Der griechische Schaukasten

Griechische Münzen des Altertums

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Pscipio
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Beitrag von Pscipio » Do 17.04.08 13:43

Sowieso sind diese makedonischen und thrakischen AE-Prägungen sehr spannend - es müssen nicht immer nur Tetradrachmen sein (böse Zungen würden jetzt behaupten, das sage ich nur, weil ich mit die Silberstücke nicht leisten kann :twisted: ).

Hier zwei neue Philipp II. Bronzen, beide Stücke habe ich in Wien bei Freunden gekauft. Ich gebe zu, wenn der Stil und die Patina stimmen, dann liebe ich diese Münzen, egal wie häufig sie auch sein mögen.

1. 16-17 mm, 6.25 g
2. 19-20 mm, 5.29 g

Interessant, wie die beiden Stücke zwar vom Typ her fast gleich sind, sich aber vom Stil, der Patina und der Machart völlig unterscheiden. Wie ihr richtig vermutet, ist das zweite Stück postum geprägt.

Pscipio
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gorostiza
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Beitrag von gorostiza » Do 17.04.08 16:03

Bei der zweiten Münze könnte sich um Nominale handeln, die von Philippos IV. herausgegeben wurden! So habe ich jedenfalls meine beiden Münzen bestimmt. Ich stelle sie hier vor:

Bild Nr. 1988
Makedonien, Königreich, Philippos IV., 297-296, also nur ein Jahr Regierungszeit!
AE-19 mm, 5.03 gr.
AV: Kopf des Apollon mit Taenie nach rechts, im Perlenkreis
RV: Nackter jugentlicher Reiter nach rechts, BASILEWS / FILIPPOY, über dem Pferd Doppelaxt, unter dem Pferd Monogramm

Dieses Exemplar ist aus der Sammlung Klein, München, also ist die Bestimmung sicher durch Herrn Wenninger kontrolliert worden, er hat ja den Katalog der Sammlung Klein kritisch durchgesehen.

Bild Nr. 1669
Makedonien, Königreich, Philippos IV., 297-296 v. Chr.
AE-18 mm, 4.86 gr.
AV: Kopf des Apollon mit Taenie nach rechts, im Perlenkreis
RV: Nackter jugentlicher Reiter nach rechts, BASILEWS / FILIPPOY, ohne Doppelaxt, unter dem Pferd anderes Monogramm

So scheint es mir, dass Deine zweite Münze sicher nicht von Philippos II. ist. Vielleicht kannst Du Deine Bestimmung nochmals kritisch überprüfen.

Leider sind die Bilder nicht allzu gut, die Münzen weisen eine tiefschwarze Patina auf, was das Fotografieren wesentlich erschwert. Die resultate sind dann halt nicht besonders gelungen!

Viele Grüsse
Roland
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gorostiza
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Beitrag von gorostiza » Do 17.04.08 16:07

Übrigens sind die Münzen von Philippos IV. sehr viel seltener als die von Philippos II.
Es scheint, dass auf Deiner zweiten Münze auch eine Doppelaxt über der Kuppe des Pferdes zu sehen ist. Das Monogramm unter dem Pferd könnte mit meiner zweiten Münze übereinstimmen.

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Beitrag von gorostiza » Do 17.04.08 16:23

Was die Sache noch spannend macht ist der Fakt, dass der makedonische König Alexander V. fast identische Münzen schlagen liess.

Bild Nr. 1998
Makedonien, Königreich, Alexander V., 297-294 v. Chr.
AE-19 mm, 4.50 gr.
AV: Kopf des Apollon mit Taenie nach rechts, im Perlenkreis
RV: Nackter jugentlicher Reiter nach rechts, BASILEWS / FILIPPOY, über dem Pferd Doppelaxt und Monogramm, unter dem Pferd Monogramm

Diese Münzen von Alexander V. sind auch gar nicht so häufig. In meiner Sammlung stecken allerdings 5 sehr schöne Exemplare, alle von einem relativ neuzeitlichen Fund und sind ungefähr in der gleichen vorzüglichen Erhaltung.

