Was ist das? „Coseldukaten“ – eine quellenkritische Neubewertung

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Numiscus
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Was ist das? „Coseldukaten“ – eine quellenkritische Neubewertung

Beitrag von Numiscus » So 01.02.26 22:05

Einen Diskussionsbeitrag zu schließen mit dem Hinweis auf fehlende sachbezogene Ausführungen zeugt von Unverständnis, fehlender neutraler Distanz, mangelhaftem Überblick und Urteilsvermögen durch den Moderator dieses Forums. Ich (und doktor) haben mehrmals um sachbezogene Beiträge gebeten, was von der Mehrzahl der an der Diskussion beteiligten Forumsmitglieder kam, waren Angriffe und unsinnige sowie fachlich falsche Bemerkungen.

Für mich hat sich, nach einer gewissen Zeit des passiven Lesens und vor allem in der kurzen Zeit des aktiven Beteiligens herausgestellt, dass hier in der Mehrzahl nur mäßiger bis allenfalls mittelmäßiger Sachverstand (teils sogar gar keiner) vorherrscht. Warum das so ist, was mich teils auch überrascht, weiß ich nicht. Ich vermute, dass die an fachlich wirklichen tiefgehenden (vielleicht auch mal provokanten oder ironischen) Diskussionen Interessierten sich hier nicht aufhalten. Schade eigentlich.

Für den minimalen Rest derer, die an einer wirklichen Diskussion und an einem tiefergehenden Diskurs von Beginn an interessiert waren, für diese ist folgende numismatische Einschätzung:

WAS IST DAS? „Coseldukaten“ – eine quellenkritische Neubewertung

Die in der diskutierten Auktionsbeschreibung (Höhn) vorgenommene Zuschreibung der vorliegenden Goldmedaille an August den Starken sowie die behauptete inhaltliche oder biographische Verbindung zur Gräfin Anna Constantia von Cosel ist aus numismatischer und quellenkritischer Sicht nicht haltbar. Weder ikonographische Merkmale noch chronologische, archivalische oder literarische Belege stützen eine solche Zuordnung. Vielmehr spricht die Gesamtheit der Indizien und Belege eindeutig für eine Einordnung des Stückes in den Kontext emblematischer Miszellanmedaillen des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts.

Zentraler Ausgangspunkt der Analyse ist die eindeutige Herkunft des Bildmotivs aus der zeitgenössischen Emblemliteratur. Das Motiv ist nachweislich bereits in Heinrich Offelens Emblembuch „Emblematische Gemüths-Vergnügung bey Betrachtung der curieusten und ergözlichsten Sinnbilder“ von 1693 enthalten (siehe Fotomaterial). Damit ist das Bildprogramm mindestens elf Jahre älter als der erste belegte persönliche Kontakt zwischen August II. und der späteren Gräfin Cosel (ab 1704). Eine August-Cosel-Deutung oder gar feste Zuschreibung der Medaille als spezifisch auf diese Beziehung oder diese Zeit bezogene Prägung scheidet daher bereits aus chronologischen Gründen aus. Emblembücher dienten im späten 17. Jahrhundert als weit verbreitete Bild- und Motivreservoirs für allegorische Darstellungen moralischer, sittlicher und allgemein-menschlicher Themen und wurden regelmäßig von Medailleuren, Stechern und Kunsthandwerkern rezipiert. Damit ist auch die Einschätzung "die deutschen Umschriften beinhalten Sinnsprüche, wie sie bei Whistspielen, bei denen bekanntlich nicht gesprochen wurde und die Spieler sich mit den Spielmarken verständigten..." hinreichend widerlegt. Die auf dem Stück Av. und Rv. geprägten Texte sind lediglich Varianten genau derer, die bereits bei Offelen 1693 erwähnt werden.

Die Übertragung solcher emblematischen Sinnbilder auf Medaillen ist für diese Zeit gut belegt und kennzeichnend für die Gruppe der sogenannten Miszellan- und Emblemmedaillen. Diese Gepräge waren nicht für den regulären Zahlungsverkehr bestimmt, sondern fungierten als Träger moralischer Belehrung, satirischer Kommentare oder symbolischer Gedankenspiele. Häufig wurden sie im Gewicht von Dukaten oder Talern (Gold, Silber) geprägt und konnten bei Bedarf eingeschmolzen oder als Wertmetall genutzt werden, ohne jedoch amtliche Münzen im rechtlichen oder fiskalischen Sinne zu sein. Ihre damalige Auflage war nicht gering, da sie Teil eines kommerziellen Medaillenmarktes waren, der Medailleure, Stempelschneider und Händler versorgte. Das wird bestätigt durch die noch heute vorhandene Vielzahl der motivähnlichen Varianten und deren recht häufiges Vorkommen, wobei einige Motive seltener sind als andere – von außerordentlicher oder größter Seltenheit kann jedoch nicht annähernd gesprochen werden. Allein das hier diskutierte Motiv tauchte in den vergangenen Jahren u.a. bei Möller, Solidus, mehrfach Höhn, Rauch und Comptoir des Monnaies/NumisCorner auf – ganz zu schweigen von den übrigen Varianten dieses emblematischen Motivs.

Die häufige Einordnung dieser Stücke als Spieljetons greift zu kurz. Zwar konnten Medaillen dieser Art aufgrund ihres Formats und Gewichts durchaus jetonartig verwendet werden, ihr ikonographisches und textliches Programm entspricht jedoch eindeutig der Tradition emblematischer Medaillenkunst. Die allegorischen Darstellungen und Sinnsprüche sprechen gegen eine primär funktionale Nutzung als Spielmarken und weisen vielmehr auf eine symbolische, moralisch-didaktische Rezeption hin. Emblematische Medaillen dieser Art richteten sich nicht an einen klar umrissenen Auftraggeberkreis, sondern an ein sozial breit gefächertes, gebildetes Publikum. Käufer waren Angehörige der barocken Hofkultur unterhalb der Ebene fürstlicher Repräsentation ebenso wie wohlhabende Bürger, Kaufleute, Unternehmer und Teile des niederen Adels. Die Medaillen dienten als Träger symbolischer Bedeutung, moralischer Selbstvergewisserung und sozialer Kommunikation und waren nicht als herrschaftliche Auftragskunst konzipiert. Die Existenz von Exemplaren in Gold erklärt sich daher weniger aus einer hofkünstlerischen Funktion als aus der Kombination von Wertaufbewahrung und symbolischem Mehrwert.

Der oft verwendete Begriff „Coseldukaten“ ist in diesem Zusammenhang kritisch bis ablehnend zu betrachten. Es handelt sich hierbei nicht um eine zeitgenössische Bezeichnung oder um den Nachweis einer offiziellen Emission, sondern um eine nachträgliche Sammler- und Katalogbenennung, die sich erst später etabliert hat. Noch 1805, also rund einhundert Jahre nach Beginn der August-Cosel-Episode, benennt Johann Friedrich Hauschild in seinem "Beytrag zur neuern Münz- und Medaillen-Geschichte vom XVten Jahrhundert bis jetzo" diese Gepräge nicht als "Coseldukaten" oder stellt in sonstiger Weise einen Zusammenhang zwischen dem sächsischen Monarchen, der Cosel und der Medaille her - in seiner Zeit waren diese Stücke noch keine Zuschreibungsopfer an den Kurfürsten und seine Gräfin. Die Benennung basiert weniger auf gesicherten historischen Quellen als vielmehr auf einer Kombination aus zeitlicher Einordnung und der erotisch-allegorischen Bildsprache einzelner Stücke sowie der prominenten Stellung der Beziehung zwischen August dem Starken und der Gräfin Cosel im kulturellen Gedächtnis. Faktisch handelt es sich damit um eine spätere numismatische Begriffslegende – nicht im Sinne einer freien Erfindung, sondern als nachträglich entstandene, traditionsgetragene Zuschreibung ohne zeitgenössische Quellenbasis. Als Verkaufsargument für Händler scheint der Marketingbegriff "Coseldukat" - schaut man auf die mittleren bis höheren vierstelligen Verkaufspreise - hervorragend zu funktionieren.

Die Zuschreibung wurde jedoch schon oft problematisiert. Zwar lassen sich zahlreiche Stücke gerade in sächsischen Sammlungen, Auktionskatalogen und numismatischen Nachlässen nachweisen, doch existieren keinerlei archivalische Belege für eine offizielle Herstellung in kursächsischen Münzstätten. Weder Rechnungen, Mandate, Münzordnungen noch zeitgenössische Schriftquellen belegen eine staatliche oder persönliche Auftraggeberschaft Augusts des Starken oder der Gräfin Cosel. Die häufig postulierte sächsische Provenienz erklärt sich daher eher aus der späteren Zuschreibungspraxis des Numismatikmarktes als aus einer gesicherten Produktionsgeschichte. Zudem entstammt Offelens emblematisches Vorlagenbuch aus Süddeutschland (Augsburg) und nicht aus dem sächsischen Raum.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Zuordnung der diskutierten Medaille zur „Coselzeit“ sowie ihre Verbindung zu August dem Starken keine belastbare historische Grundlage besitzt. Sie beruht vielmehr auf einer langlebigen, aber quellenkritisch nicht abgesicherten numismatischen Traditionsbildung. Eine Einordnung als emblematische Miszellanmedaille des 17. bzw. 18. Jahrhunderts, deren Bildprogramm aus der populären Emblematik des 17. Jahrhunderts schöpft und die für einen überregionalen Medaillen- und Sammlermarkt bestimmt war, ist auf Basis der derzeit bekannten Quellenlage deutlich plausibler als jede personalhistorische Zuschreibung und der ebenfalls falsch zugedachten Rolle als "Spielgeld".

Darüber hinaus kann das vorliegende Stück auch nicht als exzeptionelles Belegexemplar der Medaillenkunst zur Zeit Friedrich Augusts des Starken gelten. Selbst unter der Annahme einer Entstehung während seiner Regierungszeit ist festzuhalten, dass die Medaille weder in technischer noch in künstlerischer Hinsicht mit den nachweislich im Auftrag Augusts II. gefertigten Medaillen vergleichbar ist. Ein Vergleich mit belegten Stücken aus den Staatlichen Münzkabinetten in Dresden und Berlin zeigt deutliche Unterschiede in Stempelschneidetechnik, Reliefgestaltung, ikonographischer Durcharbeitung und repräsentativem Anspruch. Das hier vorliegende Stück ist vielmehr der Medaillenkunst mittleren technischen und künstlerischen Niveaus zuzuordnen, wie sie für kommerzielle Emblem- oder Miszellanmedaillen der damaligen Zeit charakteristisch ist.

Die Höhn-Auktion ist nicht die einzige Veranstaltung mit falscher / abweichender / nicht belegter Beschreibung/Zuordnung/Einordnung - hier ist jedoch das inflationäre Auftreten von Superlativen besonders auffällig und aus fachlicher Sicht problematisch. Es bleibt abzuwarten, ob der Fachhandel auf eine quellenkritische Neubewertung eingeht oder weiterhin Medaillen dieser Art mit Zuschreibungen versieht, die historisch nicht belegbar sind.
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Re: Was ist das? „Coseldukaten“ – eine quellenkritische Neubewertung

Beitrag von doktor » Mo 02.02.26 07:18

1 : 0, (in Worten: "Eins zu Null"),
für "Numiscus" !
Vielen Dank Numiscus für den Forschungsbeitrag !
Eine Inspiration für die gesamte Numismatikergemeinde
und ein Denkanstoß
für den europäischen Münz- und Auktionshandel
bzgl. Deklarationsverhalten und Bepreisungsangaben.
Schöne Grüsse !
Gold Medaille (2).jpeg
Bild von Comptoir des Monnaies, aktuell 2026,
Die PROVOKATION: Verkaufsdeklaration: "Deutschland 1720, Friedrich August der Starke, Coseldukaten imitation". Kostenpunkt € 10900 !!
Aber auch Höhn, 2021, deklariert: "Friedrich August I. der Starke, ... Spieljeton im Stil eines Coseldukaten ..."
Diese nicht korrekte Verkaufsdeklaration in Verbindung mit der umstrittenen Seltenheitsklassifizierung, sind das THEMA.
Es ist das Verdienst von NUMISCUS, dass er diese unlauteren marktschreierischen Praktiken thematisiert - und brillant bearbeitet.
"Wer das nicht hinterfragt, bekommt was er verdient!" :oops:
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Re: Was ist das? „Coseldukaten“ – eine quellenkritische Neubewertung

Beitrag von Chippi » Mo 02.02.26 17:29

doktor hat geschrieben:
Mo 02.02.26 07:18
1 : 0,
(in Worten: "Eins zu Null"),
für "Numiscus" !
Vielen Dank Numiscus für den Forschungsbeitrag !
Eine Inspiration für die gesamte Numismatikergemeinde
und ein Denkanstoß
für den europäischen Münz- und Auktionshandel
bzgl. Deklarationsverhalten und Bepreisungsangaben.
Schöne Grüsse !
Wirklich?
Numiscus hat geschrieben:
So 01.02.26 22:05
Einen Diskussionsbeitrag zu schließen mit dem Hinweis auf fehlende sachbezogene Ausführungen zeugt von Unverständnis, fehlender neutraler Distanz, mangelhaftem Überblick und Urteilsvermögen durch den Moderator dieses Forums. Ich (und doktor) haben mehrmals um sachbezogene Beiträge gebeten, was von der Mehrzahl der an der Diskussion beteiligten Forumsmitglieder kam, waren Angriffe und unsinnige sowie fachlich falsche Bemerkungen.

Für mich hat sich, nach einer gewissen Zeit des passiven Lesens und vor allem in der kurzen Zeit des aktiven Beteiligens herausgestellt, dass hier in der Mehrzahl nur mäßiger bis allenfalls mittelmäßiger Sachverstand (teils sogar gar keiner) vorherrscht. Warum das so ist, was mich teils auch überrascht, weiß ich nicht. Ich vermute, dass die an fachlich wirklichen tiefgehenden (vielleicht auch mal provokanten oder ironischen) Diskussionen Interessierten sich hier nicht aufhalten. Schade eigentlich.
Für eine nüchterne sachliche Einschätzung ist diese Passage oben völlig überflüssig und dient nur der Befriedung einer einzelnen Person. Auch die Darstellung, dass das gesamte Forum mit Sachverstand noch unter dem Sachverstand der sich selbst zu bestätigenden Person steht (echte Psychologen hätten ihren Spaß).
Numiscus hat geschrieben:
So 01.02.26 22:05
Für den minimalen Rest derer, die an einer wirklichen Diskussion und an einem tiefergehenden Diskurs von Beginn an interessiert waren, für diese ist folgende numismatische Einschätzung:

WAS IST DAS? „Coseldukaten“ – eine quellenkritische Neubewertung

Die in der diskutierten Auktionsbeschreibung (Höhn) vorgenommene Zuschreibung der vorliegenden Goldmedaille an August den Starken sowie die behauptete inhaltliche oder biographische Verbindung zur Gräfin Anna Constantia von Cosel ist aus numismatischer und quellenkritischer Sicht nicht haltbar. Weder ikonographische Merkmale noch chronologische, archivalische oder literarische Belege stützen eine solche Zuordnung. Vielmehr spricht die Gesamtheit der Indizien und Belege eindeutig für eine Einordnung des Stückes in den Kontext emblematischer Miszellanmedaillen des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts.
Das diese Stücke nicht von August oder Cosel in Auftrag gegeben wurden, wird hier nicht angezweifelt. Friedberg hat sich dazu bereits geäußert gehabt. Bezüglich chronologische, archivalische oder literarische Belege später noch etwas.
Numiscus hat geschrieben:
So 01.02.26 22:05
Zentraler Ausgangspunkt der Analyse ist die eindeutige Herkunft des Bildmotivs aus der zeitgenössischen Emblemliteratur. Das Motiv ist nachweislich bereits in Heinrich Offelens Emblembuch „Emblematische Gemüths-Vergnügung bey Betrachtung der curieusten und ergözlichsten Sinnbilder“ von 1693 enthalten (siehe Fotomaterial). Damit ist das Bildprogramm mindestens elf Jahre älter als der erste belegte persönliche Kontakt zwischen August II. und der späteren Gräfin Cosel (ab 1704). Eine August-Cosel-Deutung oder gar feste Zuschreibung der Medaille als spezifisch auf diese Beziehung oder diese Zeit bezogene Prägung scheidet daher bereits aus chronologischen Gründen aus. Emblembücher dienten im späten 17. Jahrhundert als weit verbreitete Bild- und Motivreservoirs für allegorische Darstellungen moralischer, sittlicher und allgemein-menschlicher Themen und wurden regelmäßig von Medailleuren, Stechern und Kunsthandwerkern rezipiert. Damit ist auch die Einschätzung "die deutschen Umschriften beinhalten Sinnsprüche, wie sie bei Whistspielen, bei denen bekanntlich nicht gesprochen wurde und die Spieler sich mit den Spielmarken verständigten..." hinreichend widerlegt. Die auf dem Stück Av. und Rv. geprägten Texte sind lediglich Varianten genau derer, die bereits bei Offelen 1693 erwähnt werden.
Schön, dass du die Herkunft der Motive gefunden hast. Das ist eine richtige Quelle. Allerdings kann man bei einem Unterschied von 11 Jahren nicht sofort die chronologische Keule schwingen. Nur weil ein Motiv schon länger existiert, kann es trotzdem noch zur Zeit von August und Cosel zur Anwendung kommen. Das besagt nicht, dass beide als Auftraggeber in Frage kommen. Es beweist nur, dass das Motiv bereits älter ist.
Allerdings weiß ich nicht, wie das Geschriebene die Spielmarkentheorie widerlegen soll. Gerade allgemein bekannte Sinnsprüche können als geheime Botschaften, auch bei diversen Spielen verwendet werden. Da muss noch mal genauer eingegangen und besser belegt werden.
Numiscus hat geschrieben:
So 01.02.26 22:05
Die Übertragung solcher emblematischen Sinnbilder auf Medaillen ist für diese Zeit gut belegt und kennzeichnend für die Gruppe der sogenannten Miszellan- und Emblemmedaillen. Diese Gepräge waren nicht für den regulären Zahlungsverkehr bestimmt, sondern fungierten als Träger moralischer Belehrung, satirischer Kommentare oder symbolischer Gedankenspiele. Häufig wurden sie im Gewicht von Dukaten oder Talern (Gold, Silber) geprägt und konnten bei Bedarf eingeschmolzen oder als Wertmetall genutzt werden, ohne jedoch amtliche Münzen im rechtlichen oder fiskalischen Sinne zu sein.
Nirgends wurden die Stücke hier je als Münzen angesehen oder angesprochen, auch nicht von den Auktionshäusern.
Numiscus hat geschrieben:
So 01.02.26 22:05
Ihre damalige Auflage war nicht gering, da sie Teil eines kommerziellen Medaillenmarktes waren, der Medailleure, Stempelschneider und Händler versorgte. Das wird bestätigt durch die noch heute vorhandene Vielzahl der motivähnlichen Varianten und deren recht häufiges Vorkommen, wobei einige Motive seltener sind als andere – von außerordentlicher oder größter Seltenheit kann jedoch nicht annähernd gesprochen werden. Allein das hier diskutierte Motiv tauchte in den vergangenen Jahren u.a. bei Möller, Solidus, mehrfach Höhn, Rauch und Comptoir des Monnaies/NumisCorner auf – ganz zu schweigen von den übrigen Varianten dieses emblematischen Motivs.
Hier wird es interessant, was ist unter nicht geringer Auflage zu verstehen? Warum vermischst du hier das besprochene Stücke mit anderen Stücken und dann noch mit solchen aus Silber und nicht nur aus Gold. Welche Stücke sind es? Ich vermisse hier eine Zusammenstellung samt Häufigkeit zumindest einiger Typen, um die Häufigkeit zu beweisen. Warum soll eine Vielzahl von solchen Geprägen gegen eine Seltenheit sprechen? Der Argumentation folgend wären z.B. 5 Pfennig 1896 G Massenware, immerhin gibt es genügend, ja massenhaft, andere Exemplare anderer Prägestätten und Jahrgänge und alle sehen fast gleich aus.
Weiter zählst du einfach nur einige Firmen/Auktionshäuser auf, um die Häufigkeit zu belegen. Hier fehlt ebenfalls eine Auflistung der Stücke und der Hinweis, ob es verschiedene Stücke sind oder die selben Stücke, die immer wieder mal auf dem Markt kommen. Das ist einfach gesagt eine unsaubere Arbeitsweise.
Numiscus hat geschrieben:
So 01.02.26 22:05
Die häufige Einordnung dieser Stücke als Spieljetons greift zu kurz. Zwar konnten Medaillen dieser Art aufgrund ihres Formats und Gewichts durchaus jetonartig verwendet werden, ihr ikonographisches und textliches Programm entspricht jedoch eindeutig der Tradition emblematischer Medaillenkunst. Die allegorischen Darstellungen und Sinnsprüche sprechen gegen eine primär funktionale Nutzung als Spielmarken und weisen vielmehr auf eine symbolische, moralisch-didaktische Rezeption hin. Emblematische Medaillen dieser Art richteten sich nicht an einen klar umrissenen Auftraggeberkreis, sondern an ein sozial breit gefächertes, gebildetes Publikum. Käufer waren Angehörige der barocken Hofkultur unterhalb der Ebene fürstlicher Repräsentation ebenso wie wohlhabende Bürger, Kaufleute, Unternehmer und Teile des niederen Adels. Die Medaillen dienten als Träger symbolischer Bedeutung, moralischer Selbstvergewisserung und sozialer Kommunikation und waren nicht als herrschaftliche Auftragskunst konzipiert. Die Existenz von Exemplaren in Gold erklärt sich daher weniger aus einer hofkünstlerischen Funktion als aus der Kombination von Wertaufbewahrung und symbolischem Mehrwert.
Auch hier wird nicht explizit vom dem oben genannten Stück geredet, sondern allgemein von jetonartigen Medaillen. Das betreffende Stück hat sogar Spielkarten abgebildet, gehalten von Amor. Dies könnte man als Spiel mit der Liebe deuten. Die goldenen Stücke als reine Anschauungsobjekte mit Metallwert zu sehen, dürfte zu kurz greifen. Da kann ich jeden gewöhnlichen echten Dukaten aufheben, es steckt noch eine weitere Ebene hinter diesen Stücken. Hier ist auch keine Rede mehr von Whistspielen...
Numiscus hat geschrieben:
So 01.02.26 22:05
Der oft verwendete Begriff „Coseldukaten“ ist in diesem Zusammenhang kritisch bis ablehnend zu betrachten. Es handelt sich hierbei nicht um eine zeitgenössische Bezeichnung oder um den Nachweis einer offiziellen Emission, sondern um eine nachträgliche Sammler- und Katalogbenennung, die sich erst später etabliert hat. Noch 1805, also rund einhundert Jahre nach Beginn der August-Cosel-Episode, benennt Johann Friedrich Hauschild in seinem "Beytrag zur neuern Münz- und Medaillen-Geschichte vom XVten Jahrhundert bis jetzo" diese Gepräge nicht als "Coseldukaten" oder stellt in sonstiger Weise einen Zusammenhang zwischen dem sächsischen Monarchen, der Cosel und der Medaille her - in seiner Zeit waren diese Stücke noch keine Zuschreibungsopfer an den Kurfürsten und seine Gräfin.
Endlich eine weitere richtige Quelle, aber die war den anderen Diskussionsteilnehmern schon bekannt. Eine einzige Quelle reicht leider nicht aus, um eine Verbindung sicher auszuschließen, da bedarf es einiger mehr, was das Ganze dann auch glaubhafter und nachvollziehbarer macht. Nicht, dass ich an eine Verbindung zwischen den Jeton und den zitierten Personen glaube, aber es ist einfach Standard, Angaben mit mehreren Quellen zu belegen.
Numiscus hat geschrieben:
So 01.02.26 22:05
Die Benennung basiert weniger auf gesicherten historischen Quellen als vielmehr auf einer Kombination aus zeitlicher Einordnung und der erotisch-allegorischen Bildsprache einzelner Stücke sowie der prominenten Stellung der Beziehung zwischen August dem Starken und der Gräfin Cosel im kulturellen Gedächtnis. Faktisch handelt es sich damit um eine spätere numismatische Begriffslegende – nicht im Sinne einer freien Erfindung, sondern als nachträglich entstandene, traditionsgetragene Zuschreibung ohne zeitgenössische Quellenbasis.
Das klingt jetzt aber ganz anders als die vorher postulierte "irreführende Werbung" mit "Wucher"-Charakter, der vorher vehement vertreten wurde.
Numiscus hat geschrieben:
So 01.02.26 22:05
Als Verkaufsargument für Händler scheint der Marketingbegriff "Coseldukat" - schaut man auf die mittleren bis höheren vierstelligen Verkaufspreise - hervorragend zu funktionieren.
Auch hier fehlt ein Beleg für diese Behauptung, ein Konjunktiv an der Stelle ist falsch und nur intentiös. Richtig wäre ein Vergleich der erbrachten Auktionsergebnisse mit vergleichbaren Jetons/Kleinmedaillen aus der Zeit und selben Material, samt der Feststellung, ob es einen Werterlös gibt und wenn ja, wie hoch er ist. Dies ist eine wissenschaftlich-methodische Arbeitsweise.
Numiscus hat geschrieben:
So 01.02.26 22:05
Die Zuschreibung wurde jedoch schon oft problematisiert. Zwar lassen sich zahlreiche Stücke gerade in sächsischen Sammlungen, Auktionskatalogen und numismatischen Nachlässen nachweisen, doch existieren keinerlei archivalische Belege für eine offizielle Herstellung in kursächsischen Münzstätten. Weder Rechnungen, Mandate, Münzordnungen noch zeitgenössische Schriftquellen belegen eine staatliche oder persönliche Auftraggeberschaft Augusts des Starken oder der Gräfin Cosel. Die häufig postulierte sächsische Provenienz erklärt sich daher eher aus der späteren Zuschreibungspraxis des Numismatikmarktes als aus einer gesicherten Produktionsgeschichte. Zudem entstammt Offelens emblematisches Vorlagenbuch aus Süddeutschland (Augsburg) und nicht aus dem sächsischen Raum.
Hier fehlt komplett eine Liste der durchgearbeitenen zeitgenössischen Quellen und Dokumente, keiner kann nachvollziehen, welche und ob überhaupt eine Quelle benutzt wurde. Wieder eine falsche Arbeitsweise.
Numiscus hat geschrieben:
So 01.02.26 22:05
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Zuordnung der diskutierten Medaille zur „Coselzeit“ sowie ihre Verbindung zu August dem Starken keine belastbare historische Grundlage besitzt. Sie beruht vielmehr auf einer langlebigen, aber quellenkritisch nicht abgesicherten numismatischen Traditionsbildung. Eine Einordnung als emblematische Miszellanmedaille des 17. bzw. 18. Jahrhunderts, deren Bildprogramm aus der populären Emblematik des 17. Jahrhunderts schöpft und die für einen überregionalen Medaillen- und Sammlermarkt bestimmt war, ist auf Basis der derzeit bekannten Quellenlage deutlich plausibler als jede personalhistorische Zuschreibung und der ebenfalls falsch zugedachten Rolle als "Spielgeld".
Siehe oben, ohne Quellenangaben ist diese Zusammenfassung unbrauchbar und kann wissenschaftlich nicht verwendet werden.
Numiscus hat geschrieben:
So 01.02.26 22:05
Darüber hinaus kann das vorliegende Stück auch nicht als exzeptionelles Belegexemplar der Medaillenkunst zur Zeit Friedrich Augusts des Starken gelten. Selbst unter der Annahme einer Entstehung während seiner Regierungszeit ist festzuhalten, dass die Medaille weder in technischer noch in künstlerischer Hinsicht mit den nachweislich im Auftrag Augusts II. gefertigten Medaillen vergleichbar ist. Ein Vergleich mit belegten Stücken aus den Staatlichen Münzkabinetten in Dresden und Berlin zeigt deutliche Unterschiede in Stempelschneidetechnik, Reliefgestaltung, ikonographischer Durcharbeitung und repräsentativem Anspruch. Das hier vorliegende Stück ist vielmehr der Medaillenkunst mittleren technischen und künstlerischen Niveaus zuzuordnen, wie sie für kommerzielle Emblem- oder Miszellanmedaillen der damaligen Zeit charakteristisch ist.

