Hadrian und seine "Familie"

Kaiser, Dynastien und Münzstätten

Moderator: Homer J. Simpson

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Julianus v. Pannonien
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Re: Hadrian und seine "Familie"

Beitrag von Julianus v. Pannonien » Sa 01.12.12 12:16

Quasi Zeitgleich mit dem soeben vorgestellten Trajan As, konnte ich diesen tollen Hadrian Sesterzen entgegennehmen.
Ich hatte diesen Rückseiten-typen bereits in meiner Sammlung, jedoch in schlechterer Erhaltung.

Die Rückseite ist an sich schon sehr spannend, was aber die Münze noch interessanter macht, ist ein Schreibfehler in der Revers-Legende.
anstatt "DISCIPLINA" wurde bei diesem Stück aus versehen "DISCIPVLINA geschnitten.

[ externes Bild ]

AE-Sestertius
OV: Draped bust with bare head to right.
Leg: HADRIANVS AVG COS III PP
RV: Hadrianus togate with scroll walking to right, behind him centurion and three Standartbearers.
Leg: - / S C
Ex: DISCIPVLINA AVG / in two lines
Rome
RIC 746
27.16 Gramms

Grüsse
Simon
"VICTORIOSO SEMPER"

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aquensis
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Re: Hadrian und seine "Familie"

Beitrag von aquensis » Sa 01.12.12 12:22

Glückwunsch zu dieser Variante 8O !

Franz

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Homer J. Simpson
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Re: Hadrian und seine "Familie"

Beitrag von Homer J. Simpson » Sa 01.12.12 12:27

Tolle Sache! Die Münze ist zwar abgegriffen, hat aber wunderschöne Oberflächen und ist völlig unverpfuscht. Und Discipulina ist natürlich was für uns Lateiner, da es den etymologischen Zusammenhang zwischen disciplina und discipulus (Zögling, Schüler, im kirchlichen Sinne: Jünger) herstellt. Ich würde es weniger als Schreibfehler denn als archaistische Variante bezeichnen.

Glückwunsch von

Homer
Wo is'n des Hirn? --- Do, wo's hiig'hört! --- Des glaab' i ned!

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ga77
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Re: Hadrian und seine "Familie"

Beitrag von ga77 » Sa 01.12.12 12:43

Geniales Stück, gratuliere! Und der Schreibfehler macht sie doppelt sympathisch :)

Vale
Gabriel

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Invictus
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Re: Hadrian und seine "Familie"

Beitrag von Invictus » Mo 17.12.12 12:37

Soeben traf dieser Aelius ein:

Sesterz
Prägestätte Rom
Prägezeit 137 n.Chr.
30 mm / 25.84 g

Bloße Büste n.r.
LVCIVS AELIVS CAESAR
Aelius A.JPG
Pannonia, die Personifikation der beiden Provinzen, steht n.l. Sie trägt eine Mauerkrone auf dem Haupt und hält in ihrer Rechten ein vexillum. In der Pose der Hoffnungsgöttin Spes rafft sie mit der Linken ihr Gewand nach oben.
Die Ikonografie diese Münztyps könnte vielleicht so zu deuten sein: Die Städte (Mauerkrone) der Provinz Pannonia wissen sich hoffnungsfroh (Kleidraffen) und durch kasernierte Stadtkohorten (vexillum) geschützt - dank der Administration des Aelius Caesar (Aversbüste). Aus diesem Kontext heraus könnte man annehmen, dass die PANNONIA-Münze des Aelius zeitgleich im Rahmen der RESTITVTOR-Serie des Hadrian geprägt worden ist. Die ADVENTVS-Serie von Hadrian dürfte demzufolge vorher geprägt worden sein wie es Th. Witulski (Kaiserkult in Kleinasien, S. 160) sieht: „…ergibt sich hinsichtlich der Datierung der Prägungen der Reiseerinnerungsmünzen, dass mit ihr durchaus im zweiten Drittel des Jahres 132 n.Chr. begonnen worden sein kann“.
TRIBVNICIA POTESTATE CONSVL II
im Feld PANNONIA
im Feld SENATVS CONSVLTO
Aelius R.JPG
Lucius Aelius kam am 13. Jan. 101 n.Chr. auf die Welt. Er hatte zwei Töchter und einen Sohn (den späteren Kaiser Lucius Verus). Sein Schwiegervater Avidius Nigrinius war in die „Verschwörung der vier Konsuln“ gegen Kaiser Hadrian verwickelt gewesen und 118 n.Chr. hingerichtet worden. J. Carcopino sieht in Aelius den illegitimen Sohn des Hadrian, weswegen die Wahl des kaiserlichen Nachfolgers letztendlich auf ihn fiel (entgegen der fragwürdigen These von R. Syme, wonach Hadrian mit der Adoption die Ermordung von Nigrinius sühnen wollte).

Lucius Aelius, den man zum consul ordinarius anno 136 n.Chr. gewählt hatte, wurde im gleichen Jahr von Hadrian adoptiert (19. Juni – 29. Aug.), in den Caesarenrang erhoben und mit der statthalterischen Amtsgewalt (imperium proconsulare) über die beiden Pannoniae ausgestattet. Der Kronprinz brach umgehend zur Donau auf, um dort militärische wie auch administrative Erfahrungen zu sammeln und gleichzeitig sein Ansehen bei den Soldaten als zukünftiger Herrscher zu festigen. Zu Ehren des fortziehenden Aelius veranstaltete Hadrian Wagenrennen im Circus und gab 300 Millionen Sesterzen an Volk und Soldaten aus.
Was erwartete Lucius nun in Pannonien, welches eine strategisch-geographische Schlüsselposition und eine bedeutende militärische Streitmacht besaß? http://upload.wikimedia.org/wikipedia/c ... onia02.png
Die Provinz hatte Trajan einst in Pannonia superior und Pannonia inferior aufgeteilt. Seit dem 2. Jahrhundert n.Chr. befand sich hier - neben Britannia und Syria - eine der stärksten römischen Truppenkonzentrationen. In Oberpannonien lagen die Legio I Adiutrix (Brigetio), Legio X Gemina (Vindobona) und Legio XIIII Gemina (Carnuntum), in Unterpannonien die Legio II Adiutrix (Aquincum). Die germanischen Quaden sowie die im Krieg von 117/118 n.Chr. besiegten Jazygen hatten sich gegenüber dem triumphierenden Hadrian verpflichtet, räuberische Einfälle über die Reichsgrenze fortan zu unterbinden.
Ob nun Aelius mit ernsthaften Unruhen an diesem Grenzabschnitt zu kämpfen hatte oder nur die Beziehungen zu den jenseitigen Nachbarvölkern tiefgreifender gestalten sollte kann nicht eindeutig gesagt werden. Manche meinen, dass sich Markomannen, Quaden und Jazygen zu Beginn der dreißiger Jahre wieder gegen die Römer erhoben hätten. Tatsächlich erwähnt die Historia Augusta einen Feldzug des Aelius, der weder glanzvoll noch beschämend verlaufen sei. Und Cassius Dio schreibt (allerdings ohne terminus!) von einer zu den Römern abgesandten jazygischen Friedensgesandschaft. Der zwischen 140-144 n.Chr. erschienene Sesterz des Antoninus Pius (REX QVADIS DATVS - RIC III 620), welcher die römische Einflussnahme auf die Wahl des neuen quadischen Königs zeigt, rundet das Bild jener Jahre ab.
Natürlich konnte Aelius die gesamte Verwaltung der beiden Pannoniae nicht allein übernehmen, zumal diese Aufgaben sonst von zwei Statthaltern bewältigt worden waren. Deshalb unterstellte man dem Kronprinzen bspw. T. Statilius Maximus als eigenen oberpannonischen Legat (lt. H. Temporini)

Die Tuberkulose ließ Aelius nicht in den Geschmack der Kaiserwürde kommen. Bereits im Frühjahr 136 n.Chr. soll er als Teilnehmer an einem von Hadrian in Tibur veranstalteten Sportwettkampf blutspuckend umgefallen sein. An der Donau plagten ihn Husten, Erkältungen und Fieber. Sein schlechter Zustand wird wohl der Grund seiner Abfahrt aus Pannonena im September(?) 137 n.Chr. gewesen sein. Hadrian sagte deshalb im Spaß: „Ich scheine einen Divus und keinen Sohn angenommen zu haben“. Als dem Kaiser das Congiarium zu Ehren des Aelius anno 136 n.Chr. in den Sinn kam, klagte er gegenüber dem Hauptmann der Wache, dass die 300 Millionen Sesterzen sinnlos zum Fenster hinausgeworfen seien.
Den Morgen des 1. Jan. 138 n.Chr. begann Aelius mit dem Einstudieren seiner selbst verfassten Lobrede auf Hadrian, die er bei der Neujahrsfeier (vota publica) vortragen wollte. Plötzlich hustete er Blut aus, wurde ohnmächtig und starb in kürzester Zeit. Damit die Gelübde für den Staat nicht im Wehklagen des Volkes untergingen, zögerte Hadrian die Bekanntgabe der Todesnachricht bis zum 2. Jan. hinaus. Der Senat beschloss die Konsekration, doch der Kaiser verbot diese Ehrung.