Viele Grüsse
Roland
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Beitrag von Pscipio » Fr 18.04.08 14:29

Lieber Roland,

du hast recht, da war ich zu ungenau! Die Münze scheint tatsächlich Philipp IV. zugeordnet zu werden. Na, mich solls nicht stören!

Lars
Nata vimpi curmi da.

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Beitrag von helcaraxe » Fr 09.05.08 21:43

Auch wenn Pscipio schon ein solches Stück hier in diesem Thread auf einer der weiter oben liegenden Seiten eingestellt habe, nehme ich mir die Freiheit nun auch mein heute erworbenes Stück vorzustellen, zumal ich eine solche Münze schon immer mal haben wollte!

Da Lars bereits alles Wesentliche zu diesem Stück geschrieben hat, erspare ich mir hier an diese Stelle weitere Kommentare und lasse einfach mal das Bild wirken... ;-)
Viele Grüße
helcaraxe
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Beitrag von taurisker » So 25.05.08 20:56

Hallo Griechenfreunde,

dieses feine Silber ist mir kürzlich zugerollt:

Thrakien Istros Drachme 4. Jhd. vuZ. 6,13g
Av. zwei Köpfe v. v. gegeneinander versetzt
Rv. Seeadler auf Delphin links ISTRIH darunter Monogramm

Die beiden Köpfe auf dem Avers sind unterschiedlich gedeutet worden: als Köpfe der Dioskuren, als Sonnenaufgang und Sonnenuntergang oder als personifizierter Wind. Hind (Istrian faces and the river Danube, in: NC 1970, S. 16 f.) deutet die beiden Köpfe als eine Darstellung des Flussgottes Istros (= Donau), da in der Antike teilweise von zwei Mündungen des Istros, nämlich ins Schwarze Meer und in die Adriatische See ausgegangen wurde.

Salü
taurisker
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missmarple
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Beitrag von missmarple » So 01.06.08 10:12

@taurisker: attraktives Stück, beneide Dich - die meinige solche ist leider in einem beklagenswerten Zustand, Adler und Delphin sind kaum zu unterscheiden...

Nun möchte ich aber auch ein Exemplar für den Schaukasten zur Verfügung stellen, keine absolute Rarität, aber hier noch nicht gezeigt:
Thrakien Apollonia Pontica
Diobol 1,30g
Apollo
Anker, im Feld Krebs, A
wenn ich nicht irre SNG BM 167
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Apollonia_anchor.jpg
Apollonia_apoll.jpg
sapere aude

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Beitrag von missmarple » So 01.06.08 10:27

Hier eine weitere kleine Schönheit:
Karien Knidos 390-300 vuZ
AR Diobol 1,34g
Aphrodite/ Stierkopf, Magistratsname
SNG HEL 187
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Knidos_Bull.jpg
Knidos_Aphr.jpg

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Beitrag von Homer J. Simpson » Sa 07.06.08 20:26

Sehr hübsch! Die Münzen von Knidos sind ein interessantes Sammelgebiet, in dem man Aphrodite schön durch die Stile - von der rohen Archaik des späten 6.Jh. über wunderbare hochklassische Stücke bis in den Hellenismus verfolgen kann. Hier ein ganz frühes Stück, eine archaische Hemidrachme, die ich letztes Jahr auf Ebay bei Lanz gekauft habe. Das Ungewöhnliche ist, daß zu archaischer Zeit eigentlich Diobole zu 2 Gramm und Drachmen zu 6 Gramm geprägt wurden, während dies hier mit 2,88 Gramm eine Hemidrachme sein muß.

Homer
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Beitrag von pixxer » Do 26.06.08 10:22

Hallo Griechenfreunde!

Nachdem es in letzter Zeit ziemlich ruhig in diesem Thread war, möchte ich ihm heute wieder ein bißchen Leben einhauchen.