Die Höhn-Auktion ist nicht die einzige Veranstaltung mit falscher / abweichender / nicht belegter Beschreibung/Zuordnung/Einordnung - hier ist jedoch das inflationäre Auftreten von Superlativen besonders auffällig und aus fachlicher Sicht problematisch. Es bleibt abzuwarten, ob der Fachhandel auf eine quellenkritische Neubewertung eingeht oder weiterhin Medaillen dieser Art mit Zuschreibungen versieht, die historisch nicht belegbar sind.
Zu diesen Themen hat sich Friedberg eingängig mit beschäftigt und ich spare mir hier die Wiederholung.

Das zu dem Thema oben vom User "doktor". Wirklich eine astreine numismatische Forschungsarbeit, die das Forum in den Schatten stellt?

Gruß Chippi
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Chippi für den Beitrag (Insgesamt 4):
Lackland (Mo 02.02.26 17:57) • Atalaya (Mo 02.02.26 18:40) • TMSWGR (Mo 02.02.26 20:40) • Stadtmynz (Mo 02.02.26 21:06)
Wurzel hat geschrieben:@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)
Münz-Goofy hat geschrieben: Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.

Numiscus
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Danksagung erhalten: 7 Mal

Re: Was ist das? „Coseldukaten“ – eine quellenkritische Neubewertung

Beitrag von Numiscus » Mo 02.02.26 22:47

@Chippi: Zunächst vielen Dank für deine Reaktion und die kritische Auseinandersetzung mit meinen Ausführungen. Auf dieser Ebene lässt sich arbeiten.

Meine Ausführungen bzgl. des Niveaus zum vorherrschenden Sachverstand in diesem Forum hast du nicht vollständig durchdrungen. Insofern habe ich an diesem Punkt meinen (tatsächlich psychologischen) Spaß. Wenn du es korrekt gelesen und bewertet hättest, wäre dir aufgefallen, dass ich zu keinem Zeitpunkt vom gesamten Forum, sondern von der Mehrzahl gesprochen habe und vorausschob, dass sich diese Einschätzung empirisch auf meine subjektive Beobachtung (über einen kurzen Zeitraum) als Leser und Schreiber beschränkt. Es sind also weder "alle" gemeint noch ist es als objektive Wahrheit einzuordnen. Offensichtlich neigst du zur generösen Pauschalisierung und nicht zum Feinjustieren.

Leider hast du den Charakter meines Beitrages verkannt. Ich interpretiere deine Ausführungen jedenfalls so. Es ist keine Forschungsabhandlung zur Erlangung eines akademischen Grades, sondern lediglich ein Beitrag in einem Internetforum, der zwar grundlegende wissenschaftliche Ansprüche hat, jedoch auch und vor allem allgemein oder populärwissenschaftlich orientiert ist.

Der Diskurs, zu dem du hier versuchst anzuholen, ist bereits in seinen Grundzügen unwissenschaftlich angelegt, denn er verkennt die wissenschaftliche Beweislastverteilung. In der Wissenschaft liegt die Bringschuld bei demjenigen, der eine positive Behauptung aufstellt. Dein Ansatz ist in etwa so (wir lassen jetzt mal die Numismatik außen vor): Du behauptest es gibt Außerirdische, die täglich die Erde besuchen. Ich sage nein gibt es nicht. Hierzu bringe ich diverse Argumente, bspw. das es keine wissenschaftlichen Beweise gibt, keine „ernsthaften“ Belege, harte Fakten. Du entgegnest, nur weil ich keine Belege habe, heißt das nicht, das es sie nicht gibt. Außerdem solle ich Quellen benennen, die meine Aussage belegen, dass es keine Belege gibt (Negativevidenz). Dieser Ansatz ist grundlegend falsch. Derjenige, der eine positive Behauptung aufstellt ist gehalten diese zu belegen. Die Widerlegung der positiven Behauptung ist aus wissenschaftlicher Sicht dazu nicht verpflichtet – es gibt keine Beweislastumkehr nach dem Motto beweise mir mal das Gegenteil.

Zeitlicher und örtlicher Zuschreibungskontext

Der Verweis auf Offelen dient nicht der absoluten Datierung der Medaille, sondern der ikonographischen Entkopplung des Motivs von einer personalhistorischen Cosel-Deutung. Dazu gehört nicht nur die Loslösung von einer persönlichen Beauftragung durch die Cosel oder August, sondern auch die von der so genannten "Cosel/August-Zeit". Was soll das sein? Deren Lebenszeit? Ihre Zeit als Maîtresse? Seine Zeit als Regent? Ich hatte bereits ausgeführt, dass man auch behaupten kann "Goldener Jeton aus der Zeit des preußischen Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I." - das hätte dann in etwa den gleichen Aussagewert, nämlich gar keinen.

Dass ein Motiv auch Jahrzehnte später verwendet werden kann, ist unstrittig – gerade deshalb ist es aber nicht geeignet, eine spezifische Beziehung zu August II. oder zur Gräfin Cosel zu begründen. Wie gerade erwähnt, könnte ich das Stück dann jeder beliebigen historisch bedeutsamen Person im deutschsprachigen Kulturkreis am Beginn des 18. Jahrhunderts zuschreiben, nur um den Glanz meiner Medaille zu erhöhen. Dein Ansatz ist wissenschaftlich unzureichend. Denn hier wird Möglichkeit mit Belegbarkeit gleichgesetzt. Eine konkrete personalhistorische Zuschreibung (August/Cosel) erfordert positive Evidenz, nicht bloß zeitliche Vereinbarkeit. Zeitliche Möglichkeit ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung.

Solange kein zeitgenössischer Text, kein Auftragshinweis, keine Provenienz, keine explizite Benennung existiert, verbietet sich jede Cosel-Deutung (also auch jene "zur Zeit der Gräfin Cosel") und ist somit reine Interpretation, nicht historische Einordnung. Das derartige Belege bisher nicht nachzuweisen sind, zeigen subjektive Recherchen in archivalischen Quellen (u.a. Bibliotheken Dresden, München, Berlin, Heidelberg, Hauptstaatsarchiv Dresden, Münzkabinette Dresden, Berlin) und vor allem die objektive Abstinenz von Belegen in der numismatischen und verkaufstechnischen Literatur (Kataloge etc.) - quasi der "Nichtbeweis als Beweis". Wir treffen in der Literatur/Verkauf stattdessen auf eine Petitio Principii: „Es ist ein Coseldukat, weil es in der Literatur als Coseldukat geführt wird. Und es wird in der Literatur so geführt, weil es ein Coseldukat ist.“. Belege? Fehlanzeige! Brauchen wir auch nicht, so lange die Geschichte nicht widerlegt ist, ist sie wahr.

Wie oben bereits ausgeführt liegt in der Wissenschaft die Bringschuld bei demjenigen, der eine positive Behauptung aufstellt. Im Übrigen ist es methodisch unmöglich, eine Liste aller Dokumente vorzulegen, in denen eine Medaille nicht erwähnt wird (Negativevidenz). Das ist keine wissenschaftliche Herangehensweise. Die zeitliche Möglichkeit einer Entstehung während der Coselzeit begründet keine inhaltliche Zuschreibung, solange das Motiv ikonographisch allgemein, personenunspezifisch und quellenmäßig unbelegt ist. Mit Offelen entfernt sich das Objekt von der üblichen Zuschreibung bereits so deutlich, dass es sinnvoll mit dieser nicht mehr vereinbar ist. Der chronologische Ausschluss bedeutet, dass eine initiale Produktion spezifisch auf diese Beziehung und diese Zeit bezogen unmöglich ist - es heißt nicht, dass nicht rezipiert werden konnte, was jedoch schon allein bzgl. des Sujets als auch in technisch-künstlerischer Hinsicht dem Anspruch eines so repräsentationsbewussten Monarchen wie August des Starken vollkommen widerspricht und zudem Spuren hinterlässt – entweder im Motiv selbst (Wappen / Monogramme) oder in den Archiven.

Dass die Legendenbildung verstärkt dem 20. Jahrhundert entstammt, ist aktueller Forschungsstand. Hierbei ist eine Zuschreibung eines „Coseldukaten“ an Agustus Rex nicht einmal zwingend. Otto Helbing ordnet in seinem „Catalog eines berühmten alten Münzen- und Medaillen-Cabinets: öffentliche Auction (Band 1) Gold-Münzen und -Medaillen, öffentliche Auction: 10. März 1902“ mit Los 855 einen solchen (andere Variante) Ernst August Constantin von Sachsen-Eisenach zu. Bei der Legendenbildung der „Coseldukaten“ werden streckenweise sogar die albertinischen Linien verlassen, was vollkommen unlogisch ist.

Weitere Belege für die verstärkte Tradierung als „Coseldukaten“ vor allem im 20. Jahrhundert:

Münzenhandlung Adolph Hess Nachfolger Frankfurt, Main: Sammlung Erbstein: Nachlass des Herrn Geh. Hofraths Dr. Richard Julius Erbstein (Band 3): Münzen und Medaillen der altfürstlichen Häuser: Versteigerung erfolgt Montag, den 25. Oktober 1909 und folgende Tage (Frankfurt am Main, 1909)

Otto Helbing; Otto Helbing (München): Verzeichnis von Münzen und Medaillen: mit beigef. Verkaufspreisen: Verzeichnis von Münzen und Medaillen (Nr.14.1905)

Edmund Rappaport: Catalog einer Universal-Münzen- und Medaillen-Sammlung: deren Versteigerung am 25. Februar 1901 und folgende Tage ... stattfindet (Berlin, 1901) – die Nähe zur Jahrhundertwende zeigt, dass die Zuschreibungsgeschichte im 19. Jhr. schon in die entsprechenden Bahnen verlief.

