilius (So 19.01.25 23:38) • Chippi (Mo 20.01.25 04:14)
Omnes vulnerant, ultima necat.
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Re: Historisch interessante Münzen
….und wieder mit derselben Frisur - wenig wandelbar die Dame 
VG
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Re: Historisch interessante Münzen
Diese Büste wird ihr zugeschrieben, zweifelsfrei idealisiert - hier ähnelt sie mehr Augustus.
VG
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- Perinawa
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Re: Historisch interessante Münzen
Eine gewagte These, wenn man diese Büste mit denen aus Madrid oder Paris vergleicht. Es wäre leider nicht der erste Zuschreibungsfehler, den sich das Termenmuseum erlaubt.
Grüsse
Rainer
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Re: Historisch interessante Münzen
Die Portraitsbüste Sullas ist womöglich nicht von Sulla, wie du mit Fragezeichen richtig angibst, und ich zitiere was ich über sie gefunden habe:
"So-called “Sulla”, free copy (probably from the time of Augustus) after a portrait of an important Roman from the 2nd century BC. Because of many details this bust has in common with the so-called «Marius» (proportions, open mouth, large eyes), it has been suggested that both statues (brothers, adversaries?) were conceived and exhibited together."
Bei den Musei Vaticani, Musei Chiaramonti findet man diese Büste Sullas: auch hier https://www.britannica.com/place/ancien ... c-91-80-bc ist eine Büste Sullas zu sehen.
FG
Christiane
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Re: Historisch interessante Münzen
Zu Darstellungen des Sulla gibt es einen ganzen Artikel von Volker Michael Strocka, "Bildnisse des Lucius Cornelius Sulla Felix", Römische Mitteilungen 110, 2003, S. 7-36: https://www.academia.edu/40020653/Bildn ... ulla_Felix
Dort findet man auf Seite 13 den Satz "Es gibt nur ein einziges durch Beischrift gesichertes Bildnis Sullas ...", der sich auf die Darstellung auf dieser Münze bezieht: https://numismatics.org/crro/id/rrc-434.1
Die Büste aus der Glyptothek in München wird in diesem Artikel als Darstellung von Sulla abgelehnt (Seite 28), wie diejenige aus dem Museo Chiaramonti auch (Seite 32).
Es gibt aber wohl auch andere Ansichten: https://de.wikipedia.org/wiki/Lucius_Co ... rtr%C3%A4t , das scheint also alles nicht so einfach zu sein

Die sieht bei Strocka anders aus


Gruß
Altamura
- Perinawa
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Re: Historisch interessante Münzen
Die musei vaticani haben eine grosse Anzahl von römischen Büsten, die aber teils in den Archiven schlummern, oder aber in der Sala dei Busti stehen, die m.W. noch immer nicht öffentlich zugänglich ist. Ich durfte vor ein paar Jahren wegen Plautilla einmal rein. 
Bei der Zuordnung der "Sulla"-Büsten kann man sich tatsächlich einzig an der bekannten Münze orientieren, wobei man dann noch vortrefflich darüber streiten kann, ob und ggfls. wie viel an dieser Darstellung idealisiert ist.
Grüsse
Rainer

Bei der Zuordnung der "Sulla"-Büsten kann man sich tatsächlich einzig an der bekannten Münze orientieren, wobei man dann noch vortrefflich darüber streiten kann, ob und ggfls. wie viel an dieser Darstellung idealisiert ist.
Grüsse
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Re: Historisch interessante Münzen
Den Artikel von V. Michael Strocka kann man auch hier herunterladen: https://freidok.uni-freiburg.de/data/5027
Grüße
Christiane

Grüße
Christiane
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Re: Historisch interessante Münzen
Crassus, Cicero und Pompeius Magnus sollen die frühesten Marmorköpfe sein, die mit 99% Sicherheit zuzuordnenden sind (Junker, Portraits Pompeius, Anm. 11).
Gruss
Lucius Aelius
Lucius Aelius
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Re: Historisch interessante Münzen
Vorweg: Ich bin weder Experte, noch Sammler von römischen Münzen, sondern habe mich auf Marken (vor 1800) als Zeitzeugen der Wirtschafts- und Sozialgeschichte spezialisiert, aber manchmal kann ich antiken Marken nicht widerstehen. Ich erlaube mir nachstehende Marke als für mich "historisch interessantes" Objekt hier vorzustellen.
Es handelt sich um eine AE-Tessera der 15. römischen Legion, vermutlich aus der Zeit 117 - spätes 2. Jahrhundert.
13,5 mm, 1,79 g
Leu meinte in der Auktion 26, 2023, L4294, , dass von dieser Tessera nur 5 Exemplare bekannt sein. Nun seit 2020 sind bis heute mindestens 9 verschiedene Tessera versteigert worden... alle ohne irgendein Literaturzitat.
Die Legio XV Apollinaris („Fünfzehnte Legion, dem Apollon geweiht“) war eine Legion der römischen Armee. Der unter Caesar aufgestellte Vorläufer wurde 48/49 in Africa vernichtet.
Die Legio XV wurden um 41 v. Chr. von Octavian, dem späteren Kaiser Augustus, aufgestellt. Ihre Einsätze sind in einem Wikipedia-Artikel beschrieben. Nach der Schlacht bei Actium und dem Ende der römischen Bürgerkriege (31 v. Chr.) wurde die Legion, die spätestens zu dieser Zeit den Beinamen Apollinaris erhielt, von Augustus in die reguläre Armee übernommen.
Die erhaltenen Exemplare dieser Ausgabe sind bis 2023 i.d.R. zu einem gewissen Grad falsch interpretiert worden. Sie wurde eindeutig unter der Schirmherrschaft der Legio XV Apollinaris hergestellt, einer gut belegten Legion, deren Geschichte von ihrer Rekrutierung unter Julius Caesar im Jahr 53 v. Chr. bis ins frühe 5. nachchristliche Jahrhundert verfolgen werden kann. Über das Signum, das Wappen, der Legio XV Apollinaris ist eine Debatte entbrannt, wobei die Vorschläge von einem Greif bis zu Apollo selbst oder einem seiner tierischen Begleiter reichen. Glücklicherweise klären die Tessera diese Frage, denn die Embleme der Legion waren eindeutig der Rabe, Apollos heiliger Vogel, und ein Wildschwein - Tiere, die in früheren Beschreibungen fälschlicherweise als Adler, Hunde oder Stiere gedeutet wurden.
Diese Tessera sind wahrscheinlich in die Zeit nach 117 zu datieren, als Hadrian die Fünfzehnte in Satala in Klein-Armenien stationierte, einer wichtigen Kreuzung der Ost-West-Route von Ankyra nach Armenien und der Nord-Süd-Route, die Trapezous an der Schwarzmeerküste mit den Legionsfestungen in Satala, Melitene und Zeugma sowie der großen syrischen Stadt Antiochia verbindet. Vexillae der Legio XV Apollinaris waren auch in Trapezous und Ankyra stationiert, aber in Satala wurde 117 unter dem praefectus castrorum Lucius Gavius Fronto die castra stativa der Legion, ihr ständiges Hauptquartier, errichtet. Hier hören wir auch das letzte Mal vom Fünfzehnten, nämlich in der Notitia Dignitatum, einer spätrömischen Liste von Tausenden von Ämtern und Heereseinheiten, die die Legio Quintadecima Apollinaris als noch im frühen 5. Jahrhundert in Satala und Ankyra stationiert, wenn auch nicht mehr in Trapezous, und unter dem Kommando des Dux Armeniae stehend, verzeichnet.
Literatur:
Leu 26, 2023, L 4294
Wikipedia: Legio XV Apollinaris; hier ist auch ein Exemplar dieses Tessera abgebildet
Es handelt sich um eine AE-Tessera der 15. römischen Legion, vermutlich aus der Zeit 117 - spätes 2. Jahrhundert.
13,5 mm, 1,79 g
Leu meinte in der Auktion 26, 2023, L4294, , dass von dieser Tessera nur 5 Exemplare bekannt sein. Nun seit 2020 sind bis heute mindestens 9 verschiedene Tessera versteigert worden... alle ohne irgendein Literaturzitat.
Die Legio XV Apollinaris („Fünfzehnte Legion, dem Apollon geweiht“) war eine Legion der römischen Armee. Der unter Caesar aufgestellte Vorläufer wurde 48/49 in Africa vernichtet.
Die Legio XV wurden um 41 v. Chr. von Octavian, dem späteren Kaiser Augustus, aufgestellt. Ihre Einsätze sind in einem Wikipedia-Artikel beschrieben. Nach der Schlacht bei Actium und dem Ende der römischen Bürgerkriege (31 v. Chr.) wurde die Legion, die spätestens zu dieser Zeit den Beinamen Apollinaris erhielt, von Augustus in die reguläre Armee übernommen.
Die erhaltenen Exemplare dieser Ausgabe sind bis 2023 i.d.R. zu einem gewissen Grad falsch interpretiert worden. Sie wurde eindeutig unter der Schirmherrschaft der Legio XV Apollinaris hergestellt, einer gut belegten Legion, deren Geschichte von ihrer Rekrutierung unter Julius Caesar im Jahr 53 v. Chr. bis ins frühe 5. nachchristliche Jahrhundert verfolgen werden kann. Über das Signum, das Wappen, der Legio XV Apollinaris ist eine Debatte entbrannt, wobei die Vorschläge von einem Greif bis zu Apollo selbst oder einem seiner tierischen Begleiter reichen. Glücklicherweise klären die Tessera diese Frage, denn die Embleme der Legion waren eindeutig der Rabe, Apollos heiliger Vogel, und ein Wildschwein - Tiere, die in früheren Beschreibungen fälschlicherweise als Adler, Hunde oder Stiere gedeutet wurden.
Diese Tessera sind wahrscheinlich in die Zeit nach 117 zu datieren, als Hadrian die Fünfzehnte in Satala in Klein-Armenien stationierte, einer wichtigen Kreuzung der Ost-West-Route von Ankyra nach Armenien und der Nord-Süd-Route, die Trapezous an der Schwarzmeerküste mit den Legionsfestungen in Satala, Melitene und Zeugma sowie der großen syrischen Stadt Antiochia verbindet. Vexillae der Legio XV Apollinaris waren auch in Trapezous und Ankyra stationiert, aber in Satala wurde 117 unter dem praefectus castrorum Lucius Gavius Fronto die castra stativa der Legion, ihr ständiges Hauptquartier, errichtet. Hier hören wir auch das letzte Mal vom Fünfzehnten, nämlich in der Notitia Dignitatum, einer spätrömischen Liste von Tausenden von Ämtern und Heereseinheiten, die die Legio Quintadecima Apollinaris als noch im frühen 5. Jahrhundert in Satala und Ankyra stationiert, wenn auch nicht mehr in Trapezous, und unter dem Kommando des Dux Armeniae stehend, verzeichnet.
Literatur:
Leu 26, 2023, L 4294
Wikipedia: Legio XV Apollinaris; hier ist auch ein Exemplar dieses Tessera abgebildet
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Re: Historisch interessante Münzen
Gratuliere zu dieser interessanten Tessera
Lg Larth
Lg Larth
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Re: Historisch interessante Münzen
AMNG I/1, [1236], eine Geistermünze?
Hier möchte ich Recherchen zur Münze des Commodus aus Nikopolis vorstellen, die Pick unter No. [1236] gelistet hat.
(1) Die Geschichte unserer Münze beginnt damit, daß Sir Robert Ainslie (1730-1812) 1776 britischer Botschafter bei der Hohen Pforte in Konstantinopel wurde. Dort gelang es ihm bis zu seiner Rückkehr nach England 1794 eine bedeutende Sammlung antiker Münzen zusammenzutragen, insbesondere von Ost-Europa und Asia Minor. Zu ihnen gehörte auch unsere Münze.
(2) Domenico Sestini (1740-1832) war ein italienischer Bibliothekar, Numismatiker und Archäologe, der u.a. von 1804-1810 das Berliner Münzkabinett bearbeitete. Zwischen 1772 und 1792 unternahm er zahlreiche Reisen in den Orient und beschäftigte sich auch intensiv mit archäologischen Hinterlassenschaften und Münzen. Dabei lernte er Sir Robert Ainslie kennen, der ihn bat, seine Münzsammlungen zu bearbeiten. Als Ergebnis seiner Arbeiten veröffentlichte er 1789-1790 die Lettere e Dissertazioni Numismatiche sopra alcune Medaglie rare della Collezione Ainslieana, in denen er die wichtigsten Münzen und Medaillen Ainslies beschrieb. Ein weiterer von Sestinis Bänden trägt den Titel Descriptio Numorum Veterum ex Museis Ainslie, Bellini, Bondacca, Borgia, Leipzig, 1796. 1789 war Ainslie noch der „Mæcenas“ von Sestinis Widmung der Lettere e Dissertazioni gewesen, jetzt, sieben Jahre später, in der Vorrede zur Descriptio, war er ein bösartiger Spekulant und Händler mit Antiquitäten. In dieser Descriptio wird unsere Münze auf pp.38/39 zum allerersten Mal erwähnt:
(3) 1821 hat Sestini das falsche HG.M.KAIN in seinen Classes Generales seu Moneta Vetus urbium populorum et regum, Florenz 1821, p.26, in einer Aufzählung der Nomina Praesidium zu HGE.M.KAIK. verbessert: Auch noch nicht ganz richtig. Richtig wäre HGEM.KAIK.!
(4) Die nächste Beschreibung dieser Münze stammt von Theodore Mionnett, Description de Médailles anti-ques grecques et romaines, Supp. II, Thracia, 1822, p.118, No. 361. Darin steht immer noch HG.M.KAIN. Mionnett hat die von Sestini verbesserte Schreibweise nicht berücksichtigt!
(5) Das nächstemal wird unsere Münze von Behrendt Pick (1861-1940) erwähnt. In seinen Inedita der Sammlung Mandl in Budapest, Numismatische Zeitschrift XXIII, 1891, Seite 52, schreibt er: "Sestini hatte aus der Sammlung Ainslie noch einige Münzen mit demselben Statthalternamen und anderen Typen (sitzender Zeus, Asklepios und Hygieia, Kaiser zu Pferde) beschrieben, die Mionnett s. 2, 117, 359—361, ebenfalls wiederholt hat; ein weiteres Stück (mit Dionysos) befand sich in der Sammlung Welzl (Cat. 1346). Leider konnte bisher nicht ermittelt werden, wohin diese Münzen gekommen sind."