Sonderbar erscheint, dass der Thronerbe Aelius nur einem der vier höchsten Priesterkollegien angehörte – dem Quindecimvirat. Seinem Sohn Lucius Verus widerfuhr bis zur Kaiserausrufung 161 n.Chr. dasselbe Schicksal – er war nur Augur. Dessen Bruder Marcus Aurelius hingegen war bereits 139 in alle vier großen Priesterkollegien kooptiert worden.

Nachtrag:
Hier habe ich noch einen Artikel zur Pannonia-Münze gefunden:
http://www.academia.edu/2219259/Die_Pan ... k_Hadrians
Zuletzt geändert von Invictus am Fr 25.01.13 17:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Hadrian und seine "Familie"

Beitrag von mike h » Sa 22.12.12 16:58

Hallo Invictus,

gefällt mir sehr gut, Dein neuer Aelius.
Leider gefällt er mir sogar besser als mein eigener :(

Da es leider nicht nur Spitzenstücke gibt, zeige ich nun einen ziemlich zermolestierten Hadrian As, um den es wirklich schade ist.
IMG_3202.JPG
IMG_3203.JPG
HADRIANUS AUGUSTUS

COS III (Punkt) P (Punkt) P / SC
Roma steht nach rechts

26 mm / 11,1g

In Anbetracht des Kaufpreises kommt er jedoch trotz des antiken Schnittes durch das Portrait in die Sammlung

Martin
130 Köppe /201 (Kampmann)
1.) Ziel erreicht!

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Re: Hadrian und seine "Familie"

Beitrag von Hoja » Di 12.02.13 17:34

Heute ist mein erster Hadrian Denar eingetroffen, den ich hier einmal zeigen möchte.
2 Seiten vorher, wurde von aquensis zwar schon ein schönerer Denar vorgestellt, allerdings scheint meiner eine andere Büstenvariante zu haben. (wahrscheinlich der Standardtyp RIC 69)
Die Rückseite ist zwar etwas flau, das Porträt aber sehr ansehnlich.
Vs: IMP CAESAR TRAIAN HADRIANVS AVG
belorbeerte Büste rechts, linke Schulter drapiert
Rs: P M TR P COS III
Minerva steht rechts, schwingt Speer und hält Schild
Dateianhänge
Hadrian RIC 69 klein.jpg

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Re: Hadrian und seine "Familie"

Beitrag von aquensis » Di 12.02.13 18:43

Das ist doch schon mal ein guter Anfang :D !
Dein Typ ist RIC 69 b = Head laureate right, drapery on left shoulder.

Grüsse Franz

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Re: Hadrian und seine "Familie"

Beitrag von Hoja » Di 12.02.13 19:28

Danke für die Ergänzung.
Schönen Abend
Holger

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Re: Hadrian und seine "Familie"

Beitrag von Peter43 » Mo 18.02.13 23:47

Dies ist eine meiner schönsten Münzen des Hadrian. Leider ist sie verkrustet und ich weiß nicht, ob man die beseitigen kann. Ich habe sie gerade an Dr.Amandry in Paris geschickt, der sie für sein Update von RPC III braucht.

Hadrian, AD 117-138
AE 21 (Semis?), 4.53g, 20.56mm, 315°
obv. AV KAI CEBA[...] - TRAIANOC ADRIANOC
Bust, draped and cuirassed, laureate, r.
rev. DARDAN - WN
Eagle facing, with spread wings, head l., carrying away Ganymedes, wearing
chlamys and Phrygian bonnet, holding lagobolon in r. hand
probably unpublished
very rare, about VF, some roughness

This is the counterpart of Bellinger's T136 from Ilion/Troas and Bellinger describes this rev. as 'remarkable because this is a scene from the Troyan myth before Homer'. This theme is found only in Troas. Ganymedes was the son of king Tros, founder of Troy.

