Warum wurde der Stil der Abbildungen immer primitiver?

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

Benutzeravatar
Pscipio
Beiträge: 8228
Registriert: Fr 15.10.04 13:47
Wohnort: Bern, CH
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 14 Mal

Beitrag von Pscipio » Do 16.04.09 13:36

Troja hat er gefunden, ob es den Trojanischen Krieg aber gegeben hat, das ist weiterhin unklar. Die Ilias ist aus historischer Sicht (nicht aus mythologisch-literarischer!) bestenfalls eine Geschichte, die einen wahren Kern hat, aber nachträglich literarisch und mythologisch ausgeschmückt wurde. Das Ziel eines Homer war nicht Geschichtsschreibung.

Man kann Homer übrigens nicht mit Livius und die Ilias nicht mit ab urbe condita vergleichen, das sind ganz unterschiedliche Dinge. In jeder Hinsicht. Die Ilias würde ich noch eher mit der Nibelungensage vergleichen. Hier wie dort wird auf einem möglicherweise historischen Kern, der Jahrhunderte zurück liegt, ein literarisches Epos aufgebaut, dass die Gesellschaftsstrukturen und die Gedankenwelt der Zeit des Autoren widerspiegelt.

Den Vergleich zwischen Troja und einem Torquatus verstehe ich nun wirklich nicht :) Ich sage ja nur: ein wenig Quellenkritik muss im Umgang mit einem Livius sein. Dort, wo wir ihn mit anderen, von ihm unabhängigen Quellen vergleichen können, lassen sich immer wieder idealisierende Tendenzen feststellen, und das in historisch gut fassbarer Zeit wie z.B. den Punischen Kriegen. Für die kaum fassbare römische Frühgeschichte aber ist Livius in vielen Teilen unsere einzige Quelle, daher ist Vorsicht ist geboten. Das wäre sie aber auch, wenn Livius kein idealisierender Autor gewesen wäre: wenn ein Autor in der Zeit des Augustus über eine vier- oder fünfhundert Jahre zurück liegende Epoche schreibt, aus der es keine historiographischen Zeugnisse gibt (eine eigenständige römische Geschichtsschreibung entwickelt sich erst im 3. Jahrhundert), dann kann man nicht jede Anekdote für bare historische Münze nehmen. Ich sage nicht, dass alles falsch sei, was Livius schreibt. Ich sage nur, dass man mit den Informationen vorsichtig umgehen muss.

Aber eigentlich ging es ja nur um Kaiserporträts auf römischen Münzen :)
Nata vimpi curmi da.

Benutzeravatar
justus
Beiträge: 5690
Registriert: Sa 05.01.08 10:13
Hat sich bedankt: 44 Mal
Danksagung erhalten: 113 Mal

Beitrag von justus » Do 16.04.09 13:49

Zitat aus "Projekt Troja" des Institutes für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters: "Homer hat hier ein bestimmtes Ereignis aus der Geschichte herausgelöst und ein literarisches Kunstwerk (Epos) erschaffen, dem sich zuweilen selbst Logik und Tatsachen unterzuordnen haben. Er setzt, wie bei anderen frühen griechischen Dichtern, die chronologischen Ereignisse des Troianischen Krieges voraus".

Interessanter Diskurs. Den beiden letzten Absätzen stimme ich im Prinzip zu.

mfg Justus

P.S. Wer hat Troja mit Torquatus verglichen?
mit freundlichem Gruß

IVSTVS
-----------------------------------------------
http://www.muenzfreunde-trier.de/
Veröffentlichungen & Artikel

Benutzeravatar
Pscipio
Beiträge: 8228
Registriert: Fr 15.10.04 13:47
Wohnort: Bern, CH
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 14 Mal

Beitrag von Pscipio » Do 16.04.09 14:03

Es gibt über die Historizität des Trojanischen Krieges seit Jahrzehnten eine unendlich lange Forschungsdiskussion, ein Zitat aus Projekt Troja wischt diese nicht weg. Ob es einen Krieg, der als Vorbild diente, wirklich gegeben hat, lässt sich bisher weder beweisen noch widerlegen (und ich bezweifle, dass sich das je ändern wird), daher kann man nur vermuten. Es würde Sinn machen, dass die Ilias einen historischen Kern hat, aber sicher ist das keineswegs. Und wenn sie tatsächlich einen historischen Kern hat, dann kann man sich auch noch genüsslich darüber streiten, wie gross der ist :)

Ich habe nicht ganz verstanden, was die Ilias und Troja mit der Historizität von den durch dich zitierten Geschichten (also auch Torquatus) zu tun hat, welche zumeist auf Livius beruhen. Wie gesagt, Livius kann man nicht mit Homer vergleichen, und die Historizität seiner Angaben muss man im Einzelfalle immer kritisch überprüfen. Nur ist das in der römischen Frühgeschichte, wie ich dargelegt habe, nicht möglich, daher sollte man mit seinen Angaben doppelt vorsichtig sein. Vieles davon wirkt nachträglich idealisiert. Das ist alles, was ich zum Ausdruck bringen will. Und da sind wir uns ja, glaube ich, auch einigermassen einig geworden.
Nata vimpi curmi da.

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste