Aus der letzten Auktion von Pandora Numismatics konnte ich diesen kleinen, aber interessanten Alexandriner erwerben. Es handelt sich um meine inzwischen zweite Nome-Prägung.
Die sogenannten Nome-Prägungen nehmen innerhalb der alexandrinischen Münzprägung eine besondere Stellung ein. Anders als die üblichen Alexandriner zeigen sie die Identität einzelner ägyptischer Gaue. Obwohl sie in Alexandria geprägt wurden, tragen sie die Namen und Symbole der traditionellen Verwaltungsbezirke Ägyptens.
Mein neues Stück stammt aus dem "Pelusischen Gau", der im östlichen Nildelta lag. Ich habe hier bewusst die Formulierung in Anführungszeichen gesetzt, da die erste Erwähnung auf Münzen "ΠHΛOYCIOY NOMOC" (Gau von Pelusion") gefolgt von "ΠΗΛΟΥϹΙωΤωΝ ΠΟΛΕω" (Stadt der Pelusioten) über "ΠΗΛΟΥCIN" bis hin zur Abkürzung ΠΗΛΟΥ für Angelo Geissen und Manfred Weber auf eine anfängliche Unsicherheit der Münzbehörde in Alexandria hindeutet. Ein eigenständiger Gau bestand demnach nicht, sondern vielmehr sollte die offensichtliche besondere Bedeutung der Stadt Pelusion innerhalb der Serie der Gaumünzen hervorgehoben werden.
Das antike Pelusion war nicht nur ein bedeutender Hafen- und Handelsplatz, sondern auch eine strategisch äußerst wichtige Grenzstadt am Zugang zu Ägypten, häufig als "Tor zu Ägypten" bezeichnet. Seine Lage machte Pelusion zu einer der wichtigsten Regionen des Landes.
Die bisher bekannten Prägungen für die Stadt Pelusion sind aktuell nur für zwei Kaiser nachgewiesen. Die frühesten Ausgaben stammen aus der Regierungszeit Trajans (12. und 13. Regierungsjahr sowie eine unsichere Zuordnung für das 15. Regierungsjahr – RPC III Online 6531). Die letzte bekannte Serie wurde unter Hadrian geprägt. Dazu gehören die Typen mit Zeus Kasios und der eigenständigen Abbildung des Granatapfel aus dem 11. Regierungsjahr (126/127 n. Chr.). Danach sind keine weiteren regulären Prägungen für Pelusion bekannt.
Im Gegensatz dazu steht mein ersten Nome-Prägungen für den Hermopolites Gau. Für diesen Gau wurden unter Trajan, Hadrian, Antoninus Pius und zuletzt Marc Aurel Münzen geprägt (für Domitian gibt es hier eine unsichere Zuordnung).
Ein gutes Beispiel dafür, dass es offenbar keine kontinuierliche "Gau-Serie" gab, sondern einzelne gezielte Emissionen.
Der auf der Rückseite abgebildete Granatapfel steht in Verbindung mit Zeus Kasios. Angelo Geissen schreibt: "Aus ägyptischer Sicht könnte der Granatapfel des Zeus Kasios also vordergründig zunächst als Hinweis auf die fremdländische Herkunft des Gottes verstanden worden sein. Darüber hinaus wird aber die religiöse Bedeutung dieses Attributs, die Achilleus Tatios hervorhebt (ὁ λόγος μυστικός), sicherlich dem syrisch-phönizischen Raum entstammen. Dort galt der Granatapfel nämlich vor allem als Ausdruck der Fruchtbarkeit sowie als Lebenssymbol, und man findet ihn dementsprechend häufig als Grabbeigabe, um eine Wiedergeburt zu bewirken. Daher war der Granatapfel dort auch mit sterbenden und wieder auferstehenden Gottheiten wie z. B. Adonis und Melkart verbunden. Ob dieser Tod-Leben-Aspekt beim λόγος μυστικός des Achilleus Tatios eine Rolle gespielt haben könnte, bleibt wegen des Schweigens des Autors leider offen; eine gewisse Parallelität zum Symbolismus der Hemhem-Krone wäre dann aber gegeben."

HADRIANUS 117 - 138
Æ Hemiobol Alexandria 126/127 (= Jahr 11)
Av.: Kopf des Hadrian mit Lorbeerkranz nach rechts, drapiert links
Rv.: ΠΗΛΟΥ - LIA (= Jahr 11)
Granatapfel
Maße: 2,33 g / Ø 15 mm
Dattari: 6348; Geißen: 3419; Milne: 1248; BMC: N64; K&G: N40.3; RPC III Online: 6533;
Beste Grüße
Amenoteph