Der griechische Schaukasten

Griechische Münzen des Altertums

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taurisker
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Beitrag von taurisker » Mi 24.10.07 19:02

... ein feiner Obol ist das! :-)
Fündig beim Kopenhagen bin ich ebenfalls nur beim Triobol geworden: SNG Cop 365
Das kommt im Stil und in der Datierung Deinem Di(?)obol sehr sehr nahe, siehe auch hier: http://www.coinarchives.com/a/lotviewer ... 79&Lot=115
Vielleicht finde ich den Winzling noch wo in meinen Unterlagen.
Salü einstweilen

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Pscipio
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Beitrag von Pscipio » Mi 24.10.07 19:06

@helcaraxe: im Zweifelsfalle würde ich Dr. Voegtli und BCD mehr vertrauen als dem doch schon recht betagten SNG Kopenhagen!
Nata vimpi curmi da.

taurisker
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Beitrag von taurisker » Do 01.11.07 16:23

Hallo Griechen,
den folgenden Stater habe ich vor kurzem ergattern können:

Tarsos Kilikien, Satrap Mazaios 361-334
Av. Baal Tarsos auf Thron, hält Adler Kornähre und Weintrauben in der Rechten, Zepter in der Linken, im Feld rechts aramäische Legende
Rv. Löwe reisst Stier, im Feld darüber aramäische Legende
23,7mm 10,76g Sear Bd. II 5650var

Salü
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gorostiza
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Beitrag von gorostiza » Fr 02.11.07 19:55

Eine Münze aus der BCD-Sammlung hat sich in meine Sammlung verirrt! Das kann man fast wörtlich interprätieren, ist diese Münze doch so selten, dass bis jetzt nur zwei Stück bekannt sind. BCD hat in den letzten 40 Jahren nur deren zwei Exemplare gefunden. Obwohl die Münze stark verbraucht ist, entbehrt ihr nicht ein gewisses Etwas, mich faszinierte dieser imposante Flussgott Achloos. Diese Gott hatte in der Mythologie der Einwohner von Akarnanien einen sehr hohen Stellenwert. Er ist nach dem Hauptfluss von Akarnanien benannt. Die Münze gehört zu den frühesten Prägungen von Akarnanien.

Akarnanien, Bundesprägung, Münzstätte Stratos, 420-400 v. Chr.
AR-Hemidrachmon 15 mm, 1.77 gr.
AV: Menschengesichtiger, bärtiger Kopf eines Stieres en face, leicht nach links gewendet
RV: Kopf der Nymphe Kallirhoe mit Perlband im kurzen Haar en face, im Feld [A - K]

Kallirhoe war die Tochter des Flussgottes Acheloos
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Beitrag von gorostiza » Fr 02.11.07 19:58

Taurisker,

wunderschöner Stater - gratuliere. Ich liebe diese Münze ganz besonders, ein absolutes Kunstwerk des Stempelschneiders! Du hast eine sehr glückliche Hand beim Aquirieren von Prachtsmünzen! Weiter so - es ist ein Genuss.

Guss
Roland

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Beitrag von gorostiza » Fr 02.11.07 20:27

Nachtrag zu Acheloos. Das Hemidrachmon ist die Nr. 9 aus der Auktion M+M 23 (Coll. BCD), versteigert am 18. Oktober 2007

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Homer J. Simpson
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Beitrag von Homer J. Simpson » Fr 02.11.07 22:36

Das Hemidrachmon ist klasse; das strahlt eine archaische Wucht aus, auch wenn die Zeit des eigentlichen archaischen Stils vorbei war - in solch abgelegenen Gegenden hielt sich der Geist etwas länger, denke ich.

Homer
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Beitrag von gorostiza » Sa 03.11.07 09:04

Auch dieses eindrückliche Gepräge stammt aus der Auktion M+M 23/BCD, aus dem Lot Nr. 39. BCD hat in den letzten 40 Jahren den ganzen Markt der akarnanischen Münzen leergekauft. Ich habe noch nie eine solche Münze auf einer Börse oder bei einem Händler gesehen. Auch in Auktionskatalogen sind mir solche Münzen mit dem Flussgott Acheloos nicht begegnet. Mir gefallen diese Münzen mit dem Kopf des Acheloos sehr gut, ein ganz spezieller Stil.
Wahrscheinlich blieben diese Münzen endlos lange im Umlauf, BCD schreibt, dass man kaum ein Stück in wirklich schöner Erhaltung findet. In seiner Sammlung steckten auch nur stark benutzte Bronzemünzen von diesem Typus!!

Akarnania, Leukas, 3. Jahrh. v. Chr.
AE-22 mm, 5.69 gr.

