Schöne, seltene bzw. interessante Münzen des Gordianus III

Kaiser, Dynastien und Münzstätten

Moderator: Homer J. Simpson

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Chandragupta
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Beitrag von Chandragupta » Do 12.06.08 15:38

Naja, das ist eben das Problem mit den Fotos. Für verbindliche Aussagen müßte ich das Stück in der Hand haben - aber glaub's mir: Meine ersten tapsigen "Nachdunkelungs"-Versuche mit Schwefelleber sahen bei genau solchen Billon-Antoninianen ganz ähnlich aus...

Dann bekam ich mit, daß FeCl3 (also Eisen-3-Chlorid) viel besser wirkt, wobei die Färbung auch bei solchem Billon fast schwarz wird (dann die Oberfläche dezent mit einem Wollappen geputzt: und selbst flau geprägte "Schrotties" sahen anschließend wieder ganz hübsch "hochreliefiert" aus).

Heute würde ich dafür Pariser Oxid nehmen.
Numismatische Grüße,

Euer Chandra

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drakenumi1
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Beitrag von drakenumi1 » Do 12.06.08 21:30

Chandragupta hat geschrieben:

ich will Dir ja nicht zu nahe treten, aber diese "Patina" erscheint mir lt. Foto recht jung zu sein. Das Stück kommt mir (wie gesagt: nach dem Foto) so vor, als ob die Münze modern "blankgewienert" und dann künstlich "nachgedunkelt" worden ist; siehe die Korrosion, die, so wie ich das sehe, auch unter der "Patina" ist.
Für mich ist die Geschichte der Oberfläche dieser Münze sehr eindeutig:
1). Langwährende Korrosion und Bildung einer entspr. Kruste.
2). Entfernung der Kruste mit chemischen Mitteln aber nicht durch Wienern).
3). Neuzeitliche Nachdunklung mit chem. Mitteln oder "auf dem Balkon".
4). Leichtes Wienern bzw. Bereiben, welches den leichten Patinaansatz an den Spitzen der Korrosions-Kraterlandschaft bis auf das blanke Metall herunter wieder entfernt.
Dieser letzte Schritt ist der schädlichste, weil die Helligkeitskontraste zwischen den tief liegenden Stellen und den Spitzen des "Korrosionsschlachtfeldes"im Schräglicht besonders betont werden. Das verschlechtert das Erscheinungsbild der Münze mehr, als nötig wäre.
Insofern kann ich den hier an anderer Stelle gemachten Vorschlag des Bereibens mit einem Wolllappen höchstens für eine völlig glatte Münzoberfläche gelten lassen, keinesfalls jedoch für eine korrosionsnarbige, welche man vielfach erst erkennt, wenn man berieben hat und dadurch die Narbigkeit zum ersten mal offenbar wird. Dann ist die Münze ziemlich verdorben und man kann sich höchstens durch eine erneute völlige Blankbeizung aus der Misere retten, falls man über die chem. Mittel dazu für die mäßig guthaltigen Antoniniane verfügt.

Beste Grüße von

drakenumi1
Man kann, was man will, und wenn man sagt, man kann nicht, dann will man auch nicht.
(Baltzer von Platen/a. Rügen)

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Chandragupta
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Beitrag von Chandragupta » Fr 13.06.08 10:44

@drakenumi1: Mist - hier habe ich mich wirklich blöd ausgedrückt; statt "blankgewienert" lies: "scharf gereinigt" - so meinte ich das, da ich ja oben auch auf die Narben UNTER der "Nachdunkelung" verwies.
Numismatische Grüße,

Euer Chandra

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donolli
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Beitrag von donolli » Fr 13.06.08 12:37

momentan hab ich irgendwie gerade glück, denn schon wieder ist mir ein fehlendes exemplar der "P M TR P II COS P P"-serie über den weg gelaufen und so konnte ich meine vorletzte lücke auf diesem gebiet (RIC 20) schließen.


grüße
olli
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pixxer
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Beitrag von pixxer » Fr 13.06.08 18:06

Sehr feines Stück!

Glückwunsch Olli! :) Darf ich fragen wieviele Gordis sich mittlerweile schon in deiner Spezialsammlung befinden? Muss ja schon ein ganz schöner Haufen sein... :D

Lg Pixxer

hjk
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Beitrag von hjk » Fr 13.06.08 19:11

Hi Olli,

der ist wirklich klasse! So ein feines Portrait habe ich selten gesehen! Glückwunsch! Und: schön, dass wir uns von einem Reinigungs-Thread wieder in Richtung Gordi bewegen :wink:

:)

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nephrurus
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Beitrag von nephrurus » Fr 13.06.08 19:27

hjk hat geschrieben:Hi Olli,

schön, dass wir uns von einem Reinigungs-Thread wieder in Richtung Gordi bewegen :wink:

:)
:!: :!: :!:

vielleicht sollten wir für die Rubbler, Chemiker und Putzfusseln einen extra-thread einrichten?

