Wer fliegt denn hier??
Moderator: Homer J. Simpson
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Wer fliegt denn hier??
Ich konnte mal wieder einer Münze nicht widerstehen, obwohl die Zeit ihr übel mitgespielt hat.
https://www.biddr.com/savoca/auction?a=7177&l=8809305
Diese Münze war schlimm korrodiert, und ein Mensch hat das wahrscheinlich Einzige gemacht, was zur Rettung noch möglich war - er hat alle Mineralsalze, gut oder böse, chemisch und/oder elektrolytisch abgelöst bis aufs blanke Metall. Danach ist die Münze, ob künstlich oder natürlich, wieder etwas nachgetönt.
Was mich hier angeschrien hat "KAUF MICH!!!", war natürlich die Rückseite, selten, schön und von feinstem Stil; glücklicherweise ist sie auch etwas besser erhalten als die Vorderseite.
Hier ist die Himmelfahrt der Faustina Maior dargestellt; eine sehr anmutige, geflügelte Frauengestalt hält eine Fackel und trägt auf ihrem Rücken die verschleierte Faustina gen Himmel. Jetzt habe ich die ikonographische Frage:
Wer ist das??
Im Cohen und, darauf aufbauend, im RIC wird die Gestalt als Victoria bezeichnet, was keinen Sinn ergibt; erstens, was soll Victoria mit der Kaiserin, zweitens, seit wann trägt Victoria eine Fackel? Auch Demeter und Persephone bzw. Ceres und Proserpina als fackeltragende Göttinnen scheiden m.E. aus; das sind ausgesprochene Erdgottheiten, Proserpina könnte Faustina höchstens in den Orcus führen, und das wollte bestimmt keiner abbilden. Auch Vesta trägt oft eine Fackel, und sie ist eine Feuergöttin, käme also etwas eher in Frage; Strack bezeichnet die Figur hier als Aeternitas, aber hat Aeternitas Flügel? Es kann natürlich sein, daß die Römer da pragmatisch waren: "Na, wenn sie die Kaiserin zum Himmel tragen soll, muß sie ja wohl Flügel haben, oder?" Ich finde diesen Münztyp, den Cohen zu Recht als "style de médaillon" beschreibt, spektakulär schön; hier haben sich die besten Künstler der Münzstätte Rom extra Mühe gegeben.
Die Exemplare, die ich gesehen habe, stammen wohl alle vom selben Rückseitenstempel, evtl. gab es nur den einen.
Die Münze ist sehr selten, aber ein paar Stücke gibt's doch: Strack kennt Exemplare mit der normalen Büste (wie mein Stück) in Berlin, Mailand und im Vatikan; Stücke mit verschleierter Büste in London und Paris. Zwei Exemplare auf acsearch zeigen beide die verschleierte Büste.
Homer
https://www.biddr.com/savoca/auction?a=7177&l=8809305
Diese Münze war schlimm korrodiert, und ein Mensch hat das wahrscheinlich Einzige gemacht, was zur Rettung noch möglich war - er hat alle Mineralsalze, gut oder böse, chemisch und/oder elektrolytisch abgelöst bis aufs blanke Metall. Danach ist die Münze, ob künstlich oder natürlich, wieder etwas nachgetönt.
Was mich hier angeschrien hat "KAUF MICH!!!", war natürlich die Rückseite, selten, schön und von feinstem Stil; glücklicherweise ist sie auch etwas besser erhalten als die Vorderseite.
Hier ist die Himmelfahrt der Faustina Maior dargestellt; eine sehr anmutige, geflügelte Frauengestalt hält eine Fackel und trägt auf ihrem Rücken die verschleierte Faustina gen Himmel. Jetzt habe ich die ikonographische Frage:
Wer ist das??
Im Cohen und, darauf aufbauend, im RIC wird die Gestalt als Victoria bezeichnet, was keinen Sinn ergibt; erstens, was soll Victoria mit der Kaiserin, zweitens, seit wann trägt Victoria eine Fackel? Auch Demeter und Persephone bzw. Ceres und Proserpina als fackeltragende Göttinnen scheiden m.E. aus; das sind ausgesprochene Erdgottheiten, Proserpina könnte Faustina höchstens in den Orcus führen, und das wollte bestimmt keiner abbilden. Auch Vesta trägt oft eine Fackel, und sie ist eine Feuergöttin, käme also etwas eher in Frage; Strack bezeichnet die Figur hier als Aeternitas, aber hat Aeternitas Flügel? Es kann natürlich sein, daß die Römer da pragmatisch waren: "Na, wenn sie die Kaiserin zum Himmel tragen soll, muß sie ja wohl Flügel haben, oder?" Ich finde diesen Münztyp, den Cohen zu Recht als "style de médaillon" beschreibt, spektakulär schön; hier haben sich die besten Künstler der Münzstätte Rom extra Mühe gegeben.
Die Exemplare, die ich gesehen habe, stammen wohl alle vom selben Rückseitenstempel, evtl. gab es nur den einen.
Die Münze ist sehr selten, aber ein paar Stücke gibt's doch: Strack kennt Exemplare mit der normalen Büste (wie mein Stück) in Berlin, Mailand und im Vatikan; Stücke mit verschleierter Büste in London und Paris. Zwei Exemplare auf acsearch zeigen beide die verschleierte Büste.
Homer
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- Perinawa
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Re: Wer fliegt denn hier??
M.E. spricht auch der übergrosse Schrötling dafür. Interessanter Fund.
Grüsse
Rainer
PS. Ich wusste, dass ich die Darstellung "kenne"... nämlich von Sabina:
https://arachne.dainst.org/entity/1215809/image/2427185
Dort wird die Geflügelte geschickterweise als "Flügelfrau" bezeichnet, die an Niken erinnert.
Alles, was wir hören, ist eine Meinung, nicht ein Faktum. Alles, was wir sehen, ist eine Perspektive, nicht die Wahrheit. (Marcus Aurelius)
- antoninus1
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Re: Wer fliegt denn hier??
Ja, das ist wirklich eine sehr schöne elegante Darstellung.
Mal so laienhaft spekuliert:
Auf der Basis der Antoninussäule ist dargestellt, wie Antoninus und Faustina auf einem geflügelten männlichen Genius in den Himmel getragen werden. Der Genius war der Schutzgeist des Mannes, verkörperte seine Lebenskraft, und erlosch mit dessen Tod.
Frauen hatten keinen Genius, aber etwas Analoges, was als persönliche Juno bezeichnet werden kann. Diese wurde wohl auch geflügelt dargestellt (habe aber keine antike Darstellung gefunden).
Juno Lucina als Geburtsgöttin wird wohl gelegentlich mit Fackel dargestellt.
Das höchste Fest für Juno fand an den Kalenden des März statt und war ein Fest der Matronen, also der ehrenwerten traditionellen Mütter. Ich denke, als solche wurde Faustina angesehen.
Es könnte sich also um Faustinas persönliche Juno handeln, die sie zu den Göttern trägt.
Mal so laienhaft spekuliert:
Auf der Basis der Antoninussäule ist dargestellt, wie Antoninus und Faustina auf einem geflügelten männlichen Genius in den Himmel getragen werden. Der Genius war der Schutzgeist des Mannes, verkörperte seine Lebenskraft, und erlosch mit dessen Tod.
Frauen hatten keinen Genius, aber etwas Analoges, was als persönliche Juno bezeichnet werden kann. Diese wurde wohl auch geflügelt dargestellt (habe aber keine antike Darstellung gefunden).
Juno Lucina als Geburtsgöttin wird wohl gelegentlich mit Fackel dargestellt.
Das höchste Fest für Juno fand an den Kalenden des März statt und war ein Fest der Matronen, also der ehrenwerten traditionellen Mütter. Ich denke, als solche wurde Faustina angesehen.
Es könnte sich also um Faustinas persönliche Juno handeln, die sie zu den Göttern trägt.
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antoninus1
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Re: Wer fliegt denn hier??
Ich möchte da auch nicht schlauer erscheinen als das DAI, die bewusst die Bezeichnung "Flügelfrau" wählen, da Näheres nicht mit Sicherheit bewiesen werden kann.
Mir scheint allerdings die Verbindung zu Nike/Victoria nicht unwahrscheinlich, da diese eben auch in sepulkralen Kontexten genannt werden.
Mir scheint allerdings die Verbindung zu Nike/Victoria nicht unwahrscheinlich, da diese eben auch in sepulkralen Kontexten genannt werden.
Die o.g. Darstellung der Apotheose der Sabina trägt die gleiche "Flügelfrau", und Sabina war kinderlos. Juno würde ich daher ganz sicher ausschliessen.antoninus1 hat geschrieben: ↑Mi 17.06.26 21:28Juno Lucina als Geburtsgöttin wird wohl gelegentlich mit Fackel dargestellt.
Das höchste Fest für Juno fand an den Kalenden des März statt und war ein Fest der Matronen, also der ehrenwerten traditionellen Mütter. Ich denke, als solche wurde Faustina angesehen.
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- antoninus1
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Re: Wer fliegt denn hier??
Dass ich Juno für möglich halte, basiert nicht so sehr darauf, dass Faustina eine Matrone war, sondern mehr auf der Analogie zum männlichen Genius auf der Säulenbasis, und darauf, dass Juno der weibliche Genius der Frauen war. Auch Sabina hatte eine "persönliche" Juno.
Die Darstellung auf der Basis und der Münze drücken ja dasselbe aus, die Apotheose. Ungwöhnlich ist wohl, dass auf der Basis Mann und Frau gemeinsam dargestellt sind (sie sind ja nicht gleichzeitig gestorben und jeder hatte seinen eigenen Genius/Juno).
Ob Antoninus die Gestaltung schon festgelegt hat oder ob das erst Mark Aurel getan hat?
Man hat sich aber entschieden,nur einen männlichen Genius darzustellen, aber übrigens 2 Adler, für jeden einen
Die Darstellung auf der Basis und der Münze drücken ja dasselbe aus, die Apotheose. Ungwöhnlich ist wohl, dass auf der Basis Mann und Frau gemeinsam dargestellt sind (sie sind ja nicht gleichzeitig gestorben und jeder hatte seinen eigenen Genius/Juno).
Ob Antoninus die Gestaltung schon festgelegt hat oder ob das erst Mark Aurel getan hat?
Man hat sich aber entschieden,nur einen männlichen Genius darzustellen, aber übrigens 2 Adler, für jeden einen
Gruß,
antoninus1
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Re: Wer fliegt denn hier??
Sorry, beim nochmaligen Nachprüfen der Beschreibung zur Apotheose der Sabina schreibt das DAI folgendes:
"Die weibliche Figur, die die Kaiserin trägt, ist die Personifikation der Ewigkeit: Aeternitas. Sie trägt ein Gewand, das ihre rechte Brust entblößt. In ihren händen hält sie eine brennde Fackel."
https://arachne.dainst.org/entity/1215809?fl=20
"Die weibliche Figur, die die Kaiserin trägt, ist die Personifikation der Ewigkeit: Aeternitas. Sie trägt ein Gewand, das ihre rechte Brust entblößt. In ihren händen hält sie eine brennde Fackel."
https://arachne.dainst.org/entity/1215809?fl=20
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Re: Wer fliegt denn hier??
Die "Flügelfrau" auf dem Sesterzen ist Aurora, das weibliche Pedant zu Aion, der wiederum auf dem verlinkten Sockel der Apotheose von Antoninus und Faustina zu sehen ist (typisch für ihn die Schlange, die sich um den Globus in seiner Hand schlängelt).
Auroras Attribute sind Fackel und Flügel, was hier auf der Münze ja auch widergegeben ist. Unter diesem Aspekt ist das Reversbild klar deffinierbar: es wird ausschließlich die erste Stufe, die Apotheose, angesprochen, durchgeführt von Aurora, die perfekt mit ihrer lichtbringenden Fackel dazu passt: vom Dunkel (Tod) ins Licht (Aeternitas im Himmel). Der Aeternitas selbst sind andere, spätere Münzbilder vorbehalten.
Dass Faustina auf einer personifizierten Aternitas gen Himmel fliegt kann man getrost ausschließen, ebenso ist die Überlegung, dass es sich um Juno handeln könnte, abzulehnen.
Dafür gibt es zwei Gründe:
1. Sie sind immer flügellos
2. Aeternitas und Götter/innen tragen niemanden auf ihren Rücken, auch keine Vergötterte in den Himmel. Das hatten andere zu tun: Aion, Aurora oder die Begleittiere von Iovi oder Iuno (Adler bzw. Pfau).
Ein schönes Reversmotiv. Im Laufe der Zeit wandelten sich die Münzdarstellungen von Konsekration ständig.
Auroras Attribute sind Fackel und Flügel, was hier auf der Münze ja auch widergegeben ist. Unter diesem Aspekt ist das Reversbild klar deffinierbar: es wird ausschließlich die erste Stufe, die Apotheose, angesprochen, durchgeführt von Aurora, die perfekt mit ihrer lichtbringenden Fackel dazu passt: vom Dunkel (Tod) ins Licht (Aeternitas im Himmel). Der Aeternitas selbst sind andere, spätere Münzbilder vorbehalten.
Dass Faustina auf einer personifizierten Aternitas gen Himmel fliegt kann man getrost ausschließen, ebenso ist die Überlegung, dass es sich um Juno handeln könnte, abzulehnen.
Dafür gibt es zwei Gründe:
1. Sie sind immer flügellos
2. Aeternitas und Götter/innen tragen niemanden auf ihren Rücken, auch keine Vergötterte in den Himmel. Das hatten andere zu tun: Aion, Aurora oder die Begleittiere von Iovi oder Iuno (Adler bzw. Pfau).
Ein schönes Reversmotiv. Im Laufe der Zeit wandelten sich die Münzdarstellungen von Konsekration ständig.
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Gruss
Lucius Aelius
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Re: Wer fliegt denn hier??
Vielen Dank... again what learned!
Grüsse
Rainer
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- Tiziana
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Re: Wer fliegt denn hier??
Im Katalog P. & P. Santamaria von 1953, Sammlung Signorelli, Teil III, habe ich zu Los 490 diese Beschreibung, gefunden.
Cohen 12, also RIC III 1699, wird im RIC Online wie folgt beschrieben:
Sesterz
Rom
Avers
DIVA FAVSTINA PIA; Bust of Faustina the Younger, draped, hair elaborately waved in nearly vertical lines and fastened in a low chignon at back of head, down cheek, curls, right
Revers
AETERNITAS S C; Victory, winged, draped, holding lighted torch in right hand and raising Faustina to heaven
Gerade heute war ich an der Antike Basel. Dort war ein Relief mit einer Stieropferszene und Victoria ausgestellt. Der Galerist meinte dazu, Victoria stehe ein breites Spektrum an Attributen und Funktionen zur Verfügung. Es sei daher durchaus vorstellbar, dass sie auch bei der Himmelfahrt beziehungsweise Apotheose Faustinas als handelnde Figur dargestellt wurde.
Das ist natürlich keine endgültige Feststellung, sondern lediglich eine weitere Meinung.
Edit (und noch meine Meinung): Die Attribute der Aurora sind das Bringen des Lichts und die Ankündigung des Tagesanbruchs (Leben); als Allegorie verkörpert sie somit die Morgenröte. Symbolisch erscheint mir Aurora gerade im Zusammenhang mit einer Apotheose eher unpassend.
Edit (Noch ein kleiner "Offroad-Gedanke" in Verbindung mit Aurora: Wenn ich mir das Ganze etwas fantasievoller vorstelle, könnte man sich fragen, ob Aurora gewissermassen den Auftrag erhält, beim nächsten Lichtbringen am folgenden Morgen die Verstorbene gleich mit in den Himmel zu nehmen, da sie ohnehin auf diesem Weg ist.
LG Tiziana
Cohen 12, also RIC III 1699, wird im RIC Online wie folgt beschrieben:
Sesterz
Rom
Avers
DIVA FAVSTINA PIA; Bust of Faustina the Younger, draped, hair elaborately waved in nearly vertical lines and fastened in a low chignon at back of head, down cheek, curls, right
Revers
AETERNITAS S C; Victory, winged, draped, holding lighted torch in right hand and raising Faustina to heaven
Gerade heute war ich an der Antike Basel. Dort war ein Relief mit einer Stieropferszene und Victoria ausgestellt. Der Galerist meinte dazu, Victoria stehe ein breites Spektrum an Attributen und Funktionen zur Verfügung. Es sei daher durchaus vorstellbar, dass sie auch bei der Himmelfahrt beziehungsweise Apotheose Faustinas als handelnde Figur dargestellt wurde.
Das ist natürlich keine endgültige Feststellung, sondern lediglich eine weitere Meinung.
Edit (und noch meine Meinung): Die Attribute der Aurora sind das Bringen des Lichts und die Ankündigung des Tagesanbruchs (Leben); als Allegorie verkörpert sie somit die Morgenröte. Symbolisch erscheint mir Aurora gerade im Zusammenhang mit einer Apotheose eher unpassend.
Edit (Noch ein kleiner "Offroad-Gedanke" in Verbindung mit Aurora: Wenn ich mir das Ganze etwas fantasievoller vorstelle, könnte man sich fragen, ob Aurora gewissermassen den Auftrag erhält, beim nächsten Lichtbringen am folgenden Morgen die Verstorbene gleich mit in den Himmel zu nehmen, da sie ohnehin auf diesem Weg ist.
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Re: Wer fliegt denn hier??
Prinzipiell ist es ein komplexes, aber leicht zu verstehendes Thema "Apotheose" mit unterschiedlichen Darstellern: Aurora, ihr Bruder Sol und ihre Schwester Luna.Tiziana hat geschrieben: ↑Sa 20.06.26 02:12
Edit (und noch meine Meinung): Die Attribute der Aurora sind das Bringen des Lichts und die Ankündigung des Tagesanbruchs (Leben); als Allegorie verkörpert sie somit die Morgenröte. Symbolisch erscheint mir Aurora gerade im Zusammenhang mit einer Apotheose eher unpassend.
Der Sonnengott Sol in seiner Quadriga krönt auf den Münzen, etwa dem Sesterzen zur Konsekration des Antoninus Pius, den rogus.
Luna erscheint bei Faustina II. auf den SIDERIBVS-Sesterzen. Hierzu Bechtold, Gott und Gestirn als Präsenzformen des toten Kaisers: "Insbesondere die Rückseitentypen, die Diana Luna bzw. die vergöttlichte Kaiserin mit den Attributen der Göttin darstellen, erfahren durch die neu hinzutretende Umschrift "SIDERIBVS RECEPTA" eine Konkretisierung: die jüngere Faustina befindet sich nun, wie schon zuvor ihre Mutter, im Bereich der
Aeternitas, den der sternenbesetzte Schleier und die Kombination aus Sternen und Mondsichel repräsentieren. Der Mondgöttin gleich, in deren Biga sie mit über den Kopf gewölbtem Schleier nach oben fährt, wurde sie sideribus recepta ,von den Sternen aufgenommen'.
