20 Mark 1906 A falsche Farbe?

1871-1945/48
heripo
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Beitrag von heripo » Mo 16.02.09 15:55

aha, interessant - Deine Analyse zu Gold-Patina.
____________________________________
Meiner Fähigkeiten bin ich mir durchaus bewußt - leider überwiegen aber immer noch die Unfähigkeiten !

indiacoins
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Beitrag von indiacoins » Mo 16.02.09 23:49

Lieber Heribert. ich hoffe, meine Überarbeitung gefällt dir nun besser?

Was für die alten Hasen hier manchmal selbstverständlich bis überflüssig klingt, kann für junge Leser eine ganz neue Erfahrung sein.

Auch wenn es nicht direkt zum Thema Münzen passt und eher eine Abzweigung vom Diskussionschwerpunkt weg bedeutet,

-bis hin zum Offtopic-

gibt es tatsächlich immer mehr junge Leute, von denen einer vielleicht auch dich, Heribert irgendwann mal fragen wird, warum diese wertvolle goldene Münze denn überhaupt mal im Dreck gelegen hat.

Ist ja schließlich Gold, und das schmeißt man nicht einfach so weg.

Wie ist sie da hineingeraten?
Was war denn damals los?
In Zeiten, wo in den Schulen der 1.Weltkrieg schon ganz aus dem Lehrplan gefallen ist und z.b eine Münze von z.B 1916 nur eine Münze ist, die entweder stempelglanz, sehr schön oder schön ist,kostet 180 Euro-zack, das wars.

Ohne irgendwelchen Geschichtlichen Hintergrund; da tut es auch mal ganz gut, etwas über die äußeren Umstände zu berichten.

Zu meiner Zeit gab es zwar noch einen ausführlichen Unterricht in der Schule.
Und als die ersten Münzen aus dem 1. Krieg dann in meiner Hand lagen, kam auch sofort der Gedanke an die Geschehnisse wieder hoch, allerdings so wie man sie uns geschildert hatte.

Aber als ich dann später selbst dagewesen bin und mit meinen Händen in den Überresten der schrecklichen Vergangenheit herumgewühlt habe, bekam ich einen riesengroßen Respekt davor.
Und seitdem verbinde ich jede Münze mit den Ereignissen der jeweiligen aufgeprägten Jahren.
Ich hoffe, daß es nicht störend war.
MfG kay

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Beitrag von NumisGeistlichkeit » Di 17.02.09 19:05

Geschichtlicher Hintergrund hin oder her. Ich finds auch gut, den Nachwuchsgreenhörnern etwas Geschichte zu ihrem Hobby mitzugeben. Trotzdem zurück zum Thema: Goldpatina heißt definitiv nicht Korrosionskrusten! Hab zwar auch schon einiges in meinem Sammlerleben gesehen, was ich laut Lehrbuch nicht vermutet hätte. Aber da wär ich dann zumindest bei Kaisergold etwas vorsichtig. Soviele Goldfüchse waren dann vor Verdun doch auch wieder ned verscharrt. ;-)
"Ein Schelm, der Böses dabei denkt!"

indiacoins
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Beitrag von indiacoins » Di 17.02.09 23:26

Ich habe nur 1. Satz darüber geschrieben, daß mir Goldpatina bekannt ist und bin dann gleich im folgenden Satz auf die verkrusteten Stücke eingegangen,

die selbstverständlich unter der Schmutzkruste eine Patina haben können, je nachdem, mit was sie verkrustet waren , bzw wie lange sie den Umwelteinflüssen vor der Verkrustung ausgesetzt waren.


Nochmal zu den Schlachtfeldmünzen

Ich glaube aber, daß von den Schatzsuchern kaum jemand weitererzählt, wenn er etwas wertvolles gefunden hat.

Daß aber die Offiziere an der Front Goldmünzen als Zahlungsmitteln mitgeführt haben , wird sehr oft in Filmen und Büchern erwähnt.
Sie hielten sich ja nicht nur in den Gräben auf, sondern genoßen ja auch allerhand Luxus abseits der Ereignisse, z.b in den Kneipen und Frontbordellen und der Sold ( bei den Österreichern z.B waren es 1914 durchschnittlich 80 Kronen pro Monat/ Deutsche weiß ich nicht) wurde auch an der Front ausbezahlt.
Deswegen gehe ich davon aus, daß sie ihr Bargeld mitgeführt hatten.

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Chandragupta
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Beitrag von Chandragupta » Mo 15.06.09 10:10

indiacoins hat geschrieben:Ja mit Patina auf Gold, das ist mir bekannt. Sogar stark verkrustete dunkelbraune Münzen hatte ich, wo ich mit dem Skalpell alles entfernen mußte. Das waren 1600 Jahre alte Goltstater der Kidariten aus Basegold, also nur ca 60% Gold.
Ein bißchen OT: Mach mal die Reichssammler nicht verrückt. ;) Diese Kidariten-Blaßgoldstatere enthalten meist deutlich unter 60% Gold. Die Leute damals haben das Metallurgenhandwerk z.T. wirklich nur rein empirisch hervorragend verstanden. Ohne das Gibbs'sche Dreieck zu kennen (also die Farbtonskala beim Legieren des Dreikomponentensystems Au-Ag-Cu) haben die z.T. PERFEKT die Legierung "3 Teile Gold, 5 Teile Silber und 3 Teile Kupfer" hinbekommen (also ca. 27% Feingehalt). Frag mal einen Juwelier, was die auszeichnet: Es ist diejenige mit dem geringsten Goldanteil aber dem trotzdem noch besten Gelbton. Des weiteren hat sie den niedrigsten Schmelzpunkt ("Eutektikum" des besagten Dreielemente-Systems - guckstu Wikipedia), weshalb sie auch leicht hochreliefiert ausprägbar ist. :) Einziger Nachteil: Anlauf- bzw. Korrosionsneigung... (Genau die oben genannte Legierung verwenden moderne Juweliere deshalb als Goldlot - und mein Juwelier, dem ich mal so einen Kidariten gezeigt habe, wollte partout nicht glauben, daß die Münze wirklich schon über 1500 Jahre alt ist: "Die ist doch einfach aus modernem Goldlot geprägt worden...")

BTW: Und wenn die vor ca. 1600 Jahren ihr Handwerk nicht verstanden haben, kommen dann z.T. Legierungen raus, die so eine Art Weißgold sind - also fast silbrig aussehen aber dennoch in der Tat bis zu 60% Feingoldgehalt haben können. Aber solche Stücke korrodieren dann de facto nicht; die kannst Du oben also nicht gemeint haben. So, weiteres dazu im Unterforum "sonstige antike Münzen". ;)

Und nun wieder OnTopic: Eines meiner 20-RM-Stücke (Wilhelm II, 1910A) war wohl mit recht großer Wahrscheinlichkeit von so einem von Dir oben korrekt geschilderten "Schlachtfeld-Sondengänger" gefunden und noch mit allen "Verkrustungen" zu der Wechselstube getragen worden. Ich habe hier diverse forensische Analysemöglichkeiten. Die schwarzen Flecken waren keine Goldpatina sondern humanes Blut. Ich habe diese konkrete Münze dann doch lieber im Ultraschallbad gereinigt...
Numismatische Grüße,

Euer Chandra

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