Schöne, seltene bzw. interessante Münzen des Gordianus III

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chinamul
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Re: Schöne, seltene bzw. interessante Münzen des Gordianus I

Beitrag von chinamul » Do 30.08.12 20:03

Anders als Richard habe ich zwar nichts versprochen, will mich aber auch nicht lumpen lassen und zeige hier mal einen schön patinierten Sesterz:
gordi ric 271.jpg
GORDIANUS III 238 – 244
Æ Sesterz Rom 240
Av.: IMP CAES M ANT GORDIANVS AVG - Geharnischte, drapierte und belorbeerte Büste rechts halb von hinten
Rv.: P M TR P II COS P P S C - Gordianus verschleiert und in Toga nach links stehend und aus Patera in der Rechten auf Altar opfernd
RIC 271; C. 211
Ø 31 mm / 17,44 g; Stempelstellung 12 Uhr

Übrigens: Richards Sesterz hat, anders als von ihm angeführt, die RIC-Nummer 300a (C. 122)

Gruß

chinamul
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richard55-47
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Re: Schöne, seltene bzw. interessante Münzen des Gordianus I

Beitrag von richard55-47 » Do 30.08.12 21:18

Danke für den Hinweis, Horst.
do ut des.

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pepone
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Re: Schöne, seltene bzw. interessante Münzen des Gordianus I

Beitrag von pepone » Fr 31.08.12 11:20

Toller Sesterz Chinamul.

Dieser Sesterz ist von der Erhaltung her nicht das gelbe vom Ei, trotzdem schaue ich mir das Rv. immer wieder gerne an :)

Rom 241 - 243
Av.: IMP GORDIANVS PIVS FEL AVG, belorbeerte u. kürassierte Büste n. r.
Rv.: IOVIS STATOR / SC, Jupiter n. r., hält Szepter u. Blitz
20,3 g, 29-32 mm
RIC 299b

Gruss
Simon
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Unbenannt.jpg

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Zwerg
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Re: Schöne, seltene bzw. interessante Münzen des Gordianus I

Beitrag von Zwerg » Fr 31.08.12 21:53

Aus gegebenem Anlaß zurück zu der schönen Hochzeitsmünze aus Seleukeia, die Jochen am Dienstag vorgestellt hat.

Hier das komplementäre Stück, 2004 bei CNG versteigert mit dem entsprechenden Kommentar
image.jpg
A rather perplexing mythological type. Another Levante coin, 771 in the first SNG volume, clearly depicts the female as Artemis, with her short hunting chiton, bow, and accompanying hound. She joins Hermes in his guise as Nomios, "master of animals" who brings fertility and prosperity.
The present coin, however, lacks any of the attributes of the virgin goddess, depicting a mortal woman in the typical long flowing chiton and peplos. This coin presents Hermes as psychopompos, "herald of souls", who guides the dead to Hades. The woman must be Eurydice, wife of Orpheus, who is being fetched back to the underworld when Orpheus disobeys the injunction of Hades and looks back at his wife while leading her from the realm of the dead.
When combined with a third coin type of Gordian, showing Aphrodite with two Erotes, we find a common theme emerging, emphasising the traits of love, devotion and prosperity. The three coin types are undoubtedly linked to the marriage of Gordian III and Tranquillina in 241 AD.
Ganz glücklich bin ich mit dieser Deduktion allerdings nicht. Die dritte Münze (SNG Levante 771 - Fotos gibt es im Netz bisher noch nicht) ist stilistisch meilenweit von diesen beiden kleinen Meisterwerken entfernt. Sie gehört ganz sicher nicht zu einer "Dreiergruppe"

Eher würde in eine "Hochzeitsreihe" eine der hübschen Prägungen mit Doppelportrait Gordian-Tranquillina/Apollo-Artemis passen.
image2.jpg
Aber auch hier war unser Meistermedailleur wohl nicht an der Arbeit.

Bei den "Provinzialrömern" ist noch so viel zu forschen!

Grüße
Zwerg
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Re: Schöne, seltene bzw. interessante Münzen des Gordianus I

Beitrag von Peter43 » Fr 31.08.12 22:08

Danke für das Einstellen!

Jochen
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Re: Schöne, seltene bzw. interessante Münzen des Gordianus I

Beitrag von curtislclay » Fr 31.08.12 23:21

Der Schlusssatz von CNGs Kommentar hätte treffender heissen müssen,

"One could speculate that the three types might have been linked to the marriage of Gordian III and Tranquillina in 241 AD."

Von Sicherheit ("undoubtedly") sollte bei so einer Spekulation keine Rede sein!

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Re: Schöne, seltene bzw. interessante Münzen des Gordianus I

Beitrag von Invictus » Fr 31.08.12 23:30

Zwerg hat geschrieben:SNG Levante 771 - Fotos gibt es im Netz bisher noch nicht
Müsste doch diese sein http://www.wildwinds.com/coins/ric/gord ... ev_771.jpg, oder?

Ich dachte, dass diese Münze auch zur "Hochzeitsausgabe" gehören hätte können dürfen...http://www.wildwinds.com/coins/ric/gord ... n_1589.jpg
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Re: Schöne, seltene bzw. interessante Münzen des Gordianus I

Beitrag von Peter43 » Sa 01.09.12 20:39

Ist sie nicht schön!
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Re: Schöne, seltene bzw. interessante Münzen des Gordianus I

Beitrag von Zwerg » Sa 01.09.12 21:28

Die ganzen Links gehen mir auf die Nerven.
Da wir heute durch das Internet nur noch "visualisiert" arbeiten, erlaube ich mir, diverse Münzen aus diesem Thread als "Galerie" einzustellen.
Und als persönliche Anmerkung.
Provinzialrömer in dieser Qualität sind absolut unterbewertet.
Die Münze bei CNG hat seinerzeit 1.200 USD gekostet, die Münze von Ritter 950 Euro, Jochens Exemplar wird in ähnlichem Rahmen gewesen sein.
Als römischer Sesterz könnten man sicherlich eine "0" anhängen - und noch einen Multiplikationsfaktor zum Ansatz bringen.

Aber "noch" gibt der Markt höhere Preise nicht her.
_seleucia-ad-Calycadnum_Lindgren_1589.jpg
48052.jpg
seleukeia_ad_cal_gordianIII_SNGlev774.jpg
image.jpg
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Re: Schöne, seltene bzw. interessante Münzen des Gordianus I

Beitrag von Peter43 » Sa 01.09.12 22:35

Meine hatte damals bei Pars Coins €580.- gekostet. Aber ich sammle ja nicht ohne Grund Provinzialmünzen.

Jochen
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Re: Schöne, seltene bzw. interessante Münzen des Gordianus I

Beitrag von chinamul » Mi 05.09.12 17:16

Diese Münze habe ich gerade bei Künker-München ersteigert. Leider haben sich die Anbieter nicht dazu aufraffen können, eine Bestimmung zu dem Stück zu liefern, wie man es von einem renommierten Münzenhaus doch eigentlich erwarten sollte. Deshalb muß ich mich jetzt an die Provinzexperten hier im Forum wenden, um vielleicht doch noch meine Kartei um ein Literaturzitat vervollständigen zu können.
Auch die Göttin auf der Rückseite kann ich nicht eindeutig identfizieren. Mich stört bei meiner Zuschreibung "Homonoia" der Kalathos auf ihrem Kopf.
Wer kann mir helfen???
gord + tranq tomis.jpg
GORDIANUS III 238 – 244 und Tranquillina
Æ 28/29 mm Tomis in Moesia Inferior
Av.: AYT K M ANT ΓOPΔIANOC AYΓ CЄ - Belorbeerte, geharnischte und drapierte Büste rechts des Gordianus und diademierte und drapierte Büste links seiner Gemahlin Tranquillina einander gegenüber
Im Abschnitt in zwei Zeilen: TPANKYΛ / ΛЄINA
Rv.: MHTPOΠON – TOY TOMEΩC - Homonoia? nach links stehend; in der Rechten Patera, in der Linken Füllhorn
13,33 g ; Stempelstellung 1 Uhr

Gruß

chinamul
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Re: Schöne, seltene bzw. interessante Münzen des Gordianus I

Beitrag von Invictus » Mi 05.09.12 17:31

Varbanov listet mit 5693, im Feld links "mark of value" Delta (Nominal Tetrassarion).
Bei dir scheint unterhalb der patera auch das Beizeichen zu sein.
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Re: Schöne, seltene bzw. interessante Münzen des Gordianus I

Beitrag von manuel1935 » Mi 05.09.12 18:01

Es handelt sich bei Tomis um ein 4 1/2 Assarion. Das Nominalzeichen auf dem Revers u.l. (Delta) ist also zu ergänzen um das Zeichen "<" für "halb". Künker hatte diese Münze (?) im Katalog für die 83. Auktion (im Juni 2003) (Lot 1183 ss 75 EUR) mit AMNG 3545 ausgewiesen. Ich meine, es handelt sich um AMNG V3545/R 3346.

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Re: Schöne, seltene bzw. interessante Münzen des Gordianus I

Beitrag von Peter43 » Mi 05.09.12 20:22

Da stimmt etwas nicht: AMNG 3346 ist ein Herakles für Maximus. Es ist schon richtig AMNG I/2, 3545 mit Wertzeichen Delta (3 Ex., Belgrad, Bukarest, Weber). Über das ausradierte Wertzeichen haben wir gerade im amerikanischen Forum gesprochen. Curtis hat (in Bezug auf eine andere Münze) dazu geschrieben: "There may be an eradicated value mark (delta) in the l. field... Maybe the value of pieces this size had gone up from 4 to 5 or 6 assaria, but the mint still wanted to use the old die marked 4."

Homonoia mit Kalathos ist nicht selten. Es ist der Ausdruck dafür, daß Einigkeit Wohlstand bringt.

Jochen
Zuletzt geändert von Peter43 am Do 06.09.12 11:58, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Schöne, seltene bzw. interessante Münzen des Gordianus I

Beitrag von chinamul » Do 06.09.12 10:36

Allen drei Experten sage ich hiermit meinen herzlichsten Dank für ihre Bemühungen!
Die Feststellung einer möglichen Eradierung des Wertzeichens wird gestützt durch die Tatsache, daß das, was ich zunächst für eine entfernbare Auflagerung hielt, sich bei der Bearbeitung als schieres Kupfer erwies. Es spricht wohl einiges dafür, daß man aus dem Stempel das dort vertiefte Wertzeichen - etwa durch Herausschleifen, was auch die "beulige" Struktur der Eradierung erklären würde - entfernt haben dürfte und so eine Erhebung im Feld der fertigen Münze erhielt.
Das wäre eine vermutlich nicht nur für mich außerordentlich interessante Theorie, die zudem noch die Frage nach der Art des dabei verwendeten Werkzeuges aufwerfen würde. Einen Dremel hatte man dazu sicher noch nicht zur Verfügung, aber was war es dann?

Gruß

chinamul
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