Der Schatzfund von Ciney-Dinant

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Salier
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Der Schatzfund von Ciney-Dinant

Beitrag von Salier » So 17.05.26 17:36

Münzen aus dem Schatzfund von Ciney-Dinant

In den 1980 Jahren wurde von einem Bauern bei dem Dorf Achêne (Aaken) in der Gemeinde Ciney, bei Plugarbeiten auf seinem Feld ein Tongefäß gefunden. Seit diesem Zeitpunkt befand sich der Schatzfund in den Händen der Familie. In diesem Keramikgefäß aus gebrannten Ton, es dürfte sich um einen sogenannter Kugeltopf aus Ardennen Keramik oder aber um die sogenannte rheinische Pingelsdorfer Ware handeln, befanden sich Münzen aus der ersten Hälfte bis in die 60 Jahre des 10. Jahrhunderts. Diese Münzen hatten die Form eines Agglomerats, bei dem alle Münzen durch Oxidation miteinander verschweißt wurden. Leider würde das Gefäß durch den Pflug zerstört.

Jean Luc Dengis(1) hat den Fund als erster unter dem Titel ,, Le dépôt monétaire de Ciney-Dinant - MONNAIES ISSUES D’ATELIERS MOSANS DITS INDÉTERMINÉS, MONNAYAGES D’IMITATION DU Xe SIÈCLE.,, (Das Gelddepot von Ciney-Dinant - MÜNZEN AUS SOGENANNTEN UNBESTIMMTEN MOSANWERKSTÄTTEN, MÜNZNACHAHMUNGEN DES ZEHNTEN JAHRHUNDERTS.) im Jahr 2021 in der Revue Belge de Numismatique der Société Royale de Numismatique de Belgique ( Königliche Belgische Numismatische Gesellschaft) veröffentlicht. Er gab die Gesamtzahl der gefundenen Münzen mit 212 Exemplaren an. Doch dürfte der Fund größer gewesen sein. Einige Exemplare sind in den Münzhandel gelangt und seit 2017 in den Auktionen 135-144 der Firma Elsen und Söhne versteigert worden. Der Rest des Fundes wurde durch die Firma Künker erworben und am 20. Juni 2024 bei der Verabschiedung von Prof. Bernd Kluge im Gobelinsaal des Bodemuseums als Geschenk dem Berliner Münzkabinett übergeben.
Auch das von Kyrill Radetzky restaurierte Gefäß mit den Maßen, Höhe 8cm , größter Durchmesser 11,2 cm, Bodendurchmesser 7 cm und Öffnung c. 6 cm ( Rand nicht erhalten) befindet sich jetzt im Berliner Münzkabinett.
(Leider ist es mir aus urheberrechtlichen Gründen nicht gestattet ein Foto zu zeigen.


Dengis(1) beschreibt einige der Münzen als Mosanische Imitationen der königlichen Münzstätte Köln und gibt die Vergrabungzeit zwischen 973-983. an. Das ist so nicht richtig da der Terminus Post quem deutlich vor 973. liegt und bisher unbekannte Münzen aus Zeit König Heinrich I. 876-936. und Kg./ Ks. Otto I. 912-973. enthielt.
Die Erforschung dieses wichtigen Depotfundes ist noch nicht abgeschlossen und wird wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Neue Erkenntnisse werden hier eingefügt.

Die hier vorgestellten Münzen stammen alles aus diesem Fund und aus meiner eigenen Sammlung.


Dengis(1) beschreibt die folgende Münze als Prägung Karl des Einfältigen aus der Münzstätte Lüttich.
Es handelt sich aber um eine Immobilisierung des Avers, die über 922 hinaus reicht. Der Typ scheint etwas jünger
zu sein, gehört aber auf jeden Fall an den Anfang der Lütticher Münzprägung.
Man kann noch gut die Fundverkrustung erkennen.

Nr. 1:

Königliche Münzstätte Lüttich , geprägt von 911. bis um 950.

20,76 mm / 1,33 Gramm

Av: In einem Perlkreis Karolusmonogramm, das R als Haken dargestellt und eckigem L. / [L] EODIO CIVIITAS
Legendenbeginn scheint immer bei 7 Uhr zu liegen.

Rv: in einem Perlkreis ein Kreuz aus Strichen in der Mitte Punkt in den Winkeln Kugeln / MONEA° CI LAB° retrograd

Dengis 34-48, Kluge 261.1


Viele Grüße
Salier
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Re: Der Schatzfund von Ciney-Dinant

Beitrag von Salier » So 17.05.26 20:16

Nr. 2:

Prof. Bernd Kluge bemerkt im MODR zu diesem Typ.
,, Da der Kaisertitel nur auf ganz wenigen Stücken einigermaßen erkennbar ist, könnte die Gruppe noch bis in die Königszeit Ottos I. zurückreichen und an die Monogramm-Gruppe anschließen.,,

Königliche Münzstätte Lüttich

Kg / K. Otto I. der Große 936-973.

18,02 mm / 0,98 Gramm

Av: In einem Perlkreis Kreuz in den Winkeln je eine Kugel / +OTTO EH (oder A) MIII

Rv: dreizeilige Schrift, Oben S liegend BH / Mitte LEOIA / Unten A oder X ES

Die Buchstaben um LEODIA stellen eine Verbalhornung dar und dürften wohl zu LAMBERTVS aufzulösen sein.

