Heute möchte ich euch die Tetradrachme eines Kaisers zeigen, den man auf seinen Münzen eigentlich kaum verwechseln kann: Vespasian! Viele Kaiser haben einen gewissen Wiedererkennungswert, Vespasian gehört aber eindeutig zu den besonders markanten Erscheinungen. Sowohl seine Münzen als auch die zahlreichen erhaltenen Statuen und Büsten zeigen diesen unverwechselbaren „Charakterkopf“ mit kräftigen Gesichtszügen, breiter Stirn und einer bemerkenswert robusten Ausstrahlung.
Auch Sueton beschreibt Vespasians Erscheinung in seiner Kaiserbiographie. Er berichtet, dass Vespasian von kräftigem Körperbau war und einen angestrengten Gesichtsausdruck besaß. Immer wenn ich diesen ernsten und kräftigen Charakterkopf auf meiner Tetradrachme betrachte, kann ich mir gut vorstellen, dass sich dahinter auch ein gewisser trockener und derber Humor verbarg. Das macht ihn für mich irgendwie sympathisch.
Gerade diese Mischung aus persönlicher Ausstrahlung und historischer Bedeutung macht Vespasian für viele Sammler so interessant.
Auf dem Revers erscheint hier die personifizierte Alexandria als stehende weibliche Gestalt. Sie steht sinnbildlich für die enorme Bedeutung der Stadt als politisches und wirtschaftliches Zentrum Ägyptens sowie als lebenswichtige Getreidequelle des Römischen Reiches. Eine besondere Verbindung, denn Alexandria spielte im Jahr 69 n. Chr. eine entscheidende Rolle bei Vespasians Aufstieg zum Kaiser. Die Anerkennung durch die ägyptischen Truppen und die Kontrolle über die strategisch wichtige Provinz verliehen seiner Erhebung entscheidendes Gewicht.
VESPASIANUS 69 - 79
BI Tetradrachme Alexandria 70/71 (Jahr 3)
Av.: AYTOK KAIΣ ΣEBA OYEΣΠAΣIANOY Belorbeerter Kopf nach rechts
Rechts im Feld: L Γ (= Jahr 3)
Rv.: ΑΛΕΞΑΝΔΡΕΙΑ
Alexandria steht in kurzem Gewand nach links, trägt Elephantenhaut, Kothurne an den Füßen, in der Rechten Kranz, die Linke hält Szepter (Vexillum?)
Maße: 12,47g /Ø 21 x 23 mm
Dattari: 355; Geißen: 284; BMC: 244; Milne: 411; K&G: 20.24; RPC II Online: 2425;