Antike Goldmünze zu bestimmen

Asiaten und was sonst noch der Antike zuzuordnen ist

Moderator: Numis-Student

Tobiboy
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Antike Goldmünze zu bestimmen

Beitrag von Tobiboy » Do 17.05.07 17:52

Hallo,
Ich hab diese Goldmünze vor einiger Zeit gekauft (siehe Bild). Ich hab dafür keine Bestimmung und kann sie auch nicht bestimmen. Kann mir jemand diese Münze bestimmen??? Danke im Vorraus!!!

Durchmesser: 8mm, Gewicht: unter 1 Gramm

mfg Tobi

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Dietemann
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Beitrag von Dietemann » Do 17.05.07 19:12

Wo kauft man denn so schöne Stücke?

Ich würde mangels genauerer Literatur auf eine keltische Münze tippen.

missmarple
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Beitrag von missmarple » Do 17.05.07 19:42

Hallo Tobi,
das ist ein indischer Goldfanam, diese Stücke werden oft irrtümlich (?) als keltische Münzen angeboten.
freundliche Grüsse aus Wien
Miss Marple
sapere aude

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Afrasi
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Beitrag von Afrasi » Do 17.05.07 19:45

Hallo! Das ist ein Gold-Fanam aus Südindien, eventuell aus Tuticorin (Niederländisch Indien). Da gibt es aber viele recht ähnliche ...
Tschüß, Afrasi
Ich könnte mich über Vieles aufregen, aber zum Glück bin ich nicht verpflichtet dazu. :-)

Tobiboy
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Beitrag von Tobiboy » Do 17.05.07 20:37

Ich hab diese Münze für 6 Euro über ebay ersteigert. Kann mir diese Münze auch jemand genau bestimmen? Ich weiß nur, dass es ein Goldfanam ist und ca. aus dem 17 Jh. kommt.

saharafuchs
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Beitrag von saharafuchs » Sa 19.05.07 10:51

Bestimmung lautet:
: Nayakas of Chitradurga
Year : 1562 AD or later
Unit : Gold Fanam, 8 mm, 0.38 gm
Obverse : More realistic lean shardula to right
Reverse : Inverted boar, legend "Pra" below
Reference : MCSI1 884

Dieser ist soger echt! und besteht aus gutem soliden Gold
Es werden aber massig falsche Stücke bei Ebay angeboten.
Onlinekatalog hier:
http://www.forumancientcoins.com/india/ ... acat3.html

Wert allgemein 25-bis 30 Euro, zB in USA. Nur hier bei uns herrscht ein totales Überangebot. Und halt Unsicherheit,weil zu viele Imitationen angeboten werden. Die Imitationen haben keine Stauchspuren und sind sehr glatt und glänzend geprägt. Man könnte meinen, sie seíen frisch lackiert.Manchmal sind es auch kupferüberzogene Fälschungen, mit einer dickeren Goldschicht, so daß es nicht auffält.
Merke: Gold-Fanams sind selten absolut rund, und hundertprozentig zentriert. Man findet immer iregdnwelche Spuren des Prägeschlages.
Die meisten Imitationen werden von einem Verkäufer aus Österreich angeboten, der sehr oft seinen Ebay-Namen wechselt.

Die indische Regierung soll 1987 mal einige hunderttausend Fanams aus echtem 700er Gold zur Herstellung als deteailgetreue Touristenreplikate in Auftrag gegeben haben. Diese wurden tatsächlich hergestellt, aber auf dem Weg nach Dehli aus dem Zug gestohlen.
Seitdem sind sie verschollen. Man nimmt an, daß sie nach Singapur gegangen sind und von dort aus auf die Welt als Originale verteilt wurden.
Gottseidank wurde nur eine Sorte nachgeprägt, so daß man selber aufpassen kann, was man kauft.

Nämlich solche hier:
Rajas of Cochin
Year : Pre 1663
Unit : Gold Fanam, 8 mm, 0.38 gm
Obverse : Stylized lean shardula to right
Reverse : Stylished boar with elongated ears
Reference : Ganesh Girijapathi S-1 type


Die älteren und die ganz antiken Goldfanams sind tatsächlich fast identisch mit keltischen Goldmünzen, so auch viele Silberstücke.
Die Sache ist sehr einfach zu erklären. das Indische Reich im Altertum war riesig und schon einige tausend Jahre eher entwickelt wie unsere Kultur. Man nimmt an, daß das Indische Reich bis zum Balkan angrenzte und zahlreiche Ausfälle der Indogermanischen Stämme von dort aus bis in unserere Gebiete reichten. Und viele von ihnen sind bei uns geblieben.
Und da hat man von unserer Seite aus nicht nur die Schriftzeichen ( Runen ) übernommen, sondern auch das erste vorhandene Geld. Und es später halt kopiert. Und dann später sind viele von uns als Söldner mit Alexander nach Indien gezogen , haben unser griechisches und römisches Geld dort eingeschleppt. Und in den besetzten Gebieten wurde dieses dann widerum benutzt und kopiert. Und so entstanden die Münzen der Indogriechen, Indorömer, Indoparther,Indoskythen, Indosasaniden usw..