(6) In Picks unübertroffenem Standardwerk Die antiken Münzen Nord-Griechenlands (AMNG), 1898, ist sie auf S. 352 unter Commodus No. [1236] gelistet::
[1236] (K (28)
ΑΥ-Τ ΚΑΙ ΜΑΡ ΑΥΡΗ - ΚΟΜΟΔΟϹ
Kopf m. L. r. (Trennung der Schrift unsicher)
(ΗΓΕΜ ΚΑΙΚ ϹΕΡΒΕΙΛΙ ΝΕΙΚΟΠΟ ΠΡΟϹ ΙϹΤ)
Kaiser zu Pferde, den Speer auf einen Löwen richtend
1.Sestini descr. 89, 3 [Mionnett S. 2, 118, 361] von Ainslie (mit HΓ.M.KAIN), berichtigt class. Gen.(1821) 26
Da es sich gewiss um eine Beschreibung handelt, bei der Typus und Statthaltername richtig angegeben sind, so ist sie hier aufgenommen, obwohl Einzelheiten der Schrift vielleicht ungenau sind.
(Sestini descr.num.vet. 89, 3 ist verschrieben für 39, 3.)
Auffallend ist, daß wir bisher noch keine Zeichnung der Münze gesehen haben. Pick hatte bereits 1891 geschrieben, daß die Münzen aus der Sammlung Aisnlie verschwunden waren. Korrekt wie Pick war, hat er die Nummer [1236] in eckige Klammern gesetzt, was nach seiner Nomenklatut bedeutet, daß er sie nicht in der Hand gehabt hat. So war er auf die Beschreibung von Sestini und Mionnett angewiesen. Aber er ist sich nicht ganz sicher. Man spürt richtig sein Unbehagen. Typus und Statthalter erscheinen ihm richtig, aber die Einzelheiten der Legende könnten ungenau sein. Deshalb hat er sie in runde Klammern gesetzt.
(7) Unser nächstes Puzzleteil findet sich in Nikola Moushmovs Ancient Coins of the Balkan Peninsula, 1912. Da findet sich unter Commodus die No. 892:
892 The emperor on horseback galloping right, spearing a lion
Das ist wörtlich die Beschreibung von Sestini und Mionnett! Aber endlich haben wir hier ein Bild, Plate VIII, 35: Moushmov hat immer nur Rückseiten abgebildet ohne Rücksicht auf den Herrscher und wir wissen, daß er nicht sehr zuverlässig gewesen ist, Das erkennen wir hier gut. Sieht man von der Legende ab, entspricht sie zwar den Beschreibungen, die wir bisher kennengelernt haben. Aber diese Rückseite gehört zu Elagabal, AMNG 1987, und nicht zu Commodus. So wissen wir leider immer noch nicht, wie die Rückseite der Münze für Commodus tatsächlich ausgesehen hat.
Trotzdem fand sich unsere Münze bei Hristova/Hoeft/Jekov, The Coins of Nicopolis ad Istrum, 2021. Unter No. 8.10.34.1 stand folgendes:
AYT KAI MAP AVRH KOMOΔOC
Laureate head r.
ΗΓΕΜ ΚΑΙΚ ϹΕΡΒΕΙΛΙ ΝΕΙΚΟΠΟ ΠΡΟϹ ΙϹΤ
The emperor on horseback galloping right, spearing a lion (Depicted by N. Moushmov)
No. 8.10.34.1 (P.R., 1236; H.M., 892 28mm, 7g
Picture not available
Hier findet sich auch ein Hinweis auf die von Moushmov abgebildete Münze, die wir gerade als Münze des Elagabal erkannt haben!
Und obwohl seit Sestini niemand diese Münze mehr gesehen hat, findet sich ihre Beschreibung auch in RPC IV.1 unter No. 4339 (temporary):
Volume: IV.1 No. 4339 (temporary)
Reign: Commodus Persons: Commodus (Augustus)
Magistrate: Quintus Caecilius Secundus Servilianus (legatus Augusti pro praetore)
City:Nicopolis ad Istrum
Region: Moesia
Province: Moesia inferior
Denomination: Æ Issue: 188-192
Obverse: ΑΥΤ ΚΑΙ ΜΑΡ ΑΥΡΗ ΚΟΜΟΔΟϹ; laureate head of Commodus, right
Reverse: ΗΓΕΜ ΚΑΙΚ ϹΕΡΒΕΙΛΙ ΝΕΙΚΟΠΟ ΠΡΟϹ ΙϹΤ (?); emperor (Commodus on horseback), holding spear, hunting lion
Reference: AMNG [1236] Specimens: 1
No image
Mi Suppl II, 118, no. 361
Zusammenfassung:
Unsere Münze ist 1796 mit falscher Beschreibung veröffentlicht worden. Diese Beschreibung wurde mehrmals übernommen, dann auch korrigiert. Ob es Bilder von ihr gibt, ist nicht bekannt. Ich habe keine gefunden. 1891 stellte Pick fest, daß diese Münze zusammen mit anderen unbekannt
verschwunden ist. Trotzdem findet sie sich immer noch in aktuellen Werken über Nikopolis. Deshalb halte ich sie für eine Geistermünze.
Wir haben uns entschlossen, diese Münze aus Hristova/Hoeft/Jekov zu entfernen.
Literatur:
(1) Domenico Sestini, Descriptio Numorum Veterum ex Museis Ainslie, Bellini, Bondacca, Borgia, Leipzig 1796
(2) Domenico Sestini, Classes Generales seu Moneta Vetus urbium populorum et regum, Florenz 1821
(2) Theodore Edme Mionnett, Supp. II, Thracia, Paris 1822
(3) Behrendt Pick, Die antiken Münzen Nord-Griechenlands (AMNG), Berlin 1898
(4) Nikola Moushmov, Ancient Coins of the Balkan Peninsula, Sofia, 1912
(5) Ivan Varbanov, Greek Imperial Coins, Bourgas 2005
(6) Hristova/Hoeft/Jekov, The Coins of Nicopolis ad Istrum, Blagoevgrad 2021
(7) RPC IV, 2025
(8) Mithilfe dieses Forums
Mit freundlichem Gruß
Jochen
Hier möchte ich Recherchen zur Münze des Commodus aus Nikopolis vorstellen, die Pick unter No. [1236] gelistet hat.
(1) Die Geschichte unserer Münze beginnt damit, daß Sir Robert Ainslie (1730-1812) 1776 britischer Botschafter bei der Hohen Pforte in Konstantinopel wurde. Dort gelang es ihm bis zu seiner Rückkehr nach England 1794 eine bedeutende Sammlung antiker Münzen zusammenzutragen, insbesondere von Ost-Europa und Asia Minor. Zu ihnen gehörte auch unsere Münze.
(2) Domenico Sestini (1740-1832) war ein italienischer Bibliothekar, Numismatiker und Archäologe, der u.a. von 1804-1810 das Berliner Münzkabinett bearbeitete. Zwischen 1772 und 1792 unternahm er zahlreiche Reisen in den Orient und beschäftigte sich auch intensiv mit archäologischen Hinterlassenschaften und Münzen. Dabei lernte er Sir Robert Ainslie kennen, der ihn bat, seine Münzsammlungen zu bearbeiten. Als Ergebnis seiner Arbeiten veröffentlichte er 1789-1790 die Lettere e Dissertazioni Numismatiche sopra alcune Medaglie rare della Collezione Ainslieana, in denen er die wichtigsten Münzen und Medaillen Ainslies beschrieb. Ein weiterer von Sestinis Bänden trägt den Titel Descriptio Numorum Veterum ex Museis Ainslie, Bellini, Bondacca, Borgia, Leipzig, 1796. 1789 war Ainslie noch der „Mæcenas“ von Sestinis Widmung der Lettere e Dissertazioni gewesen, jetzt, sieben Jahre später, in der Vorrede zur Descriptio, war er ein bösartiger Spekulant und Händler mit Antiquitäten. In dieser Descriptio wird unsere Münze auf pp.38/39 zum allerersten Mal erwähnt:
(3) 1821 hat Sestini das falsche HG.M.KAIN in seinen Classes Generales seu Moneta Vetus urbium populorum et regum, Florenz 1821, p.26, in einer Aufzählung der Nomina Praesidium zu HGE.M.KAIK. verbessert: Auch noch nicht ganz richtig. Richtig wäre HGEM.KAIK.!
(4) Die nächste Beschreibung dieser Münze stammt von Theodore Mionnett, Description de Médailles anti-ques grecques et romaines, Supp. II, Thracia, 1822, p.118, No. 361. Darin steht immer noch HG.M.KAIN. Mionnett hat die von Sestini verbesserte Schreibweise nicht berücksichtigt!
(5) Das nächstemal wird unsere Münze von Behrendt Pick (1861-1940) erwähnt. In seinen Inedita der Sammlung Mandl in Budapest, Numismatische Zeitschrift XXIII, 1891, Seite 52, schreibt er: "Sestini hatte aus der Sammlung Ainslie noch einige Münzen mit demselben Statthalternamen und anderen Typen (sitzender Zeus, Asklepios und Hygieia, Kaiser zu Pferde) beschrieben, die Mionnett s. 2, 117, 359—361, ebenfalls wiederholt hat; ein weiteres Stück (mit Dionysos) befand sich in der Sammlung Welzl (Cat. 1346). Leider konnte bisher nicht ermittelt werden, wohin diese Münzen gekommen sind."
(6) In Picks unübertroffenem Standardwerk Die antiken Münzen Nord-Griechenlands (AMNG), 1898, ist sie auf S. 352 unter Commodus No. [1236] gelistet::
[1236] (K (28)
ΑΥ-Τ ΚΑΙ ΜΑΡ ΑΥΡΗ - ΚΟΜΟΔΟϹ
Kopf m. L. r. (Trennung der Schrift unsicher)
(ΗΓΕΜ ΚΑΙΚ ϹΕΡΒΕΙΛΙ ΝΕΙΚΟΠΟ ΠΡΟϹ ΙϹΤ)
Kaiser zu Pferde, den Speer auf einen Löwen richtend
1.Sestini descr. 89, 3 [Mionnett S. 2, 118, 361] von Ainslie (mit HΓ.M.KAIN), berichtigt class. Gen.(1821) 26
Da es sich gewiss um eine Beschreibung handelt, bei der Typus und Statthaltername richtig angegeben sind, so ist sie hier aufgenommen, obwohl Einzelheiten der Schrift vielleicht ungenau sind.
(Sestini descr.num.vet. 89, 3 ist verschrieben für 39, 3.)
Auffallend ist, daß wir bisher noch keine Zeichnung der Münze gesehen haben. Pick hatte bereits 1891 geschrieben, daß die Münzen aus der Sammlung Aisnlie verschwunden waren. Korrekt wie Pick war, hat er die Nummer [1236] in eckige Klammern gesetzt, was nach seiner Nomenklatut bedeutet, daß er sie nicht in der Hand gehabt hat. So war er auf die Beschreibung von Sestini und Mionnett angewiesen. Aber er ist sich nicht ganz sicher. Man spürt richtig sein Unbehagen. Typus und Statthalter erscheinen ihm richtig, aber die Einzelheiten der Legende könnten ungenau sein. Deshalb hat er sie in runde Klammern gesetzt.
(7) Unser nächstes Puzzleteil findet sich in Nikola Moushmovs Ancient Coins of the Balkan Peninsula, 1912. Da findet sich unter Commodus die No. 892:
892 The emperor on horseback galloping right, spearing a lion
Das ist wörtlich die Beschreibung von Sestini und Mionnett! Aber endlich haben wir hier ein Bild, Plate VIII, 35: Moushmov hat immer nur Rückseiten abgebildet ohne Rücksicht auf den Herrscher und wir wissen, daß er nicht sehr zuverlässig gewesen ist, Das erkennen wir hier gut. Sieht man von der Legende ab, entspricht sie zwar den Beschreibungen, die wir bisher kennengelernt haben. Aber diese Rückseite gehört zu Elagabal, AMNG 1987, und nicht zu Commodus. So wissen wir leider immer noch nicht, wie die Rückseite der Münze für Commodus tatsächlich ausgesehen hat.
Trotzdem fand sich unsere Münze bei Hristova/Hoeft/Jekov, The Coins of Nicopolis ad Istrum, 2021. Unter No. 8.10.34.1 stand folgendes:
AYT KAI MAP AVRH KOMOΔOC
Laureate head r.
ΗΓΕΜ ΚΑΙΚ ϹΕΡΒΕΙΛΙ ΝΕΙΚΟΠΟ ΠΡΟϹ ΙϹΤ
The emperor on horseback galloping right, spearing a lion (Depicted by N. Moushmov)
No. 8.10.34.1 (P.R., 1236; H.M., 892 28mm, 7g
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Hier findet sich auch ein Hinweis auf die von Moushmov abgebildete Münze, die wir gerade als Münze des Elagabal erkannt haben!
Und obwohl seit Sestini niemand diese Münze mehr gesehen hat, findet sich ihre Beschreibung auch in RPC IV.1 unter No. 4339 (temporary):
Volume: IV.1 No. 4339 (temporary)
Reign: Commodus Persons: Commodus (Augustus)
Magistrate: Quintus Caecilius Secundus Servilianus (legatus Augusti pro praetore)
City:Nicopolis ad Istrum
Region: Moesia
Province: Moesia inferior
Denomination: Æ Issue: 188-192
Obverse: ΑΥΤ ΚΑΙ ΜΑΡ ΑΥΡΗ ΚΟΜΟΔΟϹ; laureate head of Commodus, right
Reverse: ΗΓΕΜ ΚΑΙΚ ϹΕΡΒΕΙΛΙ ΝΕΙΚΟΠΟ ΠΡΟϹ ΙϹΤ (?); emperor (Commodus on horseback), holding spear, hunting lion
Reference: AMNG [1236] Specimens: 1
No image
Mi Suppl II, 118, no. 361
Zusammenfassung:
Unsere Münze ist 1796 mit falscher Beschreibung veröffentlicht worden. Diese Beschreibung wurde mehrmals übernommen, dann auch korrigiert. Ob es Bilder von ihr gibt, ist nicht bekannt. Ich habe keine gefunden. 1891 stellte Pick fest, daß diese Münze zusammen mit anderen unbekannt
verschwunden ist. Trotzdem findet sie sich immer noch in aktuellen Werken über Nikopolis. Deshalb halte ich sie für eine Geistermünze.
Wir haben uns entschlossen, diese Münze aus Hristova/Hoeft/Jekov zu entfernen.
Literatur:
(1) Domenico Sestini, Descriptio Numorum Veterum ex Museis Ainslie, Bellini, Bondacca, Borgia, Leipzig 1796
(2) Domenico Sestini, Classes Generales seu Moneta Vetus urbium populorum et regum, Florenz 1821
(2) Theodore Edme Mionnett, Supp. II, Thracia, Paris 1822
(3) Behrendt Pick, Die antiken Münzen Nord-Griechenlands (AMNG), Berlin 1898
(4) Nikola Moushmov, Ancient Coins of the Balkan Peninsula, Sofia, 1912
(5) Ivan Varbanov, Greek Imperial Coins, Bourgas 2005
(6) Hristova/Hoeft/Jekov, The Coins of Nicopolis ad Istrum, Blagoevgrad 2021
(7) RPC IV, 2025
(8) Mithilfe dieses Forums
Mit freundlichem Gruß
Jochen
Omnes vulnerant, ultima necat.
- quinctilius
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Re: Historisch interessante Münzen
Für USD 29 bei Vcoins gekauft - wer hätte das gedacht, es gibt noch Händler, die diesen Gegenstempel NICHT als Kleopatra VII verkaufen 
VG
Quinctilius
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Re: Historisch interessante Münzen
Sesterz des Antoninus Pius
geprägt Juni/Juli 149 n.Chr. mit der seltenen TR P-Iterationszahl XI (XII ist wesentlich häufiger zu finden)
rückseitig schauen die ersten zwei Enkelkinder des Kaisers aus den Füllhörnern heraus, was TEMPORVM FELICITAS verheißt
„Während die vermeintlichen Zwillinge meist als Buben identifiziert werden, glaubte Strack auf dem Bild der Sesterze einen Jungen und ein Mädchen erkennen zu können“ (Krier, Zum Brief des Marcus Aurelius Caesar an den dionysischen Kultverein vom Smyrna, in: Chiron, 10 / 1980, S. 451 f.). Dieser Sohn schon starb bald nach seiner Geburt (CIG II 3176: γεννηθέντος υἱοῦ, εἰ καὶ ἑτέρως τοῦτο ἀπέβη).
Das wirft die Frage auf:
Wann genau sind die Enkelkinder des Antoninus Pius geboren?
Darüber sind schon etliche Abhandlungen geschrieben worden, aber so richtig einig scheint man sich noch nicht geworden zu sein.
Die Geburt des ersten Kindes, eine Tochter ohne Nennung des Namens, ist durch die fasti Ostienses für den 30. Nov. 147 n.Chr. belegt. „Dieses Mädchen kann nicht Lucilla gewesen sein, weil deren Geburtstag am 7. März war (I Cret IV 300). L. Verus nahm Lucilla also nicht zur Frau, weil sie die älteste Tochter des Marcus war, sondern weil sie die älteste noch lebende Tochter war“ (Ameling, Die Kinder des Marc Aurel, in: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik Bd. 90 [1992], S. 151). Die Tochter Annia Galeria Faustina († ca. 195 n.Chr.) wiederum muss jünger als Lucilla († 181/182 n.Chr.) gewesen sein, sonst wäre sie statt Lucilla dem Verus zur Frau gegeben worden. Somit kann es sich bei der Erstgeborenen nur um Domitia Faustina handeln, die, wie ihre Grabinschrift im 139 n.Chr. fertiggestellten Hadrianmausoleum (CIL VI 995 = Dessau 385) bezeugt, vor 161 n.Chr. starb, denn ihr Vater Marcus wurde nur als Caesar und der Großvater Antoninus noch nicht als Divus aufgeführt. „Die Reihenfolge der ersten drei Töchter lautete also: Domitia - Lucilla - Annia. Die Reihenfolge der anderen Töchter wird durch eine Bemerkung Herodians geklärt (1, 13, 1): Fadilla ist nach dem Tod der Lucilla die älteste Schwester des Commodus gewesen. Sie wurde also vor Cornificia geboren. Schon immer stand fest, daß Vibia Sabina die jüngste Tochter des Kaiserpaares gewesen ist“ (Ameling, ebd., S. 152)
Die zweite Tochter Lucilla wurde am 7. März geboren (Inschrift aus Gortyn, I. Cret. IV 300 = IGR I 1509), das Jahr aber bleibt unbekannt. „In Frage kommen die Jahre 150 und 151, von denen das erste das wahrscheinlichere sein dürfte [Anm.: Da die Hochzeit des L. Verus und der Lucilla bereits 164 gefeiert wurde (vgl. Birley a. O. 235 f.) und anzunehnehmen ist, daß das junge Mädchen eher mit 14 als mit 13 heiratete (siehe auch Avotins a. O. 248), wird man 150 n. Chr. als Geburtsjahr vorziehen]“ (Krier, ebd., S. 454 und Anm. 46). - Diese Jahresangabe ist allerdings irreführend. So nahm sich bspw. der römische Historiker Tacitus mit 24 eine erst 13-Jährige zur Frau. Mädchen aus der Oberklasse konnten aus politischen oder geschäftlichen Interessen sogar vor dem gesetzlichen Mindestalter von 12 Jahren verheiratet werden (vgl. Gardner, Frauen im antiken Rom, S. 45).
„Nach den Fasti Ostiensis wurde im Jahre 152 n.Chr. ein Sohn geboren [siehe das folgende Bild; Degrassi, Inscr. It. XIII 1, S. 206 = Qa 11 Vidman], nach Ansicht Amelings [ist es] T[itus]. Aurelius Antoninus, über dessen Leben keine Details bekannt sind“ (Kirchleitner, Die Frauen der Adoptivkaiser, Diplomarbeit 2008/2009, S. 114).
Im Gegensatz zu Ameling gingen Fittschen (Die Bildnistypen der Faustina minor und die Fecunditas Augustae, 1982, S. 27) und Bol (Antike Bildwerke, Bd. 1: Bildwerke aus Stein und aus Stuck von archaischer Zeit bis zur Spätantike, 1983, S. 34) aber davon aus, dass der 152 n.Chr. geborene Knabe Titus Aelius Antoninus war.
„Es ist das Verdienst von Renate Bol erkannt zu haben, dass sich die aus dem Nymphäum [des Herodes Atticus in Olympia] erhaltenen Statuen und Basen nur in einer zweigeschossigen Architektur unterbringen lassen. … Über dem Beckenrand erhob sich die zweigeschossige Fassade, in der Bol jeweils elf gleichförmige Nischen mit Statuen anordnet. … Die Zuweisung gefundener Statuen bzw. von deren Fragmenten an das Nymphäum bereitet in vielen Fällen keine Probleme, weil zahlreiche Figuren im oder beim Nymphäum gefunden wurden. … Die meisten Statuenteile kamen im oberen Halbrundbecken zutage. Dort wurden auch einige der mit Inschriften versehenen Basen geborgen, doch die Mehrzahl von ihnen wurde in der Phidiaswerkstatt entdeckt, die in frühchristlicher Zeit zu einer Kirche umgebaut worden war. Man hatte sie zersägt und als Fußbodenplatten wiederverwendet. Basen und Statuen machten klar, dass sich der gesamte Bestand zwei Gruppen zuweisen ließ, dem Kaiserhaus [Nischen im oberen Geschoss] und der Familie des Herodes Atticus [Nischen im unteren Geschoss]“ (Hitzl,/ Kropp, Das Heiligtum von Olympia im 2. Jh. n.Chr., in: Boreas, Bd. 36, 2013, S. 67- 69). Die mittlere Nische in beiden Geschossen war jeweils für eine Götterstatue vorgesehen. Die kaiserliche Familie verteilte sich lt. Bol folgendermaßen (Bild oben): Titus Aelius Antoninus & Annia Galeria Faustina (zusammen auf einer Basis (Inschriften von Olympia 616 = ZEG 33, 337 [Bild unten]), Domitia Faustina, Lucius Verus, Diva Faustina d.Ä., Antoninus Pius, Zeus, Divus Hadrianus, Diva Sabina, Marcus Aurelius, Faustina d.J. und Lucilla.
Bei der dritten Tochter handelte es sich um Galeria Faustina. Ihr vollständiger Name Aννίαν Γαλερίαν Αὐρηλίαν [Φ]αυστ̣εῖναν̣ θυ̣γ̣ατ̣έρ̣α Μ(άρκου) Αὐρηλίου Καίσαρος steht auf der bereits bei Aelius Antoninus erwähnten Statuenbasis aus Olympia. Das Nymphaeum wurde lt. Forschung 153 n.Chr. fertiggestellt. Dieses Jahr stellt auch den terminus ante quem für Faustinas Geburt dar. Aus Mangel an Nischen wurde Galeria Faustina zusammen mit Aelius Antoninus auf eine Basis gestellt. Gleiches tauchte auch in der unteren Reihe der Familienangehörigen von Herodes Atticus auf (ihm wird 153 n.Chr. ebenso wie dem kaiserlichen Thronfolger Marcus ein weiteres Kind geboren worden sein, für das keine seperate Nische mehr vorhanden war, denn die Bauplanung erfolgte bereits 149 n.Chr.). Da im Aug. 153 n.Chr. die 233. Olympischen Spiele stattfanden darf man annehmen, dass das Nymphaeum zu diesem Zeitpunkt vollendet oder zumindest funktionsfähig gewesen sein muss. Galeria Faustina heiratete später den verwitweten Cnaeus Claudius Severus, mit dem sie einen Sohn namens Tiberius Claudius Severus Proculus hatte. Dieser muss spätestens 167 n.Chr. geboren sein, da er bereits 200 n.Chr. das Amt eines Konsuls bekleidete. Das schränkt den Zeitpunkt von Galeria Faustinas Hochzeit auf 166 n.Chr. ein (Toulouse, Severus Cn. Claudius, in: Goulet [Hrsg.], Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 6, S. 246-248). Um auf dieses Hochzeitsjahr näher einzugehen: Unter der Voraussetzung, dass Galeria Faustina im Juli 153 n.Chr. geboren wurde, hätte sie im Juli 166 n.Chr. ihr 13. Lebensjahr vollendet. Spätestens dann hätte sie mit Severus Proculus verheiratet werden können, denn ihre Schwester Lucilla war zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit (164 n.Chr.) genauso alt gewesen.
„In den modernen Darstellungen wird … auch ein [dritter Sohn] Hadrianus angeführt. Seine Geburt wird allgemein zwischen die des Annius Verus und der Vibia Sabina gesetzt, d.h. in die 60er Jahre. … Das einzige Zeugnis für seine Existenz ist eine Inschrift aus Ephesos (IK 12, 288), die zu einer Statuengruppe der kaiserlichen Familie gehört. Nach den Titeln des Marcus stammen die Inschriften aus der Zeit nach 161, was dann als Indiz für die Geburt des Hadrianus gewertet wurde. Die Verwendung des Augustus-Titels für Commodus in dieser Gruppe kann zur Datierung in die Jahre nach 177 nicht benutzt werden, da seine Titel erst eradiert und dann unter Septimius Severus wieder eingraviert worden sind. Ein Indiz liefert aber die Erwähnung der Lucilla in dieser Gruppe - ohne jeden Titel, als Tochter des Kaisers bezeichnet. Dies ist nach ihrer Hochzeit mit Lucius Verus und der damit verbundenen Verleihung des Augustatitels nicht mehr möglich. Die Gruppe muß also vor 164 gesetzt worden sein … In den Jahren zwischen 159 (Geburt der Fadilla) und 164 ist kein Platz mehr für ein weiteres Kind; Hadrianus muß daher bereits vor 159 geboren worden sein. Bei der Geburt der Zwillinge [Commodus und Antoninus] im Jahr 161 hat er schon nicht mehr gelebt“ (Ameling, ebd., S. 160).
„In den Jahren 159 und 160 wurde jeweils eine Tochter geboren, zuerst Fadilla, dann Cornificia [Das bestätigen die Münztypen mit drei Kindern bzw. mit vier Kindern].
Am 31.8.161 [nach dem Ableben des Kaisers Antoninus] kamen zwei Söhne zur Welt, unter ihnen der spätere Thronfolger, Commodus. Sein Zwillingsbruder Antoninus starb im Alter von vier Jahren (HA Comm. 1, 4). Im Jahr 162 (HA Marcus 21, 3) wurde wieder ein Sohn geboren, der mit sieben Jahren starb. Er hieß Annius Verus. Zuletzt, etwa 172, folgte Vibia Sabina“ (Ameling, ebd., S. 159 f.).
Annius Verus wurde am 12. Okt. 166 n.Chr. zusammen mit seinem Bruder Commodus zum Caesar erhoben (Historia Augusta, Marcus Aurelius, 12, 8 ).
Er starb im Alter von sieben Jahren (Sep. 168 - Aug. 169 n.Chr.) an der Operation eines Geschwürs unterhalb des Ohres und wurde wegen der dringlichen Staatsangelegenheiten nur fünf Tage von seinem Vater betrauert.
Zusammenfassend würde sich bei den Enkelkindern des Antoninus Pius also folgende Reihenfolge ergeben:
Domitia Faustina
* 30. Nov. 147 n.Chr.
† Sep. 153 - Nov. 155 n.Chr. = Datum aufgrund des numismatischen Befunds (Ameling, ebd., S. 158, Anm.57). „Aus einem Brief des Marc Aurel an Fronto geht hervor, dass das Mädchen wohl an einer schweren Durchfallerkrankung litt, die dem kleinen Körper stark zugesetzt haben soll“ (Kirchleitner, Die Frauen der Adoptivkaiser, Diplomarbeit 2008/2009, S. 113).
Sohn (T. Aurelius Antoninus)
* Juni 149 n.Chr.
† Ende 149/150 n.Chr.
Annia Aurelia Galeria Lucilla
* 7. März 151 n.Chr.
† 182 n.Chr.
Sohn (T. Aelius Antoninus)
* Mai (?) 152 n.Chr.
† 154/155 n.Chr.
Annia Galeria Aurelia Faustina
* Juli (?) 153 n.Chr.
† 182-192 n.Chr. = Auf einer im Jahre 181 n.Chr. aufgestellten Statuengruppe wurde inschriftlich „Faustina des vergötterten Antoninus“ erwähnt (IG II, 3398), aber sie zählte nicht mehr zu den Schwestern, die den Tod ihres Bruders Commodus in der Silvesternacht 192 n.Chr. überlebt haben (Historia Augusta, 17, 12)
Sohn (Hadrianus)
* Winter 157/158 n.Chr.
† 158 n.Chr. = Münze TR P XIX (Bild oben li.) belegt, dass zu diesem Zeitpunkt nur noch zwei Kinder lebten, d.h. Lucilla und Galeria Faustina und kein Junge.
Aria Fadilla
* Nov (?) 159 n.Chr.
