Einkerbungen / Kerben am Rand von Mittelaltermünzen

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bernima
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Einkerbungen / Kerben am Rand von Mittelaltermünzen

Beitrag von bernima » Fr 07.12.07 08:41

Hallo,

Ein mir bekannter Sammler stellt die Frage für was bzw. warum am Rand der mittelalterlichen Münzen einkerbungen sind.
Am Scan / Bild sicher besser zu erkennen was gemeint ist.
wer hat eine Idee dazu ?

mfg. bernima
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Chippi
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Beitrag von Chippi » Fr 07.12.07 10:08

Randeinkerbungen und Inschriften kenne ich nur zur Verhinderung des Abfeilens von Silber.

Gruß Chippi
Wurzel hat geschrieben:@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)
Münz-Goofy hat geschrieben: Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.

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Toltec
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Beitrag von Toltec » Fr 07.12.07 10:30

Hallo bernima,
hierüber hat man sich auch schon bei den Sachsenpfennigen gedanken gemacht.
http://www.sachsenpfennig.de/randbildung.html
Gruß
toltec
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bernima
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Beitrag von bernima » Mo 10.12.07 18:34

Hallo,

Auf Anfrage bei und mit freundlicher Erlaubniss von Prof. Dr. Hubert Emmerig hier ein Auszug des Aufsatzes:

Ulrich Zwicker / Hubert Emmerig : Untersuchungen zur Herstellung und Legierungszusammensetzung von Regensburger und anderen süddeutschen Pfennigen des 12. bis 15. Jahrhunderts, in : Numismatische Zeitschrift 108 -109 ( Karl Schulz- Gedächtnissschrift ), Wien 2001, S.151 - 199.
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heripo
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Beitrag von heripo » Mo 10.12.07 18:59

@ Danke berni - interessant! Jetzt sammle ich schon 20 J. MA, aber davon hab ich noch nie was gehört und hatte es selbst auch nie bemerkt bzw. beachtet.
Drum frage ich mich: wenn diese Riffelungen zum Schutze vor Randabschneidern "angebracht" worden waren, dann müsste doch diese Riffelung bekannt gewesen sein und jeder hätte praktisch seine Münzen genau anschauen müssen.
Und ... angenommen es fehlte die Riffelung an einer Stelle, wäre es denn nicht ein leichtes, eine Riffelung dadurch nachzufertigen, indem man z.B. den Rand der Münze quer über einen rauhen Sandstein führte ? - Also, wenn ich "Randabschneider" gewesen wäre, hätte ich dies mindestens mal ausprobiert.
Irgendwie finde ich die Argumentation von Prof. Dr. Emmering nicht ganz überzeugend, vor allem eben im Zusammenhang damit, dass eben wohl nicht a l l e Münzen geriffelt waren; wie sollte dann der Schutzeffekt funktionieren ?
Bin mal gespannt, was andere MA-Sammler dazu meinen.
Gruß heripo
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bernima
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Beitrag von bernima » Mo 10.12.07 20:14

Hallo, heripo

Natürlich wäre so eine Riffelung ( nach dem Randabschneiden ) ohne weiteres wieder herzustellen. Die Riffelung wurde von Hand gefertigt und es wäre danach wieder von Hand geriffelt gewesen. Also ??????
Aber warum dann der Aufwand des riffelns ? Ist doch eine menge Arbeit über 100 Riffel von Hand in jede Münze einzukerben.
Wurde die Münze dadurch griffiger ? oder stabiler da der Rand etwas gestaucht wird ? oder wurde der Schnittgrat vom Ausschneiden damit gebrochen ?
Ich weiss es nicht, sind nur überlegungen meinerseits.
Nun lasst eure Meinung hören ( lesen ).

mfg. bernima

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Bertolt
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Riffelungen

