Kleines Rätsel - mal was ganz anderes !

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

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justus
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Beitrag von justus » Sa 23.05.09 13:57

Julianus v. Pannonien hat geschrieben:Also ich seh da nicht viel was dem Latein entsprechen könnte vielleicht grad mal die Xen in der hinteren Reihe, aber ich vermute da eher etwas anderes als Latein. evt. Griechisch
Es handelt sich schon um ein lat. Sgraffito, wenn auch in "Umgangschrift- oder Schreibschrift".
Anbei einige weitere Beispiele für handschriftliche Sgraffito auf Tonscherben der Sigillatatöpfereien von Westerndorf und Pfaffenhofen (Bayern):

Abb. 1 - Sgraffito IFIGILLINE SV [F/E] (figulia = Töpferwerkstatt) auf dem Rand einer Kragenschale Typ Oswald-Pryce.

Abb. 2 - Sgraffito AGISILLVS FIT auf einem Brennuntersatz.

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Beitrag von justus » Sa 23.05.09 14:51

Nachdem das kleine Rätsel wohl ein Rätsel bleiben wird, hier noch ein paar Sgrafitto auf römischen Terra-Sigillata-Scherben mit Namensbestandteilen von römischen Legionären. Vielleicht ist dies ja leichter zu entziffern?

Abb. 1 - Sgrafitto AMA auf einer reliefverzierten Schale Typ Drag. 37 auf Westerdorf. 7 x 6 cm). Anmerkung: Vermutlich handelt es sich um den Namen eines freien Nichtrömers (vir peregrini iuris), also entweder ein Individualname oder eine Herkunftsangabe (identisch mit dem Namen einer Stadt oder eines Volksstammes (wie z. B. Isidorus, Athenaeus oder Germanus).

Abb. 2 - Sgraffito GAIV auf einem unverzierten Napf südgallischer Terra-Sigillata aus La Graufesenque Typ Drag. 27 mit Töpferstempel MASCVVS ()6 x 4 cm).

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tuzzi
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Beitrag von tuzzi » Sa 23.05.09 20:21

Servus Justus,
Jahreszahl? In der Art von "Garum - haltbar bis 698 ab urbe condita?" (ich unterlasse den "vor Christi"-Joke). Gabs das?

Imperator: wahnsinn. urschön. In Carnuntum oder am hohen Markt gibts auch einen Dachziegel mit einem scrafitto - ein weiser Sinnspruch, war was schönes. Schade das ich Deins nicht lesen kann, geh bitte löse es für mich auf.

Grüße!
TuzziClemens

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Beitrag von emieg1 » Sa 23.05.09 20:40

Dieses interessante Lehrer-Schüler-Graffiti ist nicht im www zu finden; zum Glück habe ich noch die Postkarte...

Die Tonscherbe aus dem 3. Jahrhundert stammt aus den Funden rund um die Römervilla Bad Neuenahr-Ahrweiler, ergo fast ein Stückchen Heimatgeschichte für mich.
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Beitrag von Peter43 » Sa 23.05.09 21:01

Ich lese jetzt öfter Sgrafitto. Das ist aber eine Art von Stucktechnik, benutzt besonder in der Renaissance in Italien. Hier scheint es sich doch eher um Grafitti zu handeln.

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von justus » Sa 23.05.09 22:15

Der Begriff „sgraffito“ wird in der Archäologie auch für geritzte Verzierungen oder Schriftzeichen auf ungebrannten (vor dem Brennen oder luftgetrocknet) oder gebrannten Tonwaren verwendet.

Beispiel einer eingeritzten Inschrift auf einer rotglasierten Terra-Sigillata-Scherbe: On the outer rim, scratched through the red coating down into the light buff inner clay after firing (thus, this graffito being technically a "sgraffito").

http://images.google.com/imgres?imgurl= ... 2%26um%3D1 (siehe z. B. unter VAGIS ET EVASIS)

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Beitrag von Peter43 » Sa 23.05.09 22:27

Halte es trotzdem für eine der heute üblichen Sprachschludereien!

