Bodenseebrakteaten aus Heiligenberg?

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UHee
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Bodenseebrakteaten aus Heiligenberg?

Beitrag von UHee » So 20.10.02 12:41

Hallo, ich habe kürzlich gelesen, dass auch in Heiligenberg (Bodenseehinterland, nördlich von Salem) Bodenseebrakteaten geprägt worden seien. In den Beiträgen zur südd. Münzgeschichte ist davon nichts erwähnt. Weiß jemand etwas genaueres darüber? Gruß UHee.

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tournois
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Beitrag von tournois » So 20.10.02 13:31

Hallo Uli, das Einzige was ich gefunden habe war folgender Text! Entnommen habe ich diesen Text dem "Münzlexikon" von Reppa. An dieser Stelle herzlichen Dank!
Die Pfennige der Bischöfe von Konstanz, in lat. Dokumenten Constancienses genannt, wurden zum Vorbild der Bodenseebrakteaten, die deshalb auch als Konstanzer Pfennige bezeichnet wurden. Um 1200 wurden in Anlehnung an diesen Leittyp u.a. in Konstanz, Radolfzell, Lindau, Überlingen, Ravensburg, St. Gallen, Kempten, Laufenburg und Toggenburg Pfennige geprägt. Nach 1230 beteiligten sich u.a. auch die Grafen von Markdorf, Montfort, Heiligenberg und Kyburg, kleine staufische Münzstätten, Kaufbeuren, Memmingen, Biberach und Buchau sowie die Münzstätten Buchhorn, Isny, Leutkirch und sogar schon das verhältnismäßig entfernte Ulm an der Prägung der Brakteaten. Damit waren die Hohlpfennige schon weit bis in den schwäbischen Raum hinein verbreitet. Deshalb spricht man gelegentlich auch von den südschwäbischen Brakteaten.
Durch die schnelle Zunahme der Prägeorte, darunter auch viele junge Prägestätten, war es schwierig, die Qualität der Münzen zu sichern. Dies versuchte ein Münzverein unter Leitung der Bischöfe, der 1240 das Gewicht des Pfennigs auf 0,46 g und seinen Gehalt auf 0,45 g fein festlegte. Nach der Münzordnung erlebten die Bodenseebrakteaten um die Mitte des 13. Jh.s ihre Blütezeit. Es erwies sich aber langfristig als zu schwierig, die Ausprägungen der verschiedenen Münztypen zu überwachen. Der Konstanzer Bischof versuchte 1275 noch einmal das Gewicht auf 0,435 g zu stabilisieren und schuf 20 Jahre später mit genau diesem Feingehalt einen Ewigen Pfennig, der sich ca. 50 Jahre halten konnte.
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UHee
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Beitrag von UHee » So 20.10.02 14:31

Hallo tournois, genau diesen Text habe ich gelesen, als ich mal Informationen zu den Markdorfer Brakteaten im Internet gesucht habe. Zu den Markdorfer Brakteaten suche ich übrigens ich noch Informationen. UHee

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tournois
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Beitrag von tournois » So 20.10.02 14:40

Mhh, ist nicht gerade mein Spezialgebiet. Da kann ich leider auch nicht weiterhelfen...... :roll:
Ich suche aber trotzdem mal weiter!! :wink:
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Beitrag von heripo » So 20.10.02 15:51

hallo U h e e und MA-Freunde,
- wenn ein sog. "Sechsberg" mit einem aufgesetzten Krücken- Kreuz darauf, das damalige Wappen der zu den Zähringer zählenden Heiligenberger war - dann - nach Friedrich von Wielandt - ist das bekanntgewordene Münzlein: viereckiger Schrötlich, ca, 0,28 gr und das o.g. Wappen in einem Perkreis - vermutlich eine aus "Heiligenberg" stammende Prägung um 1200. Im Breisgau ( Breisach ) tauch der "Sechsberg" erst um 1400 auf. - Es kommt aber als "Prägestätte" auch St. Georg auf dem Hohentwile in Betracht ... - womit es nicht noch einfach wird;
UHEE ich werde mal raussuchen was ich habe ( aus der Zähringer-
Literatur und Dir dann was gescanntes senden - hab sogar ein Bild - nur im Moment keine Zeit ...Geb.Feier der Töchter ... hab nur schnell ne Zigarettenpause gemacht .... Gruß, heripo

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Beitrag von heripo » Mo 21.10.02 10:08

guten Morgen UHEE,
dann will ich's also nochmals versuchen, hier jpg.-Dateien einzufügen; hab mal das Münzlein und den zugehörigen Text kopier; Quelle " Der Breisgauer Pfennig und seine Münzstätten" v. Friedrich Wielandt - also jetzt versuch ich's mal hier einzufügen.:
[ externes Bild ]
[ externes Bild ]
....so - ich hoffe es klappt; falls nicht kannst Du ja die URL kopieren und bei Dir unmittelbar öffnen - ok.
Schöne Grüße auch allen anderen Lesern, heripo

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Beitrag von UHee » Mo 21.10.02 13:32

Hallo heripo, vielen Dank, das war ja mal wieder eine tolle Hilfe. Das Bild öffnet sich problemlos. Ich seh schon, ich muss mir doch so nach und nach die wichtigste Literatur beschaffen. Ich habe zwar durch die Unibibliothek Zugriff auf hervorragende Quellen, aber ich habe leider nur selten die Zeit, dort herumzuschökern. Es ist immer wieder faszinierend, wieviele offene Fragen es im Bereich der Mittelaltermünzen und speziell bei den Bodenseebrakteaten gibt. Vielen Dank nochmal, auch an tournois, Uli.

