Systematik von Marken?

Privat ausgegebene Münzen, Notgeld und Münzersatzmittel

Moderator: KarlAntonMartini

Dietemann
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Systematik von Marken?

Beitrag von Dietemann » Di 20.01.09 01:55

Angeregt durch das Tauschforum versuche ich eine Ordnung in meine vielen Marken zu bringen. Das Forum gibt nur her, dass es eine Unterscheidung von Medaillen und Marken gibt, die ich nachvollziehen kann. Aus Numispedia und dem Münzlexikon habe ich mir folgende Einteilung zusammengereimt:
1. Nachprägungen von Münzen (Fälschungen, Touristenfälschungen/Europroben, Kopien, Spielgeld)
2. Marken als Geldersatz (engl. Token, Judenpfennige, Städtenotgeld, Lagergeld)
3. Marken mit Geldersatzcharakter (Waschmaschinen, Telefone, Automaten, Tor- und Schrankenmarken, Bier- und Essensmarken, Gutscheinmarken, lokales Geld)
4. Medaillen (Gedenkmedaillen, Werbezeichen von Firmen, Rechenpfennige, Sport- und Ehrenmedaillen).

Kennt jemand den Artikel von Jakubzik "Die Marken und Zeichen, Versuch einer numismatischen Ordnung in Münzrevue 4/1972 H9-11, oder gibt es ein anderes Werk, was eine grobe Übersicht geben könnte?

Gruß Dietemann
Zuletzt geändert von Dietemann am So 25.01.09 02:11, insgesamt 1-mal geändert.

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KarlAntonMartini
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Beitrag von KarlAntonMartini » Di 20.01.09 11:23

Mit dem Problem mußte ich mich auch schon befassen, ohne eine vollständig befriedigende Lösung zu finden. Ich habs mal so versucht:

- Vom Inhaber des Münzregals legitimiertes Notgeld (zB Banktoken, Token der Stadt Bristol)
- Notgeld anderer öffentlicher Stellen (kommunales Notgeld)
- Privates Ersatzgeld (eigentliche Token, deren Wert der Ausgeber garantierte)
- Anonymes Ersatzgeld (Judenpfennige)
- Veränderte Geldzeichen mit Zahlungsfunktion (offizielle Münzen oder andere Zeichen mit Reklamepunze)
- unpersönliche Marken, die einen Anspruch auf geldwerte Leistung oder eine Ware verkörpern (ein weites Feld)
- personalisierte Berechtigungsmarken, Mitgliedsabzeichen
- Steuermarken
- Innerbetriebliche Abrechnungsmarken (TruckToken, aber auch Biermarken)
- Pfandmarken (für alle möglichen Verpackungen, Werkzeug, Abholmarken bei Handwerkern)
- Platzhaltermarken (Garderobemarken)
- Spielgeld (für Casinos und für Kinder)
- Jetons ohne Zahlungsfunktion (eigentliche Rechenpfennige)
- Jetons als Kleinmedaillen
- Kommunionmarken, Wallfahrtsabzeichen, andere religiöse Marken

Ich weiß nicht, inwieweit mir das gelungen ist, aber ich habe versucht, von der münzähnlichsten Marke nach abnehmendem Münzcharakter bis zur Medaille zu sortieren. Grüße, KarlAntonMartini

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Beitrag von vMadai » Fr 30.01.09 12:56

Und was davon sind Marken und was Zeichen?

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Beitrag von Dietemann » Fr 30.01.09 16:24

vMadai hat geschrieben:Und was davon sind Marken und was Zeichen?
Mach einen Vorschlag! Außer dem mir bisher noch nicht vorliegenden Artikel in der Munzrevue von 1972 habe ich kaum Hinweise zu einer Systematik gefunden.
Hier die Definition aus Numispedia Marke: Oberbegriff für münzähnliche Gegenstände aus Metall oder anderen Werkstoffen. Eine exakte Definition gibt es nicht. Unter Marken werden sowohl private Zahlungsmittel mit allgemeiner Umlauffähigkeit (z. Bsp. englische Token 1787-1797), Zahlungsmittel mit beschränkter Umlauffähigkeit (z. Bsp. Kantinenmarken, Arbeitsmarken zur Verwendung im Trucksystem) und auch münzähnliche Objekte ohne Zahlungsfunktion (z. Bsp. Eintrittsmarke, Mitgliedsmarke, Biermarke) verstanden. Auch Rechenpfennige und Jetons können als Marken bezeichnet werden.

