Schöne, seltene bzw. interessante Münzen des Gordianus III

Kaiser, Dynastien und Münzstätten

Moderator: Homer J. Simpson

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Homer J. Simpson
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Beitrag von Homer J. Simpson » Mi 03.06.09 18:55

Schon faszinierend, eine Münze zu haben, die wirklich genau so aussieht wie 243 oder 244, als sie vom Stempel gesprungen ist. Klasse!
Ich frage mich oft, was die römischen Kaiser sagen würden, wenn sie wüßten, daß 2000 Jahre später ihre Münzen noch gesammelt werden.

Homer
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Beitrag von hjk » Mi 03.06.09 22:03

Ein wirklich klasse Portrait! Diese Münze hätte mir auch gefallen. Aber da ist natürlich noch dieser ausgeprägte "Pornobalken". Angeblich soll es ja Leute geben, die da gar nicht drauf stehen! :wink:


Nachdem zwei meiner Gordi-Auktionen bei Lanz von Ebay "storniert" wurden (übrigens ohne besondere Nachricht an mich), stelle ich heute mal eine vor, die ich Mitte Mai erwerben konnte:

RIC 206e (in RIC wohl fälschlicherweise als 206c bezeichnet)

Av. IMP GORDIANVS PIVS FEL AVG

Büste mit Strahlenkrone drapiert und gepanzert rechts, von hinten

Rv. P M TR P V COS II P P

Nackter Herkules mit Löwenfell über dem Arm geht rechts, hält Keule in der erhobenen Rechten und Bogen in der Linken

Eine solche Münze kam auch in der Gemini IV-Auktion zur Versteigerung. Hier gabs die interessante Zusatinformation, dass im Dorchester Hort nur 5 Exemplare dieser Münze vertreten waren.
Dateianhänge
072_Gordianus III (P M TR P V COS II P P.6).jpg

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Beitrag von emieg1 » Mi 03.06.09 22:14

hjk, lach... also Pornobalken zusammen mit diesen Monsterkoteletten lass' ich gerade noch so als 70'er-Retro-Look durchgehen ;-)

Aber auch Glückwunsch zu diesem seltenen Gordianus!
Homer J. Simpson hat geschrieben: Ich frage mich oft, was die römischen Kaiser sagen würden, wenn sie wüßten, daß 2000 Jahre später ihre Münzen noch gesammelt werden.

Homer
Vielleicht hätten sie ihre Münzmeister angehalten, extra für "uns" die Stempel vor dem Prägen zu polieren :lol:

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drakenumi1
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Beitrag von drakenumi1 » Mi 03.06.09 23:04

nummis durensis hat geschrieben:
Vielleicht hätten sie ihre Münzmeister angehalten, extra für "uns" die Stempel vor dem Prägen zu polieren :lol:
Nach meiner Kenntnis sind die Stempel überwiegend poliert worden, und zwar vor dem Gravieren die ebenen oder leicht kalottenförmigen leeren Flächen. Die Ebenheit hat sich allerdings dann im Verlaufe der vielmaligen Benutzung verloren, was nicht bedeutet, daß bei einer stempelfrischen Prägung kein Glanz mehr zustande gekommen wäre, nur eben keine "Spiegelqualität" mehr.
Man kann, was man will, und wenn man sagt, man kann nicht, dann will man auch nicht.
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Beitrag von emieg1 » Mi 03.06.09 23:11

drakenumi1, sorry, das wusste ich nicht. Meine Bemerkung war daher eher scherzhaft gemeint! Aber wenn die Stempel tatsächlich poliert gewesen wären, hätte sich dann nicht zumindest das ein oder andere spiegelglänzende Stückchen erhalten? ...ach nee, vielleicht doch nicht, im Laufe der Jahrhunderte wird der Umwelteinfluss dies zerstört haben. Woher hast du diese Info mit den polierten Stempeln? *neugierigfrag*

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quisquam
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Beitrag von quisquam » Mi 03.06.09 23:20

Die Flächen sind sicherlich plangeschliffen worden, da ist es bis zum Polieren nur noch ein recht kleiner Schritt. Ich halte dies nicht für abwegig.

