geht es noch kleiner/filigraner ? Ja !

Griechische Münzen des Altertums

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quinctilius
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geht es noch kleiner/filigraner ? Ja !

Beitrag von quinctilius » Mi 25.03.09 19:59

Neulich war "geht es noch kleiner?" hier Thema. Ich würde gerne ergänzen um "filigraner". Hier ist mein Beitrag: Ein spätarchaischer Diobol aus Lampsakos, Mysien aus meiner Sammlung ca 500-470 v. Chr. Größter Durchmesser 1,0 cm. ( SNG Copenhagen 185, Van Aulock 1291var ) Das ist so ziemlich das feinste, was ich bisher in dieser Größe gesehen habe. Postet doch mal, was Ihr so in Euren Sammlungen habt - würde mich interessieren, ob es noch kleiner/filigraner geht.
Gruß
Quinctilius
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LampsakosDiobol.JPG

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Dapsul
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Beitrag von Dapsul » Mi 25.03.09 20:21

Die ist ja ganz zauberhaft! Meine kleinste ist ein Flügelschwein aus Kyzikos, viel weniger als 1 cm. Aber ich habe noch keinen Scan. Ich stelle sie ein, wenn ich in ca. 2 Wochen wieder im Lande bin und bin gespannt, was hier so gezeigt wird.

Frank

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Pscipio
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Beitrag von Pscipio » Mi 25.03.09 20:44

Nata vimpi curmi da.

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quinctilius
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Beitrag von quinctilius » Mi 25.03.09 21:45

...und hier noch ein Tetartemorion aus meiner Sammlung: Kolophon (Ionien) 0,5 cm. Apollokopf, Quadratum Incusum, frühes 5. Jhd. v. Chr.
Hier erkennt man schon sehr deutlich die Grenzen der Miniaturisierung. Kleiner geht eben immer aber zu Lasten der Feinheit.
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Kolophon.JPG

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harald
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Beitrag von harald » Do 26.03.09 12:39

http://www.numismatikforum.de/viewtopic ... ngsm%FCnze

Hier ein kleines Beispiel, was von den "Barbaren" produziert wurde.
Es handelt sich um einen 1/24 Stater der Boier.
Die Kleinsten Keltenmünzen stammen aus dem Bayerischen Raum und sind 1/96 Stater mit einem Gewicht zwischen 0,08 und 0,11 Gramm.

Grüße

Harald

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Beitrag von quinctilius » Do 26.03.09 17:24

...der ist ja schön der Kelte. Hier noch 2 Winzlinge aus meiner Sammlung (0,6 cm) Beide aus Ionien ca. 500 v. Chr. Geflügelter Eber aus Klazomenai und eine Biene aus Ephesos. Bei diesen muß ich immer höllisch aupassen, das sie mir nicht aus der Hand fallen, würd ich wohl nie wiederfinden. :D
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Beitrag von harald » Do 26.03.09 17:30

Faszinierend detailreiche Bienendarstellung auf kleinstem Raum.
Ich frage mich immer wieder mit welchen Lupenähnlichen Hilfsmitteln die Stempelschneider diese winzigen Bilder geschnitten haben.

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Beitrag von quinctilius » Do 26.03.09 19:55

.....bei Siegeln und Skarabäen gehen viele Wissenschaftler davon aus, das die Siegelschneider kurzsichtig waren (kein Witz !) Das hilft bei solchen Arbeiten ganz enorm. Manche vermuten auch, das die Kurzsichtigkeit in den Familien über Generationen vererbt wurde, so das die Gabe in der Familie und im Handwerk blieb. Vielleicht galt das auch für Stempelschneider ?
Meine Siegel/Skarabäen seht Ihr übrigends unter:
www.seal-collector.de
Gruß
Q.
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Beitrag von indiacoins » Do 26.03.09 22:54

Es geht noch kleiner: Ich habe Ratimünzen aus Maurya von 2mm, 3mm und 4mm Durchmesser mit einem Gewicht bis 0,06g.
Man vermutet, daß die Münzen von Maurya stammen( laut Mitchiner, sonst von niemanden behauptet, bzw erforscht), weil sie in Afghanistan gefunden wurden. Obs von einem ganz andern Volk stammt,weiß keiner genau. Kelten gabs da wohl nicht. weiß ich persönlich aber auch nicht.

Und diese Münzen haben eine Prägung, die so fein ist, daß man nicht glauben kann, daß Menschen die stempel geschnitten haben. Man muß mal überlegen: bei 4mm Durchmesser bedeckt eine Skalpellklinge bis 20% der Münzoberfläche. Jetzt fragt es sich, wie man da jetzt noch Vgel, schriftzeichen und anders einritzen konnte( in den Stempel), so daß man es auch später erkennen kann.
Das erste Bild ist nur ein Größenvergleich. darunter ist die Vergrößerung 3 ungereinigten Fundstücken. Man muß natürlich dazusagen, daß sich ein Hornsilberbelag auf den Münzoberflächen befindet. Ohne diesen wär die Prägung als noch feiner zu erkennen.
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klein.jpg
gv.jpg

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Beitrag von quinctilius » Do 26.03.09 23:57

...unglaublich, noch nie gesehen sowas. Da fragt man sich echt, wie das Prägen der Münzen handwerklich funktioniert hat - und wie hat man damit bezahlt, bzw. wie hat man die transportiert ohne das sie verloren gehen ???
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Beitrag von indiacoins » Fr 27.03.09 00:26

Also entweder hatte man damals schon Holzbretter mit kleinen Vertiefungen zum Transport der Münzen wie im 16.Jahrhundert bei den Goldfanams), oder man muß tatsächlich mit einer Pinzette in der Hand bezahlt haben.
Oder es waren "kleine Wesen" mit sehr kleinen Händen und sehr zarten Fingerchen

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Beitrag von Timesitheus » Fr 27.03.09 00:26

quinctilius hat geschrieben:.... wie hat man die transportiert ohne das sie verloren gehen ???
Ich denke gerade das unvermeidliche Verlorengehen hat später dazu geführt, daß Kupfermünzen in "vernünftiger" Größe die Kleinstsilbermünzen als Wechselgeld ersetzt haben. Natürlich müßten Münzen nicht nur eine Mindestgröße haben, sondern auch eckig sein um nicht weg zu rollen. Viereckig hat sich aber im Gegensatz zur Mindestgröße nicht durchgesetzt.

Bezüglich Transport kann ich mich erinnern, daß ich mal etwas von einem Transport im Mund gehört habe. Könnte aber auch erfunden sein.
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Beitrag von indiacoins » Fr 27.03.09 00:29

Es gabe tatsächlich in Maurya eine lange Zeit nur eckige Münzen!

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Beitrag von Timesitheus » Fr 27.03.09 00:37

indiacoins hat geschrieben:Es gabe tatsächlich in Maurya eine lange Zeit nur eckige Münzen!
Auch in Baktrien gab es viereckige Münzen. Sollten Münzen wirklich im Mund transportiert worden sein, so kann ich mir aber gut vorstellen, daß das Verschlucken einer viereckigen Münze etwas unangenehmer als das Verschlucken einer runden Münze gewesen ist :lol:

Für viereckige Münzen spricht zusätzlich eine einfachere Herstellung der Schröttlinge.

Gruss,
Timesitheus

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Beitrag von indiacoins » Fr 27.03.09 00:58

Im Mund? Damals waren die Bronze-Münzen sehr arsenhaltig und in den vielen Stücken findet man heute auch Quecksilber!

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