Dengis Nr.152 ( dieses Exemplar), Kluge 262.1
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Re: Der Schatzfund von Ciney-Dinant

Beitrag von Salier » Mo 18.05.26 18:58

Nr. 3:

Prof. Bernd Kluge bemerkte zu diesen Münztyp:
Eine schwer zu entscheiden ist die Frage ist, ob die entstellten Stempel des Gemeinschaftstyps K. Ottos I. und seines
Bruders Brun, des Kölner Erzbischofs und Herzogs von Lothringen, aus dem Fund von Ciney-Dinant als Sekundärschläge und Immobilisierungen in Köln entstanden oder in eine Münzstätte des Maasraums gehören.
Als mögliche Münzstätte käme Huy in betracht.

Gemeinschaftsprägung Kaiser Otto I. 962-973. mit seinem Bruder Erzbischof Brun von Köln 953-965. als Herzog von Lothringen.

Gewicht: 0,97 Gramm / Durchmesser: 20,67 mm

Av: In einem Perlkreis Kreuz in den Winkeln je eine Kugel, +OTTO/VCIV

Rv: S / OLONI retrograd / A / Oben NR / Unten EO ( eine Verbalhornung des Namens BRVNO )

Dengis 119 ( dieses Exemplar),
Kluge lässt im MODR die Zuweisung zu einer Katalognummer aus den oben dargelegten Gründen noch offen.
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Re: Der Schatzfund von Ciney-Dinant

Beitrag von Salier » Mi 20.05.26 19:47

Nr. 4:

Ein weiteres Exemplar der Gemeinschaftsprägung Kaiser Otto I. und seinem Bruder Erzbischof Brun.

Durchmesser: 19,76 mm / Gewicht: 1,24 Gramm

Av: In einem Perlkreis Kreuz in den Winkeln je eine Kugel / +OTTOIMRAV-S- ( Otto Imperator Augustus)

Rv: Dreizeiliger Kölner Stadtname / -S-/COLONII/A , Oben RVER / Unten H oder NNCO ( Verbalhornung des Namens BRVNO)

Dengis 120 ( dieses Exemplar)

Das höchste Einzelgewicht dieser Gruppe lag bei Dengis bei 1,40 Gramm, damit liegen diese Münzen unter dem hohen
Kölner Gewichtsstandart dieser Zeit mit 1,5 Gramm, was eher für eine Münzstätte in den Maaslanden spricht. ( Huy?)
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Re: Der Schatzfund von Ciney-Dinant

Beitrag von Salier » Fr 22.05.26 19:37

Nr. 5:

Dies ist die vorerst letzte Münze aus dem Schatzfund von Aaken ( Ciney-Dinant) in meiner Sammlung.
Sollten weitere Exemplare in meinen Besitz gelangen werde ich sie hier natürlich Zeigen und Vorstellen.

Königliche Münzstätte Huy

Der hier vorgestellte Münze war mit ca.100 Exemplaren der am meisten vertretene Münztyp im Fund von Aaken (Ciney-Dinant). 20 Exemplare bei Dengis und 73 Exemplare aus der Schenkung Künker sowie einige weitere Exemplare die zwischen
2020-2023 bei Elsen versteigert wurden.
Vor dem Schatzfund waren nur 3 Exemplare bekannt, 2 aus Brüssel und ein Exemplar aus einem Einzelfund in Stablo,
Ilisch II. 33.2 /33.3.

Bei dem bei Ilisch unter 33.3 angegebenen Obol handelt es sich wohl eher um einen untergewichtigen Pfennig, somit ist
33.3 zu Streichen und in 33.2 abzuändern.

Es gibt zwei Gruppen die sich Aufgrund der Schrift auf dem Revers unterscheiden
Gruppe 1: in zwei Zeilen INNICO HOIO, das HOIO in der zweiten Zeile. ( IN VICO HOIO ) Warscheinlich die ältere Gruppe.

Gruppe 2: in Zwei Zeilen HOIO INNICO, hier das HOIO in der ersten Zeile, jüngere Gruppe.

Das niedrige Gewicht und das äußere Erscheinungsbild deuten auf einen nicht übermäßig hohen Silberanteil hin.
Eine genaue Metallanalyse liegt zur Zeit nicht vor.
Prof. Kluge bemerkt hierzu:
Zitatanfang>> Eher kann man eine zeitweilige oder aus anderen Gründen erfolgte Ausrichtung auf die Münzentwicklung des Westfränkisch-Französischen Reiches annehmen, die im 10. Jahrhundert neben den immobilisierten Münzbildern auch durch
eine Abnahme von Gewicht und Feingehalt der Prägungen gekennzeichnet ist. Aus letzteren Gründen sind die
Münzen des Westfränkisch-Französischen Reiches deshalb auch nicht in nennenswertem Umfang in den
Ostseefunden vertreten. << Zitatende.

Dieser Münztyp ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Seltenheitsangaben zu einer Münze durch einen neuen Fund verändern können.



Königliche Münzstätte Huy

König Otto I. 936-962.

Durchmesser: 20,26 cm / Gewicht: 1,52 Gramm / leichter Doppelschlag

Av: In einem Perlkreis ein Kreuz in den Winkeln je eine Kugel / + OTTOREXX

Rv: In zwei Zeilen HOIO INNIVO, oben und unten je drei Kugeln, jüngere Gruppe

Dengis 131-150., Kluge 380.2.2, Ilisch 33.2/3
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