For more information please look at the thread 'Mythological interesting coins'

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
Dardanos_Hadrian_unpublished.jpg
Omnes vulnerant, ultima necat.

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chinamul
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Re: Hadrian und seine "Familie"

Beitrag von chinamul » Do 11.04.13 11:36

Dieser Sesterz des Hadrianus ist wieder mal in der Hand attraktiver, weil seine Oberfläche dort farblich weit gleichmäßiger wirkt. Das ist aber offenbar der Preis, den man für die Bequemlichkeit des Scannens zu entrichten hat, daß es nämlich unbarmherzig alle unschönen Stellen mit übergroßer Deutlichkeit abbildet. Wenn man also einem perfekt aussehenden Scan einer Münze begegnet, darf man daher unterstellen, daß das abgebildete Stück in Wirklichkeit eher noch schöner ist.
Hadr sest felic ric 749.jpg
HADRIANUS 117 – 138
Æ Sesterz Rom 134 – 138
Av.: HADRIANVS AVG COS III P P - Kopf rechts barhaupt
Rv.: FELICITAS AVG S C - Felicitas nach links stehend; in der Rechten Caduceus, in der Linken Füllhorn; links zu ihren Füßen Rad
RIC 749; C. 609
Ø 31-32 mm / 22,59 g ; Stempelstellung 4 Uhr

Gruß

chinamul
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Re: Hadrian und seine "Familie"

Beitrag von klausklage » Do 11.04.13 12:18

Hübsch! Ist das Wagenrad ein Symbol für den Handel?

Olaf
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Re: Hadrian und seine "Familie"

Beitrag von drakenumi1 » Do 11.04.13 17:35

chinamul hat geschrieben:Dieser Sesterz des Hadrianus ist wieder mal in der Hand attraktiver, weil seine Oberfläche dort farblich weit gleich- mäßiger wirkt. Das ist aber offenbar der Preis, den man für die Bequemlichkeit des Scannens zu entrichten hat, daß es nämlich unbarmherzig alle unschönen Stellen mit übergroßer Deutlichkeit abbildet. Wenn man also einem perfekt aussehenden Scan einer Münze begegnet, darf man daher unterstellen, daß das abgebildete Stück in Wirklichkeit eher noch schöner ist.
Eiun sehr wirkungsvolles Münzbild, sehr attraktiv, und ein ebenso gelungener Scan, wie ich denke.
Aber Deiner Schlußfolgerung möchte ich widersprechen:

Man ist doch mit dem Scanner in der Lage, jederzeit und jedwede Veränderung durchzuführen: Den Kontrast und die Helligkeit zu verändern und die Farben zu manipulieren. Und schließlich wird durch die geschickte Auswahl des Scannertyps auch in geringen Grenzen der Einfallwinkel des Lichtes wählbar bzw. die Intensität des die ganze Bildfläche gleichmäßig ausleuchtenden Streulichtes. Und diese Variationsmöglichkeiten besitzen m.W. (fast?) alle auch preiswürdigen Scannertypen, und wenn sie auch genutzt werden, dürfte es zu der von Dir geschilderten "übergroßen Deutlichkeit" nicht zwangsweise kommen. Daß es möglicherweise zu solcher Manipulation der Art kommen kann, daß Schwächen des Münzbildes unterdrückt oder Stärken besonders hervorgehoben werden, liegt im Ermessen des Scannenden und möglicherweise werden dann auch gewollt oder ungewollt Grenzen überschritten, die durch den Begriff "Betrug" am besten beschrieben werden.

Der besondere Nachteil einer Scannernutzung ist immer die Höhe des Prägeprofiles. Je höher dieses. desto eher sind die typischen Doppelkonturen der Prägung zu beobachten, welche nur die dicht neben der Hauptkontur in Richtung der Lichtquelle liegende Spiegelung der mehr oder weniger senkrecht zur Münzebene gelegenen Prägeflanken darstellen. Das heißt, am besten scannergeeignet sind alle flachen Prägungen, sie produzieren die wenigsten Doppelkonturen beim Scannen. Am wenigsten geeignet sind solche 1-2 mm hohen Prägeprofile der Favier-Denare, am besten alle Spätrömer.

Und daß auch die Richtung des auf die Münze auftreffenden Lichtes eine große Bedeutung hat, über die viele user dieses Systems sich gedankenlos hinwegsetzen, sei nur ergänzend erwähnt. Bei Portraitscans von Münzenist immer die Lichtrichtung von oben mit leichter Tendenz nach vorne zu bevorzugen. Das ist reine automatische Erfahrung, die Sonne scheint auch immer von oben und am günstigsten von oben/vorne auf ein Gesicht.

Fazit: Nicht nur die Automatik eines Scanners nutzen, sondern auch die vielen Variationsmöglichkeiten der Parameter, dann sollte auch der kaum vom Original unterscheidbare Scan zu realisieren sein.

Beste Grüße von

drake
Man kann, was man will, und wenn man sagt, man kann nicht, dann will man auch nicht.
(Baltzer von Platen/a. Rügen)

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Re: Hadrian und seine "Familie"

Beitrag von chinamul » Do 11.04.13 18:00

@klausklage

Das Rad ist wohl nicht ein Symbol für den Handel. Da die abgebildete Göttin die Felicitas ist, dürfte das Rad eher auf die Wechselhaftigkeit des Geschicks verweisen. Bei einem rollenden Rad sind die einzelnen Partien des Rades mal oben, mal unten, ganz wie im normalen Leben. Man könnte das Münzbild also möglicherweise als Mahnung auffassen, bei einer Glücksphase nicht davon auszugehen, daß sie anhält.

Gruß

chinamul
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Invictus
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Re: Hadrian und seine "Familie"

Beitrag von Invictus » Do 11.04.13 19:26

klausklage hat geschrieben:Ist das Wagenrad ein Symbol für den Handel?
Das Rad erinnert sofort an die östlichen Motive der Nemesis, denn dort ist es in der gleichen Position zu Füßen der griechischen Göttin.
Bei ihr (der Göttin für die richtige Verteilung von Glück und Recht, aber auch der Bestrafung) steht das Rad für die Geschwindigkeit, mit der die göttliche Gerechtigkeit die zu bestrafenden Menschen ereilt (die Hinrichtung durch Rädern & auf's Rad binden, die sich bis in die Neuzeit erhalten hatte, dürfte wohlmöglich eine Assoziation mit dem antiken Götterattribut sein).
Das Rad als Geschwindigkeitssymbol taucht bei den Reichsrömern auch in anderen Motiven auf, etwa bei der Münze des Trajan betr. Bau der Via Traiana (Zeichen der schnellen Reisegeschwindigkeit) oder den vielen Ausgaben des Fortuna-Redux-Typs (Zeichen einer schnellen Rückkehr des Kaisers).
Bemerkenswert erscheint, dass offenbar nur unter Hadrian der Felicitastyp mit Rad auftaucht. Die Botschaft, dass für Rom beständiges Glück (felicitas) eintreten möge resp. eingetreten ist, soll vielleicht mit dem Rad noch dadurch unterstrichen werden, dass dies sehr schnell geschehe resp. schon geschehen ist. Der Hinweis auf die Schnelligkeit in Verbindung der Prägezeit jener Münze (134-138) lässt m.E. an einen Bezug zum Judenaufstand anno 132-135 denken. Die Beseitigung dieser das Reich gefährdenden Unruhe muss recht bedeutsam gewesen sein (schließlich nahm Hadrian im Dez. 135 deswegen sogar eine IMP-Akklamation entgegen). Um so verständlicher erscheint es da, dass dem Kasier selbst sehr daran gelegen war, seinen Untertanen mitzuteilen, wie schnell wieder "glückliche Zeiten" eingekehrt seien (Hadrian war ja bei Beginn seiner Regentschaft vorgewarnt, was Judenunruhen bewirken konnten - hatten sie doch letztendlich den Trajanschen Ostfeldzug gestoppt und - vielleicht! - damit die dauernde Eingliederung von Armenia, Mesopotamia und Assyria verhindert)

Ein mit dem Rad assoziierendes Auf und Ab des Glücks wäre wohl in der Propaganda eher kontraproduktiv gewesen, hätte es doch den Römer beängstigend vor Augen geführt, dass ihre glücklichen Zeiten auch schnell wieder vorbei sein könnten!
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