Sinnsprüche und Spieljetons
Dass Sinnsprüche allgemein bekannt und weit verbreitet waren, spricht eher gegen als für eine Funktion als „geheime Spielkommunikation“. Für eine systematische Verwendung emblematischer Sinnsprüche als Spielsignale bei Whistspielen existieren keinerlei zeitgenössische Belege. Die Auktionsbeschreibung bei Höhn behauptet zwar einen solchen Zusammenhang, liefert hierfür jedoch keinen Nachweis.

Demgegenüber ist belegt, dass die auf den sogenannten "Coseldukaten" verwendeten Sinnsprüche – teils wortgleich, teils leicht abgewandelt – bereits in der Emblemliteratur des späten 17. Jahrhunderts, insbesondere bei Heinrich Offelen (1693), vorkommen. Damit ist gezeigt, dass die Umschriften einen klaren emblematischen Herkunftskontext besitzen. Der Medailleur hat sich offensichtlich an etablierten emblematischen Vorlagen orientiert, nicht an einer spielpraktischen Kommunikationsfunktion.

Die Darstellung von Spielkarten auf der Medaille begründet für sich genommen keine Spielfunktion. Spielsymbolik ist ein häufiges und gut belegtes Motiv der Emblematik und dient dort der allegorischen Darstellung von Risiko, Entscheidung, Gewinn und Verlust – sie impliziert jedoch keine reale Nutzung als Spielmarke.

Sowohl die Einordnung als Jeton im funktionalen Sinne als auch die spezifische Zuschreibung als Whistjeton bleiben damit hypothetische, quellenlos behauptete Möglichkeiten. Sie stehen im Widerspruch zu den Ergebnissen der Emblemforschung, wie sie etwa bei Bernhard F. Scholz (Emblem und Emblempoetik) dargelegt sind, und sind dort weder belegt noch vorgesehen.

Hinzu kommt, dass Whistjetons in der Regel spielerische, oft humorvolle Kurzformeln tragen und funktional reduziert gestaltet sind. Die sogenannten "Coseldukaten" hingegen verwenden direkt aus der Emblemliteratur abgeleitete Sinnsprüche und zeigen überwiegend liebesbezogene bzw. erotisch konnotierte Emblemata. Diese thematische Konzentration passt deutlich besser zur emblematisch-moralischen Bildsprache als zu einem realen Kartenspielkontext.

Die hier behandelte Medaille nutzt das Motiv des Spiels somit nicht funktional, sondern allegorisch – als Sinnbild für Liebe, Risiko, Entscheidung und Besitz. Eine Konzeption als reales Spielinstrument ist daher weder ikonographisch noch quellenmäßig plausibel.

Häufigkeit / Seltenheit
Mein Beitrag bewegt sich auf zwei Besprechungsebenen: Die „Coseldukaten“ im Allgemeinen (in der Literatur und im Handel befindliche ikonographische/emblematische Varianten, die dort auch als solche bezeichnet werden) und das zugrundeliegenden Stück aus der Höhn-Auktion im Besonderen (Höhn deutet dieses in deren Auktionen mal „im Stil“ mal als „Coseldukat“). Meine Ausführungen zur Seltenheit beziehen sich somit sowohl auf die eine als auch auf die andere Besprechungsebenen, was auch so zu erkennen ist.

Der Limitierungsumfang der am Markt aufgetauchten Stücke (Höhn-Motiv) wurde mit der Erwähnung diversen Verkaufsquellen untermauert, deren Angebots-Individualität verifiziert wurde. Die wiederholte Erscheinung dieses Motivs bei jeweils individuellen Verkaufsobjekten in den vergangenen Jahren (seit 2019) spricht nicht für, sondern gegen eine „äußerste Seltenheit“.

Die ebenso wiederholte Erscheinung der übrigen emblematischen Varianten in verschiedenen Metallen und Ausführungen widerspricht auch der Behauptung „von größter Seltenheit“ auf motivisch-thematischer Ebene.

Die Angabe „nicht geringe Auflage“ ist hier nicht im modernen, statistischen Sinne gemeint. Insbesondere für freie Medaillenprägungen des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts fehlen bisher belastbare Auflagenzahlen. Die Einschätzung erfolgt daher – wie in der Numismatik bei derartigen Objekt durchaus üblich – über die relative Häufigkeit, d. h. über beobachtetes wiederholtes Auftreten, Variantenbildung, Mehrmetallprägung und überregionale Verbreitung.

Der „Coseldukat“ mit seinen emblematischen Motiven ist in mehreren Ausführungen und Varianten nachweisbar und taucht seit Jahren regelmäßig im internationalen Auktionshandel auf. Damit handelt es sich offensichtlich nicht um außerordentliche oder äußerst seltene Gepräge. Einzelne Ausführungen mögen seltener sein als andere, die pauschale Einstufung des Höhn-Exemplars als „von größter Seltenheit“ (ohne Belege oder Erklärungen) ist jedoch quellenkritisch nicht haltbar und wurde bereits im Ansatz als nicht überzeugend belegt – unabhänig einer nicht existenten allgemeingültigen Regelung von Seltenheitsgraden. Ein Vergleich mit staatlichen Serienprägungen (z. B. 5 Pfennig 1896 G) ist methodisch nicht übertragbar.

Spielmotiv vs. Spielfunktion
Ein dargestelltes Spielmotiv ist kein Funktionsbeweis. Das „Spiel der Liebe“ gehört gemäß Primär- und Sekundärliteratur zum Thema Emblematik (siehe bereits genannte Quellen) seit dem 16./17. Jahrhundert zum festen Repertoire der Emblematik und ist primär metaphorisch zu lesen nicht als Spielanleitung oder Spielfunktion.

Hauschild (1805)

Hauschild ist keine alleinige Beweisquelle, er ist eine frühe systematische Referenz. Das vollständige Fehlen einer Cosel- oder August-Zuschreibung dort ist kein Argument ex silentio, sondern ein negatives Indiz gegen eine angeblich etablierte zeitgenössische Deutung. In der numismatischen Literatur fehlen Belege für eine Cosel/August-/Cosel-Zeit/Cosel-Umfeld Zuschreibung bisher gänzlich, allein das ist ein schlagkräftiger Nachweis, dass Archive und sonstige Quellen bis zum heutigen Tag nichts anzubieten haben.

„Coseldukat“ als Begriffslegende
Der Begriff ist traditionsgetragen, aber quellenkritisch nicht abgesichert. Dass er sich marktseitig etabliert hat, ändert nichts daran, dass es sich nicht um eine zeitgenössische Bezeichnung handelt. Beides schließt sich nicht aus.

Marketingeffekt
Ich habe bewusst keine quantitative Preisstudie behauptet, sondern eine qualitative Marktbeobachtung formuliert. Vergleichbare anonyme Emblemmedaillen erzielen nachweislich geringere Preise; der Konjunktiv ist hier bewusst gewählt. https://www.numisbids.com/searchall?searchall=Jeton

Exzeptionelles Niveau
Die Bezeichnung eines Stückes als „exzeptionelles Belegexemplar der Medaillenkunst zur Zeit Friedrich Augusts des Starken“ ist zunächst eine wertende Aussage, die rechtlich zulässig ist. Fachlich ist sie jedoch nur dann haltbar, wenn das Stück in technischer, handwerklicher und künstlerischer Hinsicht mit belegten Referenzwerken derselben Zeit vergleichbar ist. Ein Vergleich mit nachweislich im Auftrag Augusts II. gefertigten Hofmedaillen zeigt jedoch deutliche Unterschiede in Stempelschneidetechnik, Reliefgestaltung, ikonographischer Durcharbeitung und repräsentativem Anspruch. Die vorliegende Medaille bewegt sich in diesen Kriterien auf einem mittleren Niveau, wie es für kommerzielle Emblem- und Miszellanmedaillen typisch ist. Die Einstufung als „exzeptionell“ ist daher eine Beschreibung, die einer fachlichen Prüfung nicht standhält.

Fazit: Die hier immer wieder aufgestellte Forderung, ich müsse ‚Gegenbelege‘ dafür liefern, dass diese Medaillen nicht von August dem Starken oder der Gräfin Cosel beauftragt wurden oder aus deren Zeit /deren Umfeld stammt, führt methodisch in die Irre. In der Wissenschaft – und auch im Recht – gilt der Grundsatz des Onus Probandi: Die Beweislast liegt bei demjenigen, der eine positive Behauptung aufstellt.

Wer ein numismatisches Objekt mit „Coseldukat“, „August der Starke“, „Coselzeit“‚“exzeptionelles Belegexemplar der Zeit August des Starken“ und „äußerst selten“ bewirbt, muss zunächst die Brücke zwischen dem Objekt und dem Auftraggeber und dessen Zeit schlagen. Wenn diese Brücke lediglich aus einer langlebigen Zuschreibungstradition besteht, die sich mangels archivalischer Belege nicht verifizieren lässt, dann ist das eine Hypothese, kein Fakt. Es ist unmöglich, durch Quellen zu beweisen, dass ein Auftrag nicht erteilt wurde – das ist völlig unwissenschaftlich. Man kann lediglich feststellen, dass in den einschlägigen Archiven, Münzmandaten und Rechnungsbüchern jede Spur fehlt wie bisher geschehen.

Wer nun dennoch an der August-Cosel-Theorie festhalten will, ist am Zug: Wo ist das Dokument, das diese Stücke einer kursächsischen Münzstätte zuordnet? Wo ist die zeitgenössische Erwähnung? Selbst wenn dir immer noch Beweise für eine ohnehin unbelegte Behauptung fehlen, macht es diese Behauptung nicht richtig. Ein Auktionshaus, das für die Zuschreibung ggf. einen erheblichen Preisaufschlag einpreist, trägt die volle Verantwortung für die Plausibilität seiner Angaben. Solange außer ‚Händler-Tradition‘ keine Belege vorliegen, bleibt die Zuschreibung das, was sie ist: Eine unbestätigte Legende, die rechtlich als ‚Behauptung ins Blaue hinein‘ gewertet werden kann.

Mit den bisherigen Ausführungen ist höchstwahrscheinlich - obwohl wissenschaftlich nicht evident - mehr quellenbelegtes Material gegen den "Coseldukaten" zusammengetragen und bewertet worden, als es in den Jahrhunderten zuvor Material für den "Coseldukaten" gegeben hat. Vielleicht wird es Zeit, dass sich die Numismatik von der Legende "Coseldukaten" verabschiedet und auf diese Bezeichnung sowohl im personal- als auch zeithistorisch Kontext vollständig verzichtet, auch wenn es für den einen oder anderen kein leichter Abschied sein wird... ;-)

Gruß
Numiscus
Zuletzt geändert von Numiscus am Di 03.02.26 14:48, insgesamt 3-mal geändert.

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Re: Was ist das? „Coseldukaten“ – eine quellenkritische Neubewertung

Beitrag von pingu » Di 03.02.26 10:44

doktor hat geschrieben:
Mo 02.02.26 07:18
Bild von Comptoir des Monnaies, aktuell 2026,
Die PROVOKATION: Verkaufsdeklaration: "Deutschland 1720, Friedrich August der Starke, Coseldukaten imitation". Kostenpunkt € 10900 !!
Aber auch Höhn, 2021, deklariert: "Friedrich August I. der Starke, ... Spieljeton im Stil eines Coseldukaten ..."
Diese nicht korrekte Verkaufsdeklaration in Verbindung mit der umstrittenen Seltenheitsklassifizierung, sind das THEMA.
Bitte korrekt zitieren oder Direktverweise setzen:
https://www.ebay.de/itm/326955176159?_s ... R-7LjK2EZw

Ich nehme aber an, der Preis stammt von hier: https://www.ebay.de/itm/326958358036?_s ... R-7LjK2EZw

Zum Preis nur kurz, Diese sind bei beiden Angeboten eindeutig als Preisvorschlag gekennzeichnet und nicht als geforderter Festpreis!

Man beachte: Die Bildrechte liegen bei den betreffenden Verkäufern, die Auktionsbilder werden hier gezeigt. Eine Genehmigung für das Zeigen der Bilder hier kann ich im Beitrag nicht finden.

Weiterhin:
Numiscus hat geschrieben:
Mo 02.02.26 22:47
Marketingeffekt
Ich habe bewusst keine quantitative Preisstudie behauptet, sondern eine qualitative Marktbeobachtung formuliert. Vergleichbare anonyme Emblemmedaillen erzielen nachweislich geringere Preise; der Konjunktiv ist hier bewusst gewählt. https://www.numisbids.com/searchall?searchall=Jeton
Im Link ist nicht ein auch nur annährend ähnliches Stück zu finden. Ja noch nicht einmal Eines, dass dem Material entspricht. Von Vergleichbarkeit kann hier keinsten Falls die Reede sein.

Grüße
Wer sein Geld mit Konsum verschwendet, wird die wahren Freuden eines Numismatikers nie kennenlernen....

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Re: Was ist das? „Coseldukaten“ – eine quellenkritische Neubewertung

Beitrag von Numiscus » Di 03.02.26 12:43

pingu hat geschrieben:
Di 03.02.26 10:44
Zum Preis nur kurz, Diese sind bei beiden Angeboten eindeutig als Preisvorschlag gekennzeichnet und nicht als geforderter Festpreis!
Dieser Anbieter verfolgt eine intransparente Preispolitik. Auf einer anderen Plattform bietet er wiederum einen anderen Preis an: https://www.ma-shops.de/cdma/item.php?id=908353 Der Anbieter fordert drei unterschiedliche von ihm festgelegte Preise mit der Option des Preisvorschlags. Man kann ihm ja mal einen Preisvorschlag senden von sagen wir mal 1.000 Euro ("plusminus") mal sehen, ob er über 90% Nachlass gibt - mehr dürften eine anonyme emblematische Goldmedaillen meiner Einschätzung nach allerdings nicht bringen. Bin gerne offen für weitere Preisvorschläge ;-)
pingu hat geschrieben:
Di 03.02.26 10:44
Im Link ist nicht ein auch nur annährend ähnliches Stück zu finden. Ja noch nicht einmal Eines, dass dem Material entspricht. Von Vergleichbarkeit kann hier keinsten Falls die Reede sein.
Der Link zeigt lediglich Angebote nach dem Suchbegriff "Jeton". Da der "Coseldukat" in unterschiedlichen Metallen auftritt, impliziert auch die Suchabfrage kein spezifisches Metall. Es steht nicht in meinem Text, dass der Link zu vergleichbaren Objekten (Jetons) führt. Ich habe ausgeführt: "Vergleichbare anonyme Emblemmedaillen erzielen nachweislich geringere Preise". Siehe die folgende Auflistung...