Ich könnte noch nicht einmal sicher eine Medaille von einer Marke unterscheiden.

Gruß Dietemann

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Beitrag von vMadai » Fr 30.01.09 16:35

Ich weiß nicht, ob mir die Vollmacht verliehen wurde und ich die entsprechende Autorität besitze, nun lehramtlich zu entschieden, was eine Marke und was ein Zeichen ist. Ich wäre aber umgekehrt durchaus bereit, mich einer solchen Entscheidung zu beugen, wenn ich nur eine wahrnehmen könnte!

Der wesentlichste Unterschied, den ich in der Praxis wahrnehme, aber nicht bei KAM finden kann, ist der, dass die einen eine Wertzahl (teils mit Währungsangabe) tragen und andere eben nicht.
Könnte man danach trennen?

Ich frage mich gerade auch, ob ich einen italienischen Telefonjeton in meine Sammlung aufnehmen soll.
Erinnere ich mich richtig, dass diese - da sie einen allgemein bekannten festen Wert besaßen und für jeden brauchbar waren - im Zahlungsverkehr auch als Geldersatz akzeptiert wurden? Dann wäre er passend für meine Geld-Sammlung.

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Beitrag von KarlAntonMartini » Fr 30.01.09 17:38

@vMadai: ich bin ja Sammler englischer Token und da kommt es häufig vor, daß auf eine ausdrückliche Wertangabe verzichtet wird. Das war auch bei englischen Münzen oft so. Deshalb stelle ich darauf ab, ob das Stück einen Wert in einer bestimmten Währung hat, egal, ob er draufsteht oder nicht.

Die Gettoni sind ein Beispiel dafür, daß eine zu einem anderen Zweck hergestellte Marke dann zusätzlich als Geldersatz, also wie ein Token verwendet wird. Du erinnerst dich völlig richtig.

Die Einteilung wird nie vollständig überzeugend gelingen, sie hängt von den Kriterien ab und vom Zweck. Dogmatiker würden darüber verzweifeln.

Eine Medaille hat keinerlei Zahlungsfunktion und auch sonst keinen praktischen Nutzen. Marken haben eine beschränkte Zahlungs- oder Tausch- oder eine Platzhalterfunktion. Münzen sind amtlich autorisierte Zahlungsmittel. Aber auch bei dieser Grobeinteilung werden sofort Beispiele auftauchen, die nicht so richtig passen wollen. Grüße, KarlAntonMartini
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Beitrag von KarlAntonMartini » Fr 30.01.09 21:02

7803 = März 1978. Nach dem Notgeld aus dem Bürgerkrieg in Irland (Gunmoney) das zweite mir bekannte Beispiel von Münzen/Token, wo auch der Monat draufsteht. Grüße, KarlAntonMartini
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Beitrag von Dietemann » So 08.03.09 02:08

vMadai hat geschrieben:Und was davon sind Marken und was Zeichen?
Vorgestern kamen die Kopien des Artikels von Jakubzik von der Bibliothek. Er unterscheidet nicht zwischen Marken und Zeichen und verwendet beide Worte synonym und weist darauf extra in seiner Einführung hin.
Gruß Dietemann

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Beitrag von KarlAntonMartini » Mo 09.03.09 13:30

Danke für die Zusendung dieses umfangreichen Artikels. Ich referiere kurz etwas, damit jeder miit folgen kann: Der Autor hat das Thema auf 15 eng bedruckten DIN a 4 Seiten abgehandelt. Er hat zunächst eine grobe Gliederung erstellt:
1. Geldersatzmarken, Notgeld;
2. Marken im Gegenwert von Geld, Waren oder Leistungen;
3. Berechtigungs-, Erlaubnis-, und Lizenzmarken;
4. Quittungs-, Kontroll- und Bestätigungsmarken;
5. Ausweismarken;
6. Rechenpfennige und Spielmarken;
7. Werbe-, Reklame- und Empfehlungsmarken.
Dann hat er unter Vorstellung zahlreicher Beispiele eine Feingliederung vorgenommen. So unterteilt er die Gruppe 1 in:
1.1. von Herausgebern der öffentlichen Hand;
1.2. von religiösen Gemeinschaften;
1.3. von Körperschaften und ähnlichen Vereinigungen;
1.4. von privaten Herausgebern;
1.5. ohne Bezeichnung des Herausgebers.
die Gruppe 1.1. wird weiter unterteilt in:
1.1.1. von politischen Gemeinden;
1.1.2. von Institutionen der Kranken- und Spezialfürsorge;
1.1.3. von Institutionen für Menschen unter Freiheitsentzug;
1.1.4. von militärischen Instututionen.
Im gleichen Stil gibt es weitere Untergruppen. Die Winterthurer St. Albanspfennige z. Bsp. werden so in die Kategorie 2.1.2.1.9. eingeteilt. -
Diese Systematik ist offenbar zur Gruppierung einer sehr großen Privatsammlung entstanden. Natürlich ist diese Einteilung nicht zwingend.

In meiner Sammlung ruhen die Token nach den Nummern der jeweiligen Leitkataloge geordnet, nur die anderen Marken und Zeichen, die nicht geschlossen katalogisiert sind, versuche ich nach einem einfacheren System zu ordnen. Nur sind das schon nicht so viele, daß es eines Systems mit fünf Hierarchieebenen bedarf.

Bei den Dalton- und Hamer Token, auch "Conders" genannt, denke ich seit langem über ein eigenes System nach. Da würden die Produzenten eine wichtige Rolle spielen. Das ist ein Aspekt, der bei Jakubzik völlig fehlt.

Danke nochmal an Dietemann!
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Beitrag von Dietemann » Di 10.03.09 11:00

KarlAntonMartini hat geschrieben:In meiner Sammlung ruhen die Token nach den Nummern der jeweiligen Leitkataloge geordnet
Gibt es irgendwo eine Übersicht, welche Leitkataloge es gibt?
KarlAntonMartini hat geschrieben:auf 15 eng bedruckten DIN a 4 Seiten abgehandelt
Die äußere Form des Artikels stammt von mir, das Original ist sehr viel aufgelockerter, mich hat allerdings die viele Werbung gestört, deshalb habe ich die nach dem scannen nicht mit bearbeitet.
Gruß Dieteman

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Beitrag von KarlAntonMartini » Di 10.03.09 11:16

Mit "Leitkatalogen" meinte ich für Token des späten 18. Jahrhunderts den Dalton&Hamer, für 1811-1815 den Withers, für die silbernen den Dalton und für Farthingtoken den Bell. Grüße, KarlAntonMartini
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Beitrag von Dietemann » Di 10.03.09 14:57

Wenn ich wissen will, welche Länder Telefonmarken ausgegeben haben, wo schaue ich das nach? Gibt es eine Literaturquelle über Telefonmünzen? das Internet gibt nicht viel her.
Gruß Dietemann

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Beitrag von Afrasi » Di 10.03.09 15:22

Moin Dietemann!

Am besten im Groenendijk: A Catalogue of Telephone and Telegraph Tokens of the World, 1989. 81 Seiten

Er ist ziemlich komplett für einen ersten Versuch! Wenn es Dir nur um die Länder geht, kann ich sie Dir mitteilen ...

Tschüß, Afrasi
"Grüß Gott!" "Mach ich."

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Beitrag von Dietemann » Di 10.03.09 17:55

Danke an Afrasi, mit einer Liste der Länder ist mir weniger gedient, ich wollte auch Informationen von wann bis wann verwendet, wo hergestellt und warum usw.

Da gibt es wohl eine Neuauflage von 2001 http://209.85.129.132/search?q=cache:dc ... =clnk&cd=4
Wie kommt man an den Katalog und was kostet er? (Amazon, ebay, booklooker und zvab Fehlanzeige).

Gruß Dietemann

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Beitrag von Afrasi » Di 10.03.09 23:37

Moin!

2001 ist ein unveränderter Nachdruck.

Wie kommt man an seltene Literatur? Die Frage stelle ich mir manchmal auch. Es gibt bestimmt 10 verschiedenen Werke, die ich gerne hätte, aber nirgendwo angeboten sehe ... Seufz!

Tschüß, Afrasi
"Grüß Gott!" "Mach ich."

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