Alte Marken und Zeichen und Ihr Hintergrund

Privat ausgegebene Münzen, Notgeld und Münzersatzmittel

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MartinH
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Re: Alte Marken und Zeichen und Ihr Hintergrund - Armenmarke Heilig-Geist_Apotheke Wien

Beitrag von MartinH » Mi 11.03.26 13:27

Im „Ein numismatischer Spaziergang durch Wien…“ (viewtopic.php?f=82&t=68178&hilit=Spaziergang#p593597) ) hatte ich eine Armenmarke für die Insassen des Großen Armenhauses in Wien mitsamt der Geschichte des Armenhauses vorgestellt. Den Insassen wurde auch der Bezug vergünstigter Medikamente aus der Heilig-Geist-Apotheke ermöglicht, wofür auch diese Marke aus dem Jahre 1756 verwendet wurde:
W2.jpg
W1.jpg
23 mm, 4,55 g
Stahl 998, Neumann 1212, Slg. Brettauer 3384

Die Marke zeigt auf der Vorderseite die Taube als Zeichen für den Heiligen Geist im Strahlenkranz mit der Umschrift PATRE PAUPERUM (Vater der Armen).

Auf der Rückseite ragt eine Hand, die einen Geldsäckel hält, aus den Wolken. Zusammen mit der Umschrift MUNIFICENTIA PIORUM (Großzügigkeit der Frommen) soll es die Wohltätigkeit und Unterstützung des Armenhauses/der Armen durch fromme oder wohlhabende Stifter betonen.

In der Wien Geschichte Wiki gibt es einen Beitrag über die Heilig-Geist-Apotheke. Die Apotheke Zum heiligen Geist (1652-1872 Kärntner Straße 28–30, danach bis heute Operngasse 16) wurde circa 1550 als "Hausapotheke" des Bürgerspitals gegründet und ab 1652 als öffentliche Apotheke geführt:

Auch nach der Übersiedlung des Bürgerspitals in die Stadt (Bürgerspital Haupthaus) bezog das Spital Arzneien weiterhin bei den Apothekern in der Stadt. Als Lieferant wird 1534 etwa der Apotheker "Zur goldenen Krone", Ludwig Heyn, genannt, der auch das Klosterneuburger Siechenhaus belieferte. Im Zug von Reformvorschlägen wurde 1539 unter anderem angeregt, eine eigene Apotheke im Spital einzurichten. Dazu dürfte es jedoch erst im Jahr 1550 gekommen sein, ein Jahr später wurde – jedoch nur kurzfristig – ein Apotheker im Spital angestellt. Ein Inventar aus dem Jahr 1552 gibt über die damalige rudimentäre Hausapotheke Auskunft. In der Apotheke befanden sich zu diesem Zeitpunkt 20 zinnerne Kannen, eine zinnerne Mensur, ein großer und ein kleiner Mörser samt Stößel, vier zinnerne "balnea Maria" in einem Kessel, ein zinnerner Ständer, zwei große zinnerne Brennhüte, ein kleiner Branntweinkessel und diverse andere Gerätschaften. Im Zimmer des Bürgerspitalmeisters war zudem ein Kräuterbuch vorhanden.

Die zusammengesetzten Medikamente wurden weiterhin von bürgerlichen Apotheken bezogen. Nachweislich belieferte beispielsweise ab 1587 die Apotheke „Zum weißen Engel“, vor allem aber die Apotheke „Zum schwarzen Bären“, über längere Zeit das Bürgerspital mit Medikamenten. Die Belieferung durch die Stadtapotheken führte in der Folge allerdings zu Klagen über mangelnde Qualität und hohe Preise.

Nach diversen Zwischenschritten – 1622 wurde beispielsweise wieder kurzfristig ein Apothekergeselle eingestellt und 1624 von der Medizinischen Fakultät ein Gutachten bezüglich einer etwaigen Spitalapotheke eingeholt – erfolgte schließlich 1642 die Eröffnung einer Apotheke im Hof des Bürgerspitals und die Einstellung eines Provisors. Der erste in dieser Funktion war Johann Leonhard Winheim, der am 3. Juli 1642 seine Prüfung ablegte. Ihm folgten 1650 Sebastian Paul, dann Gerhardt Gymnich, der am 20. November 1651 die Prüfung bestand.

Diese Apotheke dürfte vorerst nur dem Eigengebrauch gedient haben und erst ab 1652, als sie unter dem Zeichen „Zum heiligen Geist“ (nach der Bürgerspitalkirche) in die Kärntner Straße an den Ort der bisherigen Trinkstube verlegt wurde, auch den öffentlichen Verkauf begonnen haben. Eine heute im Wien Museum aufbewahrte Marmortafel mit Inschrift, die außen an der Apotheke angebracht war, erinnert heute noch an diese Übersiedlung.

Eine ursprünglich im Bürgerspital entstandene und heute in der Bibliothek des Salzburg Museums aufbewahrte Handschrift aus dem Jahr 1662 gibt Einblicke in den damaligen Zustand der Apotheke. Sie bestand damals unter anderem aus einem Laboratorium, einem Aquarium (Aufbewahrungsort flüssiger Arzneien), einer Apothekerstube, einer Materialkammer, einem Kräuterboden und einem Glaskämmerchen. Zahlreiche pharmazeutische Bücher waren vorhanden.

Durch die Verlegung der Apotheke an einen frequentierten Ort und den öffentlichen Verkauf sahen sich die bürgerlichen Apotheker in ihren Privilegien beeinträchtigt. Der Streit wurde erst durch ein Privileg Leopolds I. vom 27. Jänner 1681 entschieden, dass der Spitalapotheke offiziell das Recht auf den öffentlichen Verkauf einräumte. Da die Apotheke sämtliche Arzneien für das Bürgerspital und seine Filialen bereitzustellen hatte, wies sie trotz öffentlichem Verkauf immer eine negative Bilanz auf. 1748 erging eine kaiserliche Resolution, wonach in der Kärntner Straße und den umliegenden Gassen keine weitere Apotheke errichtet werden durfte, was in der Folge wieder aufgeweicht wurde. 1754 erfolgte die Einrichtung einer Filiale der Bürgerspitalapotheke im gerade erst vereinigten Spanischen- und Dreifaltigkeitsspital.

Auch nach dem Umbau des Bürgerspitals und auch des Chaosschen Stiftungshauses in das Bürgerspitalzinshaus ab den 1780er Jahren, blieb die Apotheke an ihrem ursprünglichen Standort. Das Bürgerspital war ab diesem Zeitpunkt nur noch für die Versorgung von Bürgern und deren Angehörigen zuständig, die ab 1785 im zum Bürgerversorgungshaus umgewidmeten Spital zu St. Marx untergebracht waren. 1792 wurde die Apotheke an den bisherigen Provisor verpachtet. Dieser und auch künftige Pächter hatten die Waren für das Bürgerversorgungshaus billiger abzugeben.

Die Apotheke existiert noch heute und bietet Führungen durch den denkmalgeschützten Medizinalkeller an.

Literatur:
https://stadtarchaeologie.at/armenhausg ... zialitaet/

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Z ... (Apotheke)

https://apotheke-hl-geist.at
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Re: Alte Marken und Zeichen und Ihr Hintergrund - Regensburg Steueramt

Beitrag von MartinH » Mo 16.03.26 18:59

Neben dem Umgeld mussten Bürger in Regenburg u.a auch Steuern bezahlen. Sowohl für Ungeld (siehe viewtopic.php?f=63&t=72668&p=649290&hil ... ld#p649290) als auch für Steuern gab es ein eigenständiges Amt und beide gaben Präsenzzeichen aus, von denen ich das von 1559 (es gibt noch eines o.J.) vorstellen möchte:

RSteuer.jpg
20 mm, 2,45 g
Schratz 22, Neumann -, Stahl -, Slg. Jenke –

Schratz schreibt zu dem Steueramt: Ein Wohl Ehrlöbliches Steueramt, mit einem Direktor (Rathsherr), zwei Assessoren, zwei Offizianten und zwei Dienern. Ueber dieses Amt gibt weiteren Aufschluß die Wachtgedingsordnung von 1746 Cap. III § 2 ff. (Vhdl. d. hist. Ver. Bd. IX, S. 100 ff.)

Diese Ordnung wurde zwar fast 200 Jahre nach der Prägung des obigen Zeichens geschrieben, ein Blick hinein ist trotzdem lohnend. Im 3.Kapitel werden die Bürgerlichen Obliegenheiten und Abgaben behandelt, §1 führt die zu leistenden Zahlungen auf:

§ I.
Die Abgaben, welche nach gemeinen Stadt-Rechten und Verfassung jeder hiesige Burger pflichtmäßig zu leisten schuldig ist, bestehen in der Steuer und dem dahin gehörigen sogenannten Voraus, dann in dem Umgeld, Wachtgeld, auch Brunngeld.


Es folgen zahlreichen Ausführung zur Erhebung der Steuer, bei der es sich i.W. um eine Vermögenssteuer in Höhe von 0,75-1,5% des Vermögenswertes handelt (Grundstücke, Gebäude, Geld in bar oder als gegebener Kredit, Getreide, Wein, kaufmännische Güter, Brau- und Branntweinkessel, Handwerkswaren, Silber, Kleinodien, Ketten, Armbänder, Gürtel und dergleichen, erhandelte Gerechtigkeiten, die wie Bargeld betrachtet wurden, solange nicht bereits eine Gewerbesteuer darauf bezahlt wurde).

Bestimmte Vermögensarten (unverkaufter Wein und Getreide von eigenem Grund und Boden, Getränke und Speisen für den eigenen Bedarf, Werkzeug, Wehr, Bücher, Hausrat, etc.) waren von der Steuer ausgenommen.

Bei Kleinodien, Gold, Ketten, Armbändern, goldenen Ringen fiel keine Steuer an, solange die vorhandene Menge dem Stand entsprechend angemessen war (…“jedoch nur in Ansehung derjenigen, denen dergleichen zu tragen gebührt.“). Ebenso gab es Regelungen für Freibeträge bei Silbergeschirr, Schatzgeld und Kinder Schatzgeld. Interessanterweise je höher, desto höher der Stand.

Die Regelungen zu Kleinodien, ..., Silbergeschirr gehen auf die Steuerordnung von 1652 zurück, in der angemerkt wird, dass, um Steuer zu sparen, einige Bürger den größten Teil Ihres Vermögens in solchen bis dato steuerfreie Kleinodien, …, Silbergeschirr angelegt haben, und zwar in Mengen, die Ihrem Stand nicht gebührlich seien.

Die Steuervorauszahlung betrug 40,5 Kreuzer (Nebst der Steuer soll jeder Burger oder Bürgerin, angesessen oder nicht, zu einem Voraus alljährlich bezahlen 40 1/2 kr.)

Literatur
Schratz, W.: Die Regensburger Rathszeichen, in: Verhandlungen des historischen Vereins von Oberpfalz und Regensburg 37, 1883, S. 176-177.

Wachtgedingsordnung von 1746: https://www.heimatforschung-regensburg. ... TL1679.pdf,

Steuerordnung von 1652: https://dfg-viewer.de/show?tx_dlf%5Bdou ... 249a05a72b,
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Re: Alte Marken und Zeichen und Ihr Hintergrund - Lüttich: Marken zur Verteilung des Fastenbrotes

Beitrag von MartinH » Do 26.03.26 15:07

Neben der Lambertuskathedrale (Dom), die bis 1794 bestand, gibt es in Lüttich 7 Stiftskirchen.

Diese Stiftskirchen von Lüttich (französisch: sept collégiales de Liège) waren eine Gruppe von Stiftungen aus dem 10. und frühen 11. Jahrhundert in der Stadt Lüttich. Jede dieser Stiftskirchen war eine privilegierte Körperschaft innerhalb der Stadt mit eigenen Bezirken und Rechten. Bis zur Lütticher Revolution von 1789 hatten die Kanoniker gemeinsam einen zentralen korporativen Status im Ersten Stand des Fürstbistums Lüttich als „sekundärer Klerus“, neben dem „primären Klerus“, der dem Domkapitel der Kathedrale St. Lambert angehörte.

Im 18. Jahrhundert zählte jedes der Stiftskapitel 30 Kanoniker, die allesamt Absolventen der Theologie oder des Kirchenrechts sein mussten. Jedes Kapitel hatte seinen eigenen Propst, Dekan, Kantor, Scholaster und Schatzmeister.

Marken wurden herausgegeben von St. Lambert, St. Barthélemy, St, Croix, St. Denis, St. Jacques, St. Martin und St. Paul sowie von Notre Dames a Tongres und dem Chapitre auxiliaire de St. Anne, a Maestricht, d.h. von dem Kapitel der Stiftskirche St. Peter scheint es keine Marken zu geben. Empfänger waren i.d.R. nicht die Kanoniker, sondern der niedere Klerus.

Eine von Du Cange überlieferte Stelle (meracula) lässt annehmen, dass bereits 1187 der Bischof Plantavitius auf den Méreau zurückgriff, um seine kirchlichen Untergebenen zur Teilnahme an den synodalen Versammlungen zu bewegen. Die ältesten Méreaux der Kathedrale Sankt Lambert, die eine Jahreszahl tragen, gehören dem Jahr 1557 an. Die Marken lassen sich in 3 Gruppen unterteilen:

1. Präsenzmarken für die Teilnahme an Gottesdiensten, Prozessionen etc.
2. Marken im Zusammenhang der Verteilung des Fastenbrotes
3. Marken, die anlässlich von Gedenkveranstaltungen herausgegeben wurde (und heute, obwohl sie gar nicht so selten sind, abstrus
hohe Preise auf Auktionen erzielen können).

Vorstellen möchte ich zwei recht häufig vorkommenden Marken, die zur 2. Kategorie gehören, und zwar vom Stiftskollegiat St Denys aus dem Jahre 1711:
D1.jpg
D2.jpg
24 mm, 7,05 g
Neumann 13930 ; MJ Petit de Rosen : Catalogue des MÉREAUX, des MÉDAILLES et des JETONS des chapitres, des corporations et des families DE L’ANCIEN PAYS DE LIÉGE, Rev Num. Belg. Tome VI, S. 131, Nr. 37; Renesse S. 199 Nr. III, Tafel 74, No.3; lodenpenningen-belgie.be

und eine des Stiftkollegiat St. Lambert o.J.:

L1.jpg
L2.jpg
23 mm, 4,95 g
Neumann 13907 ; de Schodt 5 ; MJ Petit de Rosen : Catalogue des MÉREAUX, des MÉDAILLES et des JETONS des chapitres, des corporations et des families DE L’ANCIEN PAYS DE LIÉGE, Rev Num. Belg. Tome VI, S. 123, Nr. 5; Renesse S. 197 Nr. VIII, Tafel 72, No.7; Lodenpenningen-belgie.be, Eklund Charity tokens of the Netherlands. O.P., pag. 13 nr 81; STAM Gent N. 01656

Sie tragen die Inschrift MANDATA; das sind Mandate oder wie man in Lüttich sagte: mandès. Es handelt sich um eine innerkirchliche Verwaltungseinheit, die für die Durchführung der Verteilungen verantwortlich war.