„Coseldukaten“ Zuschreibungsproblematik

Während Solidus Numismatik das verbreitete emblematische „Coseldukaten“-Motiv (Tauben/Hahn und Henne) bei diesem Stück (Silber) der Freien Reichsstadt Nürnberg zuordnet

https://www.acsearch.info/search.html?id=12879682

folgt Höhn wiederum dem Zuschreibungsmuster „Spieljeton“ sowie „Friedrich August I., der Starke“ und ordnet sein Stück absurderweise und völlig unbelegt als„Coseldreier“ ein (es werden lediglich Sammlungsangaben genannt)

https://www.acsearch.info/search.html?id=12564555

Das Beispiel zeigt, dass die „Coseldukaten“ beliebig zuschreibbar sind - die Zuschreibung geht nicht aus dem Objekt selbst hervor, sondern wird von außen angetragen. Wenn ein Motiv gleichzeitig: städtisch, höfisch, spielbezogen gedeutet werden kann, ohne dass sich am Objekt etwas ändert, dann besitzt es keinen festen historischen Referenzrahmen.

Das Exemplar bei Solidus (Zuschreibung Nürnberg, vz) brachte 25 Euro. Das Exemplar bei Höhn (Zuschreibung August/Cosel, ss) brachte 180 Euro. Eine Preisdifferenz von 620%. Woran diese Differenz hauptsächlich liegen mag, darf sich jeder selbst ausmalen!


„Coseldukaten“ Emblemata

Folgende Beispiele aus unterschiedlichen Materialien zeigen im Vergleich zu den „Coseldukaten“ (Silber/Gold) diverse Medaillen mit bildprogrammatisch ähnlichen Motiven (exemplarisch fokussiert auf liebesbezogene, erotisch konnotierten Emblematik, Amor, Cupido, schnäbelnde Tauben, Kussmetapher). Im Gegensatz zu den „Coseldukaten“ sind diese jedoch weitgehend anonymisiert bzw. keiner bestimmten historisch bedeutsamen Person zugeordnet. Die „Coseldukaten“ fallen letztlich auch genau in diese Kategorie der anonymen, emblematischen Miscellaneamedaillen. DENN: Wenn ikonographisch, thematisch und formal vergleichbare Medaillen als anonyme emblematische Miscellaneamedaillen gelten, dann muss dies auch für die sogenannten „Coseldukaten“ gelten – solange keine zusätzlichen, objektgebundenen Belege vorliegen.

https://coinhirsch.bidinside.com/it/lot ... medaille-/

https://www.coinarchives.com/w/lotviewe ... 69bf99cf6b

https://www.acsearch.info/search.html?id=7006256
(hier Silberguss, typisches emblematisches Taubenmotiv mit Cupido jedoch weitaus komplexerer künstlerischer/technischer Gestaltung)

https://www.acsearch.info/search.html?id=6996472

https://www.acsearch.info/search.html?id=7576338

https://www.acsearch.info/search.html?id=7574229

https://www.acsearch.info/search.html?id=7574472
(hier Zinn, typisches emblematisches Amor/Cupido/Tauben-Motiv jedoch auch hier wesentlich komplexer und feiner ausgearbeitet als bei den „Coseldukaten“)

https://www.acsearch.info/search.html?id=6811198
( typisches emblematisches Amor/Cupido/Tauben-Motiv)

https://www.acsearch.info/search.html?id=9907158
(hier ZSilber, typisches emblematisches Amor/Cupido/Tauben-Motiv und auch hier komplexer und feiner ausgearbeitet als bei den „Coseldukaten“)

https://www.acsearch.info/search.html?id=470307

https://www.auctiones.ch/browse.html?au ... &lot=27345
(hier Gold, programmatisch den liebesbezogenen Medaillen mit typischer Emblematik zuzuordnen)

https://www.ma-shops.de/stadler/item.php?id=191016022

Die divergierenden Zuschreibungen identischer oder motivisch eng verwandter emblematischer Medaillen verdeutlichen das strukturelle Problem des Begriffs „Coseldukat“. Während Solidus Numismatik ein silbernes Exemplar mit dem verbreiteten Taubenmotiv der Freien Reichsstadt Nürnberg zuordnet, folgt Höhn bei einem vergleichbaren Stück einem unbelegten Zuschreibungsmuster als „Spieljeton Friedrich Augusts I.“ und bezeichnet es sogar als „Coseldreier“, ohne hierfür über Sammlungsangaben hinausgehende Quellen anzuführen.

Dieses Beispiel zeigt exemplarisch, dass die sogenannten „Coseldukaten“ ikonographisch nicht objektgebunden sind, sondern je nach Deutungskontext unterschiedlich – und teils widersprüchlich – zugeordnet werden. Die Zuschreibung ergibt sich damit nicht aus dem Stück selbst, sondern aus einer nachträglichen interpretativen Praxis.

Ein Vergleich mit zahlreichen emblematischen Medaillen aus Silber, Gold, Zinn etc. mit inhaltlich nahezu identischen Bildprogrammen (Amor/Cupido, Tauben, Kuss- und Liebesmetaphorik) bestätigt diesen Befund. Diese Medaillen werden überwiegend anonym geführt und als emblematische Miscellaneamedaillen eingeordnet, obwohl sie teils thematisch, ikonographisch und auch technisch anspruchsvoller sind als die sogenannten „Coseldukaten“.

Vor diesem Hintergrund ist kein sachlicher Grund erkennbar, warum ausgerechnet die „Coseldukaten“ aus diesem Kontext herausgelöst und personalhistorisch auf August den Starken und die Gräfin Cosel bezogen werden sollten. Sie fügen sich vielmehr nahtlos in die große Gruppe anonymer, kommerziell verbreiteter emblematischer Medaillen des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts ein.
Zuletzt geändert von Numiscus am Mi 04.02.26 10:11, insgesamt 1-mal geändert.

doktor
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Re: Was ist das? „Coseldukaten“ – eine quellenkritische Neubewertung

Beitrag von doktor » Di 03.02.26 22:30

Falls aus dem Plenum
keine gewichtigen Einwände mehr gegen die eingangs in "Was ist los ?" von Numiscus vorgetragene und weiter in "Was ist das ?" eindrucksvoll untermauerte und verteidigte These vorgetragen werden sollten, -
möchte ich Numiscus danken für seine Darlegungen zur Problematik der beanstandeten Geschäftsterminologie am Beispiel ausgewählter Goldjetons aus dem 1. Drittel 18. Jahrhunderts, "sog. Coseldukaten - eine quellenkritische Neubewertung",
- von meiner Seite her mit "summa cum laude".
Weitere Beiträge von Numiscus, aus dem Bereich der Numismatik im Spannungsfeld mit der Rechtssprechung, etwa am Beispiel konkreter Fälle aus dem Münzenbereich, sind wünschenswert ! 👏👏
Zuletzt geändert von doktor am Di 03.02.26 23:15, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Was ist das? „Coseldukaten“ – eine quellenkritische Neubewertung

Beitrag von Lackland » Di 03.02.26 22:43

doktor hat geschrieben:
Di 03.02.26 22:30
Falls nun aus dem Plenum
keine gewichtigen Einwände mehr gegen die eingangs in "Was ist los ?" von Numiscus vorgetragenen und weiter in "Was ist das ?" eindrucksvoll untermauerten und verteidigten These vorgetragenen werden sollten,
möchte ich Numiscus aufgrund erbrachter eindrucksvoller Leistungen im Bereich numismatik
… für den Nobelpreis vorschlagen. :wink:
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Atalaya (Mi 04.02.26 01:27) • Lucius Aelius (Mi 04.02.26 05:30) • doktor (Mi 04.02.26 08:07) • TMSWGR (Do 05.02.26 20:15)
„Nach dem Spiel kommen König und Bauer in dieselbe Schachtel.“

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Re: Was ist das? „Coseldukaten“ – eine quellenkritische Neubewertung

Beitrag von friedberg » Di 03.02.26 22:57

Lackland hat geschrieben:
Di 03.02.26 22:43
… für den Nobelpreis vorschlagen. :wink:
@Lackland

reicht nicht aus ! Pulitzer-Preis, mindestens 8)
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doktor (Mi 04.02.26 08:07)

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