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re

Beitrag von heripo » Mo 21.10.02 16:04

hallo Uli .... und wenn man in die Jahre der Taddergreise kommt, stellt man immer wieder fest, manchmal ist das "Haben" einer Münze längst nicht so spannend, als das Suchen nach einer ... auch wenn man sie selbst gar nicht hat.... und so habe ich ein "Begleithobby" entwickelt ... virtuell gefundene Münzen gleichwohl auch sammeln ... in virtuellen "Münzschubern" und die gefundene Literatur gleich dazu mit abspeichern .... so kommt man im Laufe der Zeit an seine eigene Bibliothek .... also: dann hilf mal mit und sorg dafür daß das an Unis erarbeitete Wissen in PC-Dateien verpackt auf "den Markt" kommt ... dann kann unsereiner endlos suchen und finden .... Eines Tages werden wohl alle Bibliotheken über's Netz erreichbar sein ... hoffentlich noch vor der nächsten Eiszeit! Gruß, heripo

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Beitrag von UHee » Di 22.10.02 22:54

Ich stehe der Ansicht skeptisch gegenüber, dass die obige Münze aus Heiligenberg stammt, denn die Grafen von Heiligenberg hatten als Wappen einen schwarzen sechsfach gebrochenen Stufenschrägbalken (die Heiligenberger Stiege). Ich forsche mal weiter. UHee

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Beitrag von UHee » Di 29.10.02 23:24

Ich möchte zu der Münze mit dem Sechsberg mal die folgende Theorie vorstellen (wo bleibt eigentlich MUMDE?): Ich vermute, sie wurde von den Herren von Schwarzenberg, die einen schwarzen Sechsberg als Wappen hatten, in der Stadt Waldkirch nördlich von Freiburg im Breisgau geprägt. Sie lebten auf der Schwarzenburg bei Waldkirch, die erstmals im Jahre 1139 erwähnt wurde und insbesondere dem Schutz des Klosters St. Margarethen diente. Auch schützte sie die Silberbergwerke im Suggental, die im 12. und 13. Jahrhundert in Blüte standen. Anno 1300 verliehen die Schirmvögte Johann und Wilhelm von Schwarzenberg Waldkirch das Stadtrecht. Die Stadt Waldkirch hat heute ein Wappen, das sich aus einem Siegel aus der Zeit um 1300 ableitet:
[ externes Bild ]
Auf einem Sechsberg steht eine Kirche mit genau so einem Kreuz drauf wie auf der Münze.
Gruß UHee

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Beitrag von mumde » Mi 30.10.02 00:13

mumde schweigt. Ich habe zu den Grafen von Heiligenberg nur gefunden, daß sie Vögte des Hochstifts Konstanz waren. Über eine Münzprägung ist mir nichts bekanntgeworden. Uli Klein, der die Münzstätten der Stauferzeit zusammengestellt hat, erwähnt nichts, und auch sonst habe ich nichts gefunden.
Gruß mumde

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Beitrag von tournois » Mi 30.10.02 01:21

@uhee: Lustig Dein Avatar!! :P
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Beitrag von UHee » Mi 30.10.02 19:31

Bei der Suche nach Informationen über die Münze mit dem Sechsberg habe ich gelesen, dass die verschwundene Stadt Münster im Münstertal um 1300 herum neben Freiburg das Münzrecht hatte. Im Münstertal gab es reiche Silbervorkommen. Weiß jemand, ob aus dieser untergegangenen Stadt Münzen existieren?
Gruß UHee.

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Beitrag von mumde » Do 31.10.02 20:23

Hallo Uhee, zur Münzprägung in Münster im Münstertal habe ich folgendes Gerücht gehört: Es soll vor gar nicht langer Zeit Grabungen auf dem Gelände der ehemaligen Stadt gegeben haben, bei denen auch Münzen gefunden wurden, undzwar die Breisgauer vierzipfeligen Pfennige mit dem Elefanten, von denen man auch nie wußte, wohin man sie legen sollte. Möglich wäre, daß die Herren von Staufen das Silber des Münstertales dort zu diesen Elefanten-Pfennigen verprägten. Aber Genaueres weiß ich nicht.
Gruß mumde

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Beitrag von tournois » Fr 01.11.02 01:58

Das wird ja wirklich langsam zu einer "Man weiß nicht - man munkelt - Geschichte"!! Klasse, sowas liebe ich. Ein gutes Beispiel für den Ursprung von Märchen und Sagen.... :P
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