De Spiegeler schreibt im Kapitel 3 „Chapitre III. Le potentiel hospitalier et charitable“ seines Buches über die sozialen Einrichtungen Lüttichs über die kapitelbezogenen Mandate:

Im Anschluss an einen Prozess, dessen Ablauf uns unbekannt ist, nahmen die Almosenämter des Doms und der Lütticher Kollegiatstifte die besondere Form des Mandé an. Der heilige Benedikt hatte dem Abt und der monastischen Gemeinschaft vorgeschrieben, den Gästen die Füße zu waschen. Diese Zeremonie, Mandatum genannt, besaß am Gründonnerstag eine ganz besondere Bedeutung. In Nachahmung der monastischen Bräuche führten einige Bischöfe ab dem 7. Jahrhundert in ihren Kathedralen anscheinend den Ritus der Fußwaschung ein. Diese Zeremonie, die am Gründonnerstag stattfand, erinnerte an die Handlung, die Christus an seinen Aposteln vollzogen hatte. Im 10. Jahrhundert verbreitete sich dieser Brauch im Abendland, wo in manchen Kirchen an diesem Tag einhundert Armen die Füße gewaschen wurden, bevor man ihnen ein Almosen und eine Mahlzeit reichte.

Am Dom und im Kollegiatstift St. Johannes besaß das Mandé eine eigene Organisation und eine separate Buchführung, die von den übrigen Finanzen des Kapitels getrennt war. In den anderen Kollegiatstiften waren seine Güter in den Gesamtbesitz des Kapitels integriert, das ihnen zur gegebenen Zeit einen Pauschalbetrag zurückwies.

Wo das Mandé eine eigene Verwaltung besaß, ernannte das Kapitel jährlich zwei Kanoniker und einen Rechnungsführer als sogenannte „Mambours“. An anderen Orten wurde ein Kanoniker damit beauftragt, die ordnungsgemäße Durchführung der Verteilungen zu überwachen.

In St. Johannes fanden die Verteilungen zweimal im Jahr statt. Das Fasten-Mandé begann am ersten Montag der österlichen Fastenzeit und dauerte vier bis sechs Wochen, mit drei bis fünf wöchentlichen Verteilungen. Das Sommer-Mandé startete in der ersten Maiwoche und dauerte drei bis vier Wochen, ebenfalls mit drei bis fünf Verteilungen pro Woche. Jede tägliche Verteilung zog einhundert bis dreihundert Arme an, manchmal sogar mehr, die jeweils ein Brot erhielten. In den anderen Kollegiatstiften, über die uns weniger Details vorliegen, gab es ebenfalls zwei Mandé-Zeiten, wobei das Fasten-Mandé Vorrang vor dem Sommer-Mandé hatte.


Die Marken wurden allerdings – zumindest am Dom – nach De Schodt als Brotanweisungen eingesetzt, die während der Fastenzeit nicht an die Armen, sondern an die Kanoniker, an die Benefiziaten (Kleriker, die ein „Benefizium“ (Pfründe) innehatten, aber nicht den Rang eines Tréfonciers (vollberechtigten Kanonikers) erreichten) und an die Diener (Suppoten) der Kathedrale verteilt wurden.

Die Marke von St. Lambert stammt aus der Regierungszeit von Josef Clemens von Bayern, der von 1694–1724 auch Fürstbischof von Lüttich war, und wurde aller Wahrscheinlichkeit nach durch einen Beschluss des Kapitels vom 1. März 1709 eingeführt:

Am 1. März 1709 beauftragt das Kapitel Dieudonné Hubert, Abgeordneter für die Buchführung der Almosen, selbst die für die Fastenzeit-Vorschriften (plumbeta pro mandatis quadragesimalibus) bestimmten Méreaux an die Unterbediensteten der Kirche zu verteilen und diese nur jenen Hilfskanonikern auszuhändigen, die ihre Winter-Chormäntel tragen.



Literatur

Historischer Hintergrund

https://en.wikipedia.org/wiki/Seven_col ... giales.jpg

De Spiegeler, Pierre : Les hôpitaux et l’assistance à Liège (Xe-XVe siecle). Aspects institutionnels et sociaux. 1987, Open Edition Books 2020. https://books.openedition.org/pulg/6267

Marken St. Lambert inkl. Historischer Hintergrund

De Schodt, Alphonse : Le Chapitre Cathédrale de Saint Lambert a Liège et ses Mereaux ou Jetons de Presence, Rev. Num. Belg., XXXI, 1875, S. 96-272, Pl IV und V. : https://books.google.es/books?id=lH8nXe ... &q&f=false,


Marken Lüttich

MJ Petit de Rosen : Catalogues des mereaux, des medailles et des jetons des chapitres, des corporations et des familles de l’ancien pays de Liege, RNB, Tome VI, 1850, S. 121-133

Renesse-Breidbach, Clément W. de : Histoire numismatique de l’évêché et principauté de Liège, 1831
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Re: Alte Marken und Zeichen und Ihr Hintergrund - Marken des Kapitels St. Salvator in Brügge

Beitrag von MartinH » Di 21.04.26 21:10

Heute möchte ich zwei Marken des Kapitels der Kollegiatkirche St. Salvator/St. Eligius in Brügge vorstellen.

Die Kirche Sint Salvator (Saint-Saveurs, Erlöserkirche)), die ursprünglich nur eine Kapelle war und die der Heiligen Jungfrau und dem Heiligen Wulfran geweiht war, wurde im Jahr 961 vom Bischof von Tournai auf Antrag von Baudouin dem Jüngeren, Graf von Flandern, zur Pfarrkirche erhoben. Sie erhielt den Namen, den sie heute trägt, mit St. Eloi (Eligius) und St. Wulfran als Nebenpatrone.

Die erste Marke ist ein recht großes, gegossenes Sn-Präsenzzeichen aus dem Jahre 1632:

Brügge1.jpg
48 mm, 29,24 g
Callewaert B.SS02, De Schodt, Alp.: pag.77 nr.101; Minard-Van Hoorebeke pag.144 nr.196; Justice 187, lodenpenningen-belgie

Auf der Vorderseite ist in der Umschrift der Herausgeber des Zeichens angegeben: Capitulum ecclesiæ collegiatæ sancti Salvatoris Brugensis. Im Feld befindet sich der stehende Erlöser mit Nimbus, rechte Hand erhoben, mit segnender Geste. In der linken Hand den Reichsapfel haltend, sowie die Jahreszahl.

Die Umschrift auf der Rückseite bezieht sich auf einen Vers aus dem Buch "Daniel" (Kap. IV,24). Hierin rät der Prophet König Nebukadnezar, seine Sünden mit Almosen und seine Missetaten mit Werken der Barmherzigkeit gegenüber den Armen zu sühnen: Rex, consilium meum placeat tibi, et peccata tua eleemosynis redime, et iniquitates tuas misericordiis pauperum. Im Feld ist der stehende St-Elooi mit Nimbus, in der rechten Hand einen Bischofsstab haltend und in der linken Hand einen gekrönten Hammer haltend, abgebildet.