Folgendes Stück ist eine meiner absoluten Traummünzen und endlich ist es mir gelungen, ein Exemplar zu ergattern. Es ist sowohl mein erster "Grieche" als auch mein erster Alexandriner, meine älteste, größte und schwerste Münze. :D Zudem hat sie eine wunderschöne Patina, die die Konturen wunderbar betont. Heute mit der Post gekommen:

PTOLEMAIOS III. EUERGETES (246 - 221 v. Chr.)
Alexandria, 246-221 v.Chr

Gewicht: 71,2g
Durchmesser: 42mm

VS: Kopf des Zeus Ammon mit Diadem nach rechts
RS: PTOLEMAIOY BASILEWS, Adler mit geschlossenen Schwingen auf Blitzbündel nach links, links im Feld Füllhorn, Monogramm "ZE" zwischen den Beinen, Perlkreis

Nachdem es mein erster Ptolemäer ist und ich leider keine Literatur zu diesem Thema besitze, habe ich noch ein paar Fragen an die Spezialisten.
1. Stimmt der Prägezeitraum? Irgendwo habe ich gelesen, dass Ptolemaios III Euergetes selbst keine solche Münzen prägen ließ. Wäre sie demnach unter seinem Nachfolger geprägt worden?
2. Ich habe diese Stücke zwar bei Wildwinds und Coinarchives gefunden, aber immer mit einem anderen Monogramm zwischen den Adlerbeinen, meist ein XP. Weiß jemand was mein ZE bedeutet und warum es seltener (bzw. gar nicht) zu finden ist?
3. Wie unterscheidet man die einzelnen Herrscher? Vorderseite ist ja meist Zeus drauf, also rein am Rückseitenmotiv?

Danke für eure Mühen und es würde mich freuen, wenn ihr auch mal eure Ptolemäer herzeigen würdet (bin gerade ziemlich auf den Geschmack gekommen :wink: )!!

LG Pixxer
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Beitrag von Oktavenspringer » Do 26.06.08 13:11

Hallo pixxer,

Wie gewünscht hier mein Ptolemäer. Ich habe ihn zwar schon mal bei den Alexandrienern vorgestellt, aber damals waren meine Bilder noch nicht so besonders.

PTOLEMAIOS IV. PHILOPATOR, König von Ägypten 221 - 204 v. Chr.
Bronze AE 40 mit 46,37 g
Vs: Kopf des Zeus Ammon mit Widdergehörn und Taenie nach rechts, im Perlenkreis / ss / etwas dezentriert
Rs: ΠTOΛЄΜAΙOY - ΒAΣΙΛЄΩΣ, Adler steht nach links auf Blitzbündel, Kopf nach rechts gewendet und hält Füllhorn mit langen Bändern, zwischen den Beinen des Adlers Beizeichen E (?), im Perlenkreis,
Erhaltung: gutes sehr schön, zentriert
SNG Copenhagen 224 - 229

Freundliche Grüße
OS :wink:
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Ptolemaios IV. Philopator.jpg

taurisker
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Beitrag von taurisker » Do 26.06.08 13:29

pixxer hat geschrieben: ... (bin gerade ziemlich auf den Geschmack gekommen )
... was mich angesichts dieses beeindruckenden Exemplares überhaupt gar nicht wundert :-)
Eindrucksvolles Zeusportrait, tolle Münze, gratuliere!
Salü
taurisker

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harald
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Beitrag von harald » Do 26.06.08 13:45

Ein interessanter Aspekt ist, daß im nördlichen Niederösterreich und in Mähren auf keltischen Siedlungsstellen der Boier, einige weitgereiste Exemplare dieser Münzen schon nachgewiesen wurden.

Die Fundstellen befinden sich an der Bernsteinstraße.

Ein Nachweis für die weitreichenden Kontakte der keltischen Bevölkerung in der zweiten Hälfte des 3.Jh.v.Chr.

Grüße
Harald

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pixxer
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Beitrag von pixxer » Do 26.06.08 17:11

Hallo Oktavenspringer!

Sehr hübsches Stück! Hab ich schon im Alexandriner-Thread bewundert und mich gefragt, wie wohl die Original-Farbe aussehen mag. :wink:

@Taurisker: Danke Herfried! Das Portrait ist schon toll, die Rückseite fasziniert mich allerdings noch fast etwas mehr. Wenn man die Münze in der Hand hat kommt der Adler extrem dreidimensional rüber. Dazu die Farbe der Patina.... dieses Stück musste ich einfach haben. 8)

@Harald: Sehr interessant. Aber nachdem ja auch schon Asterix bei Kleopatra war wundert es mich gar nicht so... :wink:

Lg Pixxer

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