Gefütterte Kupfermünze???

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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quisquam
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Gefütterte Kupfermünze???

Beitrag von quisquam » Fr 23.06.06 13:38

Diese Münze scheint einen unedleren Kern zu haben, der die Kupferplattierung (?) nach oben drückt. Zumindest sieht es für mich so aus. Hat es so etwas gegeben???

Die Münze war partiell extrem verkrustet, und zwar so hart, dass man auch nach längerem Einweichen selbst mit einem Stahl-Skalpell kein Material abtragen konnte. Da ohnehin keine schöne Münze zu erwarten war möge man mir die Patina-mordende Reinigung mit verdünntem Zitronensaft verzeihen.

Es dürfte ein Lugdunum-As von Augustus sein, PONT MAX CAESAR (Altar I), mit sehr flachem Profil.
Durchmesser 22-23 mm, Gewicht ca. 7 g

Vorerst habe ich weitere Reinigungs-Experimente eingestellt. Die Versuchung ist aber groß, die Münze aufzuflexen, um ins Innere zu schauen...

Grüße, Stefan
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chinamul
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Beitrag von chinamul » Fr 23.06.06 14:43

Mir sieht es eher so aus, als habe die Münze zusammen mit einem Gegenstand aus Eisen im Boden gelegen, der die harten Ablagerungen hinterlassen hat. Der eigentliche Münzkörper scheint doch überhaupt nicht wesentlich angegriffen zu sein.

Gruß

chinamul
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Nikolausi
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Beitrag von Nikolausi » Fr 23.06.06 21:53

Hallo,
ich denke mal Chemie pur, die Münze hat als Opferanode
fungiert.
War also nicht chemisch rein, hat in der richtigen Lösung gelegen.....
das müsste mal ein Chemiker erklären...
Sammlergrüsse
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quisquam
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Beitrag von quisquam » Sa 24.06.06 11:16

Was mich an dieser Münze irritiert ist weniger die extrem harte Verkrustung, als vielmehr die nach oben gedrückten Partien. Tatsächlich ist der Münzkörper an mehreren Stellen aufgeplatzt. Anhand der Bilder ist leider nicht klar zu erkennen, was Ablagerung und was Teil der Münze ist.

Ich habe die Münze weiter traktiert und den Rand angefeilt. Ich sehe mich nun in meiner Vermutung bestärkt, dass es sich um eine kupferplattierte Münze mit andersartigem Kern handelt. Da die Münze (nicht nur im Bereich der Verkrustung!) stark magnetisch ist, dürfte sie subferrat sein. So etwas kenne ich z. B. von den alten Pfennigstücken (die übrigens nur unwesentlich stärker magnetisch sind), nicht aber von den Römern und bin doch etwas erstaunt.

Grüße, Stefan
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diwidat
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Beitrag von diwidat » So 25.06.06 14:00

Bei den Chinesen hat es zur Zeit der Römer (Wang Mang bie Ende der Han Dynastie ca. 220 n.Chr.) auch leicht magnetische Bronze Münzen gegeben.
Dass die aber über die Seidenstrasse bis an das Mittelmeer gelangt sein könnten, wäre nicht ungewöhnlich. Dass aber darauf eine Kupferplattierung angebracht worden sein soll klingt schon nach 1001 Nächte.
Also wird es sich bestimmt um etwas anderes handeln, nur Eisen erscheint mir unwahrscheinlich.

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quisquam
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Beitrag von quisquam » So 25.06.06 18:27

Der Hinweis auf magnetische chinesische Münzen ist sehr interessant. Meine Münze ist aber sicher römisch (Av: PON[---]ESAR; Rv: Altar von Lyon) und nicht nur stark magnetisch, sondern zeigt auch alle Merkmale einer Plattierung, wobei ich bislang glaubte, dass antike Bronzemünzen nicht gefüttert (plattiert) sein können.

Beim Anblick meiner zwar nicht schönen, aber interessanten Münze habe ich eigentlich keine Zweifel mehr, dass es tatsächlich gefütterte Bronzen gab!

Sollte es sich tatsächlich um einen Eisenkern handeln so verwundert, dass keine Rost-Ausblühungen vorhanden sind und der Kern nicht über die lange Zeit bereits komplett wegkorrodiert ist. Der angefeilte Kern sieht farblich identisch aus wie die ebenfalls mitangefeilte Verkrustung. Könnte sich das Eisen in das magnetische Mineral Hämatit verwandelt haben? Dies würde auch die dunkle Farbe erklären. Möglicherweise müssen ganz bestimmte Umweltbedingungen herrschen, damit solche Stücke überhaupt die lange Zeit überdauert haben, was das offenbar sehr seltene Auftreten dieser Prägungen erklären könnte.

Über die Suchfuntion im Forum habe ich folgenden Thread über magnetische Spätrömer wiederentdeckt:
http://www.numismatikforum.de/ftopic14583.html
Dort erwähnt beachcomber, er habe schon von subferraten Sesterzen gehört!

Daher nicht nur @beachcomber: wie ist der Wissenstand über derartige Prägungen?

Grüße, Stefan
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Beitrag von andi89 » So 25.06.06 18:42

Hallo!

Ja, es stimmt, es gab wohl Bronzemünzen, die mit einem Eisenkern versehen waren. In einem anderen Thread wurde das auch schon mal behandelt, auch wenn es am Anfang eigentlich um subaerate Denare ging. Bilder von Subferraten sind auch der Seite 4. Allerdings ist die Erhaltung der dort gezeigten Stücke nicht gerade so toll.
http://www.numismatikforum.de/ftopic116 ... =eisenkern

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Beitrag von quisquam » So 25.06.06 22:05

Hallo andi89,

danke für den Link! Auf die Idee, nach dem Begriff "Eisenkern" zu suchen bin ich nicht gekommen.

Grüße, Stefan
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Beitrag von Arminius » Mo 26.06.06 01:15

Ich habe auch schon einmal (in einem einzigen Fall) Eisen-Einschlüsse in einem Kupfer-As aus der Regierungszeit des Augustus beobachtet (leider keine genaueren Erinnerungen welcher Typ, ob "barbarisiert", Lugdunum oder Rom). Diese waren magnetisierbar, mit Sicherheit antikem Ursprungs, etwa 2-5 mm groß und kamen est durch die Kombination aus Abnutzung, Korrosion und Reinigungsversuchen nach 2000 Jahren zum Vorschein.
Man kann spekulieren, ob böse Absicht/Betrug oder mangelhafte Technologie die Ursache war.

A.
meine wunderbaren Zahlungsmittel-Daten

Ich werde mir durch irgendwelchen Alarmismus nicht die Freude am Sammeln verleiden lassen.

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Beitrag von quisquam » So 02.07.06 09:48

Da die Münze inzwischen vollständig von den Verkrustungen befreit ist stelle ich nun aktuelle Bilder ein. Ich bin immer noch in der Hoffnung von der Existenz weiterer vergleichbarer Stücke über die oberösterreichischen Exemplare von kollman hinaus bzw. generell mehr über subferrate Römer zu erfahren.

Ich bin für jeden Hinweis dankbar.

Grüße, Stefan
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