Die Marke ist ein klassisches Präsenzzeichen, deren Ausgabe in Brügge auf Bischof Remigius Driutius (1569-1594) zurückgeht. Um die ausreichende Teilnahme der Kleriker an den Messen sicherzustellen, beschloss er am 22.4.1574 Präsenzzeichen herauszugeben. Das erste Präsenzzeichen ist ein sehr einfaches gegossenes Pb/Sn-Zeichen.

Neben Brotmarken, die z.B. anlässlich von Gedenkfeiern zur Brotverteilung an Arme herausgegeben wurde, gibt es auch noch spezielle „Katechismusmarken“, die vom Anfang des 18. Jahrhunderts bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Verwendung fanden:

Brügge.jpg
38 mm x 32 mm x 32 mm, 13,00 g
Callewaert B.SS24, De Schodt, pag.76 pl.Q nr.100.; Minard-Van Hoorebeke, pag.143 nr.194. Justice 203, ; lodenpenningen-belgie

Die Marke zeigt auf der Vorderseite die „3“, was einen Teil der Pfarrei bezeichnet. Die Armentafel der Erlöserkirche teilte nämlich die Pfarrei bis zur Zeit der Französischen Revolution in drei Teile, in den „goldenen Teil (portio aurea)“ oder Bezirk 1, in dem die reichsten Gemeindemitglieder eingeordnet waren; in den silbernen Teil (portio argentea)“ oder Bezirk 2, in dem die Pfarrangehörigen weder reich noch arm waren, und schließlich in den „bleiernen Teil (portio plumbea)“ oder Bezirk 3, der zum ärmsten Teil der Pfarrei gehörte, der in den tief liegenden Straßen lag und auch „die Meersen“ genannt wurde. Für jeden Teil gab es einen Pfarrer.

Auf der Rückseite steht „CHRISTE LEERINGE ST: SALVATORS“ (Christlicher Katechismus St. Salvator).

Nach Callewaert wurden diese Marken an bedürftige Erwachsene der ‚Loden portie‘ (Bleierner Teil, Bezirk 3) vergeben, die während des Katechismusunterrichts Hilfe leisteten.

Schodt schrieb 1878 dazu: Heute wird ein Méreau dieser Art Wöchnerinnen bei der Entbindung überreicht, und ein zweiter bei ihrem ersten Kirchgang nach der Geburt (relevailles). Der Méreau berechtigt sie jedes Mal im Austausch zu 25 Kilo Kohle und zwei Franc in bar; zudem erhalten sie nach der Entbindung eine Babyausstattung (layette).

Literatur:
De Schodt, Alph. : Mereaux de Bienfaisance ecclésiastiques et religieux de la Ville de Bruges. 1878, https://play.google.com/books/reader?id ... PA76&hl=de

Callewaert, Paul: Penninxckens van Brugghe - de historische waarde van loden penningen, 2024
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Re: Alte Marken und Zeichen und Ihr Hintergrund

Beitrag von MartinH » Di 28.04.26 13:56

Ich hatte bereits vor einiger Zeit in diesem Thread eine Nachbarschaftsmarke aus Den Haag vorgestellt (viewtopic.php?f=63&t=72668&p=645104&hilit=Buurt#p645104) .

Vor Kurzem gab es eine Versteigerung einer Sammlung solcher Marken, die durch die Bank sehr selten sind (Slg. Jean Peusens, de Geus 62). Auf dieser habe ich 4 Exemplare ersteigert, bei denen die Ikonographie einen wesentlichen Zweck dieser Vereinigungen darstellt: Die Sicherstellung einer angemessenen Beerdigung Ihrer Mitglieder.

#1 Aus dem Jahre 1641 stammt diese Marke der Nachbarschaft „Lange Gracht“:
DH1.jpg
42,2 mm, 31,06 g
Lodenpenninge-mereaux.be (dies Exemplar),
Van Remme – (Vs.: vgl. van Remme 4, Rs.: vgl. van Remme 3)

Auf der Vs. Ist die Lange Gracht mit einer Brücke – unter Ausnutzung der 3. Dimension - dargestellt und die Umschrift zeigt diese Nachbarschaft an.

Auf der Rückseite wird der Sarg von 8 Sargträgern getragen, dahinter folgen 2 weitere Personen. Der Spruch „Memento Mori“ erinnert als als ethisches Korrektiv zum weltlichen Leben an unsere Sterblichkeit.

Es handelt sich um das einzig bekannte Exemplar dieser Art, wobei die einzelnen Seiten auch von anderen Marken bekannt sind.


#2 Eine Marke der Kerk Norderzijds Nachbarschaft aus dem Jahre 1646
DH2.jpg
40 mm, 33,39 g
van Remme 16, Lodenpenninge-mereaux.be (dies Exemplar)
Ex Laurens Schulman November 1999
Ex Schulman 362, März/2020

Auf der Vs. ist eine geflügelte Sanduhr über einem Totenkopf dargestellt, quasi eine Ermahnung an den Inhaber der Marke: Die Zeit fliegt dahin und bald bist Du nur noch Knochen – nutze Deine Zeit.

Auf der Rückseite ist das Tragegestell für den Sarg graviert zusammen mit der Zahl 14.

Von der Marke sind die Nummern 3,6,14 (mit Tragbahre) und 17,61 (ohne Tragbahre) bekannt, davon befinden sich 2 in Museen.

#3 Die Marke aus der Nachbarschaft Bezuidenhout aus dem Jahre 1730 drückt sehr direkt ihre Funktion aus: „Om te dragen“ – um zu tragen. Sie wurde also als Kontrollzeichen für die Sargträger benutzt.
DH3.jpg
50 mm, 43,00 g
van Remme 53, lodenpenninge-mereaux.be (dies Exemplar)

#4 Und schließlich noch die einzige aus Pb/Sn gefertigte, undatierte Nachbarschaftsmarke, die aus der Torenstraat stammt:
DH4.jpg
41,9 mm, 40,27 g
van Remme 68, lodenpenninge-mereaux.be

Auf der Vs. wird der Name der Nachbarschaft, damals „Toorenstraet“ geschrieben, angegeben, sowie ein Modell der St. Jacobskirche gezeigt, während die Rückseite mit dem Totenkopf über gekreuzten Knochen wieder an die Vergänglichkeit alles Lebens erinnert.

Von dieser Marke kennt man die Nummern 41,44 und 48 – die letzten beiden befinden sich in Museen.
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Lackland (Di 28.04.26 14:05) • Arthur Schopenhauer (Di 28.04.26 14:16) • tilos (Di 28.04.26 22:44) • Chippi (Mi 29.04.26 15:06) • Numis-Student (Do 30.04.26 19:59) • chlor35 (Do 30.04.26 20:01) • didius (Fr 01.05.26 21:52) • KaBa (Sa 02.05.26 17:27) • Afrasi (So 03.05.26 16:17) • Pfennig 47,5 (Mo 01.06.26 19:18)

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Re: Alte Marken und Zeichen und Ihr Hintergrund - Festbankett Tessera aus Palmyra

Beitrag von MartinH » Fr 01.05.26 20:31

Der Fokus meiner Sammlung von Marken und Zeichen liegt auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches in den Grenzen um 1600 … plus ein paar Ergänzungen. Ab und zu begebe ich mich auf für mich sehr dünnes Eis und ergänze die Sammlung durch ein antikes Exemplar.

