Die Schönheit der Münzen des Commodus

Kaiser, Dynastien und Münzstätten

Moderator: Homer J. Simpson

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Homer J. Simpson
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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von Homer J. Simpson » So 26.05.13 21:25

Klar - pfeif doch auf das Loch. Was macht das Loch kaputt? Vorne eine Gewandfalte, hinten zwei Buchstaben. Langweilig. Aber sowohl der Kopf als auch die Löwenbiga haben was und sind intakt.

Glückwunsch von

Homer
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curtislclay
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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von curtislclay » So 26.05.13 22:00

Vor allem wenn, wie in diesem Fall klar, das Loch nicht modern sondern antik ist.

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Homer J. Simpson
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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von Homer J. Simpson » So 26.05.13 22:40

Genau!
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Invictus
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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von Invictus » Mo 27.05.13 07:56

Denar des Commodus
erstes Halbjahr 186 n.Chr.
RIC 134, RSC 315, BMC 204
3,15 g / 16-18 mm

Kopf mit Lorbeerkranz n.r.
M COMM ANT P FEL AVG BRIT
Podium, darauf der Kaiser in Toga auf sella curulis sitzend; links von Commodus steht Liberalitas (Personifikation der Freigiebigkeit) mit Zählbrett in der Rechten und Füllhorn in der Linken; hinter Commodus steht ein Liktor mit fascis (Rutenbündel). Ein togatus (römischer Bürger) steht auf einer zum Podium hinaufführenden Leiter und empfängt das Geldgeschenk in seiner aufgebauschten Toga.
C1.JPG
P M TR P XI IMP VII COS V P P
im Abschnitt LIB AVG VI (LIBERALITAS AVGVSTI VI = die sechste Freigebigkeit des Kaisers)
C2.JPG
Der Denar zeigt die Szene der Geldspende (Congiarium), welche Commodus aus Anlass der glücklichen entronnenen Verschwörung des Tigidius Perennis (185 n.Chr.) kurze Zeit später dem römischen Volk gab. Kienast (Kaisertabelle) datiert dieses Ereignis mit "?" auf den Januar 186 n.Chr.
Die Geldspende dürfte wohl 100 Denare betragen haben (siehe v. Saldern und Cassius Dio). Das entspräche in etwa 260 Tagesmahlzeiten eines Erwachsenen (bestehend aus 1 Brotlaib, 1 große Schüssel Erbsenbrei und 1/2 Liter Landwein).
Zuletzt geändert von Invictus am Mo 27.05.13 08:24, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von Invictus » Mo 27.05.13 08:18

Und noch ein As:
182 n.Chr.
Prägestätte: Rom
10,55 g / 24-25 mm

Kopf des Kaisers mit Lorbeerkranz n.r.
M ANTONINVS COMMODVS AVG
C 1..JPG
Annona (Personifikation für eine ertragreiche Jahresernte) steht n.l., in der Linken ein Füllhorn, mit der Rechten hält sie zwei Kornähren über einen am Boden stehenden Modius, aus dem zwei Kornähren und mittig eine Mohnkapsel herausragen
ANN AVG TR P VII IMP IIII COS III P P
S C
(im Feld)
C 2.JPG
Nach der Aufdeckung der geoßen Senatsverschwörung mit der Kaiserschwester Lucilla an der Spitze (1. Verhaftungswelle Ende181, 2. Verhaftungswelle Anfang 182 n.Chr.) musste Commodus seine geschwächte Position als Herrscher schnellstmöglich wieder festigen. Die Reorganisation der staatlichen annona war deshalb ein sehr wichtiger Punkt für den jungen Kaiser, um sein Ansehen und die Zustimmung innerhalb der hauptstädtischen Plebs zu steigern. Commodus dürfte die gefährliche Situation anno 175 n.Chr. nicht vergessen haben, als sich der Usurpator Avidius Cassius in den Besitz von Ägypten (des wichtigsten Kornlieferanten für Rom) gesetzt hatte. So führte v. Saldern auch die Häufung von Congiarien (Geldspenden) zu Beginn der Regierungszeit auf die anfänglich schwache Stellung des Commodus zurück.
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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von der_Komtur » Do 30.05.13 00:43

na, auch schon ganz schön abgelutscht, wäre ja nicht so mein Fall

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chinamul
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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von chinamul » So 02.06.13 12:07

Dieser mit 14,74 g ziemlich gewichtige und sehr seltene As des Commodus zeigt ihn beim Vollzug des jahrhundertealten Stadtgründungsrituals, bei dem meist ein Priester, hier aber der Kaiser selbst, mit einem Ochsengespann um das geplante Stadtgebiet eine Furche pflügte, die den Verlauf der künftigen Stadtbefestigung vorzeichnete.
Im vorliegenden Falle handelte es sich jedoch nicht etwa um eine Neugründung, sondern vielmehr um die Umbenennung Roms in "Colonia Lucia Antoniniana Commodiana". Die Roma Aeterna sollte also fortan nach dem Kaiser benannt und auf diese Weise die bisherigen stolzen „Romani“ zu „Commodiani“ gemacht werden.
Damit hatte Commodus wohl den Bogen endgültig überspannt, obwohl das beabsichtigte Verfahren sogar durch den Senat, für den Commodus die Umbenennung in „Senatus Commodianus“ vorgesehen hatte, abgesegnet worden zu sein schien, wie das SC auf dem Münzrevers andeutet.
comm as gründungsritual.jpg
COMMODUS 180 – 192
Æ As Rom 190
Av.: M COMM ANT P FE - LIX AVG BRIT P P - Belorbeerter Kopf rechts
Rv.: COL L AN COM P M TR P XV IMP VIII ; im Abschnitt zweizeilig COS VI / SC - Commodus verschleiert als Priester mit Ochsengespann nach rechts pflügend
RIC 570 var. (dort SC links und rechts im Feld)
Ø 24 - 28 mm / 14,74 g ; Stempelstellung 6 Uhr

Dieses seltene und historisch hochinteressante Stück hat mich bei eBay D ganze € 37 brutto gekostet.