Tobiboy
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Beitrag von Tobiboy » Mo 28.05.07 12:18

Vielen Dank für die gute Bestimmung!!!
Aber ob mein Fanam wirklich echt ist... ich hab diese Münze nämlich in Österreich gekauft.

saharafuchs
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Beitrag von saharafuchs » Mo 28.05.07 19:29

Ja klar. Er hat Stauchspuren und gehört nicht zu denen, die als nachprägung bekannt sind. Also keine Sorge :-)

vMadai
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Beitrag von vMadai » Mo 28.05.07 21:38

Lieber Saharafuchs!

Was meinst du eigentlich genau mit deiner historischen Erklärung? Soetwas ähnliches habe ich schon mal bei einem rührigen eBay-Händler gelesen, kann dieses indische Großreich aber nirgends in meine historischen Kenntnisse einsortieren. Und wer ist "man nimmt an"? Kannst du das etwas detaillierter erklären?

Schönen Abend wünscht
vMadai

saharafuchs
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Beitrag von saharafuchs » Mo 28.05.07 22:28


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Beitrag von Pscipio » Mo 28.05.07 22:32

edit
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saharafuchs
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Beitrag von saharafuchs » Mo 28.05.07 22:34

Wurzeln der europäischen Kultur: Die Indogermanen

Der Begriff indogermanisch wurde erstmalig 1810 von dem französische Forscher Malte-Brun verwendete um damit Sprachfamilien zu kategorisieren. Überhaupt beziehen werden fast alle Schlüsse über die Ursrpünge aufgrund von sprachlichen Ähnlichkeiten gezogen. Deutliche Anzeichen gibt es dafür, dass die europäische Kultur im wesentlichen aus Indien stammt. Dabei ist nicht klar inwieweit lediglich die indische Kultur oder aber auch grosse Teile der indischen Bevölkerung ihrern Weg nach Europa fanden.
Sicher weiss man, dass die Sinti und Roma in Europa direkte Nachfahren nomadisch lebender Bevölkerungsgruppen aus Nordindien sind, diese sind allerdings "erst" vor ungefähr tausend Jahren in Europa angekommen. Indische Traditionen und Symbolik sind bei den Sinti und Roma unmittelbar erkennbar. Leider wurde die Sinti und Roma zur Zeit des Nationalsozialismus rigioros verfolgt, dabei wurden vermutlich über 80% der in Europa lebenden Sinti ermordet. Die Ursachen für den Massenmord an Sinti und Roma ist derweil unklar, die Antiziganismusforschung ist im Gegensatz zum Antisemitismus nicht nur mangelhaft untersucht sondern leider noch immer weit verbreitet. Während mansich in anderen Ländern ernsthaft um Integration bemüht [2],[3],[4 stösst man in Deutschland hier immer wieder auf taube Ohren.
Der wesentliche grössere Teil der europäischen Bevölkerung hält sich jedoch schon wesentlich länger in Europa auf. Als sehr wahrscheinlich gilt heute zwei Annahmen die "Out-of-Iran" Theorie wonach es eine indoarische Kultur gab welche bis 4.000 Jahre im Iran (Persien) und in den Steppen nördlich des schwazen Meeres gelebt hat. 2.000 vor Christus gelangte sie an die Küste des Schwarzen Meeres und breitete sich von dortaus in ganz Europa aus. Zumindest dieser letzte Schritt wird auch durch archäologischen Funde belegt.