"Polierte Platte" und "Erstabschläge" sind jetzt aber nicht unbedingt das, was mich an römischen Münzen besonders fasziniert. :wink:

Grüße, Stefan
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Beitrag von drakenumi1 » Do 04.06.09 11:10

nummis durensis hat geschrieben: wenn die Stempel tatsächlich poliert gewesen wären, hätte sich dann nicht zumindest das ein oder andere spiegelglänzende Stückchen erhalten? Woher hast du diese Info mit den polierten Stempeln?
Was meinst Du mit "stempelglänzende Stückchen"? Den Stempel oder die Münze? Münzen in "stempelglänzender" Qualität sind jedenfalls in Mengen gefunden worden. Diesen Glanz zu erzeugen, reicht auch ein sehr feiner Schliff des Stempels aus. Anders verhält es sich beim "Spiegelglanz". Hier ist nicht nur eine halbwegs riefenfreie, halt irgendwie polierte Oberfläche des Stempels erforderlich, sondern auch eine völlig gleichmäßig ebene, nicht durch kleine Wellen, Dellen o.ä. gestörte Stempeloberfläche (heute würde man sagen "plangeschliffen und poliert").
Allerdings gibt es ja auch leicht kalottenförmig gewölbte Stempel (häufiger bei Republikanern zu beobachten), auch geschliffen und poliert (wahrscheinlich von Hand), auf die der Begriff des "Spiegelglanzes" nicht angewendet werden solte. Spiegelglanz sollte völlig eben sein und solche Stempel herzustellen wird wohl, wie schon bemerkt, auch in der Antike eine der leichtesten Übungen gewesen sein.
Woher diese Info? Keine Ahnung mehr. Aber der Rückschluß von existierenden Münzen solcher Qualitäten läßt wohl auch auf die Existenz solcher Stempel schließen

denkt

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Beitrag von quisquam » Do 04.06.09 11:23

drakenumi1 hat geschrieben:Allerdings gibt es ja auch leicht kalottenförmig gewölbte Stempel (häufiger bei Republikanern zu beobachten)
Aber diese Wölbung der Münzen entsteht doch durch die Mechanik der Prägung, und nicht weil die Stempel gewölbt waren?!

Grüße, Stefan
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Beitrag von emieg1 » Do 04.06.09 11:58

Stempelglänzende Münzen gibts sicherlich noch viele, aber spiegelglänzende hab ich bisher noch nie gesehen. Nun denke ich auch, dass in der antiken Numismatik der Begriff "Spiegelglanz" nichts zu suchen hat.

Dieser soll ja den Zustand einer Münze ausdrücken, die speziell für den Sammler angefertigt wird!

Und wie Stefan schon sagt, sind die Stempel sicherlich plangeschliffen bzw. geglättet worden, was für einen Stempelglanz ohne weiteres ausreichend ist. Ob man sich allerdings die Mühe gemacht hat, einen Stempel zusätzlich zu polieren, um ein Geldstück für den Umlauf herzustellen, halte ich für sehr fragwürdig :-)

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Beitrag von drakenumi1 » Do 04.06.09 14:17

quisquam hat geschrieben:
Aber diese Wölbung der Münzen entsteht doch durch die Mechanik der Prägung, und nicht weil die Stempel gewölbt waren?!
Das mag häufig der Fall sein, aber die gezielte schüsselförmige Wölbung, wie natürlich bei einem ebenen Bild hier der Carisia (sorry, ein hier hineinpassender Gordianus fehlt mir leider :wink: ) kaum richtig zu erkennen (Die Tiefe der Wölbung beträgt so etwa 0,5 mm), hätte eine ganz konkrete Funktion: die trotzdem entstandene Prägeschwäche im Bereich der erhabensten Stellen weitestgehend zu unterbinden.
Übrigens hat diese Carisia in den Feldern eine tadellose spiegelnde, zitterfreie Oberfläche, unverletzt besonders in der Tiefe der Wölbung, wo evtl. Gebrauchsspuren nicht entstehen konnten und ich muß sagen, sie kann eigentlich nur durch ein poliertes Werkzeug entstanden sein, sicherlich in exakter Handarbeit gefertigt, denn die Technik der Herstellung von konkaven oder konvexen Flächen mittels taumelnder Werkzeuge, wie heute in der optischen Linsenfertigung üblich, wird man noch nicht gekannt haben, denkt