† nach 177 n.Chr.
Cornificia
* Nov. (?) 160 n.Chr.
† Anfang 212 n.Chr.
Lucius Aurelius Commodus
* 31. Aug. 161 n.Chr.
† 31. Dez. 192 n.Chr.
Titus Aurelius Fulvus Antoninus
* 31. Aug. 161 n.Chr.
† 165 n.Chr.
Annius Verus
* Ende 162 n.Chr.
† 169 n.Chr.
Vibia Sabina
* 167 - 172 n.Chr.
† nach 211 n.Chr.
geprägt Juni/Juli 149 n.Chr. mit der seltenen TR P-Iterationszahl XI (XII ist wesentlich häufiger zu finden)
rückseitig schauen die ersten zwei Enkelkinder des Kaisers aus den Füllhörnern heraus, was TEMPORVM FELICITAS verheißt
„Während die vermeintlichen Zwillinge meist als Buben identifiziert werden, glaubte Strack auf dem Bild der Sesterze einen Jungen und ein Mädchen erkennen zu können“ (Krier, Zum Brief des Marcus Aurelius Caesar an den dionysischen Kultverein vom Smyrna, in: Chiron, 10 / 1980, S. 451 f.). Dieser Sohn schon starb bald nach seiner Geburt (CIG II 3176: γεννηθέντος υἱοῦ, εἰ καὶ ἑτέρως τοῦτο ἀπέβη).
Das wirft die Frage auf:
Wann genau sind die Enkelkinder des Antoninus Pius geboren?
Darüber sind schon etliche Abhandlungen geschrieben worden, aber so richtig einig scheint man sich noch nicht geworden zu sein.
Die Geburt des ersten Kindes, eine Tochter ohne Nennung des Namens, ist durch die fasti Ostienses für den 30. Nov. 147 n.Chr. belegt. „Dieses Mädchen kann nicht Lucilla gewesen sein, weil deren Geburtstag am 7. März war (I Cret IV 300). L. Verus nahm Lucilla also nicht zur Frau, weil sie die älteste Tochter des Marcus war, sondern weil sie die älteste noch lebende Tochter war“ (Ameling, Die Kinder des Marc Aurel, in: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik Bd. 90 [1992], S. 151). Die Tochter Annia Galeria Faustina († ca. 195 n.Chr.) wiederum muss jünger als Lucilla († 181/182 n.Chr.) gewesen sein, sonst wäre sie statt Lucilla dem Verus zur Frau gegeben worden. Somit kann es sich bei der Erstgeborenen nur um Domitia Faustina handeln, die, wie ihre Grabinschrift im 139 n.Chr. fertiggestellten Hadrianmausoleum (CIL VI 995 = Dessau 385) bezeugt, vor 161 n.Chr. starb, denn ihr Vater Marcus wurde nur als Caesar und der Großvater Antoninus noch nicht als Divus aufgeführt. „Die Reihenfolge der ersten drei Töchter lautete also: Domitia - Lucilla - Annia. Die Reihenfolge der anderen Töchter wird durch eine Bemerkung Herodians geklärt (1, 13, 1): Fadilla ist nach dem Tod der Lucilla die älteste Schwester des Commodus gewesen. Sie wurde also vor Cornificia geboren. Schon immer stand fest, daß Vibia Sabina die jüngste Tochter des Kaiserpaares gewesen ist“ (Ameling, ebd., S. 152)
Die zweite Tochter Lucilla wurde am 7. März geboren (Inschrift aus Gortyn, I. Cret. IV 300 = IGR I 1509), das Jahr aber bleibt unbekannt. „In Frage kommen die Jahre 150 und 151, von denen das erste das wahrscheinlichere sein dürfte [Anm.: Da die Hochzeit des L. Verus und der Lucilla bereits 164 gefeiert wurde (vgl. Birley a. O. 235 f.) und anzunehnehmen ist, daß das junge Mädchen eher mit 14 als mit 13 heiratete (siehe auch Avotins a. O. 248), wird man 150 n. Chr. als Geburtsjahr vorziehen]“ (Krier, ebd., S. 454 und Anm. 46). - Diese Jahresangabe ist allerdings irreführend. So nahm sich bspw. der römische Historiker Tacitus mit 24 eine erst 13-Jährige zur Frau. Mädchen aus der Oberklasse konnten aus politischen oder geschäftlichen Interessen sogar vor dem gesetzlichen Mindestalter von 12 Jahren verheiratet werden (vgl. Gardner, Frauen im antiken Rom, S. 45).
„Nach den Fasti Ostiensis wurde im Jahre 152 n.Chr. ein Sohn geboren [siehe das folgende Bild; Degrassi, Inscr. It. XIII 1, S. 206 = Qa 11 Vidman], nach Ansicht Amelings [ist es] T[itus]. Aurelius Antoninus, über dessen Leben keine Details bekannt sind“ (Kirchleitner, Die Frauen der Adoptivkaiser, Diplomarbeit 2008/2009, S. 114).
Im Gegensatz zu Ameling gingen Fittschen (Die Bildnistypen der Faustina minor und die Fecunditas Augustae, 1982, S. 27) und Bol (Antike Bildwerke, Bd. 1: Bildwerke aus Stein und aus Stuck von archaischer Zeit bis zur Spätantike, 1983, S. 34) aber davon aus, dass der 152 n.Chr. geborene Knabe Titus Aelius Antoninus war.
„Es ist das Verdienst von Renate Bol erkannt zu haben, dass sich die aus dem Nymphäum [des Herodes Atticus in Olympia] erhaltenen Statuen und Basen nur in einer zweigeschossigen Architektur unterbringen lassen. … Über dem Beckenrand erhob sich die zweigeschossige Fassade, in der Bol jeweils elf gleichförmige Nischen mit Statuen anordnet. … Die Zuweisung gefundener Statuen bzw. von deren Fragmenten an das Nymphäum bereitet in vielen Fällen keine Probleme, weil zahlreiche Figuren im oder beim Nymphäum gefunden wurden. … Die meisten Statuenteile kamen im oberen Halbrundbecken zutage. Dort wurden auch einige der mit Inschriften versehenen Basen geborgen, doch die Mehrzahl von ihnen wurde in der Phidiaswerkstatt entdeckt, die in frühchristlicher Zeit zu einer Kirche umgebaut worden war. Man hatte sie zersägt und als Fußbodenplatten wiederverwendet. Basen und Statuen machten klar, dass sich der gesamte Bestand zwei Gruppen zuweisen ließ, dem Kaiserhaus [Nischen im oberen Geschoss] und der Familie des Herodes Atticus [Nischen im unteren Geschoss]“ (Hitzl,/ Kropp, Das Heiligtum von Olympia im 2. Jh. n.Chr., in: Boreas, Bd. 36, 2013, S. 67- 69). Die mittlere Nische in beiden Geschossen war jeweils für eine Götterstatue vorgesehen. Die kaiserliche Familie verteilte sich lt. Bol folgendermaßen (Bild oben): Titus Aelius Antoninus & Annia Galeria Faustina (zusammen auf einer Basis (Inschriften von Olympia 616 = ZEG 33, 337 [Bild unten]), Domitia Faustina, Lucius Verus, Diva Faustina d.Ä., Antoninus Pius, Zeus, Divus Hadrianus, Diva Sabina, Marcus Aurelius, Faustina d.J. und Lucilla.
Bei der dritten Tochter handelte es sich um Galeria Faustina. Ihr vollständiger Name Aννίαν Γαλερίαν Αὐρηλίαν [Φ]αυστ̣εῖναν̣ θυ̣γ̣ατ̣έρ̣α Μ(άρκου) Αὐρηλίου Καίσαρος steht auf der bereits bei Aelius Antoninus erwähnten Statuenbasis aus Olympia. Das Nymphaeum wurde lt. Forschung 153 n.Chr. fertiggestellt. Dieses Jahr stellt auch den terminus ante quem für Faustinas Geburt dar. Aus Mangel an Nischen wurde Galeria Faustina zusammen mit Aelius Antoninus auf eine Basis gestellt. Gleiches tauchte auch in der unteren Reihe der Familienangehörigen von Herodes Atticus auf (ihm wird 153 n.Chr. ebenso wie dem kaiserlichen Thronfolger Marcus ein weiteres Kind geboren worden sein, für das keine seperate Nische mehr vorhanden war, denn die Bauplanung erfolgte bereits 149 n.Chr.). Da im Aug. 153 n.Chr. die 233. Olympischen Spiele stattfanden darf man annehmen, dass das Nymphaeum zu diesem Zeitpunkt vollendet oder zumindest funktionsfähig gewesen sein muss. Galeria Faustina heiratete später den verwitweten Cnaeus Claudius Severus, mit dem sie einen Sohn namens Tiberius Claudius Severus Proculus hatte. Dieser muss spätestens 167 n.Chr. geboren sein, da er bereits 200 n.Chr. das Amt eines Konsuls bekleidete. Das schränkt den Zeitpunkt von Galeria Faustinas Hochzeit auf 166 n.Chr. ein (Toulouse, Severus Cn. Claudius, in: Goulet [Hrsg.], Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 6, S. 246-248). Um auf dieses Hochzeitsjahr näher einzugehen: Unter der Voraussetzung, dass Galeria Faustina im Juli 153 n.Chr. geboren wurde, hätte sie im Juli 166 n.Chr. ihr 13. Lebensjahr vollendet. Spätestens dann hätte sie mit Severus Proculus verheiratet werden können, denn ihre Schwester Lucilla war zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit (164 n.Chr.) genauso alt gewesen.
„In den modernen Darstellungen wird … auch ein [dritter Sohn] Hadrianus angeführt. Seine Geburt wird allgemein zwischen die des Annius Verus und der Vibia Sabina gesetzt, d.h. in die 60er Jahre. … Das einzige Zeugnis für seine Existenz ist eine Inschrift aus Ephesos (IK 12, 288), die zu einer Statuengruppe der kaiserlichen Familie gehört. Nach den Titeln des Marcus stammen die Inschriften aus der Zeit nach 161, was dann als Indiz für die Geburt des Hadrianus gewertet wurde. Die Verwendung des Augustus-Titels für Commodus in dieser Gruppe kann zur Datierung in die Jahre nach 177 nicht benutzt werden, da seine Titel erst eradiert und dann unter Septimius Severus wieder eingraviert worden sind. Ein Indiz liefert aber die Erwähnung der Lucilla in dieser Gruppe - ohne jeden Titel, als Tochter des Kaisers bezeichnet. Dies ist nach ihrer Hochzeit mit Lucius Verus und der damit verbundenen Verleihung des Augustatitels nicht mehr möglich. Die Gruppe muß also vor 164 gesetzt worden sein … In den Jahren zwischen 159 (Geburt der Fadilla) und 164 ist kein Platz mehr für ein weiteres Kind; Hadrianus muß daher bereits vor 159 geboren worden sein. Bei der Geburt der Zwillinge [Commodus und Antoninus] im Jahr 161 hat er schon nicht mehr gelebt“ (Ameling, ebd., S. 160).
„In den Jahren 159 und 160 wurde jeweils eine Tochter geboren, zuerst Fadilla, dann Cornificia [Das bestätigen die Münztypen mit drei Kindern bzw. mit vier Kindern].
Am 31.8.161 [nach dem Ableben des Kaisers Antoninus] kamen zwei Söhne zur Welt, unter ihnen der spätere Thronfolger, Commodus. Sein Zwillingsbruder Antoninus starb im Alter von vier Jahren (HA Comm. 1, 4). Im Jahr 162 (HA Marcus 21, 3) wurde wieder ein Sohn geboren, der mit sieben Jahren starb. Er hieß Annius Verus. Zuletzt, etwa 172, folgte Vibia Sabina“ (Ameling, ebd., S. 159 f.).
Annius Verus wurde am 12. Okt. 166 n.Chr. zusammen mit seinem Bruder Commodus zum Caesar erhoben (Historia Augusta, Marcus Aurelius, 12, 8 ).
Er starb im Alter von sieben Jahren (Sep. 168 - Aug. 169 n.Chr.) an der Operation eines Geschwürs unterhalb des Ohres und wurde wegen der dringlichen Staatsangelegenheiten nur fünf Tage von seinem Vater betrauert.
Zusammenfassend würde sich bei den Enkelkindern des Antoninus Pius also folgende Reihenfolge ergeben:
Domitia Faustina
* 30. Nov. 147 n.Chr.
† Sep. 153 - Nov. 155 n.Chr. = Datum aufgrund des numismatischen Befunds (Ameling, ebd., S. 158, Anm.57). „Aus einem Brief des Marc Aurel an Fronto geht hervor, dass das Mädchen wohl an einer schweren Durchfallerkrankung litt, die dem kleinen Körper stark zugesetzt haben soll“ (Kirchleitner, Die Frauen der Adoptivkaiser, Diplomarbeit 2008/2009, S. 113).
Sohn (T. Aurelius Antoninus)
* Juni 149 n.Chr.
† Ende 149/150 n.Chr.
Annia Aurelia Galeria Lucilla
* 7. März 151 n.Chr.
† 182 n.Chr.
Sohn (T. Aelius Antoninus)
* Mai (?) 152 n.Chr.
† 154/155 n.Chr.
Annia Galeria Aurelia Faustina
* Juli (?) 153 n.Chr.
† 182-192 n.Chr. = Auf einer im Jahre 181 n.Chr. aufgestellten Statuengruppe wurde inschriftlich „Faustina des vergötterten Antoninus“ erwähnt (IG II, 3398), aber sie zählte nicht mehr zu den Schwestern, die den Tod ihres Bruders Commodus in der Silvesternacht 192 n.Chr. überlebt haben (Historia Augusta, 17, 12)
Sohn (Hadrianus)
* Winter 157/158 n.Chr.
† 158 n.Chr. = Münze TR P XIX (Bild oben li.) belegt, dass zu diesem Zeitpunkt nur noch zwei Kinder lebten, d.h. Lucilla und Galeria Faustina und kein Junge.
Aria Fadilla
* Nov (?) 159 n.Chr.
† nach 177 n.Chr.
Cornificia
* Nov. (?) 160 n.Chr.
† Anfang 212 n.Chr.
Lucius Aurelius Commodus
* 31. Aug. 161 n.Chr.
† 31. Dez. 192 n.Chr.
Titus Aurelius Fulvus Antoninus
* 31. Aug. 161 n.Chr.
† 165 n.Chr.
Annius Verus
* Ende 162 n.Chr.
† 169 n.Chr.
Vibia Sabina
* 167 - 172 n.Chr.
† nach 211 n.Chr.
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