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Die Lüdenscheider Notpfennige
Im Herbst 1947 regte Oberbürgermeister Hueck an, in Lüdenscheid einen Notpfennig
prägen zu lassen, dessen Verkaufserlös zur Linderung der Not verwandt werden sollte.
Der Verwaltungs-Hauptausschuß faßte dazu am 10. 12. 47 folgenden Beschluß: „Der
Verwaltungs-Hauptausschuß beschließt, nach vorgelegtem Entwurf einen ,Notpfennig der
Stadt Lüdenscheid' prägen zu lassen, der in 4 Ausführungen gegen Geld- und Sachspen-
den angeboten werden soll.“
Die Stadtvertretung erteilte ihre Zustimmung und legte fest, daß der Verkaufserlös
den Ostvertriebenen und Bedürftigen über den Rahmen der öffentlichen Fürsorge hinnaus
zukommen solle. Den Entwurf fertigte der Lüdenscheider Grafiker Gauchel an.
Auf der Vorderseite trug der Notpfennig eine Nachbildung des alten Stadtsiegels von 1300
mit dem Stadtwappen und auf der Rückseite eine Ähre als Symbol der Fruchtbarkeit
mit der Umschrift „Unser täglich Brot gib uns heute - Lüdenscheid im Jahre der Dürre 1947".
Die Ausgabe des Jahres 1947 erschien in 4 Ausführungen :
1) Altsilber = 300 RM
2) Bronce patiniert = 100 RM
3) Tombak = 50 RM
4) Tombak, verkl. Form = 20 RM
Der Verkauf erfolgte durch die Städtische Sparkasse. Die eingehenden Gelder verteilte
das Wohlfahrtsamt, der Wohlfahrtsauschuß und der Verteilerausschuß des EWA
an die in Frage kommenden Familien. Krins gibt den Verkaufserlös mit 67 000 RM an,
während Zuncke die Nettoeinnahme von 77 000 RM nennt. Da Zuncke als Dezernent
des EWA über die genauen Angaben verfügte, kann seine Angabe als verbindlich gelten.
Im Herbst 1948 erschien die zweite Ausgabe des Lüdenscheider Notpfennigs (siehe
Abbildungen). Der Entwurf stammte diesmal von dem Graveur W. Jüngermann. Träger
dieser Aktion waren nun die freien Wohlfahrtsverbände, die auch den Verkaufserlös
an die Bedürftigen verteilten. Die Stadtverwaltung beteiligte sich nur mittelbar durch
das Wohlfahrtsamt. Der Erlös war jetzt in erster Linie für Alte und Kranke gedacht.
Im Hinblick auf die Währungsreform war der Verkaufspreis niedrig gehalten. Die Not-
pfennige der zweiten Ausgabe kosteten jetzt nur 1 DM und 0,50 DM. Nach Krins betrug
der Verkaufserlös immerhin 23 000 DM.
Der effektive Erfolg ist jedoch ebenso hoch anzusehen, da die DM im Gegensatz zur RM
erheblich mehr Kaufkraft besaß und nun wieder ein entsprechendes Warenangebot
vorlag.
Krins schreibt in seinem Aufsatz auch über die Hagener ,Notopfer-Medaille',
deren Herausgabe der Lüdenscheider Notpfennig anregte. Die Medaille erschien aber
erst im Jahre 1949 und erzielte keinen wesentlichen Erlös. Die Einnahmen überschrit-
ten die Ausgaben nicht erheblich."
https://www.ghv-luedenscheid.de/downloa ... 8.1975.pdf
Seite 492
Das Trüffelschwein grüßt, glaubt aber trotzdem, dass es eigentlich eine Medaille ist und keine Wertmarke