Flavia Titiana ????

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

Benutzeravatar
cojobo
Beiträge: 594
Registriert: Sa 19.04.03 11:52
Wohnort: Bonn

Beitrag von cojobo » Di 13.05.03 12:03

Hallo,

ich hoffe, dass man mir nicht übel nimmt, wenn ich mich ganz unfachmännisch auch noch mal melde, aber schließlich habe ich diese Grundsatzdiskussion zwar losgetreten, aber überhaupt nicht beabsichtigt. Ich hatte mir eigentlich nur ein paar sachkundige Kommentare zu einer unserer "kritischen" Münzen gewünscht.

Aus diesem Grund habe ich gestern auch noch einmal ein paar zusätzliche Detailfotos in dieses Diskussionsforum eingefügt. Ich würde mich riesig freuen, wenn jemand abseits aller Grundsatzdifferenzen darauf noch einmal einen Blick werfen und seine Meinung dann mitteilen würde.

Mit der Hoffnung auf einen weiteren erfolgreichen und erfreulichen Fortgang dieses Forums

cojobo

Iotapianus
Beiträge: 391
Registriert: Fr 09.05.03 17:14
Wohnort: Kiel

Beitrag von Iotapianus » Di 13.05.03 20:54

Da der Vergleich mit definitiv authentischen Stücken wohl schwierig wird, wären zumindest gute Fotos schon mal hilfreich; da sieht es nicht gut aus. Ich habe in meiner Literatur äußerst wenige Fotos von Münzen der Titiana gefunden. (Die Zeichnung aus dem Cohen wurde hier ja schon eingestellt.)
David Sear: Greek Imperial Coinage. London 2001, S. 196, erwähnt eine alexandrinische AE 25 (Diobol) (nicht, wie ich oben geschrieben hatte, eine Tetradrachme), bildet sie aber nicht ab; er bringt dafür ein Foto einer Tetradrachme mit den Porträts des Pertinax Caesar und der Titiana. Dieselbe Münze bildet er in der neuen dreibändigen Ausgabe von Roman Coins and their Values. London 2002, S. 430, ab und gibt jetzt die Seltenheitsbezeichnung "unique".
Das Bild derselben Münze findet sich auch in doppelter Vergrößerung in: Richard Stoll: Frauen auf römischen Münzen. Trier 1996, S. 112.
Auf den Auktionskatalog 86 von Münzen und Medaillen AG Basel 1988, Nr. 111, hatte ich schon hingewiesen; das wäre der Diobol aus Alexandria gewesen, aber die Firma zog die Münze als mutmaßlich falsch zurück.
Das Porträt auf dieser Münze und auf der Tetradrachme sehen sich nicht sehr ähnlich, aber haben gar keine Ähnlichkeit mit dem sehr maskulinen Kopf auf der hier diskutierten Prägung - was nicht viel besagen will. Angesichts der Kürze der Regierung mussten die Stempelschneider vermutlich ohne Vorlage arbeiten.
Sonst finde ich in meiner Literatur keine Abbildung einer Titiana-Münze, auch in keinem Auktionskatalog.
Hat sonst noch jemand gute Bilder solcher Prägungen gefunden?

Iotapianus

Benutzeravatar
mumde
Beiträge: 1507
Registriert: Mo 06.05.02 23:08
Wohnort: Weil am Rhein
Danksagung erhalten: 12 Mal

Beitrag von mumde » Di 13.05.03 21:54

Hallo Iotapianus, Volker Zedelius bildet in seiner Dissertation ein Foto einer Bronze der Titiana aus Alexandria ab. Das dort gezeigte Bild ist das Profil einer schlanken, grazilen Frau mit großem Auge und langer schmaler Nase. Es wirkt völlig anders als das hier zur Diskussion stehende Bild.
Gruß mumde

Iotapianus
Beiträge: 391
Registriert: Fr 09.05.03 17:14
Wohnort: Kiel

Beitrag von Iotapianus » Di 13.05.03 22:55

Darf ich ganz dumm fragen, wie das Buch heißt? Im ZVAB bin ich bei dem Namen zwar mit einigen Titeln fündig geworden, aber keiner passt thematisch.

Iotapianus

Benutzeravatar
mumde
Beiträge: 1507
Registriert: Mo 06.05.02 23:08
Wohnort: Weil am Rhein
Danksagung erhalten: 12 Mal

Beitrag von mumde » Mi 14.05.03 19:40

Hallo Iotapianus, auf dem Titelblatt steht: Untersuchungen zur Münzprägung von Pertinax bis Clodius Albinus. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster (Westf.) vorgelegt von Volker Zedelius aus Leipzig 1975. Zedelius befaßt sich da hauptsächlich mit den Portrait-Typen. Ich habe heute die Abbildungen der Titiana auf seinen Fototafeln fotografiert; wem darf ich die Fotos schicken, damit sie hier eingestellt werden?
Gruß mumde

Iotapianus
Beiträge: 391
Registriert: Fr 09.05.03 17:14
Wohnort: Kiel

Beitrag von Iotapianus » Mi 14.05.03 20:11

Vielen Dank für die schnelle Antwort. Das ist dann wohl ein Dissertationsdruck, der nicht in den Buchhandel kam?

Iotapianus

Benutzeravatar
Morgoroth
Beiträge: 837
Registriert: Di 15.04.03 19:43
Wohnort: Müncheberg

Beitrag von Morgoroth » Mi 14.05.03 21:29

oida ou eidos

Benutzeravatar
mumde
Beiträge: 1507
Registriert: Mo 06.05.02 23:08
Wohnort: Weil am Rhein
Danksagung erhalten: 12 Mal

Beitrag von mumde » Mi 14.05.03 21:41

@Morgoroth: Besten Dank! @Iotapianus: Ja, es ist ein ganz einfacher Dissertationsdruck. Zedelius bildet zwei Münzen der Titiana ab, eine mit ihrem Sohn (das oberste Bild ist dieselbe Münze, nur ihr Portrait nochmal größer), und von der anderen Münze gibt es bei Zedelius leider keine Rückseite. Als Standort gibt Z. zur zweiten Münze Paris an, das ist also das Münzkabinett der Nationalbibliothek. Zur oberen Münze gibt er nur an: "Glendining". Das muß eine Glendining-Auktion sein, er sagt aber dummerweise nicht welche. Beides sind Münzen aus Alexandria. Mytilene erwähnt er gar nicht.
Gruß mumde

Iotapianus
Beiträge: 391
Registriert: Fr 09.05.03 17:14
Wohnort: Kiel

Beitrag von Iotapianus » Mi 14.05.03 22:16

Vielen Dank für die bibliographische Info und die Bilder.
Die Tetradrachme mit den beiden Porträts von Titiana und Pertinax Caesar ist jetzt wieder die, die auch in den beiden Sear-Katalogen und bei Stoll abgebildet ist und von der Sear mittlerweile annimmt, dass es davon nur ein gesichertes Exemplar gebe.
Die zweite Münze ist dann ja wohl die Bronze (Diobol), die Sear in seinem "Greek Provincial Coinage" anführt, aber nicht abbildet, passt aber gut zu der Skizze von Cohen.
D.h. wir haben jetzt mühsam Fotos von gerade mal zwei für authentisch gehaltenen Münzen der Titiana dokumentiert + das der hier diskutierten Bronze aus Mitylene; diese Prägungen scheinen in der Tat ganz extrem selten zu sein.

Iotapianus

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste