Römische Münzen aus Alexandria

Kaiser, Dynastien und Münzstätten

Moderator: Homer J. Simpson

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Amenoteph
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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitrag von Amenoteph » Fr 03.07.26 16:48

Dittsche hat geschrieben:
Fr 03.07.26 12:57
Sind die beiden Beisitzer eine Art lokale Genien?
Das kann man letztlich nur vermuten. In der Literatur finden sich verschiedene Bezeichnungen für die beiden Figuren am unteren Ende der äußeren Säulen. Meist werden sie lediglich als „uncertain figure“ bezeichnet oder, wie im Kölner Katalog, mit „an den unteren Ecken sitzen zwei Gestalten (?)“ beschrieben. Eine weitergehende Identifizierung erfolgt in der Regel nicht. Chinamul mutmaßte, dass es sich um zwei Gefangene handeln könnte, versah diese Deutung jedoch ebenfalls mit einem Fragezeichen. In vielen Beschreibungen bleiben die beiden Figuren sogar ganz unerwähnt.
Lucius Aelius hat geschrieben:
Fr 03.07.26 15:15
Aphlasta? Auch wenn's auf den ersten Blick tatsächlich danach aussieht, was haben die bei Agatho daimon zu suchen?
Eher wahrscheinlich wären nach aussen blickende Greife, zumal Schlange und Greif ohnehin den engen Bezugspunkt haben, Wächter gewesen zu sein.
Ich mache es mir hier bewusst einfach und folge in der Beschreibung Angelo Geissen. Milne identifiziert das Objekt als „Altar of Caesareum“ und beschreibt das Gebilde an den oberen Ecken als "side horn in form of aplustre“.

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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitrag von Dittsche » So 05.07.26 22:27

andi89 hat geschrieben:
So 26.04.26 15:00
Schon vor ein paar Monaten erworben komme ich leider erst jetzt dazu das Stück auch hier vorzustellen.

Drachme des Marcus Aurelius für Faustina II (*130 †178)
AV: ΦAVCTINA - CEBACTH - Drapierte Büste der Faustina nach rechts
RV: L - S, CHMACIA - Semasia sitzt im Damensattel auf nach links galoppierendem Pferd, Palmzweig in der ausgestreckten Rechten, Umhang hinter ihr wehend; Jahresangabe in den Feldern
gepr.: 165/6 in Alexandria (Jahr 6 des Marcus Aurelius)
Nabend!

Zu deiner sehr interessanten Rückseitendarstellung der Semasia, hätte ich noch eine Verständnisfrage.

Hat die Semasia als Meldereiterin eine Doppelfunktion? Also beim Lucius Verus als Überbringerin des militärischen Triumphs über die Partner oder ist diese Sichtweise gänzlich überholt?

https://rpc.ashmus.ox.ac.uk/coins/4.4/2947

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Re:

Beitrag von Amenoteph » Mo 06.07.26 22:42

Zu Semasia auf den alexandrinischen Rückseiten gibt es keine völlig einheitliche Deutung.

Nach meinem Verständnis und in der Interpretation der modernen Literatur und im Auktionswesen ist diese Sichtweise sehr verbreitet und gilt keineswegs als überholt:
https://www.cngcoins.com/Coin.aspx?CoinID=201409

Semasia wird heute meist als Personifikation eines „Signals“ oder einer „Verkündung“ verstanden, also auch als symbolische Überbringerin einer Siegesnachricht. Im Zusammenhang mit den Prägungen des Lucius Verus und Marcus Aurelius dürfte dies auf den Sieg über die Parther anspielen. Jochen schrieb dazu:
Peter43 hat geschrieben:
Sa 30.06.07 16:42
SHMEION bedeutet 'Signal', so wie SHMEIA ein militärisches Feldzeichen ist, das den Standort einer Armee anzeigt. Semasia ist der Herold, der die Nachricht von einem militärischen Erfolg überbringt, in diesem Fall die Nachricht, daß die Parther von der römischen Armee vertrieben worden waren und dabei im Verlauf des armenisches Krieges Seleukeia und Ktesiphon verloren hatten.
Aufgrund ihrer Attribute wird sie zugleich auch als lokale Personifikation Alexandrias gedeutet.
Ein Hinweis auf das Semasia Fest passt gut dazu und spricht dafür, dass diese Figur nicht nur eine Siegesbotschafterin war, sondern auch als Verkünderin im öffentlichen und möglicherweise festlichen Kontext Alexandrias eine Rolle spielte.
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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitrag von Dittsche » Mo 06.07.26 23:03

Vielen Dank für die Klarstellung.

In ihrer Doppel (Mehrfach)rolle habe ich Semasia auch gesehen.

Ich bin nur etwas unsicher geworden, da doch regelmäßig Auktionshäuser die Rolle der Semasia nicht passend zum Typ auswählen.

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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitrag von Dittsche » Di 07.07.26 22:19

Amenoteph hat geschrieben:
Do 07.05.26 11:58

Ich habe noch zwei Bücher auf meiner Wunschliste, die ich bisher noch nicht gefunden habe:

Wendelin Kellner:
Die Münzstätte Alexandria in Ägypten. Von Kleopatra bis Arcadius
(Hier hilft mir andi89 mit den Artikeln aus)

Erik Christiansen:
Coinage in Roman Egypt: The Hoard Evidence
In einem niederländischen Buchladen suchte ich die beiden obrigen Bücher. Für den Niederrheiner in Verbindung mit dem Gelderland interessant. Die beiden unteren habe ich direkt mitgenommen, ohne zu wissen, was ein angemessener Preis dafür wäre. Kellner für 50€ und Christiansen für 30€. Wenn deine Frau noch ein Geschenk sucht, den Christiansen kannst Du gerne haben, wenn Du ihn denn noch benötigst. Der ist eher was für Fortgeschrittene :roll:
Dateianhänge
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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitrag von Amenoteph » Mi 08.07.26 12:16

Wow! Ich würde dir das Buch von Erik Christiansen wirklich sehr gern abnehmen. Das ist ja wirklich eine tolle Überraschung. Toll!

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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitrag von Amenoteph » Do 09.07.26 20:59

Liebe Freunde Alexandrias,

heute möchte ich eine Drachme zeigen und zwar aus einem ganz besonderen Anlass.
Mit diesem Stück möchte ich unserem geschätzten Forumsfreund Chinamul zu seinem 90. Geburtstag herzlich gratulieren. Wer ihn kennt, weiß, welche besondere Begeisterung er immer für die Alexandriner und insbesondere für die Drachmen hatte.

Auch wenn er selbst keine Münzen mehr sammelt, ist sein Interesse an unserem gemeinsamen Hobby ungebrochen. Deshalb schicke ich ihm nach wie vor viele unserer Beiträge aus den verschiedensten Unterforen, selbstverständlich auch alle Beiträge zu den Alexandrinern. Ich weiß, dass er sie mit großem Interesse verfolgt und sich über jedes vorgestellte Stück freut.

Lieber Horst,

zu Deinem 90. Geburtstag wünsche ich Dir von Herzen alles Gute, vor allem Gesundheit! Möge Dir die Freude an der Numismatik noch lange erhalten bleiben. Es ist schön zu wissen, dass Du unser Forum und die neuen Beiträge weiterhin mit so großem Interesse begleitest.

Herzlichen Glückwunsch zum 90. Geburtstag!

P.S.: Deine Kritik an der „dass/das“-Schwäche im Forum wird hiermit weitergeleitet. Und ich für meinen Teil schwöre Besserung. :D

ANTONINUS PIUS 138 - 161
Æ Drachme Alexandria 148/149 (Jahr 12)
Av.: AYT K T AIΛ AΔP ANTωNINOC CЄB ЄYC Belorbeerte, geharnischte und drapierte Büste rechts
Rv.: Sarapis in zweisäuligem korinthischem Tempel mit Scheibe im dreieckigen Giebel nach links thronend; die Rechte über Kerberos zu seinen Füßen ausgestreckt, in der Linken Zepter
Rundum und im Abschnitt: ΔωΔЄ KATO LY
(= Jahr 12)
Maße: 23,52 g / Ø 35 mm
Dattari: 3058; Geißen: 1617; BMC: 3033; Milne: 2013; K&G: 35.443; Förschner: 637;
RPC IV.4 Online: 1117;
Antoninus Pius Sarapis Tempel.jpg
Antoninus.jpg
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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitrag von Perinawa » Di 14.07.26 10:52

Ein neuer Handschmeichler hat seinen Weg aus Alexandria via Canada den weiten Weg in meine Sammlung gefunden.
Das Motiv der Isis Pharia fasziniert mich immer wieder neu, besonders auf fetten 35 mm.

DSC01318.jpg
DSC01321.jpg


HADRIAN
AE drachm
Alexandria
RY 18 (133-134 AD)
Av.: Laureate, draped, and cuirassed bust right; seen from behind
Rev.: Isis Pharia, advancing right, holding billowing sail and sistrum; L IH (date) in fields
35mm, 26.3g.
Köln 1117; Dattari 1759, K&G 32.586; RPC III 5893; Emmett 1000.18.
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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitrag von Lucius Aelius » Di 14.07.26 11:15

Sehr schön.
Glatte Oberfläche, schöne homogene Tönung und trotz Umlauf noch alles Wesentliche erkennbar.
Den hätte ich auch sofort genommen.
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Perinawa (Di 14.07.26 11:22)
Gruss
Lucius Aelius

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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitrag von Perinawa » Di 14.07.26 11:26

Danke schön!

