Antike, echt oder nur schön?

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

Benutzeravatar
areich
Beiträge: 8101
Registriert: Mo 25.06.07 12:22
Wohnort: Berlin
Danksagung erhalten: 1 Mal

Beitrag von areich » Do 28.05.09 09:02

Für solche häufigen Typen gibt es unheimlich viele Stempel, da ist es ein Riesenzufall, wenn man mal eine Münze von einem gleichen Stempel (Vor- ODER Rückseite) findet. Eine beidseitig stempelgleiche Münze online zu finden ist wohl mindestens ein Fünfer im Lotto bzw. ein schlechtes Zeichen.

Benutzeravatar
hidef
Beiträge: 59
Registriert: Mi 27.05.09 17:28

Beitrag von hidef » Do 28.05.09 09:17

Gab es keine Kontrollen und geregelte Münzstätten? Wie kann man da eine Unzahl von Stempeln misbrauchschützend kontrollieren? oder ginmg es immer nur um den Materialwert?
[i]"Vielwisserei lehrt nicht, Vernunft zu haben." Heraklit [/i]

Benutzeravatar
areich
Beiträge: 8101
Registriert: Mo 25.06.07 12:22
Wohnort: Berlin
Danksagung erhalten: 1 Mal

Beitrag von areich » Do 28.05.09 11:02

Ich habe leider keine genauen Zahlen (und weiß auch nicht wo und ob es die gibt) aber bei Millionenauflagen braucht man eben viele Stempel. Sicher gab es auch damals Unterschriftenlisten, Vorarbeiter etc. um Diebstahl zu begrenzen.

Benutzeravatar
Chandragupta
Beiträge: 1546
Registriert: Mi 12.12.07 16:39
Wohnort: BRD
Hat sich bedankt: 6 Mal
Danksagung erhalten: 9 Mal

Beitrag von Chandragupta » Do 28.05.09 11:26

areich hat geschrieben:Für solche häufigen Typen gibt es unheimlich viele Stempel, da ist es ein Riesenzufall, wenn man mal eine Münze von einem gleichen Stempel (Vor- ODER Rückseite) findet. Eine beidseitig stempelgleiche Münze online zu finden ist wohl mindestens ein Fünfer im Lotto bzw. ein schlechtes Zeichen.
Ausnahme bestimmte Goldmünzen, wenn diese wissenschaftlich bestens aufbereitet sind.

Hat zwar nix mit Römern zu tun - aber ich erwähne hier exemplarisch Göbls Kushan-Korpuswerk. (Da kann man fast sagen: Stempel, die Göbl dort nicht erwähnt, sind bis zum Beweis des Gegenteils als moderne Fälschung zu betrachten.) Bei den Römern gibt's auch schon entsprechende Ansätze, wie zu den Goldmünzen des Gallischen Reiches (z.B. Schulzki) oder das Korpuswerk zu Regalianus und Dryantilla, das wohl auch alle Stempel umfaßt, die's je gegeben hat.

Hintergrund: Die Zahl der aus einem Stempel prägbaren Goldmünzen war ERHEBLICH höher als bei Silber (und erst recht Kupfer). Dann wurden die Goldmünzen stärker thesauriert, d.h. der Anteil der heute noch bezogen auf den ehemaligen Prägeumfang prozentual erhaltenen Stücke ist schätzungsweise mindestens 1 Größenordnung höher als bei Ag/AE.

Und selbst bei Berücksichtigung der eben erwähnten Tatsache: Im 1. und 2. Jh. u.Z. (sowie dann auch wieder in spätrömischer Zeit ab Einführung des Solidus Mitte 4. Jh.u.Z.) wurden auch aus Gold je Typ GIGANTISCHE Mengen geprägt. Die sind dann zwar zumeist nach Indien gewandert und dort im Schmelztopf gelandet (oder zu sowas wie in meinem Avatar umgeprägt worden ;) ) ... aber auch bei den immer noch "massig" am Markt erhältlichen Aurei des Nero nun "einfach so" mal exakt stempelgleiche Stücke zu finden: wohl ein ausgemachter Glückstreffer! Am ehesten geht das bei noch nicht "zerpflückten" Hortfunden: Wenn zwei am selben Tag hergestellte Münzen immer wieder zusammen weitergegeben wurden und dann auch zusammen in der Erde gelandet sind...
Numismatische Grüße,

Euer Chandra

Benutzeravatar
Chandragupta
Beiträge: 1546
Registriert: Mi 12.12.07 16:39
Wohnort: BRD
Hat sich bedankt: 6 Mal
Danksagung erhalten: 9 Mal

Beitrag von Chandragupta » Do 28.05.09 11:51

hidef hat geschrieben:abschliessend (für heute morgen) bleibt noch festzustellen, dass ich fest davon ausgehe, dass das nicht meine letzte Münze war, aber ich bin mir sicher, dass falls da eine Leidenschaft entsteht meine nächste Münze auch keine sehr vernünftige Wahl -im Sinne eines Sammlerdaseins- sein wird...mir gefällt nämlich die Tetradrachme Attika/Eule so gut....sorry :-)
Dann wird's aber Zeit! :) Die gibt's derzeit aus einem Großfund in MASSEN am Markt, zu teilweise lächerlich niedrigen Preisen (wie immer in solchen Fällen, wenn ein Großfund "unter den Hammer kommt"). Diese Münzen haben zwar fast alle Prüfeinhiebe, Punzen, Grafitti, Gegenstempel - guckstu exemplarisch hier: http://www.coinarchives.com/a/lotviewer ... 8&Lot=2047 - sind also für "reine Anleger", die nur SPITZENSTÜCKE haben wollen, nix. Aber ich sehe das so, daß solche "antik geschändeten" ;) Münzen sehr viel mehr "eine/ihre Geschichte" als real umlaufendes ZAHLUNGSMITTEL erzählen als jedes noch so "prägefrische" Prachtexemplar wie exemplarisch jenes hier: http://www.coinarchives.com/a/lotviewer ... 79&Lot=186

Aber auch das kann/soll jeder sehen wie er mag. ;)

Im übrigen ist Dein Tiberius eine WUNDERVOLLE Münze und ich halte deren Preis für keinesfalls zu hoch!
Numismatische Grüße,

Euer Chandra

Benutzeravatar
hidef
Beiträge: 59
Registriert: Mi 27.05.09 17:28

Beitrag von hidef » Do 28.05.09 14:04

Danke Chandragupta für die interessante Info und natürlich für deine Freude zu meinem Tiberius :-)

Dem Link bin ich gefolgt, aber wenn ich dann bei vauctions reinschaue, dann sind die Münzen vergleichsweise miserabel und viel teurer. Ich suche eine, wo die eule ganz drauf ist und das Gesicht der Athena nett lächelt, je feiner gezeichnet -vor allem die Eule- umso besser. Bei coinarchives auch in der Preisklasse um 700€ schöne gesehen, aber in den Auktionen/verkaufsseiten will mir einfach keine über den Weg laufen..äh flattern :-)

ausserdem sollte ich, wenn man der zugrunde liegenden Geschichte Glauben schenken darf, sowieso mindestens 2 kaufen um diese dann vorsichtig in meinen Geldbeutel zu packen und in Athen auf Nachwuchs warten ...

...aber Hoffnung ist wohl kein guter berater ;-)
[i]"Vielwisserei lehrt nicht, Vernunft zu haben." Heraklit [/i]

Benutzeravatar
Peter43
Beiträge: 12320
Registriert: Mi 11.08.04 02:01
Wohnort: Arae Flaviae, Agri Decumates
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 405 Mal

Beitrag von Peter43 » Do 28.05.09 14:13

Hallo hidef!

Dein Tiberiusdenar wird regelmäßig teurer gehandelt, als es eigentlich seiner Häufigkeit zusteht. Der Grund ist, daß er als sog. Tribute Penny angesehen wird, d.h. als das Geldstück, zu dem Jesus der Bibel nach gesagt haben soll: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist. Zu dieser Geschichte unter dem Titel "No Tribute Penny?" der folgende Link: http://www.forumancientcoins.com/numisw ... te%20Penny

Mit freundlichem Gruß
Omnes vulnerant, ultima necat.

Benutzeravatar
Chandragupta
Beiträge: 1546
Registriert: Mi 12.12.07 16:39
Wohnort: BRD
Hat sich bedankt: 6 Mal
Danksagung erhalten: 9 Mal

Beitrag von Chandragupta » Do 28.05.09 14:44

hidef hat geschrieben:Dem Link bin ich gefolgt, aber wenn ich dann bei vauctions reinschaue, dann sind die Münzen vergleichsweise miserabel und viel teurer. Ich suche eine, wo die eule ganz drauf ist und das Gesicht der Athena nett lächelt, je feiner gezeichnet -vor allem die Eule- umso besser. Bei coinarchives auch in der Preisklasse um 700€ schöne gesehen, aber in den Auktionen/verkaufsseiten will mir einfach keine über den Weg laufen..äh flattern :-)
Ein wichtiger Hinweis: Coinarchives verweist allein auf ABGELAUFENE Auktionen (zumeist "richtige" Saalauktionen, nur wenige reine Online-Auktionen). D.h. das ist nur geeignet, um so den "ungefähren Marktpreis" abschätzen zu können (und sich zu ärgern, wenn man "früher mal" sich hat ein Schnäppchen entgehen lassen, das man dann dort immer noch bewundern kann... :x !).

Bzgl. "Augen offen halten" meinte ich hier mehr Münzbörsen und so. Ich habe am 1. Mai in Hannover jedenfalls noch ein paar solche "Eulen" für 65,- €/Stück bei einem englischen Händler aus einem Lot von vielen Hundert Stück geklaubt (allerdings eher so "abgelatschte" wie in meinem ersten Link - typische Vertreter aus diesem Großfund eben...). Ich ziehe das "live Angucken-Können" der Ware immer noch JEDEM Internet-Angebot vor, wo man nur das Foto hat... Und der Reiz am Sammeln ist für mich nicht so sehr das Besitzen, sondern der Prickel des Suchens und Findens... Für mich geht jedenfalls nichts darüber, "stundenlang" in irgendwelchen Lots/"Grabbelkisten" zu suchen und dann heftig rumzufeilschen... ;)

Okay, bei dem besagten Händler waren dann mittlerweile nun wirklich kaum noch sammelwürdige Stücke dabei, und irgendwann wird der Händler den letzten Rest (den Vollschrott eben...) für wenige Euro/Stück verkaufen müssen: an andere Händler zumeist, die ihn ihrerseits dann zum "Auffüllen" von Lots (Sammelposten) benutzen...

Aber ich weiß auch, wie diese "Grabbelkisten" noch vor 1...2 Jahren aussahen. Da war z.T. noch echte Spitzenware drin!! Da kostete aber "Each coin to pick 200,- €"; und diese Ware haben jetzt die von Dir online gefundenen Händler z.T. zu einem Vielfachen ihres Ankaufspreises im Angebot. :roll: (Naja, die wollen ja auch leben... :) )
Numismatische Grüße,

Euer Chandra

Benutzeravatar
richard55-47
Beiträge: 4150
Registriert: Mo 12.01.04 18:25
Wohnort: Düren
Danksagung erhalten: 61 Mal

Beitrag von richard55-47 » Do 28.05.09 15:15

Die Angabe "Tiberius 14-37, Denar -siber, RIC.26" deutet auf Sachkenntnis hin oder sie stammt vom zitierten Händler. Da fachmännisch Vergleichsmünzen vorgestellt werden, tippe ich auf die 1. Alternative und schließe mich spider an.
do ut des.

Benutzeravatar
hidef
Beiträge: 59
Registriert: Mi 27.05.09 17:28

Beitrag von hidef » Do 28.05.09 18:32

Hallo richard55-47 :-)

ich hab's doch gesagt...wie die Jungfrau zum Kinde :-), ich hab nie was damit zu tun gehabt aber ich bin eben auch für alles was begeistert sehr zugänglich ...und natürlich hab ich die Info vom Händlerangebot und die anderen Bilder von laufenden Auktionen... also ganz unkompliziert.

also allen nochmals vielen Dank für eure Anregungen, Information und Ein- bzw Wertschätzungen :-) hat mir wirklich sehr geholfen und auch stark animiert ab und zu vielleicht dochmal auf ne Börse zu gehen.... vielleicht also bis dahin :-) cu
[i]"Vielwisserei lehrt nicht, Vernunft zu haben." Heraklit [/i]

*EPI*
Beiträge: 1206
Registriert: Di 11.10.05 09:58
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 1 Mal

Beitrag von *EPI* » Do 28.05.09 18:42

@hidef:
Tetradrachme + Eule, eine kleine Auswahl:
http://www.muenzauktion.com/shops/searc ... lue=&m=all

Benutzeravatar
hidef
Beiträge: 59
Registriert: Mi 27.05.09 17:28

Beitrag von hidef » Mi 24.06.09 10:37

sorry epi, dass ich mich nicht gleich bedankt habe!

vielen dank , und natürlich bin ich dem Link gefolgt...hab aber leider nicht das 'Richtige' gefunden....noch nicht :-)

ciao
[i]"Vielwisserei lehrt nicht, Vernunft zu haben." Heraklit [/i]

  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag
  • Antike Münze unbestimmt
    von Muenzensammler100 » So 13.12.20 13:31 » in Römer
    2 Antworten
    213 Zugriffe
    Letzter Beitrag von shanxi
    So 13.12.20 14:01
  • Croesus antike Fälschung ?
    von Amentia » Do 21.05.20 22:31 » in Griechen
    5 Antworten
    481 Zugriffe
    Letzter Beitrag von chevalier
    Fr 22.05.20 16:55
  • Münzbestimmtung Antike Münze
    von Staufernumis » Sa 10.08.19 17:10 » in Altdeutschland
    1 Antworten
    297 Zugriffe
    Letzter Beitrag von shanxi
    Sa 10.08.19 17:58
  • 2 Antike MÜnzen-Hilfe bei Bestimmung
    von lomü » So 20.12.20 10:27 » in Sonstige Antike Münzen
    2 Antworten
    114 Zugriffe
    Letzter Beitrag von lomü
    So 20.12.20 11:17
  • Alexander Tetradrachme antike Imitation?
    von Amentia » Do 06.08.20 16:03 » in Griechen
    1 Antworten
    210 Zugriffe
    Letzter Beitrag von Altamura2
    Do 06.08.20 18:44

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste