Reichsapfel von Jülich, Cleve, Berg und Mark

Deutschland vor 1871
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Arminius
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Reichsapfel von Jülich, Cleve, Berg und Mark

Beitrag von Arminius » Mi 18.11.09 20:12

Hallo,

ich habe mich mal wieder in einen unbekannten und schlecht erhaltenen (Reichs)Apfel verbissen:

[ externes Bild ]

Billon? (18-19 mm / 0,63 g),
Obv.: DVX IVL CLI. AT. BECO. MA: R , Umschrift zwischen Linien, um Wappen.
Rev.: IN DEO SV...M.. A. GV. D. G / 6 , um und auf Reichsapfel.

Kann jemand helfen?

Gruß,

[ externes Bild ]
Zuletzt geändert von Arminius am Do 19.11.09 09:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von Numis-Student » Do 19.11.09 08:59

Hallo,
DUX IVL(iae) CLI(viae) AT BE(rg) CO(mes) MAR(ca) = Iülich, Cleve, Berg und Mark.
Schöne Grüße,
MR

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Beitrag von Arminius » Do 19.11.09 09:55

Danke!

Ein Sechspfennigstück, das sogenannte 'Petermännschen' ?

Kann jemand das ungefähre Datum nennen?
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Beitrag von KarlAntonMartini » Do 19.11.09 12:54

Das müßte der Münzherr sein:

http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_(J ... leve-Berg)

bitte Link komplett in die Adreßzeile kopieren

IN DEO SPES MEA GVlielmvs Dei Gratia
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Beitrag von Arminius » Do 19.11.09 18:13

Wieder einmal staunend, was man durch gutes Teamwork alles aus solch einem Stück korrodiertem Altmetall an Informationen herausholen kann, fasse ich zusammen:

Herzogtum Jülich-Kleve-Berg und Grafschaft Mark, Wilhelm V., genannt Wilhelm der Reiche (* 28. Juli 1516 in Düsseldorf; † 5. Januar 1592 ebenda), geprägt ca. 1543-1592 AD., (in Düsseldorf ?),
Sechspfennigstück (18-19 mm / 0,63 g), Billon ?,
Obv.: DVX IVL CLI. AT. BE. CO. MA:R , ( DUX IVL(iae) CLI(viae) AT BE(rg) CO(mes) MAR(ca) = Herzog von Jülich-Kleve zu Berg sowie Graf von Mark) Umschrift zwischen Linien, um Wappen, Wappen zum Zeitpunkt nach Beendigung der Herrschaft über Geldern und Zütphen 1543. Das Wappen zeigt oben links beginnend die Wappen von Jülich (Herzogtum), Kleve (Herzogtum), Berg (Herzogtum), unten links Mark (Grafschaft), rechts Ravensberg (Grafschaft).
Rev.: IN DEO S[PES] M[E]A. GV. D. G / 6 , ( IN DEO SPES MEA GVlielmvs Dei Gratia = in Gott ist meine Zuversicht, Wilhelm von Gottes Gnaden), um und auf Reichsapfel.
Lit ? .

Danke an alle Beteiligten!
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Beitrag von Gerhard Schön » Fr 20.11.09 00:21

Arminius hat geschrieben:Ein Sechspfennigstück?
Leider nein. Die Wertangabe bedeutet 6 Heller kölnischer Währung, die zeitgenössische Bezeichnung für diese Stücke in Westfalen war "Körtling" (nach der anfangs wertgleichen niedersächsischen Münzsorte). Die Prägung dieses Münztyps erfolgte ab 1579 in Bielefeld.
Arminius hat geschrieben:das sogenannte Petermännchen?
Auch das nicht. Petermännchen war der Name der Trierer Albus.
Gruß,
gs
Deutscher Münzkatalog, Euro Münzkatalog, Weltmünzkatalog.

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Beitrag von Arminius » Fr 20.11.09 23:14

So, ich glaube nun haben wir es endlich geschafft:

Bielefeld in der Grafschaft Ravensberg, verbunden mit dem Herzogtum Jülich-Kleve-Berg und Grafschaft Mark, Wilhelm V., genannt Wilhelm der Reiche (* 28. Juli 1516 in Düsseldorf; † 5. Januar 1592 ebenda), geprägt ca. 1579-1592 AD., in Bielefeld,
6 Heller kölnischer Währung / Körtling (18-19 mm / 0,63 g), Billon, die zeitgenössische Bezeichnung für diese Stücke in Westfalen war "Körtling" (nach der anfangs wertgleichen niedersächsischen Münzsorte),
Obv.: DVX IVL CLI. AT. BE. CO. MA:R , ( DUX IVL(iae) CLI(viae) AT BE(rg) CO(mes) MAR(ca) = Herzog von Jülich-Kleve zu Berg sowie Graf von Mark) Umschrift zwischen Linien, um Wappen, Wappen zum Zeitpunkt nach der Herrschaft über Geldern und Zütphen. Das Wappen zeigt oben links beginnend die Wappen von Jülich (Herzogtum), Kleve (Herzogtum), Berg (Herzogtum), unten links Mark (Grafschaft), Ravensberg (Grafschaft).
Rev.: IN DEO S[PES] M[E]A. GV. D. G / 6 , ( IN DEO SPES MEA GVlielmvs Dei Gratia = in Gott ist meine Zuversicht, Wilhelm von Gottes Gnaden), um und auf Reichsapfel.
.

Die Grafschaft Ravensberg war ein Territorium des Heiligen Römischen Reiches, gelegen im Osten des Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreises, mit der Stadt Bielefeld als Hauptort. Entstanden im 12. Jahrhundert, war sie ab 1346 mit Berg, ab 1437 mit Jülich-Berg und darüber ab 1511 mit Kleve verbunden. Seit 1614 gehörte es schließlich zu Brandenburg-Preußen, welches die Grafschaft 1719 mit dem Fürstentum Minden als Minden-Ravensberg verwaltungstechnisch zusammenschloss. 1807 ging das Territorium im neuen Königreich Westphalen auf.

Die Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg waren ein Zusammenschluss der niederrheinischen Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg und der Herrschaft Ravenstein sowie der westfälischen Grafschaften Mark und Ravensberg. Zwischen 1538 und 1543 gehörten auch die heute niederländischen Territorien Herzogtum Geldern und Grafschaft Zutphen für einige Jahre in diesen Territorialstaatenverband. Mit Beginn der märkischen Herrschaft in den Territorien dienten zunächst die Schwanenburg in Kleve und später Düsseldorf als gemeinsame Residenz.
Das Territorium wurde von 1521 bis 1609 von Herzögen aus dem Haus der Grafen von der Mark (einer früh abgespaltenen Seitenlinie der Grafen von Berg) regiert.

Wilhelm der Reiche war einziger Sohn von Johann III., Herzog von Jülich-Kleve-Berg, Graf von Mark und Ravensberg und Maria von Jülich-Berg. Nach dem Tod seines Vaters Anfang Februar 1539 übernahm er die Herrschaft.
Schon 1538 kam Herzog Wilhelm, als Nachfolger des entfernten Verwandten Herzog Karl von Egmond, an die Herrschaft über das benachbarte Herzogtum Geldern. Kaiser Karl V. beanspruchte jedoch dieses Land für sich und bekam bei dem Regensburger Reichstag im Jahr 1541 auch Recht. Wilhelm versuchte, gegenzuhalten und gab im Jahr 1541 seine Schwester, Anna von Kleve, dem englischen König Heinrich VIII. zur Frau. Diese Ehe wurde jedoch nicht vollzogen und ein halbes Jahr später annulliert. Im selben Jahr heiratete Wilhelm aus rein machtpolitischen Motiven die erst 13-jährige Nichte des französischen Königs Franz I., Jeanne d'Albret.
Bei den folgenden Gefechten 1543 mit den im Rheinland aufmarschierten kaiserlichen Truppen blieb die französische Hilfe jedoch aus und Herzog Wilhelm musste kapitulieren, den Vertrag von Venlo vom 7. September akzeptieren und das Herzogtum Geldern inklusive der Grafschaft Zutphen abtreten. Die Ehe mit Jeanne d'Albret wurde 1545 annulliert. Mit der Vermählung 1546 mit Maria von Habsburg, einer Nichte Karls V., erfolgte nun eine engere Anbindung an das Haus Habsburg.
Trotz dieser Anbindung blieb Wilhelm einer zwischen den Glaubensparteien vermittelnden Linie auf der Grundlage des Humanismus eines Erasmus von Rotterdam treu, was einer Reihe glänzender Humanisten seiner Zeit an seinem Hof und in seinem Machtbereich Schutz bot, so dem Theologen und Juristen Konrad Heresbach, dem Erasmus-Intimus Johann von Vlatten, den Ärzten Johann Weyer, der vor allem als Bekämpfer des Hexenwahns berühmt wurde, und Reiner Solenander, dem Kartografen Gerhard Mercator und dem Humanisten und Pädagogen Stephanus Winandus Pighius. Um in seinen verbliebenen Ländern mehrere Festungen und Residenzen neu aufzubauen oder zu verschönern, verpflichtete er den Renaissance-Baumeister Alessandro Pasqualini, er betreute den Ausbau der Residenz- und Festungsstädte Jülich und Düsseldorf, den Ausbau des klevischen Orsoy und der ravensbergischen Sparrenburg zur Festung. Wilhelm hielt sich aufgrund der unruhigen Lage in den Niederlanden die meiste Zeit im Düsseldorfer Schloss auf. Einen Eindruck von der Prachtentfaltung des Düsseldorfer Hofes vermittelt die Beschreibung der fürstlich jülichschen Hochzeit des Hofjuristen und bergischen Landschreibers Dietrich Graminäus aus dem Jahr 1585: Mythologische Spektakel auf dem Rhein, Feuerwerk, Tanz, Ritterspiele und mit Orpheus und Amphion die erste in Deutschland nachweisbare opernhafte Darbietung, alles zu Ehren der Verheiratung von Johann Wilhelm mit der Markgräfin Jakobe von Baden.
Auf Grund mehrerer Schlaganfälle teilweise gelähmt, war Wilhelm nach dem tragischen Tod seines Sohns und designierten Nachfolgers Karl Friedrich im Jahr 1575 in Rom an den Blattern gezwungen, die Regierungsgeschäfte trotz zunehmender Gebrechlichkeit weiter zu führen, da der nun an Karl Friedrichs Stelle tretende Johann Wilhelm seinerseits von schwächlicher Konstitution und labiler geistiger Verfassung war und darüber hinaus zum Katholizismus neigte. Als Wilhelm Anfang 1592 starb, hinterließ er ein zwischen den aufständischen Niederlanden und Habsburg, zwischen Protestantismus und Katholizismus zerriebenes Land, das infolge der zunehmenden Regierungsunfähigkeit seines Sohnes Johann Wilhelm in Chaos und Intrigenwirtschaft versank.

(Den Namen Jülich-Kleve-Berg (mit Sitz in Köln) trug auch eine am 30. April 1815 gebildete Preußische Provinz, die bereits am 1. Januar 1822 mit der ebenfalls 1815 gebildeten Provinz Großherzogtum Niederrhein (Sitz in Koblenz) zur Rheinprovinz vereinigt wurde.)

Danke an "Numis-Student", KarlAntonMartini, Gerhard Schön und wikipedia für die Bestimmungshilfe und Infos.

A.
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Beitrag von KarlAntonMartini » Fr 20.11.09 23:33

Wow, nicht schlecht. Nur das mit dem Territorialverband ist mE zu sehr von modernen staatsrechtlichen Vorstellungen geprägt, es war wohl doch eher eine Personalunion.
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Denar
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Beitrag von Denar » Sa 21.11.09 13:49

Hallo Arminius

Kleine Ergänzung zur Umschrift der Vorderseite,
Sie endet--- MA: R
ich würde es so auflösen- MArk: Ravensberg

Gruß
Denar

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Beitrag von Arminius » Sa 21.11.09 15:16

Danke für die weiteren sinnvollen Verbesserungsvorschläge!

Nun fehlt nur noch ein Literaturzitat, und die Bestimmung ist "rund".
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christof
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Beitrag von christof » So 22.11.09 18:38

Hallo,

Literatur wäre z.b. Stange (Geld- und Münzgeschichte der Grafschaft Ravensberg) Nr. 96.
Geprägt wurden offiziell 1597: 10237 Stk. und 1580: 20737 Stk.
So wie ich den Stange verstanden habe (auf S. 102), müssen neben den Bielefelder Stücken (Nr. 95; dort ist in der Umschrift unter dem Wappen nochmal das Ravensberger Wappen vorhanden) noch weitere woanders geprägt worden sein, die Nr. 96 ist als ein Beispiel dafür angegeben.

Der vorgeschriebene Münzfuß war Silber 208/1000; Gewicht 0,891g, Feingew. 0,185g.

Obige Angaben allesammt aus dem Stange.


Kleine Anmerkung zur Geschichte:
Ravensberg kam 1346 an Jülich; und über Ravensberg kam Berg mit zu Jülich (bevor die Ravensberger ihr Erbe in Berg antreten konnten starben sie selber in männlicher Linie aus).
Der letzte Ravensberger Graf Bernhard (1329-46) war kinderlos, sein Bruder Otto IV. (1306-29; verheiratet mit Margarete, Erbin von Berg) hinterließ "nur" eine Tochter (ebenfalls Margarete; Erbin von Ravensberg und Berg), die mit Gerhard v. Jülich verheiratet war.

Haarspalterei: Im Zuge der Kontinentalsperre unter Napoleon war Ravensberg kurzzeitig zwischen Frankreich und Westfalen aufgeteilt
Viele Grüße aus Nordhessen

Christof

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