Römische Münzen aus Alexandria

Kaiser, Dynastien und Münzstätten

Moderator: Homer J. Simpson

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Amenoteph
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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitrag von Amenoteph » Mo 10.08.26 08:01

Lucius Aelius hat geschrieben:
So 09.08.26 18:51
Ich kann beim Widder keine Scheibe auf dem Kopf erkennen, nur die Schnauze und die nach unten gebogenen Hörner.
Ich verstehe deinen Hinweis, und damit sprichst du natürlich einen Schwachpunkt meiner Hemidrachme an. Der betreffende Bereich ist durch Prägeschwäche, Abnutzung oder Korrosion deutlich schlechter zu erkennen.

Wie du sicherlich bemerkt hast, fehlt auch der senkrechte Teil des L Symbols.
Ich kann dir aber versichern, dass man bei Betrachtung der Münze in der Hand und mit wechselndem Lichteinfall die Sonnenscheibe erkennen kann. Ich habe gerade versucht, dies auch fotografisch wiederzugeben, allerdings stößt die Kamera bei der Feinheit dieser Struktur an ihre Grenzen.

Am Ende bleibt dir daher nur, meinem Auge zu vertrauen. Als kleine Unterstützung stelle ich zusätzlich noch die Reversabbildungen der Hemidrachme aus der ehemaligen Sammlung von John Aiello sowie des Vergleichsstücks aus der Bibliothèque nationale de France ein. Beide zeigen die Variante mit der Atef Krone und dem Widder mit Scheibe.
ramaiello.jpeg
ram.jpg

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Lucius Aelius
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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitrag von Lucius Aelius » Mo 10.08.26 09:23

Danke für dein Input. Ich hatte mir schon gedacht, dass die Scheibe dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen ist.
Und auf deiner neu eingestellten Münze sieht man sie eindeutig.
Gruss
Lucius Aelius

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Peter43
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Eine Münze des Antoninus Pius

Beitrag von Peter43 » Fr 14.08.26 15:04

Liebe Freunde der Münzen aus Alexandria!

Ich brauche Hilfe für die Bestimmung dieser hübschen Münze aus der Bibliotheque nationale de France. Eine Drachme des Antoninus Pius, die Herakles mit den Rossen des Diomedes zeigt. Rechts hinter Herakles zeigt der Pfeil auf ein detailliertes Objekt, das mir nicht klar ist. CNG beschreibt es einmal als forepart of Diomedes laying facing on the ground. Das ist natürlich völlig falsch, wobei man CNG zugute halten muß, daß die Münze stark abgenutzt war. Könnte es eine Hydra sein oder eine Uräusschlange? Aber die kommt in der der Mythologie des Diomedes nicht vor und warum sollte sie hier auf der Münze erscheinen.
Markierung.jpg
Und ich würde mich freuen, wenn jemand eine korrekte Referenz für diese Münze hätte. Bei BnF finde ich nur die Abbildung.

Mit Dank im Voraus
Jochen
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Alexandria_Ant_Pius_klein.jpg
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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitrag von Altamura2 » Fr 14.08.26 15:55

Peter43 hat geschrieben:
Fr 14.08.26 15:04
... Ich brauche Hilfe für die Bestimmung dieser hübschen Münze aus der Bibliotheque nationale de France. ...
Die sieht ja schon zu hübsch aus, um wahr zu sein :D , deshalb steht da auch "Suspectée d'être un faux" :? ("im Verdacht, eine Fälschung zu sein") => https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb41757033h

Der Typ ist aber in RPC online aufgeführt, ein bisschen Literatur dazu wird auch erwähnt, wenngleich das Objekt rechts unten ebenfalls als "below to right, body of Diomedes" bezeichnet wird => https://rpc.ashmus.ox.ac.uk/coins/4.4/246

Mir sieht das aber auch nach etwas mit einem Schlangenkörper unten, zwei Flügeln in der Mitte und einigen Köpfen oben aus :D .

Gruß

Altamura

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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitrag von Altamura2 » Fr 14.08.26 16:11

Kleiner Nachtrag: Im Dattari scheint es die Nummer 2613 zu sein, abgebildet auf Tafel XV. Auch hier wird ein zusammengebrochener Diomedes genannt, auch hier ist die Münze aber schlecht erhalten :? .

Gruß

Altamura

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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitrag von Altamura2 » Fr 14.08.26 16:53

Wenn die Münze aus der BnF eine falsche ist, dann muss man auch damit rechnen, dass die auf den schlecht erhaltenen echten nicht erkennbaren Teile vom Fälscher mit viel Fantasie ergänzt wurden und gar nicht das zeigen, was auf den echten gemeint war 8O .

Was nämlich auch auffällt ist das zweite Pferd auf der BnF-Münze unten links. Auf den Münzen in RPC online ist hier nämlich gar nicht mit Sicherheit ein Pferd zu erkennen, dem auf der BnF-Münze auch der Hinterleib fehlt :? .

Gruß

Altamura

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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitrag von Altamura2 » Fr 14.08.26 17:51

Ich hab' jetzt noch eine weitere Idee:

In RPC online gibt es vier Münzen aus Alexandria mit Herakles und Diomedes unter Antoninus Pius => https://rpc.ashmus.ox.ac.uk/search/brow ... x=&format=
Schaut man sich die Exemplare der Nummer 627 an, dann erkennt man recht gut, dass da unten ein Pferd nach links liegt und rechts Diomedes mit Kopf nach rechts und nach unten gerichtet. Man erkennt auch den Leib und den rechten Arm => https://rpc.ashmus.ox.ac.uk/coins/4.4/627 .
Über dem Nacken sieht man das Hinterteil und den Schweif des über Diomedes liegenden Pferds.

Es könnte nun gut sein, dass diese Konstellation unten am Boden auf beiden Typen 246 und 627 dieselbe oder zumindest ähnlich sein sollte und bei 246 vielleicht nicht ganz so toll umgesetzt wurde :? .

An mein Wesen mit Schlangenkörper unten, zwei Flügeln in der Mitte und einigen Köpfen oben glaube ich inzwischen nicht mehr :D .

Gruß

Altamura

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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitrag von Peter43 » Fr 14.08.26 18:16

Hallo Altamura!

Herzlichen Dank für Deine ausführlichen Kommentare. Dann ist es gut möglich, daß die detaillierte Figur re. hinter Herakles der Phantasie des Fälschers entsprungen ist.

Jochen
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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitrag von Amenoteph » Mo 17.08.26 10:32

Aus der letzten Auktion von Pandora Numismatics konnte ich diesen kleinen, aber interessanten Alexandriner erwerben. Es handelt sich um meine inzwischen zweite Nome-Prägung.

Die sogenannten Nome-Prägungen nehmen innerhalb der alexandrinischen Münzprägung eine besondere Stellung ein. Anders als die üblichen Alexandriner zeigen sie die Identität einzelner ägyptischer Gaue. Obwohl sie in Alexandria geprägt wurden, tragen sie die Namen und Symbole der traditionellen Verwaltungsbezirke Ägyptens.

Mein neues Stück stammt aus dem "Pelusischen Gau", der im östlichen Nildelta lag. Ich habe hier bewusst die Formulierung in Anführungszeichen gesetzt, da die erste Erwähnung auf Münzen "ΠHΛOYCIOY NOMOC" (Gau von Pelusion") gefolgt von "ΠΗΛΟΥϹΙωΤωΝ ΠΟΛΕω" (Stadt der Pelusioten) über "ΠΗΛΟΥCIN" bis hin zur Abkürzung ΠΗΛΟΥ für Angelo Geissen und Manfred Weber auf eine anfängliche Unsicherheit der Münzbehörde in Alexandria hindeutet. Ein eigenständiger Gau bestand demnach nicht, sondern vielmehr sollte die offensichtliche besondere Bedeutung der Stadt Pelusion innerhalb der Serie der Gaumünzen hervorgehoben werden.

Das antike Pelusion war nicht nur ein bedeutender Hafen- und Handelsplatz, sondern auch eine strategisch äußerst wichtige Grenzstadt am Zugang zu Ägypten, häufig als "Tor zu Ägypten" bezeichnet. Seine Lage machte Pelusion zu einer der wichtigsten Regionen des Landes.

Die bisher bekannten Prägungen für die Stadt Pelusion sind aktuell nur für zwei Kaiser nachgewiesen. Die frühesten Ausgaben stammen aus der Regierungszeit Trajans (12. und 13. Regierungsjahr sowie eine unsichere Zuordnung für das 15. Regierungsjahr – RPC III Online 6531). Die letzte bekannte Serie wurde unter Hadrian geprägt. Dazu gehören die Typen mit Zeus Kasios und der eigenständigen Abbildung des Granatapfel aus dem 11. Regierungsjahr (126/127 n. Chr.). Danach sind keine weiteren regulären Prägungen für Pelusion bekannt.

Im Gegensatz dazu steht mein ersten Nome-Prägungen für den Hermopolites Gau. Für diesen Gau wurden unter Trajan, Hadrian, Antoninus Pius und zuletzt Marc Aurel Münzen geprägt (für Domitian gibt es hier eine unsichere Zuordnung).

Ein gutes Beispiel dafür, dass es offenbar keine kontinuierliche "Gau-Serie" gab, sondern einzelne gezielte Emissionen.

Der auf der Rückseite abgebildete Granatapfel steht in Verbindung mit Zeus Kasios. Angelo Geissen schreibt: "Aus ägyptischer Sicht könnte der Granatapfel des Zeus Kasios also vordergründig zunächst als Hinweis auf die fremdländische Herkunft des Gottes verstanden worden sein. Darüber hinaus wird aber die religiöse Bedeutung dieses Attributs, die Achilleus Tatios hervorhebt (ὁ λόγος μυστικός), sicherlich dem syrisch-phönizischen Raum entstammen. Dort galt der Granatapfel nämlich vor allem als Ausdruck der Fruchtbarkeit sowie als Lebenssymbol, und man findet ihn dementsprechend häufig als Grabbeigabe, um eine Wiedergeburt zu bewirken. Daher war der Granatapfel dort auch mit sterbenden und wieder auferstehenden Gottheiten wie z. B. Adonis und Melkart verbunden. Ob dieser Tod-Leben-Aspekt beim λόγος μυστικός des Achilleus Tatios eine Rolle gespielt haben könnte, bleibt wegen des Schweigens des Autors leider offen; eine gewisse Parallelität zum Symbolismus der Hemhem-Krone wäre dann aber gegeben."
Hadrianus Alexandria Pelusion Nome Granatapfel.jpg
HADRIANUS 117 - 138
Æ Hemiobol Alexandria 126/127 (= Jahr 11)
Av.: Kopf des Hadrian mit Lorbeerkranz nach rechts, drapiert links
Rv.: ΠΗΛΟΥ - LIA (= Jahr 11)
Granatapfel
Maße: 2,33 g / Ø 15 mm
Dattari: 6348; Geißen: 3419; Milne: 1248; BMC: N64; K&G: N40.3; RPC III Online: 6533;
Pomegranate.jpg
Beste Grüße
Amenoteph

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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitrag von QVINTVS » Mo 17.08.26 21:23

Grüße euch,

den habe ich auch bei der Auktion gesehen. Nachdem ich aber keine "Alexandriner-Sammler", bestenfalls "Alexandriner-Interessent" bin, wollte ich den Preis nicht in die Höhe treiben und dachte mir schon, dass jemand hier aus dem Forum darauf bieten wird.
Viele Grüße

QVINTVS

Das Leben besteht aus vielen kleinen Münzen,
und wer sie aufzuheben versteht,
hat ein Vermögen.

Jean Anouilh (franz. Dramatiker, 1910 - 87)

Ebay-Alternative nutzen: https://www.muenzauktion.info

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