Zur Sprach- und Geschichtstheorie aus indischer Perspektive
In der heute in Europa üblichen Taxonomie der Linguisten werden häufig die dravidischen Sprachen als eigene Sprachfamilie abgegrenzt. Diese Abgrenzung ist allerdings äussert wage fundiert und wird unglücklicherweise auch gerne von tamilischen Separatisten verwendet. Da die meisten Muttersprachler dravidischer Sprachen zumeist schon über tausend Jahre zweisprachig mit nordindischen Sprachen leben wundert wäre die Theorie einer eigenständigen südindischen Sprachfamilie auch nur sehr schwer zu beweisen. Insbesondere Robert Caldwell legt in seiner Studie der südindische Sprache die Vermutung nahe, dass sich der Ausdruck "Dravidisch" von einem "Sanskrit dravida" (Südsanskrit) ableitet, was die Existenz zweier verschiedener indischer Sprachfamilien widerlegen würde.
Zumindest für den heutigen Status kann wohl gesagt werden, dass die indischen Sprachen in sich sehr viel homogener sind als im Vergleich zu den europäischen. Insbesondere sind die meisten indischen Sprachen noch heute stark flektierend und kennen alle sieben Fälle (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Lokativ, Ablativ, Vokativ). Tatsächlich ist beispielsweise die einzige europäische Sprache welche den Ablativ [6] noch kennt das Lateinische. Der Lokativ findet sich vor allem noch im Russischen [7]. Am wenigstend flektierend ist hingegen die allseits bekannte englische Sprache.

Mittlerweile häufen mehren sich auch Fakten, dass die antiken nordindischen Sprachen direkt von den dravidischen Sprachen abstammen. Archäologische Funde geben an, dass in Indien bereits 200.000 vor Christus eine relativ fortgeschrittene Stadtkultur (Harappa-Kultur) bestand. Vermutet wird daher, dass die Harappa-Zivilisation wohl die erste war, welcher es gelang eine Städteplanung zu entwickeln (Zum Vergleich: Die ägyptischen Pyramiden entstanden 5.000 vor Christus). Es dürfte daher nicht verwunderlich sein, dass ein sehr grosser Teil der menschlichen Zivilisation vor hundertausenden von Jahren im Industal entstand.

[1] http://www.antiziganismus.de
[2] http://www.radio.cz/de/artikel/79355 Gegen das Vergessen: Ausstellung zum Roma-Holocaust
[3] http://www.radio.cz/de/artikel/54736 Roma-Kultur: Familientradition als Problem?
[4] http://www.radio.cz/de/artikel/54382 Roma: Kultur als Nachteil?
[5] http://www.bpb.de/publikationen/ALU618, ... klung.html Informationen zur politischen Bildung (Heft 257) - Geschichtliche Entwicklung Joachim Betz
[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Ablativ
[7] http://de.wikipedia.org/wiki/Lokativ

Kategorie: europäische geschichte Europa Indien Indogermanen Indoeuropäer Arier

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Beitrag von Pscipio » Mo 28.05.07 22:38

Bei den Indogermanen (besser: Indoeuropäer) handelt es sich nicht um politisches Gebilde, sondern um eine Sprachgruppe - keineswegs lässt sich von einem "indischen Reich" sprechen.

Das erste Geld der Welt taucht erst ca. 650-600 v. Chr. im heutigen westlichen Kleinasien auf, zu einer Zeit, als die Indoeuropäer schon lange in Europa angekommen waren. Runen hingegen tauchen sogar erst ab dem 2. nachchristlichen Jahrhundert in Nordeuropa auf, so dass ich auch hier keinen Zusammenhang mit den indoeuropäischen Wanderungen erkennen kann.

Aber natürlich sind wir alle Indoeuropäer - es sei denn, wir hätten Basken, Finnen oder Ungarn unter uns :wink:

Gruss, Pscipio
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Beitrag von Pscipio » Mo 28.05.07 22:57

saharafuchs hat geschrieben:Archäologische Funde geben an, dass in Indien bereits 200.000 vor Christus eine relativ fortgeschrittene Stadtkultur (Harappa-Kultur) bestand. Vermutet wird daher, dass die Harappa-Zivilisation wohl die erste war, welcher es gelang eine Städteplanung zu entwickeln (Zum Vergleich: Die ägyptischen Pyramiden entstanden 5.000 vor Christus). Es dürfte daher nicht verwunderlich sein, dass ein sehr grosser Teil der menschlichen Zivilisation vor hundertausenden von Jahren im Industal entstand.
Das ist leider Humbug. Die Harappa-Kultur wird aufs 3. und 2. Jahrtausend v. Chr. datiert. Die ersten ägyptischen Pyramiden entstanden um 2650 v. Chr.
Nata vimpi curmi da.

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Beitrag von Chippi » Di 29.05.07 19:43

Liegen die ältesten Städte nicht in Anatolien - Catal Hüyük, etwa 9000 Jahre.

Gruß Chippi
Wurzel hat geschrieben:@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)
Münz-Goofy hat geschrieben: Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.

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