AV: Kopf des bartlosen Herakles im Löwenfell nach rechts, darunter Monogramm für Akarnanien, im Perlenkreis
RV:M menschengesichtiger, bärtiger Stierkopf des Flussgottes Acheloos nach rechts, links im Feld Monogramm für Akarnanien, darüber Dreizack, im Linienkreis
Literatur:
vgl. BMC 169.19;
Imhof-Blumer, Die Münzen Akarnaniens, NZ 10 (1878), Seiten 1-180;
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Homer J. Simpson
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Beitrag von Homer J. Simpson » Sa 03.11.07 15:40

Sehr hübsch! Und die ist doch gar nicht schlecht erhalten!
Das Phänomen gab es wohl in abgelegenen Gegenden, daß die Münzen ewig und drei Tage in einem kleinen Gebiet umliefen. Ich habe mal eine Silbermünze erworben, die ich mit Hilfe der Freunde vom Forum als Hemidrachme aus Olympia bestimmen konnte, die zu einem Exemplar der Sammlung BCD (Nr.117) stempelgleich ist. BCD datiert diese Serie ins Jahr 368 v.Chr. und schreibt hierzu (im Kommentar zu Nr.116):
"Die Tatsache, daß alle diese Münzen aus dem frühen 3.Jh. (sic, Fehler, er muß 4.Jh. meinen) stark abgegriffen sind, zeigt, wie lange sie umliefen. Die meisten erhaltenen Stücke kommen wahrscheinlich aus Hortfunden, die im 2.Jh. vergraben wurden."
Das heißt, die konnten zweihundert Jahre umlaufen! Und wenn man sieht, wie durchschnittliche viktorianische Pennies nach hundert Jahren Umlauf aussehen, können wir noch froh sein, die Münzen so zu haben.

Homer
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Beitrag von gorostiza » Sa 03.11.07 16:20

Eine sehr interessante Münze! Aus welchem BCD-Katalog zitierst Du die Nummern 116 + 117?

Ich könnte mir vorstellen, dass gerade in nicht so reichen Gegenden Münzen länger im Umlauf waren als in von Reichtümern (Bodenschätze, einträgliche Agrarwirtschaft usw.) bevorteilten Gebieten. Gute Stempelschneider kosteten damals schon viel Geld und somit war die Herstellung der Münzen teuer. Die Stempel nützten sich schnell ab und mussten dauernd nachgeschnitten oder neu gearbeitet werden. Bei den grossen Silbermünzen (Stater, Tetradrachmen) und selbstverständlich Goldmünzen liefen nicht so intensiv um, sie waren eher Münzen, die für die Geldanlage geeignet waren. Deshalb ist es viel schwieriger Bronze- und Kleinsilbermünzen in ansehnicher Erhaltung auf dem Markt zu finden als Gold- und die grossen Silberwährungen.

Goro

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Homer J. Simpson
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Beitrag von Homer J. Simpson » Sa 03.11.07 16:51

Hallo gorostiza,

die Zitate sind aus dem Katalog Leu 90 vom Mai 2004, "Coins of Olympia - The BCD Collection".

Viele Grüße,

Homer
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Beitrag von gorostiza » So 04.11.07 08:14

Normalerweise sind vor allem die Fraktionen der Stater und die Bronzen durch den intensiven Umlauf abgegriffen und sind verbraucht. In diesen Provincen, die BCD intensiv besammelt hat, sind auch die hohen Nominale stark gebraucht.

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Beitrag von gorostiza » So 04.11.07 08:31

Für mich das highlight aus der BCD-Sammlung ist dieser Stater aus Thyrreion, Provinz Akarnania, den ich bei der M+M Auktion 23 ersteigern konnte (herzlichen Dank Piotr für Deinen grossartigen Einsatz). Ein nicht alltägliches Stück von feinstem Stil und Vollendung. Ein Bijou, das in meiner Sammlung einen besonderen Platz einnehmen wird. Ich bin überglücklich, dass ich die Münze zu einem einigermassen vernünftigen Preis erhalten habe.

Akarnania, Thyrreion, 168-160 v. Chr.
AR-Stater 25 mm, 9.78 gr.

AV: MENANDRWS, Menschengesichtiger Stierkopf nach rechts, den Flussgott Acheloos darstellend, im Perlenkreis.
RV: THYRREIWN, Apollon Aktios sitzt mit gespanntem Bogen nach links auf einem volutenverzierten Steinthron, links im Feld Monogramm

M+M-Auktion 23, Lot Nr. 389
Imhof-Blumer , 175, 22

Gruss
Roland
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Papinian
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Beitrag von Papinian » So 04.11.07 10:21

Lieber Roland,

Wunderbare Stücke!
Durfte sie in den Händen halten und freue mich nun sehr sie erneut, diesmal in digitaler Form, wiederzusehen.
Das Hemidrachmon ist außergewöhnlich. Nicht sonderlich reich an Details, dennoch eine Faszination ausübend, der man sich kaum entziehen kann.
Herzlichst,
Papinian

"Das Leben ist kurz, aber man hat immer Zeit für Höflichkeit" - Ralph Waldo Emerson

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Beitrag von gorostiza » So 04.11.07 12:51

Ja lieber Papinian, es ist die helle Freude, diesen Stater in den Handen zu betrachten. Ich bin Dir immer dankbar, dass Du das Teil für mich aus der Auktion gefischt hast!.
Das Hemidrachmon besticht ja gerade durch diese Einfachheit und die Reduktion auf das Wesentliche!!

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