Bei einer Bankettmarke aus Tyros hatte Altamura2 meinen Beitrag wesentlich aufgebessert … und auch diesmal geht es um eine Marke, die im Zusammenhang mit religiösen Festbanketten verwendet wurde: Eine recht gut erhaltene, bilinguale AE-Tessera aus Palmyra, zeitlich in das 1.-3. Jhdt. n. Chr. einzuordnen:
P1.jpg
35x26 mm, 39.94 g, 12h
Mesnil du Boisson 14, Ingholt, Seyrig, Starky 132
Diese Tessera ist auch aus Ton bekannt.

Nach der Beschreibung Ingholt et al. ist auf der Vorderseite die Büste des Gottes Bel mit dem Calathos (einem korbförmigen Kopfschmuck, wohl als Symbol eines mächtigen gütigen Gottes, der für Wohlstand und Ordnung sorgt), bekleidet mit einer Ärmeltunika, einem Harnisch und einer Chlamys (Mantel), mit Armreifen an den Handgelenken, zu sehen. In der linken Hand hält er einen Zweig. Oben befinden sich zwei Rosetten. Umlaufender Randfaden. Unten: GD MŠḤ’, Glück/Schicksal des Ölbaums.

Eine ähnliche Darstellung befindet sich (ganz links) auf einem Relief in Palmyra:
P2.jpg

Das Auktionshaus Leu sah dagegen eine weibliche Büste und meint die aramäische Legende kann „vorläufig als GDHŠ[...] gelesen werden, was auf Gad (gd) hindeuten könnte – Palmyras schützende und glückbringende Macht, die hier entweder direkt benannt oder in einem theophoren Personennamen angerufen wird. Die Büste scheint dementsprechend einem Gad/Tyche-Typus zu folgen: Der hohe Kopfschmuck (Polos/Kalathos?) erinnert an die griechisch-römische Tyche, während der Palmzweig Wohlstand und Sieg betont.“

Die Rückseite beschreibt Ingholt et al. als zwei Opfermesser in ihren Scheiden; zwischen ihnen ein längliches Objekt von gekielter Form, vielleicht ein Wetzstein. Oben, in einem separaten Feld: BL (gefolgt von einem Symbol), Bêl. Perlstab-Rand (Grènetis).
Die Objekte werden von Leu als „Fackeln (?)“ gedeutet. Ferner stellte Leu fest, dass die Legende auf der Rückseite ungewiss bleibt; „BM ist eine mögliche Lesart im Nabatäischen, begleitet von dem bekannten kreisförmigen Symbol mit nach unten gerichteten Fortsätzen, das auf vielen palmyrenischen Tesserae zu finden ist.“ CNG hat auf einer gleichartigen Tontessera darin Schwerter gesehen und hat sich bei der Inschrift an Ingholt et al. gehalten.

Eine gleiche AE-Tessera wird derzeit im Louvre, Saal 315 ausgestellt.
P3.jpg
Palmyra
Palmyra, eine antike Oasenstadt im heutigen Syrien, erlebte eine Blütezeit zwischen dem 1. und 3. Jhdt. nach Christus, in der Sie zunächst unter Hadrian zur freien Stadt und später unter Caracalla zur colonia erhoben wurde. Ihren Reichtum hatte Sie der Anbindung an die Seidenstraße und dem damit verbundenen Indienhandel zu verdanken. Die Blütezeit kam zu einem abrupten Ende, als sich die damalige Herrscherin Zenobia gegen Rom auflehnte und Aurelian Palmyra 273 n.Chr. zerstörte.

In der Blütezeit entwickelte sich in Palmyra eine eigentümliche Kultur, die griechisch-römische und orientalische Elemente verschmolz. Besonders im religiösen Bereich lassen sich zahlreiche unterschiedliche Einflüsse feststellen. Der Reichtum der Stadt äußerte sich in monumentalen Bauwerken. Seit vorhellenistischer Zeit war Bel der Hauptgott, dem ein Tempel gewidmet war.

Tesserae
Einzigartig sind die mehr als 1100 unterschiedlichen Bankett-Tesserae aus Palmyra, die 1955 von Ingholt et al. katalogisiert wurden. Die Vielfalt hat Sie zu bevorzugten Studienobjekten gemacht für einen jüngeren Zweig der Geschichtswissenschaft, der sich über die ritualisierte Kollektivität hinaus mit den Erfahrungen und der Rolle des Individuums in der Religion befasst. Sie wurden meist aus Ton gefertigt, in der Tat beschreiben Ingholt et al nur eine einzige Tessera aus Bronze - die oben dargestellte Tessera.

Nachfolgende Ausführungen stammen aus Artikeln von Rubina Raja:

Bei Ausgrabungen in den Abflüssen der vier Bankettsäle, die an die verschiedenen Tempel der Stadt angrenzten, wurde eine große Anzahl von Tesserae gefunden. Dies deutet darauf hin, dass es sich um Einwegmarken handelte, die einem Gast den Zutritt oder bestimmte Mengen bzw. Arten von Speisen oder Getränken ermöglichten. (Anmerkung: Ob dies auch für die hier gezeigte Tessera aus Bronze gilt darf bezweifelt werden).

Die Priester in Palmyra waren diejenigen, die die Bankett-Tesserae in Auftrag gaben. Dies lässt sich aus der Ikonographie auf den Marken schließen, auf denen palmyrenische Priester dargestellt sind – meist auf einem Bankettsofa liegend, oft allein, aber manchmal zusammen mit einem anderen Priester, in Szenen, die als Gastmahlszenarien gedeutet werden können. Gelegentlich werden diese Priester von Inschriften begleitet, die uns ihre Namen und Priestertitel verraten. Die palmyrenischen Priester sind an ihrer priesterlichen Kleidung und nicht zuletzt an ihrem markanten palmyrenischen Priesterhut zu erkennen, einem zylindrischen Hut mit flacher Oberseite – eine Form, die in der römischen Zeit einzigartig für die Priestertracht im Nahen Osten war.

Während liegende palmyrenische Priester das häufigste Motiv auf der einen Seite der tesserae sind, zeigt die andere Seite der Bankettkarten ein weitreichendes ikonographisches Repertoire, innerhalb dessen einige übergeordnete Gruppen unterschieden werden können; zu den gängigen Motiven gehören Büsten palmyrenischer Priester sowie Darstellungen verschiedener Gottheiten und deren Symbole. Auch Votiv- und Opferszenen – die Trankopfer oder Weihrauchopfer an Altären zeigen – sowie Bankett-Settings sind abgebildet. Ebenso prominent im ikonographischen Repertoire der tesserae ist eine breite Palette von mehr oder weniger gut verstandenen Symbolen, darunter zahlreiche, die als astral gedeutet werden. Darüber hinaus werden architektonische Elemente dargestellt, wie zum Beispiel Tempelfronten, Gebäudeteile und architektonische Rahmen, was darauf hindeuten könnte, dass die Bankette in Innenräumen stattfanden.

Inschriften finden sich auf einer großen Anzahl der Tesserae; diese können den Namen der Person oder Gruppe nennen, die das Bankett ausrichtet, Namen von Gottheiten, das Datum der Veranstaltung oder die Maße für Speisen und Getränke, die jeder Person ausgehändigt wurden. Eine große Anzahl der Darstellungen stammt von Siegelringen, die bestimmten Personen gehörten. Es scheint, dass derjenige, der eine Serie von Tesserae in Auftrag gab, oft seinen Siegelring auf einer Seite einprägen ließ, wodurch sie noch deutlicher als Eigentum einer bestimmten Person erkennbar waren. Die Siegelabdrücke tragen oft römische Motive wie griechisch-römische Gottheiten, Porträts von Männern im römischen Stil sowie astrologische Symbole. Diese stehen im Kontrast zu den (mit Gussformen) geformten Motiven, die meist in einem ausgeprägt palmyrenischen Stil gefertigt sind.

