Grammatikalische Frage

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

imperator44
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Beitrag von imperator44 » Di 21.07.09 22:50

Um nochmals auf AE3 zurückzukommen, für mich eindeutig ein Neutrum, das AE3, schließlich kommt es von aes, aeris und das ist nun mal sächlich.
Was mich viel mehr beschäftigt, vielmehr seit Jahrzenten ärgert, ist der, die oder das Mil(!)iarense. Warum wird dieses Wort mit nur einem "l" geschrieben ? Und warum leitet man das von dem Wort mil(?)iarensis ab, angeblich "spätlateinisch", was immer das bedeuten soll. Es ist nämlich in keinem Wörterbuch verzeichnet. Eine Ableitung von milliarius (tausend enthaltend) wäre korrekt, aber doch dann nur mit einem Doppel-l. Und ob`s dann der, die oder das Milliarense heißt, darüber kann man sich dann immer noch streiten.
Schöne Grüße vom imperator44

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drakenumi1
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Beitrag von drakenumi1 » Di 21.07.09 23:07

Mein "Klotz", Handbuch der lat. Sprache" von 1857, verzeichnet 2 mögliche Schreibweisen, sowohl mit einem, als auch mit zwei "l", wie auch unter anderen Beispielen bei "mille" = "mile". Insofern wäre doch mit dieser Kenntnis Dein Ärger neutralisiert (?)

Es grüßt Dich

drakenumi1
Man kann, was man will, und wenn man sagt, man kann nicht, dann will man auch nicht.
(Baltzer von Platen/a. Rügen)

imperator44
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Beitrag von imperator44 » Mi 22.07.09 00:22

Nicht ganz, drakenumi1, denn meine beiden Wörterbücher, "Lateinisch deutsches Schulwörterbuch" von Dr. K. E. Georges, (1875), und ebenfalls "Lateinisch deutsches Schulwörterbuch" von J. M. Stowasser(1900), schreiben ausnahmslos "mille" und "milliarius", sowie sämtliche Wörter, die sich von "mille" ableiten mit zwei "l". Außerdem führt keines von beiden das spätrömische(!) miliarensis. Aber vielleicht ist das eine kirchenlateinische Wortschöpfung.
Wo sind denn die Lateinlehrer??
Schöne Grüße vom imperator44

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Peter43
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Beitrag von Peter43 » Mi 22.07.09 00:54

A miliarense (neuter form of the late Latin miliarensis "pertaining to a thousand") was the only fairly regularly minted silver coin issued by the late Roman and Byzantine Empires. It was struck with variable fineness, generally with a weight between 6.5 and 8.5 grams. The miliarense was struck from the beginning of the 4th century under Constantine II with a diameter of 22 mm [1] , but it became more common from the 7th to the 9th century.

There were two kinds of miliarense: light and heavy. It took 14 heavy miliarensia and 18 light miliarensia to equal one solidus .

Und werft doch mal einen Blick hierein http://www.forumancientcoins.com/numisw ... 20SAECVLVM

Also Spätlatein mit nur einem L. Aber auch schon vorher mit nur einem L in Gebrauch. Und hier auch Neutrum: das Miliarense!

So auch Gierson/Mays, Catalogue of Late Roman Coins in the Dumbarton Oaks Collection and in the Whittemore Collection: From Arcadius and Honorius to the Accession of Anastasius: 'Latin speakers called it simply a miliarensis (masc.), though miliarense (neut.) apparently also existed and is the more usual term today (Guey 1965b)'

Mit freundlichem Gruß
Zuletzt geändert von Peter43 am Mi 22.07.09 01:16, insgesamt 2-mal geändert.
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Homer J. Simpson
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Beitrag von Homer J. Simpson » Mi 22.07.09 01:06

Miliarense ist, wie auch die Mehrzahlform Miliarensia zeigt, ganz klar Neutrum. Man kann sich sicher über das Geschlecht von As oder AE21 streiten. Aber Miliarense ist klar.

Homer
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Chandragupta
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Beitrag von Chandragupta » Mi 22.07.09 12:50

Das Problem ist hier immer, wenn der Genus im Deutschen und Lateinischen unterschiedlich ist und die dann die Frage aufkommt, ob man jetzt den Artikel auf die originale Bedeutung oder die Übersetzung ins Deutsche bezieht?
Und selbst da ist es bei "AE" für "Aes" schon schwierig: DAS Erz, DIE Bronze, DAS Kupfer, DAS Messing, ... :? (In meinem Fall: ich sage mittlerweile immer DAS AE.)

Dasselbe beim As: lat. DER As, Deutsch DAS Pfund. Hier hat sich im Deutschen algemein das Neutrum eingebürgert: DAS As.

DER Sesterz (alternativ: Quadrans, Semis, Dupondius, Quinar, Denar, Aureus) ist aber auch im Deutschen immer maskulin, weil: Viele, viele "sonstige" Nominalbezeichnungen sind das im Deutschen eben auch: DER Taler, DER Groschen, DER Heller, DER Pfennig, DER Cent, DER Euro ... (ich weiß: DIE Mark - da lebt das "alte" Geschlecht noch fort ... aber sie ist ja mittlerweile auch von uns gegangen...)

Hilfsregel mit vielen Ausnahmen: Wenn die Nominalbezeichnung eine EINZELNE Gewichtseinheit angibt, wird im Deutschen der Genus dieser auch für die jeweilige Münze benutzt. DIE Mark, DAS (brit.) Pfund, DAS As; sonst bei Münzen eher das Maskulinum.

Es lebe der unbestimmte Artikel!! Ab sofort schreiben wir nur noch in English. Dann haben wir das Problem nicht mehr... ;)
Numismatische Grüße,

Euer Chandra

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Peter43
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Beitrag von Peter43 » Mi 22.07.09 13:04

Das Problem beim As ist meiner Meinung entstanden durch das As beim Kartenspiel, das in der Bevölkerung wohl bekannter ist als der As der Numismatiker.

Mit freundlichem Gruß
Omnes vulnerant, ultima necat.

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chinamul
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Beitrag von chinamul » Mi 22.07.09 19:28

Nur wieder der guten Ordnung halber: genus, generis, n., Plural: genera, also das Genus!

Gruß

chinamul
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Homer J. Simpson
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Beitrag von Homer J. Simpson » Mi 22.07.09 19:38

Und im Fränkischen heißt's der Joghurt, der Kartoffel, der Radio und - behaupte ich immer noch :wink: - die As.

Homer
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BlackOut
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Beitrag von BlackOut » Mi 22.07.09 19:40

Vielen herzlichen Dank für die rege(!) Teilnahme.
Jetzt bin ich noch verwirrter als zuvor, lese aber gerne eure Ausführungen!

Liebe Grüsse,
BlackOut

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Beitrag von emieg1 » Mi 22.07.09 19:58

Homer J. Simpson hat geschrieben:Und im Fränkischen heißt's der Joghurt, der Kartoffel, der Radio und - behaupte ich immer noch :wink: - die As.

Homer
Ach du schei... "ihr" seid ja noch schlimmer als "wir" 8O

antoninus1
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Beitrag von antoninus1 » Mi 22.07.09 20:45

1 oder 2 El?

Vielleicht, weil die Römer,mille für tausend aber duo milia für zweitausend sagten.
Ein Latinist könnte sicher den Wegfall des zweiten L bei Pluralbildungen und vielleicht auch bei Ableitungen von der Grundform erklären.
Deshalb Miliarense.
Gruß,
antoninus1

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Beitrag von antoninus1 » Sa 25.07.09 14:11

Peter43 hat geschrieben: Und mir dreht sich der Magen um, wenn ich höre, wie jemand sagt 'die Pont Neuf' oder 'der Piazza Navona', das letzte eher selten, das erste aber häufig. Dann soll er eben seine Finger von Wörtern lassen, die er nicht beherrscht. Es heißt übrigens auch 'der amour fou', obwohl es im 'Stern' regelmäßig anders steht.

Mit freundlichem Gruß
Kann man das aber wirklich so kategorisch durchziehen?
Da die Verschleierungskünstler gerade wieder unterwegs sind:
muss man im Deutschen dann der Tour de France sagen?

Ich habe noch nie etwas anderes als die Tour de France gehört.
Gruß,
antoninus1

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Homer J. Simpson
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Beitrag von Homer J. Simpson » Sa 25.07.09 14:19

Dann am besten "die Frankreich-Rundfahrt". Natürlich heißt es im Französischen "la Tour Eiffel", weil turris nun mal weiblich ist, und "le Tour de France", weil turnus männlich ist. Man muß aber schauen, daß man einen Mittelweg findet - "der Tour de France" wäre zwar sprachpuristisch richtig, klänge aber doch recht seltsam.

Homer
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Beitrag von beachcomber » Sa 25.07.09 17:17

da 'tour' längst ein deutsches wort ist, und im deutschen weiblich ist, ist natürlich 'die tour de france' auch logisch!
grüsse
frank

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