Ich war, bin und bleibe ein Freund dieser "Schokoladenpatina", wie ich sie nenne, und hatte schon angedacht, der Beschreibung künftig noch die Sparte "Kakaoanteil" hinzuzufügen. :D

Welchen Umständen verdankt man eine solche Patina, die bei Alexandrinern ja recht häufig ist? Denn ich glaube nicht, dass die Münze mal entpatiniert wurde, und dann nachgedunkelt ist. Vielleicht lässt das auf eine lange Verweildauer in extrem trockener Umgebung schliessen, z.B. Wüstensand? :roll:
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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitrag von Lucius Aelius » Di 14.07.26 12:11

Ich denke, im Sand hat die nicht gelegen. Da wäre die Oberfläche nicht so glatt geblieben, sondern rauh / porös / zerfressen.
Wohl eher in feuchter Umgebung (Erde / Schlamm).
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Perinawa (Di 14.07.26 12:39)
Gruss
Lucius Aelius

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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitrag von Perinawa » Di 14.07.26 12:50

Lucius Aelius hat geschrieben:
Di 14.07.26 12:11
Ich denke, im Sand hat die nicht gelegen. Da wäre die Oberfläche nicht so glatt geblieben, sondern rauh / porös / zerfressen.
Wohl eher in feuchter Umgebung (Erde / Schlamm).
Wahrscheinlich hast du recht. Die konservierende Wirkung von Flussgrund / Schlamm / Erde. Die sog. Flusspatina (hier auch Moselpatina genannt) sieht ja ganz ähnlich aus.

Wahrscheinlich ist es für solche tiefschürfenden Gedankengänge zu heiss, aber trotzdem eine Frage auch an die Alexanriner-Profis:
Gibt es Erkenntnisse, inwieweit die alexandrinischen Prägungen im ganzen Reich umherliefen, also nicht nur in Ägypten?
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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitrag von numis-sven2 » Di 14.07.26 14:33

Perinawa hat geschrieben:
Di 14.07.26 12:50
Lucius Aelius hat geschrieben:
Di 14.07.26 12:11
Ich denke, im Sand hat die nicht gelegen. Da wäre die Oberfläche nicht so glatt geblieben, sondern rauh / porös / zerfressen.
Wohl eher in feuchter Umgebung (Erde / Schlamm).
Wahrscheinlich hast du recht. Die konservierende Wirkung von Flussgrund / Schlamm / Erde. Die sog. Flusspatina (hier auch Moselpatina genannt) sieht ja ganz ähnlich aus.

Wahrscheinlich ist es für solche tiefschürfenden Gedankengänge zu heiss, aber trotzdem eine Frage auch an die Alexanriner-Profis:
Gibt es Erkenntnisse, inwieweit die alexandrinischen Prägungen im ganzen Reich umherliefen, also nicht nur in Ägypten?
Mit der Frage habe ich mich vor kurzem im Kontext von Gegenstempeln auf Alexandrinischen Münzen beschäftigt. Kurz: Wenige Münzen haben Ägypten verlassen, aber es gibt ein paar Nachweise.
Literatur:
– Andrew Burnett, The imperial coinage of Egypt in the first century AD, in: Frédérique Duyrat / Olivier Picard (Hrsg.), L’exception égyptienne? Production et échanges monétaires en Égypte hellénistique et romaine. Actes du colloque d’Alexandrie, 13–15 avril 2005, Kairo 2005, S. 263, 285–298.
– Jean-Pierre Callu, La politique monétaire des empereurs romains de 238 à 311, Paris 1969, S. 147–193.
– Erik Christiansen, Coinage in Roman Egypt. The Hoard Evidence, Aarhus 2004, S. 41–42.
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Perinawa (Di 14.07.26 14:37)

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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitrag von Dittsche » Di 14.07.26 20:47

Ergänzend noch Ernst Gölitzer:
(Entstehung und Entwicklung des alexandrinischen Münzwesens von 30 v. Chr. bis zum Ende der julisch-claudischen Dynastie)

Innerhalb des geschlossenen Binnenwährungsraums Ägypten zirkulierte im Umlauf nur das alexandrinische Geld ... außerhalb in den Funden tritt das alexandrinische Geld nicht erwähnenswert auf.
Ebenfalls, dass die Gleichsetzung Tetradrachme = Denar bzw. Drachme = Sesterz nicht zutrifft.
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Perinawa (Di 14.07.26 21:20)

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