Die höchst vielfältige und abwechslungsreiche ikonographische Sprache der Tesserae unterstreicht, dass bei jeder Herstellung einer Serie ein hohes Maß an Auswahl im Spiel gewesen sein muss. Die Motive der Tesserae zeigen eine große Bandbreite ikonographischer Elemente, die auf zahlreiche Arten kombiniert wurden. Zudem zeigen sie, wie sorgfältig die Motive auf die Marken geprägt wurden. All diese Faktoren unterstreichen einen Prozess der Individualisierung als Zeichen individueller Wahl und Ausdruckskraft, die in der visuellen Sprache deutlich markiert sind: ein Prozess jedoch, der innerhalb einer definierten Materialkategorie stattfand, nämlich der Form der tessera. Andere Arten von Eintrittskarten wurden in Palmyra nicht gefunden.

Für jede aus Ton gefertigte tesserae-Serie wurden zwei Gussformen mit unterschiedlichen Reliefs hergestellt. Diese Formen scheinen nur ein einziges Mal verwendet worden zu sein, nämlich für die Produktion einer einzelnen Serie. Mithilfe dieser Formen konnte auf jeder Seite des Tons ein Hochrelief erzeugt werden. Ein Tonklumpen wurde zwischen die beiden Formen platziert, und die exakte Dicke der tessera hing davon ab, wie fest die Formen zusammengedrückt wurden. Es ist nicht bekannt, in welchen Stückzahlen die einzelnen Serien produziert wurden, aber ein Fund deutet darauf hin, dass es mehr als 100 gewesen sein könnten (die einzige als vollständig angenommene Serie wurde von Al-As’ad, Briquel-Chatonnet und Yon 2005 veröffentlicht und umfasst 125 identische tesserae). Dennoch wurde jede einzelne Marke sorgfältig gefertigt, was zeigt, dass große Aufmerksamkeit darauf verwendet wurde, die tesserae innerhalb jeder Serie so einheitlich wie möglich zu gestalten – vielleicht, um Fälschungen zu vermeiden.

Darüber hinaus scheinen die markanten Formen der einzelnen Marken in gewisser Weise mit den erweiterten Familiennetzwerken von Palmyra verbunden zu sein – eine nützliche Eigenschaft, da Priesterämter erblich waren und von statushohen Familien bekleidet wurden.

Zeitgeschichte
Zum Schluss etwas, was mic h einfach nur wütend und traurig macht: Der Tempel von Bel wurde vom IS im Jahre 2015 zerstört. Khaled al-Asaad, der 81-jährige ehemalige Direktor der weltberühmten archäologischen Stätte von Palmyra, wurde im August 2015 nach einmonatiger Folterung enthauptet. Sein Leichnam wurde vom Islamischen Staat zur allgemeinen Schau an einer Straßenecke aufgehängt. Er hatte viele Schätze vor dem IS in Sicherheit gebracht und sich geweigert deren Verbleib preiszugeben.

Literatur:

Tessera von Palmyra:
Ingholt, Harald / Seyrig, Henri / Starcky, J. / Caquot, A.: Recueil des tessères de Palmyre. Institut Français d'Archéologie de Beyrouth, Bibliothèque Archéologique et Historique 58. Paris 1955.

Mesnil du Buisson R. (comte du), Les tessères et les monnaies de Palmyre, Paris 1962.

Raja, Rubina: Staging “private” religion in Roman “public” Palmyra. The role of the religious dining tickets (banqueting tessera). In: Clifford, Ando; Rüpke, Jörg (Eds): Public and Private in Ancient Mediterranean Kaw and Religion. 2015, Kapitel 8.

Raja, Rubina: 'In and Out of Contexts: Explaining Religious Complexity through the Banqueting Tesserae from Palmyra' in Religion in the Roman Empire, Vol. 2, No. 3, pp.340-371.: https://www.academia.edu/35854364/In_an ... lmyra_2016

Raja, Rubina: Dining with gods and the others: The banqueting tickets from Palmyra as expression of religious individualisation: In religious individualisation, 2019: https://www.researchgate.net/publicatio ... ualisation

Louvre : https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010136482,

CNG-Ton Tessera : https://www.numisbids.com/sale/5714/lot/?lot=1068,

Palmyra, Gotte Bel und Relief in Palmyra:
https://en.wikipedia.org/wiki/Palmyra,
https://en.wikipedia.org/wiki/Bel_(mythology),

Zeitgeschichte:
https://theconversation.com/khaled-al-a ... myra-46787
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Re: Alte Marken und Zeichen und Ihr Hintergrund - Klosterneuburger Spendenheller

Beitrag von MartinH » So 24.05.26 18:00

Funktionale Marke oder Medaille?

Es geht um die frühen Spendenheller und – pfennige des Stiftes Klosterneuburg, die neben den medaillenartigen Bet-Pfenningen von 1584 bis 1649 gespendet wurden. Dazu möchte ich mit dem frühesten Ag-Spendenheller, der dem Probst Balthasar Poltzmann (1584-1596) zuzuordnen ist, anfangen:
K1.jpg
10 mm, 0,27 g
Nentwich 24, Cernik 2, Prokisch 22/3, S. 413

Die Vorderseite zeigt ein Deutsches Schild in rautenförmiger Einfassung mit dem zweigespaltenen Stift- und Familienwappen (Bolzenschütze). In drei Ecken die Buchstaben: B-P-C für Balthasar Präpositus Claustroneoburgensis.

Auf der Rückseite ist in einem auf der Spitze stehenden Quadrat aus Perlen, St. Leopold als Hüftbild auf der Mauer, in den Händen eine ein-türmige Kirche und Kreuzstab, daneben S – L, zu sehen.

Die wichtigsten Beiträge zu den Leopoldspfennigen stammen von Nentwich (der sich auf Appel bezieht), Cernik und Prokisch.

Nentwich beschreibt die Ursprünge der Spendenmünzen: „Als im Jahre 1156 die Witwe Leopold des Heiligen Markgräfin Agnes ihrem edlen Gemahle im Tode nachgefolgt war (Leopold starb 1136), errichtete der damalige Klosterneuburger Stiftsvorstand Propst Wernher im Vereine mit dem ganzen Convente, zum ewigen Gedächtnisse des hohen Stifterpaares, zum Todestage des Markgrafen (15. November), eine fromme Stiftung, mit welcher neben der kirchlichen Feier des Gedächtnisses an die abgeschiedenen Stifter, auch eine Armenbetheilung grösseren Styles verbunden war. Diese Betheilung bestand in Victualien (Fleisch, Brot und Wein), ferner in Kleidern oder Geld.“

Aus der Ausspendung von Münzen ist später der Leopolds-Spendenheller hervorgegangen. Anfänglich wurden vorzugsweise neu ausgeprägte oder gut konservierte Wiener Hälblinge (und auch Pfennige) verwendet, damit die Geldstücke mit dem festlichen Anlass in Einklang stünden. Wenn diese nicht zur Verfügung waren, wurden Wiener Hälblinge (Haller) bei einem Goldschmied durch Weiß sieden blank gemacht. Die Menge richtete sich nach der Anzahl der Bittsteller.