Da auch die Darstellung der Diana Luna mit Mondsichel hinter dem Hals und Fackel in den Händen mit der sideribus-recepta-Legende versehen ist, muss in ihr ebenfalls eine Angleichung der Kaiserin an die Mondgöttin gesehen werden. Faustina wurde unter die Sterne versetzt, nicht nur als Stern oder Sternbild, sondern als die Mondgöttin selbst ... Als ewige, im Bereich der Sterne weilende Göttin gewährleistete Faustina, wie ihre Mutter das tragende Element der antoninischen Dynastie, deren Kaiser miteinander nur durch Adoption verwandt waren, den Fortbestand von Reich und Herrschaft und legitimierte die Weitergabe der Macht an den von ihr hervorgebrachten leiblichen Erben."
Aurora passt da bestens dazu.
Andere Deutungsversuche wie bspw. Victoria, entbehren einer plausiblen Grundlage.
Gruss
Lucius Aelius
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Re: Wer fliegt denn hier??
Okay, danke. Ich glaube, du beziehst dich auf Mary Beard und John Henderson, „The Emperor’s New Body: Ascension from Rome“. Ich werde mir den Aufsatz noch genauer ansehen und muss ihn zunächst vollständig durchlesen. Falls noch jemand daran interessiert ist, poste ich hier den Link.
www.academia.edu/52800921/The_Emperors_ ... _from_Rome
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- Perinawa
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Re: Wer fliegt denn hier??
Da es mir gerade zum tiefgründigen Denken zu warm ist, notiere ich mal eine Victoria, gefangen im Körper von Aurora...

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Re: Wer fliegt denn hier??
Auch die augenzwinkenden Bemerkungen meinerseits beinhalten einen Kern Wahrheit.
Wir werden nicht mit Sicherheit feststellen können, wer letztendlich dargestellt ist Ich bin im allgemeinen vorsichtig mit einer eindeutigen Zuordnung bzw. dem Fehlen von Attributen, um damit entweder jemanden sicher zu bestätigen oder auszuschliessen.
Immerhin können wir aber die rückseitige Münzdarstellung prima mit dem Relief der Apotheose der Sabine und den damit verbundenen Erkenntnissen vergleichen.
Schon ein altes Werk, aber immer noch zitierbar, ist Wolfgang Helbigs "Führer durch die Öffentlichen Sammlungen klassischer Altertümer in Rom".
Zitat:
"... stellt die Vergöttlichung (consecratio) der Kaiserin Sabina dar. Auf den Schwingen einer weiblichen Flügelgestalt fährt sie aus den Flammen des Scheiterhaufens zum HImmel. In der Flügelgestalt dürfen wir wohl Aeternitas erkennen, die Personifikation der Ewigkeit. ... Aeternitas hebt ihr Haupt zu der neuen Diva empor und hält mit beiden Händen eine große brennende Fackel, Symbol der ewigen Gestirne, denen die Vergöttlichte entgegenschwebt. ..."
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Re: Wer fliegt denn hier??
Das sehe ich anders.
Es gibt keine bekannte Darstellung einer geflügelten Aeternitas. Zu ihren Attributen siehe https://share.google/NRhr568lOh9Cvi0v4
Flügel hatten nur Aion (und der war nicht weiblich) und Aurora.
Natürlich gibt keinen schlussendlichen Beweis, da müssten wir die alten Römer befragen, aber die sind schon längst alle tot.
Ich will nicht besserwisserisch wirken, aber man sollte schon die wahrscheinlichste Variante als vorläufige Beschreibung nehmen und das ist nun mal die Aurora
Ansonsten wäre jede Infragestellung* älterer Beschreibungen ein Kampf gegen Windmühlenflügel
* die immerhin mit plausible Argumenten unterlegt ist
Gruss
Lucius Aelius
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