Gruß

chinamul
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Homer J. Simpson
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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von Homer J. Simpson » So 02.06.13 12:35

Das ist sehr hübsch, ich hatte es auch gesehen, aber mich doch dagegen entschieden, da ich von dem Stück ulkigerweise schon zwei habe. Trotzdem hat es mich gewundert, daß es so günstig weggegangen ist. Glückwunsch!

Ich bin mir noch im Zweifel über die Auflösung der Rs.-Legende, speziell des COL LAN COM. Da gibt es zwei Erklärungen, einmal die rituelle Neugründung Roms, wie auch Du schreibst, aber auch die rituelle Neugründung seiner Geburtsstadt Lanuvium als COLonia LANuviana COMmodiana. Was mich etwas an der Rom-Hypothese zweifeln läßt: L AN soll dann Lucia Antoniniana heißen, aber Commodus nannte sich zu der Zeit noch Marcus (s. Vs.-Legende)! Nur auf den Münzen zu Lebzeiten seines Vaters und dann im letzten Lebensjahr heißt er Lucius Aelius Aurelius.

Homer
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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von Invictus » So 02.06.13 13:39

Mit der Neugründung Roms hat hat Motiv nichts zu tun. Es passt ja auch gar nicht mit der Prägezeit, denn der große Stadtbrand (dem anschliessend die Umbennung Roms gefolgt sein soll) war später.

Der Verkäufer der Münze hat den Prägeanlass doch auf seinem Begleitkärtchen vermerkt, hast du dieses nicht mit erhalten?
commodus.jpg
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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von chinamul » So 02.06.13 15:51

Doch, die Karteikarte habe ich ebenfalls bekommen, aber mir schien die andere Interpretation trotz einiger Unstimmigkeiten (Homer hat das Lucius-Argument schon genannt, aber auch das Prägedatum der Münze 190 will nicht recht zu der erst 192 erfolgten Neugründung Roms als Colonia Commodiana passen) zunächst wahrscheinlicher zu sein.
Angaben auf Sammlungskarteikarten sind meiner Erfahrung nach stets mit Vorsicht zu genießen, aber ich bin selbstverständlich jederzeit bereit, mich einleuchtenden Argumenten anzuschließen.

Gruß

chinamul
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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von curtislclay » So 02.06.13 23:50

Über diese Frage habe ich bereits unter "Historisch interessante Münzen" geschrieben, wo Chinamul, ungeschickterweise muss ich sagen, ein zweites Mal dieselbe Münze mit demselben Kommentar gepostet hat.

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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von chinamul » Mo 03.06.13 13:15

Leider weist der folgende seltene Sesterz des Commodus am rechten Rand der Rückseite eine erhebliche Beschädigung auf, wohl durch zwei Hiebe mit einem scharfen Gegenstand (Schwert ?), durch die ein kleiner Teil des Schrötlings abgeplatzt ist. Trotz dieser Beeinträchtigung war mir das Stück immer noch die € 75 brutto wert, die es mich bei eBay D gekostet hat.
comm sest salus ric 450.jpg
COMMODUS 180 – 192
Æ Sesterz Rom 184
Av.: M COMMODVS ANTON AVG PIVS BRIT - Belorbeerter Kopf rechts
Rv.: P M TR P X IMP VII COS IIII P P S C ; im Abschnitt: SALVS - Salus nach links sitzend und aus Patera Schlange fütternd, die sich vor ihr an Säule mit daraufstehender Bacchusfigur (?) aufrichtet; auf dem Thron hinter Salus kleine nach links stehende Spes, unter dem Thron nach links liegende geflügelte Sphinx; ganz links Baum mit herabhängenden Zweigen
RIC 450
Ø 27 - 29 mm / 24,31 g; Stempelstellung 5 Uhr

Gruß

chinamul
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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von Peter43 » Mo 03.06.13 20:41

Interessante Rückseite. Gefällt mir.

Jochen
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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von Peter43 » Di 04.06.13 20:56

Ich habe jetzt lange nach einem Zusammenhang zwischen Salus (Hygieia) und Bacchus (Dionysos) gesucht, aber keinen gefunden. Kann es sich vielleicht um Asklepios handeln?

Jochen
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Re: Die Schönheit der Münzen des Commodus

Beitrag von pepone » Fr 07.06.13 16:06

Diesen schönen Sesterzen konnte ich mir aus KC´s Beständen sichern.
In Natura etwas heller.

Av.: M COMMODVS ANT P – FELIX AVG BRIT
Rv.: MINER VICT P M TR P XIIII IMP VIII COS V P P S – C
RIC 528
19,5g, 28 mm

Gruss
Simon
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