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donolli
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Beitrag von donolli » Fr 13.06.08 19:52

hallo pixxer,
sind momentan (alles verschiedene rv-typen) 59 antoniniane und 12 denare der münzstätte rom, 6 antoniniane aus antiochia (da hab ich, wie schon mal erwähnt, noch einigen nachholbedarf), 10 sesterze, zwei asse, drei provinzler und zwei subaerate.


zum thema schöne portraits möchte ich noch meinen absoluten liebling hinzufügen


....und jetzt seid ihr an der reihe ;)
grüße
olli
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pixxer
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Beitrag von pixxer » Fr 13.06.08 20:12

@olli:

Wow! 8O Beeindruckende Sammlung, vor allem wenn es so tolle Stücke wie die von dir gezeigten sind! Aus Antiochia habe ich nur einen Antoninian (von dem ich mich allerdings trennen möchte, siehe Tausch-Thread) mit ORIENS AVG:

Lg Pixxer

Ps.: wirklich noch schöner dein letztes Portrait! :D
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imperator44
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Gordian III mit "Druckfehler".

Beitrag von imperator44 » Mi 18.06.08 03:20

Hallo donolli,ich bin zwar ein alter Hase in Bezug auf Römermünzen,aber neu hier im Forum,und vor allen Dingen ein absolutes Greenhorn in Computersachen.Ich kann Dir deshalb leider noch kein Foto von folgender Münze reinstellen,hoffe aber mit Hilfe von Antoninus I nächste Woche dazu in der Lage zu sein.Ich hab`diesen Gordian-Antoninian bei der letzten Börse am Nockherberg entdeckt,und wollte Dich fragen,ob Dir schon mal solch ein "Druckfehler" untergekommen ist:
Av:Büste des Gordian III mit Stkr. nach rechts.
IMP GORDIANUS PIUS FEL AUG
Rv:Liberalitas mit Füllhorn und abacus stehend nach links.
LIBERALITAS AUGG (sic) II
Gibt natürlich keine RIC-Nr. Gew.:4,09g
Wie gesagt,bei Interesse stelle ich nächste Woche ein Foto rein.
Schöne Grüße vom imperator44

antoninus1
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Beitrag von antoninus1 » Mi 18.06.08 08:56

Ah, Dein erster Beitrag.
Und zu einer für Dich typischen Uhrzeit geschrieben :roll:
Gruß,
antoninus1

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donolli
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Beitrag von donolli » Mi 18.06.08 09:29

@imperator44:

herzlich willkommen hier im römerforum im allgemeinen und hier bei den gordianen im besonderen ;)

zu deiner münze (über ein bild würden wir uns ganz bestimmt freuen):

es handelt sich hier offensichtlich um einen hybriden antoninian. die legende AVGG passt für gordi nicht, da er ja zu keinster zeit einen offiziellen mitherrscher hatte.
nach einen blick in den ric muss ich dir recht geben. deine variante wird hier nicht gelistet. dies ist aber nicht weiter verwunderlich, denn der ric ist bei der auflistung dieser inoffiziellen prägungen naturgemäß nicht allzu komplett.

die rv-legende LIBERALITAS AVGG II mit der stehenden liberalitas findet sich bei philippus I unter ric 38.

http://www.wildwinds.com/coins/sear5/s8 ... #RIC_0038b

somit dürfte dies des rätsels lösung sein: ein hybrider antoninian des gordianus mir einem rv des philippus arabs (ric 38 )

grüße
olli
Zuletzt geändert von donolli am Mi 18.06.08 09:32, insgesamt 2-mal geändert.
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harald
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Beitrag von harald » Mi 18.06.08 09:31

Da will ich Euch ebenfalls einen meiner Gordis nicht vorenthalten.

Antonianus Gordianus, Rom 238-239n. Chr.
3,68 Gramm

RIC 2

Grüße
Harald
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Beitrag von antoninus1 » Mi 18.06.08 10:55

[quote="donolli
somit dürfte dies des rätsels lösung sein: ein hybrider antoninian des gordianus mir einem rv des philippus arabs (ric 38 )

grüße
olli[/quote]

Das würde bedeuten, dass man zu Philipps Zeiten versehentlich einen Gordi-Vorderstempel benutzt hat.
Das könnte für den Verantwortlichen in der Münze doch unangenehm geworden sein.

Gibt es auch die Möglichkeit, dass man unter Gordian den Rückseitenstempel eines Vorgängers des Gordian verwendet hat?
Gruß,
antoninus1

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Beitrag von taurisker » Mi 18.06.08 10:55

Harald, dem Portrait nach sieht mir die Münze wie eine Prägung aus Antioch aus.
Das spitze Ohr und die Augenpartie zeigen zudem große Ähnlichkeit mit einem uns allseits bekannten Herrn vom fernen Planeten Vulcan: Spock, übernehmen sie :lol:
Salü
taurisker

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