Beitrag von Bertolt » Mo 10.12.07 21:23

Interessante Erscheinung ! Wenn dem so ist, das Randriffelungen vorhanden sind, dann muss es dafür auch eine Erklärung geben. Ob es der Schutz vor dem Beschneiden ist, kann möglich sein? Dem würde aber entgegen stehen, das es fast immer auch „ einen bestimmten Bedarf an kleineren Münzeinheiten“ ( NNB 10/06 Seite 424 Ludwig Haas ) gegeben hat. Bei diesem Artikel von Haas ist auch erkennbar, das vermutlich schon in der Prägestätte das „ Beschneiden „ vorgenommen wurde. Somit wäre es nachvollziehbar, wenn es in Münzstätten erfolgt wäre, die auch kleine Münzeinheiten geprägt haben um die größeren zu Schützen ? Bei all meinen Sammlungsstücken tritt eine solche Riffelung bei keinem Stück auf. Dabei gebe ich zu, das Halberstadt von jenen Münzstätten, bei denen hier die Riffelung auftritt, weit entfernt ist. Gruß Bertolt.
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Bertolt
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Beitrag von Bertolt » Di 11.12.07 08:07

Hallo Forum, ich hätte noch einem Erklärungsversuch, zur Riffelung ( aus einem alten Buch von Erich Heinicke ). Es ist der bis in das späte Mittealter fest im Volksglauben verankerte Aberglaube und Hexenwahn. Die Menschen glaubten sich von bösen Mächten verfolgt und bedroht. Es herrschte die Volksmeinung, das der Teufel z. B. nur darauf wartete, dass ein Menschenwerk fertig wurde um es dann gleich wieder zu Zerstören. Auf die Münzen bezogen sah das so aus, das durch Zerkratzen und Beschneiden die Münzsymbole zerstört, behext wurden. Daraus folgt, das dass Beschneiden nicht nur seinen Grund darin hatte, ein kleineres Nominal zu Schaffen! Als Schutz vor bösen Mächten diente vermutlich auch der starke Rand, den man bei den Wendenpfennigen vorfindet. Durch einen starken „Wall“ sollten die Symbole geschützt werden, gleichzeitig aber auch das Beschneiden erschwert werden. Hier passt auch das Phänomen der Riffelung hinein. Denn wurde die Münze, um kleine Nominale zu Schaffen, zerschnitten, wurde auch das Symbol zerstört, damit lag dann so etwas ähnliches wie Gotteslästerung vor! Bei den Münzen half also nur Tarnung, die Schrift so ungewöhnlich zu Gestalten, eventuell umzudrehen, dass der an den Alltag gewöhnte Hexengeist verwirrt wurde und den christlichen Symbolen nichts mehr anhaben konnte. Die Schrift wurde rückläufig, unlesbar, sowie durch Buchstabenversetzungen, unangreifbar. So zeigt sich an diesen Beispielen, wie der Volksaberglaube sich auch der Münzen bemächtigte und sie gegen den Bösen Schützen wollte. Gruß Bertolt
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wpmergel
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Beitrag von wpmergel » Di 11.12.07 09:52

Bertolt hat geschrieben:... Es ist der bis in das späte Mittealter fest im Volksglauben verankerte Aberglaube und Hexenwahn. Die Menschen glaubten sich von bösen Mächten verfolgt und bedroht.

... damit lag dann so etwas ähnliches wie Gotteslästerung vor! Bei den Münzen half also nur Tarnung, die Schrift so ungewöhnlich zu Gestalten, eventuell umzudrehen, dass der an den Alltag gewöhnte Hexengeist verwirrt wurde und den christlichen Symbolen nichts mehr anhaben konnte. Die Schrift wurde rückläufig, unlesbar, sowie durch Buchstabenversetzungen, unangreifbar. So zeigt sich an diesen Beispielen, wie der Volksaberglaube sich auch der Münzen bemächtigte und sie gegen den Bösen Schützen wollte. Gruß Bertolt
Ein - wie ich finde - interessanter Aspekt, der so manches legasthenische Phänomen erklären könnte. Nicht alle Umkehrungen und vermeintlichen Schreibfehler kann man den Unzulänglichkeiten der Münzer sowie deren Hilfskräfte zuschreiben.
Herzliche Grüße aus Waldeck
Wolfgang M.