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img23053.jpg
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Beitrag von emieg1 » Do 04.06.09 14:30

weia... das hat doch nichts mit "Spiegelglanz" im Sinne der Numismatik zu tun! 8O

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Beitrag von drakenumi1 » Do 04.06.09 17:13

nummis durensis hat geschrieben: weia... das hat doch nichts mit "Spiegelglanz" im Sinne der Numismatik zu tun!
Das sollte es auch nicht. Den Begriff "Spiegelglanz" hatten wir doch oben schon aus der antiken Numismatik verbannt. Hier ging es allein um Sinn oder Herkunft einer Wölbung der Münzoberfläche.
Übrigens kann man natürlich auf einem Scan solche Feinheiten überhaupt nicht erkennen.
Die Galvanotechnik kennt sog. "Glanzbäder", die bewirken, daß feine Kratzer oder matte Stellen weggebeizt, quasi egalisiert werden. Es bleibt eine ebenfalls hochglänzende Oberfläche, die sich aber in ihrer Charakteristik erheblich unterscheidet (wenn man den Unterschied einmal in der Gegenüberstellung gesehen hat, wird man die beiden Qualitäten nicht mehr verwechseln).
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Beitrag von hjk » Do 04.06.09 18:06

Werte Kollegen! Zur Ordnung - zur Ordnung! Dieser Thread heißt "Schöne, seltene bzw. interessante Münzen des Gordianus III"! :wink: Also lasst uns Münzen zeigen! Derzeit habe ich nur noch eine in petto:

RIC 187a var

Av. IMP CAES M ANT GORDIANVS AVG

Büste mit Strahlenkrone drapiert und gepanzert rechts

Rv. LIBEPALITAS AVG

Libertas (!) steht links, hält Pileus (Freiheitshut) in der ausgestreckten rechten und diagonal gehaltenes Zepter mit der Linken

Eine stempelgleiche (?) Münze wurde in der Gemini IV-Auktion versteigert. Hier gabs die folgenden zusätzlichen Informationen (hoffentlich richtig übersetzt): "Griechisches rho anstelle des lateinischen R in der Reverslegende. Bland 18/39 (diese Münze - Anm.: der Auktion). Legendenvariante von RIC 187a und Cohen 126. Rare: Bland kennt nur ein weiteres Exemplar im Tulln Hort aus den selben Stempeln."

Das Teil hat übrigens ein Schweinegeld gekostet - und relativiert insoweit sehr schön die damals z.T. kritisierten Preise aus der Gemini-Auktion!
Dateianhänge
072_Gordianus III (LIBEPALITAS AVG).jpg

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Beitrag von Peter43 » Do 04.06.09 19:21

Sehr schön! Besonders der Fehler mit der Buchstabenvertauschung gefällt mir ausnehmend. Glückwunsch!

Mit freundlichem Gruß
Omnes vulnerant, ultima necat.

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Beitrag von donolli » So 21.06.09 19:54

um den thread mal wieder aus der versenkung zu holen, möchte ich euch diesen sesterz vorstellen, der mir die tage ins haus kam.

av: IMP CAES M ANT GORDIANVS AVG
rv: AEQVITAS AVG S C
30mm; 18g
rom, 240 n. chr.
ric: 267


grüße
olli
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267a.jpg
Natura semina nobis scientiae dedit, scientiam non dedit. (Seneca)

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