Nach Nentwich bestand diese Stiftung in dieser Form „bis zum Ende des XVI. Jahrhunderts, wo Probst Balthasar Polzmann, der bei seiner Wahl zum Stiftsvorstande sehr deroute Finanzverhältnisse vorfand, zur Sanirung derselben, mannigfache Reformen einführte. Die zum 15. November alljährlich stattfindende Armenbetheilung hatte im Laufe der Jahrhunderte ziemlich zugenommen, so dass die damit verbundene Auslage dem in der Zeit der Reformation hart in Mitleidenschaft gezogenen Stifte oneros erscheinen musste. Probst Balthasar brachte deshalb die bisherige Naturalbetheilung in eine neue Form, indem er am 15. November an Stelle der Naturalien an die Armen eigene in beschränkter Zahl geprägte Spendepfennige vertheilen liess, gegen welche die Betheilten gewisse Quantitäten an Speise und Trank in Stiftsküche und Keller erhielten. Diese Spendepfennige erhielten sich bis in die Mitte des XVII. Jahrhunderts im Gebrauche, wo nach dem Ableben des Probstes Rudolf Müller (1643—1648) die ursprüngliche Armenbetheilung wieder eingeführt wurde.“

Dem widerspricht Cernik, der sich auf die Predigt des Wiener Bischofs, Johann Kaspar Neuböck, aus dem Jahre 1591, die der Bischof am Fest des hl. Leopold in der Stiftskirche zu Klosterneuburg gehalten hat, beruft: „Wie vil Deo gratias oder Gott sey gelobt und gedanckt, werden nun auff disen heutigen Tag von den armen und etlich hundert Personen gesprochen, so der reichen Spent theilhafftig werden? Wie dann mennigklich bewust, das neben dem täglichen Almusen, so in disem Gottshauß ausgetheilt, insonderheit auff disen Tag auß deß heiligen Leopoldi liberalitet und Stifftung einer jeden Person neben den Leopolts Häller ein leibel Brot, ein seitel Wein und ein stuck Fleisch, alles benedicieret und gesegnet, außgespent und geben wirdt“.

Prokisch differenziert die Begriffe gegenüber Nentwich und verwendet „Spendenheller“, „Spendenpfennige“ in Abgrenzung zu „Medaillenartiger Leopoldspfennig“ und anderen Bezeichnungen und sieht in Ihnen einen Geldersatz.

Damit dürfte es sich tatsächlich um eine funktionale Marke (lokaler Geldersatz oder Anweisungsmarke auf Erhalt von Naturalien) handeln.

Ein Beispiel für einen Spendenpfennig ist dieses Exemplar des Probstes Bernhard I. Waiz (1630-43).
K2.jpg
D 17 mm, 0,73 g
Nentwich 51, Prokisch 26/1

Auktionshäuser verwechseln gerne die Zuordnung zwischen diesen beiden „Bernhards“, obwohl sie aufgrund des Wappens (Familienwappen kombiniert mit Stiftswappen) eindeutig zugeordnet werden können.

Černík führt weiter aus: „Die Absicht der Chorherren von Klosterneuburg, auch den Gästen, Freunden, Angestellten und Mitgliedern des Stiftes besonders anlässlich des Festes seines Gründers einem ihrem Rang entsprechende Erinnerungsgabe darzubieten, hat zu einer reichen Entwicklung des Leopoldspfennigs in Bezug auf Gestalt, Stoff, Größe und bildliche Darstellung geführt.“

In diese Kategorie dürfte auch dieser goldene Spendenheller des Probstes Thomas Rueff (1600-1612), der nach 4-jähriger Sedisvakanz Poltzmann folgte, fallen:
K3.jpg
10 mm, 0,44 g
Nentwich 39, Prokisch 23/7 (ohne Benennung des Materials)



Literatur
Nentwich, Josef: Numismatische Topographie Niederösterreichs, 1898: https://goobi-viewer.univie.ac.at/viewe ... pDocAnchor

Černík, Berthold: Geschichte des Leopoldspfennigs. In: Unsere Heimat N. F. 6 (1933), 283–305

Bernhard Prokisch: Medaillen auf Äbte und Pröpste österreichischer Stifte und Klöster vom 15. bis zum 21. Jahrhundert; Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines, Bd. 157, 2012

Geschichte des Klosters:
https://www.stift-klosterneuburg.at/kon ... zeittafel/
Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Stift_Klosterneuburg

Hintergrundinformationen zu den Pröbsten: https://sacra.wiki/index.php/Liste_der_ ... terneuburg
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Re: Alte Marken und Zeichen und Ihr Hintergrund - Mainzer Brückenzollmarke um 1798

Beitrag von MartinH » Mi 27.05.26 09:28

Manchmal sind Auktionsbeschreibungen etwas irreführend. So wird derzeit ein Exemplar der nachstehenden Marke, die sich auch in meiner Sammlung befindet, als seltenes 2 Kreuzer Stück von 1793, geschlagen während der Belagerung von Mainz, angeboten:
M1.jpg
25 mm, 4,86 g
Slg. Walther 805, Neumann -, Stahl -, Reinhardt 5528
Victor Guilloteau, Monnaies françaises, 1670-1942, # 402

Tatsächlich handelt es sich um ein Brückenzollzeichen der französischen Republik in Mainz um 1798, hergestellt durch Überprägung eines früheren Mainzer Brückenzollzeichens:
M2.jpg
23 mm, 3,39 g
Slg. Walther 796, Neumann 10053, Stahl 598, Slg. Pick 941, jetonsroyaux Nr. 22782

Auszug aus dem Register der Beratungen der Zentralverwaltung des Departements Mont-Tonnerre (Donnersberg) vom 22. Ventôse des Jahres 6. (12.3.1798):

In Anbetracht des Berichts des Bürgers Bittong, Kommissar-Kontrolleur der Schiffsbrücke in Mainz, über die Missbräuche, die dort in Bezug auf die Maut begangen werden,

Die Zentralverwaltung des Departements Mont-Tonnerre,

In der Erwägung, dass die Instandhaltung und Reparaturen, die für die Lebensfähigkeit dieser Brücke notwendig sind, nur aus den Einnahmen der Mautgebühren, die für die Überquerung dieser Brücke erhoben werden, vorgenommen werden können;

In Anbetracht dessen, dass die alten Steuern dieser Art noch nicht abgeschafft sind und dass die besagte Maut früher ein beträchtliches Einkommen für die Staatskasse erbrachte;

Anhörung des Kommissars des Exekutivdirektoriums bei der Zentralverwaltung des Departements,

Hör auf :
#1 Die Maut auf der Mainzer Schiffsbrücke bleibt gemäß den alten Gepflogenheiten in Kraft;

#2 Niemand ist davon befreit, mit Ausnahme von Soldaten, die im Amt sind oder sich auf Reisen befinden, und von Wagen, die im Dienst der Republik beschäftigt sind;

#3 Der Kommandant des Platzes wird aufgefordert, den Soldaten, die am Brückenkopf auf der Seite von Castel Wache halten, die Anweisung zu geben, dem Einnehmer der Maut Beistand zu leisten, falls dieser es für richtig halten sollte, bewaffnete Kräfte anzufordern;

#4 Jede Person, die versucht, sich der Zahlung dieser Mautgebühr zu entziehen, oder die falsche Angaben über die beförderten Waren oder andere Lebensmittel macht, wird verhaftet und mit den in den früheren Verordnungen vorgesehenen Strafen belegt;

#5 Der Tarif, der die Höhe der Mautgebühren festlegt, die nach den bisherigen Gepflogenheiten erhoben werden, wird in den Erhebungsstellen auf Plakaten in beiden Sprachen veröffentlicht;

#6 Die oben genannten Bestimmungen werden erst nach der Genehmigung durch den Bürger Rudler, Regierungskommissar, wirksam, nachdem ihm zu diesem Zweck eine Ausfertigung des vorliegenden Beschlusses übermittelt wurde.