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heripo
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Beitrag von heripo » Di 11.12.07 12:27

... da will ich doch die Gelegenheit nutzen, und unserem "alten Mitglied" wpmergel hiermit ganz herzlich zu seinem heutigen Geburtstag gratulieren !
Mögen Dir ein paar nette Münzlein zurollen, ob geriffelt oder auch nicht,
Glück, Gesundheit und Zufriedenheit !
Namens des Forums,
mit herzl. Gruß, heripo
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Salier
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Beitrag von Salier » Di 11.12.07 15:07

@ wpmergel, möchte mich den Wünschen von Heripo anschließen.[ externes Bild ]

herzliche Grüße
Salier
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Beitrag von Lilienpfennigfuchser » Do 13.12.07 10:46

Hallo,

die bisherigen Beiträge zu diesem Thema waren für mich sehr interessant, da auch im Straßburger Münzgebiet vergleichbare Fragen zur Randgestaltung (hier gestauchter Rand) der spätmittelalterlichen Münzen bestehen. Aber das wird wohl ein neues Thema werden.
Bertolt, in den von Dir erwähnten Ausführungen von Haas wird m. E. nicht auf das Beschneiden der Münzen eingegangen, sondern auf das Schneiden (Teilen) der Pfennige in 2 Hälften. Damit wurde eine neue, kleinere Münzeinheit geschaffen, ohne einen neuen Stempel herstellen zu müssen.

Ich wünsche allen schöne Weihnachten und einen guten Rusch ins neue Jahr, das jedem - in etwa - das bringen möge, was er sich erhofft - und ihm gut tut.

Freundliche Grüße

Lilienpfennigfuchser

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Beitrag von Lilienpfennigfuchser » Do 13.12.07 10:58

Hallo

gerade sehe ich, dass mir ein "grober Fehler" unterlaufen ist: Rusch sollte natürlich "Rutsch" heisen. Ich habe nicht beabsichtigt, den Süddeutschen und vielleicht auch den Nordschweizern und Elsässern einen Rusch = Rausch zu wünschen.

Grüße

Lilienpfennigfuchser

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wpmergel
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Beitrag von wpmergel » Do 13.12.07 11:57

Vielen Dank für die netten Glückwünsche.
Darf ich - wenn auch nicht ganz zum Thema passend - mich für die vielen interessanten Beiträge im vegangenen Jahr bedanken und allen frohe Festtage wünschen? Ich freue mich auf ein spannendes 2008 hier bei Euch.
Herzliche Grüße aus Waldeck
Wolfgang M.

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Dietemann
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Beitrag von Dietemann » Do 13.12.07 12:22

Lilienpfennigfuchser hat geschrieben:, sondern auf das Schneiden (Teilen) der Pfennige in 2 Hälften. Damit wurde eine neue, kleinere Münzeinheit geschaffen, ohne einen neuen Stempel herstellen zu müssen.
Das möchte ich nicht unwidersprochen lassen. Das Teilen von Münzen kommt vor, hat aber meiner Meinung nach andere Ursachen als einen neuen Münzwert zu schaffen.
1. Wenn die Münze nur einen Silberwert darstellt ist Teilen kein Problem, weil man eine bestimmte Menge Silber brauchte (und dies als sogenanntes Hacksilber zur Verfügung stellte). Genauso wie Schmuck, Geschirr oder andere Silbergegenstände kleingehackt wurden, um als Zahlungsmittel zu dienen, wurden auch Münzen kleingehackt um den geforderten Betrag zusammen zu bekommen.
2. Das Teilen von Münzen (insbesondere bei Brakteaten) ist in der Regel eine Strafaktion um ungültige Pfennige zu kennzeichnen. Im Schwaben- (oder Sachsen?)spiegel taucht die Vorschrift auf, dass ungültige Pfennige zu brechen sind und dem Eigentümer zurückgegeben werden müssen. Eine ähnliche Vorschrift gibt es in den Eschweger Münzbestimmungen von etwa 1300, wo fehlerhafte Platten gebrochen werden müssen, damit nicht doch jemand in die Versuchung kommt, daraus Münzen herzustellen. Der Entzug des Silbers stellte damals wohl eine zu harte Strafe dar.

Gruß Dietemann

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