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Beitrag von imperator44 » Sa 23.05.09 22:33

justusmagnus hat natürlich recht, Sgrafitto heißt die Inschrift. Aber Julian von Pannonien, wie kommst Du auf griechisch, das ist eindeutig Latein. Und der Ziegel stammt noch dazu aus Pannonien. Aber so richtig bemüht habt Ihr Euch noch nicht, was die Lesung, bzw. Übersetzung angeht. Ich hab`mich immerhin fast drei Nächte lang damit beschäftigt, bis ich auf die Lösung kam. Aber ich erleichtere Euch die ganze Angelegenheit, indem ich Euch den Text preisgebe. Aber übersetzen müßt`s Ihr jetzt schon selbst. Also, die Inschrift lautet:
V K. SEPT.
LUPIO LXXXXVIIII.
Also strengt Euch an und viel Vergnügen.
Schöne Grüße vom imperator44

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Beitrag von emieg1 » Sa 23.05.09 22:42

justusmagnus hat geschrieben:Der Begriff „sgraffito“ wird in der Archäologie auch für geritzte Verzierungen oder Schriftzeichen auf ungebrannten (vor dem Brennen oder luftgetrocknet) oder gebrannten Tonwaren verwendet.
Nur, weil das irgendwo in den Weiten des www steht, muss es nicht zwangsläufig richtig sein :wink:

Zum wichtigsten Unterscheidungsmerkmal:

Sgraffito ist eine (Putz- bzw. Stuck)technik, die der Handwerker selbst anbringt.

Graffiti ist ein nachträglich angebrachter Schriftzug.

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Zuletzt geändert von emieg1 am Sa 23.05.09 22:54, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von cepasaccus » Sa 23.05.09 22:52

Ich hab bisher auch nur "Graffiti" und noch nie "Sgraffito" gehoert.
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Beitrag von justus » Sa 23.05.09 22:55

Es steht nicht nur einfach so irgendwo im WWW, nummis. Wenn du mal Zeit hast, dann begib' dich doch mal in eine Uni-Bibliothek. Dort suchst du z. B. das Werk von "Otto Roller, Die römischen Terra-Sigillata-Töpfereien von Rheinzabern. Limes-Museum Aalen, Kleine Schriften. herausgegeben von der Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern, 1969" heraus und schaust dir mal an, was er zu "Sgraffito" auf römischen Tonscherben so alles schreibt. Dann bist du bestimmt etwas schlauer!
mit freundlichem Gruß

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Beitrag von justus » Sa 23.05.09 22:59

Zum Thema passen übrigens sehr gut die Römischen Briefe auf Holztäfelchen – „Vindolanda Tablets“

In „Vindolanda“ (heute Chesterholm, Großbritannien), einem Auxilia-Lager aus der Zeit des Kaisers Trajan (98 bis 117) wurden im Laufe von ca. 20 Jahren mehr als 1000 Briefe aus der Römerzeit, geschrieben auf dünnen Holztäfelchen, gefunden. Die ersten von ihnen fand der Brite Robin Birley 1973 in einem verschütteten Graben, bald kamen an die 1000 ans Tageslicht. 20 Jahre später stieß er noch einmal auf über 300 weitere dieser Dokumente. Sie hatten verbrannt werden sollen, als der Lager-Präfekt Flavius Cerialis 105 n. Chr. an die Donau-Front versetzt wurde. Doch offenbar löschte damals ein Platzregen das Feuer, und dann blieben Holz und Schrift im dauerfeuchten Modder unter Luftabschluss erhalten.

Empfehlung: Zuerst Spiegelartikel lesen und dann auf die Webseite zu den Täfelchen gehen.

http://www.spiegel.de/spiegelgeschichte ... 43,00.html

Die Webseite zeigt jede Menge Photos der „tablets“ mit Erklärungen, geordnet nach inhaltlichen Kategorien. Sehr interessante, zum Teil wirklich amüsante Details.

Vindolanda Tablets Online - http://vindolanda.csad.ox.ac.uk/tablets/TVIIcat.shtml

mit freundlichen Grüßen

Justus
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Beitrag von emieg1 » Sa 23.05.09 23:02

justusmagnus, bitte verzeih mir meine Arroganz hier, aber der Begriff "Sgraffito" ist ganz eng eingegrenzt. Wenn die geritzten Verzierungen bzw. Beschriftungen vom Handwerker selbst stammen, der in die frische, noch weiche Tonware ritzt, kann man im weitesten Sinne des Wortes von Sgraffito sprechen.

Aber nachträgliche Beschriftungen, wie sie hier präsentiert werden, sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht als Sgraffiti zu bezeichnen, sondern als Graffiti.

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Beitrag von justus » Sa 23.05.09 23:10

Tu mir doch einfach nur den Gefallen, nummis, bevor du mal wieder widersprichst, und schau in die Fachliteratur, wie von mir empfohlen. Das ist doch nicht so schwer, oder worum geht es dir eigentlich?
mit freundlichem Gruß

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Beitrag von Peter43 » Sa 23.05.09 23:30

Ich vermute, daß Sgraffito ein Anglizismus ist, kann es aber im Augenblick nicht beweisen.

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