Der griechische Schaukasten

Griechische Münzen des Altertums

Moderator: Numis-Student

Altamura2
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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von Altamura2 » Di 24.02.26 18:32

Lampsakos hat geschrieben:
Di 24.02.26 16:30
... Die Aufschrift ist doch gerade der Beleg, daß die Bewohner dieser Bergfestung sich als politische Gemeinschaft verstanden (und für die Münzprägung verantwortlich zeichneten). ...
Für die Prägung dieser Münzen verantwortlich war letztlich Mithradates VI, sonst hätten die in den etwa dutzend Münzstätten ja nicht alle gleich ausgesehen.
Lampsakos hat geschrieben:
Di 24.02.26 16:30
... Aber es ist sicher eine Fehlvorstellung, dies nur als Ortsangabe eines Gebäudekomplexes ("Burg" bzw. Garnisonsstandort) aufzufassen (gleich wie oft das von Gelehrten behauptet wird). ...
Das glaube ich halt nicht :? , mehr als die Aufschrift auf den Münzen hast Du ja nicht vorzuweisen, aber belassen wir es dabei :D .

Gruß

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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von Altamura2 » Di 24.02.26 18:40

Lampsakos hat geschrieben:
Mo 23.02.26 19:43
... Für Gorgonenfreunde zählt Parion (nach Apollonia Pontica) zu den bedeutenden Münzstätten, haben sie doch das Medusenhaupt zum Wahrzeichen ihrer Münzprägung gemacht. ...
Was aber nur für eine gewisse Zeitspanne gilt. Ab etwa 300 v. Chr. (wobei die Datierungen da vielleicht auch noch nicht in Stein gemeißelt sind :? ) sieht man auf sehr vielen Münztypen aus Parion den Altar des Hermokreon (siehe dazu z.B. hier: https://publications.dainst.org/journal ... /view/4283). Das Gorgonenhaupt tritt da deutlich in den Hintergrund, in römischer Zeit scheint es dann auf den Münzen ganz verschwunden zu sein.

Die Münzprägung von Parion ist in den letzten zwei Jahrhunderten v. Chr. aber sehr vielfältig gewesen, es gibt eine Menge Typen, auf denen weder ein Gorgonenhaupt noch der Altar zu sehen sind, sieht man beispielsweise hier: https://www.corpus-nummorum.eu/search/t ... s%5B%5D=91
Lampsakos hat geschrieben:
Mo 23.02.26 19:43
... die flachen und "schrägen" Partien stammen schon vom abgenutzten Stempel. ...
In meinen Augen sieht das teilweise auch nach zu wenig Wums im Hammer beim Prägen aus :D . Da wurde das Metall nicht vollständig in den Stempel gedrückt, so dass auf den Backen und der Nase die ebene Schrötlingsoberfläche zu sehen ist.
Lampsakos hat geschrieben:
Mo 23.02.26 19:43
... und sogar das Rind hat einen gewissen Flair. ...
Wahnsinn 8O .
Lampsakos hat geschrieben:
Mo 23.02.26 19:43
... Die Datierung dieses klassischen Typs wird allgemein nur als 400-300 v. Chr. angegeben, genauer geht's wohl nicht. ...
Doch :D , inzwischen ist man eher bei 350-320 v. Chr., siehe hier (auch mit Literatur): https://www.corpus-nummorum.eu/types/21204

Gruß

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Lampsakos
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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von Lampsakos » Di 24.02.26 22:11

Altamura2 hat geschrieben:
Di 24.02.26 18:32
Lampsakos hat geschrieben: ↑
Di 24. Feb 2026, 16:30
... Aber es ist sicher eine Fehlvorstellung, dies nur als Ortsangabe eines Gebäudekomplexes ("Burg" bzw. Garnisonsstandort) aufzufassen (gleich wie oft das von Gelehrten behauptet wird). ...

Das glaube ich halt nicht :? , mehr als die Aufschrift auf den Münzen hast Du ja nicht vorzuweisen, aber belassen wir es dabei .
Das ist nun wahrlich keine Glaubenssache, sondern betrifft das Grundverständnis der griechischen Kultur (weshalb ich zuweilen darauf hinweise). Im Griechischen gibt es für "Stadt" als Siedlung sogar ein eigenes Wort, asty. Eine Polis ist hingegen ein politisches Gemeinwesen, selbst wenn sie nur eine kümmerliche Ansammlung von Hütten mit ein paar Dutzend Einwohnern ist. Es gab sogar (zeitweise) Poleis ohne Territorium ...
Deswegen ist das Zitat von de Callataÿ, auf das ich mich bezog (was sollen eigentlich die Punkte auf dem y :wink: ?), eben ein Fehlschluß (ganz unabhängig davon, wie das in mithridatischer Zeit aussah).


Altamura2 hat geschrieben:
Di 24.02.26 18:40
Doch :D , inzwischen ist man eher bei 350-320 v. Chr., siehe hier (auch mit Literatur): https://www.corpus-nummorum.eu/types/21204
Danke! Ich hatte schon gedacht, daß Du noch was anbringst :D


Altamura2 hat geschrieben:
Di 24.02.26 18:40
In meinen Augen sieht das teilweise auch nach zu wenig Wums im Hammer beim Prägen aus :D . Da wurde das Metall nicht vollständig in den Stempel gedrückt, so dass auf den Backen und der Nase die ebene Schrötlingsoberfläche zu sehen ist.
Hm, das könnte wohl sein, was Backe, Stirn und Nase betrifft. Ich hatte mich auch schon über den starken Schwund gewundert, wo an anderen Stellen der Stempel zwar weniger präzise als bei Snible erscheint, aber noch nicht ausgelaugt oder degeneriert. Nur die Linie beim linken Auge muß wohl ein Stempelriß sein.

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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von Altamura2 » Di 24.02.26 23:09

Lampsakos hat geschrieben:
Di 24.02.26 22:11
... was sollen eigentlich die Punkte auf dem y :wink: ? ...
=> https://de.wikipedia.org/wiki/Trema :D

Gruß

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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von Homer J. Simpson » Di 24.02.26 23:49

Lampsakos hat geschrieben:
Di 24.02.26 22:11
...Zitat von de Callataÿ, auf das ich mich bezog (was sollen eigentlich die Punkte auf dem y :wink: ?), ...
Das bedeutet, daß man das, obwohl französisch, nicht Kallatää ausspricht, sondern Kallatai.

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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von Numis-Student » Fr 27.02.26 22:44

Und einen alten Griechen gab es heute ebenfalls noch:

eine Tetradrachme eines Antiochos...
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Immerhin ist es vorstellbar, dass wir vielleicht genug Verstand besitzen, um,
wenn nicht ganz vom Kriegführen abzulassen, uns wenigstens so vernünftig zu benehmen wie unsere Vorfahren im achtzehnten Jahrhundert. (A.H. 1949)

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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von Altamura2 » Sa 28.02.26 08:25

Numis-Student hat geschrieben:
Fr 27.02.26 22:44
... eine Tetradrachme eines Antiochos...
Geprägt hat die aber ein Ariarathes :D .

Es handelt sich hier um eine der Nachprägungen von Tetradrachmen des Antiochos VII Euergetes, die in Kappadokien hergestellt wurden. Siehe dazu Catharine Lorber, Arthur Houghton und Petr Vesely, "Cappadocian Tetradrachms in the Name of Antiochus VII", NC 166, 2006, S. 49-97: https://www.academia.edu/144161342/NC16 ... ton_Vesely

Gruß

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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von antisto » Fr 27.03.26 12:28

Hier noch als Nachtrag von der WMF meine beiden Mitbringsel aus Karthago mit der Tanit, im Wühltisch gefunden. Leider entpatiniert und scharf gereinigt, aber als günstige Belegstücke nicht schlecht. (5,86 und 2,62 g)
AS
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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von Chippi » Sa 28.03.26 22:27

Auf der WMF kamen nicht viele Griechen in meinen Besitz, aber diesen Winzling musste ich mitnehmen. Woher er kommt, wusste ich dort noch nicht, aber eine Bestimmung erschien mir gut möglich.

Keramos (Karien), AE12, Magistrat Diony[s]..., ca. 167-129 v.Chr.

AV: belorbeerter Kopf des Zeus n.r.
RV: KEPAMI - ΔIONY[C] - Adler in 3/4-Ansicht n.r., alles in Quadratum Incusum
HNO 1048; SNG Kayhan II, 1643; 10,3-11,5mm; 1,93g

Siehe: http://hno.huma-num.fr/browse?idType=1048 oder https://www.acsearch.info/search.html?id=625420 (war hier als Gorostiza unterwegs).
Literatur kann ich auch liefern: https://www.researchgate.net/publicatio ... s_in_Caria (Inci Türkoglu 2019).

Also eine etwas seltenere Kleinmünze, die jetzt meine Sammlung bereichert.

Gruß Chippi
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Münz-Goofy hat geschrieben: Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.

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Re: Der griechische Schaukasten

Beitrag von Chippi » Sa 28.03.26 22:46

Der Nächste ist jetzt nicht gut erhalten, aber ich konnte mit dem Stück auf der Messe nichts anfangen und da der Preis bei 3-5€ lag, habe ich sie einfach mitgenommen. Die Bestimmung ist mir zu Hause dann gelungen.

Ephesos (Ionien), AE20, Magistrat Arkas, ca. 202-133 v.Chr.

AV: E - Φ - Biene im Kranz
RV: APKAΣ - im Abschnitt, Hirsch vor Palme n.r., davor Monogramm
BMC 135; 18,4-19,6mm; 3,40g

Hier ein deutlich schöneres Exemplar: https://www.acsearch.info/search.html?id=2008207.

Gruß Chippi
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Wurzel hat geschrieben:@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)
Münz-Goofy hat geschrieben: Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.

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