Signé : MALINGRÉ, président ; GUGEL, BERTRAND, MOSSDORFF, administrateurs; COSSON, commissaire du Directoire exécutif.
Gesehen und genehmigt zu Mainz am 25. Ventose des Jahres VI (15.3.1798) der Republik.
Der Kommissar des Gouverneurs in den eroberten Ländern zwischen Maas und Rhein, sowie Rhein und Mosel.
Signé : RUDLER. Certifié véritable. (S.) MATHIS, secrétaire-général.
Die Kommandanten der Militärposten halten sich an den Inhalt des oben genannten Erlasses, soweit es sie betrifft.
Mainz, den I. Germinal des Jahres VI. (21.3.1798)
Le commandant de la place. (S.) PUE

Dieses gab es auch als 1 Kreuzer Stück:
M3.jpg
22,4 x 23,1 mm, 3,04 g
Slg. Walther 807, Neumann -, Stahl -, Bordeaux -, jetonroyaux Nr. 22787
Victor Guilloteau, Monnaies françaises, 1670-1942, # 403; Ciani-404

Literatur :
Bordeaux: REMARQUES NOUVELLES SUR LES ASSIGNATS DU SIEGE DE MAYENGE DE 1793 ET SUR LES MÉREAUX DE PEAGE DU PONT, RBN 1901, S.321ff
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Re: Alte Marken und Zeichen und Ihr Hintergrund - tessere mercantili der Fam. Gondi, Florenz

Beitrag von MartinH » So 31.05.26 14:14

Das Schöne an der Beschäftigung mit einem historisch so breitem Feld ist das kontinuierliche Dazulernen. Und manchmal muss man auch frühere Einschätzungen korrigieren.

FEHLERHAFT: siehe Anm. Lackland, Chippi

An anderer Stelle in diesem Forum hatte ich eine tessere mercantili vorgestellt und – aufgrund einer Bemerkung in einer älteren Literaturstelle als „vermutlich von der Familie Albizi“ zugeordnet:
G1.jpg
G2.jpg
viewtopic.php?f=83&t=69050&p=634766&hil ... zi#p634766

Beim Durchstöbern eines italienischen Numismatikforums entdeckte ich eine tessere, die auf beiden Seiten 2 gekreuzte, aber nicht mit einem Riemen verbundene Streitkolben zeigt. Dazu wurde ausgeführt:

„Die Streitkolben können, wenn sie durch einen Riemen miteinander verbunden sind, dem Wappen der Familie Gondi zugeordnet werden.
W.jpg
Sind sie hingegen nicht verbunden, ist das Münzmeisterzeichen jenem von Filippo di Lando Albizi zuzuschreiben, der im Jahr 1325 Münzmeister in Florenz war (Bernocchi II, S. 146).“

Es handelt sich also um eine tessere der Familie Gondi. Das älteste bekannte Mitglied der Familie , das aus San Cresci im Valcava (Mugello) stammte, war Orlando di Bellicozzo, der 1197 im Rat der Kommune saß. Sein Urenkel, Gondo di Ricovero, gab der Nachkommenschaft seinen Namen – wie es oft geschah, wurde aus dem lateinischen Genitiv „di Gondo“ der Familienname „Gondi“; sein Name taucht 1241 auf, als er einen Vertrag zwischen Genua und Florenz aushandelte.

Von da an sammelte die Familie zahlreiche öffentliche Ämter: Zwischen 1436 und 1530 stellte sie der Republik achtzehn Prioren und einen Gonfaloniere di Giustizia. Der Aufstieg der Familie schritt voran: Aus handwerklichen Goldschmieden („battiloro“) waren sie zu etablierten Bankiers geworden, deren Handelsniederlassungen sich in Florenz, Neapel, Lyon, Lissabon und Sevilla befanden.

Im Laufe der Jahrhunderte verbündete sie sich durch Heiraten mit den wichtigsten Adelsfamilien Italiens und Frankreichs, darunter die Savoia, Orléans, Medici, Albizzi, Antinori und Strozzi. Der florentinische Zweig existiert bis heute und bewohnt noch immer den Palazzo Gondi im Zentrum der Stadt.

Heute zählt zu den wichtigsten Aktivitäten der Familie die Produktion von Chianti Rufina-Wein und nativem Olivenöl extra auf den historischen Familiengütern Bossi (Pontassieve) und Volmiano (Calenzano).

Literatur:

https://www.lamoneta.it/topic/218512-fi ... ia-albizi/

https://it.wikipedia.org/wiki/Gondi,
Zuletzt geändert von MartinH am So 31.05.26 15:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Alte Marken und Zeichen und Ihr Hintergrund - tessere mercantili der Fam. Gondi, Florenz

Beitrag von Lackland » So 31.05.26 14:28

MartinH hat geschrieben:
So 31.05.26 14:14
Das Schöne an der Beschäftigung mit einem historisch so breitem Feld ist das kontinuierliche Dazulernen. Und manchmal muss man auch frühere Einschätzungen korrigieren.

Beim Durchstöbern eines italienischen Numismatikforums entdeckte ich eine tessere, die auf beiden Seiten 2 gekreuzte, aber nicht mit einem Riemen verbundene Streitkolben zeigt. Dazu wurde ausgeführt:

„Die Streitkolben können, wenn sie durch einen Riemen miteinander verbunden sind, dem Wappen der Familie Gondi
Hallo Martin,

vielleicht sitze ich gerade auf dem sprichwörtlichen Schlauch… Aber bei Deinem Stück sind doch gekreuzte Schlüssel zu sehen - und keine Streitkolben

Ich würde die Zuordnung also noch einmal überdenken…

Viele Grüße

Ulrich
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Re: Alte Marken und Zeichen und Ihr Hintergrund

Beitrag von Chippi » So 31.05.26 14:47

Auch ich sehe eindeutig zwei gekreuzte Schlüssel.

Gruß Chippi
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Wurzel hat geschrieben:@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)
Münz-Goofy hat geschrieben: Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.

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Re: Alte Marken und Zeichen und Ihr Hintergrund

Beitrag von MartinH » So 31.05.26 15:11

Zunächst war ich auch bei Schlüsseln, dann habe ich wohl viel zu flüchtig auf den Beitrag im italienischem Forum geschaut, wo diese tessere ohne Riemen abgebildet war:
IMG_3332.jpeg.fc4acc18f46733cb01f98d40294257e7.jpeg

Wenn man richtig hinsieht, bin ich dann wieder bei Euch - sorry für die Konfusion und vielen Dank für den Hinweis. Bleibt also bei "vermutlich Albizi".

Viele Grüße
Martin
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Re: Alte Marken und Zeichen und Ihr Hintergrund

Beitrag von Lackland » So 31.05.26 15:19

Kein Problem!

Hier war wohl ‚der Wunsch der Vater des Gedankens‘ (nach Shakespeare).

Ist auch mir im Forschungseifer schon öfters passiert…

Viele Grüße
Ulrich
„Nach dem Spiel kommen König und Bauer in dieselbe Schachtel.“

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